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Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone · 1948-02-19 · 21 (19.2.1948) · p. Seite 6

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
Volume
2 (1947/48)
Issue
21 (19.2.1948)
Date
1948-02-19
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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- Sette Ä-«■» iS. Februar 194$ JÜDISCHES GEMEINDEBLATT FÜR DIE BRITISCHE FÖNE 8. Jä-fergang «- Nr. 81" Düsseldorf Am 10. Februar fand die Einweihung des jüdischen Altersheimes Rosenau bei Essen-Werden statt. Als Vertreter des Zentralkomitees der befreiten Juden der britischen Zone nahmen an dieser Einweihung teil: Norbert’ W o 11 fa e i m, Samuel. ■ - Weintraub. Carl Kafcz, ■ Bert Läufer, Oberrabbiner Dr. Hermann Hel f - g o 11 und Oberkantpr Krau s. Von der Exekutive des Zentralkomitees waren erschienen: Moritz Goldsc.h-mid.t «and Julius Dreifuß, der Vorsitzende des Landesverbandes Nordrhein. Siegfried Heimberg vertrat den Landesverband Westfalen. Dr. E. G. Lo we n t h a 1 -die Jewish' Relief Unit, Ministerialdirigent Maurice .Frenke! war als Vertreter des .Sozialministers anwesend. Während verschiedene deutsche Zeitungen und die DENA vertreten waren, mußte festgestellt Werden* daß das einzige jüdische Organ für die britische Zone, das „Jüdische Gemeindeblatt“ nicht anwesend war. Eingehende, Erkundigungen ergaben, daß die Zeitung unverständlicherweise keine Einladung erhalten hat. Nach der religiösen Zeremonie, die von Oberrabbiner Dr. Hermann Helfgott und Oberkantor Kraus durchgeführt worden war, nahmen die geladenen Gaste im. großen Saal des Heimes Platz. Als erster sprach Öberrabbiner Dr. Helfgott über die talmudische Lehre, die , daß die Welt auf drei Hauptsäulen' „Auf der Lehre der religiösen und ethischen Tätigkeit und auf der Werktätigkeit der Liebe“. Zu dieser letzteren „ gehört auch die Errichtung eines Altersh smes. Nach Dr. Helfgott ergriff Frau Meta Dreifuß das Wort, die die Geschichte des Heimes schilderte. Sie erinnerte dann ’ an die grausamen Tage der verflossenen. Jahre, in denen auca aus diesem Heim die Alten und' Schwachen" verjagt worden sind Br. Maurice Frenke! überterachte die Grüße des Sozialministers für Nordrhein-Westfalen. Er erinnerte an das Unrecht, das -den Juden' zugefügt 'worden . und ga'b seiner Freuae darüber Ausdruck, daß .dieses Heim nun eröffnet wurde. Gleichzeitig gab er der Hoffnung Ausdrude, daß damit ein erster. Schritt zur Wiedergutmachung getan ist. In seinen weiteren Ausführungen wies er auf die vielen Friedhöfsschändungen hin, die ein Beweis, da«? tüs seien, daß die nazistische Ideologie Im deutschen Volk noch nicht ausgemerzt ist Berl Läufer erinnerte die Anwesenden an'die schweren Schicksalsjahre die hinter uns liegen und fuhr dann fort: „Wir dürfen nie vergessen, daß wir Juden sind und als solche jüdische Pflichten haben und daß es für uns nur «ine Orientierung gibt-—r- Erfez Israel“. Von .den vielen Begrüßungsansprachen, die. gehalten1 wurden, sei nur noch diejenige Nor»; bert, Wollheims erwähnt, die in kurzen, ein»' dringlichen Worten die Weltlage streifte. Mit dem Absingen der..Hatikwah“''-endete die 1 Feierstunde, Wir verließen dieses schön®, . gut ausgestattet© Heim mit dem Gefühl,, daß hier wirklich ewas Positives geschaffen worden ist.; «? Im -Anschluß m diese' Eröffnungsfeierlichkeiten fand eine Sitzung. des' Landesverbandes Nprdrhein-Westfalen statt bei der die Anwesenheit der- Vertreter des Zentralkomitee® und 'des Oberrabbiners Dr. Helfgott dazu benutzt wurden um eine Aussprache über alle akuten Fragen herbelzulühren. , . (Bericht eines gelegentlichen Mitarbeiters) , Am ih Februar fand in. Düsseldorf eine große Jugendkundgebung statt Fast die ganze Jugend des Rheinlandes war m diesem Treffen 'erschienen, tma einmal von ihren verantwort-, liehen Führern' konkrete Worte zu hören. Als erster sprach .Oberrabbiner Dr. Helf» gofct, - der vor allem. Erklärungen über die großen. Schwierigkeiten, die sich bei den Erziehungsproblemen In Deutschland immer, wieder zeigen, abgab. Der Mangel an Rabbinern und'Lehrern mach* sieb - immer wieder, bemerkbar, die Erfassung der, Jugend, .die über einen Radius von 500— 600 km verstreut ist.. erweist sich als schwierig. "Diese Situation macht die Schaffung eines Internats dringend erforderlich. Dr Helfgott betonte, daß er es als seine letzte Aufgabe in Deutschland betrachte. ein derartiges Internst zu errichten, um den Jugendlichen das Wissen mit auf den Weg zu geben, das sie brauchen.; Er machte Norbert Wollheim. den Verantwortlichen für die . jüdischen Gemeinden in der britischen Zone darauf aufmerksam daß die anwesenden Jugendlichen Zeugen dafür sind, ' daß er nur unter der Bedingung sein Amt beibehalten wird, wenn dieses Internat in kürzester Zeit,eröffnet wird „Nur die Jugend kann eine Garantie für unsere Zukunft Seih“, sagte Dr. Helfgott und fuhr dann fort: „Die Torah bringt uns dafür folgendes Beispiel: Du sollst sagen dem Hause Jaakob und den Kindern Israel . , „ unsere Weisen fragten, sich schon, warum di© Wiederholung wenn es einmal heißt, zum Hause Jaakob und zum anderen zu den Kindern Israel. Da eaben sie die Antwort: „Bevor Moses die Torah - verkündete, versammelte er das Volk um sich, zu vordem aber die Frauen und Rinder, das ist Beth Jaakob und Livene Israel, das sind die Männer“. Gott fragte, fuhren unsere Weisen fort, wer wird die Garantie übernehmen, daßmeine Gebote gehalten Werden, da antwortete man: Moses wird die Garantie übernehmen. Gott antwortete: Das genügt mir nicht Da sprachen sie zu Gott: Unsere' Aeltesten werden dafür bürgen. Da antwortete Gott: Auch dieses genügt mir nicht, sondern stellt mir in die erste Reihe Beth Jaakov, das heißt, die Frauen besuchte das Rheinland Die Kindersollen die Garantie übernehmen,' denn nur sie können die Bürgen für die Zukunft sein. Also auf der Jugend ruht die Zukunft unseres gesamten Volkes.“ Nach. Dr. Helfgott sprach Norbert Wollheim, der ein ausgezeichnetes Bild über die politische Lage gab und .didv. Jugend zur kulturellen Arbeit aufforderte. Die Ausführungen Wollheims wurden von der Jugend . begeistert aufgenommeßi .; Kölns Am 12. Februar .hielt der 1. Vorsitzende des Zentralkomitees der befreiten Juden der britischen Zone,. . -Norbert W o 11 h e I m einen Vortrag über die augenblickliche Situation der Juden in der Welt. In 134 ständigen fesselnden . und interessanten Ausführungen berührte Norbert Wollheim alle Fragen, mit welchen sich heute jüdische Menschen . befassen, Die Teilnahme der Gemeinde an dieser Versammlung war äußerst stark und lebhafter Beifall Und Zustimmung wurden dem Redner gezollt. Vorher sprach Oberrabbiner Dr. Hermann Helfgott über die Pflichten, die gerade heute jeder Jude, nicht nur in religiöser, sondern auch in moralischer und nationaler Hinsicht zu befolgen hat „Es heißt . geschlossen zusammenstehen, wollen ' wir . die Ziele, besonders' hinsichtlich Erer Israelsj erreichen.