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Central-Verein-Zeitung · 1936-06-11 · 24 (11.6.1936) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
15 (1936) - farbig
Issue
24 (11.6.1936)
Date
1936-06-11
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Nr. 24 * 1. Beiblatt 11. Juni 1936 UMfeihmg Sommerliche Kunstausstellung Das Sekretariat für Bildende K u n st eröffnet feine Juni-AuSstellung in Berlin mit Proben aus dem Werk zweier Malerinnen und eines Malers. Durchgeht man diese Bilderschau, so haftet der Blick vor allem an den Gemälden und Zeichnungen von Kurt Jansen, der u. a. in Kassel vier Jahre lang gearbeitet hat. Daß er es ernst nimmt mit der Malerei, läßt das Bestreben erkennen, alles auf der Farbe auszubauen, aus den Farbwerten heraus zu schöpfen, zu vertiefen, zu gestalten. So ist er ein Kolorist im besten Sinne des Wortes, der mit dem Material vor allem sparsam umzugehen weiß, wo dies am Platze. In der Beschränkung zeigt sich erst der Meister! Kurt Jansen Im Klubheim in der Marburger Straße hängt Kurt Jansens Bild, das eine Hasenstimmung wiedergibt. Bunt und plastisch wirkt es, aber so, daß die Dinge in ihrer farbigen Haltung nicht ineinandergeschachtelt sind, sondern einzeln für sich existieren. Und dieselbe Farbenskala zeigen zwei Dorfbilder, Aquarelle, auch ein Gemälde, das den Leuchtturm auf sandiger Anhöhe gibt. Vielfach bringt die Berliner Ausstellung Vorstudien zu Bildern in Gestalt von Federzeichnungen, die Jansen in blauer Tinte leicht und duftig hingeworfen. Lotte H a g e l b e r g, die bei Roehricht gearbeitet hat, gibt in der Graphik ihr Bestes. Auf diesem Gebiet arbeitet sie nicht nur sauber und delikat, sondern geht sie eigene Wege. Kohlezeichnungen von Schissen beweisen es, und ab und zu vermögen Aquarelle dieser Künstlerin unS auf die gleiche Bahn zu lenken. Daneben stellt Lotte Hagelberg Gemälde aus, die sie als Vertreterin der Neuen Sachlichkeit zeigen. Wie da ein roter Kastanienbaum vor ein grünes Haus gesetzt ist, wie ein Stilleben mit der Laute aufgebaut wird, Lotte Hagelberg ist immerhin als tüchtige Leistung anzuerkennen. Diese Schilderungen sind „Porträts"', aus denen man die Person der Künstlerin erschließen kann. Den besten Schlüsiel aber gibt zu allen Zeiten ein Selbstporträt, wie es auch von Lotte Hagelberg in der Ausstellung hängt. Und wo ein Meister sich verbirgt und verhüllt, wo er ausweicht, gerade dort wird er sich am meisten enthüllen. Vor dem eigenen Bildnis tritt zutage, ob man die künstlerische Wahrheit sucht oder nur den Schein. Für jede Selbstbiographie, auch in der bildenden Kunst, gilt der Titel, mit dem Goethe seine Autobiographie benannt hat „Dichtung und Wahrheit"", und nirgends sällt es schwerer, den Maßstab der absoluten Wahrheit anzulegen, als in der Malerei. Die dritte der ausstellenden Talente ist Lili Blumen au. Ihre Landschaften aus Norwegen Lili Blvtmenau Fot. Abraham (3) und von hier find noch etwas unfrei und entbehren nicht einer gewissen Kühle der Farben. Ihre in Paris entstandenen Blätter gefallen mir am besten, weil sie als flüchtige Skizzen gewertet sein wollen und alle Anforderungen, die man an sie deshalb stellt, erfüllen. Zwei Porträts, das einer Chaluzah, und das des Schauspielers des Berliner Kulturbunds Herbert Grünbaums in „Grüne Felder", beweisen, daß alle wahre Selbstdarstellung nie für sich selber, sondern für die Allgemeinheit geleistet ist. Die Ausstellung mag dazu anregen, Fragen innenarchitektonischer Gestaltung ein wenig nachzugehen. Vieles, was in den gastlichen Räumen des Frauenbundes hängt, kann uns im Geiste vorsühren, wie eine gleiche Wand in anderem Raum zu dekorieren wäre. Und vieles, was da geschaffen wurde, ordnet sich der wieder tapezierten Wand, die der nur gestrichenen längst gewichen ist, ein, weil wir ja wieder Bilder „hängen", weil wir wieder Materie wollen statt der Sachlichkeit um uns herum. Olgä Blodi. Jüdisches Lehen Dr. Kurt Singer: Jüdische Kulturbundarbeit — heute und morgen Sonderveranstaltung im Berliner Jüdischen Kulturbund. Intendant Dr. Kurt Singer spricht zum Thema „Jüdische Kulturbundarbeit — heute und morgen". Also eine Art Rechenschaftsbericht über geleistete künstlerische Arbeit, eine Rückschau, in der sich das Heute rm Gestern spiegelt und seine Reflexe in die Zukunft wirft? So hätte man annehmen können. Aber Singers Ausführungen waren kein Referat, sondern ein Bekenntnis, keine nüchterne Bilanz drerjähriger Tätigkeit mit Zahlen und statistischem Material, sondern eine allgemeine, subjektiv-apologetisch gefärbte Betrachtung der jüdisch-kulturellen Situation, wie sie sich für die Juden in Deutschland aus der Besonderheit ihres neuen Schicksals ergeben hat. Lediglich historische Gesichtspunkte könnten uns mit diesem Schicksal aussöhnen, wenn wir zurückdenken an die Zeiten, in denen bedeutende Juden, wie Maimonides, in andere Kulturkreise eingetreten sind; wenn wir uns ferner vergegenwärtigen, was jüdische Menschen in den 150 Jahren der Assimilation innerhalb des geistigen Kulturgebietes geschaffen haben — von Moses Mendessohn bis aus Martin Buber und Franz Rosenzweig. Singer verkennt dabei nicht, daß der Gewinn an Kulturgütern im Laufe der geschichtlichen Entwicklung zugleich eine Einbuße an jüdischer Substanz mit sich gebracht habe, daß durch die Assimilation schon in ihren Anfangsstadien für viele Juden der Weg zur Taufe geebnet wurde und daß auch Männer wie Leopold Zunz ihre Absicht, eine einigende Renaissance des Judentums herauszuführen, trotz redlichstem Bemühen nicht verwirklichen konnten. Erst der Anbruch einer Zeitenwende, in der sich die Juden in Deutschland plötzlich vor eine bedrückende materielle und seelische Not gestellt sahen, hat jüdische Menschen wieder miteinander verbunden. So fand der jüdische Kulturbund bei seiner Gründung einen verhältnismäßig günstigen Boden vor. Aber sofort erhebt sich für Srnger die problematische Frage: Was heißt überhaupt jüdischer Kulturbund? Diese Frage ist, wie der Redner meint, noch nicht beantwortet worden und läßt sich auch nicht beantworten. Zur jüdischen Kultur gehöre Land, gehöre eine geschlossene Gemeinschaft, eine einheitliche Idee: diese Idee habe es, als Idee der Thora, bei den Propheten gegeben; jüdische Kultur habe man bei den Ostluden gefunden; das Transponieren auf unsere Verhältnisse hält Singer indes für unmöglich. Ebenso vermag er auch das Wesenhaste einer spezifisch jüdischen Kunst nicht anzuerkennen, die sich weder aus bestimmten stofflichen Eigenschaften — jüdischer Geist noch aus einer individuellen Formgestaltung, weder aus differenzierenden sinnlichen Ausdrucksmitteln, noch aus gesinnungsmäßigen Tendenzen herleiten lasse. Ob Mendelssohn oder Schumann: besonders unterscheidende Merkmale, die den einen als Juden, den andern als Nichtjuden kennzeichnen, sind in der musikalischen Linienführung ihrer Werke nicht sestzustellen. Jüdische Kultur, so bemerkte der Redner, kann nur aus jüdischem Boden wachsen, dort also, wo die Sprache, als der solideste Träger aller Kultur, imstande ist, das Materral zu formen und dadurch schöpferisch zu werden; jüdische Kultur könne sich also nur in Palästina anbahnen — ein Dichter vom Range Bialiks hat bereits die Möglichkeiten einer solchen Entwicklung eröffnet. Unsere Aufgabe ist es also, wie der Redner zusammensassend hervorhob, daß wir die Grundlage unseres jüdischen Wesens nicht aufgeben, daß wir aber unsere Arbeit befruchten lassen von den kulturellen Werten aller Nationen. Wie aber gedenkt der Kulturbund in der nächsten Spielzeit sein Programm, also die Kulturbundarbeit von morgen, im einzelnen zu gestalten? Auf diese Frage blieb der Redner leider, — vielleicht irritiert durch einen unziemlichen Zwischenruf — eine präzisere Antwort schuldig. Er erklärte nur abschließend,' daß zahlreiche Wünsche aus den Mitgliederkreisen an ihn gelangt seien, und daß aus diesem endlosen Wunschzettel das Verlangen nach häufigeren Sinfoniekonzerten