Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Volume
- 2 (1947/48)
- Issue
- 6/7 (9.7.1947)
- Date
- 1947-07-09
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 — 9. Juli 1947 JÜDISCHES GjBlviEINDEBLATl’ FÜR DI.E BRITISCHE ZONE 2. Jahrgang — Nr. ß/7 »Wachsender Antisemitismus“ Die amerikanische. Militärregierung hat. sich die Mühe gemacht, der Frage' nachzugehen, wieweit in Deutschland der Hang zum: An^ semitismus noch verbreitet sei. In $415 Befragungen hach ddr Methode des Gallup-Institutes erbrachten dabei Feststellungen, . die zu denken geben.' Nicht-weniger als 18 Proz. gaben sich als fanatische Judenhasser zu erkennen, weitere 21 Prozent maehten aus ihrem grundsätzlichen Antisemitismus kein Hehl und weitere 22 Prozent stellten sich positiv zu 'den Grundsätzen der Rassenlehre, während 20 Prozent der. Befragten „nur eine geringe antisemitische -Einstellung“ erkennen ließen. Wichtiger noch als diese Rechlichen Feststellungen ist die Beobachtung, daß der Antisemitismus wie der Nationalismus in den letzten acht Monaten in Deutschland beträchtlich zugenommen hat. , Im übrigen ergab.'die Befragung eine Reihe bezeichnender Unterschiede. So wurde festgestellt, daß die Frauen antisemitischer' seidn als die Männer, die Protestanten wieder antisemitischer. als die Katholiken und in beiden* Religionsgemeinschaften* die Kirchengänger wieder antisemitischer als die Indifferenten. Auch regionale Unterschiede sind zu verzeichnen. Auf dem Lände ist der Antisemitismus: mehr verbreitet als in den Großstädten, Bayern •zeigt wieder weniger antisemitische Erscheinungen als Württemberg-Baden (was seine ^Erklärung darin finden mag, daß ein Großteil der aus Polen geflohenen. Juden von der Militärregierung in württemberg-badische Gemeinden eingewiesen Worden ist).: Eine Bonderstellung nimmt auch in dieser Beziehung wieder München ein/ wo augenscheinlich die antisemitische Bewegung einen besonderen Auftrieb hat. ’ & Im* ganzen findet die amerikanische Militärregierung das Ergebnis als wenig, ermutigend: Sie plant nun, einen großen Feldzug zur Bekämpf urig" des Antisemitismus zu starten, der . vor allem in den Schulen geführt werden soll. Die wichtigste Und erfolgreichste Methode für die Bekämpfung des Antisemitismus erscheint uns freilich die. Bekämpfung der allgemeinen Not -zu sein; solange Antisemitismus über die Erde geht — und die Geschichte des Antisemitismus" ist so alt wie die Geschichte der modernen Menschheit solange waren es, abgesehen' von dem doktrinären System-Antisemitismus der Nazipolitik, immer Zeiten wirtschaftlicher Not,- die die Völker zu diesem primtiven, entwürdigenden und. hoffnungslosen, Versuch verführte,, im Rassenhaß einen Ausweg zu suchen. (Hamburger Freie Presse). * fr * ,, Die Rassenlehre ist die Ideologie von Betrügern oder von Dummen Dabei hat diese Ideologie . nicht die bescheidenste: wissenschaftliche Grundlage. Schon als diese Lehre entstand, haben sich ernsthafte Leute damit befaßt und versucht, den Rassenbegriff- und die Rassenentwicklung , wissenschaftlich zu ergründen. Sie sind dabei zu gänzlich negativen Ergebnissen gekonvnen. Einer dieser.'Forscher, Gumplowicz, yeröf f mtlichte im. Jahre 1883 ein Buch „Der Rassenkampf“, in dem er über den Begriff ,Rasse“ erklärte: ' * ' ’•*• „Hier ist ' alles Willkür und .subjektives Scheinen und Meinerip nirgends ein fester Boden, nirgends; ein fester Anhaltspunkt und auch nirgends ein positives' Resultat.'