Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone · 1948-01-31 · 20 (31.1.1948) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
Volume
2 (1947/48)
Issue
20 (31.1.1948)
Date
1948-01-31
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/9498581-9498587-9504485--504-9498532
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

EINZELPREIS 40 PFENNIG A' N Z E I G E N P R E I S E , Familien<*Bzeigen: Die einspaltige Pftitzeile 3.5C RM Rekiane: Die einspa tijje PeUtzeileS.CO KM Suchanzeige« Die einspaltige I etitzei'c 8.50 FM U t bei-Weisungen auf Fosischeckkcnto hssen 68080 JÜDISCHE POLITIK / KULTUR FRAGEN DER WIEDERGUTMACHUNG STIMMEN DER LESER GESCHÄFTSSTELLF, REDAKTION UND EXPEE IT ION DES JÜDISCHEN GEMEINDE! LATTES:DÜSSFI.DORF»BFNRATH, FRIEDHOFSTRASSE 25—25. FERNSPRECHER Nr. 711151 AUS DEM JÜDISCHEN LEFEN NEUES AUS DER JÜDISCHEN WELT WAS DIE PRESSE SAGT Abonnement (per Kreuzband): Deutschland; jaSP 3^9FM, »/, lahr 6.50 RM, 1 Jahr IZ-SO^FM, Ausland; - -..RH. i/j ahr-8.60 RM, (alle Länder) Vi lahr 4.4« RS, Vs ahr-8.60 RM, 1 Jahr I7.Ö0 RM / E r s e h ei nt 14 t ä g i g — Sonderbeilage tal VC iedergutmachungstragen nach Erforderlichkeit» NUMMER 20 31. JANUAR 1948 2. JAHRGANG EVA VIOLETT, Marquioness of Readingt Staat und Eva Violet, Marquise von# Read in?.. Präsidentin des jüdischen Weltkongresses (Abteilung Großbritannien) und Vorsitzende der Jewish Agency for. Palestine. (Abteilung Großbritannien), bringt in diesem Artikel!hre Ansichten über die ^Beziehung zwischen dem jüdischen Weltkongreß und der Zukunft des jüdischen Staates zum Ausdruck.; \ Die Redaktion. Die Völker der Erde leben in einer loitteehen, historischen Epoche, in der die Form der menschlichen Gesellschaft qnter den zivilisierten Völkern auf- Generationen im voraus festgelegt werden wird.; ln der ganzen Welt finden wir eine Neueinschätzung von. Prinzipien und Ideen und das Problem, die dringendsten Notwendigkeiten zum Ueberleben der Menschenrasse zu beschaff eh, .ist allgegenwärtig. Die Lebensart von Tausenden und Abertausenden ist grundsätzlich geändert worden und' die Menschen stehen erschüttert voi dei;- Größe ihrer Aufgabe, ihre zertrümmerte Welt wieder aufzubauen. . Ein neuer Stern Inmitten all4 dieser Ereignisse versuchen die Juden ihren. Halt wiederzugewinnen und Jstreben danach, ihre jahrhundertealten. Probleme von neuem zu lösen. Für sie ist; ein neuer Hoffnungsstem am Horizont erschienen:' — der Stern Davids in Erez-IsraeL Denn die Naden bleiben, und die geistige und geschichtliche Entwicklung Palästinas wird ihnen am Herzen liegen. Ebenso wenig werden die palästinensischen. Juden sich geistig1 von ihren Brüdern getrennt fühlen, und so wie Brüder "in verschiedenen Staaten miteinander verbunden sind, werdender Jischuw und die Diaspora miteinander verbünden sein. -t- Nur die Zeit wird uns zeigen, wie sich dieses Ebensoklar ist es, daß die Arbeit in Verbindung mit den „Vereinten Natipnen lind den zwei Kommissionen, bei denen dem Jüdischen Weltkongreß ein Kpnsultativrecht eingeräum« wurde, die pemamenten Dienste von Spezialisten beanspruchen wird, . die ihre Zeit aulwenden können* um allen Entwicklungen folgen. Eine allgenv 1 *■" gebende Körperschaft in Zusamh---—» ner ihr unterstehenden ausführenden Behörde scheint erforderlich zu sein. Ich würde gern, diese Körperschaft unterteilt sehen in europäische und - amerikanische Wirkungskreise mit periodischen Zusammenkünften. Die Wahl einer kleineren Körperschaft, diezwischen den Verhältnis entwickeln wird, aber die Frage des Hauptsitzungen des Jüdischen Weltkongresses Bürgertums muß von Anfang an geklärt