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Central-Verein-Zeitung · 1936-05-27 · 22 (27.5.1936) · p. [Seite]

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
15 (1936) - farbig
Issue
22 (27.5.1936)
Date
1936-05-27
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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«s. Pulüsfina-( in*«‘liaii der C.-V.-Zeitnng Hafen Tel-Aviv Von unserem *-Pa!ästina-Berichterstatter Tel-Aviv, 20. Mai. Inmitten des Schmerzes und der zornigen Erbitterung über die neuen Opfer, die in Jerusalem von Mörderhand gefallen sind, inmitten der Trauer um den grossen Vorkämpfer politischer und kultureller Erneuerung, Nachum Sokolow, hat das jüdische Palästina gestern einen stolzen und frohen Tag erlebt. Der erste Dampfer aus Europa ankerte vor der jüdischen Küste, vor Tel-Aviv, und jüdische Arbeiter brachten auf ihren Booten die ersten Waren zu dem von ihnen gebauten Landungssteg. Der Kern des so lange ersehnten Hafens Tel-Aviv ist in Betrieb. Gewiss handelt es sieh noch um einen allerersten Versuch, um einen in seiner Primitivität beinahe rührenden Anfang, aber gerade darin liegt die Grösse dieses Augenblicks, dessen wirtschaftliche und politische Bedeutung für die Zukunft kaum überschätzt werden kann. Seitdem sich Tel-Aviv zur grössten Stadt des Landes und zu einem hervorragenden Wirtschaftszentrum entwickelt hat, war die Hafenfrage Gegenstand dauernder wirtschaftspolitischer Kämpfe. Die Engländer haben den einzigen Naturhafen des Landes, die Bucht von Haifa, mit einem grossen Kostenaufwand ausgebaut, wenn auch nach Meinung der Sachverständigen sowohl in den Grössenverhältnissen als auch in den Einzelheiten der technischen Anlagen den Bedürfnissen des wachsenden Verkehrs nicht genügend Rechnung getragen wurde. Die Folge war eine schon in den letzten Jahren spürbare Tendenz zu einer gewissen Einlagerung des Grosshandels und der Industrie nach dem neuen Hafen, der schon 1931 seinen alten Konkurrentenjaffa zu überflügeln begann und im vergangenen Jahr mit 1818 anlaufenden Dampfern und einem Güterumschlag von 926 000 Tonnen einen Vorsprung von rund 60 Prozent vor dem Verkehr von Jaffa hatte. Haifas Stellung beruht nicht nur auf den natürlichen Vorzügen seiner auch strategisch wichtigen Lage sowie auf seiner Bedeutung als Endpunkt der Mossul-Petroleumlinie, sondern auch auf der grosszügigen jüdischen Industrie- und Wohnsiedlung am Rande der Bucht. Jaffa dagegen hat durch seine geographische Lage ein wirtschaftlich weit bedeutenderes Hinterland, nämlich Tel- Aviv und die angrenzenden Orangenzonen mit ihren, zum Teil auch industriell wichtigen, Landstädtchen; auch die Landeshauptstadt Jerusalem liegt verkehrsmässiger näher an Jaffa als an Haifa. Die Hebelstände, die sieb aus dieser Ablenkung von der natürlichen Verkehrsrichtung ergaben, wären vielleicht weniger fühlbar geworden, wenn eine gute Verbindung zwischen dem Hafen von Haifa und dem Wirtschaftsgebiet von Tel-Aviv bestanden hätte. Aber die Engländer verzögerten, zum Teil wohl mit Rücksicht auf die Eisenbahn, immer wieder die Fertigstellung der grossen Küstenchaussee. Wohl wurde der Bau schliesslich in Angriff genommen, der Eisenbahnverkehr etwas verbessert und sogar der Hafen von Jaffa selbst etwas modernisiert. Aber all das genügte noch nicht, zumal die Verkehrs- und Schiffahrtspolitik in Palästina noch mit einem ganz besonderen Umstand zu rechnen hat. In den Häfen des Landes werden jährlich viermal so viel Güter aus geladen wie ein geladen, eine Folge des Missverhältnisses zwischen Import und Export sowie der starken Einwanderung, die