“ Der Vorsitzende der jüdischen Gemeinden Köln, Moritz Goldschmidt, dankte bei-, den Redhefn für ihr Erscheinen und für die so .tief empfundenen Verträge, die geeignet waren, trotz der schwierigen Situation, in der wir uns heute befinden, uns neuen Lebensmut Mit. der „Hatikwah“ wurde dieser eindrucksvolle Nachmittag geschlossen. wert ist' das 'Programm mit einem von. Kindern auf geführten Theaterstück. Hierfür zeichnete Else Isaak W Walt er verantwortlich. Anita Grünberg „erntete mit ihrem Liedervortrag großen Beifall. ■ . . ' j Hamburg: - „Die Leitungeiner Gemeinde, muß auf ,Vertrauen, Verständnis ufTd Mitarbeit ihrer Mitglieder aufgebaut sein.“ Unter diesen Perspektiven wurde vor der am .25. Januar im Gemeindehaus, Rothenbaumchaussee 38, stattgefundenen Kändidatenwahl eine Wahlversammlung in den Kammerlichtspielen für alle wahlberechtigten jüdischen Gemeindemitglieder einberufen,' die zu reger Diskussion, nach eingehenden! Tätigkei4 sberitäht des ersten .Vorsitzenden,' Harry Gold stein,, aufforderte. rlarry Goldstein sprach In sachlicher Form über die Entwicklung und Ausdehnung der Wohlfahrtseinrichtungen, auf deren Basis Gemeindearbeit anfangen und enden müsse. Betont wurde die freundschaftliche Zusammenarbeit mit dem Joint, dessen Vertreterin in Hamburg, Miß Sylvia Marcowitz,helfend in jede soziale Notlage eingreife. Die über den Joint erhaltenen Lebensmittel gestatten eine erfolgreiche Krankenbetreuung und eine bessere Lebensgestaltung des einzelnen Gemeindemitgliedes. Dieser Vorsitz schien herrschend in der Gemeindearbeit zu sein, wie alle Be» treuüngsschilderungen eindeutig erwiesen: Ältenpflege im Heim Sedanstraße mit neueingerichteter Siechenstation Verschickung Erholungsbedürftiger nach Bad Harzburg, Jugendtransporte in - die Schweiz und Wyk, Beruf sh ilfe, Wohn dngsbeschaf f ung, etc. Es zeigte sich das, fast einmalige Bild: sogar die Opposition war mit den Ausführungen einverstanden und' betonte in de- Diskussion impier wieder ihre Achtung für die bisherige Arbeit des Vorstandes. Als Ergänzung der Gemeindearbeit verlangten sie vollen Einsatz zum Kampfe gegen den Antisemitismus. Da dieser Kampf aber nicht mit den Tendenzen einer religiös eingestellten Gemeinde ^verbunden Sein kann, die ihr Hauptaugenmerk auf Kultus und Fürsorge zu legen habe, wurde voz geschlagen, eine besondere Organisation zu b iden, die ausschließlich nur diese, leider wieder vollste ArfoeitS'. kraft in Anspruch nehmende Rubrik behandeln solle, damit’ keine halbe Arbeit bei diesem wichtigen Problem geleistet werden würde. Das schließe natürlich nicht die Unterstützung und Vertretung der Gemeinde als Autorität in derartigen Fragen aus wie schon die Haltung zu der „J ud-Süß-FTm*Affäre“ pewiesen habe. - Zwei Gruppen standen sich in der Diskussion gegenüber, die jeweils 15 Kandidaten als Vertreter ihrer Ideen benannten. Alles waren Männer, die als sich-verdi ept-machende, , bewußte Juden benannt werden konnten.! Die Wahlbeteiligung zeigte starkes Zusammengehörigkeitsgefühl und