Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936) - farbig
- Issue
- 24 (11.6.1936)
- Date
- 1936-06-11
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
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Rumänien Die Zerstreuung der Juden über die Erde (XXXX) Zu den drei großen Staaten Osteuropas, in deren Grenzen fast die Hälfte aller Juden aus der Erde und mehr als drei Viertel der Juden Europas wohnen, gehört auch Rumänien. Im heutigen Königreich Rumänien leben über eine Million jüdische Menschen; da die Gesamtbevölkerung des Landes gegenwärtig nahe bei 19 Millionen liegt, so umfaßt also der jüdische Sektor über 5 Prozent aller Einwohner des Landes Damit steht Rumänien an zweiter Stelle in der Rangordnung der Staaten mit den höchsten jüdischen Bevölkerungsquoten; es wird hierin nur von Polen mit seinem weit höheren Prozentsatz jüdischer Staatsbürger Übertrossen. Nach dem Kriege erst ist Rumänien in die Reihe der Länder gerückt, deren jüdische Bevölkerungszahl absolut die Millionengrenze überschreitet bzw. nahe an sie heranrückte. Außer Polen und Rußland sind dies nur noch die Vereinigten Staaten von Amerika. Nach Beendigung des Weltkrieges hat das rumänische Staatsgebiet eine sehr erhebliche Vergrößerung erfahren, in deren Gefolge die jüdische Bevölkerung des Landes nicht nur eine starke absolute Erhöhung, sondern auch einen prozentualen Zuwachs erfährt; denn in den alten und in den neuen Gebietsteilen war die Zahl und Quote der Juden sehr verschieden hoch, zum Teil als Folge der früheren staatlichen Zugehörigkeit der betreffenden Landschaften. Das Vorkriegsrumänien, das sogenannte A l t r e i ch, bestand aus der Walachei, der Moldau und der Dobrudscha. Nach Kriegsende kamen Bessarabien hinzu, das früher zum russischen Zarenreich gehört hatte, das ehemals ungarische Siebenbürgen, ein großer Teil des früheren ungarischen Banats und schließlich die ehemals österreichische Bukowina. Hatte das rumänische Königreich vor dem Kriege einen Umfang von 140 000 Quadratkilometer, so hat es gegenwärtig rund 295 000 Quadratkilometer, also weit mehr als das Doppelte. Betrug aus dem kleineren Staatsgebiet vor Kriegsbeginn die jüdische Bevölkerungszahl rund eine Viertelmillion Menschen unter acht Millionen Einwohnern, also weniger als drei Prozent, so hat sie durch den Gebietszuwachs und aus noch anderen Gründen eine Vervierfachung der absoluten Zahl und eine mehr als hälftige Erhöhung der Dichte im Rahmen der als Großrumänien bezeichneten Staatseinheit erfahren. Für die Gebietsteile Vorkriegsrumäniens liegt eilw amtliche Zählung aus dem Jahre 1899 vor, aus der zu entnehmen ist, daß damals rund 267 000 Juden im Lande lebten, von ihnen allein fast 200 000 in der Moldau, über ö0 000 in der Walachei und weniger als zusammen 10 000 in Oltenia und der Dobrudscha. Diese für die Jahrhundertwende sehr beachtlichen Zahlen sind das E r g e b n i s e i n e r j a h r h u n d e r t ealten Geschichte, für deren Beginn eine feststehende Zahl nicht angegeben wird, wenn auch soviel bekannt ist, daß die quantitative Größenordnung in den altrumänischen Landesteilen erst im 19. Jahrhundert durch Zuwanderung russischer und österreichischer Juden eine entscheidende Erhöhung erfahren hat. Dafür gibt es zahlenmäßige Beweise. So wurden in dem rumänischen Stammlande, der Moldau, im Jahre 1803 rund 12 000 Juden gezählt, um 1840 ist