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Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone · 1947-11-30 · 16 (30.11.1947) · p. Seite 3

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
Volume
2 (1947/48)
Issue
16 (30.11.1947)
Date
1947-11-30
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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t. Jahrgang — Nr. 16 JÜDISCHES GEMEINDEBLATT FÜR »IE BRITISCHE ZONE SO. November 1941 — Seite S 0 0 PALÄSTINA Vier Engländer wurden getötet und 19 britische Soldaten verletzt, als die jüdische „Stem“-Gruppe kürzlich zum Gegenschlag gegen die verschärften britischen Maßnahmen ausholte. (DENA-Reuter.) * V ff- Drei neue jüdische Siedlungen, zwei im Negev- ■ Gebiet und eine im Süden des Landes, wurden jetzt errichtet. Infolge der Geheimhaltung dieser Operation konnten bisher keine Einzelheiten in Erfahrung gebracht werden. (JTA,) Nach einer halbstündigen Besprechung zwischen dem hohen Kommissar für Palästina und dem Vorsitzenden der Jewish Agency Exekutive, David Ben-Gurion, über das neuerliche ' Aufflammen der Tätigkeit der Terroristen, hat der' Vaad Leumi eine nochmalige Warnung an diese erlassen. Die Warnung nat folgenden Wortlaut: „Der Yischuw wird euch nicht erlauben, die neue Welt, die wir auf- bauen, zu zerstören.“ (JTA) Das Flüchtlingsschiff „Aliyah“ wurde am 16. November an der Küsti in der Nähe von Naharia besatzungslos aufgefunden. Die Passagiere haben das Schiff um Mitternacht verlassen und sich in das Innere des Landes begeben. Ein zweites Schiff, die „Kadimah“ wurde von englischen Marineeinheiten auf gegriffen und nach Haifa gebracht. (JTA.) FRANKREICH In Drancy, wo während der Nazibesetzung eines der größten Deportierungsläger nach dem Osten war und das hurfderttausende Juden vor ihrer Vernichtung passierten, würde ein großes Denkmal errichtet. An der Feier nahmen mehrere prominente französische Persönlichkeiten teil. (JTA) * Wie wir soeben erfahren, ist der berüchtigte Hochstapler Eddy Izier, der soviele Gemeinden und Privatpersonen betrogen hat, in Ar- Ion 5 (Luxemburg) Verhaftet worden und sieht seiner baldigen Aburteilung entgegen. * Illegale Ueberfährten nach Palästina werden Berichten gut informierter Kreise zufolge in Zukunft von der französischen Küste aus nicht mehr möglich sein. Die französischen Behörden scheinen im Anschluß an die Aufforderung des britischen Außenministers Ernest Bevin an den Quai d‘Orsay ihre frühere Politik geändert und strenge Maßnahmen ergriffen zu haben, um illegale Ausschiffungen und damit einen zweiten „Exodus“-Fall zu vermeiden. Bisher sahen die Franzosen keinen Grüne zum Einschreiten, solange die nach Palästina reisenden Juden Kränlcreioh auf legalem Wege und mit Visa versehen betraten, — auch dann nicht, wenn angenommen werden mußte daß nicht der an-. gegebene Bestimmungsort', sondern Palästina das Endziel war. (DENA-ONA.) DEUTSCHLAND Der Landesrabbiner von Bayern, Dr. Aron Ohrenstein, verunglücKie mit seinem Kraftwagen am 18. November beim Bahnübergang in Allach. Die Ermittlungen des Polizeipräsidenten haben ergeben, daß die Schranken nicht geschlossen waren und der Personenzug, won München kommend, unbeleuchtet die Strecke befuhr. Dr. Ohrenstein erlitt schwere Verletzungen am Kopf und der Wirbelsäule und ist mit seinem Kraftfahrer, der gleichfalls schwer verletzt wurde, in das Krankenhaus des katholischen 