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Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone · 1947-05-28 · 4 (28.5.1947) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
Volume
2 (1947/48)
Issue
4 (28.5.1947)
Date
1947-05-28
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Nr. 4 — 2.-Jahrgang ' JÜDISCHES GEMEINDEBLATT FÜR DIE BRITISCHE ZONE , : . : . 28. Mai 1947 KURT ZEUNEET: In der britischen Zone gelangte der Schweizer. Film „Die letzte Chance“ zur Erstaufführung.' Ein schlichter, unpathetischer Film von hohem menschlichem. und künstlerischem Niveau. Die Schweiz erstattet ln ihm einen Bericht über das c Flüchtlingselend, das sich während der Jahre des Nationalsozialismus 'und Faschismus an ihren Grenzen abspielte. , Tausende Verfolgter und Unterdrückter wollen diese: rettende/.' individuelle Freiheit ' verheizende Insel innerhalb Europas betreten. Der Film spielt im Jahre 1943 nach der Kapitulation Italiens. Er schildert das Schicksal einer Handvoll verzweifelter, sieben verschiedene europäische Sprächen sprechender Menschen, die . sich unter Führung von zwei englischen und ein§m amerikanischen Soldaten , welche aus deutscher .Gefangenschaft entwichen -rf den gefährlichen Aufstieg in die verschneiten Berge zur italienisch-schweizerischen Grenze unternehmen. Ihre Flucht gelingt mit Hilfe eines aufopfernden katholischen Priesters, der seine Tat mit dem Leben bezahlte Zwei der Flüchtlinge! können die rettende. Schweiz nicht erreichen. Sie sterben wenige Metet vor dem Grenzpfahl unter den Schüssen deutscher Posten. Als ein müdes und abgekämpftes, aber ge- / rettetes Menschenhäuflein auf schweizerischem Gebiet die Gebirgsstraße 'entlangzieht, klingt sie auf, die wirkliche ünd wahre Tendenz dieses Films: ,So Dresden eines Tages Hunderttausende, ja Millionen die Landstraßen entlangziehen, heimatlos, als Wirkung - den furchtbaren Ursache, die Krieg heißt ' Hier ist die Antwort eines deutschen Kinobesuchers auf diesen Film. Es ist zwar eine falsche, aber immerhin eine gewählte und vorsichtige Reaktion, gemessen an den Pöbeteien, die wir während der Vorführung des Films hören mußten: „Im Europa-Palast in Düsseldorf läuft unter obigem Titel ein Film schweizerischer Herkunft. Zugegeben: dieser Film hat einwandfreie künstlerische Momente, die Handlung Ist packend und hat edle Motive. Aber diese Faktoren können nicht darüber hinwegtäuschen, daß es sich um. ein Tendenzstück handelt, welches dazu angetan ist, das ohnehin fragliche Ansehen der Deutschen im Ausland weiter herabzusetzen. Wie würde das Ausland reagieren,, würde man einen ^Film drehen, der die Bomben- 1 angriffe gegen: kulturhistorische Städte Deutschlands veranschaulicht? Wie, wenn man das Vorgehen . der ' sowjetrussischen Armeen 1944—45. aüf der Leinwand rekonstrufqrenHwürde?* Was würden die Bewohner 'Nord- und Südamerikas sagein, wenn man ihnen durch Film die Zustände in anglo-amötikanischen und französischen Kriegsgefangenenlagern zugänglich machen würde — als Beispiel Remagen 1945? Für die Interessen .'einer geordneten und friedliebenden Welt wäre es eine Chance, wenn Filme produziert und gezeigt würden,' die versöhnlichere Gedanken erzeugen, anstatt neuen Haß zu säen, und zwar zu einem Zeitpunkt, der vielleicht tatsächlich die letzte Chance für die Existenz der gesamten Menschheit ist.