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Central-Verein-Zeitung · 1936-06-25 · 26 (25.6.1936) · p. [Seite]

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
15 (1936) - farbig
Issue
26 (25.6.1936)
Date
1936-06-25
Page
[Seite] (sequence 14)
Language
German
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Südafrikanische Impressionen (III) Johannesburg, Ende Mai 1936. Der Nerz einer Fahrt nach Benoni, einer «anderen Mittelstadt in etwa drei Viertel Autostunden Entfernung von Johannesburg, liegt dagegen weniger im landschaftlichen wenn schon auch Benoni mit Recht aus seine neugepslanzte Palmenallee (in 1700 Meter Höhe!) und einen veritablen See stolz ist. Was uns hier am stärksten interessiert, sind die Goldminen, deren ausgeschüttete Sand- und Steinhaufen der Gegend den Stempel des Industriegebietes geben und die unendlich charakteristisch für die Silhouette von Johannesburg sind. Sie sind zwar auch die Quelle eines ungemütlichen Sandwindes, geben aber der Stadt, besonders zur Zeit des Sonnenunterganges, einen farbig und plastisch gleich reizvollen Hintergrund, vor dem die Hochhäuser dann wie eine Fata Morgana stehen. Aber die Südafrikaner interessiert bei 'allem Stolz auf die Schönheit ihrer Stadt die Rentabilität. der Gruben stärker und uns in diesem Augenblick die Arbeit, die sie Hunderttausenden von Menschen geben. Die Mine von Rhn, deren Besichtigung uns die Albusche Verwaltung in liebenswürdiger Weise gestattete, liegt wenige Kilometer hinter Benoni. Bis zu 2000 Fuß Tiefe gehen ihre Stollen in den felsigen Grund, in 500 Fuß Tiefe beobachten wir den Abbau des Gesteins, das die Goldader in mikroskopischer Feinheit enthält, erschrecken wir vor dem gigantischen Verbrauch an menschlicher Kraft, die trotz aller Technik notwendig ist, um einen Stofs zu gewinnen, dessen Wert, wie ein großer Nationalökonom einmal gesagt hat, lediglich im Symbol besteht. Und eine symbolische Handlung ist für uns eigentlich auch der dann folgende Gang durch die Laboratorien, in denen die Steine durch gewaltige Hämmer Zerkleinert, der Sand ausgewaschen und durch chemische Zutaten das Gold ausgeschieden wird — denn was wir schließlich sehen, ist nur eine schwarze Lake - der eigentliche Schmelzprozeß findet nicht täglich statt — und war natürlich gerade am Tage vorher erledigt ... Aber wir nahmen die Gewißheit mit, daß auch in solchen Minen — unter und über der Erde — bereits einige 20 Juden aus Deutschland Anstellung gefunden haben. Die schwerste Arbeit machen zwar die Schwarzen, aber auch das Tageswerk der weißen Aussetzer und Miner, die die Sprengungen und Bohrungen anzuordnen und zu überwachen haben und dergleichen mehr, ist noch sehr hart. Vor der Anstellung wird jeder Bewerber vom Grubenarzt mehrfach untersucht, und wenn er keine Anlage zur Tuberkulose hat, bekommt er das sogenannte rote Tiket, die wichtigste Voraussetzung für die Anstellung. Alles andere lernt er an Ort und Stelle; er hat dann gewisse Aufstiegsmöglichkeiten bei guter Bezahlung und mit Anspruch aus Pension im Falle der Erkrankung. VII. Ein kurzes Wort noch zur Frage der Landwirtschaft, d. h. des Farmens. Es gibt eine verhältnismäßig große Zahl jüdischer Farmer im Lande, und es ist auch kürzlich gelegentlich der Versuch einer Farmbewirtschastung mit Juden aus Deutschland gemacht worden. Er ist gescheitert. Dieser mißglückte Versuch wird einem hier häufig als Beweis für die Unmöglichkeit entgegengehalten, hier mit Juden aus Deutschland zu farmen. Aber schuld waren zweifellos die Auswahl gänzlich ungeschulter Menschen, der Mangel an Instruktion und andere vermeidbare Gründe. Tatsache ist aber, daß das Farmen in Südafrika überhaupt eine problematische Sache ist. Die Landwirtschaft ist weitgehend zuschußbedürftig, die Regierung hat erst im letzten Jahr 7 Millionen Pfund an Farmer gegeben. Das Land ist zum großen Teil trocken, man versucht jetzt überall, durch Staudämme die Bewässerung zu regulieren. Die Viehwirtschast ist vielfach mehr Viehhandel als Viehzucht, und jede Viehzucht setzt eine Gemischtwirtschast voraus, damit der Farmer die Nahrung für das Vieh selbst produzieren kann. Bei der riesenhaften Ausdehnung des Landes und seinen völlig verschiedenartigen klimatischen und Bodenverhältnissen lassen sich allgemeingültige Regeln überhaupt nicht ausstellen. Die Schwarzen-Frage, auch hier gibt es Arbeitsreservate, das Fehlen aller landwirtschaftlichen Maschinen — wenn man sie einsührt, hat man noch nicht die Ersatzteile — erschweren das Problem. Aber trotzdem sollte unter Zusammenarbeit der wirklich sachverständigen Kreise zunächst einmal der Versuch einer Lehrsarm gemacht werden. Sie stehen solchem Versuch, wie ich bei einer Unterhaltung mit dem südafrikanischen „Mais- König" seststellen konnte, nicht durchaus ablehnend gegenüber. Fest steht das eine: Zum Farmen in Südafrika gehört sehr viel Geld, denn nur die großen Betriebe können rentabel sein. Kleinsiedlungen im europäischen \ Stil kommen zumindest vorläufig gar nicht in Frage. Tn, VIII. wii Will man das kulturelle und gesellschast- { liche Leben in den südafrikanischen Städten Von Dr. Margarete Edelheim verstehen, so muß man sich wieder die geographische Lage der Union und ihre geringe Bevölkerungsdichte vor Augen führen. Südafrika liegt doch nun einmal — man sehe sich einmal die Landkarte an — fast am untersten Zipfel der Erde. Und wenn auch die italienischen Dampfer mit ihrem Schnelligkeitsrekord die Entfernung von Marseille nach Kapstadt aus vierzehn Tage hinuntergedrückt haben, hin und zurück nach Europa sind es nun eben zweimal vierzehn, gleich achtundzwanzig Tage. Und welche Konzertkünstlevoder Theatertruppe soll diesen Zeitaufwand allein für die Reise bis Kapstadt aus sich nehmen — ganz zu schweigen von den Kosten der Reise — und wenn man in Kapstadt ist, dauert es wieder mehrere Tage bis nach Johannesburg oder Durban oder East London oder Port Elizabeth. Noch dazu ist das Land nicht dicht besät mit Städten und Siedlungen, wie Europa oder Amerika; so kann es mit seinen verstreut lebenden knapp zwei Millionen Weißen weder aus eigener Kraft Oper oder Berufstheater halten, noch auf Gastspiele berühmter Truppen rechnen. Man ist aus ein Liebhabertheater und aus die Konzerte einheimischer Musiker angewiesen. Das Musikbedürfnis ist stark und es gibt so viele Berussmusiker, daß die Behörde die Einwanderung für Berufsmusiker sehr erschwert. Nur hin und wieder findet ein einzelner Konzertkünstler von Uebersee den Weg über das große Wasser, und solch ein Konzert ist dann ein großes gesellschaftliches Ereignis, zu dem man in großer Toilette erscheint, denn man will bei so seltenem Anlaß ja nicht nur hören, sondern auch sehen und gesehen werden. Ja, selbst bis ein Film den Weg in btefc§ Land