Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Volume
- 2 (1947/48)
- Issue
- 6/7 (9.7.1947)
- Date
- 1947-07-09
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 — 9.. Juli 1947 \ JÜDISCHES GEMEINDEBLATT FÜR DIE BRITISCHE ZONE ■■ ' / 2. Jahrgang —-Nr/6/7' beitsquantum, war so ausgedehnt:, daß' mehr als zwei- Tage vergingen,, bis die Delegierten der zum Council“ gehörenden Länderorganisationen und einige besonders geladene.* befreundete Experten zu den verschiedenen Diskussionspunkten Stellung genommen hatten. Ein kurzer Geschäftsbericht, der die Entwicklung des „Council“ -seit seiner Gründung im Jahre'1945 und seine wesentlichen Aufgaben charakterisierte, wurde von dem Generalsekretär, Dr. Kurt Alexander (London), gegeben; er betonte dabei insbesondere die guten, freundschaftlichen Beziehungen, des „Council“ „zu den .Juden in Deutschland und seine Anerkennung als zuverlässigen Berater durch das „Control", Office-for Germany“, Dr. Walter Breslauer. (London) und. Dr;». Siegfried Moses (Palästina) behandelten ausführlich und überaus sachkundig, die mannigfachen, schwierigen, noch nicht" oder, noch nicht zurRufriedenheit/gelösten Probleme und strittigen Punkte, die sich, aus dem gegenwärtigen Stand' der Wiedergutmachungserörterungen * ergeben., Referate uhd Aussprache waren getragen, von dem Bestreben, in der zu erwartenden Gesetzgebung auf diesem Gebiet alle die Gesichtspunkte zu verankern, die eine möglichst gerechte, und Vernünftige Behandlung aller Ansprüche gewährleisten, *': . ' Die Vertreter der einzelnen Länder erstatteten erschöpfende. Berichte über die Wirtschaftliche und. soziale Situation' der Juden. Von besonderem Interesse waren naturgemäß die Aeußerungen des" Vertreters der Juden in Deutschland, Dr. H. E. Fabian'(Berlin), und von Josef- Bosensaft (Belsen), der der Tagung als Gast beiwohnte; beide Wurden vom Vorsitzenden und der Versammlung besonders^herzlich willkommen geheißen. -Für alle Teilnehmer-höchst instruktive Referate wurden gehalten von S. Adler-Rudel (London) über den internationalen Schutz der Flüchtlinge, und die Gründungsverhandlungen der „Internationalen Flüchtlingsorganisation“ (IRO) und von Dr. Schnitzer (Genf) über das Problem /der. Staatenlosigkeit. Nach Erledigung einer Reihe organisatorischer Notwendigkeiten —es Wurde u. a. beschlössen, den „Council“ in Zukunft kurz s „Council, of Jews from Germany“ zu nennen, — fand die eigentliche Tagung ihr Ende. Dr. Baeck betonte in seinen .abschließenden Bemerkungen, daß der „Council“ sich als der Treuhänder einer Verantwortlichkeit für das Recht und den Geist der Juden aus Deutschland betrachte.’ - ' , . Am Abend des. zweiten Verhandlungstages fand, aus Anlaß dieser erstem Vollsitzung des „Council“ im Londoner Embassy-Theater eine große Kundgebung mit dem Motto „Deutsche Juden in vielen Ländern“ statt, Dr. Baeck bat bei der Eröffnung die vielen hundert Anwesenden, .sich im Gedenken an unsere Toten von den Fiätzen zü erheben. Er sprach England den Dank dafür aus, daß es durch seine Haltung gegenüber dem Angriff natiorialsozialistischen Barbarentums möglich war, dfe „ Zivilisation Europas vor der Zerstörung zu bewahren. Professor Martin Buber (Jerusalem) knüpfte an Gespräche mit Otto Hirsch aus den Jahren nach 1933 an, wenn er von der Mission sprach, die die Juden aus Deutschland -~ so uhlösbar sie auch mit dem Jisehuw in Palästina, verbunden seien —> in der Welt zu erfüllen haben, und , von ihrem spezifischen Bgitjrag zu; jüdischem Leben und jüdischer Kultur.. Die weiteren .Sprecher waren Dr. Siegfried Möses, ferner Dr. Hermann Müller ünd Dr. H. Emmerich .