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Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone · 1948-01-14 · 19 (14.1.1948) · p. Seite 5

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
Volume
2 (1947/48)
Issue
19 (14.1.1948)
Date
1948-01-14
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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8. ÄiXmwn^-"»'2Vb jjl GEMEINDSBLATT FÜR DT! BRITISCHE ZONE SBWW H Dezember 1948 «■»•WTf ZaW jüdischer Studenten zu erwägen Haben, sehen und als eine Gruppe von Mensche® wie weit oder wie eng sie ihren Rahmen wollen wir, so lange wir hier sind; bei Ihne» zieht, um möglichst viele jüdische Studiosi sein, mit Ihnen tun und Sie als den jüdischen! Die Anforderungen an ei»©n jungen Juden, der heute an einer deutschen Hochschule studiert« sind groß, und se’ne Aufgaben sind mit einer besonderen Verantwortlichkeit verknüpft Diesen Eindruck durchzog die Verhandlungen und Beratungen des „Verbandes dey Jüdischen Studenten in der britischen Zone“ (V. j.S.), der Anfang. Dezember 1947 seine zweite Konferenz In Hannover abhielt (vgl. „GemeindeblattNr. 17 vom 17. Dez. 1947). Im folgenden gebhi wir den Wortlaut der Begrüßungsansprache wieder, die Dr. E. G. Lowenthal, der Fielet Direptor, Gefmany, der Jewish Relief Unit, unter ihre Fittiche zu nehmen. Früher war das einfacher.. Ich spreche hier als der Vertreter einer unpolitischen jüdischen Hilfsorganisation, der Jewish Relief Unit aus England, und darf Ihnen die aufrichtigsten Wünsche meiner Mitarbeiter und meine eigenen Wünsche für ein gutes Gelingen Ihrer Beratungen übermitteln. Sie und wir sind alte Freunde: in unseren Büros in Hannover und Berlin und wahrscheinlich auch anderwärts gehen Sie ein und aus, und akademischen Nachwuchs materiell ' und kul~j turell nach Kräften fördern. I Dies Ihnen zu versichern und, zu beweisen» j ist einer der. wesentlichsten Gründe, weshalb! meine Mitarbeiter und ich heute zu Ihrer Ta*] gung erschienen sind. Wir danken Ihnen für Ihre freundliche Einladung und wir wünschen Ihnen den denkbar besten Erfolg, Erfolg für Ihre Verbandsarbeiten und Erfolg im Studium jedes einzelnen. In dem jetzt zerstörten Gebäude einer deut» manche freundschaftliche Beziehung ist zwisehen Hochschule war einst arh Eingang^eme bei der Eröffnung der Tagung hielt. „Student: sein heißt: Den Weg vom bloßen Vorurteil zum klaren Urteil gehen. * Dieser Ausspruch wurde vor etwa zwei Jahren geprägt — von keinem Geringeren als dem Kultusminister, der in dieser Stadt und,von dieser Stadt aus wirkt, nänüich von Adolf Grimme. Student ,©ein bedeutet in dieser außerordentlich schwierigen und komplizierten Epoche, in der wir leben, weit mehr als vor etwa 20 oder 25 Jahren, zu jener Zeit, als wir unter den Folgen des ersten Weltkrieges zu Iiiden hatten oder, besser, zu leiden glaubten. Der jüdische Student, der sich in diesen Jahren an deutschen Hochschulen ausbildet, hat 8s ganz besonders schwer: die Hochschuiatmosphäre ist vielfach noch keineswegs zufriedenstellend bereinigt, die - Anforderungen sind erheblich, und der tägliche Existenzkampf macht außerordentlich viel Kopfzerbrechen Wer heute als Jude nach dem Aderlaß der jüdischen Gemeinschaft in Mitteleuropa das Glück bat, unter