Der jüdische Herold
- Journal
- Der jüdische Herold
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 44 (25.11.1937)
- Date
- 1937-11-25
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German, Hungarian
- Belongs to
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näbo£en«k£ obce zidovskä i Praha V. unABHflnoioes orthodoxes 0 r g a n Hit der Übernahme von 3 Blätter ist das Abonnement anerkannt. _ P0■ ■ wnmitm. Mb 1SI10 1U.bR Podavaci poit irad P. Streda. REDAKTION und ADMINISTRATION DUNAJSKÄ streda TELEFON 74. ERSCHEINT ]EDEN DONNERSTAG. ABONNEMENTSPREISE: Inland Ausland Ganzjährig K(. SO.— 70.— Halbl&hrlg 55 —.25 ״.— Vierteljährig 18 —•13 ״.— NUMMER 44. (648.) 25 November 1937• דונאסערדאהעלי בא' כסלו תרצ׳ח m. G. XIII. JAHRGANG Parsüme Nisso Kundtat des Wunders. (Für Chanukkoh) So die Neige des Kislew-Monats an• rückt und an jüdische Fensterscheiben die Chanukkoh-Flämchen durchblinzeln, drängt sich wie unwirkürlich die Frage hervor : Warum wir diese in die grosse Welt hinaustragen?■ Was doch wollen wir hiedurch den Fremden Menschen sagen?״ Was ist der eigentliche Sinn der Verord״ nung: ״Ner Chanükkoh Mizwoh lehonichoh al Pejsach Bejsoj mibachüz“ Das Chanükkoh Licht soll an die Tür auswärts gelegt werden. Sonderbar ist dann auch die Ausei־ nandersetzung des über die Entstehung dieses Festes verhandelnden Talmuds (Sa• bbath 21.) im Passus : ״Maj Chanükkoh?“ Erzählend die Geschichte des einzigen Krügchen Öles, welches nur für einen Tag haltendes Quantum enthielt und doch ganze acht Tage bestritt folgedessen : ״Leschonoh acheres kowüho, weosüm, Jomim tojwim behallel wehojdooh“ ״Im anderen Jahre schaltete man sie als Feiertage ein, mit Preis und Dankgebe• ten“ Nun ist dies ganz recht: aus Dank für das Wunder setzte man diese acht Tage als Feier ein. Wo sind aber noch die Chanükkoh-Lichter? diese verordnete man denn nicht? sind doch diese die Hauptsache, warum werden sie auch mit keiner einzigen Silbe erwähnt, ebenda, wo es am rechten Plalz gewesen wäre? Der ganze Gegenstand dieses Feier• tages ist aber das ״Parsime Nisso Kund• tat des Wunders“, was immer die frohan• genehme Pflicht der gesamten Judenheit bleibt für die ganze acht Tage des Chanükkoh Festes. Diese Absicht leitete sie zur Entzündung der Chanükkoh Lichter, was sie auch jedes Jahr treu befolgen, daher dann auch deren Bestimmung ausser der Türe, damit die Kundtat desto nach• drücklicher geschehe. Nun kann es füglich behauptet wer־ den, dass die ganze Existenz der Juden im Exil ein grosses Wunder sei. Natürlichen Weges würde kein einziges Volk zweitausend Jahre mitmachen können, ein• zig und allein unter Plage und Marter, gehetzt und verfolgt, rechtesberaubt und verknechtet, und wir Juden sind G. sei Dank noch immer da 1 Wahrlich ein gewaltiges Wunder! Was für ein Wunder Ist aber noch das, dass wie wir dageblieben, welchen psychischen Zustandes! Nach sol• ehern langen Märtyrertum, solcher Unendlichkeil der Verfolgungen, könnte man meinen, dass solch, ein Volk verhärmt, niedergeschlagen und mutlos sei, denn selbst solches, ertragen ist doch auch schon ein Begriff der Selbstverleugnung, das, dass man überhaupt noch existiere, wie erst auch noch fernerhin aufrecht mit dem verbissenen Feind den Kampf fechten, den Standpunkt behaupten? und doch ist es so! Des Wun• ders Wunder ist unsere stolze, beharrliche Klammerung an unser Judentum. Der geplagte, verfolgte, gejagte Jude ist selbstbewusst. Er weiss gut, dass er dem ältesten Volke de Welt angehöre; einem Volke, welches schon sehr vieles, grosses geschaffen { einem Volke, dem das rühmliehe ״Haniwchor ausserwählt“ beigelegt wurde; dessen teuere geistige Schätze auf der ganzen Erdenwelt kein Gleichen haben dies wappnet ihn zum Wiederstand, gibt ihm Kraft, flösst ihm Mut ein. Nach den Jahrtausenden des Exils stolziert noch der Jude mit seinem Judentum! Die Fahne der Judenheit flattert hoch! Und ebendieses Wunders Wunder!st im Chanükkoh Licht symbolisiert, in diesen winzigen, aus den jüdischen Fensterscheiben hervorblinzelnden Flämmchen. Weicherweise? hinsichtlich dessen diene folgende, wahre, gar nicht alte, auch nicht al zuweither gekommene Geschichte. Clemenceau, Ministerpräsident des mächtigen französischen Reiches während dem Weltkriege, der geistreiche ״Tieger“ erzälte einmal einem ihm nahestehenden : ״Gestern kam zu mir der alte Edmond Rotschild. Der alte hält sich noch gut 1 und Weisst ihr, ich halte ihn für den besten Juden der Welt. Er sass neben mir und plauderte so klug von verschiedenen Sachen, so schlagfertig, dass er mich sozusagen in Wunder versetzte, als Banksmann. Er äusserte solche Ansichten die sehr grosse Edelherzigkeit bezeugen. Dieser alte Rothschild gehört zu jenen Mensehen, die auch bezüglich ihrer Herzensangelegenheiten sehr interessante Meinun• gen haben und war es allerdings keine schlechte Idee von ihm, dass er zur Errichtung eines wissenschaftlichen Laboratoriums für die Universität 3 milionen Francs gespendet. Er ist ein Jude! Aber auch welch׳ ein selbstbewusster Jude und wie stolz auf sein Judentum 1 Wie er ein» mal bei mir weilte und ich schlechter Laune war, entkam mir irgend eine Schimpfur g über die Juden. Hierauf sprang der alte empor und setzte mit der Faust einen gewaltigen Riss auf meinen Tisch denkt nur: auf meinen ministerpräsidetialen Tisch und donnerte mich ab: ,Schweigen Sie Herr Clemenceau! die Juden sind das grösste Volk der ganzen Welt 1“ dann hielt er mir einen Vortrag von der Bibel und über die Chaschmojniten. Nun wisst ihr doch, dass mich die Chaschmojniten wenig angehen; es gefällt mir aber ungemein, dass jemand sich seiner Eigenschaft nicht schämt, aber vielmehr noch, dass er Jude zu sein sich nicht schäme. Dies ist ein Mann, vollkommener Mensch 1 Leider ist nicht jeder Jude so geartet, wie der alte Rotschild.“ So sprach einst Clemanceau. Wir geben da seine eigenen Worte wieder, so wie sie sein Seeretär in seinem Werke überden französischen ״Tieger“ publizierte. Hierdurch erklärt sich zur genüge das : ״Ner Chanükkoh Mizwoh lehonichoh al Pejsach Bessoj mibachüz“ ״Das Chanükkoh Licht soll an die Tür auswärts gelegt werden“. Warum? Weil ebendiese Chanükkoh Flämmchen unseren jüdischen Stolz symbolisieren, was wir auch nun der ganzen Welt zu verstehen geben. Soll sie nur sehen, : dass wir uns unserer Judenschaft nicht schämen. Jawohl! die aus den jüdischen Fensterscheiben strahlenden Flämmchen, welche sich bis zu den Chaschmojnitten zurückerstrecken das rufen, aus dass : ״die Jud:n das grösste Volk der ganzen Welt sei“ So war es zeitens der Chaschmojniten, dauerte auch durch lange, sehr lange Jahre, bis nun der bekannte hochherzige Herr auch davon Kraft geschöpft, um des sein Volk treffenden Schimpfes gehörig, auf den Tisch des französischen Ministerpräsidenten wuchtig hinzuschmettern. Die von den Chanükkoh Flämmchen bewirkte : ״Parsime Nisso“ ״Wunders Kundtat“ ist die kraftvolle, betonte, an die ganze Welt gerichtete Kundmachung dessen, dass die alte Judenheit noch immer lebe, u. dastehe, wird aber auch da es G. will, nimmer untergehen. S. W. Sch• Verbreitet den Jüdischen Herold!