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Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone · 1947-07-20 · 8 (20.7.1947) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
Volume
2 (1947/48)
Issue
8 (20.7.1947)
Date
1947-07-20
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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EINZELPREIS 40 PFENNIG i/7 Kongreß » Ausgabe en' :han lie; s-;ht :k-;ren kt. ite he ng lie lie en ne ne in.;m ß- :usß- .ch lelie :nitbn tva ich ich ier ms!ch in, öl-: :u- Len im /ar, sie, ten :ki^ie •Sj& Mi ih-* so recht rureh =>o- «iron igien len tiich ind im, * len roate mit md iö-;en esäueren. die ien Her em zu 'Tatee Dr. 3ebeche mit iste abide geleit ern td. ang der. ha- -A N Z E I G E N t R E I S E : FamlHenanzeigen: Pie einspaltige Petitieile 3.JÖ RM Reklame: :'Die'einspaltige Petitzeile'S.OQ KM £achanreigea: t Die einspaltigei'eiitzeile 2.C0 RM lieber Weisungen auf Postscheckkonto Essen SSO 80 . (ODISCHE POLITIK / KULTUR FRAGEN DER WIEDERGUTMACHUNG STIMMEN DER LESER ent (ne: 3.30RM, Vs Jehr .1 J4* AUS DEN JÜDISCHEN LEBEN NEUES AUS DER JÜDISCHEN WELT WAS DIE PRESSE SAGT GESCHÄFTSSTELLE DES JÜDISCHEN GEMEINDE BLATTES, REDAKTION UND EXPEDITION; DUSSELDORF*BENRATH> FRIEDHOFSTRASSE 25-25. FERNSPRECHER Nr. 71II51 i, Vs Tehr 6.50 RM, l Jahri&W RM; Auslands inder) Vs.Jebr 4.40 RM, . , -- 7* i-- <1.00 KM / Erscheint 14 tägig mittwochs. Sondtrb in wieaergntmachnngsfragea nach Erforderlichkeit. NUM M ER 8 20. JULI 1947 2. JAHRGANG ‘Ju gutem (Gelingen Ki“ M. Ein Ort, dessen Name seit einer Reihe von Jahreii zu denen gehört, die, wenn sie genannt werden, die demokratischen Völker der Erde zum Schaudern bringep, ein; Ort, dessen Boden getränkt ist von dem Blut vieler tausender von den Nationalsozialisten gemordeter Menschen, ist heute Zeuge der; Begegnung der Vertreter der ' überlebenden Juden der ^britischen JSone, von Vertretern der großen jüdi- _ f _ - sehen Organisationen des -Auslands, der Militär- JOS®* Kosensatt: regierung und unserer führenden Menschen aus England und Palästina: Be I s ert. der befreiten Juden in Diese Menschen beginnen heute ihre Beratungen. Es wird gesprochen werden über das, was war, und über das, was sein wird. Es Werden harte Worte gesprochen werden, harte Worte gegenüber den anderen, die nicht aüfgehört haben. Unsere Feinde zu . sein. , / Diesen Menschen* werden Rechenschaftsberichte vorgelegt werden darüber, was di§ wenigen überlebenden, Juden der . Nazizeit',. in "einer Spanne von wenig mehr als zwei Jahren neugeschaffen haben. 'Dieser Kongreß, der hepte beginnt, dürfte nicht mehr auf deutschem «Boden stattfinderi. Die überwiegende Mehrheit unserer jüdischen Menschen in der britischen Zone hatte nicht - dep Wünsch, - zwei Jahre nach der Befreiung in Deutschland nochmals über unsere Probleme zx\ sprechen. Und unsere vielen Freunde des Auslandes, die eigens zu dem Kongreß zu uns kommen, auch , sie glaubten nicht, daß ' es nötig sei, zwei Jahre nach der Befreiung ppch hi Deutschland über jüdische Probleme •« - sprechen "zu müssen. Die Delegierten der \ a diseöen Gemeinden und Komitees der britischen Zone, die heute zu den Beratungen zu* sammentretenj ^haben eine schwere und ver^ antwortungsvolle Arbeit Wir wissen, daß sie diese Arbeit für Menschen, die Sieh ihnen anvertraut haben, "mit vollem ■ Herzen leisten werden. Es ist zu hoffen, daß dieser Kongreß so. erfolgreich wird, wie wir es wünschen. Wir senden allen Delegierten,, allen unseren gjFreunden unsere herzlichsten Grüße, verbunden mit