(Vereinigte Staaten), Dr. H. Klee (Schweiz), E. Gompertz (Belgien), Kurt Kornicker (Frankreich), und Dr. H. E. Fabian (Berlin). Dr. K. Alexander, der für die „Association of Jewish Refugees in Great. Britain“ sprach, schloß die Kundgebung mit dem Appell zu weiterer tatkräftiger’ Hilfe insbesondere für die Juden irt den Lägern auf dem Kontinent, fosef Rosensaft befand sich unter den Ehrengästen. . egl. ■ Am Ende seiner ersten Plepar-Sitzung faßte der „Council of Jews from Germany“ folgende. Resolution: „Der-.Council* stellt mit Bedauern fest, daß ’ heute, länger als zwei Jajire nach Beendigung des Weltkrieges, sich mehr als 200 000 Juden in Deutschland und Oesterreich befinden, die . immer noch unter den schwer- . sten Bedingungen einem ungewissen Schicksal entgegen sehen. Ihre Zukunft liegt nicht und kann nicht in diesen Ländern . liegen, in denen der Antisemitismus bereits erneut sein Haupt erhebt. Wir appellieren daher . an die Völker, die das Glück hätten, vom Nazismus verschont „zu bleiben, die Leiden der Juden nicht zu vergessen und ihnen die •Möglichkeit zu geben, ihr Lebenneu auf zu-' bauen, insbesondere aber ihnen die Tore Palästinas zu öffnen,./wohin die überwie- , gende Mehrzahl von ihnen aüszüwandern . gedenkt. . ' . ’; . Wir entbieten den in . Deutschland und Oesterreich verbliebenen Juden in tiefer Verbundenheit unsere Grüße. Der /Council* Wird das Interesse für diese Juden' wachhalten,. überall uhd «iwo , immer es in , seiner Macht steht. Der .Council*, wird sich mit ganzer. Kraft dafür einsetzen, daß den dort -zurückgebliebenen ein Maximum moralischer > und materieller' Hilfe zuteil wird, ebenso wie den in den anderen Ländern 'verstreuten, die ihre Einordnung bisher nicht „.haben finden können. ' , ., Es ist ein untragbarer Zustand, daß heute noch keine gesetzlichen Grundlagen für eine; Zufückerstattung der Vermögenswerte geschaffen worden ■ sind, die den Juden in Deutschland geraubt und . noch vorhanden sind; immer noch sind inzahllosen Fällen die unrechtmäßigen Erwerber solcher "Werte die Nutznießer dieser Vermögen. Der »Council* spricht die Hoffnung und Erwartung aus, daß nunmehr in kürzester Zeit die beteiligten Regierungen das im Entwurf vorliegende Restitutionsgeseti erlassen werden. Er wandet sich mit aller Entschiedenheit gegen jeden Versuch einer Versphlech-. terung dieses Entwurfes, , .)/ Der ,Council*' unterstreicht die dringende . Notwendigkeit,, daß die Vorarbeiten für, ein weiteres Gesetz des Allied Control Council —• das Entschädigungsgesetz '—•) schnellstens zum Abschluß gebracht Werdern Dieses Gesetz muß den Opfern’ der Nazi Verfolgung Wiedergutmachung der erlittenen Schäden und Verluste gewährleisten. . " - Die vorgesehene Gesetzgebung kann, für die aus Deutschland ausgewanderten Juden Wiedergutmachung aber nur dann bedeuten, wenn hierdurch der großen materiellen Not-, läge abgeholfen werden kann, in der zahlreich* aus Deutschland stammende Juden leben, und denjenigen, die eine Heimat gefunden’haben, der . Aufbau einer neuen Existenz und eines menschenwürdigen Daseins. ermöglicht;wird. , Mark Jarblum gehört zu den prominentesten jüdischen Arbeiterführern. ' Schon irr' seiner frühesten Jugend war er ein aktiver Sozialist und nahm ■. teil am Kampf gegen . den russischen Zarismus. Er wurde iih zaristischen Rußland wiederholt seiner politischen Betätigung wegen' ins Gefängnis ge- ■ worfen.’ : Seit Jahren lebt er in Frankreich. Er spielt dort eine führende Rolle im öffentlichen .Leben. Er war Mitglied der Exekutive der, 2. Internationale, solange . diese bestand. Jarblum ^erfreut sich in der ganzen Welt einer großen Anhängerschaft. Auf der vor kurzen! in Zürich stattgefuridenen Sozialist. Konferenz ergriff Mark Jarblum im Namen dör palästinensischen Arbeiter das Wort. Er wandte sich vor allem in seinen Ausführungen gegen die Aufnahme „der SPD. in die Sozialistische Weltorganisation. Er führte u. a. aus: „Mit Ungeduld habe ichauf das Referat des Dr. Schumacher, des; Vorsitzenden der wie- , dererstandenen Deutschen* Sozialdemokratischen Partei. Deutschlands gewartet. Ich habe geglaubt. und war der Hoffnung, daß Dr. Schumacher den'Versuch machen würde, Aufklärung * zu schaffen über die Hintergründe des Wahnsinnes, dem.das ganze deutsche Volk verfallen war während des Hitlerregimes und ganz besonders während des Krieges. Ich habe geglaubt, daß diese Ansprache des Vorsitzenden der' SPD., die, Stimme des Gewissens, wenigstens, eines Teiles des deutschen Volkes widergeben wird. Ich habe geglaubt, daß er sfein Bedauern und das Bedauern der deutschen Arbeiterschaft über die begangenen Verbrechen,' die Deutschland in den letzten Jahren der Weit und, .besonders dem jüdischen; Volk gegenüber begangen hat, zum Ausdruck bringen wird. Ich war erschüttert darüber, daß Dr. Schumacher uns einen pseudo-wisrsenschaftlichen Unterricht gegeben hat. ) Mit keinem Wort hat er auf die bestialischen Taten, die Deutsche den Juden gegenüber begangen haben, hingewiesen., Di\ Schumacher sagte, er wolle sich nicht Von Sentimentalitäten hinreißen. lassen./ Er hat besonders betont* daß seine Ansprache im wesentlichen geleitet sei von objektiver Logik und gesunder Vernunft. Ni.cht die Vergangenheit, so sagte er,’sei wichtig, sondern die Zukunft. Und tatsächlich /war festzustellen, daß in seiner Rede keine Spur von Sen-, timentalität war. Nur am Ende seiner Ansprache begann er mit einem Wehgeschrei: „Sie haben die Frage zu' entscheiden, ob das deutsche Volk mit seinen 70 Millionen untergehen oder weiterleben soll.“ Mit Stolz brachte er die Daten über die große Anzahl der Mitglieder der SPD. Wir sind schon« daran gewöhnt, große Ziffern zu hören; wir . kennen sie ber&tsaus der Zeit vor dem Nationalsozialismüs. Zu einer Zeit, als die damaligen Führer der SPD. uns immer und immer wieder erzählt haben von den Mitgliedern und .Anhängern ihrer Partei, der Gewerkschaften. Sie erzählten uns . damals im-„ mer von den vielen hunderten Institutionen, die sie in Deutschland hätten und sie gaben uns Kenntnis von ihren Millionen Budgets. Wir wissen, was von all dem übriggeblieben ist Diese „Ziffern können'’ uns .. heute schon iiieht mehr imponieren. . / Eine kleinere Quantität dafür aber eine umso größere®Qualität waren 'für