sowie nach einem Ausbau der Jugendveranstaltungen berücksichtigt werden würde? Im übrigen appellierte er in warmherzigen Worten an das Vertrauen der Mitglieder, die nun des Kommenden gewärtig sind. II. I* Fritz Kaufmann: Religion und Kunst. In Berlin fand die diesjährige ordentliche Mitgliederversammlung der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums unter der Leitung ihres Vorsitzenden, Professor Dr. Eugen Mittwoch, statt. Aus dem von Professor Mittwoch erstatteten Bericht ging hervor, daß die Zahl der Mitglieder sich auch im vorigen Jahr vermehrt habe. Die Publikationstätigkeit erreichte zwar im Berichtsjahr nicht den ungewöhnlich hohen Stand des vorangegangenen, doch machte die Siphre-Ausgabe Kinkelstein gute Fortschritte und auch die Wiederaufnahme der Mendelssohn-Edition konnte angekündigt werden. Tie Frage, ob die Oermania Judaica weitergeführt werden solle, wurde in einer von Professor Elbogen eingeleiteten Aussprache erörtert und führte trotz aller im Hinblick auf die besonderen Schwierigkeiten des 'Unter- Das Juni-Heft des »Morgen" Vergleicht man die eben erschienene Juni- Nummer des „Morgen" mit dem vorangegangenen Heft, so stellt man — zumindest was die wesentlichen Beiträge betrifft — einen entschieden aktivistischeren und zum Teil von Polemik gefärbten Charakter fest. Die Artikel des Mai- Heftes gaben Analyse, Bericht, Deutung, die großen Aufsätze in der neuen Nummer enthalten Kritik und Stellungnahme, sind temperamentvolle, mitunter bis zur Grenze des „Radikalen" scharfe Auseinandersetzungen mit bedeutsamen Fragen des jüdischen Lebens. Wie schon bi. R.—J. im letzten Heft, befaßt sich auch II. 8. in seinem Leitartikel mit den Ereignissen in Palästina. Der Titel des Aufsatzes: „Der schwerere Mut" verrät seine besondere Note. Ter Verfasser gibt ein quasi atmosphärisches Bild der palästinensischen Situation, er kennzeichnet das, was in der Auseinandersetzung zwischen Engländern, Arabern und Juden stimmungsmäßig entscheidend ist. Er beschränkt sich aber nicht daraus, das Gegenwärtige festzuhalten, sondern versucht. Euteit Ausblick auf Zukünftiges zu geben. Dabei unterstreicht er den Vorschlag der englischen Zeitschrift „Spectator", „unter der längst gewünschten Ernbeziehung Transjordaniens beiden Teilen (Juden und Arabern), in der schiedlichen Trennung eigener Kantone, eine gesonderte Selbstverwaltung zuzugestehen: dabei würden immer noch reichlich genug Probleme (und Reibungsflächenübrig blechen." H. B.s Formulierung im Schlußabsatz seines Artikels: die Wirklichkeit Palästinas sei „eine der Stationen aus der Wanderung" kann geradezu als Ueberleitnng zu den bedeutsamen Ausführungen Ignaz M a y b a u m s empfunden werden. Auch Maybaum nämlich entwickelt Definitionen des heutigen Palästina, die bei gleichfalls uneingeschränktester Anerkennung und Bekräftigung des Programms: „Aufbau Palästinas" dieses Programm dem umfassenderen: „Organisation der Diaspora" ein- und unterordnen. Er vertritt die Ansicht, daß die jüdische Aufgabe der Zeit am treffendsten durch diese Formel zum Ausdruck gebracht werden könne. Die Wanderungsbewegung, die unaufhaltsam eingesetzt und die alle Art von Verschiebungen zur Folge habe, zwinge dazu, die Diaspora, in die auch Palästina — wenn auch vielleicht einst als Zentrum — einbezogen sei, neu zu organisieren. Denn es komme, wie auch der Zionismus richtig erkannte, darauf an, die Verbundenheit zwischen den Juden in den verschiedensten Ländern der Erde zu sichern. Aber auf welche Weise? Indem Maybaum auf die Epoche zurückblickt, in der die bestimmenden politischen Richtungen im Judentum sich bildeten, nämlich die religiös-liberale und die zionistische, ruft er uns die Mahnung zu: „Nichts darf verloren gehen!" Durch das Aufnehmen der gemeinsamen Vergangenheit in die geistige Sphäre, durch diese Erhöhung geschichtlicher Vorgänge in die Sphäre des Lernens, durch diese „Ernte der Geschichte" allein könne sich der geistige Inhalt für die jetzt