dem Wunsch, daß das Ergebnis dieses Kongresses ein gutes sein möge. Wir grüßen vor allem unsere jüdischen Menschen, die aus allen Teilen Deutschlands und aus den anderen Ländern nach Deutschland gekommen sind. Unsere besonderen Grüße gelten den Vertretern der großen zionistischen Organisationen. Wir grüßen alle anderen Vertreter, von deneri wir wissen, daß-ihr Kommen nicht nur eine Phrase1 ist, sondern daß sie kommen,; : um zu hören, was wir zu sagen haben, und um . mit uns zusammen Möglichkeiten zu finden, die uns dem Erfolg näher bringen. . x Der Kbngreß beginnt am 20. Juli, 0 Uhr vormittags, mit der Eröffnung der Ausstellung- „Unser Weg in die Freiheit V Um Jü Uhr treffen sich alle Delegierten und’ Ehrengäste zu feiner geschlossenen Fahrt zum Tor des ehemaligen Konzentrationslagers. Vort dort aus wird ein traditioneller Marsch, zum Mahnmal dieses Lagers du 'chgeführt. Nach einer kurzen Gedenkfeier wird, der Rückmarsch zum jetzigen Lager Belsen angetreten. Um 15 Uhr findet im Rundhaus eine Pressekonferenz statt und um 16 Uhr ist die 'feierliche Eröffnung im Kino, die von Chefrabbiner Dr. Helfgott .eingeleitet wird. Die Eröffnungsansprache' hält Josef Rosensaft. Nach ihm werden die Vertreter der größeren jüdischen Organisationen, sprechen, und zürn Abschluß ergreift Norbert Wollheim das Wort. Um 21 Uhr beginnt die Fahrt nach Harzburg, dein Ort des eigentlichen Kongresses. Am 21. und* 22. Juli werden dort Tätigkeitsberichte von D. Läufer, Rabbiner Dr. Helfgott, Carl Katz und Rafael. Olewski erstattet. Dr. Kurt Lewin von der J. A. F. P. und Dr. H. G. van Dam, Rechtsberater der Jewish Relief Unit, werden Korreferate halten. Josef Rosensaft und Norbert Wollheim sprechen über: „Der Befreiungskampf der Scherith- Hapletah“, und in den Abendstunden des 22. Juli finden die Wahlen SUtt Am 23. Juli, vormittags, beginnt die gemeinsame Rückfahrt nach Bergen-Belsen, wouin 3 Uhr nachmittags die feierliche Schlußkund— gebung «stattfiiidet Als Professor Br Ode t s k y im. September 1945 seinen ersten Besuch in, Belsen abstattete, sagte er: y „Ich sehe, daß der Ausdruck eures Lebens nicht der ist, der Vergangenheit nachzuweinen, ich habe'mich davon überzeugt, daß ihr für den Kampf eurer Zukunft lebt.“ ,. Ich glaube, daß es niemandem besser gelungen ist eine Charakterisierung unseres Entwicklungstendenzen zu formulieren' wie; diesem verdienstvollen zionistischen Führer des englischen Judentums. , . ,/• Wir habep sofort nach der Befreiung'unseren Blick vorwärts gericHtet. Uns ällep schrumpft bei der Erinnerung an die Vergangenheit das Herz zusammen. Der Schmerz und die Sehnsucht nach dem Verlorenen bleiben bestehen. Das alles aber tritt im Lhöen für die Gemeinschaft -upd für deren Zuk «nft in den Hintergund. Hetzte, bei Beginn des zweiten Kongresses ^sollen wir den Versuch . unternehmen, einen Blick auf|all das zu werfen, Was hinter uns» liegt, Wir stellen heute ein Teil des jüdischen Volkes - der, das einen Kampf führt, das für sein Recflt,\um ein selbständiges politisches und, nationales kulturelles Recht kämpft. Dem;■ Status. .:ndeh.