findet, vergeht geraume Zeit. Die Produktion eigener Filme aber beschränkt sich vorläufig noch im wesentlichen auf die Aufnahme von Wochenschauen. Der hier erwähnte „Cecil-Nhodes"-Film allerdings ist Landesprodukt und zeichnet sich durch besonders interessante Ausnahmen eines Eingeborenenstammes aus. Ob die Filmproduktion, die hier von einer jüdischen Gesellschaft ausgenommen worden ist, aussichtsreich sein wird, ist mindestens zweifelhaft, denn es ist kaum anzunehmen, daß sie mit einer Welt- Produktion zu konkurrieren imstande sein wird, die sich einen großen Künstlerstab aus allen Weltteilen und vor allem aus dem eigenen dicht bevölkerten Lande zu beschaffen in der Lage ist. Im Radio kann man, wenn man nicht besonders scharfe Apparate hat, nur die südafrikanischen Sender hören, und auch in wissenschaftlichen oder schöngeistigen Vorträgen ist man auf autarke Produktion angewiesen. Wie stark dabei die Gefahr der geistigen Isolierung ist, wissen die Südafrikaner sehr gut; sie ermöglichen deshalb ihren Gelehrten alle paar Jahre, durch Zusammenlegung ihrer Urlaubsmonate in ein Jahr, monatelange Ferien nach Europa oder Amerika zur Vertiefung ihrer Studien und Forschungen. So ist das geistige Leben in den Universitäten durchaus auf der Höhe. Es wird auch in Form von populären Vorlesungen dem Publikum zugängig gemacht. Davon könnten natürlich auch die jungen Einwanderer profitieren, aber viele sind von dem ungewohnten Leben im fremden Klima und durch Arbeit bei dauerndem Gebrauch der fremden Sprache zunächst wohl zu angestrengt, um abends noch in allgemein wissenschaftliche Vorträge zu gehen. Auch haben sie ja zunächst mit der Erlernung der Sprache zu tun, für die die Hilfskomitees abendliche Kurse eingerichtet haben. Die neue Universität in Johannesburg liegt auf einem der vielen Hügel, über die die Stadt sich ausbreitet; zahlreiche einzelne Häuser enthalten die Hörsäle der verschiedenen Fakultäten; Sportplätze und ein herrliches Schwimmbad mit Ausblick über das weite Land zeigen auch an dieser Stätte geistiger Kultur, welch große Rolle das Training des Körpers hier spielt: M6NS 8ana in corpore sano. Die alte Universität war zwar nicht so schön; sie dient jetzt als technical college (einer Art Handelsschule), aber sie lag zentraler, und es kostete sicher weniger Fahrgeld zu ihr zu gelangen, ein Gesichtspunkt, der bei den Anfangsgehältern der Einwanderer eine nicht zu übersehende Rolle spielt. Auch die Universität in Kapstadt, die erst vor kurzem für fünf Millionen Pfund errichtet wurde, liegt in schönster Parklandschast etwas außerhalb der Stadt. Ueber ein spezifisch jüdisch-geistiges Leben, wie wir es etwa in den Lehrhäusern haben, konnte ich nichts erfahren. Das jüdische Vortragswesen liegt hier völlig in den Händen der Zionisten und beschränkt sich auf eine Palästina-Propaganda, deren Wirkung sich in erheblichen Spenden an die nationalen Fonds zeigt. Zwischen Männern und Frauen gilt absolute Gleichberechtigung in Berus und Studium, in den Hörsälen sieht man einen starken Prozentsatz von Studentinnen, und die Frauen arbeiten auch im politischen Leben der Kommunen und Provinzen, in den politischen Parteien und auch in den jüdischen Gremien interessiert mit. In solch politisches und sportliches Leben kann natürlich erst eine neue Generation hineinwachsen, die die Schule schon in Süd- Afrika besucht. Denn auch