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Central-Verein-Zeitung · 1936-06-04 · 23 (4.6.1936) · p. [Seite]

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
15 (1936) - farbig
Issue
23 (4.6.1936)
Date
1936-06-04
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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XV. Jahrg. / Nr. 23 Berlin, 4. Juni 1936 Preis 10 Pfennig entral - erein- ALLGEMEINE ZEITUNG DES JUDENTUMS Geschäftsstelle CVerlag, Schriftleitang, Anzeigenannahme, Vertriebsabteilnng): Berlin W 15, Emser Strasse 42. Fernsprecher: J 2 Oliva 8141—45. Telegrammadresse: Centralglaaben, Berlin. Postscheckkonto: Berlin 70344. Die ,.C V Zeitung4 erscheint wöchentlich am Donnerstag. Redaktionsschluss: Dienstag. Bestellungen nimmt jedes Postamt aad die Geschäftsstelle entgegen. Zustellung erfolgt durch die Post, die die Gebühren durch den Postboten erhebt. — Bezugsgebühren: Abonnement vierteljährlich 99 Rpf. (Ausland 2.30 RM, amgerechnet in die Landeswährung) einschliesslich Zustellgebühren. Einzelnummer 10 Rpf. (Aasland 20 Rpf.). Im Falle höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlieferung oder Rückvergütung der gezahlten Beträge.' — Anzeigengebühren: Preisliste 5 gültig. Die 12gespaltene Millimeter-Zeile 20 Rpf., für Stellengesuche 10 Rpf. für Familienanzeigen 16 Rpf.. weitere ermässigte Grundpreise siebe Preisliste. Einzelanzeigen nur gegen Vorauszahlung. — Anzeigenschluss: Dienstag. Platz- und Datenvorschriften ohne Verbindlichkeit. Der detrish-Agency"Bericht an die Mandats-Kommission De« ständigen Mandatskommission beim Völkerbund, die ihre ordentliche Sommertagung unter dem Vorsitzenden Graf Theodoli am 27. Mai eröffnete, wurde wie alljährlich eine Denkschrift der Jewish Agency vorgelegt. In dem der Denkschrift beigegebenen Begleitschreiben Dr. Chaim WeizManns, datiert vom 30. April, ist eine Uebersicht über die Entwicklung Palästinas im abgelaufenen Berichtsjahr sowie eine Zusammenfassung der Wünsche und Beschwerden der Jewish Agency niedergelegt. Das Memorandum verzeichnet im allnemeinen ein weiteres Jahr merklichen wirtschaftlichen Fortschritts. Die jüdische Einwanderung aller Kategorien hat im Jahr 1935 die Zahl von 60 000 überstiegen. Die Entwicklung von Landwirtschaft und Industrie ging in demselben Maße weiter und die jüdische Einwanderung hat weiter dazu beigetragen, die Einkünfte der Regierung zu erhöhen. Im letzten Vierteljahr 1935 haben die wirtschaftlichen Verhältnisse in gewissem Grade eine Störung infolge der Auswirkungen des italienisch-abessinischen Konflikts erfahren. Anfang September kam es zu einem Run auf einige Banken, der trotz rascher Gegenwirkung der wirtschaftlichen Lage für einige Zeit vor allem durch Krediteinschränkung seinen Stempel aufgedrückt hat. Der leichte Rückschlag im Wirtschaftsleben hat zu Arbeitslosigkeit in gewissem Umfang geführt. Seit Beginn des laufenden Zwischenweli im Werden I. A. H. Es ist heute zu berichten, wie bas Jüdische Auswandererlehrgut in Groß- Breesen beginnt, die Absichten zu verwirklichen, die vor einem halben Jahre mit dem Begriff der Jüdischen Auswandererschule erstmalig verknüpft worden sind. Man erinnert sich: ein kleiner Kreis von Menschen überlegte sich den Zukunstsweg der jungen Generation unserer jüdischen Gemeinschaft in Deutschland, für die aus tatsächlichen oder ideelichen Gründen der Weg nach Palästina nicht als gegeben anzusehen war. Man fand Zersplitterung, Einzelgängertum, romantische Vorstellungen und oft, was noch schlimmer ist, ein Vakuum vor, sobald man ernsthaft und unter vier Augen die Frage nach dem Spater stellte, nach der Zeit, die der Schulentlassung oder der Lehrausbildung folgt. Die Mit einem Aufsatz „Südafrikanische Impressionen“ setzt die Schriftleiterin der C.