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Central-Verein-Zeitung · 1936-05-22 · 21 (22.5.1936) · p. [Seite]

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
15 (1936) - farbig
Issue
21 (22.5.1936)
Date
1936-05-22
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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singen gehört zum Gesundsein: für die Kleinsten hat d Max Kowalski gerade Kinderlieber geschrieben, die die Kinder auch ohne Klavierbegleitung der Mutter singen können. Für die Größeren, für die „Bündischen" hat Hindemith schon seit Jahren die „SiNtz- und Spielmusiken für den Laien" veröffentlicht. Hier können sich Wege bah- Der Berliner K u l t u r b u n d ch o r ist unter Berthold Sanders Hand ein gefügiges, ausdrucksvolles Instrument geworden. Diesmal hörte ich eins der späteren Konzerte, und es ist mit besonderer Genugtuung sestzustellen, daß nicht nur bei den Premieren, sondern auch bei den „Repertoire-Wiederholungen das hohe Niveau, die Bereitschaft zu intensiver Erfüllung des Gesungenen gewahrt ist. Die Qualitäten des Chors und seines Leiters bedürfen keines neuen, detaillierten Lobes mehr. In einem hat Sander von vornherein leichte Arbeit: er hat wunderschöne Stirnmen zrrr Dersügrrng. Man freut sich, auch einmal solistisch zu hören: den _ vornehmen Gesangsstil Thea Brandts, Hilda Ln n d, deren Organ einen eigenen Reiz, großen Umfang und höchste Leichtigkeit hat, und die mit Recht besonderen Beifall hatte, Martha F r o st, die den Part der erkrankten Susanne Loewenstein ansprechend sang, den lockeren Tenor Kurt Kahns. Im jüdischen Teil fiel dre feinsinnige Vertonung einer der Süniroth von Dymont, das sehr stimmungsvolle Wiegenlied, von Widetzky gefetzt, die großzügig und effektvoll hingehauene Horra (Satz von dein Kulturbnndtrompeter P e t r u s ch k a) durch die überall abseitige Harmonik auf, während mir Gladsteins an sich wirkungsvolles Volkslied bei der Solistenbegleitung kontrapunktisch allzu beladen erscheint. Mit kapellmeisterlichem Elan spielt Hans Margol i n s k i, beim Vierhändigspiel unter Mitwirkung von Heinz F e n st e r. