Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Volume
- 2 (1947/48)
- Issue
- 10 (27.8.1947)
- Date
- 1947-08-27
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 — 27. August 1947 JÜDISCHES GEMEINDEBLATT FÜR DIE BEITISCHE ZONE Nr. 10 -- 2. Jahrgang am 17. Am 11. August wurde der kleine jüdische Friedhöf in Düsseldorf-Gerresheim, in der Nähe des Waldfriedhofs, völlig zers'tört; . 40 Grabsteine1 würden jumgeworfen und demoliert. Das ist bereits das dritte Mal, daß Frev- ,'lerhände diesen kleinen Friedhof . schändeten.' Diese Tatsache nahm die VTN, zusammen mit der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf, zum Anlaß, um eine große Protestkundgebung1 einzuberufen. ‘ '■ Vor ‘zirka 400 Vertretern der Jüdischen Gemeinde v der VVN, der Geistlichkeit und deri verschiedensten Parteien ergriff als erster“ Julius Dreifuss, Vorsitzender der Jüdischen . Gemeinde, das Wort. ' Nachdem er den Dänk der Jüdischen, Gemeinde der WN für die. Einberufung dieser, Kundgebung ausgesprochen Halte, führte er u. a. aus: „Wir Juden kennen keine Haß- und Rachegefühle, zu tief ist in . unsere Seele das Gefühl für Recht und Gerechtigkeit eingegraben, zu’ tief leben wir in unserer Jahrtausende alten Tradition der Toleranz. •— Was wurde aus dem einstigen Kulturvolk der Deutschen? Von ,1933—1945 leuchtete die .Fackel des .Hasses in jedem Dorf und jeder Stadt. WO blieb da die Justiz? Nur ein verschwindend kleiner Teil des deutschen Volkes,, war charaktervoll und fest.. Doch sie wunderten, in die Konzentrationsläger und wurden zusammen mit unseren" Brüdern' vergast oder .starben in den Krematorien. — Dinge wie Friedhofsschändungen, Absingen von antisemitischen Liedern als Abschluß einer, fröhlichen Schiffstour — und es fand sich kein einziger mutiger Mensch, der dagegen gesprochen hätte — und andere antisemitische Ausschreitungen wie sie in den letzten Monaten - viele Maid vörgekommen sind, bringen den Deutschen weder Brot hoch Kohle, denn d^s- Ausländ beobachtet scharf ■und, das wird mir jeder klar denkende Mensch ' zugeben, die- Resultate dieser Beobachtungen / werden keineswegs günstige sein. Nicht die paar übriggebkebenen Juden 1 sind schuld an dem Hunger Deutschlands, sondern das deutsche Volk selbst. Das Ausland wird diese Taten nicht ungesühnt lassen. , Aus den geschichtlichen Gründen der letzten Jahrzehnte heraus, werden Sie auch unseren Wunsch, ein Volk zu sein und; eine eigene Regierung zu haben, verstehen. Obgleich, das möchte ich hier besonders betonen, stimmen wir keinesfalls mit der Gruppe, von Menschen in Palästina überein,, die da glaubt, nur auf dem Wege des Terrors zum Ziel zu gelangen. Zu tief wurzelt in uns die Religiosität -unserer Väter und Urväter; und das Gefühl für Gerechtigkeit. . Namens der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf verlange ich eine völlige Wiederinstandsetzung .des Jüdischen Friedhofs und strengste Verfoligung .der Vandalen, die diese frevelhafte Tat begangen haben.“ ’ v Flari ß|^. l|a'f f mann fand ergreifende Worte für , unser Schicksal und verdammte diese ,> heile Friedhofsschändung als ’ eine Kulturschande Deutschlands. Er glaubte, daß diese’Tat wieder.eine Tat des Masaenmenschen gewesen sei, der durch die vergangenen Jahre künstlich hochgezüchtet wurde. Das deutsche Volk müßte endlich zurückfinden zur wahren Demokratie, d. h. zü% Menschlichkeits w ürde. Das. Bestrehen . müßte dahingehen, jeden, ob ' Protestant, Katholik , oder Jude, ob Änge- höriger der SPD, KPD oder CDU, denken zu zü lassen, wie