weretwa' zweirhal im - Jahre Zusammentreffen den. Die Bürger des jüdischen Staates haben würde, wäre zu erwägen. Diese Körperschaft eine1 große Aufgabe vor sich. Alle ihre Energien würde nach den Berichten des Exekutiv- oder und Reserven werden dringend zur Erschaff' Aktionskomitees die allgemeinen Richtlinien fung dieses neuen Staates genötigt. Zu gleifestlegen, und zwar unter Zustimmung aller Zwischen dem ß. und 5. Januar würden zirka SH) Grabsteine auf dem Alten jüdischen Friedhof In Leipzig, Berliner Straße,, von unbekannten Tätern umgeworfen und hierbei er*4 heblich beschädigt- Polizeiliche ■ Anzeige wurde erstattet ' * ... Leider sind die Maßnahmen, die deutsche Behörden zur Verhinderung, dieser Friedhofs- Schändungen unternommen haben, bisher erfolglos geblieben. Mehrmals wurden diese Taten „unverantwortlichen Elementen oder gar Kindern zugeschrieben. Es ist aber kaum anZunehmen, daß sich Kinder mit einem derartigen „Zeitvertreib“ befassen. Wir müssen immer wieder feststellen daß bisher nur. jüdische Friedhöfe geschändet wurden.' Welche Konsequenzen aus diesen Ereignissen gezogen werden müssen* sei den verantwortlichen B«- übertassen. eher Zeit werden die jüdischen Bürger in vielen Ländern in- und außerhalb Europas, die sich entschieden haben, anihrem bisherigen Wohnort zu bleiben, ganz andere Probleme zu lösen haben. Die Lage der amerikanischen Juden ist anders als die der: europäischen una wiederum anders als die'der Juden im Osten. Keine der Gruppen kann; daher für eine andere sprechen, obgleich die,praktischen Probleme sich oft ähneln. Sicher ist es erforderlicher denn je, eine Organisation wie den Jüdischen Weltkongreß zu haben und möglichst viele jüdische Gemeinden der Welt in ihm . zu vefi* treten;, dem der jüdische. Staat wird 'weder',. praktische, noch die rechtliche 'Möglichkeit haben, die Aufgabe zu übernehmen* die Rechte aller Judender Welt zu vertreten. Lehren der Vergangenheit Die Beziehungen zwischen dem Jüdischen- Weltkongreß und dem jüdischen Staat werden geklärt werden müssen, wenn die Vertreter des Weltjudentumssich im Februar dieses Jahres in der Schweiz zu üner zweiten Sitzung des Jüdischen Weltkongresses' zusammenfinden werden. Ich nehme an, daß wie bisher der «Ji- Kongreßmitglieder. Falls eine Vollversammlung des Kongresses nur halbjährlich st: ttf indem könnte, wäre eine Zentrale für Nachfragen bei dem Exekutiv-, od^r Aktionskomitee sehn wünschenswert. Zweifellos werden viele andere Vorsorge für eine Neuorganisation gemacht werdpn." >- Dieses sind meine persönlichen Eindrücke Wir bedauern, : ' - daB wirdureh VerSpäfele P&peiy anliefeiung nidil in - der tage , Waren, diese Ausgabe lermingemäß zuniVersand'zu bringen; Verlag jüdisches Gemeindeblalf; und ich gebe sie deshalb wieder, um andere anzuregen, die Probleme, die diskutiert werden sch uw durch seine Repräsentanten als tleichmüssen, zu durchdenken. Alles in allem tionen der Welt haben ihre Zustimmung dazu gegeben, daß nach zweitausend Wanderjahren die Juden, wieder einen eigenen Staat haben sollen, zu dem. sie zurückkehren können. Dieses Ereignis wird unser Problem auf‘s tiefste berühren. Es wird nicht leicht sein, unsere Gedanken sofort def neuen Situation anzugleichen und Gewohnheiten aufzugeben-, die in den Jahrhunderten, gebildet wurden, ln denen Zion nichts als ein Traum war. berechtigte Mitglieder des Jüdischen Weltkongresses vertreten sein wird « Aber vielleicht werden andere Meinungen geäußert. Zweifellos wird auch die Struktur; des Kon^rrsses selbst diskutiert werden: Zwölf Jahre sind seit der ersten Sitzung vergangen. Große V'"'Änderungen sind