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Der jüdische Herold · 1937-07-22 · 27 (22.7.1937) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Herold
Volume
13 (1937)
Issue
27 (22.7.1937)
Date
1937-07-22
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German, Hungarian
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unABHflnoioes orthodoxes 0 r ü a n Mit der Übercahme von 3 Blätter ist das Abonnement anerkannt. REDAKTION und ADMINISTRATION dunaiskA STREDA TELEFON 74. ERSCHEINT ]EDEN DONNERSTAG. aBBeg*a3ca*'־iai Norfaov* «fpUtai porotente riadarfrtvo■ Ml Wcgrrfov > Braüslm, Silo 15479 |li ■ M. Podavaei poAt. lirad D. Streda. ffrndild—riMlUi1■ ־ HP 1 1r- ABONNEMENTSPREISE: Inland Ausland Ganzjährig KJ. 50.— 70.— Halbjährig 55 —.25 ״.— Vierteljährig ,, 13* 18.— NUMMER 27. (631.) 22. Juli 1937• דונאסערדאהעלי יד׳ אג תרצ׳ז m. G. XIII. JAHRGANG Gegen Feigheit Der Mensch ist ein gesellschaftliches Wesen. Die Geburt stellt ihn mit seinem Einzelleben notgedrungen mitten in die gesellschaftlichen Beziehungen des Menschendaseins hinein. Diesen Beziehungen vermag er sich — auch wenn er wollte — nicht zu entwinden, zumal er Lebensbedürfnisse hat, deren Befriedigung die Arbeit und die Leistungen anderer Menschen erfordert. Der Einzelmensch kann unmöglich alle jene Fertigkeiten besitzen, deren die so fein und manniggesponnenen menschlichen Bedürfnisse zu ihrer restlosen Befriedigung bedürfen. Erlangung würde die Lebensdauer mehrerer Generationen benötigen. In ihrer Ermangelung könnte aber der Mensch nicht einmal die normale Dauer eines Menschenlebens zurücklegen. Auch ist es nicht vorstellbar, dass der einzelne Mensch alle geistigen und manuellen Fänigkeiten zur kunstfertigen Herstellung aller Mittel und Beheife, deren das Leben benötigt, besitzen könnte. Klaglieh müsste der Robinsonische Eigenbrödier zugrungehen, der es versuchen wollte, ein von der Gesell- Schaft vollständig unabhängiges Leben zu führen. Die individuellen Fähigkeiten und Kunstfertigkeiten der Mensehen verlangen nach gegenseitiger Ergänzung. So entsteht naturnotwendig das gesellschaftliche Leben, an welches das Einzeldasein unentrinnbar gekettet ist. Aus der Ursache dieser materiellen gesellschaftlichen Gebundenheit heraus, wird der Mensch auch geistig von der Gesellschaft, in deren Mitte er lebt, getragen. Sein Wesen ist so ganz auf die Gesellschaft eingestellt, dass er bei durchschnittlicher geistiger und moralischer Kraft von den Ansichten und Ideen, die die Menschengemeinschaft, mit der er in näherer Lebensbeziehung steht, beherrschen. und Schwäche! unviderstehlich ergriffen wird. Und je grösser diese Gemeinschaft an äusserer Macht und zahlenmässigem Umfang ist, umso grösser ist ihr geistiger Einfluss auf den Einzelnen. Diese psychologische Tatsache ist eine jener seelischen Ursachen des massenhaften religiösen Abfalles, der mit der Emanzipierung der Juden aus der Abgeschlossenheit des Ghettos, im jüdischen Volke in so entsetzliehen Formen eingesetzt hat. Der Jude kam aus seL־.-*.i: Ghetto haraus und sah sich plötzlich als gleichberechtigter Bürger inmitten einer materiell prächtig blühenden Gesellschaft stehen, die von ganz andersgearteten lebens — und weltanschaulichen Ideen geleitet und beseelt war. Mit seinen eigenen, von den Vätern ererbten, Jahrtausende alten Welt — und lebensanschauungen, empfand da seine geistig-kulturelle Stellung als die eines Sonderlings. Von dem Koloss der auf anderegearteten ideologischen Grundlagen mächtig aufgebauten nichtjüdischen Gesellschaft seelisch erdrückt, sank er, in seiner religiösen Kraft gebrochen, in geistiger Assimilation hin . . . Schon damals wäre es von grosser Notwendigkeit gewesen, eine jüdische Weltorganisation der Thora zu schaffen. Bei der vor 25 Jahren in Kattowitz abgehaltenen Gründungsversammlung der Agudas Jisroel hat sich eine der anwesenden russischen rabbinisehen Persönlichkeiten geäussert: »Einen Vorwurf habe ich gegen Agudas Jisroel zu erheben: warum wurde sie nicht schon vor 50 Jahren gegründet? Viele Opfer wären dem religiosen Judentume erspart geblieben 1« ... Agudas Jisroel als die Weltvereinigung der thoratreuen Juden soll jenen Gemeinschaftsrahmen bilden, innerhalb dessen der Einzelne thoratreue Mensch sich als Glied einer über Länder ausgebreiteten Gesellschaftsmasse mit internationalen Ansehen bei den Regierungen und sonstigen massgebenden Instanzen der Völker fühlen kann. Einer Gesellschaftsmasse, die von den gleichen Lebensidealen beseelt ist. Der Einzelne gesetzestreue Jehudi wird durch das Bewusstsein, dass seine religiösen Anliegen von dem Willen und der Sorge einer Weltvereinigung getragen werden, in seiner G-ttestreue gestärkt und ermutigt, Lebensidelen seiner nichtjüdischen. Umgebung in voller, zäher Traditionstreue zu trotzen. Die Gründer der Agudas Jisroel waren bei ihrer Geburtsstunde von der Holfnung erfüllt, dass dieser auf einfachen psychologischen Tatsachen beruhende Gedanke sich den Weg zu den Herzen ailer aufrichtigen orthodoxen Juden bahnen wird, die von dem Wunsche beseelt sind, die den geistigen Stürmen des Golus ausgesetzten jüdischen Massen für die Thora zu erhalten. Diese Hoffnung ging bis jetzt zum Leidwesen aller um die Zukunft des Judentums aufs tiefste besorgten Agudisten nicht in Erfüllung. Eine der Ursachen dieser seelischen Stumpfheit gegenüber dem Agudo-Gedanken, ist gerade jene Feigheit und Schwäche vieler traditionstreuen Jehudim in bezug auf die Thora als Gegenstand einer Massen- Organisation, die in ihrem Namen vor die Völker hintreten soll zur Forderung ihrer Rechte und der Rechte des mit ihr eine Einheit bildenden jüdischen Volkes. Eingeschüchtert von dem lärmenden Getöse und der äusseriieh prunkenden Macht, unter welchen die der Thora widerlaufenden Anschauungen verkündet und gelebt werden, haben sie nicht den Mut an ihre Fähigkeit den Rahmen einer auch der Umwelt imponierenden Volksbewegung zu bilden und an ihre Siegeskraft im jüdischen Volke zu glauben. Die kommende Kenessio Gedeulo,

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