Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936) - farbig
- Issue
- 21 (22.5.1936)
- Date
- 1936-05-22
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Lord Allenby Drei Tage vor dem Tode von Nahum Sokolow ist im gleichen Alter in London der Mann gestorben, dessen militärischen Leistungen England die Eroberung Palästinas im Weltkriege verdankte, durch die die Voraussetzung für eine jüdische Einwanderung gegeben wurde: Lord Allenby Allenby, der sich schon in Kolouialfeldzügen und im Bureukrieg ausgezeichnet hatte, kommandierte in den ersten Jahren des Weltkrieges auf verschiedenen Kriegsschauplätzen an der Westfront. Im Juni 1917 wurde ihm das Oberkommando der englischen Armee in Aegypten und Palästina übertragen. Auf diesem neuen Posten zeigte Allenby sein ganzes Können. Sechs Monate, nachdem er das ägyptische Kommando übernommen hatte, zog er in Jerusalem ein. Seine Siege bewirkten die Loslösung Aegyptens und Syriens von der Türkei und entschieden den Sieg der Entente auf diesem Kriegsschauplatz. Der in Anerkennung seiner Verdienste zum Feldmarschall beförderte Kommandant, welcher bis 1919 in Palästina blieb, um dann als High Commissioner nach Aegypten berufen zu werden, zeigte sich zunächst der durch die Balfour-Deklaration eingeleiteten Politik seines Landes skeptisch gegenüber, gab dann aber später bei verschiedenen Gelegenheiten seiner positiven Stellung zum jüdischen Aufbau Ausdruck. Noch im vergangenen Jahr begab er sich zur Einweihung eines Denkmals, das ihm in einer Siedlung jüdischer Legionäre gesetzt ivurde, nach Palästina. Der „Osservatore Nomano", das offizielle Orgarp des Vatikans, bringt ausführliche Berichte über die Vorgänge in Palästina, ohne daß führende kirchliche Persönlichkeiten zu dem Streit zwischen Juden und Arabern Stellung nehmen. In dem letzten Bericht wird betont, daß der Kampf der Araber gegen die Balsour-Deklarativn als die Magna Eharta des Zionismus und um die Abdrosselung der Erueueruugsbewegung des jüdischen Volkes geht. Zum Schluß wird der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß es auch in begrenztem Ausmaß nicht zu einer Wiederholung des Blutbades von vor sieben Jahren kommen werde. Vereinigte Sammlungen von Joint und ORT Der Vorsitzende des vom American Joint Distribution Committee eingesetzten Komitees zur Ausbringung von 3 500 000 Dollars im laufenden Jahr für jüdische Hilfs- und Aufbauzwecke in Deutschland und Osteuropa, Jonah B. Wlse, und der Präsident des Volksverbandes ORT, des amerikanischen Zweiges des Verbandes zur Förderung von Handwerk, Industrie und Laudwirtschaft unter den Juden ORT, B. Z. Vladeck, veröffentlichen eine gemeinsame Kundgebung an die amerikamsch-jüdische Oeffcntlichkeit, in der mitgeteilt wird, daß der erwähnte Joint-Drive und der Drive von ORT zur Ausbringung von 500 000 Dollars für Berufsumschichtungszwecke in Osteuropa miteinander verschmolzen wurden, wobei der auszubriugende Gesamtbetrag auf 3 500 000 Dollars fixiert wurde. In der Kundgebung werden die amerikanisch-jüdischen Wohlsahrtsinstitutionen und die Einzelspender im ganzen Lande ausgesordert, sich der erhöhten Verantwortlichkeit, die das Joint Distribution Committee durch Vecbiudrmg mit der ONT-Aktion auf sich geuouunen hat, bewußt zu werden und darauf zu scheu, daß die fixierte Summe ganz aufgebracht wird. * Die Sammlungen des Council for German Jewry haben sich seit der letzten Bekanntgabe des Ergebnisses wiederum erhöht. Sie belaufen sich jetzt auf insgesamt 560 000 Pfund. Davon gingen ein: aus Birmingham 19 000 Pfund (erste Zcichnungsliste), aus Glasgow (erste ZeichnungsLste) 16 000 Pfund, aus Edinburgh 6000 Pfund, ferner von den Herren Otto, Hermann, Paul und Charles Loewi 4000 Pfund und von Arthur E. Franklin 800 Pfund. George Bäcker, der Präsident der Jswish Telegraphie Agency, wurde, wie der Vorsitzende der Palestine Economic Corporation, Bernhard Flcxner, bekanntgibt, in das Direktorium der Palestine Economic Corporation gewählt. 