in sportlicher Beziehung ist die Schule hier die Vorstufe zur Hochschule. Die Schulen sind gebührenfrei, allerdings macht die Einkleidung der Kinder in die Schuluniform, die von Hemd und Strumpf bis zu Kleid oder Anzug und Mütze für jede Schule vorschriftsmäßig ist, nicht unerhebliche Kosten. Die Schulen gelten allgemein als ausgezeichnet. Jede Schule hat ihren Sportklub und natürlich ihren besonderen sportlichen Ehrgeiz, an dem auch die Kinder der Einwanderer schon lebhaften Anteil nehmen. Die sportliche Erziehung ersetzt hier wie in England den militärischen Drill. Und der Geist der Fairneß, dieses Nebenproduktes sportlicher Schulung, wirkt zugleich erfreulich aus die Charakterformung der jungen Menschen. In diesem fluß- und seearmen Lande ist man vorwiegend auf den trockenen Sport angewiesen. Bei den älteren Generationen nehmen Golf- und Rennplatz ein großes Interesse in Anspruch, neben Pferderennen hat man auch Hunderennen — unmittelbar neben dem großen modernen Johannesburger Bahnhof ist der Hunderennplatz mit großen Tribünen —, dabei ist allerdings das Wetten für bte meisten wichtiger als der Sport. Das Autofahren gehört nicht nur zum guten Ton, sondern ist, da man hier keinen so billigen Ausflüglerverkehr kennt wie in Europa und immer Niesenstrecken zurücklegen muß, fast eine Lebensnotwendigkeit. Außerdem müssen alle Geschäftsreisenden bei den schlechten und langwierigen Eisenbahnverbindungen ein Auto für ihre Geschäftsreisen haben. Einige Einwanderer haben gewissermaßen Hausiererhandel im Auto begonnen. Das Autofahren ist nicht teuer — und über das Bezahlen des Wagens macht man sich keine allzu großen Gedanken, in einem Lande, in dem selbst ein Verkäufer in einem kleinen Geschäft fast erstaunt ist, wenn ein Kunde gleich bezahlen will und nicht anschreiben läßt. Eine Landeseigentümlichkeit, die an den Kaufmann starke finanzielle Anforderungen stellt, denn er muß die Kredite durchhalten und, da doch alles importiert wird, mindestens Fracht und Zoll verauslagen können. Für den Sport und das Autofahren hat man genügend Zeit, denn die Südafrikaner haben viel Verständnis dafür, daß man nach der Arbeit auch Ruhetage braucht. So haben sie zum Beispiel in der Kap-Provinz das sogenannte lange Wochenende, das heißt die Geschäfte und Büros schließen Sonnabend mittag um 1 Uhr und öffnen erst wieder am Montag früh. In Johannesburg wird zwar Sonnabend nachmittag gearbeitet, dafür ist der Mittwochnachmittag frei. Es gibt außerdem eine Reihe beweglicher Feiertage, vor allem die Nationalfeste. Sie legt man regelmäßig auf einen Montag, so daß man dann je nach der Provinzüblichkeit ein Wochenende von zwei bis zweieinhalb Tagen hat. Diese Freizeit genießen die Kapländer aus dem Sportplatz, im Gebirge oder am Meer. Die Johannesburger dagegen müssen meistens weitere Ausflüge machen, wenn sie richtig „ins Grüne" wollen. Alle Kinos und Restaurants, selbst die Teestuben sind geschlossen — in Johannesburg ist die Sperre nicht so streng wie in der Kap-Provinz —, so daß der Zuwanderer ganz aus Familienverkehr angewiesen ist. Der Einheimische geht meistens in seinen Klub. Da spielt man Tennis, Golf und Krocket, schwimmt in reizenden, luxuriös ausgestatteten Bassins, freut sich an herrlichen Parkanlagen, speist in ganz modern und verfeinert eingerichteten Räumen und tanzt auf den wundervollen Steinterrassen, umgeben von Rasenplätzen