-V.-Zeitung, Dr. Margarete Edelheim, auf Seite 3 des Hauptblattes ihre Berichte aus Südafrika fort. nmmiiiimiiiiiuimiiiiiiimiiMumnmimiiimiiiiiimiimiiimniiimmiiimtiiimmmminmf Forderung der Lebenstüchtigkeit, der menschlichen und jüdischen Bewährung war zwar erhoben, aber im wesentlichen nur diskutiert worden. Der 15. September 1935 zwang zum Ernstmachen. Wenn für die Mehrzahl der noch nicht im Beruf Stehenden, der gerade erst in der Lehre Befindlichen der Zukunstsweg über die Grenze führen muß, so soll die Vorbereitung dafür so sein, wie es der Tradition, der Würde und dem inneren Werte einer Gruppe entspricht, als die sich das Judentum in diesem staatlichen Raume seit anderthalb Jahrhunderten der Welt dargestellt und bewährt hat. Wer hinausgeht, soll sich diese Vorstellung seiner Herkunft, diese Verpflichtung zu seiner Lebenshaltung draußen, diesen Inbegriff von Kultur und Bildung zu eigen gemacht haben und eine Auffassung bekämpfen, die zwischen dem Extrem einer hemmungslosen Preisgabe aller überkommenen und übernommenen Werte und der Flucht in ein Wunschbild hin und her pendelt. An der Wiege der Verwirklichung dieser Idee einer Lebensvorbereitung stand — die Polemik. Wir erwähnen die Pressekampagnen vom Jahresbeginn nur, um mit Dankbarkeit festzustellen, wie schnell sie verstummt sind, nachdem aus dem theoretischen Widerstreit der Planung sich das Werk selbst in immer klareren Konturen abzuheben begann. Als dann die Reichsvertretung einstimmig, mit den zionistischen Stimmen, die Jüdische Auswandererschule anerkannte und ihr ihre materielle und ideelle Förderung zugesagt hatte, lag es nun an dem Kreise, aus dem der Plan stammte, zu seinen Absichten zu stehen. Es soll hier nicht der krause Weg beschrieben werden, der zu. dem werdenden Groß- Breesen führte, diese Besichtigungen und Berechnungen, diese Besprechungen über Programm- und Statutenfragen, diese schwere und verantwortungsvolle Auswahl der ersten Gruppe von Schülern und Praktikanten aus den vielen hundert Anmeldungen. Die wenigen Freunde, um die sich im Vertrauen aus ihre Ernsthaftigkeit ein größerer Kreis maßgebender Menschen aller jüdischen Gremien als Kuratorium gestellt hatte, taten ihre Arbeit, und es war ein gutes Vorzeichen für die Güte der Sache — weil eine wertvolle Sache schon als Idee wertvolle Menschen in ihren Bann zieht —, daß von Beginn an die Person des Leiters außer Frage stand: Professor Dr. Curt B o n d y. Und von dem Augenblick an, da wir wußten, Groß-Breesen wird der Ort der Verwirklichung, war ein früherer Baurat in unserem Kreise, dessen Name als einziger aus der Anonymität der ehrenamtlichen . Mitarbeiter hervorgeholt werden soll: Iacobh. Dieser Mann war. Wochen, bevor der erste Schüler in Groß-Breesen eintraf, am Platze. Er rechnete und vermaß, entwarf und werkte vom Morgengrauen bis in die späte Nacht die tausend Dinge, die zusammenpassen müssen, damit die Voraussetzungen für ein Gelingen gegeben sind. II. Groß-Breesen liegt in der Nähe von Breslau bei Obernigk, ein Besitz von etwa 900 Morgen in zweckmäßiger Mischung aller Bodenarten, als Ausbildungsstätte für Gärtner und Landwirte gut geeignet, mit ausreichenden Baulichkeiten, in denen auch die handwerklichen Werkstätten — zunächst Tischlerei und Schlosserei — ihren Platz finden. Auch hier alles im