3000 Personen seit Jahresbeginn durch Hicem befördert Wie die Leitung der Hias Ica Emigration Association (HICEM) mitteilt, konnten trotz der Schwierigkeiten, mit denen die jüdische Emigrationsbewegung heute zu kämpfen hat, während der ersten vier Monate dieses Jahres 2998 Personen durch HICEM weiterbesördert werden. Von diesen Auswanderern stammten 2358 aus den verschiedenen osteuropäischen Ländern (Polen, Litauen, Rumänien usw.), 640 waren ans Deutschland ausgewanderte Juden, die sich bisher in Frankreich, Belgien und Holland und anderen Nachbarländern. Deutschlands aufgehalten hatten. Von den durch HICEM weitergeleiteten Personen gingen 82 Prozent nach Uebersee, hauptsächlich in die verschiedenen Länder Nord- und Südamerikas, nach Palästina, Südafrika usw. Die Kosten der in diesem Zeitabschnitt dnrchgesührten Weiterleitung von Auswanderern, die aus Deutschland stammen, betrugen annähernd 750 000 Francs. Die Komitees der HICEM haben dazu mitgeholfen, den Neuangekommenen die Niederlassung zu erleichtern. Zum jüdischen Weltkongress Die Executive des American Jewish Com-, mittee hat mit allen gegen eine Stimme eine Ent'- schließung gefaßt, in der der schon früher bekanntgegebene ablehnende Standpunkt der Organisation in der Frage eines jüdischen Weltkongresses neuerlich bekräftigt wird. Gerichtsurteile Die „Frankfurter Zeitun g" berichtet aus Stuttgart, daß vor der dortigen Strafkammer ein 62jähriger Angeklagter deutschblütiger Abstammung aus Remscheid zu zwei Jahreu Zuchthaus und drei Jahren Ehrverlust verurteilt worden ist. Der Angeklagte hatte unter verschiedenen jüdisch klingenden Namen erfolgreich bei jüdischen Familien um Unterstützung vorgesprochen, wobei er ein gefälschtes Schreiben des Nabbinats vorwies. Auch eine amtliche Legitimation fertigte er sich selber an. Seine ebenfalls arische Begleiterin trat auch unter einem falschen Namen auf. Nach seinen Angaben hat er insgesamt 400 NM erschwindelt, doch wird vermutet, daß der Ertrag bedeutend höher gewesen ist. Die Begleiterin des Angeklagten erhielt zehn Monate Gefängnis. * Nach Meldung der „Frankfurter -Zeitung" hatte sich vor der Großen Strafkammer in Erfurt ein 37jähriger Angeklagter und seine Frau wegen Erpressung an einem jüdischen Arzt zu verantworten. Der Arzt hatte die Praxis eines verstorbenen Sanitätsrats und auch die seit Jahren beschäftigte Sprechstundenhilfe übernommen. Der Angeklagte erpreßte von dem Arzt zunächst 3000 RM als Ausgleich für das verhältnismäßig geringe Gehalt, das die Sprechstundenhilfe in zwanzigjähriger Tätigkeit bei dem verstorbenen Sanitätsrat erhalten habe. Unter der Vorspiegelung, daß er belastendes Material gegen den Arzt und seinen Vorgänger in Händen habe, ihn wegen Rassenschande und anderer Vergehen anzeigcn und ihn um seine Kassenpraxis bringen werde, erpreßte der Angeklagte erneut im Verlause von vier Monaten weitere 2500 RM sowie fünf Monatswechsel über je 1000 RAt. In der Verhandlung stellte der Verteidiger des Angeklagten den Antrag, den als Zeugen vernommenen Arzt nicht zu vereidigen, weil er Jude sei, und nötigenfalls den Oberstleutnant a. D. Fleischhauer als Sachverständigen über die Frage der Vereidigung von Juden zu veruehmen. Die Große Strafkammer lehnte diesen Antrag ab. Die Judenfrage sei auf gesetzlichem Wege zu lösen, wobei der Führer und Reichskanzler das entscheidende Wort zu sprechen habe. Sonderaktioncn seien nicht zulässig. Das Urteil gegen den Angeklagten, dessen Handlungsweise der Staatsanwalt als „haarsträubende Gemeinheit gegenüber einem wehrlosen Menschen" bezeichnete, lautete aus vier Jahre Zuchthaus, 500 RM Geldstrafe und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von fünf Jahren. Seine Frau wurde