* Inzwischen ist mehr als ein halbes Jahrhundert vergangen, und die Wissenschaft, ist nicht einen Schritt weiter gekommen, oder besser gesagt, sie hat die Ansicht von Gumplowicz erhärtet. Sie/hat einwandfrei bewiesen, daß es längst keine reinen Rassen mehr gibt, da schon in grauer Vorzeit. die .Rassenvermischung der Menschen begonnen hat. Die Nazis haben" keine Mittel gescheut, um ' ihrer Rässenideologie .den Schein der Wissenschaft zu geben, aber 'sie sind mit allen diesen Versuchen gescheitert. Schließlich gaben sie schon 1934 diese Versuche auf, indem sie erklärten: „An; seinen- Taten erkennt man den nordischen Menschen, »nicht an der Länge seiner Nase und . an der Farbe seiner Augen.“; Damit waren sie schließlich bei der Weisheit ihres Vorgängers, des. antisemitischen Wiener Bürgermeisters Dr. Karl Lueger angelangt, der, als man! ihm seine jüdischen Freunde vorwärf, Erklärte: „Was ein Jud* ist, das bestimm* ich!“ . Aber verzichten konnten die Näzis auf die Rassenlehre keineswegs. Sie war ihnen als politische Zwecklüge . unentbehrlich. Sie brauchten sie: 1. innenpolitisch. zur Ablenkung der Völks- / mässen v<s:- den wirklich ^Schuldigen an deren ’ Elt.: , dem Monopolkapital. Dazu, diente besonders der Antisemitismus. 1 2. außenpolitisch zur ideologischen Vorbereitung des Krieges um die Weltherrschaft ' des deutschen Imperialismus. Die; Lehre von der angeblichen Höherwertigkeit der deutschen Rasse sollte die, .deutschen Soldaten fürden Aüsrottungsfeldzug gegen andere Völker reif machen* Da diese Rassenlehre jeglicher wissenschiftlichen Kenntnis genau so wie dem gesunden Menschenverstand ins Gesicht schlägt, Können geistig gebildete, denkende Menschen „ nicht Träger dieser Lehre sein. Ste kann nur von zweierlei Arten von Menschen -angenommen, werden: von Betrügern, die. sie ausnufzen, .und von Dummen, die* darauf hereinfallen. Die .Rässenideologie muß äusgerottet werden! Dennoch ist diese Rassenideclogie'äußerst gefährlich, weil sie die Menschen in Kriege hineinhetzt. Solange das Monopolkapital besteht; wird auch die Rassenideologie von sei" nen Trägern ausgenutzt werden, pm die Klassen für ihre Ziele, einzufangen. Diese Ideologie findet aber bei der unterdrückten und künstlich in. Unwissenheit gehaltenen Masse einen psychologisch günstigen Nährboden. Für den Durchschnittsbürger, dei bei sich zu Hause Unterdrückt und. ausgebeutet vist .und fast keine realen Rechte hat, ist das - Gefühl ein verlockender-Trost, wenigstens einem ausgewählten Volk anzugehören. Und gar zu leicht läßt er sich dazu verführen, seine aus Knechtschaft geborenen - Minderwertigkeitsgefühle durch Brutalität gegen andere Völker abzureagieren. Wir haben das bei den Exzessen der SA-Landsknechte gegen. Judenwie auch bei den nazistischen Grausamkeiten gegen andere Völker schaudernd erlebt. Der Rassenideologie muß daher der Kampf bis zurgänzlichen Ausrottung angesagt werden! Die erste Aufgabe ist, die sozialökonomische Grundlage, . die Macht des Monopolkapitals, zu beseitigen.-Das ist in der sowjetischen Besatzungszone geschehen. Aber das ist nicht alles. Eine falsche’ und gefährliche Ideologie muß mit ideologischen Mitteln überwunden werden. Darum müß ein fortwährender ideologischer Kampf gegen die Rassenirrlehre und gegen die Naziideologie überhaupt geführt werden. Obwohl dieser Kampf bisher ganz ungenügend geführt wurde, will man selbst in sozialistischen Kreisen oft nichts davon wissen. Dabei ist diese Ideologie im deutschen Volke keineswegs überwunden. Zeugt davon picht die Tatsache, daß in