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Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone · 1947-05-28 · 4 (28.5.1947) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
Volume
2 (1947/48)
Issue
4 (28.5.1947)
Date
1947-05-28
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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EINZELPREIS 40 PFENNIG In dieser Aas Rabe; Bildbericht zum letzten mal Hinter stacneidratit? A N % E I G E N P REIS B I Famillenrateigeä: Die einspaltige Petitzeile 3.50 RM Reklame: « Die einspaltige Petitzeile 8.00 RM Juchanzeigen: ' Die einspaltige Petitzeile 2.00 RM ZJeber Weisungen auf Postscheckkonto Essen 680'$0 JÜDISCHE POLITIK / KULTUR FRAGEN DER WIEDERGUTMACHUNG STIMMEN DER LESER AUS DEM JÜDISCHEN LEBEN NEUES AUS DER JÜDISCHEN WELT WAS DIE PRESSE SAGT Abonnement (per Kreuzband): Deutschland: J/a Jatr , 3.50RM. i/, Jahr €.50 RM, 1 ]ahr 12.80 RM; Ausland: (alle Länder) 1U )ahr 4.40 RM, */s!ahr8.60 RM, 1 Jahr 1T.00RM /-Erscheint 14tägig mittwochs. Sonderbeilage in Wiedergutmachungsfragen nach Erforderlichkeit. GESCHÄFTSSTELLE DES JÜDISCHEN GEMEIN DE BLATTES, REDAKTION UND EXPEDITION: DÜSSELDORFeBENRATH, FRIEDHOFSTRASSE 23-25. FERNSPRECHER Nr. 711151 NUMMER 4 28. M A I 1947 2. JAHRGANG CARLE BACH: ALEXANDER Schawuoth, das Wochenfest, folgt sieben Woeben, sieben mal sieben Tage, auf das Eessachfest. Dem Fest der Befreiung schließt sich das- Fest der Lehre und der Gesetzgebung an. Vom zweiten Tage des Pessachfestes bis zum Vorabend des, Wochenfestes zählt der Jude, zählt Tage und Wochen, Omerzählen Wif<Js genannt, bis sich im Feste der Thora der Sinn des Freiner -und Blitz offenbarte* daß sie seine Stimme vernahmen, die sie lehrte, das - Grundgesetz der Menschheit. Zitternd standen sie da in ihren Tausenden und Abertausenden, kaum ertragend und erfassend die Majestät der 'Stunde; Warum aber ward gerade Israel-erkoren; die große Gabe zu empfangen? Warum Ward ihnen die Thora, das Gesetz, und nicht den _ mmmmm 'i'ifmUWf&wil - - *. .fl ■ I* e&y Wf&i&ffffififUfttrfffUfi/iJ «i i*}, ' ’Ksrj&frj-lJfiniMf, - * / « WSm L * 'gimtszm fcfy »vä'-.-i n r&, ‘»Wit*. * / Jt - k fr : I - - Jft /fgtf.y-gjjfrf'gf. ff/? v- .fjj ii-f*fr'frWftr/D1r*]t/rt. . t ~ * /- t i«; aV-v THORAROLLEN AUS DEN JAHREN 1643 UND 1700 : -(fBÜHEB IM BESITZ DER.SYNAOOCE VON WORMS) B EM ERK E NS WERTES Josef Rosensaft erzählte uns vqn seinen Eindrücken, die er in der Tschechoslowakei gewonnen hatte. ,Er berichtete Von seiner 5 Unterhaltung mit dem Außenminister Masaryk, dem Sohn eines der bedeutendsten Demokraten dieses Jahrhunderts, dem Menschen, der das Verständnis, das er für unsere Sache hat, seit der Befreiung immer wieder unter Beweis gestellt hat. Besonders' bemerkenswert aber war die Mitteilung über Theresienstadt. Die tschechoslowakische Regierung hat Theresienstadt so gelassen, Wie es sich nach der Befreiung befand. Alles steht auf seinem Platz, alles unberührt. Die riesigen, großen Häuserblocks, . und die vielen Baracken sind leer, unbewohnt, trotz der großen Wohnungsnot, die auch in der Tschechoslowakei! herrscht Drei Stunden kann man durch das Lager gehen und in diesen drei Stunden wird man immer und überall daran erinnert, daß hier einmal ein großes, das größte Konzentrationslager der Nationalsozialisten war. Die Galgen stehen noch, Marterinstrumente sind unberührt vorhanden. Jeder kann sehen, mit welchen Mitteln unsere jüdischen, Menschen hier gemartert worden sind. Das Lager wird bewacht von tschechischem Militär, aber jeder hat Zugang, jeder, kann sich davon, überzeugen, daß das, was berichtet wurde, wahr ist Jeder hat