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Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone · 1947-10-08 · 13 (8.10.1947) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
Volume
2 (1947/48)
Issue
13 (8.10.1947)
Date
1947-10-08
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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EINZELPREIS 40 PFENNIG A N' % E «I,, G E; N P R E I S E! . Farailienanzeigen: Die einspaltige PeHtzeile 3.50 RM - Reklame: . Die einspaltige Petitzeile 8.0Q RM ' Suchanzeigen: Die einspaltige Petitzeile 3,50 RM Ueberweisurigen auf Postscheckkonto Essen 68080 . JÜDISCHE POLITIK / KULTUR FRAGEN DER WIEDERGUTMAtHUNG STIMMEN DER LESER GESCHÄFTSSTELLE DES JÜDISCHEN GEMEINDEBLATTES, REDAKTION. UND EXPEDITION: DÜSSELDORF,BENRATH, FRIEDHOFSTRÄSSE 23-25. FERNSPRECHER Nr. 711151 AUS DEM JÜDISCHEN LEBEN NEUES AUS DER JÜDISCHE^ WELT WAS DIE PRESSE SAGT Abonnement (per Kreuzband): Deutschland: V, Jahr Jk30RM, Vajahr 6.50.RM, .! Jahr 12.80 RM; Ausla.nd: (alle Länder) Jahr 4.40 RM, */2 |ahr8.60 RM, 1 fahr 17.00.RM-/Erscheint 14tägig mittwochs. Sonderbrilage in Wiedergutmachungsfragen nach Erforderlichkeit; NUMMER 13 8. OKTOBER 1947 2. JAHRGANG SBBmästiimßxtpmBmBm RALPH GIORDANO: K. M. Vor etwa 18 Jahren, im Jahre' 1929, begann das, .was man später mit „Nervenkrieg“ bezeichnet^. Die Erfinderin dieses Nervenkrieges war die Sitjhdamals noch in der Opposition befindliche nationalsozialistische Arbeiterpartei. Nach 1933 w^rde dieser Nervenkrieg seinem Höhepunkt zugetrieben' Und wir erlebten ihn,' mit ganz kurzen Unterbrechungen, bis zum heutigen Tage. ' 7 Die Erfinder fanden Nachahmer ipa Osten und im Westen Europas. Bewußt oder unbewußt; wahrscheinlich aber bewußt,, werden immer wieder Gründe und Gelegenheiten ..gefunden,' um diesen Nervenkrieg mit einer Heftigkeit fotzüsetzen, die man theoretisch wahrscheinlich für selbstverständlich gehalten hat. Damals, —< nach 1933 — folgte diesem Nervenkrieg ein Völkerschlachten, wie es die Weltgeschichte zuvor nicht gekannt hat. Wer da glaubte, ' daß nach Beendigung des' Krieges auch dem Nervenkrieg ein Ende bereitet werden würde, der irrte sich. Menschen, die aufatmeten, als die Friedensglocken läuteten, befanden sich für nur kurze Zeit in dem Zustand, den man Ruhe nennt. Und dann, begann der Nervenkrieg von: neuem. Diesmal von den anderen Mächten; bewußt oder unbe- ’ wußt, in einer Heftigkeit, die' sich' durch nichts unterscheidet von dem, was. wir^bis 1945 erlebt haben. , ' Großmächte, die sich zusarnmengefund'en, hatten, um „den Erfinder dieses Nervenkrieges .zu vernichten,'begännen nun gegenseitig, ihn von neuem zü.’entfachen. ,,; , tragen; das‘ihrige, dazu bei, ödaß dieses fürchterliche Wort von Mund zu Mund getragen• wird, und wir stellen fest, daß trotz der Ruinen, die minütlich an die vergangenen Jahre erinnern, daß trotz der' jungen Menschen,' die wir stündlich als Krüppel herumlaufen sehen, das Wort , „Krieg“ so ausgesprochen wird, als würde es sich , um etwas alltägliches,'um etwas*, selbstverständliches ••handeln. - ' - Es fragt sich, ob das heißt, daß die Menschheit durch .das Erleben seit 1933 so abgehärtet worden ist, daß sie durch nichts, durch garnichts beeindruckt werden kann, ob also diese Menschheit aus der Vergangenheit nichts gelernt hat und sich auch nicht bereit findet, Wege zu gehen, l?ei denen . Vernichtung und Mord ausgeschaltet werden. Wenn ein Volk besonders unter diesem Nervenkrieg und den •sich anschließenden Morden zU leiden hatte, danh