^.aimiv. .;4&er~.mu&y unserer inneren Einstellung und nach upsö- , rem Wesen' sind Wir Bürger des .entstehenden neuen EREZ. . y -V H-yn ' Wir sind Menschen, die bewußt ihren .Pflichten nachkommen und zu Taten schreiten nur mit dem einzigen Ziel, so SGhnell als möglich das rettende Ufer unseres Landes, za erreichen. Dieses Ziel drückt seinen Stempel auf all* unsere Taten, auf den Geri. unserer Schulen, auf den Geist unseres Hauses und unseres allgemeinen Lebens. . ' ■ in der Britischen Zone schon damit begonnen haben, den Staub der Gleichgültigkeit zu den Fragen des jüdisch-kulturellen Lebens von sich abzuschütteln. ’ . : ' / '' , .' ■ / ' \/; '/■ / Wir sind aber tief beunruhigt über die politische Lage in derBritiscaon. Zone. Die letzten Monate haben uns einen Lichtschein gezeigt: die Möglichkeiten der Auswanderung nach EREZ wurden zur Praxis. Leider stimmt die Anzahl; der zugeteilten Zertifikate nicht mit Unseren Forderungen und Bedürfnissen überein. Das Tempo (def Auswanderung muß verschnellert werden und es muß die Frage der Auswanderung unserer Menschen positiv gelöst werden; Bis jetzt war den ,Jüd$n der' Städte diese Möglichkeit verschlossen. Diese Ungerechtigkeit muß beseitigt werden, einmal; deshalb, weil die Unmöglichkeit einer Immigration für unsere Juden dasselbe bedeutet, wie die Unmöglichkeit zu leben, und dann, weil die augenblickliche Entwicklung der Verhältnisse in Deutschland stets die Gefahr neuer antisemitischer Exzesse mit sich btingt. Die sich' immer wiederholenden Friedhöfgschändungen, die Beleidigungen und Schikane, die an unsere Adressen gerichtet sind, können [(k§jn§sw£g&;■ als, jypi^mdJütigen werden. Es besteht kein Zweifel, daß alle diese Dinge geheimnisvoll geleitet werden. Die Tatsache, daß sich jetzt,, zwei Jahre nach der Befreiung, noch keiüe . einzige deutsche. Partei gefunden hat, die offen und mutig - die Schuld für die an den Juden begangenen Verbrechen zugibt, und' die bereit wäre, - den stets anwachsenden Antisemitismus in Deutschland zu bekämpfen, beweist, wie groß immer noch die Feindschaft gegen die Juden nach wie vor «ist. V * Y& Belson: Stätte des Gedenkens Aus Weihen Gruppen verantwortlicher Männer haben .sich in, dieser verhältnismäßig kurzen; Zeit bereits Organisationen gebildet, die demokratisch aufgebaüt Sind und die sich heute aus Vertretern aller jüdischen -Parteien züsammensetzen. ■ ‘ - ... . ' ’ . ‘ 1 ■ ' l ,;; Anders ist die Lage in, der. Städten, aber auch da hat sich ein starker Zusammenhalt aller Mitglieder der Gemeinden und Komitees, ganz gleich woher sie kamen, gezeigt. Sehr erfreulich sind die Förtschrittö, die., wir auf kulturellem Gebiet e®bben konnten, trotzdem wir uns vollkommen klar darüber sind, daß nicht alle' Möglichkeiten erschöpft werden konnten. Die Schulen in Bergen-Belsen, Hannover und Neustadt, die hohen Bes uchsziffern die unsere Konzerte und dramatischen Veranstaltungen aufweisen können,' die Poou’arität, die upsere Fortbildungskurse erfahren haben,pües das sind Beweise dafür, daß große Teile der Juden t>er zweite Kongreß wird mit aller Schärfe zu all diesen Dingen Stellung nehmen müssen. Er’ wird Wege suchen müssen, die' zu einer schnelleren Lösung führen. Unsere ' Lebenstbedingungen*und die Zeit drängen zu dieser Lösung. Die zweite Frage, mit der sich der Kongreß zu beschäftigen haben wird, ist die Frage der Gesundung des inneren Lebens der Lager und Gemeinden. Die auf dem Kongreß neuzubildende Körperschaft wird den neben. Bedingungen entsprechen müssen* .Die Auflösung des Rates der 'Jüdischen Gemeinden und das Zusammenlegen mit dem Zehtralkomite in eine Dachorganisation sind ein großer Schritt zur Sch.