Berlin ein Mann, der Arisierungsgeschäfte abgeschlossen hat, heute der Vorsitzende einer Partei sein kann? Ist es nicht eine Tatsache, daß viele Deutsche trotz der furchtbaren Niederlage die, Ueberheblichkeit immer noch nicht' abgelegt haben und mit Geringschätzung oder gar Verachtung auf andere Völker, besonders auf die Slawen, herabhlicken? Und; erleben wir in West-' deutschland nicht schon, wieder antisemitische Ausschreitungen? Ganz zu schweigen von der' „Ordnymgszelle“ Bayern, wo heute sogar die „Preußen“- zu den minderwertigen Rassen zählen! . .. - Nein,-die Rassenlüge ist noch lange nicht tot! Sie wird solange fortleben, bis die Antifaschisten sie im aktiven ideologischen Kampf äusgerottet haben. Bis dahin aber ist jede Unter-? Schätzung dieser Ideologie eine Gefahr für unseren demokratischen Aufbau. (Märkische Volksstimme, Potsdam). m Willi Eichler: Am 12. Mai 1943 starb in London S. Ziegelbaum, einer der. Führer der polnischen jüdischen sozialistischen Organisation „Bund“. Er war erst 48 Jahre alt, als er beschloß, sein' Leben selber zu beenden. Wenige wissen, wasfür einen ungeheuren Verlust für die. internationale Arbeiterbewegung und' die., fortschrittlichen Kräfte der Welt das bedeutete, die in ihren Reihen so wenige Menschen ' mit den. Charaktereigenschaften Ziegelbaums' haben. ,* Die. menschliche Größe dieses Kämpfers, der in der Hochschule des menschlichen Elends ausgebildet wurde, drängte sich mir bei. fünf Gelegenheiten besonders deutlich auf. Ich hatte eine lange Unterhaltung mit ihm über die Möglichkeiten eines gemeinsamen Kampfes gegen den Hitler-Faschismus. 'Ziegelbaum erklärte mir; offen .und; in unmißverständlichen Worten,/wie Schrecklich' enttäuscht er und viele seiner jüdischen und polnischen Genossen von der internationalen, sozialistischen Bewegung seien, und ganz besonders von der Haltung der deutschen Sozialisten. Ich möchfe hieb keine Namen erwähnen. Aber auch ich bin der Auffassung, daß die Beziehungen zwischen den deutschen und den polnischen Sozialisten stets weit davon entfernt waren, zufriedenstellend zu sein, und daß auch 'heute dieses Problem nicht gelöst ist. . Und, ich glaube, daß sowohl die deutschen als auch die polnischen. Genossen besondere Anstrengungen machen sollten, diesen Zustand .zu beenden. Während unserer’ Unterhaltung war\ Ziegelbaum sehr' zurückhaltend über die Rolle,, die er. bei der Verteidigung 'Warschaus gespielt hatte; er gehörte zu den zwölf Mitgliedern des Verteidigungsrates und wurde von der Gestapo verhaftet. Er sprach auch kaum über, seine_■ aufsehenerregende Flucht durch Deutschland, ' Das Wenige, was er darüber sagte, bezog sich auf die politischen* Ansichten’; einiger deutscher Sozialisten, ' die er auf seiner Flucht gesprochen hatte. In diesen Unterhaltungen sah er klar, daß manche früheren Fehler noch nicht begriffen worden waren,'und wie schwierig ’es sein würde* zu einer echten Verständigung zu kommen. \ > Als wir jedoch zur Uebereinstimmung In dieser Frage gekommen waren, begann er sehr bereitwillig, Pläne für eine bessere’künftige Zusammenarbeit zu diskutieren. Er war weder „zu höflich“, einem Deutschen zu sagen,, was er von der deutschen Bewegung hielt,, noch zu dogmatisch,/daß seine Enttäuschung ihn hätte "vergessen lassen, daß der Sozialismus, Wenn er überhaupt eine Zukunft haben soll, eine internationale Kraft werden muß. Dann sprach er in der Mitgliederversammlung einer deutschen sozialistischen Gruppe über seine Organisation, die. jüdisch-polnische