und alten Bäumen. Obschon der Jahresbeitrag zu diesen sehr vornehmen Klubs nicht teuer ist, erfordert die Mitgliedschaft doch eine gut gefüllte Brieftasche, so daß nur wenige der Einwanderer sich diese Form des gesellschaftlichen Lebens gestatten können. Und das ist schade, denn in dieser Geselligkeit kann man „Beziehungen" anknüpfen, und sie sind oft das beste Sprungbrett für das wirtschaftliche Fortkommen. Aber nach einer anderen Richtung hin können die Einwanderer doch die Nutznießer so geselligen Treibens fein. Es zeichnet sich nämlich durch große Eleganz aus. Die südafrikanischen Frauen, auch die kleinsten Angestellten, besitzen eine uns unvorstellbare Auswahl an Abendkleidern. Die eleganten Frauen kaufen ihre Modelle heute noch bei ihren Europareisen oder in den feinen Salons in Johannesburg und Kapstadt, deren Einkäuferinnen zu jeder Saison in Paris und London selbst die Modelle für ihre Kundinnen auswählxn. Dadurch sind die Kleider natürlich sehr teuer. Da wäre also Platz für wirklich gute Modellzeichnerinnen. Sie könnten zusammen mit guten Direktricen die Luxusware im Lande, selbst bei Import der Stoffe, viel billiger Herstellen, weil sie ja die teuren Europareisen sparen würden, aber sie könnten nur dann konkurrieren, wenn sie an Geschmack und Herstellung den Pariser und Londoner Firmen gleichwertige Sachen böten. Denn es kommt den Frauen in Südafrika weniger auf das Geld als auf die Originalität und Eleganz der Sachen an. So schöne Sachen man auch in Johannesburg und Kapstadt kaufen kann, man steht es den Geschäften von außen wenig an. Auch die Luxusgeschäfte haben sehr einfache Schaufenster. Unsere moderne -Fensterdekoration ist kaum bekannt. Die eleganten Läden legen ein oder zwei Stücke ins Fenster, die in den seltensten Füllen modern ausgebaut sind. Da hätten Innen- und Schaufensterdekorateure noch eine lohnende Aufgabe. Die Massenläden allerdings stopfen, ihre Fenster mit grellen, bunten Sachen voll, wie es dem Geschmack nicht nur der Eingeborenen, sondern auch der meisten Weißen hier entspricht — Jazzmusik in Farben. Wer da dekorieren will, muß sehr umlernen. Denn der afrikanische Käufer will nun einmal, sofern er nicht zu den obersten Tausend gehört, vielerlei und viel Buntes sehen. IX. In einem Lande, in dem es so wenig künstlerische oder geistige Unterhaltung gibt, die einen aus der Wohnung lockt, ist die Wohnsrage natürlich von um so größerer Bedeutung. Aber damit müssen sich die Einwanderer zuerst sehr bescheiden. Denn die Wohnungen sind für unsere Begriffe sehr teuer. Die Miete nimmt im Verhältnis zum Einkommen und auch zu den sonstigen Unkosten des Lebens, besonders im Etat der Einwanderer, einen ungewöhnlich großen Platz ein. Eine Zweieinhalb-Zimmer-Wohnung in Johannesburg mit fließendem Wasser kostet selbst in einem nicht erstklassigen Stadtteil mindestens 12 bis 13 Pfund monatlich, allerdings ist darin die Sauberhaltung der Wohnung durch einen Boy, der zum Hause gehört, mit einbegriffen. (Dafür fehlt ein Posten im Etat des Einwanderers meistens ganz, der bei uns in europäischen Ländern einen so großen Platz einnimmt: die Steuern, denn ein Einkommen bis zu 400 Pfund Sterling im Jahre ist steuerfrei und auch bei höherem Einkommen bleibt die Steuer verhältnismäßig gering.) Die Junggesellen und jungen Mädchen wohnen vielfach möbliert oder in Voardinghäusern, häufig mehrere in