Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Volume
- 2 (1947/48)
- Issue
- 10 (27.8.1947)
- Date
- 1947-08-27
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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EINZELPREIS 40 PFENNIG gegen den Rücktransport der „Exodus 1947** nach Deutschland in der ganzen Welt (Seite 3) A N Z E I G E N' P R E I S E : * Familienanzeigen: Öie einspaltige Petitjeile 3.5ß RM .Reklame: ~ Die einspaltige.Petitzeile 8.00 RM Suchanzeigen: . Die einspaltige Petitzeile 8.50 RM TJebernvcisungen auf Postscheckkonto Essen 68080 JÜDISCHE POLITIK / KULTUR FRAGEN DER WIEDERGUTMACHUNG STIMMEN DER LESER ■: / AUS DEM JÜDISCHEN LEBEN NEUES AUS DER JÜDISCHER WELT WAS DIE PRESSE SAGT Abonnement (per Kreuzband); Deutschland: VjJahr 3.30RM, Vs Jahr 6.50 RM, 1 Jahr 12.80 RM; Ausland; (alle Länder) Vi Jabr «MO RM, i/5 fahr 8.60 RM, 1 Jahr 17.00 RM / Erscheint 14 tägig mittwochs. Sonderbeilage in Wiedergutmachungsfragen .nach Erforderlichkeit. GESCHÄFTSSTELLE DES JÜDISCHEN GEMEINDEBLATTES, REDAKTION UND EXPEDITION: DÜSSELDORF,BENRATH, FRIEDHOFSTRASSE 23-251 FERNSPRECHER Nr. 711151 NUMMER 10 27. AUGUST 1947 2. JAHRGANG KARL MARX: diese scheußlichen Verbrechen verlassen Wollen. gfesjahen Alle Welt weiß, daß seit langem illegale Palästinaeinwanderer auf Cypern in Lagern Monate und Jahre darauf warten mifesen, um ihre endgültige Freiheit; zu ^erlangen'. ( Alle' Welt Weiß, .daß in Palästina Terrörgruppen am Werk sind, durch die-jeder Bürger Palästinas in dauernde Gefahr gebracht wird. Und trotzdem hören wirf daß immer noch, kleine öder, größere Guppen den Versuch der illegalen Einwanderung nach Palästina unternehmen. Diese Tatsache wirft die Frage auf, ob es sich um Menschen handelt, die Abenteurer sind, ob die Gruppen diesen. Weg der Illegalität gehen aus Gewinnsucht oder sonstigen unwürdigen Motiven.1 Wir glauben, daß im allgemeinen, mit Ausnahme größerer deutschen Kreise,'die Mötive bekannt sind: Menschen wollen zur Ruhe kommen, Menschen wollen endgültig in ihrer Heimat sein,' sie wollen sich in den-Arbeitsprozeß einschalten, um wieder-das Gefühl häben zu können zu-wissen, warum und wofür sie auf der Welt sind. Menschen wollen dazu beitragen ein — ihr — Volk zu sammeln und Zu erhalten/ Um zu diesen Zielen zu gelangen ist kein Weg zu schwer, keine Gefahr zu groß. 4500 jüdische Menschen haben sich auf den Weg gemacht, darauf, gefaßt, daß sie große. Schwierigkeiten erwarten,- eine Gruppe von 4500 Menschen, die 'sich zusammensetzt' aus Alten und Jugend; aus Frauen und Kindern, aus Mädchen und werdenden Müttern. Sie waren darauf vorbereitet, daß der Weg, den sie gehen, ihnen auch den Tod. bringen , kann. Und sie gingen diesen Weg-doch, sie gingen ihn*- weil, sie, endlich dem Leben,,das, -sie -seit' vielen J ahren zu führen gezwungen waren,; ein Ende bereiten wollten. — So oder so. Und das muß verstanden Werden. Es muß ver\ standen ' werden, ' Weil .es sich hier um "Menschen handelt, auf deren linken Arm die Auschwitzer Todesnummer eintätowiert ist oder weil'Sie zu den Üeberlebenden der Ghetti oder der anderen ^Konzentrationslager gehören. Es muß verstanden werden, daß, sie endlichjgdie Erde, die mit ihneij zusammen sanit haben. geben. ... iiiiiiiiiiiiiiiiniiiiii::::mMtiiiiriiinimtiiiim»a» Es muß aber auch verstanden werden deshalb, weil diese; jüdischen Menschen selbs| wissen, daß eine Fortsätzung ihrer 0 Untätigkeit der letzten Jahre sie unweigerlich der Demoralisierung entgegen treibt. Keine Maoht der Welt wird sie da^u zwingen können, ihr Wissen und Können und