Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Volume
- 2 (1947/48)
- Issue
- 21 (19.2.1948)
- Date
- 1948-02-19
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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EINZELPREIS 40 PFENNIG A N ■: JE E 1 O .1 N P '* ■ E JT S E * Jami lien.üXiseigeB: Die einspaltige Petit*e»le 3.50 RM Bek.-an er Die einspa tige Petitzeil# 8.) 0 KM SucfyanseißWtf Di# einspaltige 1 etjtzeiie 8.50 RM 'Le.fcemeisungen au? {'osischeckkoir,to kssea 1SC86 JÜDISCHE POLITIK / KULTUR -lf W AUS DEM JÜDISCHEN LEBEN FHACiEN DER U1EDLRCUTMACKUNG jKikmumM. NEUES AUS'"CER JÜDISCHEN UELT SUMMEN DER LESER.' - - yff ‘ ’ WAS DIE PRIESE SAGT GESCHÄFTSSTELLE, REDAKTION UND EXPEDITION-DES jÜDISCHF N -G.EMEIN.PEl LATTES: JDÜSSFI rpKF«fcI;NFÄTfis FRJEDKOFSTFASSE 23—25; FERNSPRECHER Nir. 711! 6 __ — - - - ..:-——--—l^— Ab©«aes«eMt (jse? Kretssfeaed)? D#sst«eJ»law& 3J0RM. Vs iaht 630 KM. I Jahr I2JS® KM, Ausland«, (alle Länder) -V« Iaht 4.4® RM„ Vs ähr 8.®ö KM» I iahst 8J.00 RM / E f se h e i a t 14 s ä g i g — Souiierbeilage m 5X iedergutmashungstragea aaete. ErthEcierlichkeft« NUMMER 21 19. 1EBRUAR 1948 2. JAHRGANG HANS LAMM: ,-'.Jahresvorsammlumg der A li© iss. Chicago, D.eiiember St m©r icaft J © wi )4? stattfahd' Die Lage der 250 000. jüdischen Verschleppten und -Flüchtlinge in ’ Deutschland, Oesterreich und Italien bleibt verzweifelt. Ohne die Hilfe der Juden Amerikas und anderer Länder, und der Hoffnung, daß es ihnen bald erlaubt sein wird, ein neues Leben in Palästina und anders» wo anzufangen, würden nicht viele übrig geblieben sein. Die ununterbrochene Wanderung der Juden aus Südosteuropa,x die von ihren Heimen durch antisemitische Gewaltakte und aus Furcht vor größeren Pogromen trotz auf» richtigster Anstrengungen . der Regierungen dieser Länder den Antisemitismus zu bekämpfen, vertrieben wurden, hält an. Die Arru e= $enheit - der Vorbereitungskommission der Internationalen Flüchtlingsorganisation als Nach-, fplger in der UNRRA, hat das Los der, D. Ps.- und' Flüchtlinge nicht verbessert, da die begrenzten Vorräte und Hilfsquellen der neuen Hilfsorga- Äut' dpm jüdischen Friedhof -ix wurden am 1. Februar etwa drei viertel, aller Grabsteine umgewörfien. Nach Ermittlungen der Polizei kann es sich , bei den Tätern nur um Jugendliche handeln. Auf einer aus diesem Anlaß Von Oberbürgermeister Johannes Robholz ani 2. Februar einberufeaen Konferenz von?: Vertretern sämtlicher politischer Parteien 'i^nd . Religionsgemeinschaften. .Offejxbädhs, wurde, eine..EntselüleSüng ' gefaßt,. die . sicn. scharf : g'egen' derartige Vorkommnisse wendet und der jüdischen Gemeinden ihr Beileid zu dem Vorfall, ausspricht» (DENA.) ' nisatior bis jetzt völlig unzureich-uid sind, um selbst ein Minimum der Fürsorge zu sichern, welcher die D. Ps. und die Flüchtlinge bedürfen. Noch kein Land hat seine Türea einer nennenswerten Anzahl von jüdischen D Ps. und Flüchtlingen geöffnet. Zweieinhalb Jahre hach der Befreiung streben diese Opfer ''des Nazismus immer noch nach dem grundlegenden und elementaren Recht als ■ freier und selbsterhaltende Menschen leben zu können. Deshalb appelliert die American -Jewish Conference an all die Länder, welcne die Verfassung der Internationalen Flüchtlingsovgar. Ration auf der Generalversammlung der Vereinten Nationen, 1946, angenommen haben, ihren Verpflichtungen durch Beitreten /or . R Q. hachzukomipen und zu seinem' Budget bei/u- Sfeuem, so daß endlich die I. R. O. Wirklichkeit wird und all ihre Pflichten auf sieh nehmen kann, die durch ihre Verfass, mg vorgesehen sind: ■ - Mittlerweile fordern wir ' von der Vorbereitungskommission der 1.^ R 6., daß sie den neuen jüdischen Flüchtlingen, welche der Verfolgung fliehen, jedmogliche Unterstützung gewährt. Ebenso appellieren wir an den . Achtzigsten Kongreß der Vereinigten Staaten der zeitweiligen D.P.-Einwanderungs-Notverordnung (HR 3910 - Stpatton-Bill) Geset zeskraft zu verleihen, welche auf einer unparteilichen und ihterkonfessjpnellen Grundlage von den führenden bürgerlichen Veteranen, Arbeiter- und religiösen Organisationen des Landes unterstützt wird; so daß die Vereinigten Staaten den anderen Nationen der Welt ein Beispiel durch die Annahme ihres angemessenen Anteils der verschleppten Personen Europas gebe Friedensverträge-' Der Rat der Außenminister trifft sich z. Zt. in London, um Verträge für Deutschland und Oesterreich auszuarbeiten. Die Welt Weiß jetzti daß es der Plan der Nazis war, das jüdische Volk in der ganzen Welt zu vernichten, So war das jüdische Volk in jeder Hinsicht das erste Opfer der Nazigeisel die die Welt in den Krieg riß. Recht Und Gerechtigkeit fordern, daß die Großmächte die Vorschläge des jüdischen Volkes beim Sdireiben der deutschen und österreichischen Verträge gerecht und an« gemessen In Betracht zieht. Die American Jewish Conference spielte in der Bewerkstellig und Aufrechterhaltung weltweiter jüdischer Einigkeit in' bezug auf die Friedensverträge eine führende Rolle. Im Sommer 1946 auf der Pariser Friedenskonferenz, unterbreiteten neun jüdische Organisationen unter denen sich die American Jewish Conference befand, welche die überwältigende Mehrheit der Juden, der Welt vertraten, Vor« schlägfe ■ für die Friedensverträge mit' Rumänien, Ungarn, Italien und Bulgarien, den Vasallen-Feindstaaten. Indem sie große Meinungsverschiedenheiten und Hindernisse überwanden, welche aus der Meinungsverschiedenheit der zwei Blocks herrühren, in welche^ die Welt» verfällt und die auch ln der wachsenden Gleichgültigkeit der Regierungen der Judenfrage gegenüber zu suchen sind, waren die* jüdischen Organisationen zurh Teil erfolgreich,- die Alliierten Mächte dazu zu bestimmen, gewisse Artikel in die Verträge mit den Satellitenstaaten aufzunehmen. Diese Artikel suchen die Rechterer Juden zu schützen und ihnen volle Rechtsgleichheit zu geben, Wiedergutmachung und Genugtuung einigen der Forderungen der Juden zu gewähren und den Nutzen erbenlosen und ■ unbeanspruchten jüdischen Eigentums der Unterstützung und Wiedergutmachung für überlebende Juden und indischem Organisationen zuzuweisen. Die A.J.C. fordert nun die Alliierten Mächte und die ehemaligen Satelittenfeindstaafcen auf; die angemessene Durchführung dieser Frie-, densverträge durchzusetzen, so daß die großen und wichtigen jüdischen Gemeinden in Rumänien, Ungarn, Bulgarien und Italien auf der Grundlage voller Rechts-Glej.chheit mit allen anderen Bevölkerungsgruppen dieser Länder leben, und daß gerechte Wiedergutmachung und Vergütung für die-Ungereditig^ keiten, welche den Juden in - diesen- Läpc^iS^ 'durch den' Nazismus^ zügefügt.. wurden,, JhnSa i gezahlt werde. , . •••;:'>•'.< Vor kurzemunterbreiteten elf jüdische Organisationen, einschließlich der A.J.C., dem Rat der Außenminister Vorschläge in, Verbindung mit den Verträgen für Deutschland und Oesterreich«. »• . ‘ Diese Vorschläge fordern-: \ . ’ . ' 1. Von Deutschland und Oesterreich, daß sie ihre Verantwortlichkeit anerkennen für die beispiellosen Verbrechen, die sie am jüdischen Volk begangen haben, und daß, sie .angehalten' werden, Reparationen für diese Schäden am jüdischen Volk einer bevollmächtigten jüdischen Körperschaft zu zählen, . 2. ' Deutschland und Oesterreich erklären Antisemitismus in allen seinen Erseheinungsformen als verbrecherisch und stellen die vollen politischen und bürgerlichen Rechte ihrer jüdischen Einwohner wieder her. 3., Von Deutschland und Oesterreich wird die Durchführung einer vollständigen Entnazifizierung und die Bestrafung all derer gefordert, welche Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen-die Menschlichkeit begangen haben. Diejenigen, welchsolche Verbrechen begangen LJjen, . 1 .. Ersuchen den Aliierten zu übergeben. 4. Deutschland und Oesterreich stellen wieder die wirtschaftlichen Rechte der Juden völlig her und garantieren restlose Wiedergutmachung und Vergütung für alle Verluste,' die Juden erlitten hatten, leisten Wiedergutmachung und Vergütung an die anerkannten jüdischen Nachfolgeorganisationen für alles erbenlose und unbeanspruchte Eigentum. 5. Deutschland und Oesterreich sichern den Juden, welche Einwohner , ihrer Länder, sind oder waren, das Recht zu, innerhalb eines bestimmten Zeitraumes die Staatsangehörigkeit zu erneuern oder abzuweiseh. 6. Deutschland , und Oesterreich stellen den Unterhalt jüdischer D.Ps., welche sich in ihrem. Gebiete ' aufhalten; jedoch wird die Gerichtsbarkeit über jüdische D.Ps. von der LEO. oder »:.. einer, anderen V internationalen Körperschaft, / ' welche, von den" Aiüerteir.-Mächten’ '-bestimmt' wird, ausgeführt . > 7. Vertretern des.,, jüdischen Volkes wird dag Recht gewährt, die Sach ' des jüdischen Volkes bei den Beratungen über die deutschen?und österreichischen Friedensverträge zu vertreten. ' * - »Belsen €ß Dr..TI. G. vau Dam, auf der Laadestagung der VVN ia Hannover Dr. H. Gf van Dam hielt auf der Landestagung der VVN in Hannover ein ausführliches Referat über Wiedergutmachung. Er erklärte u.'a.:- ■: /. Fast drei Jahre sind vergangen seitdem das nationalsozialistische Regime zusammehgebrochen ist und die Opfer des- Faschismus haben bisher eine Wiedergutmachung noch nicht er-v halten. Die Tj nimmer der ' verstörten Städte sind unabgeräumt. Ebenso unabgeräumt sind aber auch die Trümmer einer zerstörten Rechts- oder Unrechtsordnung. Die Wieder- SBiiiiiiiiiiiiiiiiitimiiiiiuimiii!i(iii!iiimi!uiniiiiiniinimiii!!imiiiiinii!imiiiimiiiuiiiii!iiiii!iiiiiiHiiniimiiu ngutmachuhg ist zu einer > ewigen Tagesfrage in der britischen Zone geworden, »und bei'ewigen Tagesfragen, sind Zweifel an der Ernsthaftigkeit der Problemstellung' begründet Es kann jedoch keinen - Zweifel geben, daß die Wiedergutmachung eine sehr ernsthafte. und dringende Angelegenheit ist, erst in zweiter Linie für die Opfer, in erster Linie aber für das deutsphe Volk und die Alliierten. Ueber die individuellen Ansprüche von Berechtigten könnte die Geschichte hinweggehen. Der Ge- (Fostfeetzung siehe 2. Seite) I ud'is'ch« Jugend i® Eres K. M» Eine Reihe vbn Zeitungen der sehen Zone haben es . in den letzten Monaten für richtig gehalten, eine ^systematische Hetze gegen das Lag6r' Bergen-Belsen loszulassen. Es wurde dje -Behauptung auf gestellt, daß. in diesem Lager der Schwarzhandel' in großem Umfang blühe und daß vor ihm aus die Kanäle zu den Schwärzhändlerbörsen der britischen Zone führen. Diese Hetzkampagne war nichts anderes als das, was wir vor Jahren erlebt - haben: die Juden sind an allem schuld. Die Juden in der britischen Zone sind die, die den Schwarzhandel machen und die die „armen Deutschen“ zum Schwarzhandel verleiten. Es .steht ohne Zweifel fest, daß diese Hetzkampagne keine ändere Ursache hat als die, das deutsche Volk äb/r denken von den Mißerfolgen, die vtei^deutr