schwierigen Umständen zu studieren, der weiß, daß er nicht allein fachliche Aufgäben zu bewältigen hat, sondern, D. Red. gen“ und der „Bund jüdischer Akademiker“, nicht, umsonst bestanden . Sie haben an der Formung ihrer Mitglieder gearbeitet, für die Stellung der Juden in Deutschland und, dar' sehen Ihnen und uns entstanden — über das Ratsuchen und Ratgeben hinaus. Ich sage, es sind menschliche Beziehungen, entstanden, und das ist wichtig. Mr. Lipski hier und Miß Rath in Berlin' sind, das weiß ich, gern bei Ihnen gesehen, und ich weiß auch, daß Ihre Vertre- «SKmS WsS Jsf. sSf. Das eben ist die Starke unserer Unit: Materiell können wir, aus England, nicht so viel tun, wie war gern möchten, aber, als Menwichtige Erziehungsarbeit nach innen wie nach außen geieistet, jeder Verband in, seiner Art. Sie haben diese Arbeit nür leisten können, weil sie, jeder auf seine Art und nach seiner Ahschauung, das Jüdische, das Wissen vom Judentum und den Stolz auf die Zugehörigkeit zur. jüdischen Gemeinschaft als oberstes Maxim auf ihre Fahne schrieben. Sie haben dem jungen Menscheh das geistige Rüstzeug zu geben versucht, um sie zu ehrbaren Menschen und zu guten Juden zu erziehen. Und sie haben das Zusammengehörigkeitsbewußtsein gefördert und gestärkt, ein Bewußtsein, das heute, nach all den Jahren des Sichausein« anderlebens, noch stark vorhanden ist. Als die ersteh Notizen über die Bildung' des als kleine Anfängerin das Dirnenliedchen sin“ Verbandes jüdischer Studenten in der britigen durfte, vom Eilend ihres ehemaligen Kölschen Zone in der jüdischen Presse er&ehielegen efgriffen^und gerührt, einen Dollarscheos nen, erhielt ich über England, eipe Anfrage aus Hollywood nach London schickte. Der un» aus Amerika, und .zwar von einem f ührenden vergeßliche Richard Tauber, der die große Zu« Zwei winzige Zimmer in einer möblierten Wohnung, waren das letzte Heim des weltberühmten .Künstlers. Der beliebtest© Sänger des Konzertpodiums, der Operettenbühne, des Tonfilms, er, der märchenhafte Summen verdiente, starb am S.Jan. arm in einer Londoner Klinik. Es mutet gespensterhaft an, wenn man erfährt, daß die Filmdiva Marlene Dietrich, die vor'Jahren, neben dem vielgefeierten Star Tafel angebracht mit einer Aufschrift, . deren: Verschwinden symbolisch sein kann für ’dagj Schicksal dieser Hochschule, weji auch ihre, Menschen vom Vorurteil erfaßt wurden. Es war ein Spruch, dessen Sinn jedoch ewig sein wird, ein Satz, der,der Arbeit Ihres Verban-1 des nach innen wie nach außen als höchstes Gebot gelten sollte. Er lautet: „Ihr sollt diel Wahrheit erkennen, und die. Wahrheit wird! Euch frei machen.“ . seine unnachahmlich© Interpretation vonEgan# Lehars Operetten. Nicht nur als Sänger, auch! als Schauspieler in den Operetten „Zare»j witsch“, „Friederike“, „Land des Lächelns'13! u. a. bezauberte er das Publikum, dps ihm! immer „Begeisterungsstürmen zubujelte. Als Liebling des Publikums beider Erdteile fand; er auch ira Tonfilm ein reiches Betätigungsfeld. ’ . Der Jude Richard Tauber kehrte Deutsch« j länd den Rücken, als die 'Hakenkreuzfahne.; über,das „Dritte Reich“ wehte, ging zunächst nach * Oesterreich; und als dieses Land durch.' nazistische Banden besetzt wurde, ging er wenn er sich wirklich