Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Volume
- 2 (1947/48)
- Issue
- 17 (17.12.1947)
- Date
- 1947-12-17
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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jEiWAei^KEia w A N * E I, G E N P R E I S f | Eamilifnanieis«»: Rif *insra,t!g« Petits-eilc 3.5C RM Reiian et Die eiPfpa tij.:» Eetitzeilc 8.< 0 KM Suchanzeigen! Die einspaltige I eiiizeüe 8.5o RM Ucbetweisüngen aut Fostsel.eckkcnto Fssen t£C8Ö JÜDISCHE POLITIK / KULTUR FRAGEN DER WIEDERGUTMACHUNG STIMMEN DER LESER aus dem jüdischen lefen NEUES AUS EER JCDK.CI IN WELT WAS DIE PRESSE SAGT : Abonnement (per Kreuzband)! Jslw 3.30RM, VsJabr 8.50 FM, « Jahr 12.80' FM, Ausland* (alle Länder) »/« |ahr 4.40 FM, */, ahr 8.00 KM. » Jähe 17X0 KM / Erscheint ]4tägig mittwochs. Sonderbeilage in Vi iedeiguttnachungsSta^en nach' ErlorderUchkeit. GESCHÄFTSSTELLE DES JÜDISCHEN GEMEINnEMATTES, REDAKTION UND EXPE! ITION: DÜSSFLPORF*BENRAl H, FRIEDHOrSTRASSE 23—25. FERNSPRECHER Nr, 711151 NUMMER 17 17, DEZEMBER 1947 2. JAHRGANG] „Was ist Chanukka?“ — Mit dieser einfachen Frage beginnt der Talmud, uns den Sinn und die Bedeutung dieses Festes, dessen Botschaft bei uns heute noch1 tief im Herzen wurzelt, zu erklären. Chanukka unterscheidet sich von den anderen Feiertagen bedeutend. Die acht Tage sind .gewöhnliche Arbeitstage und ist in dem Begehen dieses Festes weniger religiöser Sinn als in den anderen Feiertagen Enthalten. Zeremoniell äußert sich Chanukka mir im Kerzenanzünden. Gerade in der Bescheidenheit der Zeremonie liegt der nationale Inhalt; darin finden wir die Widerspiegelung einer echten jüdischen Siegesfeier. . i . ■ Puriin und Chanukka sind Kapital jüdischen Heriosmus1, Erinnerungen an die Siege über Feinde und Unterdrücker. Doch besteht zwischen Purim und Chahhuka ein wesentlicher Unterschied. Während es sich beim ersten um die Vereitelung des Planes einer physischen Vernichtung der Judendurch die Perser han^ delt, gedenken wir bei Chanukka des Kampfes der Maccabäer gegen die Unterdrücker des jüdischen Geistes, denn der einstige griechische König Antiochus verlangte, daß die Juden ihre Külte Und Traditionen aufgeben sollten. Die Maccabäer aber setzten, sich da mit derselben Verbissenheit für die Freiheit ihrer nationalen1 Entwicklung ein, wie sie es bei der Rettung der physischen Existenz getan hatten. Sie siegten-! Dieser Sieg führte nicht zur Ueberbegeisterung und Eitelkeit, wie es meist bei Siegern der Fall ist, sondern ihr erster Schritt war es, den, Tempel; instand zu setzen v <li«. Lddrter anzy zünden und d:ie-ri,üdi - sche Kultur wieder aüfleben zu lassen. So haben sie den Sinn ihres Kampfes : zum Ausdruck gebracht -Es war der Kampf zwischen Eicht und Finsternis. Chanukka ist'das Symbol Israels, sein Licht das Symbol -jüdischer Unsterblichkeit. Wenn ^Nationen siegen, werden sie meist undankbar. Nicht so die Matcabäer. Sie fühlten, daß der Geist, für den sie gekämpft hatten, nur dann bestehend kann, wenn sie ihre priesterliche Reinheit, ihroriginales Judentum beibehalten würden. Und wenn die Juden schließlich’ ins Galüth zögen, - nahmen sie eine kleine Lampe ipit dem Siegel des Maccab;-Ideals mit sich. ».Das reicht nur für einen Tag“ sägten die Feinde, „wenn der Tag um ist, dann vergeht auch das Licht und nach* einigen Generationen wird diese Nation nicht mehr bestehen;11 Wie konnten sie aber das Wunder der jüdischen Geschichte begreifen, wie