diese Ziffer bereits auf etwa 80 000 gestiegen, 1860 wird sie mit 120 000 angegeben, und 1899, wie vorher erwähnt, auf rund 196 000. Ebenso deutlich kommt der Zuwachs besonders in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in der Walachei zum Ausdruck, wo für 1860 weniger als 10 000 Juden gegenüber mehr als 60000 kurz vor der Jahrhundertwende gezählt wurden. So erklärt es sich auch, daß von etwa 1860 bis 19 00 die jüdische Bevölkerung Altrumäniens von etwa 135 000 auf rund 270 000 sich verdoppelt hat, das Ergebnis der Tatsache, daß Rumänien bis dahin für die Juden ein ausgesprochenes Einwandererland war. So erklärt es sich auch, daß die jüdische Bevölkerung Altrumäniens um die Jahrhundertwende bis auf 4,5 Prozent der damaligen Gesamtbevölkerung angewachsen war; allein in Bukarest lebten damals (1900) mehr als 40 000 Juden, fast ebensoviel in Jassy, in einzelnen kleineren Städten erreichte die jüdische Bevölkerungsdichte Prozentsätze von mehr als 50 Prozent, ähnlich wie in einigen Bezirken des damaligen russischen Zarenreiches. Schon damals (Nachdruck verboten.) waren die rumänischen Juden durch eine besondere Fruchtbarkeit ausgezeichnet, aber die große materielle Not, die auch die Gegenwart der Juden beherrscht, verhinderte, daß das quantitative Wachstum durch ein entsprechendes geistiges begleitet war. Nach der Volkszählung des Jahres 1899 war die Ouote bet Analphabeten bei den Juden zwar kleiner als beim Durchschnitt der rumänischen Bevölkerung, eine Feststellung, die trotzdem deprimierend ist, weil der Bildungsstand damals überhaupt ein sehr niedriger war. Nach . den offiziellen Angaben konnten von der männlichen Bevölkerung Rumäniens, die über 15 Jahre alt war, nur 27 Prozent lesen und schreiben, von der weiblichen nur 7 Prozent! Für die Juden Rumäniens allein betrugen die Prozentsätze der Lese- und Schreibkundigen 57 Prozent beim männlichen und 33 Prozent beim weiblichen Geschlecht. Der relativ höhere Bildungsstand bei den Juden um die Jahrhundertwende erklärt sich damit, daß die allgenteine Schulpflicht, besonders auf dem Lande, noch nicht eingeführt war, so daß die Juden, damals schon weitgehend in den Städten konzentriert, ihren Kindern bessere Ausbildungsmöglichkeiten gewähren konnten, was darin zahlenmäßig zum Ausdruck kommt, daß in dieser Zeit der Anteil der jüdischen Schüler in den sogenannten Mittelschulen weit höher lag als dem jüdischen Bevölkerungsauteil entsprach. Das Jahr 1900 stellte eine grundsätzliche Wende für die Situation der Juden Altrumäniens dar, die Verfolgungen, die damals begannen, brachten Zehntausende zum Entschluß der Auswanderung, allein in den ersten fünf Jahren des 20. Jahrhunderts sind über 50 000 rumänische Juden ausgewandert, davon mehr als 40 000 nach den Vereinigten Staaten, über 5000 blieben auf der Durchreise in England. Auch in den folgenden Jahren bis zum Kriegsbeginn hielt die Auswanderung an, wenn auch ihr Ausmaß sich verringerte. Als kurz vor dem Kriege die Bevölkerung zahlenmäßig erfaßt wurde, ergab sich eine Ziffer von rund 240 000 jüdischen Bewohnern, also etwa 30 000 weniger als um die Jahrhundertwende. Der Wanderungsverlust von insgesamt mehr als 60 000 Menschen ist zur Hälfte durch den sehr hohen Geburtenüberschuß bei den rumänischen Juden aufgeholt worden, der zeitweise sogar größer war als beim Durchschnitt der übrigen, sehr fruchtbaren