“. Es ist die alte subjektive Reaktion nazistischer Prägung. Der Ausdruck „kulturhistorisch“ erinnert stark an den Wortschatz des verblichenen Führers. Wer die Kultur an den Nagel hing und im vergangenen Krieg die ersten Bomben warf, ist wirklich schon historisch festgelegt worden und sollte jetzt'endlich hinreichend bekannt sein. . „In 36 Stunden wurde die Festung Warschau durch planmäßigen Bombenangriff zur Kapitulation gezwungen . . .“ So schrieb stolz der ehemalige Filmkurier zu dem deutschen Film „Feuertaufe“, der den Einsatz der Stukas im Feldzuge gegen Polen verherrlichte. Ist dieser abendfüllende „Kulturfilm“, der in Berlin seinerzeit mit großem Pomp. im Beisein der internatonalen Presse und in Gegenwart des diplomatischen Korps uraufgeführt wurde, schon in Vergessenheit geraten? - > - . Abgesehen davon, daß Hitler' damals Warschau auch ohne Bombenangriff zur Kapitulation hätte zwingen können, nahm man es t in Deutschland, 18 Tage nach Ausbruch des Krieges mit Bombenangriffen nipht allzu tragisch, denn man hatte zu dieser Zeit noch nicht ihre Wirkung am eigenen Leibe zu spüren bekommen. Zivilisten, die ihre Heimat-, gegen, die Eindringlinge verteidigten, nannte man Heckenschützen, die deutsche Führung hingegen, die in den . letzten Wochen des Krieges die „verbrannte Erde“ propagierte, . gab den Fanatikern der Dachluke . den heroischen Namen „Werwölfe“. Der deutsche Luftangriff auf Rotterdamist vergessen. Warschau und Rotterdam litten schon, bevpr. in Deutschland' auch nur ein ernstlicher Schaden' dürch Bomben zu verzeichnen' war.-. Coventry als englische Stadt ist ein Fremdwort (wahrscheinlich - nicht „kulturhistorisch“).; Goebbels machte aus dem Namen dieser Stadt ein Verbum und . sprach mit Genugtuung : über den wohlgelungenen deutschen Angriff in seiner' Propaganda monatelang nur. noch von „coventrieren“. Dann wird natürlich der russische Vormarsch in Deutschland' ins Treffen geführt. Der deutsche Vormarsch in Rußland mit den Massen- , exekutionen der jüdischen Bevölkerung und vieler Rüssen, den Hinrichtungen der Kommissare, .den Deportierungen wahllos aufgegriffener. Menschen als Arbeitssklaven, die unwürdige Kennzeichnung .Hilfloser mit „P“, „Ost“ und „Jude“ waren dagegen Zeugnisse „kulturhistorischer“ Taten. * Und nun zu Remagen! Wir können-viele Soldaten, die dort in Gefangenschaft säßen. Es ging ihnen schlecht, sehr schlecht sogar und wir bedauern die Unschuldigen, die dort waren. Ist es bekannt, daß es Menschen gab, die 10 und 12 Jahre ira Konzentrationslager saßen, nur weil sie gegen ein System standen, von dem sie wußten, daß es Deutschland dahin bringen wird, wo es heute steht, am Abgrund? : Die'"Wahren Propheten saßen im Lager und der falsche war Führer des deutschen Volkes.' Volkes. < ." . Es gab aber auch solche, die nur ihrer Abstammung oder ihrer religiösen Einstellung wegen (Bibelforscher.) im* K. Z, saßen. Remagen war keine Vergeltung. Wir werden vorsichtig definieren, denn wir wissen, Wie empfindlich die Seelen der Deutschen in diesen Fragen ,sind; bedauerlich, daß sie es nicht schon immer' waren, viel Unheil, hätte verhütet werden, können.' Als nach dem Ueberquereii des Rheins dürch die Amerikaner die deutschen Truppen ärmee-, weise kapitulierten, da konnte selbst, die bestens organisierte amerikanische Armee nicht so schnell für anständige Unterbringung und Verpflegung sorgen, denn der . alliierte Vormarsch war noch nicht zu Ende. Gleichzeitig aber wurde der, Werwolf‘mobilisiert, der den Krieg für Deutschland zwar nicht.mehr gewinnen konnte, wohl aber ,an englischen und US-Soldaten töten sollte, was er eben nur konnte. . : 1 Keinem ''deutschen Soldaten, der in Frankreich, Afrika oder Italien