und was er will. Vor jedem Menschen müßte, man Achtung hüben, gleich haben, welche tatsächliche dynamische Kraft hinter dem Wunsch unseret Menschen steht — auf allen Wegen nach Palästina gehen zu wollen -— und daß diese Meinung ein natürlicher Ausdruck ihrer Haltung ist und nicht das Geringste mit Propaganda zu tun hat. Mr. Hood gab zu bedenken daß die Entscheidung über unsere Fragen nicht 'allein in seiner Hand läge. Wir erklärten daraufhin, daß wir den Einfluß von Mr, Hood und dei; Unterkommission nicht unterschätzen wollten und baten nochmals, für uns‘symphatisierende und verständnisvolle Dolmetscher unserer Wünsche und unserer Nöte bei der höchsten Instanz der Völker zu sein. 1 \ Auf Einladung von Chawer Rosensaft begab sieb die Kommission sodann zur Station, aüf der der Zug bereitstahd,, mit dem heute die Palästina-Auswanderer ihren Weg - nach dort an treten. Die Tatsache, daß diese Gruppe auf demselben Bahnhof nach Palästina abfährt;,, auf dem ehemals die tausenden von jüdischen Menschen angekommen sind, um in das Todeslager von. Belsen überführt zu werden, schiert besonderen Eindruck gemacht zu ’ haben. ■ ‘ ’ , ■ * Beifn Zug angekommen begrüßte Chawer Rosensäft in einer kurzen Rede die Mitglieder .der Kommission, drückte den Dank der Olim aüs für die. Tatsache, daß .sie, zu uns gekommen sei und. erklärte unsere Zuversicht für Sine gerechte Entscheidung der United Nations in unseren Problemen, Die. anwesenden zahbreichen .'Auswanderer grüßten begeistert die Kommission und sarigen spontan die jüdische ' National-Hymne. Mr. Hood dankte, für die Warmen Begrüßungswörte urid ließ den-"-Auswanderern die besten Wünsche zu ihrer Ali* jah aüssprecheh. Brig. Kenchington; schloß sich mit'der Bemerkung an, daß er Wünsche, in Zukunft würden nicht nfir -300 sondern 300.0;Zertifikate pro. Monat gewährt werden können. Die Kommission schien mit dem Empfang auf dem Bahnhof und den kurzen Begrüßungsworten von Chawer-Rosensaft zufrieden /zu sein. Sie drückte Uns vor ihrem Weggehen ihren Dank für^das Gesehene aus. Nach , nicht ganz’ zweistündigem Aufenthalt verließ die UNO-Kommission zusammen mit ihrer - Begleitung das Lager in Richtung Hannover*’ ' v-; V. < / welcher Nationalität, - Farbe oder Religion.’- Eine Friedhofsschändung sei nichts anderes als eine Mißachtung der Menschlichkeits würde. Die Verfolgten des Nazi-Regimes seien die Berufenen, um jeden Menschen zu achten, der anders denkt als sie. Sie müßten^ bämuht sein, die Unwissenden auf zuklären, und sie1 die nötige Achtung und Menschlichkeits würde zu lehren. , >. Dann ergriff Kaplan Knickh a m m e r das Wort. Zm Beginn sagte er: . „Alsichdiese Friedhofsschändung - gesehen habe, •* *. Schämte ich mich, ein Deutsche^ zu sein“. Er meinte weiter, die Deutschen hätten eine große Schuld auf sich geladen, in dem sie Zu allem geschwiegen haben. JDann berichtete er über Erlebnisse, die er als deutscher. Soldat in Rußland hatte. Er sprach von seiner unendlichen Scham, als er als Krankenschreiber bei den schrecklichen Judenausrottungen in Nikolajew nicht öffentlich seiner Abscheu Ausdruck gab. Er hoffe nur, daß die Menschen endlich einmal Haß und Rache auf geben würden, denn nur durch Liebe, menschliche Täten und den Wunsch, zu helfen, . können, die „Deutschen eines Tages einmal wieder ein Kulturvolk werden und die schreckliche Schande der letzten Jahrzehnte ausmerzen. Zum Schluß sprachen noch ein Vertreter der SPD, Adams, der KPD, Runge, der CDU, Stock, der FD J., Lorenz Jansen vor: der Friedensgesellschaft und : der .Gememsehaft der .rassisch verfolgten. Christen,, die ebenfalls ihrer Enttäuschung und Entrüstung über diese schandbare Tat Ausdruck gaben.' Ebenfalls kamen ein Brief des Ministerialdirigenten Dr.