ja in Form von Liften usw. ebenfalls grosse Warenmengen bringt. Auch für die Schilfsreeder ergibt sich daraus ein schwieriges Problem: Es ist zumeist nicht möglich, innerhalb des palästinensischen Hafens sofort die entsprechende Rückfracht zu bekommen. Interessant ist nun aber, dass der bedeutendste Ausfuhr hafen des Landes immer noch Jaffa ist, denn hierher kommt, aus den nahegelegenen Pflanzungsgebieten, der grösste Teil "des wichtigsten, palästinensischen Ausfuhrproduktes, der Citrusfrüchte. Es ist kaum auszudenken, welche Folgen es gehabt hätte, wenn, der Hafen von Haifa während der Citrussaison einen vollen Monat stillgelegt worden wäre; allerdings ist der arabische Anteil am Orangenbau immerhin so stark, dass man im Winter vielleicht auf diesen Streik ganz verzichtet hätte. Aber schon jetzt ergaben sich die allergrössten Schwierigkeiten aus der Tatsache, dass Tel-Aviv beinahe restlos auf Jaffa angewiesen war, das ein Jude nicht ohne Lebensgefahr betreten kann. Die Regierung war offensichtlich nicht in der Lage, hier für Ruhe und Ordnung zu sorgen und, wie in Haifa, einen geordneten Hafenbetrieb aufrechtzuerhalten. In Haifa haben sogar einige Schiffahrtsgesellschaften ihre Verträge mit arabischen Leichter- Reedern und mit arabischen Gruppen von Hafenarbeitern gelöst und sie den jüdischen Leichter- Genossenschaften sowie den jüdischen Arbeitergruppen übertragen, die ihrerseits sogar arbeitswillige Araber mit beschäftigen und unter polizeilichem Schutz arbeiten. Durch eine solche Umorganisation wurde auch die Arbeitsaufnahme in den Kiesgruben der jüdischen Zementfabrik Kescher, in denen auf Grund alter Abmachungen Araber beschäftigt .wurden, ermöglicht und damit die Voraussetzung zur Wiederaufnahme der Zementfabrikation geschaffen. Aber all das war natürlich keine befriedigende Lösung, und die Umleitung der Dampfer von Jaffa nach Tel-Aviv verursachte nicht nnr organisatorische Schwierigkeiten und einen empfindlichen Zeitverlust, sondern der Bahntransport von Haifa zurück nach Tel-Aviv verteuerte auch die Sendung erheblich. Seit Beginn des Streikes verhandelte eine Spezialkommission, bestehend aus der Agency der Stadtverwaltung Tel-Aviv, der Handelskammer, dem Industriellenverband und der Arbeiterorganisation mit der Regierung um die Erlaubnis, ankommende Dampfer in Tel-Aviv löschen zu können. Die Behörden versuchten noch einmal, die Araber zur Beendigung des Streikes zu bewegen, dann erteilten sie die Erlaubnis. Das war am Sonntag abend. Was nun geschah, war ein Wunder. Die Pläne waren ja schon längst fertig, und auch die Arbeitergruppen, die in letzter Zeit die in den Zollschuppen Jaffas liegenden Waren zum Teil unter Lebensgefahr abtransportiert hatten, warteten nur auf neue Betätigungsmöglichkeiten. Binnen vierundzwanzig Stunden wurde ein Holzhaus von drei Zimmern und einem Güterschuppen für die neue Zollstation gebaut, nicht viel länger dauerte es, bis ein provisorischer Holzsteg, der innerhalb der nächsten vierzehn Tage durch eine Eisenkonstruktion ersetzt werden wird, vom Strande bis in das tiefere Wasser hinein gebaut war,, an ihm können die Leichter anlegen, nachdem sie die Güter von dem weiter draussen ankernden Schiff übernommen haben. Schliesslich wurde noch ein grosses Geländestück, das Hafengelände, mit Stacheldraht abgezäunt, ein hoher Mast für die blau-weisse Flagge mit Davidsstern errichtet und — die Notanlage war fertig, allerdings nach heisser Arbeit, die, schon aus Sicherheitsgründen, auch in der Nacht nicht unterbrochen werden durfte. Gestern, am Dienstag, den 19. Mai, setzte sich der jugoslawische