Aufbau. Die künftigen Lehrlinge helfen, die Geräte für die Arbeit zurecht zu machen, und im Hause greift jeder zu, wo und wann er gebraucht wird. So wird ganz ohne Absicht schon die Zeit vor der Ausbildung zur Ausbildung selbst: Zupacken lernen und keine Arbeit scheuen! Man trifft frohe Menschen, wenn man Groß-Breesen betritt. Es ist nicht nur der Widerschein der Freude über die sanfte Schönheit der Landschaft, in der sie nun für einige Zeit zu Hause sein werden, ehe es an das große Abschiednehmen geht; es ist auch nicht der Abglanz der Kameradschaft, die hier gelebt wird, der Feierlichkeit der Fest- und Gemeinschaftsstunden, nicht die „gute Mattigkeit der Glieder", von der Hosmannsthal einmal spricht; es ist nichts von all diesem und doch alles zusammen. Denn alles zusammen ergibt eine körperliche und seelische Straffheit, die sich in Haltung und Sprache und Ton eines jeden ausdrückt, und gleichgültig, was gerade getan wird: unsichtbar steht hinter jedem die Mahnung zum Bewußtwerden seiner eigenen Person als Träger einer Pionierausgabe. Man hat zu den jungen Menschen das Vertrauen, daß sie hier starke und breite Schultern bekommen werden, körperlich und seelisch. Eines fällt auf, und wir möchten, daß unsere Sätze hierüber recht vielen 'Eltern, vor allem vielen Müttern, aufsallen mögen: man sieht keine Mädchen als Schülerinnen in Groß-Breesen und zu wenig Praktikantinnen. Es gibt aber ohne Mädchen und Frauen keine harmonische Ausbildung für einen Ausbau in Uebersee. Wie stellen sich die Eltern, die Töchter in den in Frage kommenden Jahrgängen haben, die Zukunft ihres Kindes vor? Haushilse für die Mutter ist wichtig und nötig. Glaubt man, daß die Jungen, wenn sie einmal in Uebersee sind und den ersten schweren Start überwunden haben, sich Mädchen aus der Heimat Nachkommen lassen werden, die weder körperlich noch geistig auf die völlig andersartigen und schweren Verhältnisse drüben vorbereitet sind? Groß-Breesen wird in Kürze einen neuen Appell an die jüdischen Mütter richten, über diese Frage nachzudenken und zu Entschlüssen zu kommen, die vielen von ihnen und sicherlich auch manchen Töchtern im Augenblick unbequem sein mögen. Aber diese Zeit kommt ganz allgemein nicht den Wünschen nach Bequemlichkeit entgegen, sondern sie fordert in ihrer ganzen Härte auch Härte gegen sich selbst. Niemand weiß, unter welchen Verhältnissen die jungen Menschen einmal drüben leben und arbeiten werden. Jeder Vater, jede Mutter kann aber feststellen, wie bei aller Bescheidenheit der Lebensführung ihr Kind in Groß - Brechen untergebracht ist. Hohe, helle Schlafräume, gute Betten, ausreichende Dusch- und Baderäurzre, reichliche und kräftige Ernährung, sportliche Schulung zum Ausgleich der schweren körperlichen Arbeit. Die geistige Erziehung ist, wie alles, noch im Beginn, vor allem der Sprachunterricht. Aber schon heute wirkt die Persönlichkeit des Leiters in jedes Tun und Denken hinein. Ein abgegriffenes Wort drängt sich oft und unmittelbar aus, wenn man unter den Groß-Breesenern ist: Anständig! Anständig ist der Ton der Menschen untereinander. anständig zwischen den Gutsarbeitern und den jungen Zöglingen, anständig die Haltung zwischen Schülern und Leiter. Und wenn man noch ein zweites erklärendes Wort hinzusügen darf: Sauber! Sauber und anständig, das ist die wohltuende Atmosphäre. Man sieht junge Menschen, die aufwachsen werden, ohne innerlich gekrümmt oder zerbrochen zu sein. Es ist aber keine Lebensferne, in der die Jungen und Mädchen sozusagen im luftleeren Raume erzogen werden. Das