in anglqamerikanische Gefangenschaft geriet, ist es abgesehen von den Unbequemlichkeiten und Entbehrungen des Kriegsgefangenendaseins . — ausgesprochen schlecht gegangen. Zur Zeit .Remagens war die Situation eine völlig andere. Es ist ein himmelweiter Unterschied, wenn Zivilstenum ihre Heimat und um ihre Freiheit > kämpfen oder wenn fanatische Hitlerjungen und ,-meiden einem verbrecherischen Regime, das Lebenslicht um einige Tage verlängern helfen. Die amerikan. Heeresleitung hatte einfach keine Lust mehr, durch Amokläufer das Leben ihrer Soldaten aufs Spiel zu setzen. Für das logische und objektive Denken dieser' Menschen hatte der deutsche Widerstand nichts mehr mit Heldentum zu tun, sondern war in ihren Augen verbrecherisch. Aus diesem. -Grunde wurden die deutschen Soldaten, unter ausgiebiger Berücksichtigung der zeitlichen upd räumlichen Verhältnisse, nicht eben rosig behandelt. Es sei aber gerade am dieser Stelle darauf hingewiesen, daß es im ' hohen Maße Angehörige der deutschen Lagerführung in Remagen waren, die durch ihre Haltung die Lage ihrer Kameraden, unnötig erschwerten. Während die Masse der Landser hungerte, feierten Camp- . und Tausendschaftsführer Schlemmerfeste auf Kosten. ihrer Kameraden. Wir haben uns gerade über diesen Punkt mit ehemaligen Insassen des Lagers Remagen unterhalten, upd sie haben, uns unter Bestätigung unserer Anschauungen speziell auf die letztgenannten Tatsachen hingewiesen. Zum Schluß der Betrachtung werden Filme gefordert, die .versöhnliche Gedanken anstatt “ neuen Hasses zum Inhalt haben. Und damit wären wir wieder beim Thema „Die letzte Chance“. - ,; Die Haltung des größten Teiles des deutschen Publikums war alles ■ andere als versöhnlich. Der Film ist in einem Lande hergesteilt worden, das tausende von Flüchtlingen aller . Nationen Europas vor und während des Krieges auf genommen hat. Diese Menschen flohen' .nicht vor. den Engländern, Amerikanern oder Franzosen, sie flohen vor dem Nationalsozialismus und dem Faschismus. Diese Tatsache wird heute - wonl - niemand mehr in Abrede stellen wollen. Schon aus diesem Grunde ergibt sich das Sympathieverhältnis der -Schweizer zu'diesen Menschen. Wer will es ihnen, daher verübeln, daß sie Begebenheiten, die ihr kleines "Land erschütterten, zum Filmthema machten. Der*Film entstand' im Jahre 4944, also zu .einer Zeit, da in Deutschland noch der politische Mord raste und immer mehr Menschen die Schweiz als ein ersehntes Ziel betrachteten. Er vermeidet bewußt jede Auseinandersetzung . mit dem Nationalsozialismus, schon um nicht in den Geruch eines Hqtzfilmes zu kommen, sondern beschränkt sein Thema lediglich auf. das Erleben der Flüchtlinge. Die Schweiz war vom Kriege umschlossen, und es ist daher kein Wunder, daß zwangsläufig der deutsche Soldat mit der Handlung in Berührung kommt. Er ist wahrhaftig doch nur schemenhaft angedeutet worden, da er aber als stillgehorchender Vertreter der freiheitvemichtenden Macht in Erscheinung tritt, lag kein Grund vor, auf seine Gedanken'. und Empfindungen einzugehen. Daß er gedacht und gefühlt hat, konnte er lm Kriege der Schweiz gegenüber nicht beweisen. Jetzt aber, nach dem Kriege, hat er und das deutsche Volk.. Gelegenheit, diesen Gefühlen und Gedanken Ausdruck zu verleihen. ' Hier sind einige Beispiele der. Ausbrüche, die wir, ’besonders von jugendlicher Seite, „ während der Vorstellung vernehmen konnten, Stellen des Films, die stark mißfielen:. 