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Der jüdische Herold · 1937-11-18 · 43 (18.11.1937) · p. Seite 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Herold
Volume
13 (1937)
Issue
43 (18.11.1937)
Date
1937-11-18
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German, Hungarian
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5 Eine ganze jüdische Hrbeitergruppe nie־ dergeschossen. — 5echs Tote. Jerusalem. Am Dienstag, dem 9. November, wurde der Jischuw durch eine neue Schreckensnachricht erschüttert. Eine ganze jüdische Arbeitergruppe wurde in Migdal, 14 Kijometer von Jerusalem entfernt, von Arabern aus dem Hinterhalt beschossen. Sämtliche fünf Mitglieder der Gruppe, nähmlich Puchowski, Bar Giora, Baumgarten, Olischewski und Morduchowitsch, sowie der sie begleitende jüdische Hilfs• polizist Izchak wurden tödlich getroffen. Sie waren alle Mitglieder der Kwuzah Baamaioh und arbeiteten auf den Feldern jn der jüdischen Kolonie Kirjat Anavim. Sie befanden sich gerade auf dem Wege zur Feldarbeit, als sie von den tödlichen Schüssen getroffen wurden. Der Ueberfall geschah so plötzlich, dass der Hilfpolizist nicht dazu kam, von der Waf* fe Gebrauch zu machen. Die alarmierte Jerusalemer Polizei nahm mit Hilfe von Spürhunden die Suche nach den Tätern auf. In der Nacht auf Dienstag, 9. November, wurde die Telefonleitung zwisehen Tel Aviv und Heifa durchschnitten. An den Tatort wurden Truppen entsandt. Die Verbindungen zwischen beiden Städten wird über Jerusalem aufrechterhalten. 6000 juedische Familien in der Posener Gegend in Hungersgefahr•. Warschau. In Warschau ist eine Abordnung jüdischer Markthändler aus Kattowitz eingetroffen, die dem jüdischen Parlamentsklub eine Denkschrift über die Lage der jüdischen Markthändler im Gebiet von Posen. Pomerellen und Schlesien überreichten In der Denkschrift wird betont, dass sich die Lage in den betreffenden Gebieten derart zugespitzt habe, das die Märkte für jüdische Markthändler völlig verschlossen sind 6000 jüdische Familien, die von Verkauf ihrer Waren auf den Märkten lebten, haben ihren Lebensunterhalt verloren und sind dem Hunger ausgesetzt. Die um ihre Existenz gebrachten Markt händler bereitet eine Petition an den Staatspräsidenten vor. Ein 3ude bei Lodz ermo!det. Warschau, In der Nähe von Lodz ist der jüdische Händler Jakob Giterman von dem Waldhüter Stanislaw Maslowski niedergesto chen worden. Unbekannte Hu'igans haben den Friedhof von Okuniew geschändet. Die Täter zerstörten zwanzig Grabsteine. SYRISCHE BANDEN IN PALÄS• TINA. Jerusalem. Es bestätigt sich, dass an den Terroraktionen der letzten Zeit nichtpalästinensische Araber wesentlich beteiligt sind. Das Dorf Humel Fachmeh bei Akko wurde von einer 20 Mann starken, fast durchwegs aus Syriern be bestehenden Bande angegriffen. Die Eindringlinge requirierten Nahrungsmittel und flüchteten dann in die Berge. Eine 15 Mann starke bewaffnete Bande drang in das Dorf Luban ein und trieb eine Herde von 300 Rindern fort. Auch in Seisil bei Hebron wurden 35 Stück Vieh von einer Bande fortgetrieben. Verurteilung eines PfeilkreuzFrführers führt zu antisemitischen Excessen Budapest. Aus der ungarischen Stadt Eger wird gemeldet: Hier kam e■! wegen der VerurlHlung des Pfeilkreuzführers Prof. Mainasj »Der Jüdische Herold« zu 2 Monaten Gefängnis wegen Aufreizung gegen die ungarische Nation zu judenfeindlichen Demonstrationen. Der jüdische Tempel wurde mit Pfeil und Hakenkreuzen beschmiert, alle Fensterscheiben des Hauses des Oberrabbiners wurden eingeschla־ gen, Juden belä>tigt. Die Polizei musste wiederholt einschreiten. ANTIJUEDISCHE DEMONSTRATION AM GRABMAL DES UNBEKANNTEN SOLDATEN IN PARIS. Paris. Beim Grabmal des Unbekannten Soldaten in Paris kam es zu einer aniijülischen Demoustration, als der Abgeordnete der American Legion, Isador G tuet, im Namen der jüdischen Mitglieder der Legion einen Kranz mit der Inschrift ״Dein gastfreundlichen Frankreich“ niederlegie. Eine Gruppe junger Leute stiess antijüdische Rute aus. Die Menge nahm eine drohende Haltung gegen die Demonstranten ein, woraufhin diese abzogen. Charakterbtisjhes Inszident in der Tarnover Mädchen-;■ chule. Hm Illontag, den 15. üouernber bringt das Warschauer ״Jüdische Cagblatt“ (flr. 54) folgenden sehr interresanten Bericht, den wir im Wortlaut hier widergeben: In der 7. Klasse der Mädchenschule in der Konarskigasse in Tarnow sind auf ein Blatt eines Schreibheftes verschiedene beleidigende Sätze gegen die politische Nation und die christliche Religion, wie «allen Polen und Christen sollte man die Köpfe abhacken «Heraus