als Jude fühlt, dann Vertreter einer der drei genannten Verbände; hörerschaft beider Erdteile berauschte und oeüber Südafrika und die Schweiz nach Eng' __ T.:? ... „ j__«... •K’rtTVMsrte nia cfPspiisr»h»ftHr>hd land und Amerika, wo er auch als öoeretten weiß -er, daß er auch jüdische Aufgaben, jüer fragte, wer Ihr Verband eigentlich sei. Da dische Pflichten, kurz: eine' jüdische - Verantich kur? vorher zum ersten Male mit Mitglie» wortung hat Das Wort vom . klaren Urteil! dern Ihres Verbandes zusammengekommen war* vom objektiven Blick gilt ganz besonders für hatte ich eine Ahnung und konnte eine Aus ihn und für sein Leben innerhalb der jüdi sehen, upa ihre Erhaltung kämpfenden Gemeinschaft Der jüdische Student hat gleichsam eine Berufung: jüdisches Wesen, jüdische Leistung, jüdische Verantwortung zu Vertreten. Er hat eine Mission —- mehr denn je. Jüdischer Sinn für' Recht' und Humanität und Friedensliebe ^d : jahrelang verzerrt und entehrt worden. Deutschland unter den gegenwärtigen Umstä kunft geben, Und ich vers’cbere Sie,* sie war gut und ehrlich, und ich hoffe, gerecht und informativ, E^ ist ohne Zweifel ein Interesse an Ihren Bestrebungen unter jüdischen Akademikern im Ausland, vor allem solchen, die einmal in Deutschland studiert haben, Vorhänden; ' Eine jüdische Studentenvereinigung in Der jüdische Student, der nicht bloß ein Fachständen gleicht nicht i einer jüdischen Studen- Student sein soll, Um als“ Fachmann ins Leben zü gehen, soll auch tmd nachdrücklich das Wissen von Judentum - tmd Judenheit besitzen und vertreten, und er soll, wenn er ein fertiger Mensch ist oder auch nur zu sein beginnt, ein wichtiger Bestandteil und ein bedeutender Träger des Wesens und der Lehre unserer^ Gemeinschaft sein. W©nn auch nicht behauptet werden soll, daß man unbedingt studiert haben muß,, um im Beben -- im allgemeinen wie im jüdischen zu bestehen, so darf doch wohl gesagt werden, daß aus der jüdischen Studentenschaft allenthalben vielfach die besten Mehschen für den Kampf um unsere Sache, hervorgegangen. Sind. ' . Wenn wir einmal zurückdenken an. die Zeiten vor 1933, so werden wir mit Stolz und Anerkennung feststellen dürfen, daß die drei großen jüdischen Studenten-Verbände in eutschland eine wesentliche Funktion im jüdischen Leben Deutschlands gespielt haben und daß viel© ihrer Alten Herren überall in der Welt beute noch vfelfact. als hervorragende Vertreter und Verfechter der jüdischen Idee für die Erhaltung unseres Volkes und seines Ringens um Anerkennung, um Recht und Gleichberechtigung wirken, ln jenen 30 oder 40 Jahren vor der sog. Machtübernahme haben die drei jüdischen Studenten verbände in Deutschland, der „Karte Hkonvent deutscher, Studenten jüdischen Glaubens“, das „Kartell jüdischer Verhindern- 9« 8 tenVereinigung von damals. Vier Erscheinungen scheinen es mir im wesentlichen zu sein, die diesen Unterschied präg’en und die die. studentische Existenz, ich meine besonders die eines-Juden, heute so ganz anders gestalten. Der Student von heute ist nicht mehr so ganz jung. Er ist älter, reifer, ernster. Der jüdische Student hat leider nur in den wenigsten Fällen Angehörige und einen Rückhalt an einer Familie; noch hat er den einst so wichtigen, berühmten Wechsel. Er