war es das jüdische Volk. Wir haben •„ Gelegenheit, uns davon zu überzeugen, daß auch unsere Menschen, diejenigen, diedem Massenmotfcfen und' den. Gaskammern entkommen sind, abgehärtet, ( zum Teil gefühllos geworden sind, aber Wirhaben auch Beweise, ' dafür, daß sie. trotz alledem nicht hur aus der Vergangenheit belehrt / hervor gegangen sind, sondern auch die jüdische Lehre unserer Pro-” pheten sich erhalten haben insofern, als. si e das ' Wort jKrie^ und Morden nur mit einem Grauen über die Lippen bringen. . . Wir wissen und die Führer unserer Weltorganisationen haben 4n den letzten Monaten imr mgr wieder mit aller Deutlichkeit zum Ausdruck gebracht, daß sich die überwiegende v Mehrheit unserer Menschen 'gegen, die Terrorakte in Palästina gestellt hat. Wir wissen, daß ~ wir nur über demokratische Wege unser Ziel erreichen können,-und wir sind von unseren Grundsätzen nicht abzubringen, daß wir dem Nervenkrieg, der ” auch,, jetzt wieder oder;' bes- ' ser gesagt;, noch immer gegen' uns geführt Wird, nicht unterlieget) wollen. Wir denken heute noch .an, die Zeit, in der wir ' von einer Rundfunksendung - der Alliierten zur anderen warteten, um zu. hören,, wann uns die Befreiung gegeben wird, und wir haben begonnen, Vergleiche zu ziehen, zwischen Versprechungen,'die unS damals durch den Aether. gegeben wurden und dem1 was Wir in den verflossenen 214 Jahren von Mönat zu. Monat hofften, daß verantwortliche Menschen dieser Welt sich zusammensetzten., um ernstlich das gegebene Versprechen einzulösen. Wir warteten von Monat zu Monat, ' von Woche zu Woche, vpn Tag.zu- Tag und von einer Rundfunkübertragung ^ur anderen. Unsere Nerven werden-aufgepejtscht. Der Nervenkrieg , ist zu einem totalen Nervenkrieg geworden. Und schon beginnen einige; ihm zu unter-- liegen. 1 , . Die anderen, die übergroße Mehrheit, hat'ihren Glauben an die Ehrlichkeit und Anständigkeit' der Welt noch nicht ganz verloren. Sie möchten ihn nicht verlieren. * § , Und deshalb ist. es Zeit, daß der Nervenkrieg zu einem'Ende gebracht wird. Als Kinder hörten wir andachtsvoll deh Märchen zu, die: uns vonder ..verkehrten Welt“ erzählt Wurden. Heute erleben die ehemals rassisch und politisch Verfolgten selbst die „verkehrte Welt,“ nicht im Märchen und auch nicht andachtsvoll, sondern in-. Schmerznäitdeprimierender Realität und umgeb eh von einer .Atmosphäre,, die sie oft zu ersticken droht! Sie sehen die riesige Aufwendung an Arbeitskraft, Papier und Kosten, .— sich immer höher stapelnden Aktenberge in deh Amtszimmern, — immer schneller aufeinander folgende Leitartikel und Rundfunkvorträge —■ das. ’ alles ,zu dem Zweck, um für die Verfolger von gestern in den wehmütigsten Tönen zu plädieren. ' ' . ' - - ‘ ■ . .- S Und die Verfolgten von gestern?'—' sind überall öffentlichen Schmähungen, passiver 'Resistenz faschistelnder Verwaltungen,) brieflichen ünd direkten Todesdrohungen und Scharfen; Unterdrückuiigsmaßnahmen .von seiten der Behörden ,ausgeselzt. Schon meldet ■ sich; bei ahnen wieder — hur zu verständlich bei der Haltung der deutsche^, Bevölkerung -r-r das alte Gefühl der Unsicherheit, die. Psychose' , permanenter' Furcht. vor «feiner Wleder- . holüng, ihrer Leiden an. •. Das ist — grob üi#- rissen — der ■ seelische Standort/ der 'rassisch und politisch Verfolgten/ zweieinhalb Jahre, nachdem sie aus den Ghettos, den Konzentra- : tionslägernL den Zuchthäusern . und Gefängnissen befreit wurden oderaus dem illegalen ■; Versteck ätß Tageslicht 'krochen, -- von ihrer''" materiellen tage