uns', für die .ganze Welt viel-nützlicher. Iqh möchte sehr gern auch so („objektiv“ und. „logisch“, wie es Dr. Schumacher getan hat, denken. - Ich komme jetzt aus Polen.,, Ich bin dort stundenlang durch die, Trümmer der, ehemaligen Besonders dringlich -sind .Maßnahmen, „die geeignet sind,, den aus Deutschiarid ausgewanderten , pensionierten Beamten und Rentnern dazu zu verhelfen, daß sie die ihnen zustehenden Bezüge erhalten. ' /.... Das Eigentum von Juden, die ohne Erben verstorben sind,' und das Eigentum der . ehemaligen -jüdischen Gemeinden und Institutionen muß im jüdische Hände ■■ gelangen und für die Unterstützung und Wiederansiedlupg solcher Hilfe bedürftiger Juden be-, nutzt werden. . , . Ais* die legitim'e ' Vertretung, der ’, aus •Deutschland stammende11 Juden verlangt der »Council* vollberechtigte Teilnahme ari den Exekutivorganen der zür Erfüllung dieser Aufgaben zu. schaffenden jüdischen Körperschaft.; . Der ,Council* betrachtet es, als einen, Akt selbstverständlicher Gerechtigkeit, daß das Eigentum der Juden aus ‘ Deutschland; die die ersten Opfer der Naziverfolgung waren* in keinem. Falle/und in keinem Lahde als deutsches Eigentum behandelt wird. Es ist unhaltbar, daß. die, .die in beispielloser Weise von den Nazis; als Juden , ihres Vermögens beraubt worden sind, nun für die von den Nazis begangenen Verbrechen haften sollen; Der .Council protestiert gegen jede Diskriminierung von Juden aus Deutschland als Feinde der United Natiöns.“ jüdischen Wohnviertel gegangen. Es bat sich' mir ein teuflisches Bild von vollständiger Vernichtung gezeigt. Vor meinem geistigen Auge steht noch das Bild der fast wehrlosen jüdischen Helden, die im Kampf standen gegen die von Kopf /bis Fuß bewaffneten Deutschen. Ich habef Maidanek, 'Auschwitz und alle anderen Stellen des Grauens gesehen. .Es wurde mir dort Gelegenheit gegeben, die modernsten Marterinstrumente in Augenschein zu nehmen: Von der Gaskammer bis zum Krematorium. Man hat mir erzählt,'’ daß deutsche Ingenieure und bedeutungsvolle deutsche Wis-) genschaffjer sich immer weiterbemüht haben, um neue Mittel zu finden, die geeignet sind, die Verhichtungskapazitäb zu vergrößern und so die Vemichtung vollkommen zu ) machen. Glauben Sie, daß map Sich von diesen Dingen befreien kann und dann so ruhig sprechen , ■kann,/wie „es. Herr Dr. Schumacher getan hat. Sie werden zugeben . müssen, „ daß das sehr, schwer ist. Es sollte genügen, wenn man eine Ziffer nenht, die Ziffer der 6 H Millionen toter Juden; ■’ die . mit Hilfe von Hünderttausenden von Deutschen hingemordet sind. Es sind nur kleine "Reste verblieben; ein Teil in Polen, ein 1 anderer in den Lagern in Deutschland. Einigen ist es gelungen, zu ihren Verwandten nach Uebersee zu kommen. Ein Teil ist aber auch nach Palästina^ gekommen ünd beteiligt sich hier schon erfolgreich am sozialistischen Aufbau des Landes. Diese Menschen verdanken ihr Leben nur einem .Wunder. Deutschlands Niederlage, hat dem Morden, das keine , Vergleiche in der Geschichte kennt, ein Ende bereitet. ..... , Trotz allem werde ich alles tun, ihn mich freizumächen vom diesen fürchterlichen Bildern und, werde versuchen, meinen Gedanken-, gang der Logik unterzuordnen. . /■ Um was geht es hier? Unmittelbar nach der Niederlage Deutschlands war die. Stellung