hat um sein tägliches Leben zu kämpfen, er ist auf die Hilfe von außen angewiesen, um zu existieren und sich die nötigsten Lehrmittel zu beschaffen. Der jüdische iStudent hat nach seinem Studium nur in wenigen Fällen die Aussicht, in dem Land, in dem er studiert, seinen Beruf in Eintracht mit der Bevölkerung, in uneingeschränkter Freiheit tmd in wirklichem Frieden auszuüben. x Die jüdische Studentenschaft wird vielleicht in Anbetracht der verhältnismäßig geringen glückte, dessen Konzerte als gesellschaftliche Ereignisse galten, der durch, den Zauber seiner großen Gesangskunst die Zuhörer so mächtig ninzureißen vermochte, war in seinen letzten Lebenstagen in materieller Not. — In. der Geschichte der großen Künstler allerdings, keine Ausnahme. Im September 1947 sang er noch* als die Wiener Oper in Convent Garden gastierte, dm Octavio in Mozarts „Don Giovanni“. Am Tage darauf gab es die beliebte- Tauberstunde im Londoner Radio — die letzte. ,Die bezaubernde Stimme von seltener Schönheit ist auf immer verstummt. Schon als kleinenr Junge zeigte er seine bisondere musikalische Begabung und erntete, mit neun Jahren seinen ersten Lorbeerkrnnz. Am Konservatorium in Frankfurt am Main bildete 0r sich zunächst als Kapellmeister aus und mit 18 Jahren begann er zu dirigieren. Doch sein geheimer Wunsch, Sänger zu werden, wurde erfüllt, als er nach ‘Freiburg!ro Breisgau kam und die' Gelegenheit hatte, Gesangskunst zu - studieren« Zuirf ersten Mal trat er mit 21 Jahren ®n Mozarts „Zauberflöte“, als Tahiino auf. Von nun an beginnt sein strahlender Aufstieg. Es gab kaum eine große Bühne, kaum ein großes Festspiel, auf der Richard Tauber nicht aufgetreten ist; , Mozart Festspiele. in Salzburg die Operabühnen in München, Genf, Paris,' festigten zunächst seinen Ruhm. „Madame Butterfly“*, „Eugen Onigin“, „Zigeunerbaron“, „Tiefland“, „Hoffmanns Erzählungen * sind seine Lieblingsopera. Den Weltruf erlangt er aber durch land und Amerika, wo er auch als Operetten Komponist gefeiert wurd Taubers lyrischer Tenor war von seltenem Reiz und ungemein biegsam. Die herrlichsten. ‘Töne kamen mühelos und wie unversehens von seinen Lippen, und drängen durch fern überreiche Zartheit und schmelzende Süßfc; zum Herzen des Hörers Immer spürte man, daß sein Gesang ihm eine Herzensangelegem heit-ist Er sang mit der Sicherheit eines. KÖ* nigs des Gesanges, er verstand den reichen Schatz seines Könnens wirkungsvoll zu gebrauchen' und wie kaum ein anderer den engen Kontakt mit dem Publikum zu schaffen« Das Geheimnis seines Erfolges lag in der . außergewöhnlichen Gabe, die prachtvolle,,; vollkommen ausgebildete Stimme mit einer) eigenartigen Vortragskunst zu verbinden. Die lebendige Stimme Richard Taubers wird nicht mehr erklingen, doch die Schallplatte gibt. seiner' Kunst UnVergänglichkeit* Die Lieder „Dem ist mein Hers“ 1000 Mal in. vielen Sprachen gesungen, „Frag nicht rum“ und andere können uns noch Immer auf dem Umweg über die Schallplatte,— erfreutia. Seine Stimme ist auf ewig in den Rillen auf« gefangen, doch der Zauber des Persönlichen ist au^ ewig entschwunden, Nicht nur als Sänger auch als Mensch bleibl er den Freunden unvergeßlich. Wer mit Tau« Iber persönlich In Berührung kam, hat nicht) nur seine Stimme