in den jüdischen Gemeinden der Welt eingetreten und die Erfahrungen des Jüdischen Weltkongresses seit Ende des zweiten Weltkrieges haben >"*HTTiche Anhalte*-.'inktefür eine Neuorganisation gegeben. Es ist klar* daß eine ununterbrochen arbeitende Organisation geschaffen werden muß, die im Stande ist, evtl, aüftauchende Notlagen sofort tu beheben. Ein Zusammenschluß von Männern und 'Frauen zuständiger persönlich"" Zusammenarbeit —• ein permanenter öffentlicher Dienst — könnte diese Aufgabe erfüllen. Die Bedeutung des Staates Wir müssep uns über die Bedeutung eines Staates für die Juden der Welt klar werden und über das Verhältnis, das zwischen diesem Staat und den Juden in der Diaspora beste- / ben wird. Die Situation ist zu neu für mich, * ■. A- - r-* ’ um tief durchdachte, Ansichten über dieses yL\T^Kl ]TlTT ]J1 PX0Z Thema darlegen zu können, aber es erscheinen Fragen, die von grundlegender Bedeutung, zu seih scheinen. -Zunächst wollen wir. eines klä- ‘ren: Was sind die Funktionen eines Staates? Eine Antwort könnte vielleicht sein, daß em Staat gegründet , wird zum Schütz und zum Nutzen seiner Bürger. Es mag wohl ausführlichere Definitionen hierfür geben, aber für unseren Zweck wird diese einfache Auslegung genügen. Aus ihr folgt, daß der Staat nur seine eigenen Bürge^ beschützen wird und diese nur aus ihm Nutzern ziehen können. Ein Staat hat keine Rechte oder Pflichten gegenüber'den Bürgern irgendeines anderen. Staates. - Wie ist dies auf die Juden in der Diaspora änzuwendert? Es scheint mir daß sie ihre Wahl treffen, müssen: Wollen sie nach Palästina gehen und Bürger des jüdischen Staates werden oder ist es ihr Wunsch, "Bürger anderer Staaten zu bleiben oder zu werden? Brüderliche Fände Wir wissen, daß es Hunäerttausende gibt, die. den; Staub der Diaspora - von ihren Füßen sc-hutteln wollen, um in* das Land ihrer Vate*. «tBCckz-ukehren. Wir *wis*tn ab"r auch, daß es wiederum Hunderttausende gibt, die „dies nicht tun werden. Trotzdem, werden alle Jumüssen wir uns versichern, daß der Jüdiscne Weltkongreß seinen wahrhaft jüdischen Charakter behält und daß es eine zweckmäßige und biegsame Körperschaft ist, die durch ihren hohen Standard die Besten-und Fähigsten unseres Volkes in ihre Dienste ziehen wird. Ich ’glaube, daß die zweite Sitzung; des jüdischen Weltkongresses ein Meilenstein 5n der jüdischen Geschichte sein wird. Mögen diejenigen, die die Ehre haben, von unseren, jüdischen Brüdern und Schwestern zü deren Vertretern, gewählt zu werden,. zu dem ’ Kongreß kommen, erfüllt von der Würde dieses Vertrauens, erfüllt von dem Geist .der Zusammenarbeit und entschlossen, den Erfolg unserer -großen Aufgabe zif sichern: Die physische und geistige Rehabilitation des Judentums in der Welt. utMmiiiiiiiiiuiniiiiiiiiiiiinuniiiiiiiiiiimiimiiiiiiitiiiinimmmmimmuumiimiiiiiniminiiimnimiiiiiHinuiwiimmmiinmmmimmiimnifiTninnmitimiimTiminiunimimniiinnnniiir 1500 jüdische Kinder trafen kürzlich, von Cypem kommend, mit ihren Eltern in Palästina ein. Rechts: * Stürmische Begrüßung im Hafen von Haifa. Unten: Ein Neugeborenes mit seinem Elterö. Von Claus Götz-Mueller (Schluß) ' - Versöhnung? Nach dem, was geschehen ist und angesichts der-Leichenberge seiner Angehörigen, auf welche das deutsche Restjudentum gemeinsam mit dem vor der Gestapo und-SS „durchkämmten“, besetzt gewesenen Länder blicken muß,* ist .nie heute noch mißtr^uisch-zitwär-. tende Hak,, mg der wieder unter uns lebenden Juden zu 'werten und zu verstehen, und dies' umso me? /als wir noch, herzlich wenig .guten Willen g/zeigt haben. -, /, Da also das spontane und allseitige Bekenntnis zu den