Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Volume
- 2 (1947/48)
- Issue
- 9 (13.8.1947)
- Date
- 1947-08-13
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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EINZELPREIS 40 PFENNIG 4. SEITE: ' Die befreiten Juden der britischen Zorn nehmen Stellung zu den Vorkommnisser ln Palästina 1 A N Z EI G E NP R E IS E : Familienanzeigen: Die einspaltige Petitzeile 3.50 RTM Reklame: , Die einspaltige Petitzeiie 8.00 RM Suchanzeigen; Öie einspaltige Petitzeiie 2,00 RM . lieber Weisungen auf Postscheckkonto Essen "680 80 JÜDISCHE POLITIK / KULTUR FRAGEN DER WIEDERGUTMACHUNG STIMMEN. DER LESER AUS DEM JÜDISCHEN LEBEN NEUES AUS DER JÜDISCHEN WELT WAS DIE -PRESSE SAGT ' GESCHÄFTSSTELLE DES JÜDISCHEN GEMEINDE BLATTES, REDAKTION UND EXPEDITION: DÜSSELDORF,BENRATH, FRIEDHOFSTRASSE 23—25. FERNSPRECHER Nr. 711151 Abonnement (per Kreuzband): Deutschland: Jahr' 3.30RM. Vs Jahr 6.50 RM, 1 Jahr 12.80 RM; Ausland: (alle Länder) Va Jahr 4.46 RM, 1/2 tahr 8.60 RM, 1 Jahr 17.00 RM / Erscheint 14 tägig mittwochs. Sotaderbeilage in Wiedergutmachüngstragen nach Erforderlichkeit, NUMMER 9 13. AUGUST 1947 JL- 2. JAHRGANG & M. ’ Die von den Gemeinden und Komitees der britisqhen Zone gewählten zirka 120 Delegierten sind von dem Kongreß zurückgekehrt, um den ihnen an vertäuten jüdischen Menr gehen Kenntnis zu geben von den Beschlüssen,; die auf dem Zweiten Kongreß gefaßt worden sind. Sie haben zweifellos auch die Gelegenheit wahrgenommen, ihre Eindrücke zu übermitteln: Jeder Jude der britischen Zone, weiß also heute, daß etwa 26 Monate nach\der Befreiung eine, unter Berücksichtigung ’ der großen Schwierigkeiten, erfreuliche und erfolgreiche Arbeit geleistet worden ist. Jeder weiß und muß wissen, daß die Situation der im April und Mai 1945 befreiten Juden heute noch eine sehr ernste ist und jeder hat sich ohne Zweifel davon überzeugt, wie notwendig die beim Zweiten Kongreß geschaffne Einheit war und ist. \ | Wir hörten auf dein Kongreß ausgezeichnete j Referate^und Diskussionen. Josef Rosen- 1 saft' hat von der verflossenen Arbeit bej richtet, N o r b e rt . W o 11 h e i m hat, auf die j Notwendigkeiten der kommenden Arbeit. mit j allem Nachdruck hingewiesen. Die Vertreter! der jüdischen’Parteien haben in der Diskus--' 1 -siön diese Notwendigkeit noch besonders betont. Die Komitees und Gemeinden haben kein Hehl daraus gemacht, daß auch sie wissen, um was ' es - geht und welche Wege gegangen werden. müssen. Man hörte kein. Wort ,deHasses. Man erinnerte stets undimmer wieder: nur an die - großen. Verbrechen, die an. dem jüdischen , Volk gegangen worden sind. Man wies nach, daß sich nach, dem Zusammenbruchdes Nationalsozialismus in Deutschland nur wenig geändert hat. Das deutsche Volk in seiner großen Mehrheit-hat in den letzten 26 Monaten nicht nur durch nichts gezeigt, daß' es belehrt aus dieser - Niederlage ■ her vorgegangen wäre, sondern es liefert täglich Beweise dafür, daß es in der jüdischen Frage kaum einen anderen-‘■Standpunkt einnimmt, wie den, den die nationalsozialistische' Ideologie gelehrt, hat. Der Kongreß hat bewiesen, daß gerade oder besonders diese ..Feststellung mit ausschlaggebend dafür war, daß der überwiegend. größte Teil der Juden der britischen Zone in ihrem Beschluß, Deutschland zu verlassen, nur noch bestärkt wurden.;; In vielen Unterhaltungen, die wir zu führen Gelegenheit hatten, gaben deutsche