bewundert; sondern auch di© Wirme seiner Persönlichkeit, seine strahlende und gütige Natur erkannt Mit ihm verliert die. Weit einen Sänger, Iji sich Künstlertum, und Menschlichkeit einer selten schönen Synthese vereinigten» j DÜSSELDORF AM MARTJN-LUTHER.PLATZ ÄFTE N K M Ä G ESC Ich sehe in ihr haßerfülltes Gesiebt: „Haben Sie auch Mitleid gehabt als die Züge der verschleppten Russen und Polen durch diese Straßen zogen, als die deportierten Juden, Männer, Frauen und Kinder/wie Schlachtvieh durch dieselben Straßen getrieben wurden?“ Die Deutschen haben nur Mitleid mit ihren eigenen Landsleuten, aber kein Mitleid mit den Mensehen. Sie schimpfen über die Engländer, die sie verhungern lassen, über die Amerikaner, die sie nur ausbeutep wollen, über die Russen, die ihre gefangenen Angehör gen zurückhalten. Aber über die eigentlichen Urheber allen dieses Unheils schimpfen sie n*cht, nämlich über Sich selbst. Sie waren doch so ahnungslos. ' ■ Die Russen? Na ja, die sind es nicht besser gewohnt Und die Juden? Die kamen in ein Sanatorium. Die Flammen von Auschwitz sind verlöscht Aber die Erinnerung lebt Dafür sorgen die Deutschen heut© selbst Danny Eisoffen: Eine verschollene Bibliothek? Kulturarbeit in Theresienstadt Dieses ist keine novellistisch© Angelegenheit* sondern ein kurzer Tatsachenbericht über die merkwürdigste Bibliothek des Kontinents, und ihr spurloses Verschwinden: Es handelt sich um die ehemalige „CentraJ- Bibliothek'* kn Theresienstadt, von deren Struktur, ja von deren. Vorhandensein selbst mancher ehemalig© Lag?rinsasse nichts wußte. Es ist wahrscheinlich, daß der Verfasser der einzige im unserem Lani© ist der vom dem spurlose© Verschwinde® der Bücherei Kenntnis hat1 Ich nannte die „Central-Bibiiothek“ di© merkwürdigste des Kontinente, aber ich bezeichnet« sie so nicht allein weil sie eine KZ-Bibliothek war.' Ihie Zusammenstellung, ihre Unterbringung, ihre Tendenz war grotesk. Neben ungezählten Judaica und Gebetbüchern befanden sich die Klassiker aller Nationen. Romane, Novellen, Reisebeschreibungen, wissenschaftliche Werke aller Disziplinen, Sprachlehren und Zeitschriften waren in allen Kul-, tursprachen vertreten. Jedes Wörterbuch war vorhanden, ob es sich um hebräisch, englisch, französisch, tschechisch oder türkisch handelte. Jede moderne und tote Sprache fand hier ihren Niederschlag und außer Belletristik und Wissenschaft konnte man Kochbücher studieren. Es gab jüdische Kochbücher, österreichische Kochbücher, süddeutsche Kochbücher, tschechische Kochbücher u.s.JL — nur zum Kochen gab es nicht#. Di© Bibliothek verfügte übe* einen kleinen Ausleiheraum und zwei anstoßende, kellerartige Zimmer. Geber ein drittes Gewölbe, welches separat-betretbar und in welchem ich arbeitete, berichte ich sp?ter. Die Tendenz der BibliiAheksdirektion (so etwas gab es tatsächlich) wer, möglichst kein© Bücher auszuleihen. Warum? Die Bücher sollten erhalten bleiben. Wem aber?. Als ich meine Tätigkeit In: diesem Bücherparadies aüfnahm, fand ich in dem obenerwähnten Gewölbe, wahllos durcheinandergeworfen, einen Häufen von Büchern, welcher als gigantischer Kegel vom Boden fast zur Decke ragte. Es wehte schon freiere Luft im Lager, und es hieß, die Bücher seien für Palästina