‘ Maurice Frenkel, der der Jüdischen Gemeinde sein, tief empfundenes Mitgefühl ausdrückte und ein Brief des Oberbürgermeister, Gockel zur .Verlesung brachte, der im Namen der Stadt Düsseldorf versprach, sein Bestes zu tun, um die Täter zu fassen und für eine würdige Wiederinstandsetzung des Jüdischen Friedhofes Sorge zu tragen undder an die Bevölkerung appellierte, alles zu tun,- um die Täter schnellstens zu fassen. Es ist. zu hoffen, daß diese Protestkundgebung Früchte tragen wird ünd daß den Vielen schönen Worten nun auch 'Taten folgen werden. —11.— Die Erklärung desOberbürgermeisters der Stadt Düsseldorf zur Friedhofsschändung in Düsseldorf-Gerresheim Vor Eintritt in die Tagesordnung möchte ich, im Namen der-Stadtvertretung und der gesamten Bevölkerung Düsseldorfs eine Erklärimg attgeben: Zum dritten Male in’verhältnismäßig kurzer Zeit ist der israelitische Friedhof in Gerresheim schamlos zerstört wofden. Diese Tatsachen, wie zwei gleichartige Frevel auf anderen Friedhöfen der jüdischen Gemeinde unse-. res Stadtkreises, sind eine schwere Beeinträchtigung des Ansehens ,unserer Stadt und unseres Volkes. In diesen Taten offenbart sich eine Verwilderung der Sitten,, eine Verrohung des Gefühls, eine Provokation der Rechtsgrundlage unseres, neuen Volkslebens, gegen die mit allem Ernst und mit aller Strenge Wir uns zu widersetzen haben. Für solche Elemente darf es in unserem Volksleben keinen Platz, geben,* In derselben Stunde, in der unser Volk und wir alle uns bemühen, Vertrauen. in der Welt wieder zu gewinnen, /wo wir täglich darum ringen müssen; der Welt ein anderes Deutschland glaubhaft zu machen, sind solche Vorkömmnisse eine schwerste Beleidigung des eigenen Volkes^ eine uüveränt- - wörtliche Gefährdung seiner staatlichen Belange. / - ’* ' ■ - -. Meine Dohnen Und Herren! Ich weiß mich mit Ihnen, mit der gesamten Bürgerschaft DüsseldorfsUnd. unserem ganzen Volk eins, wenn ich unser tiefstes Bedauern über diese Vorgänge ausspreche und unsere Empörung über diese Taten vor der OeffentHchkeit erkläre. Unsere jüdischen Mitarbeiter sind unseres Mitgefühls gewiß und mögen die. Versicherung entgegennehmen, daß die Stadtverwaltung alles tun wird, um den angerichteten Schaden wieder gutzumachen und Vorkehrungen gegen solche Wiederholungen zu treffen. Ich fordere aber auch unsere Mitbürgerinnen und Mitbürger auf, unsere Polizei, die für die Ergreifung der Täter eine Belohnung von 3000,— RM. ausgesetzt hat, tatkräftig zu unterstützen. Unsere Justiz ersuche ich, unsere Bemühungen um Schaffung eines geordneten Volkslebens durch mitleidlosen Kampf gegen solche schamlosen Elemente zu unterstützen. Ich würde es begrüßen, wenn die Fraktionen des Hauses durch Entsendung eines Vertreters zu der Protestkundgebung. heuter abend in Gerresheim ihren gemeinsamen Willen in gleicher Weise bekunden würden. von Dr, H, G. Van Dam Gleichzeitig mit der Befreiung der Juden aus den deutschen Konzentrationslagern wurde die Aufhebung der Gesetze, durch die sie zu Bürgern minderen Rechts gemacht wurden, verkündet. Damit war der Zustand der Rechtsgleichheit auch für sie und. ihre Leidensgefährten wieder hergestellt. War mit diesem Federstrich des Gesetzgebers, der einen Stapel von Nazi Verordnungen zu Makulatur machte, bereits genug geschehen? Man sollte annehmen, daß die Opfer