Verantwortungsbewußtsein; das. Resultat erwies, daß die Mehrheit der WäH^t für die Kandidaten stimmte, die üinen aus ihrer früheren Gemeindearbeifc. heraus, die Erhaltung ihrer alten Hamburger jüdischen Tradition: -Kultusdienst und Wohlfahrt sichern. ' ■ - * Durch lange, intensive Arbeit begabter junger' jüdischer Menschen fand der Plan, eine Jugendgruppe zu gründen, endlich seine Verwirklichung. Wie groß das Bedürfnis für: einen derartigen Zusammenschluß war, erwies der Bochum Hier wurde am 11. Februar die neue Synagoge eingeweiht. Neben den Vertretern der Gemeinden und 'Landesverbände, war der Oberbürgermeister von Bochum erschienen. Die Synagqge wurde von Oberrabbiner Dr. Hermann Helfgott^ und Oberkantor Kraus eingeweiht. Die Einweihungsfeierlichkeiten begannen mit der Uebergabe des Torah“ an den Vorsitzenden der Gemeinden Siegbert Vollmann. Nachdem Qberkäntor Kraus die Gebete verrichtet.hatte, sprach Dr Helfgott zu den Anwesenden. Er erklärte, welche Bedeutung eine Synagoge für die Juden hat, zum Unterschied der Kirchen für dir anderen Religionen, Die Synagoge war und bleibt der Versammlungsort der, Juden, -der Ort, an dem sie ' lernen und beten. Als. in cs er Nazizeit in einer kleinen deutschen Synagoge Nazis eindrangen und nach versteckten Waffen suchten, da führte sie der Rabbiner dieser kleinen Gemeinde -an den" heiligen. Schrein und zeigte ihnen die „Torah“ .mit den Worten „Das sind unsere Waffen“. Ja, die Torah -is«, unsere Waffe, sie Ist unser Lebensquell, aus ihr schöpfen wir - uns unsere geistige' Nahrung. Unsere,'„Torah“. beruht -auf drei Hauptprinzipien: ,,Enhet (Wahr? heit), Zedek. (Gerechtigkeit) und Schaloha (Friede)“. Am Abend der Einweihung fand ein geselliges Beisammensein 'statt: Besonders erwähnens- «MaitmmsmaMmtmimMiaiiMmmmmmiiausiimm .. Zustrom von Jugendlichen zu einer vorberei* tenden Eröffnungsfeier. Das Wiederaufleben einer Jugendgruppe im Maceabistil von vor 1933 ist hier zu verzeichnen; , ihr ehemaliger Leiter, der' erste Vorsit-" zende der Hamburger jüdischen Gemeinde,- Harry G-oldstein, verhall in einem Rückblick; zukunftsfroh und hilfsbereit, zu einem würdigen Auftakt Hermann L e y y , der ebenfalls aktiv in der früheren Jugendgruppe, mitgearbeitet hatte, sprach von den ehemalig hartnäckig verfolgten, dann aber leider verbotenen Zielen zur Aufmunterung für die neu zu -fassenden. Somit legte die alte Gene-' ration ihre Erfahrungen in die Hände jüngerer, zu deren Leiter Fritz Sarne, der diese Zusammenkunft leitete, gewählt wurde. Die fast 250 Jugendlichen zeigten vorbildlich diszipliniertes Verhalten, als die plötzlich eingetretene Lichtsperre ihren Frohsinn zu stören drohte. Die Dunkelheit wurde humoristisch durch - improvisierte Vorträge von Margot Sarne' überwunden, und die Künstler des Abends, Dr. Irena Wü 11 e n (Geige) und Begleiter, gaben ihr Möglichstes an musikalischem Können. $ehr charmant sang Friede! Treiber jüdische Lieder. -Eine gute Tanzkapelle sorgte für Stimmung. Nach diesem erfreulichen Auftakt kristallisierte sich ein ernsthafter Interessentenkreis heraus, der sich wie ihre Vorgänger und gleich den Brüdern in Palästina, sportlich und kulturell betätigen wollen. Sie wissen, daß von ihnen die Zukunft des Judentums abhängt und wollen sich körperlich und geistig-rüsten, um den späteren Generationen ein Vorbild zu sein. Die Jugendlichen auch Weiterhin zusammenzuhalten und an den Ideen der Gruppe zu.. interessieren, machte sich Klaus Kad'usch.ewitz zur Aufgabe; Fritz Sarne, leistete die organisatorische Arbeit. Zum 25.