Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Volume
- 2 (1947/48)
- Issue
- 9 (13.8.1947)
- Date
- 1947-08-13
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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2, Jahrgang r Nr JÜDISCHES GEMEINDEBLATT FÜR DIE BRITISCHE ZONE 13. August 1947 — Seite vom v br.i TJÜTV * 4 v •_' . mm RECHTS DAS KONGRESS HAUS (RUNDHAUS) IN BELSEN LINKS: Dr. HA DA SS AD BIM KO IM GESPRÄCH; MIT Dr. EI1I LUT AUERBACH plftliilü itt JOSEF ROSENSAFT (STEHEND) ’ (tlNK») NORBERT, WOLLHEIM Dr. N.-BAROU, - WORLD JEWISW CONG’RESS,. LÖNDOM DIE WAHL ii i!ii$ E i : kl ■A ■ ■ ■ »! ti Wenn jemand eine Reise tüt, dann kann er was erzählen; Wenn aber jemand nach Berlin will, dann braucht er einen Interzonenpaß und bis man den hat, dann reicht das Erzäh- . len nicht mehr aus, denn die. Bescnaffung eines Interzonehpasses und die Ueberwindung aller damit verbundenen Schwierigkeiten zu erklären, vermag man nicht innerhalb, einer Erzählung; dafür brakcht man -ein dickes Buch. Wir haben 'es dank der Hilfe des Dr. Lowenthal vom 92. H. Q. Jewish Relief Unit, Düsseldorf und desp 1. Vorsitzenden der Synagogemgemeinde Köln, Moritz Goldschmidt geschafft, für 13 Personen Interzonenpässe Zu bekommen. Beiden, Herren für ihre erfolgreiche Hilfe unseren herzlichsten,Dank. Die jüdische Sportgemeinschaft Berlin hatte den S. C. Maccabi .Köln zu ihrem ,1. Ikterzohen-Sportfest, das in Berlin stattfand, ein- , geladen. ES waren fast zehn Jahre vergangen, seit eine auswärtige jüdische Mannschaft gegen die Berliner Mannschaft gespielt hatte. Trotz fast ' zweistündiger Verspätung, standen Vorstand und Repräsentanz, die Sportgemeinschaft Berlins und viele, unserer Menschen, * die von uriSerer Ankunft gehört hatten, am Bahnhof, um uns, zu begrüßen. Es war eine ganze -Wa^ehkotopjne.-'die .uns nnrj Ba Trümmern von fünf Synagogen Berlins, ‘ die im Jahre 1938 zerstört wurden, alles' das ausgegraben, was ihm noch brauchbar' erschien. f!!; ■Mf t, DIE BERLINER MANNSCHAFT gleitürig, zu unserer Unterkunft in die Iranischestraße brachte. Dort hat die Gemeinde, an . der Spitze Julius Meyer und Leo Fiedler, eine Aufbauarbeit geleistet, die würdig zu beschreiben, Berufensten Vorbehalten werden muß: Um etwas'--kurz zu sagen: Man hat aus Trümmern ein Krankenhaus mit. 400 Betten geschaffen, ein Anbau mit weiteren 200 Betten steht kurz vor der Vollendung; man hat eine KrankerischWesterlehranstalt, man bat ein Altersheim mit' 140 Betten erbaut. Jeder Bau für sich, peinlichst sauber , und mjt den modernsten Errungenschaften der Neuzeit, trotz allem Materialmangel, ausgestattet. Man hat im Altersheim eine Synagoge eingerichtet, deren bauliche. Zusammensetzung in der Welt wohl einmalig ist. Leo Fiedler, der Leiter des Altersheims, hat mit eigenen Händen. aus den und Isehbeim -sehr , stärk und auch besser trainiert; so verloren Wir nach hartem Kampf 7;4 (Halbzeit, 4:3). Wenn vd’e Berliner Presse von einem Spiel1 mit hohem Niveau schreibt, so gilt dieses, den tapferen Kölner Jungens. die trotz der langen und; ermüdenden, Reise, trotz der, frejmden Plätzanlage zeigten, daß sie Fußball spielen können. - Daß wir gefallen .habeil, .zeigt sich äber puch darin, daß noch Während des Spieles 2 weitere jüdische. Vereine n^it der Bitte an uns herantraten, unseren Aufenthalt zu verlängern und gegensie... zu spielen. ‘Wegen Zeitmangel konnten wir nur ein Spiel annehmefl und entschieden uns für „Hakoah Tempelhof“. Dieser Verein besteht