Dampfer „Centuri“, der bis dahin vor Jaffa gewartet hatte, in Bewegung, gefolgt von den aus Jaffa herübergelegten jüdischen Leichterbooten und dem Motorboot der Behörden. Aber er hatte noch ein anderes Gefolge. Ein Teil der arabischen Hafenarbeiter in Jaffa hatte bei den ersten Nachrichten über die neuen Pläne der Juden von der Streikleitung den Abbruch des Streiks verlangt, da sie jetzt die Gefahr erkannten, ihre Arbeitsplätze dauernd zu Der Wiederum liegt eine Woche unverminderten arabischen Terrors, der angesichts des verstärkten englischen Militärschutzes immer mehr den Methoden eines systematischen Kleinkrieges sich annähert, hinter uns. Die Unruhen scheinen fast in ein chronisches Stadium zu treten. Die Hoffnung auf ihre schnelle Beilegung ist in allen Lagern gesunken. Doch besteht immerhin die Aussicht, dass es den englischen Truppen bei planmässiger Einsetzung ihrer Machtmittel in zunehmendem Masse möglich sein wird, die Saboteure und Terroristen an der Fortsetzung ihres Zerstörungswerkes zu hindern. Die Chronik der Ereignisse verzeichnet von Dienstag, dem 19. Mai, einen arabischen Ueberfall in der Armenierstrasse, in der Altstadt von Jerusalem. Der Ueberfall forderte das 26. jüdische Todesopfer. Der 35jährige Maler Feiwel S n i t z e r, Sohn des Bezirksvorstehers der Altstadt, wurde durch drei Revolverschüsse niedergestreckt. Ein amtliches Communique berichtet ferner von einem arabischen Ueberfall in der Ben-Jehuda-Strasse in Jerusalem. Beduinen haben einen Angriff auf die Siedlung Kfar Tabor im Emek durchgeführt. Sie versuchten, die Wasserleitung abzuschneiden. Die Heilung wurde beschädigt, so dass sich in Kfar Tabor Wassermangel fühlbar macht. Bei der Abwehr des Angriffes wurden zwei Juden und ein Polizist verwundet. Das Gewehr des Polizisten wurde zerbrochen. Die Beduinen entkamen. Jüdische Felder in Mizpa Sedschera und anderen Siedlungen Untergaliläas wurden in Brand gesteckt. Die Behörden haben die Büros und die Druckerei der radikalnationalistischen Zeitung „A Difaa“ in Jaffa geschlossen. Die Regierung hat die palästinensischen Zeitungen aufgefordert, keine Berichte über die angebliche Rolle Italiens bei den Unruhen zu veröffentlichen. Bei Ramat Gan setzten Araber in einem irrtümlich für einen jüdisch gehaltenen deutschen Wirtschaftsbetrieb einen Heuschober in Brand. In Herzlia wurde ein jüdisches Orangenpackhaus in Brand gesteckt. Die Polizei überraschte die Brandstifter bei der Tat, doch gelang es diesen, zu Pferd zu flüchten. Sie verschwanden in dem arabischen Dorf Dschelil. An der Eisenbahnlinie zwischen Lydda und Tel-Aviv wurde die Leiche eines Arabers neben einer explodierten Bombe gefunden. Die Polizei nimmt an, dass der Araber bei dem Versuch, den Bahnkörper zu sprengen, den Tod gefunden hat. Der Ausnahmezustand in Jerusalem wurde verschärft. Die Polizeistunde wurde von 8 Uhr auf 7 Uhr abends vorverlegt. Die jüdischen Beamten im Jerusalemer Department für öffentliche Arbeiten haben um besonderen Schutz angesucht. Es wurde ihnen der Rat erteilt, einen Urlaub zu nehmen. Die Agudat Jisrael hat für den 21. Mai einen Fasttag für ganz Palästina im Hinblick auf die fortdauernden Unruhen proklamiert. Aus einem Zuge, der Tel-Aviv passierte, wurde von Arabern eine Bombe geworfen und Schüsse abgegeben. Der Bahnwächter weigerte sich, den Zug anzuhalten. Bei der Beisetzung des in der Altstadt von Jerusalem getöteten österreichischen Katholiken Karl Breitinger versuchten 500 Araber den Polizeikordon zu durchbrechen. Die Menge wurde gewaltsam auseinandergetrieben. Verletzt wurde niemand. Bei der Leiche Breitingers