des Nazismus es nünmehr leicht haben würden, ihr .Recht zu finden, denn die Gleichberechtigung wurde durch die Bösatzungsmächte gewährleistet. Demnach würde es auch keines- ■ besonderen Rechtsschutzes für diese befreiten Menschen mehr bedürfen, deren Forderung nur auf Gerechtig- . keit und nicht; auf Privilegien , gerichtet seih sollte. Das Prinzip der 'Rechtsgleichheit zwiV sehen Verfolgten und-Verfolgern, Opfern und Nutznießern, den Verbündeten der Vereinten Nationen und den Soldaten des deutschen Nationalismus 'konnte, nur zu einem Ergebnis führen: Zu einer das.Rechtsgefühl^verletzenden, Diskrepanz von Versprechen und Erfüllung, zu1 einer resignierten Müdigkeit der antinazistischen Kräfte in Deutschland:, kurz zu einem; Zustand formaler Rechtsgleichheit, und materieller Ungerechtigkeit. Durfte man erwarten, daß die in jahrelanger Qual der Lager starr gewordenen und ohne Ausbildung gelassenen Flüchtlinge ohne eine besondere Rechtsstellung, die'-ihrer Situation Rechnung trug, auskommen würden? Die Frage ist* zu verneinen, aber die Konsequenzen sind nur teilweise gezogen-worden. Die D.P.S, die durch den Nazismus. nach Deutschland getriebenen Personen, erhielten ihre Betreuung : durch große Organisationen, die sehr beträchtliche. Mittel zu ihrer Unterstützung aufwandten. Die Grenzen wurden nicht für sie geöffnet.' Die ausländischen* Juden blieben in Lagern, sie warfen befreit, aber sie erhielten nicht die Freizügigkeit in einem Lande, in das sie eingegliedert werden konnten. Es war von vornherein klar, daß Deutschland dieses Land nicht sein! konnte. Die Juden, die früher bereits in Deutschland gelebt hatten, sind heute, mehr als zwei. Jahre nach Kriegsende, noch nicht in den Besitz der ihnen geraubten Habe gelangt. Auf ihren Grundstücken hausen noch stets die , Nutznießer ihres Elends- oder der Staat verwaltet durch die Finanzämter ihre Häuser und Güter. Die Enteignung der jüdischen Friedhöfe ünd Gotteshäuser'ist noch immer nicht durch Gesetz'auf gehoben, obwohl diese Maßnahme bereits, abgesehen von rechtlichen Erwägungen eine Notwendigkeit gewesen wäre. Die ip den Konzentrationslagern erlittenen Schäden, , die Zerstörung .der Gesundheit die. Verkrüppelung der Glieder, der Verlustder-Ernährer, die Verminderung der Erwerbsfähigkeit sindbisher noch nicht ode hur in ganz unzureichender provisorischer Weise wieder gutgemacht. Stellt ein Opfer des Nazismus; dem die Ausübung seines Berufes unmöglich gemacht war, jetzt den Antrag auf Genehmigung eines Gewerbebetriebes, so wird ihm häufig geantwortet, daß volkswirtschaftliche Gründe sich' der Errichtung des Betriebes widersetzen. Das Prinzip derRechtsgleichheit gebietet, daß die allgemeinen Gesichtspunkte auch bei Anträgen von Bewerbern berücksichtigt werden, die selbst durch eine frühere deutsche Regierung vollständig ausgeplündert warfen. Menschen, die ohne jeden Besitz aus - den Lagern oder aus Schlupfwinkeln, in denen sie sich verborgene hielten, zurückkehrten und Kredite auf-;; nehmen mußten, um eine. Existenz aufzubauen, werden heute aufgefordert, die hohen Steuern des. verlorenen Krieges zUfrzahlen, den ihre Verfolger Verschuldet-haben. So wird den Opfern des Faschismus die Verantwortung fürein System auf gebürdet,' vor dem sie einst die Welt seit 1933, unaufhörlich gewarnt, hatten.; Sondersteuem, wie die der Rechtsgleichheit völlig' widersprechende 'Judenabgabe werden ihnen nicht erstattet, eine Aufpeehnüngsmöglichkeit wird ihnen nicht gegeben, aber das Prinzip der Steuergleichheit, verbietet einen Erlaß vder Steuern für diese; wirtschaftlich ausgebluteten Menschen, die nicht über Reserven verfügen. In den ^ersten Monaten der Befreiung wurde den heimlosen und ausgeraubten Opfern des Nazismus Möbel und Wohnungen von den - Behörden bereitwilligst eingeräumt. Es handelte sich nur um so wenige am Leben gebliebene Juden oder politisch Verfolgte, daß man unter dem Druck der Besatzungsmächte diese- Konzession machen < konnte. Heute verlangen die.