rumänischen Bevölkerung. Die schweren Kriegsjahre brachten für alle Bevölkerungsschichten Rumäniens große Menschenverluste, die politische Neuordnung mit Beendigung des Krieges, zu deren Hauptgewinnern Rumänien gehörte, brachte neuds Land und neue Millionenmassen von Menschen unter die rumänische Staatsgewalt. Daß dabei die jüdische Volkszahl nicht nur absolut, sondern prozentual stieg, erklärt sich daraus, daß in den an Rumänien abgetretenen Gebieten die jüdische Bevölkerungsdichte zum Teil eine höhere als in Altrumänien war. Dazu kommt aber als nicht minder wichtige Ursache, daß aus dem bolschewistischen Rußland Juden in großer Zahl flüchteten und die rumänische Grenze überschritten. Mit Bedauern stellt der Soziograph fest, daß für die unmittelbare Gegenwart ebensowenig wie für die letztvergangenen Jahrzehnte amtliche Volkszählungsergebnisse für das gesamte großrumänische Gebiet veröffentlicht sind. Es ist nur schwer zu begreifen, daß die Gesamtergebnisse einer Volkszählung, die in Rumänien im Jahre 1930 veranstaltet wurde, fast sechs Jahre später noch nicht der Oesfentlichkeit zugänglich gemacht wurden; Teilergebnisse liegen vor und werden hier verwertet. Auf Grund dieser Teilergebnisse darf man davon ausgehen, daß im Jahre 1930 die Gesamtbevölkerung Rumäniens bei etwa 18,2 Millionen, die Zahl der Juden nahe bei einer Million gelegen hat. Bis zur unmittelbaren Gegenwart (Mitte '1936) ist die Gesamtbevölkerung mit knapp 19 Millionen, die Zahl der Juden mit 1,05 Millionen anzusetzen. Daraus errechnet sich die oben angegebene jüdische Bevölkerungsdichte von etwas über fünf Prozent. Leider gibt es keine exakten amtlichen Zahlen für die Nachkriegszeit, wenigstens so weit es sich um Gesamtergebnisse handelt. Eine halbamtliche Schätzung von 1920 ergibt eine jüdische Volkszahl von rund 800 000 Menschen, von denen etwa 250 OOO auf Altrumänien und etwa 550 000 auf die neurumänischen Teile entfallen. Diese große jüdische Einwohnerzahl lebt sehr ungleich über das weite Land verst r e u t. Nur relativ wenig hat sich im zwanzigsten Jahrhundert gegenüber der Massierung verlagert, zu der die Umstände im Verlaufe des 19. den Grund gelegt hatten. Wenn irgendwo in der Welt große Bevölkerungsanhäusungen nicht der Ausdruck eines wenigstens auch nur mäßigen Wohlstandes find, dann gilt des für den jüdischen Bolksteil in Rumänien. So groß die jüdischen Massen an einzelnen Stellen des Landes sind, so groß die jüdische Fruchtbarkeit, so groß ist das wirtschaftliche Elend gerade unter den rumänischen Juden, das an mitteleuropäischen Verhältnissen überhaupt nicht meßbar ist. Rumänien ist ein ausgesprochenes Agrarland, 80 Prozent seiner Einwohner sind Bauern. Obzwar das Land mehr als 170 Städte aufzuweisen hat, unter denen allerdings nur 5 Großstädte mit über je 100 000 Einwohnern sind, leben doch nur etwa 20 Prozent der Einwohner in den Städten. Die Ausübung der Landwirtschaft ist den Juden auch in Rumänien weitgehend versperrt geblieben, das Handwerk, so weit sie es ausüben durften, und der Handel, in den sie wie überall gedrängt wurden, wo ihnen eine ändere wirtschaftliche Betätigung versagt blieb, förderte auch in Rumänien in einem hohen Ausmaß die st ä d t i s ch e Konzentration. Bei den Agrarkrisen, die Europa in immer kürzeren Abständen mit immer stärkerer Intensität durchwühlten, blieb die Kaufkraft gerade in den agrarischen