Organisation' „Bund“. Seine Rede war eine'Sorgfältig überlegte und klare Anerkennung' der internationalen Natur ■ unseres Kampfes, umd .der Notwendigkeit, ehrliche Mittel -zur Erreichung dieses Zieles zu benutzen. Er trat ein für das Recht der Juden, sich überall frei zu entwickeln und ihreeigene kulturelle Tradition zü pflegen. Aber er war gegen die Versuche, einen besonderen jüdischen Staat •zu errichten, der alle Juden auf nehmen sallte. "Er sali das. ,jJudertproblem“ als ein allgemein menschliches > an, das nur auf internationaler Basis gelöst werden, kann. Diese internationale Haltung, die alle politischen Probleme des, Sozialismus in die richtige" Perspektive bringt, war auch der Grund hafür, daß der. „Bund“ sich ' schließlich entschloß, der Sozialistischen Internationale beizutreten:. ~ ,,Als Rieh. herausstellte, daß es der Dritten Internationale" nur auf -die Durchsetzung russischer Interessen ankam, beschlossen" die Genossen des; ,Bund!, der Zweiten Internationale,. beizutreten.1“ ' . Hier .seihe eigenen Worte: * - „Der Bund war stets, efhe revolutionäre Organisation.1- Aber wir waren ' stets gegen eine .persönliche Diktator und gegen die Degene- . rierung des Ideals der Diktatur des Proleta- 'riats. Wir kämpfen für die Einheit, der A^bei" terbewegung, aber vor allem glauben wir an die Notwendigkeit moralischer Sauberkeit / in unserem^internationalen .Kampfe: Wir sind 'überzeugt, cfäß die machiavellistisdhen Metho-. den der Kommunisten der Arbeiterbewegung großen Schaden zugefügt haben. Denn die unerträglich machte! All diese Fragen sind noch immer, unbeantwortet Am Grabe Zie-. gelbaums möchte man sie .nicht diskutieren. Aber man fühlt sich, gedrängt, ‘unserer Trauer urp den gefallenen Genossen und unserer Bewunderung für die Größe dieses-sozialistischen Kämpfers vin einem Appell in alle Sozialisten Ausdruck zu geben: Laßt uns durch gesteigerte- Anstrengungen, eine sozialistische Internationale aufzubauen, zeigen, daß sein Appell an uns nicht vergeblich gewesen ist. S. Ziegelbatuns Abschiedsbrief . gerichtet an General Sikorski, dem damaligen; polnischen Ministerpräsidenten. . „Ich möehte an Sie meine letzten Aborte richten, und durch Sie an die Regierung und an das VolkiPolens, an die Regierungen und die Völker der Alliierten Staaten, andas Gewissen der Welt. . Aus den jüngsten Berichten' aus Polen geht klar hervor, daß die Deutschen jetzt mit rücksichtsloser Grausamkeit die wenigen überlebenden Juden in- Polen ermorden. Hinter, den Mauern der Ghettos spielt sich der letzte Akt einer Tragödie ab, wie sie in der Geschichte noch micht dagewesen ist. , ' Die Verantwortung " für dife verbrecherische Ermordung der ganzen jüdischen Bevölkerung Polens fällt in erster Linie^auf diejenigen, die. sie verüben, aber mittelbar belastet sie die ganze Menschheit, die Völker, und Regierungen der alliierten Staaten, die' bis jetzt keine Schritte unternommen haben,, um durch eine konkrete Tat dieses Verbrechen einzudämmen. Dadurch, daß sie als passive Beobachter dem Mord an Millionen wehrloser Menschen* mißhandelter Kinder, Frauen und Männer Zusehen, wurden auch diese Länder zu Spießgesellen dieser Verbrecher. Und ich muß auch -. feststeilpn, daß obwohl . die , polnische* Regierung in hohem Maße dazu beigetragen mat, die Weltöffentlichkeit zu bewegen* sie dies dennoch. unzureichend tat., , Sie tat nichts, was der Größe des Dramas entsprach, das jetzt in Polen vor sich geht. Von fast VA Millionen polnischer Juden