* aus der. Internierung. zurückkehrendpn aktiven Nazis ihre Möbel und Wohnungen wieder zurück und sie erfahren hierbei, viel-fach die Unterstützung der. Behörden and Gerichte. Im Namen der Rechtsgleichheit von Nazis und Antinazis wird die Gerechtigkeit verletzt. Die größten Verächter von Freiheit und' Recht versuchen unter Berufung« auf die .von ihnen einst Uit Füßen Der Sozialminister des Landes ' Nordrhein*Westfalen teilt mit* ■»Wie icfi erfahre, sind z. Zt. 5 Ordinariate an der Medizinischen Fakultät in Köln unbesetzt und zwar * , 1 ‘ äj der Inneren Medizin, b) der'Chirurgie,* ' ., c) der Kinderheilkunde, ■d) der Psychiatrie ‘ und Neurologie, e) der Haut- und Geschlechtskrarikheiten. Ich ^empfehle Professoren oder Privatdozenten aus dem Kreisender Verfolgten des Naziregimes, unverzüglich ihre Bewerbungen an die Abteilung III-D des Sozialministeriams zu richten. Im Aufträge: gez.: Thölenjphann“ iiiiiiiii!iimiiiiiim::::iiiiiii:iiiiiiiiiiiiiiiMiiiiiiiiiiiiiiitiiiiimiiiiiiiii.iiiiiiimiiiimiiiiuiiiiiiiiiiiiiii getretenen Prinzipien ihre Opfer wieder In den Zustand der Not zu steuern, in der sie sich im Jahre 1945 befanden. ~ Es darf nicht verkannt. werden, daß dje Besatzungsmächte die Tendenz haben und logischerweise haben müssen, endlich zu einer Normalisierung zu kommen, zu der auch eine Rückübertragung von Zuständigkeiten an die lokalen Behörden gehört. Die Opfer des Nazismus sind unangenehme Mahner an die' Vergangenheit. Sie sind der lebende Beweis für das furchtbare Unrecht, das Millionen Von Menschen angetan ist, mehr noch der Sache der Gerechtigkeit und der europäischen Gesittung. Die Toten stehert nicht auf, um die Güter zürückzufordern, die ihnen geraubt sind. Diese Berechnung; des Nationalsozialismus hat sich als zutreffend erwiesen. Die geretteten Opfer des Nazismus, die Ueberlebenden des jüdischen Volkes in Europa. müssen aber ihre Stimme erheben. Sie. wollen Gerechtigkeit und keine Almosen. Es ist nicht ihre Schuld, daß bisher so wenig für die Wiederherstellung des Rechts getan wordgn ist Der Gerechtigkeit wird durch Abwarten, durch Zeitablauf allein nicht Genüge getan. Die klare Aufdeckung des Schadens schafft die Grundlage, auf der Rechtsgleichheit geschaffen werden kann.. des Stadtkreises Düsseldorf zur Schändung des jüdischen Friedhofes in Düsseldorf-Gerresheim Die Mitglieder der Freien Deutschen Jugend haben mit Empörung von der Schändung Kenntnis genommen, die von verbrecherischen Elementen an dem jüdischen Friedhof in Düsseldorf-Gerresheim verübt worden ist. Gewissenlose Rowdies, die mit ihren provozierenden Taten selbst nicht vor Andenken haltmachen, die vielen Menschen heilig und teuer sind, haben mit der Zerstörung der jüdischen Gräber einen Frevel begangen, den wir aufs tiefste verachten und verurteilen. , Die deutsche Jugend weiß, wohin diä Ausschreitungen gegen die jüdischen Bürggr ha Deutschland geführt haben. Nämlich zu deir. grausamen Tod von Millionen Menschen in den Gaskammern und Krematorien; - zu Erbitterung ünd Feindseligkeit in der Welt, dem deutschen Volke gegenüber. Deutschland