ist ein Fez gefunden worden, den, wie die Witwe behauptet, der Mörder getragen hat. Als Reaktion auf diese ausserordentliche Terrorwelle kündigte die Palästina-Regierung in der „Palestine Gazette“ folgende Massnahmen und Verordnungen an: verlieren. Andere aber drangen in den Hafen ein, bestiegen ihre Boote und versuchten, den Dampfer zu entern. Sie mussten erst durch Schüsse von der englischen Polizei vertrieben werden. Mittlerweile waren auch jüdische und englische Zollbeamte aus Jaffa eingetroffen, um ihren Dienst aufzunehmen. Die Autobus-Kooperative legte eine Sonderlinie ein, „zum Hafen“, die Tausende von Zuschauern herausbeförderte. Schliesslich erhielten die neuen Pioniere des Hafenbaues noch einen unerwarteten, stürmisch begrüssten Besuch: Bürgermeister Dizengoff kam aus dem Krankenhaus, wo er sich einer Spezialkur unterziehen muss, um die Verwirklichung seines alten Traumes mit eigenen Augen zu sehen. Und dann landete unter den Klängen der Hatikwab das erste Boot. Am Dienstag nachmittag rollte auf einem Lastauto, von jubelnden Arbeitern in den blauen Blusen der Organisation begleitet, der erste Sack der Tausend-Tonnen-Ladung Zement in die Stadt, nicht auf den Bau, sondern in das Museum. Und dann kamen immer dichter die Autos, zum Teil ein neu improvisiertes Hafenlied singend, und immer von Beifall begrüsst. Die im Hafen von Jaffa geschulten Arbeiterkooperativen „Sebulun“ und „Hapö’el“ waren die ersten, die an diesem Werke mittun durften. Die Bauarbeiten wurden ausgeführt von dem Baubüro der Arbeiterorganisation (Misrad Kablani schel hat Histadruth), die ganze Anlage stand unter Aufsicht des Stadtingenieurs Fischmann, die ersten fünfhundert LP. wurden von der Jewish Agency gegeben, Saloni'ker Juden, erprobte Lastträger, kamen zur Entladung aus Jaffa herüber und, was nie vergessen werden sollte, die Arbeiter, die zum Teil durch die Stilllegung des Hafens von Jaffa in ernste wirtschaftliche Bedrängnis gekommen sind, verzichteten für den ersten Tag ihrer Aufbauarbeit am jüdischen Hafen Tel-Aviv auf ihren Lohn! Schon schweben weiterreichende Projekte, die insbesondere auch ein schwimmendes Ankerkai im Tiefwasser, mit unmittelbarem Eisenbahnanschluss an das Festland vorsehen, der Plan eines hiesigen Ingenieurs, der durch palästinensische und ausländische Patente geschützt ist. Vorläufig sind näherliegende Schwierigkeiten zu überwinden. Vor allem muss eine Autoanfahrt vom Dünensand bis zur Messe gebaut werden, von wo die Autos auf gepflasterter Strasse in die Stadt gelangen. Die ganze Anlage ist unmittelbar vor dem Messegelände, an der Mündung des Jarkon, die gleichzeitig den Leichterbooten eine sichere Unterkunft bietet. Die allgemeine Freude an diesem Werk war vielleicht eines der schönsten Zeichen von Gemeinsamkeit, die uns diese trüben Tage gebracht haben. Allgemein herrschte das Gefühl: Dies sind unsere Waffen, gegen Bedrohung des Aufbaus setzen wir neuen Aufbau. Eine der schwersten Drohungen der aufrührerischen Araber, die Erwürgung der jüdischen Wirtschaftszentren, ist durch diese unblutige Gegenoffensive im Prinzip illusorisch gemacht worden. Wichtig aber ist diese neue Schöpfung auch als Symptom dafür, dass der Jischuw. in Palästina heute schon, in all seiner Begrenztheit, eine in sich ruhende Macht darstellt. Im entscheidenden Augenblick waren eben jüdische Köpfe da, um die Pläne zu ersinnen, und jüdische Hände, um sie auszuführen, jüdischer Boden und jüdisches Geld standen zur Verfügung. Von den englischen Behörden wurde nur eines verlangt: Das neue Werk nicht zu verbieten und nicht zu stören. Alles Positive