einsetzende Wanderung bilden. „Nicht der Zionismus, nicht das religiös-liberale Judentum und nicht die Orthodoxie, sondern die Geschichte des Judentums seit Mendelssohn bis heute, in der das Ineinander und Gegeneinander dieser drei jüdischen Gruppen eine echte jüdische Geistesgeschichte darstellt, ist das geistige Gepäck, das wir zusammen mit unserer ganzen Geschichte auf unsere Wanderung mit nehmen." Die Partei, die bisher im Zentrum stand, soll abgelöst werden durch das L e h r h a u s, dieM a s s e, die sich um die Partei gruppierte, durch die Gemeinde. Dem Lehrhaus sei die große erzieherische Aufgabe gestellt, die nichtpalästinensische Auswanderung jüdisch zu betreuen. Der Gegensatz von jüdischem Nationalismus und religiös-liberalem Judentum werde zur Synthese, wenn er nicht mehr Gegensatz von Parteien, sondern Lehrhausproblem sei. Eines der Probleme, das uns 1933, also noch bevor die eigentliche Wanderung einsetzte, als völlig neues D iaspora-P rob lem gegenübertrat, war das des jüdischen Theaters. Daß eine „Lösung" noch nicht gefunden wurde, daß die bisher geleistete Arbeit nicht in jeder Hinsicht als befriedigend angesehen werden kann, wissen wir. Ob aber, wie der Verfasser des Artikels „Jüdisches Theater in Deutschland" meint, die Mängel, vor allem das Fehlen schöpferisch-konstruktiver Leistung aus persönliche, methodische und organisatorische Fehler zurückzusühren seien und nicht vielmehr in der geistigen und organischen Besonderheit unserer Gesamtsituation gesucht werden müsien und somit einzelne nicht verantwortlich gemacht werden können, fei dahingestellt. Jedenfalls gibt der Aufsatz eine Reihe von erwägenswerten Anregungen und Hinweisen. Von den übrigen Beiträgen des Heftes, das neben einem schönen Gedicht Edith L. Meyers, eine ethymologisch reizvolle Untersuchung Max Grunwalds sowie ausführliche Besprechungen zweier Schriften um Maimuni durch Max Wiener und Erich Unger und einen diesmal besonders reichhaltigen Glossenteil enthält, sei eine Novelle von Gina Gärtler: „Flucht in die Welt" genannt, deren Schlußteil das nächste Heft bringen wird. Die Verfasserin gibt ein dimensionentieses, im sprachlichen überraschend gelungenes, wenn auch vielleicht stellenweise zu vehementes Bild des deutschen Frühmittelalters, in dem der jüdische Minnesänger Süßkind von Trimberg wirkte. In dem Artikel „Organisation der Diaspora", auf den zum Sch'luß noch einmal eindringlich hingewiesen sei, betont Maybaum eingangs, daß unsere Situation dadurch gekennzeichnet sei, daß nicht bloß die Auswanderungsfrage beantwortet, nicht nur neuer Raum zur Lebensfristung in der Welt gesucht, sondern daß vor allem auch ein geistiger Standort an Stelle des verlorenen gefunden werden müsse. Wir wüßten über das neue Heft des „Morgen" nichts besseres zu sagen, als daß es durch seine Materialsülle und insbesondere durch die. kluge Entwicklung neuer und wichtiger Gesichtspunkte einen wertvollen Beitrag darstellt, um diesen verlorenen und wiederzufindenden Standort zu fixieren. Heinz Berggrün. Ludwig Fulda, der bekannte Lustspieldichter, tritt am 15. Juni in sein 75. Lebensjahr ein. Zu Ehren des Dichters wird der Jüdische Kulturbund Berlin sein erfolgreichstes Werk, die vieraktige Komödie „Die Jugendfreunde" Aur Aufführung Meine Schwester und ich Die Kleinkunstbühne des Jüdischen Kulturbundes Berlin hat, selbst wenn die sommerlichen Abende wärmer und schöner werden sollten, für die Saison ausgesorgt. „Meine Schwester und ich", das in Berlin nicht unbekannte musikalische Spiel von Berr und Verneuil, dem Ralph Benatzky Bühnenbearbeitung, Gesangstexte und Musik gegeben hat, wird immer wieder sein Publikum als Zuschauer des von Hans Buxbaum spritzig inszenierten Scheidungsprozesses Professor Dr. Roger Fleuriot contra Dolly Flleuriot, nse Prinzessin Saint-Labiche finden. Und wie die Liebesgeschichte vor dem menschenkennerischen Scheidungsrichter Ehrlich Kikoler ''t

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