einem Zimmer. Sind sie in der Einkommensleiter höher gestiegen, so mieten sich wohl mehrere Freunde gemeinsam eine kleine Wohnung, wie sie jetzt mit allem Komfort in allen Gegenden der Großstädte gebaut worden sind. Den Haushalt versieht dann — in Kapstadt — gewöhnlich eine Coloured, meistens eine Malaiin, die aber nicht im Hause wohnt. Die Wäsche gibt man aus dem Haus. In Kapstadt gibt es eine Art Genossenschaft von farbigen Frauen, der die Stadt Wasser, Elektrizität und Waschmittel zur Verfügung stellt. Dadurch waschen sie ü» billig, daß eine weiße Konkurrenz gegen fre nicht auskommen kann. In Johannesburg aber haben einige Einwanderer kleine Wäschereien ausgemacht und ernähren sich damit einigermaßen. Die Ehepaare, zumal wenn sie Kinder haben, leben in europäischem Stil je nach ihren Einkommensverhältnissen. Die Hausfrauen haben es im allgemeinen nicht allzu schwer, sofern sie nicht mitverdienen müssen^ da ihnen ja der Boy die grobe Arbeit abnimmt, so daß sie, selbst wenn sie kochen müssen, reichlich über freie Zeit verfügen. Man kocht in den Städten auf Gas oder elektrisch, in Johannesburg ist das Gas teurer als der Strom. Und in allen neuen Häusern steht neben den modernen Herden auch der Kühlschrank, der ja in diesem Klima unerläßlich ist. Aus dem flachen Lande natürlich ist es ganz anders. Da gibt es vielfach weder Gas noch Strom, da muß das Petroleum alles ersetzen. X. Das Klima ist in den südafrikanischen Provinzen ganz verschieden. Durban und die ganze Südostküste ist sehr heiß, Kapstadt ist zwar heiß, hat aber vor allem im südafrikanischen Sommer sehr viel Wind. Eine Kostprobe davon bekam ich, wie schon erwähnt, zu spüren. Danach kann ich bestätigen, daß der „South-Eastern" es gut mit jedem Nordwest in Helgoland oder Westerland aufnehmen kann. Johannesburg hat Hochgebirgsklima, sehr dünne Luft, die den Fremden zunächst in eine Art freudiger Betriebsamkeit versetzt, aber bei starker Arbeit anfangs leicht Herzbeschwerden verursacht. Von den Minen her wehen unangenehme Staubwinde. Trotzdem gilt das Klima als sehr gesund, und die Temperaturen sind sehr erträglich. In allen Gegenden haben die Europäer klimatische Eingewöhnungsschwierigkeiten zu überwinden, vor allem die Frauen und jungen Mädchen, bei denen sich häufig — wie auch in Palästina und in anderen heißen Ländern — vorübergehend starke Gewichtszunahmen, wohl infolge von Drüsenstörungen, zeigen. Wenn allerdings diese Einaewöhnunr^schwierigkeiten sich bis zu Erkrankungen steigern, so ist es für den Anfänger doppelt peinlich, denn es gibt keine Krankenkassen, jeder muß also den Arzt selbst bezahlen, und dazu gibt es Firmen, die jeden Tag, an dem ein Angestellter fehlt, vom Gehalt kürzen, lind das ist eine bittere Sache, wenn man noch im Ansangsgehalt von 8 bis 10 Pfund Sterling steht. Aber trotz allem: Südafrika ist ein herrliches Land, gesegnet mit allem Nebersluß, den die Natur zu verschenken hat. Und wenn man jung ist, kann man hier alle Wunder der Natur genießen, kann Bergsteigen und im Ozean baden, Skilaufen und das Märchen tropischer Nächte erleben — man müßte monatelang hier sein dürfen, um alle die Pracht an Früchten, Pflanzen und Tieren zu begreifen, die dieses Land in sich trügt, und um in die Rätsel einzudringen, die es fern von den großen Städten noch verbirgt. (Fortsetzung'folgt.)

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