Gelegenheit, Bestätigungen für die größten Verbrecher). aller Zeiten hier in Augenschein zu nehmen. Dieses Mahnmal steht und es wird stehen bleiben. [ ' V * *■'**’ ■ In Essen wurde vor kurzer Zeit ein Gedenkstein für unsere Toten enthüllt. Es sollten auch die Geistlichen der anderen Kirchen sprechen. Keiner hat das Wort ergriffen, im letzten Moment sagten sie ah. Die Gründe hierzu, so sagten sie, seien die, daß sie Angst hätten, denn da hat sich vor kurzer Zeit in Kettwig folgendes ereignet: Ein städtischer Beamter hat den vor kurzem wegen Kriegs verbrechen zum Tode verurteilten SS-Offkier Dr. Isselhorst festnehmen lassen. Dieser Beamte erhältnun von allen Seiten Drohbriefe. Er wagt sich kaum auf die Straße und ist mit seinen Nerven vollkommen am-Ende. ' ff ■ An der Kirche waren am Sonntag Zettel mit Drohungen geklebt und das yeranlaßte die Geistlichen,,von ihren Ansprachen Abstand zü nehmen., Das ist, so glauben wir, bemerkenswert, sehr bemerkenswert... - Wir haben in .unserer Ausgabe vom 30. 4. in Unserem . Leitartikel davon gesprochen, daß ein maßgeblicher deutscher Parteiführer unsere Sache ignorierte. Wir haben, so glauben wir, noch einige Anhaltspunkte mehr angeführt, in denen wir das unter Beweis stellten. Dieser Parteiführer .reagierte. Er teilte uns mit, daß er unseren Brief, in dem wir ihm Kenntnis von unserem einjährigen Bestehen gaben, zu spät erhalten habe. Wir wissen, daß die Post noch schlecht arbeitet. Die Briefe an seine Parteifreunde sind abep auch, so scheint es, alle zu spät eingetroffen, denn aüch sie haben nicht geantwortet. (Das verspätete Eintreffen hatte an einer Beantwortung übrigens nicht hindern dürfen.) Derselbe Pareiführer teilt uns mit, daß er zu einem Interview nicht auf gef ordert wurde. Möglich, daß diese Aufforderung, wie auch die anderen erwähnten Briefe, in den Vorzimmern hängen geblieben ist. Die; Vorzimmer spielen ja bekanntlich überall eine große Rolle. Und sie scheinen auch eine Rolle zü spielen bei den Oberfinanzpräsidenten der britischen Zone, an die wir in unserer Ausgabe vom 30. -4. einen Offenen Brief gesandt haben,1 Es müßte denn sein, daß die Antworten noch unterwegs sind und durch das * schlechte Funktionieren der Post so lange - ausbleiben. Oder sollte es döch so sein, wie recht häufig vermutet wird, daß nämlich das-Eintreten für heitsfestes erfüllt. „Lehre uns unsere Tage zählen, daß ein Herz der Weisheit wir -erhalten“, sagt der Psalmist. Wie das Pessachfest, so idt auch. Schawuoth 'ein Fest der Ernte, das Fest der Erstlingsfrüchte, an dem der Landmann Gott für Hoden und BodenfrucHt das. Dankesopfer darbringt Und noch heute schmücken wir für den Tag unsere Gotteshäuser mit. Blumen und. frischem Grün und tragen „den Geruch des Ackers, den Gott gesegnet“, mit Uns trotz tausendjähriger Verbannung vom heimatlichen Boden. Und doch überwiegt die historische, geistig-religiöse Bedeutung unseres Festes als des Tages, an dem Gott sich, seine Lehre und sein Gesetz . seinem Volke offenbarte. Und so nennen wii/ es im, Gebete: das Fest der'Gesetzgebung. Im 19. Kapitel des 2. Buches Moses können wir es nachfesen, wie Israel am Fuße des Gottesberges lagerte, wie Moses den Berg ersteigt und die Botschaft, ati sein Volk erhält: „Ihr aber sollt mir sein ein Reich _ von Priestern, ein heiliges Volk!