3 Ordens in Nymphenburg eingeliefert worden. * Der bayerische Staatskommissar für rassisch, religiös und politisch Verfolgte, Dr Auerbach; forderte in Bad Reichenhall auf der 2 Jahreskonferenz der Föderation der Juden aus Polen eine internationale Anleihe in Höhe von 200 Millionen Dollar füi Zwecice der jüdischen Auswanderung. Der Plan wird in den nächsten Tagen einem internationalen Komitee, das bereits in New York unter der Leitung des Bankiers Warburg besteht, vorgelegt werden. Die Anleihe soL eine Sicherstellung in dem herrenlosen jüdischen Gut erhalten, was dem internationalen Wiedergutmachungsfonds nach dem Anfang November verkündeten Rückerstattüngsgesetz der US-Militär- Regierung zur Verfügung gestellt werden soll. (DENA.) SCHWEIZ Der frühere Führer der antisemitischen Nationalen Unionpartei, Georges Oltramare, hatte sich kürzlich vor einem Genfer Gericht zu verantworten. Es wurde ihm zur Last gelegt, die Schweizer Neutralität während des Krieges durch die Herausgabe der durch die * - i ' ■ Ehrung, Schutz und Hilfe AUS DEM JÜDISCHEN KRANKENHAUS IN HAMBURG erhielten wir Grüße dieser Menschen, die nach ihrer Ankunft mit der „Exodus“ sofort dort eingeliefert und nun, nach ihrer Genesung, in ein jüdisches Erholungsheim gebracht wurden. lizenzierten Zeitung „France au TravaiT* ln Paris gefährdet zu haben. Außerdem hielt er regelmäßig über den Pariser Sender Vorträge. Er floh nach der Schweiz, als Frankreich befreit wurde. Wenn er für schuldig befunden wird, wird er wahrscheinlich zu 20 Jahren Zwangsarbeit verurteilt werden. (JTA.) TSCHECHOSLOWAKEI Stephen Tiso, der ehemalige Ministerpräsident der letzten slowakischen Quisling-Regierung, wurde wegen Verbrechen gegen Juden in der Slowakei zu 30 Jahren Gefängnis durch ein Volksgericht in Pratislawa verurteilt. Stephen Hasik, ein Mitglied seines Kabinetts, wurde wegen gleicher Verbrechen zum Tode verurteilt. (JTA.) UNGARN Der jüdische Friedhof in Dunaharaszti wurde Anfang November durch Umstürzen mehrerer Grabsteine geschändet. Es wird angenommen, daß das Verbrechen von in der Nähe wohnenden Volksdeutschen ausgeführt wurde. <JTA.) GRIECHENLAND Der griechische Finanzminister hat durch eine Verordnung die Verwaltung des gesamten Eigentums von aus Griechenland deportierten und verschollenen Juden, soweit es nicht von Erben beansprucht wird, der neugegründeten zentralen jüdischen Körperschaft übertragen. Durch das Gesetz von 1940 war bereits bestimmt, daß dieses Vermögen den Juden Griechenlands in Form eines zu errichtenden besonderen jüdischen Aufbaufonds zugute kommen soll. Die griechische Regierung ernennt durch diese Maßnahme dar moralische Recht der jüdischen Gemeinschaft an, das den Juden geraubte herrenlose Vermögen in eigene Verwaltung zu ^nehmen und zu ihren Zwecken zu verfügen. Wir bemerken hierzu. , daß, wenn ein ausgeraubter Staat wie Griechenland in seiner bedrängten wirtschaftlichen Lage dieses moralische Recht anerkennt und von fiskalischem Zugriff auf derartiges Vermögen absieht, das gewiß für Deutschland gilt, dessen frühere Regierung den Raub organisiert hat. SÜD-AFRIKA Der Transportminister Mr. C. F.