ihre Arbeitskraft dem Land zur Verfügung zu stellen, mit dem sie nurschreckliche Erinnerungen verbindet. Das Schiff der 4500 wurde vor Palästina angehalten. Man brachte ‘diese Menschen nicht nach Cjpem. Man zwangsie zur Rückkehr. Die Schiffe, auf die die 4500 jüdischen Menschen gebracht t wurden, nahmen Kurs , auf Frankreich Das französische Volk, die französische Regierung verstand die große Bedeutung, fühlte die ganze Tragik des Schicksals dieser Menschen. Und wieder einmal handelte, dieses. Volk im Sinne seiner Tradition, der ihm mit Recht den Namen ,,La grande Nation“ gegeben hat. Man bot den Flüchtlingen 'Gastfreundschaft ' in Frankreich an* -Wenn unsere' Menschen diese Gastfreundschaft ablehnteij, so nur deshalb, um damit zu dokumentieren, daß islie es bitter ernst damit meinten, ‘ihrem bisherigen Leben 1 ,ein Ende zu machen. Sie wollen in kein Transitland mehr. Sie wollen dorthin, wo sie zumindest' den versuch machen können, zu vergessen, was war. . ,‘ - Und. sie ließen sich auch nicht von ihrem Entschluß;abbringen, als man ihnen damit- .droh-- te y daß nach Deutschland zurückgebracht werden Würden. ' Das sollte, das muß verstanden werden. Viele führenden Menschen in der Welt verstan-. den ühd verstehen es. Darunter 40 preminfehte Amerikaner, wie Z. B.pMr. Fiorello H. Laguardia, Dr. Walter Clay. Lowdermük, Mr. Sumner Wells, die der französischen Regierung Danktölegramme, für ihr wohlwollendes Ver-. halten den jüdischen Menschen gegenüber gesandt haben. " ■ Friedhofsschönduna in Düsseldorf-Gerresheim Von 45, vor kurzer Zeit neu - auf gerichteten Grabsteinen auf dem jüdischen Friedhof in Gerresheim, wurden in der Nacht von Sonntag, den 11. August zu Montag, den 12. August 40 Grabsteine ümgeworfen. Bs ist dies der dritte Fall einer Friedhofsschän'dung innerhalb des Stadtkreises Düsseldorf.. Ein .scharf er Protest ging an die Stadtverwaltung und den Ministerpräsidenten des Landes Nordrhein-Westfalen. Die Stadtkreispolizei Düsseldorf hat bereits die Fahndung nach den Tätern . auf genommen., Die Synagogengemeinde Düsseldorf erhebt hiermit, den schärfsten Protest geg,en diesen erneuten Vandalismus, der klar und: deutlich zeigt, daß den schönen Worten der führenden. Männer im neuen Deutschland kein Glauben geschenkt werden kann. So, wie man ünsere lebenden jüdischen Menschen durch äntisemitische Äeußeruiigen und Tätlichkeiten bedroht, so läßt man auch unseren ,teueren Toten5 im Grabe keine Ruhe. ." , Synagogengemeinde Düsseldorf. Die- Schiffe haben Port de Bouc in Richtung Hamburg verlassend Die Welt wartet mit Spannung auf die. Weiterentwiekldng dieser Angelegenheit, " Die britische Regierung1 hat, Pressemeldungen zufolge; in der britischen Zone Deutschlands zwei Lager vorbereitet, die die Flüchtlinge wieder avtfnehmen sollen; Auf hoher See wurden Kinder geboren. Diese. .Kinder werden zusammen mit ihren Müttern die Lager beziehen. Auch ihnen wird es nicht erspart, ihr-Lebeji-in einem Lager zu beginhan- Die 4500 Menschen aber werden weiter ", gezwungen, untätig zu sein und zu warten.; Sie werdet! sich fragen, ob sie Opfer der Weltpolitik werden sollen, ob man sie ganz in die Verzweiflung treiben will oder ob die Welt zu der Einsicht kommen wird, ihnen und mit ihnen zusammen den vielen Hunderttausenden endlich ihr Lan4 -r ihre Freiheit „zu K. M. Gelegentlich einer Protestkundgebung in Düsseldorf-Gerresheim, die anläßlich der Schändung des, dortigen jüdischen Friedhofs einberufen worden war, ^ergriff auch ein katholischer Geistlicher das Wort: Kaplan .Knickhammer. ' Fs gab eine