“ Dazu waren sie aus der ägyptischen Knechtschaft befreit worden, das . war der $inn -des Weges,' den sie nunmehr durch die Geschichte anzutreten - hatten. Deswegen wurden sie, wurde Israel der Gnade teilhaftig', daß1 Gott sich ihnen in Feuer und Beben, in Donunsere Sache große zahlenmäßige Nachteile' für Parteien haben könnte? Die -betreffende Partei würde, so glaubt man, ah Größe verlieren — und' das ist auch bemerkenswert, ganz besonders bemerkenswert ... - * * * Bemerkenswert, vielleicht am bemerkenswertesten sind die systematischen Schändungen jüdischer Friedhöfe und Ausschreitungen gegen Juden. Sie sind! es deshalb, weil sie, wie man das beobachten kann, örg-anisert sind. Es taucht die Frage auf, ob es sich hier nun tatsächlich um antisemitische . Erscheinungen handelt oder ob es nach bekanntem , Muster, nichts anderes darstellt, als eine Machtprobe, um zü prüfen und festzustellen, wie stark die Militärregierung heute ist, und wie sie darauf reagiert.' Diese Methode ist uns aus den zwanziger Jahren bekannt. Sie war damals bemerkenswert, wurde aber nicht bemerkt, um so bemerkenswerter -rso scheint uns — ist sie heute. . . .x. ahdereh? War es Willkür und Günstlingswirtschaft? Nein, so sagen die jüdischen Weisen, als Gott der Welt die Thora geben wollte, dp Pot er sie vielen Völkern'an. Die aber nahmen sie nicht, äh. Dem einen war das Gebot „Morde nicht!“ nicht genehm, der andere wollte , vom „Ehebreche' nicht!“ nichts wissen, und einem dritten widersprach das „Stehle nicht!“: dem Volkscharäkter..und seinen lebenswichtigen Interessen. Ja, _ die Thora wollte nicht nur gegeben. sein, sie mußte auch mit Liebe und Begeisterung empfangen, verpflichtend aufgenommen werden. Nicht, als ob nicht auch in Israel sich der Instinkt der Zügel- und Gesetzlosigkeit gerührt hätte. Wie ein Faß, so sagen .die " Weisen im Talmud, wurde der Berg über sie gestülpt. „Wenn Ihr die Thora annehmt, gut, wenn nicht — so ist vhier Euer Grab.“ Dem eisernen Zwang des Moments, dem inneren Gesetz , der. historischen Stunde mußte Israel sich beugen. Gezwungen und doch frei ertönte das historische „Wir tuns und wir gehorchen“ unbedingt und bewußt der Größe des Augenblicks. Hier hat Israel sich .selbst erwählt zum Volke Gottes, zum Pionier der Wahrheit,, des Rechts'und der Menschlichkeit. Von jener Stunde an wurde es gemessen mit dem Maßstab der Erfüllung oder Nichterfüllung des Versprechens jenes. Tages. Mit dem- Glauben an deri Gott der Sehppfung verbinden wir‘Juden den Glauben an> den Gott der Offenbarung. Den klassischen Ausdruck für diese, doppelte Erkenntnis bietet uns Psalm 19: „Die Himmel verkünden den Ruhm Gottes“, und dann: „Die Lehre des. Ewigen ist vollkommen erst vollendet, wenn der Mensch in ihr sein Gesetz, R.eligions- und Sittengesetz hat. Gott, so sagen die Weisen, efschuf die. Welt bedingungsweise: Nimmt Israel die Thora an, so bleibe die Welt bestehen, wenn nicht .— dann kehrt sie ins Chaos zurück. Wir, die wir. im atomischen Zeitalter leben, können die Wahrheit und dieJ Tiefe dieses Ausspruchs erst recht ermessen. Ohne den Glauben, absoluten Glauben an den Gott der Schöpf ung und der Geschichte, an die Freiheit und Unantastbarkeit der menschlichen Persönlichkeit, wie sie im Sabbathgesetz zum Ausdruck kommt, Ohne den Glauben an die Heiligkeit des Familienlebens — Ehre Vater und Mutter — ohne Respekt für die großen j;Du sollst nicht“ der zweiten Gesetzestafel: Morde nicht! Stehle" nicht! Lüge nicht! Begehre nicht des Nächsten : Gut! muß unsere Welt ihrem Untergang,, ihrer Selbstzerstörung entgegen gehen. Es war diese Erkenntnis, dieser moralische Selbsterhaltungstrieb, der am Sinai Israel zwang das Gottesgesetz unbedingt zu ’ akzeptieren. Die Welt lebt fort, weil und soweit: wir und die , Menschlichkeit diesem Gesetz folgen. Zum Ende des Krieges erschien in England ein Buch mit dem Titel „Die 10 Gebote“. Es enthielt zehn Geschichten, jede von einem bekannten europäischen -Schriftsteller geschrier, ben. Und