wegen Beihilfe zu vier Monaten Gefängnis ■ verurteilt. Straferschwerend für den Angeklagten war, daß er schon neunmal wegen Eigentumsvergehens vorbestraft und deshalb als Gewohnheitsverbrecher anzusehen war. Das Schöffengericht Frankfurt verurteilte einen 25jährigen jüdisches Angeklagten wegen Beleidigung einer geschiedenen arischen Frau zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr. Das Gericht kam zu der Feststellung, daß die Zunnckungen, die der Angeklagte der Frau gestellt habe, das ganze deutsche Volk beleidigt hätten. Er sei auch zudringlich geworden und habe ihre Hilfe für anderweitige Beziehungen verlangt. Der Verdacht, daß es zu weitergehenden Beziehungen gekommen sei, habe sich nicht Nachweisen lassen. Die „Nationalzeitung" in Essen berichtet, daß sich vor dem dortigen Schöffengericht ein Angeklagter aus Steele wegen versuchter Erpressung zu verantworten hatte. Er hatte versucht, bei einem Juden, den er einige Male in Gesellschaft von arischen Frauen gesehen hatte, Geld zu erpressen. Er meldete sich bei ihm unter falschem Namen telephonisch an und ließ bei der Verhandlung durchblicken, daß ihm als Parteigenossen die Unterlagen zur Verfolgung wegen Rassenschande vorgelegt worden seien, die Folgen könne er gegen ein geldliches Zugeständnis verhindern. Der Jude versprach, am nächsten Tage ihm 350 RM in einem Briefumschlag in einer in der Nähe gelegenen Kneipe unauffällig zu übergeben. Er wurde dann aber von seiner Frau überredet, die Angelegenheit der Kriminalpolizei zu übergeben. Die Polizei veranlaßte den Juden, zum Schein dem Angeklagten einen leeren Briefumschlag zu übergeben, und faßte ihn bei der Annahme der fingierten Sendung ab. Er ivurde aus der Partei ausgeschlossen und jetzt wegen versuchter Erpressung zu einer Gefängnisstrafe von sechs Monaten verurteilt. # Wie die „Deutsche Ostfront" in Gleiwitz berichtet, verurteilte das Schöffengericht in Ratibvr zivei acht- und siebenmal vorbestrafte Angeklagte wegen versuchten Betruges zu sechs bzw. fünf Monaten Gefängnis. Beide Angeklagte hatten sich bei den jüdischen Wandererfürsvrgestellen in Levbschütz und Ratibor unter Vorlegung gefälschter Polizeiabmeldescheine wahrheitswidrig als Juden ausgegeben und zum Teil auch kleine Unterstützungen erhalten. Wie das Gericht in der Urteilsbegründung ausführte, war strafverschärsend für die beiden Angeklagten ihr charakter- und würdeloses Verhalten und vor allem auch die Umstünde, unter denen die Straftaten begangen wurden. V Wie die „Frankfurter Zeitung" berichtet, wurde von der Großen Strafkammer in Nürnberg ein 63 Jahre alter Angeklagter arischer Abstammung, der ein im Jahre 1931 begonnenes Verhältnis mit einer 48jährigen getauften Jüdin auch nach Erlaß der Nürnberger Gesetze fortgesetzt hatte, zu einem Jahr acht Monaten Zuchthaus verurteilt. Juristisch-Wirtschaftliche Beratungsstelle in der Hauptgeschäftsstelle des Centralvereins, Berlin W 15, Emser Str. 42 (Tel.: J 2 Oliva 8141 bis 8145). Sprechstunden täglich 12—14 Uhr (ausser Sonnabend und Sonntag), für Mitglieder ausserdem jederzeit nach vorheriger Anmeldung (ausser Sonnabend und Sonntag). Wann und wo finden Sie Rat? Hess.-Nassati und Hessen Frankfurt a. JI. Pleiinvepr 6, Zimmer 75—77 (Tel.; 25403), Montags. Mittwochs, Freitags 11—13 Uhr. Xainz Albinistrasse 12, II (Tel.:31857), Montag bis Freitag 13—18 Uhr. I’riedberg Gemeindehaus, 22. Mai, 10 bis 12 Uhr. Kassel Gemeindehaus, 25. Mai, 16 bis 18 Uhr. Eimburg a. d. L. Lokal von Albert Metzger, Wemer-Senger-Str. 13, 26. Mai, 10—12 Uhr. Fulda Hotel Kaufherr, 4. Juni, 10 bis 12 Uhr. Saarland Saarbrücken Ncuprabenweg 38, jit. (Tel.: 23643), 24. Mai, 10—12, 14 bis 16 Uhr. Umleitewünsche Beschwerden über das Ausbleiben der C.-V.