heimgekehrten Juden ausgeblieben ist, müssen wir versuchen, einen, anderen Weg zu ge”-en, ' . .. * Noch keine große, und bleibende, die Zukunft befruchtende Idee ist spontan entstanden, hoch ist sie je ein vpn vornherein' allgemeinverbindlicher geistiger Besitz einer Majorität gewesen. ' ■ Stets noch war sie die Ffucht vieler nächtlicher Jakobsstunden eines einzelnen Menschen und wurde, die Grenzen ihres. Schöpfers überflutend lind ihn zur Mitteilung drängend. In mehr oder : minder langsamen, progressivem Prozeß organisch wachsen 1 zum geistigen Besitz einer Mehrheit. Ob in den Wandelgängen der Akademie, ob in den Synagogen des jüdisch-hellenistischen Raumes oder in den Braunschweiger Gesprächen stete öffnete die subtile Atrhosphäre eines vonw höchster 5(^ahtv.’:ortüilig geleiteten, kleinen Kreises Intellektueller däi;Quelir der allmählich die weiten Niederungen befruchtete. So sollten wir, meine ich, es auch dieses Mal versuchen. - , Ich schlage vor und * stelle zur Diskussion, daß sich jüdische und deutsche Menschen, denen die wirkliche und dauerhafte Versöhnung ein Herzensänliegen ist, in freien Zirkeln zusammerif indem, in welchen das Thema sowohl in seiner bisher negativen wie zukünftig positiven Problematik offen und rüdehaltlos diskutiert wird* nach jallen seihen Möglichkeiten, so Objektiv wie möglich, so subjektiv als nötig. < / Ich. vermag mir unschwer vorzustellen, daß aus diesen kleinen Urzellen, in welchen die solchen Primäraffekten innewohnende - Zeu» gungs- und Variationsfänigkeit enthalten Ist, sich langsam eine Vergrößerung . und Verinnerlichung des Freundeskreises ergeben würde. ■ In diesen ersten Arbeitskreisen könnten Themen besprochen lind fruchtbringend aiisgedeütet werden wie etwa diese (nur ungefähre Bei- ‘ spiele): „Schuld, und Sühne im Alten, Testament“ (im Neuen Testament, .in anderen Religionen), „Die Ideologie des Antisemitismus lind seine Geschichte“ (in; diesen Fragenkomplex gehörte nicht allein seine Genesis und diese. wiederum nicht allein, in ihrer Historie, sondern in ihrer epidemischen Erscheinung; Pogrome in Verbindune, mit allgemeinen Katastrophen wie „Schwarzer Tod“, wirtschaftliche Krisenerscheinungen, die „Hofjuden**; Hilfsquellen: Freud, Weininger, die Kirchenväter etc.); „Gibt es ein Weltjudentum?“ (gleichfalls eine äußerst wichtige Frage, weil, diese Fiktion seit jeher eine der wichtigsten propagandistischen Thesen des Antisemitismus gewesen ist; s. „Sir John Retcliff“). Immer mehr erscheint , der Antisemitismus als eine sporadisch auftretende geistige Epidemie (und nicht wie es neuesten' Heinz Ullstein in den Nordwestdeuts.chen Heften Nr. 7/47 will, als eine brutale Nebenerscheinung des Wirtschaftskampfes), eine-Epidemie, die freilich die Verantwortlichkeit der Patienten in keiner Weise auf hebt, und zu deren Heilung wir bis an ihre erste Infektionsquelle und zurückarbeiten müssen, um aus ihrer Erkenntnis die, Summe ihrer Einzelerscheinungen und damit jene selbst kurieren zu können. Ist dies erst einmal erkannt und geklärt, dürften sjqh Themen entwickeln, welche dem Nichtjuden die Größe des Judentums aufzuzeigen imstande wären. (Die einzigartige jüdische Literatur zj B. aus. Herders Briefe, das Studium der Theologie betreffend“ u. a.) Kennt der Durchschnittschrist — ich meine dabet nicht die spießbürgerliche, indifferente Masse) sondern den Durchschnitt des gebildeten, des ehrlich suchenden Christen — die Ungeheuere und erschütternde Bedeutung des Judentums als des Trägers der Offenbarung? Weiß er, wie sehr Jesus Jude war? Hat er sich jemals

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.