jede Geschichte illustrierte, wie das Nazitum jedes-einzelne der zehn Gebote verneinte und -verletzte.. Der Sieg des Frühjahrs 1945, die , vollständige Niederlage Nazi-Deutschlands, war ein Sieg der zehn Gebote über jene Kräfte, -die die Welt in ihr ursprüngliches rChaos zurückstür-zen wollten, der Sieg des Lichts üher die Finsternis," des Lebens; über den Tod, der Freiheit über die Knechtschaft, Ja, wieder ist die Freiheit zu uns gekommen, Wieder ist eine ägyptische Knechtschaft gebrochen' worden.' Und wieder sollten . wir , uns rüsten, Gottes1 Offenbarung zu vernehmen, seine Lehre und sein. Gesetz auf uns zu nehmen, und um unser selbst Willen und der Welt zuliebe unseren, Nacken seinem Willen zü beugen. Unsere Generation, der Sklaverei entronnen, muß .wieder geeint, gläubig und gehorsam am Fuße des Sinais stehen und ihr „Wir tuns und gehorchen“ sprechen — und erfüllen. Als Israel aus Aegyp.ten zog, so .sagen unsere Lehrer, hätten sie" die Thora sofort erhalten können. Gott aber sprach: *„Noch ist der Augen-* blick nicht gekommen. Gerade erst sind sie aus der Knechtschaft, ihrem Leiden und ihrer Erniedrigung entkommen. Laß ihnen Zeit, damit sie .sich stärken und erholen,'laß sie erst ihren Stolz und Menschenwürde wieder gewinnen —■ dann gebe ich ihnen die Thora“. Mehr als sieben Wochen sind vergangen, seitdem Euch, meine Brüder und Schwestern in Deutschland, die Stunde der Befreiung geschlagen hat. Zwei Jahre ist es nun her. Die Zeit für Lehre und Gesetz ist gekommen. .. Was immer auch die Welt um uns herum tun und' lassen möge, wir dürfen uns dem Zwang der Stunde, der großen jahrtaüsend alten Aufgabe unseres Volkes nicht entziehen: zu seih „ein Reich von Priestern, - ein heiliges Volk.“ Die große, .alles umfassende, alles verstehende, alles erklärende Lehre Gottes, Erbgut ungezählter jüdischer Generationen, auf gebaut auf dem Fundament der zehn Gebote, wartet auf uns, Wartet an diesem Schawuoth, wie , am ersten, von uns .empfangen, - beschwören und erfüllt zu werden. Die Zeit «streif, die Stunde ist nah, sie ^duldet keinen Aufschub mehr. Unser Schicksal, und das der Welt hängt , von unserer Entscheidung' ab. " ' „Es gibt keinen Antisemitismus mehr in Deutschland" Memmingen/ Auf dem hiesigen jüdischen Friedhof wurden sechzig Grabsteine zerstört. Die Landespolizei gibt hierzu die Erklärung äbi, daß die Zerstörung von 5—7jährigen Kin-r dem aus^Zerstörungswut 'durchgeführt worden sei. ■ ' ' ' * * r Wuppertal. In der Nacht vom 15. zum 16. Mai "würde in dem Geschäftslokal von Paul Rosenthal, Wuppertal-Barmen, Höhnestraße 37, bereits zum' zweitenmal durch mehrere Steinwürfe eihe Fensterscheibe zertrümmert. , Wie wirberichteten, würde seinerzeit auch das Ladenlokal Rosenthals mit Hakenkreuzen beschmiert und die Aufschrift angebracht: „Die Juden sind unser Unglück“. + München: Wie Wir seinerzeit mitteilten, wurden die Synagogenschänder in Burgkunstadt' Borns.chlegel, Kerling, Dr. Kolb und Dr. Feuersinger in der ersten . Verhandlung zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Auf Veranlassung des Staatskommissariats für rassisch und politisch Verfolgte ix) München, legte der Staatanwalt gegen dieses, Urteil Berufung ein. Die Staatsanwaltschaft Cöburg teilt unter dem 9. April mit, daß die Genannten in der Berufangs- Hauptverhandlung vor der. Strafkammer des L.G. Coburg am 3. 4. 1947antragsgemäß Wegen _ gemeinschädlicher Sachbeschädigung in Tateinheit mit Verübung beschimpfenden Unfugs in einer Kirche (§.§ 304, 166, 73 StGB.) je zu, einer. Gefängnisstrafe von. 1)4 Jahren ver-, urteilt wurden. '

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