hat das jüdische Palästina aus eigener Kraft geleistet. Auch im Hintergrund der Hafenfrage steht freilich die hohe Politik. Der politische Kampf um die Hafenkonzession war in gewissem Sinne das schwerste Stück Arbeit; Befristung und Umfang der Konzession sind bis heute noch nicht restlos geklärt. Eine solche Klärung ist aber notwendig, bevor grössere Investitionen gemacht werden, um eine leistungsfähigere, auch schlechtem Wetter gewachsene Anlage zu errichten und durch einen ständigen Hilfshafen das Monopol Jaffas zu brechen oder doch Tel-Aviv vor einem neuen Missbrauch dieser Monopolstellung zu schützen. Streik hält an / Wer Dolche erzeugt, verkauft oder trägt wird mit drei Jahren Gefängnis oder 100 Pfund Geldstrafe bestraft. Wer in öffentlichen Strassen Messer trägt, wird mit einem Jahr Gefängnis bestraft. Die Polizei wird ermächtigt, ohne Haftbefehl Personen zu verhaften, die illegale Ansammlungen bilden. An öffentlichen Orten getragene Waffen jeder Art einschliesslich von Knüppeln und Eisenstöcken sind von der Polizei zu beschlagnahmen. . Noch weiter ging der Jerusalemer Korrespondent der Londoner „Times“, indem et der Ansicht Ausdruck gab, dass die Exzesse anhalten würden, bis ihnen durch Standrecht ein Ende gemacht werden würde. Die bisherigen Notverordnungen seien nicht ausreichend, um den Guerillakrieg zu beenden. . Die hebräische Presse begleitete diese verschärften Massnahmen mit dem Kommentar, dass den scharfen Drohungen der Regierung gegen die Mörder und Saboteure bisher entsprechende Taten nicht gefolgt sind. Damit mache sich die Regierung zum Gespött der Araber. Der gesamte Jischuw stehe hinter der Forderung der Jewish Agency nach Ansetzung aller Kräfte zur endlichen Wiederherstellung der Ordnung. Die wachsende Zahl der Verbrechen und der Drohungen könne auch den Jischuw, der eine unvergleichliche Disziplin und Selbstbeherrschung an den Tag legt, aus dem Gleichgewicht bringen. Auch die Geduld einer zivilisierten und friedliebenden Bevölkerung habe eine Grenze. Der Jischuw werde die britische Regierungskommission, wenn sie nach Palästina kommt, unterstützen, aber nicht um Haaresbreite von dem Recht der Juden, nach Palästina zu kommen und das Land aufzubauen, abweichen. Das jüdische Volk werde sich mit allen Kräften jedem Schacher widersetzen, der auf seine Kosten eingefädelt wird. Der Jischuw sehe sich der verzweifelten jüdischen Not in vielen Ländern gegenüber und wisse, welche Verantwortung auf ihm ruht. Die „Palestine Post“ erklärt, falls die Regierung nicht durchgreife, werde bald das Leben nicht nur eines Juden, sondern auch das eines Engländers und jedes Europäers in Palästina nicht mehr sicher sein. Leider bewiesen die nächsten Tage, Mittwoch und Donnerstag (20. und 21. Mai), dass die Befürchtungen nicht unberechtigt waren. Die arabischen Terrorakte wurden im ganzen Lande fortgesetzt. Das gesamte Eisenbahnnetz ist in das Gebiet des Ausnahmezustandes einbezogen worden. Die Bestimmungen des Ausnahmezustandes gelten für die Linien und zwei je 15 Meter breite Streifen zu beiden Seiten. Für den Verkehr mit der Altstadt von Jerusalem wurde ein Autobusdienst eingerichtet, durch den hauptsächlich die Verpflegung der dort noch verbliebenen Einwohner sichergestellt werden soll. Die Autobusse verkehren in zweistündigen Intervallen unter Eskorte. Die Räumung der Altstadt durch die Juden wurde fortgesetzt. Nur noch etwa 200 jüdische Familien sind in der Altstadt verblieben. Aus dem Musrara-Viertel und anderen Stadtvierteln mit gemischter Bevölkerung, die von den Juden bereits verlassen sind, haben nunmehr auch die