bestimmt. Ueber London sollten sie befördert werden» Mein© Aufgabe bestand darin, die Werke zu sortieren und Ungeeignetes zu verbrennen. Für letztgenannten Prozeß erhielt ein« wunderschöne Bücher zu verleihen ich, nebenbeigesagt, Schutzbrille. Verboten war es mir, oder zu verschenken. Bevor ich das Eigentumsrecht streife, will ich hier freimütig gestehen, daß ich mich verpflichtet hielt, das Verbot zu brechen. War die Bibliothek jüdisches Eigentum, deutsches, tschechisches, englisches, privates, staatliches, ödfer war sie herrenlos? Wer hatte ein Reicht darauf? Zwei MenSchengruppen gab ich ausnahmslos unerlaubt Büener: erstens medizinische Werke an Aerzte und Pflegerinnen; zweitens Gebetbücher an »Rabbiner- und Jugendliche, die danach hungerten. Auf dem Hof vor der Bibliothek'sah ich elternlose Kinder in unglaublich frühem Alter „ohren“. War es materielle oder geistig© Gier, daß eines Nachts ein Einbruch in der Bibliothek stattfand? / Wie es auch gewesen sein mag, ich hatte hierdurch Gelegenheit, aus der Wanzenkaserne auszuziehen und als ständige Wache, auch nachts, im-Reiche der Bücher zu verbleiben. An Licht wurde in Theresienstadt nie gespart So kam der Tag der Befreiung heran. Zum Verpacken der Bücher und Kunstwerke mach London" wurden jetzt auch deutsche Internierte herangezogen. Nachdem es mir vergönnt war, heimzukehren, hatte ich Gelegenheit einen prominenten Herrn des , Joint“ über den Verble’b der Bibliothek, zu befragen. Er versicherte mir, daß nicht ein'Ruehin England angelangt sei. Wo befindet sich jetzt die Bibliothek von Theresienstadt? Wer kann einen Hinweis zur Sicherstellung dieser großen ideellen und materiellen Werte geben? NEUE BÜCHEß : Richard Beer -H oimann: „Jacob*®] Dream“ (Verl. Jewish Publieation. Society jot1 , America). Aus dem Deutschen übersetzt «von L B. Wymv ■ Morris Katz: „The Nazi's Jewish ter“ (Verlag Narod Press). Ein Schauspiel.' ■ La Persieution Antisämitique en Be lg ique (Verlag George Thone, Lüttich). Bericht des belgischen Regierurtgsausschus- Schusses für Kriegs verbrechen, begapgeh während der Nazi-Besetzung 1940—1945. Ernst Sommer: „Revolte ■ der Heiligen“ (Verlag J. W. H. Dietz Nachf., Berlin). Ein Roman, dessen Schauplatz ein. „Arbeite“- Lager' in Polen ist, in dem jüdische Zwangsarbeiter aus allen von den Nazis besetzten Teilen Europas j sich zum bewaffneten Aufstand entschließen. Zuerst veröffentlicht ii» 1 Verlag „El Libro Libre“, Mexiko, 1944. Gewidmet den Helden des Warschauer Ghettos. Walter Poller: „Arztschreiber in Buchenwald“ (Phönix-Verlag Christen & Co.; Hamr' bürg). Bericht des Häftlings 996 aus Block 39. ' Mit vielen Hinweisen auf Behandlung und Schicksal von Juden. Eugen Kogon: „Der SS-Staat“ (Verlag des Druckhauses Tempelhof, Berlin. — Buchreihe für- Jedermann). Format und Preis (KM, 2.—) baben\die Verknappung mancher Stellen der Erstfassung des Manuskriptes gefordert; andere Teile dieses bemerkenswert ten Buches sind jedoch ergänzt. " j i. Le win, M. L. Munk und J. J. Be-rman; „Relfgiöus Freedom: The Right t® Praettc©) fShochitah“ (Research Institute, for Post — War Problems in Religious J©wry; American Jewish Committee, New York). Ueber /Me Sehächtfreiheit.

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