- Zeitung sind stets dem zuständigen Postamt (Zeitungsstelle) zu unterbreiten. Die Bezugsgebühren sind an den Briefträger zu zahlen. Die Jüdische Buchvereinigung Berlin bietet ihren Mitgliedern als zweite Veröffentlichung dieses Jahres den bedeutendsten Roman von Benjamin Disraeli „Tancred" dar. Julius Elb au hat diesen Roman, der im Jahre 1847 in England erschienen ist, neuübersetzt und sorgfältig bearbeitet. Der Leser wird erstaunt sein, welche Aktualität sich das Buch über ein Jahrhundert bewahrt hat und mit welch bewundernswertem Weitblick Disraeli nicht nur die schicksalhafte Rolle, die Palästina für die Juden erlangen sollte, vorausgeahnt hat, sondern auch alle politischen Entwicklungen des nahen Orients, die heute die ganze Welt bewegen. Dabei ist der Roman so amüsant, farbenreich und spannend geschrieben, daß der Leser von der ersten bis zur letzten Zeile gefesselt ist. Der Roman erscheint Anfang Juni. Vermischtes König Enad I. von Aegypten, der am 29. April verstorbene Herrscher, war wie König Georg V. von England ein eifriger Philatelist. König Fuad I. hat sich viele Jahrzehnte lang mit der Briefmarkenkunde befasst und umfangreiche philatelistische Kenntnisse besessen. Hierdurch war er auch imstande, sich im Laufe der Zeit eine bedeutende Postwertzeichensammlung zuzulegen, von der besonders der Teil der einheimischen Marken, Ganzsachen usw., das grösste Objekt dieses Gebietes darstellen dürfte. Hierzu trug auch wesentlich der Umstand bei, dass der verstorbene König im Jahre 1929 die grösste in englischem Besitz befindliche Aegypten-Sammlung, die ursprünglich in einzelnen Losen versteigert werden sollte, geschlossen für den Betrag von 2340 Pfund erwarb und auf diese Weise seinem Vaterlande eine Sammlung von besonderer Kostbarkeit sicherte. Vorher aber hatte der König im Jahre 1919 die herrliche E i d - S a m in 1 u n g von Aegypten erworben, und dann im Juli 1925 eine umfangreiche Sammlung der Postwertzeichen von Hedschas, Syrien und Transjordanien aus dem Besitz von Mohammed Kamil el-Kass i b. Dazu kam dann noch die oben erwähnte Sammlung von A. S. Mackenzie-Low. Es steht bereits fest, dass hier, wie im Falle der Sammlungen des , verstorbenen englischen Königs, die eben verwaiste ägyptische Sammlung geschlossen erhalten bleibt und weiter gepflegt wird. Die königlich englische Postwertzeichensammlung, die insgesamt 300 Bände umfasst und auf einen Wert von 3 Millionen englische Pfund geschätzt wird, soll, wie neueste Meldungen berichten, geschlossen erhalten bleiben. Da König Eduard VIII. selbst philatelistisch interessiert ist und dies auch kürzlich wieder ausdrücklich betonte, ist ein weiterer Ausbau der Sammlung, die von einem der ersten englischen Sachverständigen, Sir Edward Denny Bacon, gepflegt wird, zu erwarten. Die Sammlung befasst sich bekanntlich nur mit dem britischen Imperium, also Grossbritannien nebst Auslands-Postanstalten, Kolonien, Dominiiims, von England usw. besetzten Gebieten, Mandatsgebieten, englischen Koneular- Posten. Abarten deutscher Marken. Wir empfehlen unseren Lesern eine recht genaue Betrachtung der Ober- und Unterrandstücke der postläufigen deutschen Marken. Hierdurch werden sie nicht nur in die Lage versetzt, sich mit den drucktechnischen Einzelheiten dieser Postwertzeichen zu befassen, sondern sie werden auch teilweise erhebliche Unterschiede in den Randdrucken selbständig finden und erklären können. Wenn man nämlich bedenkt, dass z. B. die Hindenburg-Medaillon-Ausgaben in Papierbahnen gedruckt werden, die die Breite von zwei Schalterbögen besitzen, dass ferner die Druckwalze ebenfalls den Umfang von zwei Schalterbögen hat, ergeben sich schon vier derartige Schalterbögen bei einem einzigen Druckgang. Die Auflagehöhen der englischen Silber - Jubiläums - Marken werden jetzt in der Fachpresse veröffentlicht. Sie betragen für die A> Penny grün 353,4 Millionen, davon 22 Millionen in Heftchen, für die 1 Penny rot 150,4 Millionen mit gleicher