1. t)ie deutschen Soldaten trugen Stahlhelme während "des. Skilaufens in den Bergen. (Die Schweizer haben sich nicht an die deutsche Heeresdienstvorschrift gehalten). 2. Die Stahlhelme waren Modelle aus. dem Kriege 1914—*1918. (Die Schweizer haben' zu wenig praktische.. Erfahrung mit militärischen Kopfbedeckungen). s 3. Die Kragenspiegel waren -nicht. deutlich zu erkennen. (Man hätte eben »unbedingt einige deutsche. Unteroffiziere als militärische Berater hinzuziehen müssen). 4. Ein deutscher Soldat hält. ein. MG. auf dem Arm und schießt. (Weshalb hat er keine Maschinenpistole' genommen?)' Ist diese Bilanz der Kritik nicht, erschütternd, angesichts des Themas, das von Vielen als übertrieben bezeichnet wurde, in -Wirklichkeit aber stark untertrieben war? Die' Darstellung der deutschen Soldaten sei beleidigend. Was war beleidigend?' Etwa, daß die’Deutschen den fliehenden Engländern nachschossen? (Das ist Kriegsrecht.) .daß sie bei .der Verladung eines Transportes von Deportierten nach Deutschland als Wachmannschaften benutzt wurden?, (Befehl ist Befehl! Wirhaben mit eigenen Augen gesehen, wie deutsche Landesschützen — ältere Männer und Familienväter — in einem oberschlesischen Industrie werk.., den Einünd Ausmarsch von KZ-Häftlingen — Kinder von 10 Jahren waren dabei — bewachten.) .; 7 daß der katholische Priester für Seine Zusammenarbeit , mit den Partisanen erschossen wurde?, ‘ ■ ' (ebenfalls Kriegsrecht.) 'daß das Partisanendorf abgebrannt und die männlichen Bewohner erschossen wurden?-, Silver Lake Success (DPD/Reuter.) Rabbi Silver nahm an einem besonderen Tische Platz, als die Sitzung des politischen Ausschusses der PaläStina-Spndertagung am: Donnerstag eröffnet wurde. Zu Beginn seiner Rede führte er aus, er hoffe, daß David Ben Gurion, der Vorsitzende des Exekutiyrates. der Jewish Agency, noch: Gelegenheit haben werde, vor diesem Ausschuß zu sprechen. „Die Verwaltung Palästinas“,, betonte Silver, „ist seit Kriegsausbruch von der Mandatsmacht so gehändhabt worden,' als „ob sie die Souveränitätsrechte besäße. In "Wirklichkeit ist sie jedoch lediglich damit beauftragt, als Treuhänder Mandatsbefugnisse auszuüben.“ Die britische Regierung habe in der Balfour-Erklärung der Bevölkerung versprochen, ihr eine nationale* Heimstätte in Palästina zu schaffen. Diesem Versprechen sei die Mandatsregierung jedoch nicht nachgekommen., <■ „Wenn wir von einem jüdischen'Staate sprechen“, erklärte Silver, „schwebt uns nicht ein Staat auf rassischer oder religiöser Grundlage vor, sondern ein. Staat, in derb alle Bürger ohne'Rücksicht auf Religion und Rasse gleiche Rechte haben.“, Silver schlug danri vor, daß die britische Regierung dem Untersuchungsausschuß Bericht über; ihre Verwaltungstätigkeit in Palästina erstatten solle und nicht erst, wie ursprünglich geplant, der Vollversammlung der UN. Ferner empfahl er, daß der Untersuchungsausschußsich ■ in Palästina an Ort und Stelle davon überzeugen solle, wie Stark die Jüden an der Entwicklung des Landes beteiligt seien. Der Ausschuß' solle außerdem die Gründe für „die ■ tragischen Unruhen und Gewalttätigkeiten - im Heiligen Lande“ untersuchen, aü'ch müsse er feststellen, warum einige Mitglieder der jüdischen Bevölkerung in Palästina zu beklagenswerten Zwangsmaßnahmen. getrieben worden seien. Schließlich forderte Silver den Untersuchungsausschuß äuf, naehzuforschen, weshalb Schiffe mit jüdischen Flüchtlingen, die der nationalsozialistischen . Verfolgung in Europa entronnen seien, von der Mandatsregierung an der Landung in Palästina gehindert worden seien. „Wir wollen das britische Volk weder