- Sturrock, begrüßte offiziell die Möglichkeiten der Errichtung einer südafrikanischen Handelsvertretung in Palästina anläßlich der Eröffnung der ersten palästinensischen Industrieausstellung in Johannesburg. (JTA.) USA. lieber 40 000 neue Mitglieder wurden im Monat Oktober in die Zionistische Organisation Amerikas auf genommen. (JTA.) * Dr. Chaim Veizmann wurde von Präsident Truman am 19. November im Weißen Haas in Washington zu einer Diskussion über das Palastinaproblem empfangen. Einzelheiten dieser Unterredung wurden nicht b^kanntgegeben. (JTA.) SHANGHAI Wie das „ShanghaF Echo“ berichtet, ist die Zahl der in Shanghai lebenden Flücntlinge auf etwa 8600 zurückgegangen. Im September 1946 lebten noch 15 000 Flüchtlinge in dieser Stadt Daraus ergibt sich, daß im Laufe von ungefähr einem Jahre nahezu 6000 Flüchtlinge entweder weiter- oder zurückgewandert sind. KANADA Die kanadische Regierung hat sich bereit erklärt, die Zahl der zur Zulassung in dieses Land vorgesehenen D.Ps. von 10 000 auf 20 000 zu erhöhen. Von den 2114 D.Ps., die als Schneider in die kanadische Textilindustrie gehen können, wird die Hälfte jüdisch sein. D. P.-PROBLEME Ein Sonderausschuß des amerikanischen Repräsentantenhauses empfahl am 15. November, daß den Ländern, die die Aufnahme der gegenwärtig in Deutschland, Oesterreich und Italien lebenden verschleppten Personen verweigern, eine wirtschaftliche Unterstützung im Rahmen des Marshall-Planes nicht gewährt werden solle. (DENA-Reuter.) * Sofortige Maßnahmen, um die Rückführung von D.Ps. in ihre Heimatländer zu erleichtern und die Mitgliedstaaten der UN zu veranlassen, eine angemessene Zahl von D.Ps. aufzunehmen, die nicht in ihre Heimat zurückkehren können, wurden, von einer Untergruppe des Sozialausschusses der UN-Versammlung am 10. November vorgeschlagen. (DENA-OANS.) Die nächste Konferenz der PCIRO wird laut AFP Januar 1948 stattfinden. Die letzte Konferenz dauerte vom 21. {Oktober bis 4. November. (DENA.) Verb reellen gegen die Menschlichkeit Zur Wahrung der Fabrikationsgeheimnisse war die Leitung der TG-Farben entschlossen, auch den letzten jüdischen KZ-Häftling im Buna-Werk bei Auschwitz zu vernichten. Dies sagte im IG-Prozeß der französische Zeuge Dr. Philippe Pfef f er, ein ehemaliger Häftling aus Monowitz. Meister und leitende Beamte der IG in Auschwitz hätten sich mehrfach in diesem Sinne geäußert. Pfeffer belastete den Angeklagten Otto Ambr#s, der ihm auf seine Mitteilung hin, er sei Franzose und kein Jude, geantwortet habe: „Da haben Sie aber Glück gehabt. In diesem Fall werden Sie wohl wieder lebend herauskommen.“ (DPD.) Gegen Antisemiten and Antisemitismus Vor der Strafkammer des Tiand«—-*-vts Arnberg begann ein Prozeß gegen 19 Angeklagte, die beschuldigt werden, an de»* Zerstörung der Synagoge in Amberg am 10. November 1938 beteiligt gewesen zu sein. Die Angeklagten erklärten sich für schuld.g. behaupteten jedoch, daß Ihnen ihr verbrecherisches Handeln nicht zum Bewußtsein gekommen sei. (DENA.) In , Anwesenheit von Staatskommissar Dr. Auerbach fand auf dem größten KZ-Friedhof von Nieäerbayern-Oberpfalz in Wetterfeld bei Boding eine Totenehrung zum Gedenken an 1600 dort begrabene ehemalige Häftlinge statt, die auf dem Todesmarsch von Flossenburg nach Dachau iin April 1945 von SS-Wachen erschossen worden waren. Anschließend wurde der neuerrichtete KZ-Ehr renfriedhof bei Rottenbach im Landkreis Regensburg eingeweiht, auf dem 50 weitere Opfer dieses Todesmarsches begraben liegen. (DENA.) Der Haushältäusschuß des bayerischen Landtages bewilligte dem Staatskommissariat für rasisch, politisch und religiös Verfolgte einen Zuschuß von rd. 4,8 Millionen