mit Polen» etc. Dieses Blatt ist von seiten einer Mitschülerin der besten Schülerin der Klasse, einer Jüdin, Frl. Mina Mahler, unter ihre Bank geworfen worden. Nachher sind einige antisemitische Schülerinen zur Bank der jüdischen Schülerin zugegangen und haben diese Schrift mit den abfälligen Bemerkungen «entdeckt» und der Lehrerin übergeben• Als diese die jüdische Schülerin zur Verantwortung zog, erklärte diese kategorisch, dass sie dies schon aus dem Grund nicht geschrieben haben konnte, zumal die jüdische Religion es gebiet alle Menschen gleich zu lieben und zu schätzen. Die Schülerin beantragte vielmehr, das sofort sämtliche Schulhefte bei den Schülerinen eingezogen werden, um festzustellen׳ in we'chem ein Blatt fehlt, was die Lehrerin auch gleich durchführen Hess, tritt die Wahrheit zutage. Im Hefte der Schülerin, die aus einem ausgesprochen antisemitischen H-.Use stammt fehlte ein Blatt und wurde auch festgestellt, dass die Schriftzüge auch die ihrige sind. Der Eindruck dieser Entdekkung war in der Schule ein unbeschreiblicher. Die Schülerin hat hierauf diese antisemitische Schülerin ob ihrer verbrecherischen Tat sehr getadelt und bestraft. Die Schuldige hat mit Tränen in den Augen ihre Schuld eingesehen und eingestanden, dass sie dazu von ihrer Mutter veranlasst geworden wäre, um derart die beste jüdische Schülerin zu kompromitieren« 5 Pfesipec. Nach mehrjährigen Verhandlungen, der Mutlergemeinde u. des Bezirkes — wurde ein einheitlicher Beschluss gefasst den wakanten Rabbinersitz mit einem unverheirateten Rabb. Kandidat zu besetzen. Dieser Beschluss wurde mittelst Konkurs veröffentlicht. S. B. Vefsaua. Zufolge verschiedener Reibungen in der Gemeinde — wurde die Rabbinerwahl resp. die Besetzung des wakanten Rabbinersitzes von der Tages- Ordnung ausgeschaltet. Hamwasser. Polnischer Feid*Oberrabbiner erhöh das Goldene Verdienstkreuz. Warschau. Dem Oberrahbiner im polnischen Heer, Major Baruch Skdnberg, Di anlässlich des Jahrestages der Nationalen Befreiung in Polen ain 11. November das Goldene VerdiensUreuz verliehen worden• Wieder bedrohliches Anwachsen der antisemitischen Agitation in Oesterreich. Wien. Die österreichischen Juden verfolgen mii bangen Gefühlen die in den leizien Wochen immer schärfer werdende Agitation, die der Antisemitenbund in Ver- Sammlungen in allen Beziiken Wiens entfaltet. Der Ita-Vertreter hatte Gelegenheit, einer solchen Versammlung in den letzten Tagen beizuwohnen, und stellte folgendes fest: Der grösste Teil der Versammlungsteilnehmer besteht aus halbwüchsigen Jungen, deren nationalsozialistische Einstellung schon an den von ihnen als Kennzeichen getragenen weissen Strümpfen feststellbar ist. Der übrige Teil besteht aus biederen Bürgern Wiens, denen durch Verbreitung haarsträubender Legenden Feindschaft gegen das Judentum beigebracht wird. Die Redner geben ihren Hassgefühten hemmungslos Ausdruck, ohne dass von behördlicher Seite dagegen irgendwie eingeschritten wird So erklärte bei dieser Ver- Sammlung Bunde: gewerbeleiter Endemann, dass an der politischen Spannung zwischen Oesterreich und Deutschland nur die Juden und deren Nachrichtenzentralen, sowie die jüdische Presse schuldtragend sind. Die deutsche Bevölkerung Oesterreichs werde gewaltsam durch die Juden in ihrer gesamtdeutschen Gesinnung niedergehalten. Er demomstrierte durch Anführung masslos aufgebauschter Ziffern die angebliche Vorrherrschaft der Juden in Oesterreich und verlangte — unter einem geradezu unheimlichen Gebrüll der Anwesenden — die Fntfernung der Juden aus dem Staatsdienst, insbesondere aus Justiz und Schulwesen, sowie die Ausschliessung der Juden von allen öffentlichen Lieferungen. Ein anderer Redner schilderte die Schrecken des Kommunismus und erklärte, dass nur die Juden für den internationalen Kommunismus verantwortlich sind. In wüstesten Beschimpfungen des österreichischen Judentums erging sich der Bundesobmann des Antisemitenbundes, der gewesene Abgeordnete Dr. Jerzabek, der mit den ״Pr0tokollen der Weisen von Zion“ entnommenen Argumenten die Gefahr der Weltherr- Schaft der Juden an die Wand malte und das Verlangen stellte, dass die Vermögen aller nach dem Jahre 1914 in Oe-terreich eingewanderten Juden konfisziert werden. Obwohl bekannt ist, dass unter der Tarnung des Antisemitenbundes hauptsächlich Nationalsozialisten die jüdische Hetzkampagne systematisch führen, schritt bisher die Behörde gegen diese Massenkundgebungen, die sich eines immer grösseren Zustromes Neugieriger und Uniformierter erfreuen, nicht ein•

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