hat mit dem Antisemitismus der vergangenen 12 Jahre und seinen furchtbaren Folgen eine Schande auf sich geladen, die in hundert Jahren, nicht abzuwaschen ist. Die friedliebende deutsche Jugend führt einen erbitterten Kampf, Achtung, und Ansehen in der Welt wieder zu erringen. Sie stellt sich in scharfen Gegensatz ZU solchen Taten,die eine Fortsetzung . von Brutalitäten der gNagizeit sind, oder aber, was schlimmer ist, den Anfang einer neuen Schireckenszeit bedeuten können, . Der Stadtkreis Düsseldorf der Freien Deutschen Jugend fordert deshalb von den verantwortlichen Stellen . umfassende Fahndungsmaßnahmen, um der Täter habhaft zu werden und verlangt, deren strenge Bestrafung. Darüber hinaus verlangen wir »’ vorbeugende Maßnahmen, damit eine Wiederholung solcher Provokationen nicht möglich’ ist. Die FDJ hat es sich zur Aufgabe gemacht, alle deutschen Jungen- und Mädel zur Völkerverständigung und zum Frieden zu erziehen. Sie wird apch weiterhin auf diesem Wege fortschreiten und sich mit ganzer Kraft dafür einsetzen, daß eine solche Freveltat, wie sie die Zerstörung des jüdischen Friedhofes darstellt, in der deutschen Jugend nur noch Verachtung und Empörung erweckt. Wir sagen darüber hinaus allen Elementen, die ihren Sadismus nunmehr, ‘ auf diese verwerfliche Art und Weise auslassen, den erbittersten. Kampf an. Freie Deutsche Jugend, Stadtkreis Düsseldorf. Unparteilichkeit erste Pflicht des englischen Beamten Brigadier Ford, der Beauftragte für das Erhährungswesen im östlichen Mitt'elengland sagte am 14. Jüli in Nottingham zü sechs deutschen Journalisten, die sich, auf einer Fahrt: dhrch das Vereinigte Königreich, befänden: Im östlichen - Mittelengland existiert der Schwarzhandelnur im geringen Umfange. Hauptsächlich 'befindet er sich in den Händen von Juden .in London. Diegroßen Profitmacher kümmern Gefängnfö oder Geldstrafen nicht einen Pfifferling,. sie zählen fenorme Summen für Rechtsanwälte. Diese Juden zahlen eben jede Summe.“ , Brigadier Fords Ausführungen gaben den deutschen Journalisten aus erster Hand einen Einblick in die Arbeit der englischen Regierung. (News Ghrbhicle, 15. - Juli.j Am Montag, 21. Juli, fragte Mr. Driberg, Abgeordneter Maldon, den Emährungsmirüster im Unterhaus, ob ihm die antisemitischen Ausführungen Brigadier Fords deutschen Journalisten gegenüber bekannt seien. . Mr. Strachey erwiderte: „Die Angelegenheit ist restlos und sorgfältig untersucht worden. Der Bericht über diese Untersuchung ergab, daß Brigadier Ford eine Gruppe deutscher Journalisten gegenüber gewiss? Ausführungen machte, die dahin ausgelegt werden könnten, daß sie die jüdische Rasse tadelten. Meinen Beamten gegenüber, die die Untersuchung leiteten, hat er versichert — und ich nehme diese Versicherung an — daß dieses nicht seine Absicht war. Trotzdem ist es von wesentlicher Bedeutung, daß ein Beamter des Emährungsministers," der in einem Bezirk mein Hauptstellvertreter ist, nicht nur die Angelegenheiten seines Gebiets unparteilich verwalten muß, sondern daß .seine Unparteilichkeit erscheinen muß in allem, was er tut und sagt. Ich bedauere, daß der Zwischenfall kürzlich, einen .Verstoß gegen diese außerordentlich Wichtige Forderung gezeigt hat. Trotz der zufriedenstellenden Dienste, die- Brigadier Ford ■ in der Vergangenheit dem Emährungsministerhim geleistet hat, habe ich mich /entschlossen^ -die ■Vorschläge der amtlichen, Untersuchung ^aröunehmeii. Brigadier Ford "hat seine Entlassung eingereicht^ und ich habe sie angenommen. 3^39213357^13^40