Mark. (DENA.) & Staatskommissar Dr. Auerbach, München, sagte, nach der Verkündung des Rückerstattungsgesetzes durch die amerikanische Militärregierung betrachteten es die Länderregierungen als ihre höchste Pflicht, den Verfolgten für die unschuldig erlittene Haft eine/bescheidene Entschädigung zukommen zu lassen« Ein Vorschlag, den politisch, rassisch und religiös Verfolgten solle für jeden Tag ihrer Haftzeit, sofern sie sechs Monate überschritten hat, zehn Mark Entschädigung gezahlt werden, wurde von dem Wiedergutmachungsausschuß des Länderrates einstimmig angenommen. Der Beschluß soll dem Länderrat als Gesetzentwurf unterbreitet werden. Ministerialrat Dr, Herbert En gier, der Chef der Leitstelle Bergbau der amerikanischen Zone, wandte sich in einer Friedberger Betriebsrätekonferenz gegen den Antrag., Die politisch Verfolgten würden damit den „Blutordensträgem“ und „alten Kämpfern“ gleichgestellt. Dr. Engler forderte, daß nur an arbeitsunfähige politisch, rassisch und religiös Verfolgte Renten gezahlt würden. (DENA.) # Ein besonderer Kündigungsschutz wird politisch, rassisch oder religiös Verfolgten durch das vom Landtag Württemberg-Baden beschlossene Verfolgtenschutzgesetz gewährt,, das von der Regierung bekanntgegeben würde. Nunmehr können Verfolgte nur mit behördlicher Genehmigung gekündigt werden. (DENA.) DasZenlralkomitee gratuliert Dr. Schwarz vom American Joint Lieber Chawer Dr. Schwarz, t Wie wir leider erst jetzt aus der Presse ersehen konnten, ist Ihnen die große Ehre zuteil geworden, von der französischen Regierung zum Ritter der Ehrenlegion ernanntworden zu sein. 7 In dem sicherlich großen Kreis der Gratulanten, die. Sie aus Anlaß dieser besonderen Auszeichnung mit Glückwünschen bedacht haben, wollen gerade wir nicht fehlen und wir beeilen uns daher, Ihnen nachträglich, aber nicht weniger herzlich, diese Botschaft zu senden, die Ausdruck unserer Freude und unserer Genüge tuung über die hohe Anerkennung ihrer Arbeit ist. Wir kennen uns persönlich , zu gut, als daß unser Glückwunsch von Ihnen als eine bloße konventionelle Verpflichtung empfunden werden wird. Lassen Sie es uns aber heute aussprechen, daß die Sherit Ha-Pletah der britischen Zone Deutschlands in der großen Geste der französischen Regierung Ihnen gegenüber die hohe Würdigung der edlen Einsatzbereitschaft sieht, mit der Sie in den langen Jahren Ihrer Wirksamkeit für das jüdische Volk und insbesondere seine Verfolgten, Hilfe, Zuversicht und Hoffnungsfreudigkeit in unsere Herzen getragen haben. Möge die Sherit Ha-Pletah bald im Sinne des uns gemeinsam vorschwebenden Zukunftsbildes ihre politische Befreiung und damit das Freiwerden von ihrer sozialen Abhängigkeit erlebt. Ihnen selbst möge auf diesem uns gemeinsamen Wege und für alle Ihre zukünftige Arbeit noch lange Jahre aktiven und erfolgreichen Schaffens beschieden sein, mit dem gleichen warmen jüdischen Gefühl und den ausgezeichneten Gaben Ihres Geistes, durch die Sie das Wirken des Joint zu einem Begriff erhoben haben. Wir grüßen Sie herzlich , Schalomi (Josef Rosensaft) ' Norbert Wöllheim). FRANZ TKONEMANN K.G. VORM. 1H. H. NlCiKO GFNFEAI.YFRTFIEF: CON UNFNTAT - FF ANCOTYP G&uxoxiwTct inen — r) nt et, ox — Qievaratme tt^ DÜSSELDORF, KÖNIGS ALLEE 41. TELEFON 11202 DÜSSELDORF HAMBURG ESSEN Gesellschaft Königsallee 100 Steinstraße 7 Haus der Technik. 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