Menschen ihrer Verwunderung darüber Ausdruck, daß es. zu einem derartigen ' Beschluß kommen konnte. Und wir stellen dann immer fest, daß sie entweder „vergessen haben“, oder aber Vogel-Strauß-Politik betreiben, daß sie sich alle Mühe geben, das zu bagatellisieren,’ was geschehen ist . und was heute, noch geschieht. Friedhofsschändungen ^erdfeöT^äls^dumme Jungenstreiche ausgelegt* ^Beschimpfungen von Juden als Handlungen ve»~EinzeTtafrggm bezeichnet und wir erleßen^Enute, geYratr*wie im Jahre 1953, daß beiriahö~|sder D’CutßchÄ-zu dem ihm gerade bekaii»fe» - Jude*fI***aaStj. „»Ja, wenn alle so wären haben er-, tahreh, WO das hinführt.^ Das deutsche Volk hat heute, nach 26 Monaten, noch nicht, bewiesen, daß es wieder gelernt hat, zwischen Gut und.Böse zu unterscheiden Das deutsche Volk hat durch nichts unter Beweisgestellt, daß es den ernsten Willen hat, nächträglidi von den furchtbaren Verbrechen abzurücken; die an den jüdischen Menschen begangen worden sind. Der, Zweite Kongress der befreiten Juden; in der britischen Zone gab dem deutschen--Volk die Antwort darauf. s Ein Beweis der Einigkeit Der Zweite Kongreß, dev befreiten Juden in der britischen Zone Deutschlands, die Gesamtrepräsentanz allei* innerhalb der. britischen Zone Deutschlands lebenden Juden, erklärt im Bewußtsein ddr Verantwortung für das' Schicksal seiner Menschen und in Kenntnis, der ihm obliegenden Aufgaben,, nach sorgfältiger Beratung der in Deutschland akuten Gegebenheiten und in dem starken Willen, dem Leben seiner Menschen aus autonomer Wiliensbestimmung, seinen eigenen Weg in die Zukunft weisen zu wollen, das Folgende: . "L; 1. Der Zweite Kongreß der befreiten Juden in der britischen, Zone , Deutschlands, zusammengerufen . in einer •, schicksalhaften Stunde des jüdischen Volkes, erklärt seine un- 3. Der Kongreß* wendet sich an die FäctRinding-Commission der Vereinten»" Nationen mit der Aufforderung, in die Lager und Gemeinden Deutschlands und der britischen Zone zu kommen; um Kenntnis zu . nehmen Von unserer Not und unserer Pein, um unsdie Möglichkeit zu geben, die blutgedüngte Erde Deutschlands baldmöglichst zu ' verlassen uni ein neues Leben in Erez Israel aufbauen zu können. 4, Der Kongreß gibt . seiner tiefsten Verbitterung und seinpmschärfsten' Protest Ausdruck hinsichtlich der antizionistischen Palästinapolitik der britischen ’ Regierung; Zu wiederholten Malen hat die britische' Regierung bewiesen, daß sie die dem jüdischen Volk gegebenen Versprechungen einzuhalten nicht bereit ist, im Gegenteil, daß sie uns' die .Tbre DAS PRÄSIDIUM DER ERÖFFNUNGSSITZUNG zerreißbare Verbundenheit zum Jischuw in Erez Israel. Tn dieser Stunde des- Ringens um eine große und freie .Aliyah,. die in erster '-Linie, der Sherith Ha-Pletah Zugute kommen soll, steht der Jischuw im Kampf um den' Wiederaufbau und die Wiedergeburt unseres Heimatlandes, um das Recht der Verteidigung und des Selbstschutzes, um die Freiheit des jüdischen Volkes in seinem' nationalen Heim. Der Kongreß erklärt die Entschlossenheit der Sherith Ha-Pletah, im Kampf( für die Aliyah füt die vom , Tode '' Erretteten, jeder Prüfung standhalten zu wollen, um seine Rechte zu' vertreten, um in das Land, kommen zu können,- um mitzuhelfen am Aufbau, des eigenen, freien und .normalen jüdischen Lebens. ■ / - t Gemeinsam mit dem Jischuw werden wir un- ‘ seren Kampf fortsetzen, um die Liquidation der DP.