Zeit, die noch gar nicht so lange, zurückliegt, das war, als ich mich entschlossen habe, nach Deutschland zurückzükehren, da glaubte ich, daß ich in Deutschland viele Menschen9 finden würde, die sich in ihrem Innern alles Gute über das 3. Reich hinaus oewahrt haben, und mutig genug sind, um zuzugeberi, daß sie sich schämen, Zeuge von all den Verbrechen gewesen zu sein, die heute die ganze Welt kennt und für die Deutschland und das deutsche Volk verantwortlich gemacht werden. Seit Monaten weiß ich, daß ich mich geirrt habe, seit Monaten habe ich die Gewißheit und Werden mir immer wieder Beweise dafür geliefert, daß gar! keine Rede davon sein kann,1 daß es viele deutsche Menschen gibt, die stark genug sind, um zuzugeben, daß sie jetzt bereit - sind, ,zü. beginnen, an einem friedlichen,’ wahrhaft demokratischen und menschenfreundlichen Deutschland mitzuarbeitefr. Ich sträubte mich lange Zeit dagegen,' zu1 glauben, daß in diesem Land der 60 Millionen es nicht möglich sein sollte, eine' Massenbewegung zu schaffen, die im Namen des deutschen Volkes der Weltgegenüber die Erklärung abgibt, daß man bereit, daß man willens.ist; von nun an die Bereitschaft zur politischen; Umformung Deutschlands unter Beweis zu stellen. j es N kann Von Keiner Massenbewegung die Rede sein, es kann-nicht einmäi^die^f^äe^selft tvo'ükleinen Gruppen von Menschen, die. nicht ztf: denen gehörten, die den Mut aufbrachten, vpn 1933—1945 das zu bleiben, .was sie waren. Wir wissen, daß heute in Deutschland die Bewegung, die sieh . aus denen zusammensetzt, die von den. NatiOnalsozialister 'verfolgt ' wären; -von oben herunter als minderwertig bezeichnet wird.. Wir wissen, daß sie in der Flüstör-; Propaganda, genau so wie die Märtyrer des 20. Juli 1944, mit dem Hamen Verräter belegt * werden und wir wissen» daß all'dies nur in Deutschland möglich sein kann. In den übrigen Ländern Europas sind die Mitglieder der Organisationen, die sich gegen den National-, Sozialismus gestemmt haben,' heute geehrt. Man weiß dort zu schätzen, was f diese Menschen für ihr Vaterland getan haben. Wir erwähnten den Hamen des Kaplan Knickhammer. Wir erwähnten ihn deshalb, weil’ wir in ihm einen der ^seltenen Deutschen ge-*- fänden habeh, einen .Menschen, 'der in einer Versammlung das äussprach, was die Welt von Vielen, recht, vielen Deutschen erwartet hat: „Ich schäme mich unendlich, "daß iclv als~-ich als Landser Zeuge, der schrecklichen Judenausrottungen in Nikoläjew war, nicrftTöff entlieh “meiner Abscheu Ausdruck gegeben habe,:" Dieser Kaplan meinte dös, , was; er sagte, denn kein . Mensch, keine Gestapo haben ihn ge- Wir bitten unsere Abonnenten, stets darauf zü achten, den Verwendungszweck der eingesandten Gelder sowie Namen klar und deutlich in Maschinen- oder Blockschrift auf dem Postscheckäbschnitt; zu vermerken. Außerdem bitten wir, auf \Ueher Weisung der richtigen Gebühren, die aus dem Köpf unserer Zeitung ersichtlich..sind, zu achten. zwungen, in einer öffentlichen Kundgebung seiner Abscheü Ausdruck zu geben Uber, die neuerlichen Schändungen' jüdischer Friedhöfe. Dje Friedhofsschändung, ih Gerrfesheim ist etwa die 30., die wir in den letzten .Wochen gemeldet haben,4 sie ist, ein erney.ter'; Beweis da- , für, daß eine-planmäßige Arbeit vofliegt, sie beweistaber auch, daß die breiten Massen des' deutschen Volkes sie als selbstverständlich hjnnehmeri, denn .bis zum heutigen Tage wurde uns nicht darüber berichtet, daßdie Täter %ych •; nur einer / priedho^ssenändung gefaßt ivörden sind^Gäbe es eine, auch noch so kleine- Gruppe in