kritisieren hoch verurteilen“, ' sagte Silver. * „Wir haben mit ihm keinen Streit, sondern haben für dieses Volk mit seinem großen Beitrag zur demokratischen Zivilisation die höchste Bewunderung. Wir werden niemals vergessen, daß Großbritannien das erste Land war, . das die nationalen Bestrebungen des jüdischen Volkes anerkannte. Wir verurteilen nur die schlechte und ungerechtfertigte Politik, die im Widerspruch zu der Weitsicht britischer Staatsmänner in früheren Jahren steht und die geeignet ist, deren Ziele zu vereiteln.“ Die Mitglieder des Untersuchungsausschusses sollten auch die Lagern der Zwangsverschleppten besuchen, forderte Silver;' Dort lebten die Menschen im Elend.; Ihr Gemütszustand verschlimmere sich' täglich. Fast alle wünschten, in die jüdische nationale Heimstätte zu gelangen. Eine sofortige Erleichterung der Einwanderüngsbeschränkungen werde nicht’ nur diesen Zwangsverschleppten helfen, sondern auch die gegenwärtigen bedrohlichen Spannungen in Palästina verringern. : Zum Schluß seiner Rede bekräftigte Silver den Glauben des jüdischen Volkes an die Ver- .qinten Nationen. Er schloß mit. den Worten: „Wir haben unseren Glauben an die Souveränität und den endgültigen Triumph der großen moralischen Prinzipien niemals verloren. Das jüdische Volk brachte die größten Opfer für den gemeinsamen Sieg, Wir hoffen, daß es' bald in der edlen Gemeinschaft der Vereinten Nationen willkommen geheißen wird.“ . In. seiner Erwiderung auf den Vorschlag Drivers, Großbritannien möge hoch Vor der Vollversammlung über seine Verwaltung Palästinas Bericht erstatten, sagte der britische Vertreter Sir Alexander Cadogan; „Wenn diese Tagung die Einsetzung eines besonderen Untersuchungsausschusses beschließt, dann wird meine ■ Regierung bereit sein, ihm gegenüber über ihre Tätigkeit als Maadatsmacht Rechenschaft abzugeben.“ - Sam Lievendag (1940): MUTTER Mütter, wie könnt ihr‘s ertragen — — Seid Ihr höhere Wesen? ■ An grauen Schicksalstageh kahp man in Euren Afl^en lesen soviel Güte, Innigkeit — . \ , ' Ihr tragt wohl ein Gotteskleid, -r* — ERSCHÜTTERT BEUGEN WIR TINS. - „Mütter, seid Ihr von Fleisch, und Blüt? 4 Wenn die Weite flammt.in lohender Glut, die WeR durchtobt vom Schlechten und Bösen kann man in Euren Augen lesen —. ■ nur Liebe und sorgendes Mitgefühl — — ein Engel der vom Himmel fiel, WIR KÜSSEN SCHLUCHZEND DEN STAUB VOR EUGH Mütter, wie könnt Ihr‘s ertragen - Ihr seid nur Liebe —- und leidet doch, ,. - uns will es fast erschlagen — ~ und Ihr steht wie ein Felsen hoch,* ertragt den Schmerz und Höhn und Spott, und hebt den Blick für uns zu Gott. — — WIR WEINEN. AN EUREN HERZEN. , r Sam Lievendag 1940* (wiederum Kriegsrecht! Denkt an Lidice, denkt an . Oradoure-sur-Glane, T die , Geiselerschießungen und den Warschauer Aufstand), daß den Flüchtlingen bei dem illegalen Grenzübertritt nachgeschossen wurde? (das ist üblich!) ' . Zusammengenommen 'also sind die deutschen Soldaten nur als nicht1 selbstverantwortliche Exekutivorgane gezeigt Worden bei Handlungen, die trotz grausamen Charakters im Rahmen der kriegerischen Maßnahmen lägen, bzw. bei denen es füb ■ den einfachen Mann nach deutscher Dienstauffassung kpine Befehlsverweigerung geben konnte. Aber diese Dinge waren für den Großteil des Publikums Hauptinhalt, und er übersah voll-? kommen den Schlußgedanken, der- „letzten Chance“, nämlich, daß der Krieg ' nicht der Vater aller Dinge,, sondern der. Zerstörer aller Werte und .der Hinderer aller Bestrebungen in . der Entwicklung der Menschheit ist. Dieser