* Januar berief er die erste Jugendversammlung ein, die positive Arbeit der verantwortlichen Leiter zeigte. Korrespondenzaustausch mit Jugendli- . eben im Ausland wurde ’ angeregt, zumal schon 25 Adressen Vorlagen. Eine Sportgruppe fand begeisterte Bestätigung. Der Höhepunkt der Versammlung war die Ankündigung, daß mit Hilfe der Jewish. Relief Unit der Jugendgruppe die Gestaltung eines Oneg Shabhat ermöglicht wird. Im Bewußtsein des gleichen Glaubens und gemeinsamer Sport- und Kui turinteressen wurden die Grundfesten der zielbewußten Hamburger jungen Juden aufgebaut; sie finden sich zu Heimabenden bei Tischtennis-, Schach- und anderen Spielen sowie zum Gedankenaustausch und zu Vorträgen, in der Rothenbaumchaussee 217 zusammen. ' G.-R. P.-R. Berlin: 'n . Zum ersten. Male seit mehr als 13 Jahren wählte die Jüdische Gemeinde ihre Repräsentanten. ein Gremium von 21 Personen, das aus seiner .Mitte, die fünf gleichberechtigten Mitglieder des Gemeindevorstandes bestimmen wird,-Nach einer von der Alliierten Komihan-. dantür genehmigten Wahlordnung wären nur di© etwa 6550 in Berlin ansässigen über 21 Jahre alten Gemeindemitglieder wahlberechtigt, von denen 80 Prozent Jir Wahlrecht ausübten, Die jüdisch-liberale Gruppe mit dem Spitzenkandidaten Dr. H. E. Fabi am errang dip' meisten Stimmen und 10 Sitze. Sechs Sitze erhielt die national-jüdische Einheitsliste mit Julius Meyer.'Mit fünf »Sitzenfolgt die unabhängig-liberale Gruppe, an deren Spitze Erich Mendelssohn steht, Bei uns Juden ist es genau so, wie’ bei allen räderen Völkern. ■ Wir haben im Galuth g'ute und schlecht© Juden Der efneTeil glaubt, den Assimilations-Prozeß überstanden zu haben und vertritt deshalb die Ansicht, daß man nichts anderes als guter Staatsbürger des Landes, dessen Nationalität man hat, sein muß. Wir haben uns sägen lassen, daß es sogar Juden gibt, die für ihr augenblickliches Heimatland ein besonders starkes Nationalgefühl haben und dabei politisch und religiös vollkommen vergessen habc-n,, daß sie Juden sind. Es gibt aber auch so etwas wie ein Zwischending, das sind' die Juden, die glauben, daß ihre gesamte jüdische Pflicht darin besteht, daß sie am Shäbbai oder gar nur an den hohen Feiertagen in die Synagoge gehen. Diese, wie die ersteren. haben keinerlei Bindung mehr mit ihren Brüdern und Schwestern in der Welt. Sie empfinden nicht mit ihnen und es ist ihnen zum Tel! auch garnicht bewußt, welchen großen Verbrechen das Weltjudentum in den verflossenen Jahren ausgesetzt war. Es gibt aber auch Juden, die. wen» sie auch nicht in den- Ländern gelebt haben, in denen das Schrecklichste erlebt wurde, was Menschen je erleben konnten, doch ein tiefes Empfinden für ihre Mitmenschen sich erhalten. haben. Von diesen Menschen haben wir in Deutschland einige kennengelemt. Menschen, die als Vertreter ausländische Hilfsorganisationen hierher geeilt sind. - um sich an den großen Hilfsaktionen zu beteiligen die notwendig geworden wären. Unter den schwierigsten Umständen, mit den geringsten Mitteln bildete sich in England eine Hilfsorganisation, die Jewish Relief Unit; jüdische Menschen, die sich dieser Organisation in England zui „Verfügung stellten und dann in der Uniform mit dem David-Stern su. ws kamen, weil Ihr Hass sie dazsu trieb. Wir haben schon öfter über die Vielseitigkeit der Arbeit dieser Unit gesprochen, und viele von uns wissen, weiche unglaublichen Schwierigkeiten diese freiwilligen Helfer zu überwinden hatten, um die' Erfolge zu erzielen, die erforderlich waren, vielen tausend Ueberlebenden ins Leben zurückzuführen. Am 15. Februar kamen das Zentralkomitee und die übrigen Hilfsorganisationen mit allen ■.Mit-, arbeitern zusammen, um sich von - zwei der hervorragendsten' Mitgliedern der Jewish Relief Unit, , 'dem europäischen Direktor, Simon Bloom- - ■ -herg ' -\ und der Leiterin der Belsener Ärbeitsge- . schaff, Sarah Eckstein zu verab- ■ v schieden. . ' , ’ Bei der im Rundhaus abgehaltenen Abschieds» feier waren außer den führenden Männern des Zentral-Komitees, Vertreter .der Militär-Regierung, der Kommandant des Lagers Belsen, der Direktor des American Joint Distribution Committees, der europäische Direktor der Hl AS und viele andere Teilnehmer anwesend. Dr. E. G. Lowen*ha' «Düsseldorf) nahm als erster Abschied von, diesen beiden Mitarbeitern und gab dann Josef Rose ns alt das Wort. Dieser würdigte die Verdienste der beiden Scheidenden und erinnerte besonders an die aufopfernde Tätigkeit von Sarah Eckstein^ die als eine der ersten nach Belsen gekommen war und ununterbrochen mit demselben Eifer für die jüdischen Menschen tätig war. Er betonte* daß Sarah' Eckstein, die ohne eine Vorbildung als Sozial-Arbeiterin hierher kam, eine unübertroffene A.ibeit geleistet hat. Er dankte dann Simon Pioomfoerg, den er kurz nach der Befreiung als Direktor der UNRRA kennen- und schätzen* gelernt hatte. In eindringlichen Worten schilderte er die unermüdliche Tätigkeit Simon Bloombergs, auch als europäischen Direktor der Jewish Relief Unit. Rosensaft wies auf die Hilfe hin, die Bloomberg in den schweren Wochen vor der Ankunft der Exodus“ in Hamburg gegeben hat ■ Sam D a 11 o b, der Direktor des Joint, fand warme Worte für. seine oeiden Kollegen, mit denen er, wie er ganz besonders hervofhob, stets in großer Freundschaft zusämroengear» beitet hat.' Dr. Dutch, europäische!' Direktor der ORT, nahm dann im Namen seiner Organisation herzlichen Abschied von - Sarah Eckstein und |||||||p§ Simon Bioomberg. Nad/ihm sprach der Leiter der ORT-Sdiule, Belsen, Mack, und überreichte den Abschiednehmenden von den Schülern der ORT-Schale angefertigte Geschenke. t . / Eine besonders’charmante Abschiedsansprache hielt Dr. H. G. van Dam, der u. a. auch dfe Nachfolgerin Simon Bloombergs, Mia Fischer als seine Chefin begrüßte und erklärte,- daß ihm das garnicht schwer falle, da er als Holländer ja daran gewöhnt sei, von einer Königin regiert zu (werden. Wir schließen uns alV diesen Abschiedsgrüßen an und danken den Scheidenden für ihre .aufopfernde Tätigkeit- Sarah Eckstein wünschen wir in Erez das Glück und die Freude, die sie verdient. Simon’ Bloomberg, dem Mann, der hier unter Beweis gestellt hat, daß er Ln erster Linie Jude ist, wünschen wii in seiner neuer! Position in Jameica dieselben Erfolge, wie er sie hier erzielt hat. Wir zweifeln nicht daran, daß beide überall dort, wo sie sein werden, soviel Freunde haben werden, wie sie hier hinterlassen haben.

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