die Diensstellen». einmal in der Erfassung''der L^'-ensmittei und zum anderen in der Bekämpfung der Korruption hätten. -"■ Die Unrichtigkeit aller gegen, das Lagffer. Belsexx gerichteten Behauptung n wurde mit einem Schlage bewiesen: . ln der Nacht vom 17. zum. 18. Februar wurde das Lager* von einem großen deutschen Polizeiaufgebot umstellt .Der Vorsitzende des Zentralkomitees der büßten Juden der. britischen Zone, Josef R oA^e n s a £ t, legte sofort bei' dem . englischen Lagerkommandanten: da* Protest ein, daß deutsche Polizei einge1» setzt wurde*.* Er sugte, daß es unsere Men-, sehen ablehnen, sich der Kontrolle, 1 von Be? analen zu uhtei;wex £en:r die sich aus denselben Manschen, rekrutieren, die'vor gar-nicht .ßutger Zeit, bei den 'Verachleppupgen ''in' Ghettos’., und KoAzentrationsläger mitgewirkt haben. Kurze .naeliiiererschien.... .eia: „großes Aufgebot. von C. C. G.-üffizieren,.. Leiter .der eng-Msehe» Zollbehörden und MilitärpolizeL Der Leiter der Aktion, ein englischer .Brigadier, setzte sich mit Josef Rosensaft und» den führenden Menschen des Lagers zu einer Konferenz zusammen, in weicher über die Durchführung von Haussuchungen im .ganzen Lager beraten wurde. Das Zentralkomitee, zusammen mit dem Direktor des American Joipf- Distribution Committee», Sam Da 11 ob, ert klärte ihre Bereitschaft zur Durchführung dieser Aktion und die jüdische. Polizei Und die Beamten der Lagerverwalturig zur Verfügung zu. stellen. Unter jeweiliger Führung eine« C. C. G.-Offiziers wurden Gruppen’: zusammengestellt, die die Haussuchungen: nach Schwarzmarktware durchzuführen hatten. Je* de dieser Gruppen umfaßte außer dem genannten Offizier zwei1 Militärpolizisten, einen jüdischen Polizisten und einen Beamten der Lagerverwaltung. Die Aktion dauerteüber de& ganzen Tag bis zum Einbruch der Dunkelheit. Es wurde kein Raum, keinKeller, keine Ruine außer acht gelassen. Und als man nach, Beendigung dieser überraschenden, beinah® 12 Stunden währenden Haussuchungsaktiöh die Resultate zusammenstellte, , da kam man zu der Feststellung, daß in dem „Schwarz-. Handelszentrum Belsen“ nicht einmal das ge» fun-aea werden konnte, was man vor wenige». Tagen bei einer Razzia bei nidit jüdisches Schwarzhändlern in dem kleinen, idyllischen Bad Harzburg oder bei einem Bäckermeister im Rheinland gefunden natte. Als der Leiter der Aktion, der englische Brigadier, sich von Josef Rosensaft und Sam Daliob verabschiedete und ihnen für ihre Unterstützung dankte, gab er seiner Befriedigung darübel; Ausdruck, daß che über Belsen verbreiteten Gerüchte nicht den Tatsachen entsprachen. „Uns“, so sagte Josef Rosensaft, „konnte man keinen größeren Gefallen tun, als uns mit dieser Razzia zu überraschen, um endlich einmal der deutschen „und der Weltöffentlichkeit gegenüber zu beweisen, daß heute in Deutschland noch — oder» schon wieder — mit denselben Mitteln gearbeitet wird wie in den Jahren 1933 bis 1945.“ — Wir aber sind neugierig; . aüf welche' neuen Ideen nun die Gerüchtemacher und Judeulietzer im Hintergrund kommen, um den Antisemitismus weiter zu schüren. . Wie wir soeben hören, hat sich Josef *Rosenr saft sofort mit Col. R. B. Solomon (London) dem Berater für jüdische »Angelegenheiten bei der Militärregierung,., und Dr. N. Baron (London), dem Vorsitzender des World Jewish Congress, in Verbindung gesetzt. Von dort au$ werden über Lord Packenham. Nachforschungen darüber angestellt den, wer der deutschen Polizei Befehl gegeben hat, das Lager Belsen zu umstellen. Es wurde darüber hinaus um Entsendung einer Untersuehungskom^ xnissiun 68560535382113019768