ganz zu - schweigen. "Mag die breite deutsche Oeffentlichkeit . sich wieder — nach bewährtem Rezept—— damit herausreden wollefi, sie wüßte nichts von dem internen , Unrecht,, das. ■ denVerfolgten von gestern''heute 'schon wieder angetan wird — so wird es ihr jedoch nicht möglich sein, diese Ausrede bei einem anderen Symptom, das die ^nazifiziert . gebliebenen V deutschen. Seelen immer wieder erkennen läßt, geltend zu machen:' dieses. Symptom' ist ' die dreißigste Schändung jüdischer Friedhöfe /■; in Deutschlands Westbm und Süden n«a c h 1945! Von den 540 000 Juden, die. 1933.in Deutschland lebten, haben kaum 20 000 die Nazizeit; Überlebt. Sechs Millionen wurden insgesamt, .ermordet, durch deutsche Schuld' ünd durch deutsche Mörderhände! — aber .auf dem jüdischen Friedhof in Memmingen werden sechzig Grabsteine zerstört! Zur. „Erklärung“ der dortigen Landespolizei. daß diese Zerstörungen duch 5 bis -7jährige Kinder erfolgt wären, dürfen wir hinzufügen: stark "müssen diese Kinder gewesen sein, daß sie »fest in der Erde stehende Grabsteine umwerferi konnten. Sechs Millionen wurden e^morpet! •— aber in Wuppertal werden die Fensterscheiben jüdidischer Läden eingeworfen die Wände mit Hakenkreuzen beschmiert und'. Aufschriften angebrächt: „Die Juden sind unser Unglück!“ Nachdem in Köln-Deutz der. jüdische Friedhof zum erstenmale, und in Lauenau-Deister zum zweitenm'ale geschändet wurde, zerstörte man auf dem jüdischer! Friedhof in. KölmDeckstein 15 noch erhalten gebliebene" Grabsteine-. Sechs Millionen" wurden ermordet! - aber in Düsseldorf-Gerresheim .müssen entsetzte 'Besucher des jüdischen Friedhofes 40 umgeworfene, völlig zerstörte Grabsteine, entdecken. Wurden sie etwa auch von Kindern umgeworfen? Geschah däs alles in der Hitler-Aera? :—-Nein! hier Waren, Erwachsene am Werk, vollbewüß.t dessen; was sie taten, — so geschehen im „neuen, demokratischen Deutsch-' iänd“, das s;o viele deutsche Politiker dem A'usland immer noch andrehen Wollen. In München bedarf es erst einer Revisions- ^Verhandlung ehezwei Synagogenseliander, die in der. ersten Gerichtsverhandlung, für ihre Untat mit lächerlichen drei Monaten Gefängnis bedacht worden waren, zu je 1J4 Jahren Gefängnis verurteilt werden. Diese Verschärfung erfolgte nur deshalb, weil das Staatskommissariat für rassischund politisch Verfolgte in München gegen, das erste Urteil Berufung eingelegt/hatte. Deutschen Gerichten ist die perverse' Schändung einer jüdischen Glaubensstätte nicht mehr als drei Monate Gefängnis für die Täter wert. Upd in. Bremen würde uns gezeigt,,'daß der Mord an einem Juden in bestem Falle den Mördern 6 bis 8 Jahre Gefängnis kostet. Eine Uinfrage der amerikanischen. Militäfregierüng bei 3415'Personen erbrachte die mehr als aufschlußreiche Feststellung^ daß nicht weniger als 18 Prozent der Befragten fanatische Judenhasser waren, 21 Prozent machten aus ihrem grundsätzlichen Antisemitismus kein Hehl, 22 Prozent stellten sich ^positiv“ zu den Grundsätzen der nazistischen- Rassenlehre“, wahrend 20 Prozent ,nur eine geringe antisemitische Einstellung“ zeigten. Das sind insgesamt achtzig Prozent Antisemiten, Und vpn. diesem Ergebnil. lassen sich, /vollwertige Rückschlüsse auf die .Gesamtheit ziehen! Angesichts dieser neuen Greuel geht es nicht an, wenn der Oberbürgermeister vön Düsseldorf von eingr , „Verwilderung der .. Sitten“, einer „Verrohung des Gefühls“ spricht, um inu Nachsatz an die Feststellung des „tiefeh BeRaueyhs über diese .Vorgänge“ eine offenkundige Unwahrheit anzuknüpjfen, wenn er nämlich erklärt, er wüßte -pich in der Ablehnung dieser neuen Verbrechen „eins mit unserem ^ganzen Volke!