konnten sie es verstehen, daß das Licht des geweihten. Tempels eine Zusage war und eine. Deklaration, daß Chanukka nie endet, daß das. Judentum nie 'aufhört, daß das echte Judentum im Herzen unserer Helden tiefer und s+ärker brennt als oberflächlicher Enthusiasmi s der Massen, daß trotz aller Versuche dieses Licht nicht zu ersticken ist. Im Talmud finden wir verschiedene Arten des Kerzenanzündens. Laut Beth-Schamai (die Gelehrten der Schule Schamais) sollten am ersten Tage acht Kerzen angezündet werden, die sich an jedem der nächsten Tage um eine vermindern, da das gerettete reine Oel im Tempel einst auch mit jedem Tage weniger wurde. Anders halten es die/ Beth-Hilu (die Gelehrten der Schule Hilels) und zwar so daß man am ersten Tage nur eine Ke* ze anzündtet und an jedem der folgenden acnt Tage eine mehr, dehn, so meinten die Beth-Hilcl. obwohl das Oel weniger wurde ist das LichÜmehr geworden. Wir führen das Kerzena-^zünden nach, der Art der Beth-Hilel aus. Es geht ja »um das Licht, das immer rriehr werden muß. So ist Chanukka ein Sy robb, jüdischer Ewigkeit. Wenn die anderen geglaubt haben, das Licht reiche nur für einen Tag und unser nationales Bestehen sei hur von kurzer Dauer,, so bewies die Geschichte das Gegenteil. Trotz aller Versuche, uns in der Förderung nationaler Kultur zu hemmen, zeigt uns, diese LeuchtfackeJ der Menorah den Weg zur Weiterentwicklung. ' , . Chanukka bedeutet Erneuerung. Es sind die Tage des nationalen Erwachens, die in den jetzigen lagen ihren vollen Sinn erhalten haben und zur Realität geworden sind. i Mit Recht sagte der groß- Gelehrte de# alten Zeit. Rabbi Eliezer-Hakaluhr: „Jm koll hatnoadin jehäju betejlim, Chanukka u‘ Purim lo niwtalim“ —■ wenn a-lie anderen Feiertage im Laufe der Zeit aufhören sollten, werden Chanukka und *Purim ewig Feste des jüdischen Volkes bleibeü; denn wenn die anderen Feiertag^* die in der Hauptsache religiösen VON QBERRABBINER Br. HERMANN HELFGOTT Im Jahre *165j am 25. Kislev ist Juda Maceabi nach großen und ruhmreichen Siegen über Antiochus Epiphanes in Jerusalem eingezogen, hat den Tempel gereinigt und das Licht angezündet als Symbol der Freiheit vom griechischen Joch, als- Zeichen des Sieges, des Lichtes über die Finsternis. Das Licht soll von nun an herrschen, die Gerechtigkeit, die Freiheit des Menschen, die Freiheit des Geistes. Zum ersten /Mal nach vielen Berührungen der, griechischen' Kultur mit der jüdischen ist es zu cinpm offenen Kampf. gekommen. Die Helenen, die; zu jener Zeit fast die ganze Welt beherrschten und denerü es gelungepi war, überall dort, wo sie hinkamen, ihre Anschauungen den Besiegten aufzudrängen, haben es nicht verstanden und wie es auch die Nachimperative des menschlichen Lebens, der Sieg über die menschliche Finsternis sein, ' . tind so. brennen diese Lichter seit dem Jahre 165. Die, Vorschrift war, diese Lichter anzuzünden an der Schwelle des Hauses oder am Fenster. Sie sollten in die Finsternis hineinleuchten und sie leuchteten so durch das Altertum und sie leuchteten so d irch das Mittelalter. §ie leuchteten so überall da, wo die menschliche Finsternis geherrscht hatte; in den Zeiten der Kreuzzüge des Autodafe, deren Flamme bis zum Himmel stieg, leuchteten diese kleinen Lichter. Und ihre Flamme trüg auch im Inferno die goldenen Buchstaben,, geschmiedet in dem Satz eines großen, Propheten:* „Oh Mensch, nicht durch große Heere, nicht durch Gewalt, sondern