christlichen Einwohner auszuziehen begonnen. In Akko; Dajan, Dschenin und anderen Ort- . schäften ist es zu Schiessereien gekommen. Bei einem Bomenbanschlag auf die Jaffaer Polizeistation sind die Fensterscheiben zertrümmert worden, verletzt wurde niemand. Vor dem militärisch bewachten Postamt in Jerusalem wurde ein Privatauto durch Araber in Brand gesteckt. Im Gebiet von Jaffa—Tel-Aviv sind weitere acht Bomben geworfen worden. Eine davon aus Die Ereignisse der letzten Woche einem Zug, als er Tel-Aviv passierte, und drei gegen Häuser der Tel-Aviver Vorstadt Neve Schalem, in denen Militär einquartiert ist. Sämtliche Bombenanschläge misslangen. Auch durch zwei Bomben, die in Kfar Nachman hei Raanana geworfen wurden, ist kein Schaden angerichtet worden. In der Nacht vom 20. zum 21. Mai war Der Schlussaufsatz der Artikelserie unseres L.-B. - Sonderberichterstatters „Konsolidierungsaufgaben in Palästina" erscheint aus raumtechnischen Gründen erst in der nächsten Nummer. ciimififmiiiiiiiiiiiiiiniiiuiimiiiiiiiiiuiimmiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiimii» Palästina von jeder telephonischen und telegraphischen Verbindung mit dem Ausland abgeschnitten. Terroristen hatten die Linien zwischen Jerusalem und Kairo, Beirut und Jaffa und damit die Verbindung mit dem weiteren Ausland unterbochen. Die leitenden arabischen Beamten im Jerusalemer Hauptpostamt sind durch englische Beamte ersetzt worden. Nach zwölf Stunden konnten die Hauptlinien wieder instand gesetzt werden, auch die Telephonverbindung mit Kairo wurde im Laufe .des Tages wieder hergestellt. In Palästina selbst sind aber noch viele Ortschaften ohne telegraphische oder telephonische Verbindung mit Jerusalem. Die Juden in Safed haben mitgeteilt, dass sie sich angesichts der dauernden Aufhetzung der arabischen Bevölkerung stark gefährdet fühlen. Ein jüdischer Einwohner namens Ben Dov und zwei Polizeiinspektoren wurden verwundet, als Araber ein jüdisches Auto in Safed mit Steinen bewarfen. Aus verschiedenen Teilen des Landes wurden Fälle von Brandstiftung gemeldet. Auch die Elektrizitätsstation am Jarkon wurde angezündet. Sämtliche Brände wurden jedoch rechtzeitig gelöscht. In Orangenpflanzungen bei Raanana und Herzlia wurden 830 Bäume ausgerodet. In Herzlia wurden zwei Araber verhaftet, bei denen 'Waffen gefunden Wurden. Auf der Strasse Jerusalem—Jericho wurde ein F’euerüberfall auf einen Transport der Palestine Pottash Comp, verübt. Verletzt wurde niemand. Sechs Araber wurden verhaftet, nachdem sie aus einem fahrenden Auto in. einen jüdischen Autobus, der gerade Tel-Aviv verliess, eine Bombe geworfen hatten. Es wurde niemand verwundet. Auf den jüdischen Polizeihauptmann Ä. 811ver in Jerusalem sind drei Schüsse abgegeben worden, die ihr Ziel verfehlten. Ein Araber wurde in Jerusalem von einem Engländer bei der Durchsuchung nach Waffen schwer verwundet. In die Wohnungen des Kreisbeamten von Beisan und eines englischen Sergeanten in Bajit Weg an sind Bomben geworfen worden. Die Eisenbahnbrücke bei Tulkarem ist trotz der verschärften Bewachung gesprengt worden. In Gan Schlomo bei Chedera wurden 500 Bäume ausgerodet. Zu einem grösseren Zusammenstoss zwischen. Arabern und englischem Militär kam es etwa 20 Meilen von Tel-Aviv. Ein überfüllter jüdischer Autobus und drei Privatautos wurden von Arabern aus einem Hinterhalt angegriffen. Von den jüdischen Insassen des Autobusses wurden zwei verletzt, und zwar ein gewisser Jesaja Fischman schwer und ein gewisser Luba Pesis leicht. Der Autobus fuhr vor den drei Privat-

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