“r Nein! und; abermals nein! Wir müßten blinden Auges und taubefi Öhresdurch Deutschland gehen,' um zu glauben, daß nur eine ganz verschwindende. Clique von Deutschen vom Bazillus des Antisemitismus infiziert seien. Sölche Formulierung dient nur wieder,— auf Kosten der tatsächlichen Situätiön und zugunsten der amoralischem deutschen Haltung — der Verschleie.- "rung einer der" schmählichsten Wahrheiten des Deutschlands Anno 1947! Diese neuen Verbrechen — und Vir werden nicht müde, es zu betonen — geschehen wieder nicht nur mit der. D ul düng, sondern auch der B e f ü rw o rtung breitester Bevölkerungskreise! »Sie können heute nicht mehr behaupten, sie wüßten von nichts oder sie könnten nichts dagegen machen. Sie wissen!®— und sie könnten sehr viel dagegen machen, wenn sie es nur wollten! ■. - , . »Aber sie schweigen, vom- Herrn Ministerpräsi-, denten — bis herunter zu den Herten Müller, Schulze, Meier und Krause, die uninteressiert gähnen, wenn sie yon diesen Schändungen und Schlimmerem in der Presse lesen oder im Radio hören — selbstverständlich nur in „zeitgemäß“ kurzer Form dort, wiedergegeben! ,—„Ach, laßt -mich ^zufrieden, was geht mich das an.“ Aber nachher wenn es wieder zu spät ist, sind diese Herren alle'selbstverständlich wieder „völlig unschuldig“. . . Dje neue/deutsche Presse macht sich wieder mitschuld'ig, weil sie, wenn überhaupt,, diese unerhörten, Tatsachen kurz und kommentarlos bringt, wo jeder, verantwortungsbewußte Journalist empörten Herzens > den einzigen Kommentar anfügen würde/ den diese be- (Fortsetrung, siehe 2, Seite ciiiiiiiiiiiiHiHiniiiiiin.iiitinimiiiimimiiiiiiimiimiiiiiinniimiiii^iiitiiiiiHiHinimiiinittmiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiimnitmimmi» ,iimiiintsiiHmn(nmiininiitii::::iifimiiiiiiiiiiiiinniiii!iiiiniuiiiiiiiiit Am 30; September und 1., Oktober fand in Godesberg die vom Zentral-Justizamt der britischen Zone veranstaltete Tagung, deutscher Juristen statt. An dieser Zusammenkunft nahmen die repräsentativen Juristen der drei Westzoneii teil, die justizminister, Oberlandesgerichtspräsidenten, Universitätsprofessoren und Präsidenten der Anwaltskammern einschl. Berlin. Die Rechtsahteilungen der britischen, amerikanischen ünd französischen Militärregierungen waren durch ihre leitenden Beamten vertreten. Aus London war der bekannte Anwalt Dr. Emst Wolff erschien,en, der vor der Hitlerzeit so viele Jurisfentagungen7 organisiert hatte. Wie wir vemenmen, wird Dr. Wolff in naher, Zukunft in die britische-Zone übersiedeln, um dort eine _ für die Entwicklung des Rechtslebens bedeutsame Funktion einzunehmen. Dr. Emst Wolff-, der den deutschen Juristen, einen Vortrag über Freiheit und Gebundenheit des englischen Richters hielt, wurde mit großem Beifall begrüßt, der sowohl dem Inhalt seiner Ausführungen galt, als auch der Tatsache, daß einer d,er bedeutendsten Juristen der deutschen Emigration an der Tagung 'der deutschen Juristen teilnahm. Die „Association of Demokratie Lawyers from Germany“ War durch ihren Präsidenten Dr." F. M. Mainzer •. und durch ihren Sekretär, Rechtsanwalt Dr. Mosheim, repräsentiert. Das wissenschaftliche Programm der Tagung war sehr reichhaltig. Wir erwähnen den interessanten Vortrag des bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Ehard über die staatsrechtlichen Probleme des bizönalen Aufbaus, did bei der Gründung , von zentralen Verwaltungsstellen Wie wir jetzt erfahren, wurden: vor kurzem auf dem jüdischen Friedhof in Barseiihausen jbei' Hannover zwei Grabsteine von unbekannten Tätern umgeworfen. Anzeige wurde erstattet:- . ,; . , ■ In der Nacht vom 2i. zun) 22. September Wurde der KZ.