und etwa 700 000 Juden, die aus anderen .Ländern nach Polen, deportiert worden sind, lebten —; nach einer offiziellen Mitteilung der Leitung der illegalen Organisation des „Bund“, die lins durch. Regierdngsvertreter zugestellt wurde — im April dieses Jahres nur etwa 300 000. Und der Mord gejbt unaufhaltsam weiter. Ich kann nicht schweigen und kann nicht leben, während die Ueberreste der jüdischen Bevölkerung - in", Polen, deren Vertreter ich .bin, zugrunde gehen. Nach einer letzten heroischen Anstrengung starben . meine Genossen im Ghetto mit der Waffe in der Hand. Es war, mir nicht beschieden,' so zu sterben wie sie,' ■ zusammen mit ihnen, aber ich gehöre zu ihnen und in ihr Massengrab. , - . , Durch meinen Tod möqhte ich Kleinen, stärksten Protest zum Ausdruck bringen gegen t)öe Gleichgültigkeit, mit der die Welt der A; / rottung des jüdischen Volkes zusieht, und me.. I zuläßt. Ich weiß, wie gering heute den „WM* i eines Menschenlebens ist. Da ich es aber während meines Lebens nicht vermocht habe, so wird vielleicht mein Tod dazu beitragen, diejenigen aufzurütteln, die -je^zt noch, -vielleicht in letzter Minute, den Rest der polnischen Juden vor unaufhaltsamer Ausrottung bewahren können. ' . Mein Leben gehört dem jüdischen Volk in Polen und deshalb gebe ich es ihrh. Ich wünsche, daß diese Handvoll Menschen, die von mehreren Millionen polnischer Juden übriggeblieben ist, zusammen mit der polnischen Bevölkerung den Tag der Befreiung in Polen »-und eine Welt der Freiheit" und der sozialistischen Gerechtigkeit erleben kann. Und ich glaube, daß ein solches Polen erstehen und daß eine solche Welt kommen wird. r . Ich nehme Abschied von jedem und allem, was mir wert war und was ich liebte.“ V London, Mai.1943. . Wahrheit kann nicht durch die Lüge durchgesetzt werden und die Gerechtigkeit nicht durch Ungerechtigkeit.“ * Sein öffentlicher Protest gegen die Ermordung der beiden jüdischen Sozialisten Alter1 und Ehrlich in der Sowjetunion war ein Beispiel für seine moralische Unbestechlichkeit und sein Gefühl für internationale Verantwortung und sozialistische Kameradschaft. Ziegelbaum verteidigte . seine ermordeten Freunde in einer öffentlichen Gedenkfeier/ Er lehnte es ab, dte großen grfolge der Roten Armee als Entschuldigung für die Ermordung und Verleumdung von Spzialistenführern zu akzeptieren. Aber er hielt sich streng Innerhalb der Grenzen, die das "gemeinsame Ziel ihm auf erlegten: Der Kampf gegen das Hitlertum. Dann hörte ich ihn sprechen über die Zukunft des internationalen Sozialismus. Auch ider ■Wieder der gleiche tiefe Eindruck — ein bedachtsames Abwägen der Für ünd Wider, «--ine entschlossene Ablehnung jeder " Art von Chauvinismus und jeder Art von Zersplitterung, Sozialisten müssen offen und ehrlich miteinander seih; sie müssen realistisch sein bei der Beurteilung der Tatsachen, aber es kann keine sozialistische Wiedergeburt geben ohne den unerschütterliche« Glauben an die -iwigen Werte sozialistischer ideale. " Ein paar Tage später kam die Mitteilung seine^ Todes. Es ist unvorstellbar, daß ein Mann, wie Ziegelbaum sich umgebracht hätte, weil er die Schwierigkeiten . der Zukunft fürentete. Wir können sicher sein, daß er davon überzeugt war, sein freiwilliger Tod würde nur eine. Fortsetzung s^jner Arbeit mit anderen Mitteln, sein, das letzte Mittel eines . Menschen, um einer stumpfsinnigen ünd herzlosen Welt klarzumachen, was dazu gehört,,, zu seinen Ueberzeugungen zu stehen. . ' Es bleibt’ die Frage,- ob diese