Deutschland; die belehtf aus dem 1000-jährigen Reich hervorgegangen ist, dann müßte, so. meinen wir. doch wenigstens m einem" Falle die Möglichkeit geschaffen worden sein, die Täter zu fassen. Um 40 Grabsteine umzuwerfen, dazu braucht man Brecheisen. Wenn man mit Brecheisen arbeitet, so . gibt das Geräusche.: und, diese Geräusche müßten gehört Wörden. .. - , Das deutsche Volk ist also heute noch nicht, hellsehend ■ und hellhörend. ,W Ir d a ä e i nud e Von Hamburg kommend traf das Unterkomitee der UHO-Kommission unter Führuhg seines;Vorsitzenden, Mr. Höod (Australien) am 14. August um 11.40 Uhr im. Lager Bergen- Belsen ein. Mit ihm waren erschienen: der Leiter der PW ünd D.P.-Divisiori-, Brig. Kenehingtön, der Leiter der D. P.-Division für das Land Hiedersachsen, Col. James aus Hannover, der Leiter der Mil. Reg. 206 in Celle, Major- General Wilson, der Leiter der P. C.-I. R. O., General Faftshawe, ■ '' . ■ :■1 " 1 -; , der Leiter der P. tC. für das Land Niedersachsen, Brig. Marshall und der Leiter der MiL-Reg. im Belsen-Camp,- Major Fowler. ■ Daneben waren eine Reihe von Verbindungsoffizieren der I. R O. und eine größere Gruppe von Journalisten und sonstigen Beamten zu bemerken. In der Begleitung der Kommission befand sich der ständige Mitarbeiter der American Jewish Conference, Mr. Kenner, zur Zeit Presse-Offizier de* Jewish Agency. Beim Eintreffen der Kommission wurden Rosensaft und Wollheim als die Vertreter des Central Jewish Committee für. die Britische Zone, Mr. Hood durch Brig Kenehingtön vorgestellt Anschließend begab sich die UHO- Kommission :in die Räume der Militärregierung und hörte, neben kurzen Berichten voi). Major, Bowler: und Brig. Kenehingtön; über Statistik, Lebensbedingungen etc., dip Aus-< sagen von fünf wahllös im Lager ausgesuchten jüdischen Menschen. ' ' . Die #n die einzelnen jüdischen Menschen gerichteten Fragen waren« generell die -gleichen: Herkunft, ob im Konzentrationslager gewesen, wohin die Auswanderung erfolgen soll, warum nach Palästina, warum nach Palästina trotz der gegenwärtigen schwierigen Läge, und der zu erwartenden Mühseligkeiten, usw.*- In allen Fällen , erfolgte die Antwort, daß das Leben hier in der bisherigen Form nicht fort- Die Juden, in der ganzen Welt lasten Der Oberrabbiner von Jerusalem ' setzte den 25. August 1947 als Fasttag ein. Dieser Fasttag ist nicht nur ein Protest dagegen, daß 4iö 4500 jüdischen Manschen nach Deutschland gebracht werden, sondern Soll ein Beweis dafür sein, daß alle Juden, der Wplt sich mit denen solidarisch erklären, die* endlich das Transitland Deutschland verlassen wollen. ' geführt werden kann und daß jeder Einzelne Deutschland umgehend verlassen will, um sich in Palästina ein neues und normales - Leben aufzubauen. Jeder will dieses Leben im Kreise des eigenen Volkes und üi Frieden mit den Arabern führen, üjn sich selbst und den neugeborenen Kindern ein gleiches Verhängni^, wie das erlebte, zu erspmen Nach Beendigung dieser Unterhaltungen nahm Mr. Hood Gelegenheit,’ .kurz mit den Mit? gliedern des Cen tral. Jewish Committee, Rosensaft .urid Wollheim, zu sprechen. •Wirdrückten unsere Hoffnung aus, daß "die Eindrücke, die die - Kommission hier erhalten^ hat, helfen werden, das Problem der Heimät- und Wurzellosigkeit der jüdischen' Menschen zu lösen. Gerade die. Tatsache, daß Mitglieder, des Central Jewish Committee in‘ den Diskussionen nicht offiziell “ aufgetreten sind, .dürfte der Kommission am klarsten gezeigt Re^Educalion? Der Gerresheim«) Friedhol nach dem 12., August .194? 5 ■*" *■ h * X. ■ [y-'fi-