-Friedhof in Schwabhausen bei Landsberg' geschändet. Die drei Grabsteine, die für 18ß jüdisch? Mitbürger gesetzt waren, wurden mit, Hakenkreuzen aus schwarzer Farbe bemalt. Der Staatskommissar für rassisch, religiös und’ politisch Verfolgte, rMüncheri,. setzte unter Ausschluß des Rechtsweges und unter Zusicherung von strengster Verschwiegehheit für die Ergreifung der/Täter 10 000 RM. ' als Belohnung aüs; x jüdischen Friedhöfe in Haselünne und Sögel (Reg. Bez. Osnabrück) wurden vor einigen. Wochen in rohester .Weise durch Umwerfen und Zertrümmern einer ganzen Anzahl von Grabfet.einei) geschändet. * - , ' . " t '• -**',/ . Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zu Osnabrtidc nadi den Tätern hatte bisher noch keinen Erfolg für beide Zonen auftreteu. Audi der Vortrag des hessischen Wirtschaftsministers, Dr." Harald Roch, der über die Rechtsform, der Sozialisierung sprach, war bemerkenswert. Wir notierten, daß Dr. Koch sich wiederholt auf Walter Rathenau berief, des erstqp jüdischen Opfers des Naziterrors. Es ist nicht möglich, an dieser stelle*auf alle Rfechtspröbleme einzugehen, die auf dieser Tagung zur Erörterung Standen. Wir müssen uns darauf beschränken, einige Punkte hervorzuheben, die ( von unmittelbar jüdischen) Interesse sind. /-In ■ diesem Zusammenhang ist in erster Linie die Frage der Wiedergutmachung zu nennen, die in einem eingehenden Referat des Ministerialrats im Bayerischen Justizministerium, Roejmer/ gewürdigt wurde. Df. Roenier erklärte die Bestimmungen des , amef-ikänischen Entwurfs eines Rüdeerstattungsgesetzes, an dessen Schaffung er selber in erheblichem Umfang Anteil’hatte. Er gab seiner Ueberzeugung Ausdruck, daß die Wiedergutmadiuag als Beweis des Rechtswillens des . deutschen Volkes eine Notwendigkeit für Deutschland darstellt. Dr. Mainzer berichtete über die , Bildung eines Wiedergutmachungsbüros in London, das die maßgeblichen Organisationen der. deutschen Emigration in England umfaßt. Er gab ferner den deutschen Juristen einen. Eindruck, von den berechtigten Wünschen der - deutschen Emigration. Dr. Rotberg, der' einer der Verfasser, "des Koblenzer Entwurfs, ist, äußerte Bedenken hinsichtlich der Gestaltung des Anfechtungsrechtes im amerikanischen Entwurf und befürchtete die Zunahme des Antisemitismus bei »zu radikaler Gestaltung des Anfechtungsrechtes. Gegen dieses letzte Argument wandte . sich Rechtsanwalt Dr. Mosheim. Dr. H. G. van Dam, der Rechtsberater der Jewish Relief Unit, stellte fest, daß das Rückerstättungsgesetz noch nicht in Kraft ist und ging auf die rechtliche Grundlage der Wiedergutmachungsansprüche unter Berücksichtigung der jüngsten Rechtssprechung ein. Er legte dar, daß nicht das Interesse des einzelnen Gläubigers, aber das 'Allgemeininteresse ’an Rechtssicherheit und Rechtsfrieden di? Wiedergutmachung erfordern. * Die Wiedergutmachungsgesetzgebuhg schafft im .Grunde genommen kein neues Recht, sondern ist nur Konsolidierung ünd Vereinheitlichung bereits bestehenden Rechts. Daher ist die Sicherung. der Wiedergutmagungsansprüche durch vorläufige Maßnahrnen bereits im gegenwärtigen Stadium unerläßlich. Insoweit erhielt eine. Frage des Oberlandest gerichfcspräsidenteiT von Celle, des Freiherrn

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