Leben strahlt stärker in ihren Tag hinein als sonstwo. Denn es ist sowohl die Welt u m sie wie die Welt vor ihnen, die beide mit Forderung und Lehre und Verpflichtung da sind und Ansprüche erheben. Die Welt, in der sie jetzt leben, ist eine Zwischenwelt, aber nicht im Sinne flauer Unentschlossenheit, des Freihaltens von Auswegen, sondern der Entschlossenheit, einmal in einer neuen Welt heimisch werden zu Jahres jedoch haben sich die Verhältnisse erfreulich gebessert und man kann sagen, daß die wirtschaftliche Aufwärtsbewegung wieder eingesetzt hat. Die wirtschaftliche Struktur der jüdischen Siedlung und des Aufbauwerkes haben bei dieser Gelegenheit eine bemerkenswerte Erholungsfähigkeit bewiesen. Das Bankensystem hat die vorübergehenden Schwierigkeiten überwunden; die inländischen Einlagen und der ausländische Kapitalzufluß steigen an. Die Zahl der jüdischen Arbeitslosen ist zurzeit dieselbe wie im November und Oktober 1935; sie wurde damals auf 5 Prozent der gesamten jüdischen Arbeiterschaft geschätzt, was über eine normale Arbeiterreserve nicht hinausgeht. Da inzwischen auf Grund der können, weil aller Wert, alle Unersetzbarkeit der alten Welt ihnen völlig bewußt, ihnen Wesensbestandteil geworden ist. Diese Zwischenwelt wird so zur verdichteten Eigenwelt. So dicht soll alles in ihr gefügt werden, daß selbst stärkste Verdünnung durch den späteren Lebensalltag keine Wertlosigkeit schassen kann. III. Es wird noch oft über Groß-Breesen zu berichten sein, ohne daß die Oessentlichkeit Sensationen zu erwarten hat, aber auch ohne daß die Arbeit selbst, allzu sehr im Lichte der Oessentlichkeit, Gefahr läuft, mit einem Seitenblick aus die Oessentlichkeit getan zu werden. Aber die Eltern unserer Kreise sollen in gewisser Weise durch die Fernwirkung dieses Werkes ähnlich erzogen werden wie ihre Kinder. Denn dieses erste Auswandererlehrgut, dem, wir wissen nicht wann und wie viele folgen werden, soll als gemeinsamer Besitz unseres Kreises empfunden und behandelt werden, der verpflichtet. Noch ist die Arbeit erst im Werden, vieles wird jetzt noch benötigt, vieles wird in Zukunft benötigt werden. Der C.-V., der mit der Reichsvertretung das bedeutsame Werk fast ausschließlich materiell trägt, ist nicht so stolz, diesen Ehrentitel für die Dauer uneingeschränkt führen zu wollen. Wenn Groß-Breesen erst einmal im Bewußtsein unserer Menschen seinen Platz gesunden hat^ wird niemand zurückstehen wollen, wenn es gilt, es als Wirklichkeit zu erhalten. * Wie uns die Leitung des jüdischen Auswandererlehrgutes Groß-Breesen mitteilt, besteht die Möglichkeit, zunächst noch einige Schüler im Alter von 15 bis 16 Jahren, auch Mädchen von 14 Jahren ab aufzunehmen. Fragebogen können unter Beifügung von Freiporto bei der Verwaltung Groß-Breesen, Post Obernigk in Schlesien, angefordert werden. Diese Nummer umfasst 24 Seilen Sie enthält u. a.: Hauptblatt: Auslandsnachrichten. 1. Beiblatt: ,,Wiener Blut“ im Berliner Kulturbund, von Ludwig Altmann, mit Zeichnungen von Ernst Marcuse. — Schach-Ecke. 2. Beiblatt: Isaak Heinemann zum sechzigsten Geburtstag, von Professor Ismar Elbogen. — Bibliographie der jüdischen Diaspora. 3. Beiblatt: Australien und Neuseeland, von Dr. R-z. — Kurzer Nachmittag in Antwerpen, von C. H. — Jüdisches Leben in Spanien, von Waltet Abrahamsohn, Barcelona. — Numerus clausus und Minoritätenrecht in Osteuropa, von Dr. Kurt Stillschweig. 4. Beiblatt: Palästina-Umschau. — Wirtschaft der Woche. 5. Beiblatt: Sportblatt.

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