aller sozialistischen Parteien eine einheitliche: Keine Wiederholung der nach dem ersten Weltkrieg begangenen Fehler. ’ Strikte Ablehnung, die SPD. in die Sozialistische Internationale,' solange Deutschland; seine Schuld und Verantwortung für die bestialischen Taten, die von ihm in der Welt begangen worden sind, anzüerkennen, — solange keine ausreichenden Garantien für die Zukunft, , gegeben werden können, — aufzunehpien. . Warum hat man derartige Bedingungen nur gegenüber der deutschen Sozialdemokratie gestellt? In den. letzten 'zwanzig Jahren hat. in Italien der musso.linische Faschismus geherrscht und keiner Organisation,'keinem Menschen ist die Idee gekommen, von, den Italienern irgendwelche Garantien zu verlangen. Es war. uns allen klar, daß der . italienische . Faschismus : nichts gemeinsam' hatte mit' der italienischen Arbeiterschaft. / . > .; In Frankreich hat drei Jahre ebenfalls ein Faschisinüs unter Führung 'von Petain und Lavall bestanden.. Die bewundernswerte Widerstandsbewegung des französischen Volkes unter Führung der' /französischen .Arbeiterschaft, hat in aller Deutlichkeit den,, bestehenden Haß. gegen den Faschismus unter Beweis, gestellt. — .Wenn morgen der ’ verbrecherische spanische Faschismus zusamm.enbrechen wird, dann werden wir nicht zögern, iu demselben Augenblick die spanische Arbeiterschaft 'mit, größer Freude und ohne' Mißtrauen , aufzunehmen. ■ Nur-in. bezug auf die deutsche. Sozialdemokratie sind wii; alle, auch,diejenigen, die geglaubt haben, daß . man schon heute zu einer Zusammenarbeit mit. ihr kommen könnte, der Meinung, , daß der Hjtlerisrnus und das deutsche Volk nicht zü trennen sind. / Dr. Schumacher sagte, daß hunderte/und tausende von deutschen Sozialisten von den Nationalsozialisten in Gefängnisse und Konzentrationslager geworfen wurden. Das trifft , bestimmt zu. Aber, so müssen) wir uns fragen,, wurden sie, deshalb beseitigt, weil sie aktiven Widerstand' geleistet haben oder nur weil; sich Hitler von seinen politischen Gegnern befreien wollte, um so vorzubeugen, daß diese aktiv werden;- genau „sohat er es mit den Katholiken und anderen getan. Es ist durchaus - möglich, daß unter den Festgenommenen Deutsche, waren, ■ die' Widerstand geleistet haben, aber wenn es so ist, so' war das im geringen Maße der-Fall. Dr. ' Schu-.- macher er zählte., uns heute auch Von einer Unterhaltung, die er mit einem nationalsozialistischen) Studenten gehabt habe,;/ der kein Bandit gewesen sein will, aber der ein großes Ideal gehabt habe: Die deutsche Bourgeoisie 'dem sozialistischen Gedanken .nahezubringen, (im Sinne des /Nationalsozialismus); Der Referent hat uns nicht davon erzählt, auf welcher Seite dieser Student während des Krieges gestanden hat, ob er im Osten-oder Westen war und wieweit er nüt der Verwirklichung .seines Ideals, gekommen ist. „Keiner von uns hat jemals behauptet, daß alle Nazis Verbrecher sind, sicher sind unter-denen auch Idealisten, die den ehrlichen Traum hatten, daß Deutschland das Herrenvolk ist, das dazu berufen ist, Sie ganze Welt zu beherrschen, zu verwirklichen. - In Maidanek, Buchenwald und Auschwitz fehlten diese jungen Idealisten nicht. - Das war in den letzten fünf Kriegsjahren. Ihr*, die Ihr heute vorschlagt,'' die deutschen Sozialdemokraten in1 die Internationale