-Camps, um den Auszug-aus Deutschland mit allen uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten, und zwar unter Führung der Jewish Ageiicy als höchste nationale , Repräsentanz, die/ unsere Pöstulate zu ihren eigenen gemacht hat. 2. Im Zusammenhang mit der letzten Zusammenkunft der Vollversammlung der Vereinten Nationen, und ' den Verhandlungen, in den Fragen von Erez Israel, geben wir unserer Befriedigung Ausdruck, daß die zionistischen Aspirationen de? jüdischen Volkes ein Echo und die Unterstützung einer Reihe progressiver demokratischer Regierungen gefunden haben. Sie haben unser Recht auf- Erez Israel anerkannt im 'Sinne des Gesamtzusammenhanges' zwischen Judenfrage und Palästinaproblem. . •* , Der Kongreß gibt seinem Glauben und seiner Hoffnung Ausdruck, daß alle^ demokratischen und .friedenliebenden Völker ihr Verständnis beweisen werden für die Tragödie, von dem das jüdische Volk heinrigesucht worden ist, und daß sie mitwirken werden an der Befreiung unseres alt-neuen Heimatlandes. - von Erez Israel verschließt, die Unbegrenzte Aliyah. unmöglich macht, und;' jüdische Maapjlim in neue Konzentrationslager sperrt. \5. Der Zweite Kongreß der Sherith Ha-Pletah verurteilt jede Kampfeshandlung von Einzelgängern oder "Gruppen in Palästina; die gegen die Beschlüsse unserer demokratisch' gewählten Instanzen verstoßen.’ ’ ■ - 6i Der "Kongreß übersendet seine .brüderlichen Grüße -der Jewish Agency, als unserer einzigen nationalen Repräsentanz, und gelobt ihr Treue im Kampf für das - Recht und die Freiheit des jüdischen” Volkes. ’ Wir übersenden unsere Grüße dem bauenden und schaffenden .Jischuw und seiner Schutzmacht, der Häganah. „ Wir übersenden unsere Grüße unseren Brüdern und Schwestern, die über Grenzen, Berge und Meere hinweg, auf allen Wegen Erez Israel, zu erreichen* versuchen. Wir .grüßen unsere Brüder, die auf Cypern, hinter Stacheldraht, Gefangene im Kampf um ihre Freiheit gewörden sind. " Nur durch den gemeinsamen Kampf von Sherith Ha-Pletah und Jischuw können wir unser Ziel — das der ■'endgültigen Befreiung erreichen.- ' ' / ii. - : ■ 7. Friedens vertrag: Der Zweite Kongreß de? befreiten Juden in der britischen Zon Deutschland, verlangt, von den am Friedensvertrag mit Deutschland beteiligten Machten! Deutschland als verantwortlich für die Verbrechen haftbar zu--machen, die dem gesamten jüdischen, Volk durch den Nationalsozialismus angetan worden sind. Er verlangt die moralische und tatsächliche Haftbarmachung für alle Schäden, die seit dem Machtantritt durch, die verbrecherische Hitlerregierung verursacht worden sind. Der Kongreß verlangt,, von Deutschland bzw. den Mächten, die den Friedens vertrag mit Deutschland schließen werden, die Garantie der menschlichen Rechte gegen politische, rassische und religiöse Verfolgungen und damit auch für uiis Juden, solange wir uns auf deutschem "Boden befinden. Er verlangt die Sicherung unserer Gruppe gegen Koilektiv- , Beleidigung und Diskriminierung durch eindeutige Bestimmungen, die den Rassenhaß bzw. Antisemitismus unter Strafe stellen. Der Kongreß -erklärt in ■/ diesem:; Zusammenhang sein Einverständnis mit den Vorschlägen, die die führenden jüdischen Organisationen, insbesondere der World Jewish Congreß, in ihren Memorande^. den Großmächten zugänglich ge- , macht haben: Wir verlangen von den mit Deutschland ver-, tragschließenden Mächten die Sicherung unserer Rechte “als Mitglieder - der Vereinten Nationen, für deren Idegle wir gekämpft und gelitten haben.’ Wir Werden uns" niemals damit einverstanden erklären, irgendeine Gruppe' ■von uns,, kraft deren früheren Staatsangehörige kbit, auf eine Stufe, -stellen zu lassen, mit denen, die, für die Katastrophe des zweiten Weltkrieges ' und seine grausamer# Folgen; veräntwortlich :sind.) . Der Kongreß -verlangt als Teil "der . moralischen;’ Wiedergutmachung ■ die materielle Wiedergutmachung zur Sicherung des wirtschaftlichen, Lebensstandards - der in Deutschland lebenden , jüdischen Menschen und mit, - besonderem Nachdruck , für den Wiederaufbau von Existenzen nach Erez Israel strebender Auswanderer.- . 1 ' ■ 3.; Anerkennung: Die auf dem Zweiten Kongreß der befreiten . Juden in der britischen Zone Deutschlands' gewählten Instanzen (Exekutive und Rat) stellen die von allen De-» legierten in demokratischer, Wahl, bestätigte" Repräsentanz aller jüdischen Menschen in der britischen Zone Deutschlands dar. Der Kongreß fordert daher von., den aufsichtsführenden Behörden , die Anerkennung dieser von ihm selbst und freiwillig geschaffenen-Instanz, so-f wie die Anerkennung - der Gemeinden -aW öffentlich rechtliche Körperschaften, gemäß den' vor dem Nationalsozialismus - geltenden Rechtsbestimmungen in Deutschland. 9. Jewish Ad vis er: Wir erklären unser ausdrückliches, Vertrauen zu der Institution des Jewish Adviser to Control Commission Germany: und appellieren an Col. Solomon,, als den vom britischen - Käbinett Und dem britischen Parlament bestätigten Adviser, mit Hilfe der jüdischen zentralen Organisationen in England, dieses Instrument zu einem w irksamen, effektiven und im wahren Sinne ratgebenden zu machen und uns Beihilfe zu gehen in unseren' rechtlichen -und politischen Bemühungen. 10. Sicherung der Alten und Kranken: Der Kongreß erklärt, ^unabhängig von der grundsätzlichen Auffassung, daß die Lös’ihg der Judenfrage in Deutschland - nur durch jdie Auswanderung aus Deutschland gefunden werden kann, daß Gemeinden und Komitees alles zu tun haben, um den Lebensstandard und den Lebensabend derjenigen .unserer jüdischen Brüder und Schwestern zu sichern) denen Alter und persönliche Konstitution das Verlassen des Landes ' unmöglich machen- Wir erklären, daß .wir in Sorge für sie mit der gleichen Intensität unsere Arbeit dürchzuführen haben, mit der wir die Fürsorge für alle jüdischen Menschen., ■ gegenwärtig hier leisten und < leisten' werden, solange . jüdische Menschen ihr Leben in Deutschland verbringen müssen. * 11. Antisemitische Aktionen: Wir legen noch einmal feierlichst Verwahrung ein gegen die verbrecherischen Aktionen seitens antisemitischer und reaktionärer Banden, ’ die erneut versuchen, das Gift des Nationalsozialismus Ttftek^Ies Rassenhasses in Deutschland gegen »üqs zu^verbreiten. Wir erklären, daß Mr. uns diesS-^Äktionen jaicliit'wide*«tan4^®'T'g5lfclleh. Tassen werden y^Pfcuagen den zustiindigen3ehöroe!i^äß sie das Notwendige und Ausreichende tun, um unseren Brüdern und Schwestern die erforderliche Sicherheit in der Erfüllung ihrer' tagtäglichen Pflishten »zu geben; ■ •,. - 12. Affiliation zum Jüdischen Weltkongreß: Unter Würdigung,, der besonderen Verdienste, die sich die britische Sektion, des World Jewish Congreß im Kampf um die- Sicherung der Rechte der Sherith Ha-Pletäh erworben hat, erklären wir unsere Affiliation zum World Jewish Congreß, unter Anerkennung unserer eigenen Autonomie in unseren eigenen Fragen." ”