Ländern besonders stark hinter ihrer Entwicklung in anderen Ländern zurück, mit der Not der Bauernschaft wuchs auch das Elend in den Städten, und so erklärt es sich, daß trotz allen Bemühungen das wirtschaftliche Elend bei den Juden Rumäniens ein so hohes Ausmaß erlangt hat, daß die größten Bemühungen ausländischer Gemeinschaften hier noch keine Bresche schlagen konnten. Diesen Gebieten größter Armut, unnvorstellbarer Not steht ein kleiner jüdischer Sektor gegenüber, der in den Städten, die früher zu Ungarn gehörten, zu einem gewissen Wohlstand gekommen war und bei dem der Grad der Assimilation ein besonders ausgeprägter ist. Zwischen diesen Extremen tiefster Armut, die ihren täglichen Ausdruck in Hunger und Siechtum findet, und der dünnen Oberschicht einiger neurumänischer Städte ernährt sich bescheiden, sehr bescheiden ein handwerklicher Mittelstand — die ganze jüdische Masse weder nach der religiösen Seite noch nach der materiellen einheitlich, sondern im Gegenteil so aufgesplittert, wie nur denkbar,, noch dazu in neuester Zeit erneut aufs schwerste angegriffen und selbst dort, wo für die Juden schmale Existenzgrundlagen bestanden, in ihren Lebensmöglichkeiten bedroht. Und auch in Rumänien wie anderwärts im Osten Europas besteht die erstaunliche Tatsache, daß der p h y s i sch e Lebe n s w i l l e und die Hoffnung auf eine gebesserte Zukunft unterbrochen ist: die jüdische Fruchtbarkeit ist in den Teilen des weiten Landes, wo die Bevölkerung noch nicht westeuropäisch-großstädtisch angekränkelt ist, noch so groß, daß sie ein absolutes Absinlen der Bevölkerungszahl aus natürlichen Ursachen verhindert und den Sterbeüberschuß dort noch kompensiert, wo er seit einer Reihe von Jahren bereits vorhanden ist. Nach den vorliegenden amtlichen Angaben über die Bevölkerungsbewegung wurden in Großrumänien im Jahre 1925 noch rund 6800 jüdische Kinder mehr geboren als Todesfälle im jüdischen Bevölkerungssektor gezählt wurden! Diese Zahl hat sich im Laufe des seitdem vergangenen Jahrzehntes' allerdings sehr erheblich reduziert. 1926 schon ist der Geburtenüberschuß aus 5700 abgesunken, 1930 auf 5200 — und 1932 bereits auf unter 2000! Nach Teilangaben für 1934 beträgt er in diesem Jahre kaum mehr als 1000 Köpfe! Betrachtet man diese beispiellose Entwicklung, die das Vordringen der Not in immer weitere Schichten und die Wirkungen der innerpolitischen Situation spiegelt, etwas näher, so zeigt sich, daß in den altrumänischen Landesteilen nur noch die Moldau einen Geburtenüberschuß aufweist, und von den neuränischen Siebenbürgen, Kreisch-Maramrosch und Bessarabien — alle anderen Departements, also Oltenia, Muntenia (das sind die jetzigen Namen der Großen und der Kleinen Walachei), ferner die Dobrudscha, die Bukowina und schließlich der rumänische Teil des Banats sind bereits Sterbeüberschußgebiete. Der Verlauf der vorher kurz skizzierten Kurve läßt vermuten, daß gegenwärtig (1936) bereits ein Gleichgewichtszustand zwischen Geburten und Todesfällen eingetreten ist, der bei unverändert ungünstigen innerpolitischen und ökonomischen Voraussetzungen in kürzester Frist zum Sterbeüberschuß führen wird. Das ist eine Feststellung, die für die Judenheit als solche von symptomatischer Bedeutung ist. Denn mit der Verwandlung eines kräftigen Geburtenüberschusses in einen Sterbeüberschuß innerhalb eines Zeitraumes von etwa einem Jahrzehnt, und