Anzahl in Heftchen, von der VA Penny rotbraun 490 Millionen, davon 82 Millionen in Heftchen, endlich von der 2K Pence ultramarin 14,2 Millionen Stück. Als Abarten sind die aus dem Heftchendruck vorkommenden kopfstehenden Wasserzeichen zu nennen ferner die 2 Yi Pence preussischblau statt ultramarin, von der drei Bogen zu je 120 Stück bekannt wurden. Ende der Druckerei Perkins, Bacon & Co., Ltd. London. Die berühmte englische Druckerei, bei der die erste Marke der Welt 1840 hergestellt wurde und die schon damals eine ausserordentliche Erfahrung in der Herstellung von Banknoten u. a. Wertpapieren besass, ist jetzt nach einem Bestehen von 116 Jahren aufgelöst worden. Der gesamte philatelistisch wichtige Besitz der Firma, bestehend aus Druckstöcken, Druckplatten, Entwürfen, Probedrucken, Vorlageusw. Bögen u. a. drucktechnisch wichtige Aufzeichnungen von Zeichnern, Graveuren, Druckern usw. wurde von einem Londoner Händler erworben. „Die Postmarke“ kann weiter mitteilen, dass Neudrucke nicht angefertigt wurden und dass das vorhandene Druckmaterial mit Ausnahme der Platten für die ersten Peru-Marken, die der Royal Philatelie Society geschenkt wurden, der Vernichtung anheimfiel. Letztere wird sich auch mit der Auswertung des umfangreichen Aktenmaterials beschäftigen. Bücherschau Die 40. Lieferung des Kolil- Briefmarken-Handbuchs in der Bearbeitung von Dr. Herbert Munk ist soeben erschienen. Sie enthält den III. Teil der Bearbeitung von Italien, Ausgaben 1877 bis 1928, sowie den Nachtrag zu dem jetzt abgeschlossenen Band V. Besonders bemerkenswert ist in dieser Lieferung u. a. die Einleitung zu den unter König Humbert I. (1878 bis 1900) herausgegebenen Freimarken, in der die betreffenden Postgesetze und die sich aus ihnen in pliilatelistischer Beziehung ergebenden Folgerungen erörtert werden. Das gleiche gilt auch für die Regierungszeit König Viktor Ein an u eis III. (seit 1900), wobei dieser Teil in drei Abschnitte eingeteilt wird. Hierfür sind sowohl posttarifliche als auch drucktechnische und andere Gründe massgebend. So umfasst Abschnitt I (1900 bis 1918) die Jahre, in denen man fast ohne Gelegenheits-Marken auskam, während die Tarife sich fast gleich blieben; Abschnitt II (1919 bis 1928) bringt sowohl infolge der Lira-Entwertung starke Tarifveränderungen als auch viele Erinnerungs-, Wohltätigkeits- und Aushilfs-Ausgaben; der hier noch nicht behandelte Abschnitt III (seit 1928) wird sich dann mit dem Wechsel von Buchdruck, selten Steindruck, zur Heliogravüre mit den deutschen Schnellpressentiefdruck-Maschinen und den ungeheuer vielen Erinnerungs-Serien befassen. Selbstverständlich sind auch in dieser Lieferung wieder, durch überaus zahlreiche Abbildungen unterstützt, die einzelnen Ausgaben, Urmarken, Aufdrucke, Druckplatten usw. auf das eingehendste behandelt, kritisch beleuchtet und so übersichtlich angeordnet, dass sich auch der Allgemeinsammler sofort zurechtfindet. Die Seiten 1009 bis 1024 bringen dann den ersehnten Na c h t r a g für die Länder Helgoland bis Italien und behandeln nicht nur die inzwischen z. B. von Honduras, Hongkong, Island herausgegebenen Wertzeichen, sondern vermitteln auch die Ergebnisse neuerer Forschungen, besonders der Luftpost-Ausgaben von Honduras, der Viktoria- und Eduard-Ausgaben von Hongkong, der VA P.-Inland- Frankatieren der Ionischen Inseln, endlich der Entdeckung einer neuen italienischen Postfälschung. Die nächste Brief mar keu>Eck< erscheint in ca. 4 Wochen. B riefmarken und Sammlungen Ankauf — Verkauf. Preisliste für Sammler gratis Philipp Kosack & Co., Berlin C. 2 / Burgstr. 31 Ankauf — Verkauf Erledigung von Feldlisten. Frita. Lewln, Berlin W35, Lützowstr. 91A. Ankauf Oskar Weiss Vcfkiuf Berlin W 9 Potsdamer Str. 12 / B 1 2901 Ankauf - Verkauf 10 — 14 Uhr und ab 0 Uhr LUDWIG MEYER Berlin W 62, Lutherstrasse 33 / B4 5250