durch meinen Fest des Kampfes! - Mühsam verging uns die Zelt, Voller Sorgen und Grausamkeit Doch wir hielten dem Sturme stand Und haben das Ziel nun erkannt. Fest des Sieges! Was die Zeit bisher uns verbarg, Ist die Wahrheit; Als Volk sind wir Fest der Freude! =' Darum laßt des Tages uns freuen, Und laßt es erschallen von Neuem: Wir wissen, wie schön dieses Leben» Das uns diesen Tag hat gegeben. Fest . der. Arbeit! Gemeinsam wollen wir streben Nach, heuern, schaffendem Leben. Zur Arbeit mit frohem Gemüt, Auf daß Palästina erblüht! K. J. Themal/ timimHimnimtmmnmtmm mnniimiimiimfmmnuimn::::iimi!iiiimiiiiiitmttnui&ui!iH FESTLICHE STIMMUNG IN DÜSSELDORF weit nicht verstehen konnte, daß das kleine Erez-Israel. das kleine jüdische Volk, den Kampf gegen den Weltbeherrscher auf genommen hat und aus diesem große). Ringen zweier Welten, zwei verschiedener Anschauungen, als Sieger hervorgegangen ist Es hat die unbeugsame Kraft der Ueberzeugung d$s jüdischen Volkes gesiegt, gepflegt und gespeist durch die geistige Nahrung seiner großen Propheten und durch den Glauben an die menschliche Gerechtigkeit,1* menschliche Gleichheit und vor allem an die menschliche* Freiheit. Der Jude hat es verstanden, für Glauben und Üeberzeugurig auch freiwillig zu sterben! Kein Volk der Erde hat für seinen Glauben.und seine Anschauungen das bewiesen, was das Judentum in seiner langen Geschichte gezeigt hat. Und das Symbol dafür sind unsere Chanukka-Lichter angezündet von den Maccabäern, um zu erinnern, zu lehren, zu zeigen, daß 'der höchste Sinn des Menschenlebens der , Sinn des Lichtes ist, das Ringen mit der Finsternis. Das Licht muß die höchste. Geist, so sprach der Ewigst Sie leuchteten auch in unserer Zeit in Ghettos, in Kriegsgefangenenlager und in KZ-Läger, wo man wochenlang ein bischen Margarine gespart hat, um ein Licht zu fertigen. Sie leuchteten auch dort, wo die Flammen der Krematorien flackerten. Auch heute werden' wir die Ueberreste des jüdischen Volkes, hier in Deutschland unsere kleinen Chanukka-Lichter anzünden inder großen Finsternis unserer Zeit, in dem großen Chaos, wo der Mensch nicht den Manschen sieht! ln der Zeit, wo Europa wie ein zerbrochenes Boot in dem großen Sturm des Meeres treibtJ wo es jede Sekunde zu vergehen scheint; in! einer Zeit, wo es scheint, daß der brodelnde! Kessel jede Sekunde explodiert, der Zeit desj großen Kampfes der Ideologien, wo in der/ ganzen Welt weiter der Krieg herrscht, der so-j genannte „cold war“; wie ihn die Amerikaner^ genannt haben, wo alles braust, worin tiefer* Finsternis die Weißen Grabsteine der Millionen! hervorragen. ... 4 ‘Ond in dieser Finsternis und auf diesen Fried-*! böfen wollen wir rimsere kleinen Qianukka-| licMer .^fünden, an clen Gräbern unserer 1m,We.W•>^d^■■ScHwe'ste^n»,. Kinder und Eitern), aamit sieuüis zeigen sollen wo* das Licht ist,j wo der 9Weg der Menschen ist, damit’ wir alle! die Worte der Heiligen Schrift verstehen! sollen. ' '• \ Durch Heere, Atombomben und Gewalt, wirddiese Welt nie geordnet werden, sondern , nur) durch den Geist, das /.Verständnis, Gereditig-: keit und Freiheit jedes Einzelnen, der im Ebenbild Gottes geschaffen ist. Und dieser Schein unserer Lieh'ter von unseren Friedhöfen soll auch unseren Brüdern drüben über dem Ozean Kraft geben, damit, sie verstehen Süllen, daß wir stark sind, daß Wir noch mehr als je geläutert sind durüh Flamme; und Feuer und für diesen Sinn des Lichtes und der