Film war ein Versuch, ein sehr* vorsichtiger Versuch, die Stimmung des deutschen Volkes zwei v Jahre nach Kriegsende zu ergründen, und das Ergebnis ist blamabel. Nicht nur blamabel für diejenigen, die den Film nicht verstanden haben oder nicht verstehen wollten, blamabel auch für diejenigen, die ihn verstanden haben und nicht in Wort und Schrift jeden Versuch unternahmen, um die falsch er- und empfundene Tendenz zu beseitigen, , ‘ v ■ . i, Wir denken dabei besonders an die deutsche y Presse, die in erster Linie dazu berufen i«fc- Aber. wir Wundem uns nicht darüber. Dei^ solange die deutsche Presse und besonders die Presse in der britischen Zone kommentarlose Meldungen über .Schändungen, an Grabsteinen von Opfern des Nationalsozialismus, einen Bombenanschlag auf eine KZ-Betreuungsstelle usw. wiedergibt, d. h. Solange sie nicht jede Zeile ihrer Zeitungen paützt, um erzieherisch 'auf den* deutschen Menschen zu wirken, wird sich dieser Zustand nicht andern. , Die von uns vorhin zitierte Einsendung war am 30. 4. .1947 in einer* sozialdemokratischen Zeitung* des Rheinlandes zu lesen. Die de- < mokratische Pressefreiheit enthebt eine Redaktion nicht der Verantwortung, Einsendungen der Leser gründlich zu prüfen. Den Schreiber der Einsendung trifft keine Schuld, seine "Auffassung ist zu entkräften. Er braucht; niemals Nationalsozialist gewesen zu sein, trotzdem strotzen seine Zeilen von nationalsozialistischer Ideologie.' Es ist Aufgabe der betreffenden Redaktion, diese Ideologie auszumerzen, soweit es in ihrer Macht steht und nicht noch, trotz Papiermangels, diesen Un-; sinn zu »fördern, indem sie ohne*Kommentar . eine’* ' Lesereinsertdung übernimmt undals öffentliche Meinung in die Welt setzt. Dafür erachtet es die gleiche Zeitung für wichtig, aus dem riesigen Schwarzmarkt-Deutschland ausgerechnet, ein jüdisches D. P.-Lager als Objekt unter die Lupe der Reportage zu nehmen.’ Sollte hier ein Webfehler in der Redaktion vorliegen? Aber das nur am Rande. Als ehemalige Diskreditierte ist es nicht unsere , Aufgabe',; das; deutsche Volk aufzuklären, sondern wir können heute erwarten, daß in den deutschen Redaktionen .auch Mitarbeiter sitzen, die im Dritten Reich nicht verfolgt wurden und trotzdem in der Lage sind, in dieser Art zu den Geschehnissen Stellung zu nehmen. . Wir besuchten studienhalber den alten Pat- und Pataehon-Film „Mädch'enräuber“. Dieser. lief gleichzeitig mit. der1 „letzten Chance“ in derselben Stadt. , . * ' - Das Publikum war begeistert, raste vor Ver-, gnügen. und ging — so traurig es ist — glücklich heim. Die Hohlheit^ der Handlung störte nicht, die plumpen Witze dieses billigen Films entfachten Jubelstürme, kurzum, -man kam aut seine Kosten. „Ja,, das war noch ein Film aus der guten Zeit! Da ging ,' man ins ' Kino wie zum Friseur, wurde,regelrecht, bedient, die , Handlung5 war nicht anstrengend und was das Schönste war, man brauchte nicht zu v denken! Vor '.allen Dingen, die deutsche Filmproduktion stellte die Soldaten immer echt dar8. An den Uniformen war nie ein Fehlet. Man denke doch nur an den unvergeßlichen Ohm- Krüger-Film oder an den „Fuchs von Glenarm“,.. Das war richtig, schön und .wahr. Aber „Die letzte Chance“, nein, - das ist kein , , Film für uns, das ist Hetze“. Wir. wissen, daß das deutsche. Volk viele Chancen verpaßt hat und noch verpassen wird. Werden einmal die Kräfte. ln Deutsch-, land vorhanden sein, die es am Verpassender letzten Chance hindern können? '<

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