^fung einer einheitlichen jüdischen Frorit. Wir haben es hier nicht nur mit einer . rein organisatorischen Aenderung zu tun. Es bedeutet darüber hihaps eine Ueberbrückung aller etwa bisher noch bestandenen weltanschaulichen Unterschlkle. Dieser zweite Kongreß findet in einer Zeit statt in der die Kommission der UNO ihre Untersuchungen durchführt. Es ist bisher noch nicht bekannt geworden, ob diese Kommission* in die Lager kommen wird. Wir werden aber nichts unversucht lassen, um uns, im gegebenen Moment zu erheben, unseren entschlossenen Willen, mit unserer Heimlosigkeit ein Ende zu machen und endlich ein neues und produktives Leben in Palästina aufzubauen, zum Ausdruck zu bringen. Wir werden mit aller Entschiedenheit darauf bestehen, daß die Frage der Juden in Deutschland nicht als Problem vop Immigranten,- die froh sind, ein Dach über dem Kopf zu haben, sondern als nationales Problem, das alle Juden in der- Diaspora betrifft, behandelt wird. Das sind* Fragen, die auf unserem 2. Kongreß zur Diskussion stehen* werden Es bleibt, m hoffen, daß dieser Kongreß einen würdigen Verlauf nehmen wird, daß er zu der Lösung glT dieser Fragen beitragep wird^und daß es der letzte Kongeß ist, den wir auf deutschem Boden erleben. y, " y Nöxfeert Wollheim* Es. ist da? zweite Mal seit der Befreiung, dgß die Indischen Menschen der britische^ Zöpue, Deutschlands sich , hier zu ihrem Kongreß zusammenfinden. Im dunklen Schatten der gi-; gaptischen Auseinandersetzung, die erst nach dem militäyischen Niederbruch Deutschlands als Großmacht und Reich ihr Ende fand, inmitten des politischen7 und strategischen Spannungsfeldes zwischen den bisher dominierenden Kräften des Westens und den um Neuverteilung von Einfluß und Macht ringenden Mächten des -Ostens. -;; Wir Juden, ein Rest der übriggebliebenen in Deutschland, einst Träger einer großen und stolzen Tradition, heute überlebende Zeugen der gewaltigsten Katastrophe „unserer Geschichte, versammeln uns abermals auf diesem blutgedüngten Boden, zur Beratung und Auseinandersetzung, zur Feier und oesinhlichem Gedenken, zu rückschauender Bilanz und vor-: wärtsgerichtetem Ausblick. Ueber allem aber wird dies unserem Zusammensein Sinn und Inhalt geben: unser unerschütterlicher Wille, über Gruppen, Parteien und lokale Verschie- . denheiten hinweg die Einheit des jüdischen Schicksals zu proklamieren, die Einheit unseres politischen Kampfes und damit die Gemeinsamkeit unseres "Weges in die jüdische Zukunft. (. Es sind , ernste und für unser Volk entschei- ■> dungsschwere Stunden,/ in der sich das jüdische Parlament der britischen Zone zu seiner Ajbeit versammelt Jeder von uns spürt und weiß es: noch ist unsere Prüfung nicht zu Ende. ' 1 ' Doch die Weit soll dies vernehmen: Wir wollerfe und werden nicht müde werden, um für das Recht und dH Freiheit unserer Menschen zu kämpfen, bis sich Wurzellosigkeit in Seßhaftigkeit, i usgesetztsein in innere Sicherheit, unsere poli/ >e und ökonomische Deklassierung in zugeiiändener Allteilhaberschaft als Gleichberechtigte Up Rat der'Völker gewandelt haben. Wir wissen, wie weit und wie schwer dieser Weg ist Aber wir, im Feuer und Blut unserer Verfolgung durch das verbrecherische, Regime des deutschen Nationalsozialismus gehärtet, wollen als stolze Juden G’ied in der Kette; sein, die uns -mit dem Jisdhuw in Palästina und den Führern unseres Volkes in aller Welt schicksalhaft zusammengeschmiedet hat In diesem Sinne gilt mein Gruß unserem zweiten Kongreß, unseren Delegierten, unseren Gästen, unseren Freunden «»us den benachbarten Ländern. Mögen diese Tage, in denen wir gegenseitig ringen wollen um die Sinngebung uöü .'die Aufgabe unserer Zeit, uns reif finden fili die Verantwortung, in die wir hinein gestellt worden sind, zum Besten unserer Gemeinschaft und zum Besten unseres Volkfc»; \j ZI’. / I

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