Freiheit unseres Volkes lebeh Wollen. Es mögen diese Lichter Euch alle, Brüder, dort mahnen,* fest in Einheit entschlossen für diese Idee zu leben und zu schaffen und dort, Brüder ini Erez Israeli mögen euch die Lichter unsere Grüße herübertragen in eurem schweren Ringen. Für die Freiheit des ganzen jüdischen Volkes stehen wir mit euch in Taten und niüht in Phrasen. Wir sind stark, sind entschlossen, für das Licht zu leben um auch anderen Völkern als Beispiel zu dienen, um auch weiterhin zu zeigen, daß wir Juden nur für das Licht leben wollen und mit Unserer Fahne, die endlich von den Völkern anerkannt werden wird, trotz aller Finsternis. Deren Farben sollen heißen: „Oh Mensch, nicht durch große Heere und Gewalt, sondern durch meinen Geist, so sprach der Ewige,“ ' Charaktej tragen, im Wandel der Zeit zusammen mit der Religion vielleicht ihr Gesicht verändern und an Bedeutung verlieren sollten, werden Pupim und ChanuKKa, die ausgesprochen nationale Feiertage sind, immer bestehen, genau wie die Nation selbst Immer .wird uns dei Einsatz, der Erfolg und der Sieg der Maccabäer r.n den , heroischen Kampf erinnern und äls leuchtendes Beispiel echter jüdischer Ethik an den Tagen des Sieges zur Bescheidenheit und zu praktischen Taten , im eigenen Hause l auffordern. Auch unseren Sieg der vergangenen Tagg sollen wir in diesem Sinne und im Licht des Maccabäergeistes begehen. Nüchtern und sachlich wollen wir die uns neu gestelltem Aufgaben betrachten und uns mit den Problemen der jetzt aussichtsreicheien Zukunft bef essen Dann wird dieser Sieg genau wie das Ch-mukkalicht ewig sein. Bruno Zolty. Aufnahme der UNO Belsen Unmittelbar nach dem Bekanntwerden des Beschlusses der UNO-Vollversammlung sammelte sich auf allen Plätzen des Lagers Bel- Sen die Bevölkerung und formierte sich zu einem Fackelzug, der seinen Weg.zum Hauptquartier der jüdischen Agenlai für Palästina nahm. Es wurden' jüdische Lieder gesungen und jüdische Tänze getanzt, ln .kürzester Frist kündigten Plakate im ganzen Lager die Einzelheiten des; Beschlusses der UNO/Konferenz an -und gaben der Bevölkerung Kenntnis von dem Programm, daß die Ooiitiscben Parteien für die Freuden-Kundgebung durchgeführt haben. Diese begann mit einer Ansammlung allerpolitischen Parteien und Grupperungen mit Fahnen auf dem Freiheitsplatz. David. Ettstei.n von der jüdischen Palästina-Agentur sprach zu unseren Menschen. Seine . Ansprache wurde immer wieder von Jubel unterbrochen, Sie waren in ihrer* Freude nicht wiederzuerkennen. Sie .küßten sich und immer wieder schütteiter, sie sich die" Hände. n in Detüfschland Im Anschluß daran formierte sich ein aus vielen tausenden bestehender Zug, der angeführt. wurde von einer Ehrenkompanie der jüdischen Polizei des Ze .tral-Komitees* ah dessen Spitze der Vorsitzende der jüdischen Palästina-Agentur von London, / S. Adler- Rudel, marschierte. \ . Dem Zentral-Komiteö schlossen sich das örtliche Komitee und alle anderen Organisatioin diesem fahre haben in last a.len jüdischen Gemeinden der britischen Zone und darüber hinaus Chenukka-Fei’ei n siattgelunden« die vielfach unter dem hindruck der UNO»Eßts Scheidung über Palästina gestanden haben. Das »Gemeindeblatt« wird in seiner nächsten Nummer einen zusammenhängenden Bericht über die Veranstaltungen veröffentlichen. nen an. Das große Freudenfest endete mit einer mächtigen Kundgebung im Kinosaal des Lagers Belsen, die mit der Hatikwah eingelei-