dies in einem Lande osteuropäisch beeinflußter allgemein sehr hoher Fruchtbarkeit der Umwelt, ist das Signal gegeben, daß Europa als quantitativer Schwerpunkt der Massen jüdischen Glaubens und jüdischer Tradition allmählich ausschaltet — und daß die jüdischen Menschenmassen Amerikas in die Bresche springen müssen, wenn es nunmehr gilt, bewußt zu erreichen, daß der Sektor jüdischer Menschen auf der Erde mit dem allgemeinen Wachstum der Erdbevölkerung Schritt hält. Die verschiedene historische Zugehörigkeit der einzelnen Gebietsteile des heutigen Großrumänien ist die Erklärung für die Tatsache, daß in einzelnen Landstrichen die jüdische Menschenzahl absolut oder relativ groß ist, in anderen wieder völlig zurücktritt. Wie auch anderwärts, ist die allgemeine Tendenz zur Stadtbildung für die jüdische Dichte des ganzen Gebietes weitgehendst bestimmender Faktor. Bessarabien, früher zaristisch - russisch, steht heute hinsichtlich der absoluten Zahl der Juden weit an der Spitze aller rumänischen Departements. Für die Gegenwart ist eine jüdische Volkszahl von etwa 300 000 anzunehmen (das amtliche Zählungsergebnis ist noch nicht bekannt), die Gesamtbevölkerung Bessarabiens bemißt sich auf rund 2,9 Millionen, die jüdische Quote beziffert sich also auf über 10 Prozent. Der letzte große Zustrom fand statt, als. mit der Machtergreifung des Bolschewismus in Rußland weite Bevölkerungskreise die Flucht in die Nachbarländer ergriffen — allein 33 000 Juden kamen damals, vor nun etwa zwei Jahrzehnten, nach Beßarabien,. Tausende von ihnen, wie ihre frühe¬ Es kommt noch immer vor, dass für den Central-Vcrein bestimmte Briefe falsch adressiert sind oder Anrufe unter einer falschcnKummer erfolgen. Die Adresse der Hauptgeschäftsstelle des Central-Vereins lautet: Berlin W15, Emser Strasse 42. Telefon: J2 Oliva 8141. ren russischen Mitmenschen, unter größter Gefahr in Nacht und Nebel über den Dnjester, den Grenzfluß nach Sowjetrußland. .. . Diese Flüchtlinge fanden in dem rein agrarischen Lande nur sehr arme jüdische Glaubensgemeinschaften vor, die im Gegensatz zu den benachbarten Siebenbürgen und Bukowina nicht die geringsten Reserven hatten ansammeln können. So strömte die Flüchtlingsschar ebenso wie Tausende der Kinder der verarmten Dörfler in die Städte und besonders in die einzige Großstadt des weiten Gebietes, nach K i s ch i n e w (jetzt Chisinau), wo der jüdische Volksteil heute die Majorität bildet. Dort wie in den kleineren Städten führen sie ein sehr ärmliches Leben, suchen sich als Kaufleute und Handwerker zu ernähren. Kischinew, die zweitgrößte Stadt Rumäniens mit seinen rund 120 000 Einwohnern, hat ein mit Regierungsmitteln unterstütztes jüdisches Gymnasium und einige jüdische Elementarschulen. Trotz dem Drang in die Städte, trotz des oft von Agrarkrisen erschütterten Landstriches haben sich noch etwa 150 000 Juden Bessarabiens auf dem flachen Lande erhalten können. Wie überall in Europa wurden sie von der landwirtschaftlichen Betätigung durch die Jahrhunderte abgedrängt, so wurden sie hier in besonders ausgeprägtem Maße Mittler zwischen den Bauern und den Großkaufleuten und Exporteuren der Städte, ein großer Teil dieser Landjuden ernährt sich durch den Getreidehandel. Ein weiteres, soziologisch bemerkenswertes Charakteristikum ist die Tatsache, daß in der großen Mehrzahl der kleinsten Flecken, der meisten Dörfer