aufzunehmen, seid Ihr sicher, daß sich die Lage in der Zwischenzeit so. geändert hat, daß 'die Mentalität jetzt eine bessere, eine humanere ist /als früher? Dr. Schumacher hat uns erzählt, daß man bei der Aufnahme von neuen‘Mitgliedern in, die SPD. sehr vorsichtig) sei. Er sagte, man würde die auf nehmen, von denen bekannt ist, daß sie Aktivisten wären. Ist das eine ausreichende Garantie? Kann uns Dr. Schumacher die Versicherung abgeben, daß sich unter den heute Aufge-: Führendes Mitglied der VVN. Düsseldorf gestorben Kurz vor Redaktionsschluß erfahren' wir, daß! einer der leitenden Männer der VVN; in Düsseldorf-gestorben ist, Toni Melchers . Er gehörte zu den deutschen Antifaschisten, die dasselbe -Schicksal hinter sich haben wie upsere jüdischen Menschen. Melcher hat sibh unmittelbar nach der: Befreiung in uneigennütziger Weise den rassisch und' politisch Verfolgten zur Verfügung gestellt und Beweise dafür erbracht, daß. er die Fähigkeiten besaß* jedem gerecht zu werden. . ) - i /: Wir wissen,.'daß wir im-Namen aller Düsseldorfer 'Juden sprechen,' . wenn wir unserer Trauer Ausdruck ‘ geben über den; schweren Verlust,Ren der Tod .dieses Mannes bedeutet. nommenen keine Leute befinden, die sich bei den Nazis kompromittiert haben? Ich habe diese Sicherheit nicht.- Ich habe, auch noch nicht das Gefühl, daß„ die Lage in Deutschland sich beute so .geändert hat,; daß’man davon sprechen kann, ' daß; das deutsche Volk heute frei ist von diesem wahnsinnigen Drang zur-, Herrschaft, daß es von . seiner Niederlage wirklich überzeugt ist und daß es. frei ist von •Revanchegedanken.'; -/;' Aus diesem Grunde hat sich bei’ mir der Standpunkt* , den wir am Morgen;) nach der Kriegsbeendigung gehabt haben,1 noch (nicht geändert, der Beschluß, vorsichtig zu sein und die nötige Garantie in der Hand zu haben. Besonders, wir Juden . sind nicht Richer'und wir sind) nicht ruhig. In deutschen Lagern befinden sich jetzt noch 250 Q00 Juden, diejenigen, die sich aus der deutschen ./Hölle) gerettet haben. Schon beinahe 2 H Jahre sind sie in diesen Lagern. ’ — In diesem Zusammenhang haben wir kein. Gefühl der Rache oder der .Feindschaft zu den Deutschen. Wir haben nach wie vor das Gefühl dos Verdachtes und des ■ Mißtrauens. Bei mir ist. das eine Frage des Gewissens.; Ich bin mir vollkommen darüber im klaren, daß, die Nichtaufnahme Rer deutschen Sozialdemokratie in die Sozialistische Internationale gewisse Nachteile mit sich. bringt. Eine dieser Konsequenzen kann die sein, daß ein gewisser Teil der. Deutschen in die Hand der Reaktionäre^- gespielt wird-, trotzdem verbietet mir mein Gewissen, . jetzt schon meine Hand zu erheben, um damit meine Zustimmung fürdie Aufnahme, derdeutschen Sozialisten in die Sozialistische Internationale zu geben. Wir müssen die Forderung stellen, daß zuerst die Garantien gegehen ■ werden, die uns das Vertrauen geben. \, Erst dann wird diese Frage in einem anderen Licht erscheinen. ) .‘ Jetzt stimmen wir gegen den Antrag.“ * ) ijiese Internationale. Sozialistisch© Konferenz in Zürich, die einberufen worden war, um die 2, Internationale wieder ins Leben zu rufen, lehnte die" Aufnahme .der SPD. ab. 'il* Am makxin<luther.pi,Atz -sammel,nummer iosti KREDITE 4- FINANZIERUNGEN — SPARKONTEN — AN. UND VERKAUF VON WERTPAPIEREN