äußerste Bereitschaft zur Selbstaufgäbe-die Herzen jener rühren wird, die bisher ünbewegt geblieben sind? FVird den Juden mehr urid umfassendere Hilfe gegeben Werden? Denn es war das Schi .'ksal seines 'Volkes, das kalten Blutes vonden Nazis ausgerottet wurde, und die Gleichgültigkeit der Welt diesem Verbrechen gegenüber, was sein Leben zusammen mitanderen Sorgen, ...... r a rvr c /'■‘LITT C erü A trppM? Alles was Sie uns zur Verfügung stellen L11 Je KAk 10 U n O O v nAr r C können, z. B.: Lehrpläne, Fotografien, Programme von veranstalteten Feiern, Plakate von /Theatervorstellungen, Schulhefte mit DER GEGENWART Max Brod: „The Biography öf Franz Kafka“ (Verlag Secker & Warburg, London), , L o 1 a S t e i h: „People Like You And Me“* (Verlag Lindsay Drummond, London), Geschichte einey jüdisch-nichtjüdischen Freundschaftsbeziehung im Hitler-Berlin, der ' Vorkriegszeit. . N o rin a n B e ntw-ich: „Wanderer in War“ (Verlag . Victor Gollanpz, London), eine Art Selbstbiographie einer; der führenden englisch-jüdischen Persönlichkeiten unserer Zeit weithin bekannt für sein humanitäres Wirken. „Confession“, eine gekürzte Uebersetzung von Nathap Birnbaums „Gott'esvolk,|‘ (Agudas. Jis.- roel,- New York), das erste einer’ von der Agudas Jisroel herausgegebenen Serie „Jüdische Taschenbücher“. Jul i üs Isaac:, „Economics .,of Migration'* (Verlag Kegän Paul, London). Der Verfasser dieses sich mit den wirtschaftlichen Grundlagen der Wanderungsbewegung beschäftigenden Buches ist ein aus Deutschland stammender jüdischer Sozialwissenschaftler. : Liebe Freunde! - ' Das jüdische wissenschaftliche Institut „IWO“ ' beabsichtigt, eine Ausstellung über das Leben jüdischer Kinder und Jugendlicher .in'Europa zu veranstalten. . -Das jüdische . wissenschaftliche Institut bezweckt damit, die jüdische und nicht jüdische Oeffentlichkeit. Amerikas mit dem Schicksal der am Leben gebliebenen Jugendlichen in den Flüchtlingslagern, Gemeinden, Kinderheimen, Schulen, Jeschibot, Klubs usw. bekannt zu machen. ■ . Wir bitten Sie daher, uns diesbezügliches Material zusenden zu wollen. , .schriftlichen Arbeiten,; Wandzeitungen und Bulletins von Organisationen . Und Institutionen, von Kindern angefertigte Zeichnungen usw. sind für uns von größtem Interesse. Desgleichen Journale jeder Art, nicht nur lau?* fende, sondern auch bereits im Druck er- - schienene, bitten wir uns zusenden zu wollen. Wir sind der festen «Ueberzeugung, daß Sie die Notwendigkeit dieser. Ausstellung einsehen und bitten daher: : 1 Senden Sie uns reichlich Material, je schneller desto besser! Wir bitten, jedes eingesandte Stück mit. dem Namen Undder Adresse Ihrer Institution zu versehen, bei individuellen Arbeiten mit Namen und Altersangabe des Verfassers. . Archiv ’ beim Central Jewish Committee Dr. Helfgott im Rheinland Der Chefrabbiner der Britischen Zone, Dr. Helfgott hat. mit den Besuchen bei den Gemeinden begonnen. Rabbiner Dr. Helfgott besuchte Düsseldorf und Köln. Seine Besüche wurden von den Gemeindemitgliedern' mit großer Freude auf genommen. ~ Abgesehen davon* daß er die Gottesdienste am Freitagabend und Samstagvörmittag: abhielt, gab er den Mitgliedern der Gemeinde. Gelegenheit zu .Aussprachen. Es ist Jim gelungen, in vielen fraglichen Fällen Klarneit zu schaffen und unseren Gemeindemitgliedern die Ratschläge zu geben, die notwendig sind. Wir sehen1 darin einen erfreulichen Anfang und sind überzeugt,, daß Dr. Helfgött in der, ganzen Britischen Zone dieselben Erfolge haben wird.