die Gastwirtschaften von Juden betrieben werden, der jüdische Schenkwirt gehört zum Gesamtbild des kleinsten beßarabischen Dörfchens. vr. B. R—z. (Fortsetzung folgt.) A uslands-Nach rieh ten Belgien Anläßlich des Abschlusses der Brüsseler Weltausstellung wurden die folgenden Auszeichnungen belgischen Juden verliehen: Der Architekt Joseph de Lange wurde zum Kommandeur des Leopold- Ordens ernannt. Der Vorsitzende des Internationalen Verbandes der Diamantenmdustriellen Isidor L i p s ch ü tz wurde zum Offizier des Leopold- Ordens, der Ingenieur Boris A v e r b u ch zum Ritter desselben Ordens ernannt; Charles Gutwirth und der Präsident der Antwerpener Diamantenbörse Marcel G i n s b u r g wurden Ritter des Kronenordens. . * Der Vorsitzende des Jüdischen Zentralkonsistoriums für Belgien, Professor Dr. Maurice Philipson, der Sohn des verstorbenen Präsidenten des Konsistoriums, hat der Freien Brüsseler Universität, an der er Physik unterrichtet, ein vollständiges medizinisches Laboratorium geschenkt. Aus diesem Anlaß fand eine Feier statt, bei der der Rektor der Universität. Professor Dr. de Moor, und Staatsminister Paul Hymans die wissenschaftlichen Verdienste- Professor Philipsons und seine Leistungen für die naturwissenschaftliche Fakultät würdigten. Frankreich Der Bürgermeister von Lyon, Edouard Herr i o t, hat einen Platz zur Aufstellung eines Denkmals für den Feldrabbiner Bloch zur Verfügung gestellt. Das vor kurzem mit der Goldenen Medaille ausgezeichnete Werk der Bildhauerin Germaine Oury-Desruelles stellt eine bekannte Szene der französischen Kriegsgeschichte dar. Großrabbiner Bloch, der als Freiwilliger ins Heer eingetreten war, hatte sich eines Abends in die Zone zwischen den beiderseitigen Schützengräden gewagt, um Verwundeten Hilfe zu leisten. Einer von diesen, der ihn für einen katholischen Priester hielt, bat ihn, ihm das Kruzifix zu reichen. Der Rabbiner brachte von einer verlassenen Farm ein Kreuz. Die Bildhauerin hat den Augenblick festgehalten, in dem der Rabbiner dem sterbenden christlichen Soldaten das Kreuz und damit den letzten Trost reicht. Litauen Die litauische Regierung hat den bekannten jüdischen Publizisten Dr. R ub i n sie i n. Chefredakteur der „Jüdischen Stimme" in Kaunas, und den Vertreter der jüdischen Kriegsteilnehmer, Goldberg, in die Kandidatenliste für die Nettwahl des litauischen Parlaments aufgenonimen. Die Wahl der beiden jüdischen Vertreter erscheint gesichert. Spanien Amtlich wird bekann'-gegeben, daß 114 in Griechenland ansässige sephardische Familien die spanische Staatsangehörigkeit erhalten haben. Die Zuerkennung der Staatsangehörigkeit erfolgte auf Grund des Artikels 23 der spanischen Verfassung vom 9. Dezember 1931, in dem die Einbürgerung ausländischer Sephardim vorgesehen ist. flauptschriftleiter und verantwortlich: Dr. Alfred Hirschberg; Stellvertreter: Dr. Margarete E d e 1 h e i in. Verantwortlich für Bilder und Sport. Dr. Ernst G. Löwenthal, sämtlich in Berlin. Für Rücksendung unverlangter Einsendungen ist Frei- Umschlag beizufügen. Leiter der Anzeigen-Abteilung und verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen Friedrich Nathan, Berlin DA I Vj. 40 000 kl. 5. Verlag: Centralverein deutscher Staatsbü rrr^r jüdischen Glaubens e. V., Berlin W 15, Emser Strasse 41 Druck der Buch- und Tiefdruck Gesellschaft mbH, Berlin SW 19. BUKOWINA armaro Ternesvar