aus' Insassen des UNRRA-Lagers TempUhof. Das Spiel, am 15. Juli ausgetragen, endete leider mit einem Mißton. Bis 5 Minuten vor Schluß führend* ließ1 der Lager-Schiedsrichter zwei klare Abseitstore gelten und so verloren wir' 2:3, Aber die dach dem Spiel gehaltenen Reden ließen, bald alles vergessen und wir Schieden in bester Freundschaft. Wenn dun alle - Voraussetzunogen er-; füllt werden,1 <d. h. wenn die nötigen Lebensrnittel und Unterkünfte beschafft werden können, haben wir am 31. August das' Vergnügen, die Jüdische Sportgemeinschaft Berlin mit zwei Mannschaften, und am 4. Oktober „Hakoah Tempelhof“ bei uns in Köln begrüßen zu dür- ■ JULIUS MEYER, BERLIN (LINKS) UNÖ KARL LICHTENoTElN, KÖLN Diese neue Synagoge ist aus fünf alten Synagogen zusammengesetzt, dabei geschmackvoll eingerichtet eine Sehen swiirdigkeit sondergleichen. , , ■ ' , V Am 13. Juli fand nun das erste Interzonen- Sportfest. statt. Die Synagogengemeinde Berlin besitzt auf eigenem Grundeine wunderbare, im Grunewald gelegene Sportstätte. Da Berlin heute wieder 8000. Gemeindemitglieder zählt, hat man nicht , so großen Mangel an Menfechenmaterial. Alles war am Start. Da man; nicht für alle Sportarten jüdische Gegner hatte, mußten beide Handballmannschaften gegen, befreundete Klubs spielen. Für die 4/X100 Meter-Staffel hatten sich nur 3 Mannschaften gemeldet, deshalb beschlossen wir, obwohl untrainiert, uns zu beteiligen und belegten den 2. Platz mit Ritter, Kuckel, Walter Lichtenstein und Fritz. . Der Höhepunkt der Veranstaltung war das Spiel des SC. Maqcabi Köln gegen die, JüRsche Sportgemeinschaft Berlin. Dip Berliner waren durch die bekannten Spieler wie Heini Schmidt, Bitter Eine wahrhaft jüdische Hochzeit Iiifolge Raummangels konnten wir nicht. früher;!von der, Hochzeit berichten, die auf uns einen sehr tiefen Eindruck machte: Die; Hochzeit im Hause Katz in Bremen. Samuel.. Berger heiratete. Ingeborg Katz. Die TrauungÄvurde yon dem Chefrabbiner für die britische Zone, Dr. Helfgott und dem Rabbiner Dr. Carlebach (London) durchoeführt. - Es war, wie schon gesagt, eine wahrhaft jüdische' Trauung. ■ -. . . Neben den vielen persönlichen Freunden des Brautpaares und deren .Eltern, waren alle führenden jüdischen Menschen der brit. Zone anwesend. Auch von, den jüdischen Hilforganisätionen waren Vertreter erschienen. Es wurden diesen beiden Menschen, die sich in Theresienstadt kennengelernt hatteni viele schöne Worte gesagt,. Unsere Freunde aus, Bergen-Belsen sangen jüdische Lieder und: es wurden jüdische 'Tänze DIE KÖLNER MANNSCHAFT, fen. An alle. Leser und Maccabis ergeht hiermit die Bitte: helft ufis unsöre Brüder aus Berlin würdig zu empfangen. Spendet Lebensmittel Und meldet Schlafgelegenheiten. Da die Siegerehrung der Spiele vom 31. Aug. während unserer, am 3 September stattfindenden Schiffstour vonstatten geht, haben alle Mitfahrer Gelegenheit, mitunseren- Brüdern aus Berlin zu sprechen. Jeder, der uns hilft, diesen Plata zu verwirklichen, hat Anspruch auf eine Ehrenkarte mit freier Fahrt. Alle diesbezüglichen Anfragen sind zu richten an: ‘ S. C. M a.cca.bi I£-ö l.n, / Karl -Lichtenstein, Köln-Riehl, Amsterdamer .Straße' 193, Telefon 784i6;'' getanzt, yiele von uris hatten zum erstenmal Gelegenheit, eine Hochzeit zu sehen, die iih wahrsten. Sinne des Wortes eine jüdische Hochzeit war.,- - : Wie wir hören, ist das Brautpaar von der Hochzeitsreise' bereits ' zurückgekehrt und befindet sich Wieder in der Arbeit für unsere jüdische Sache*; ...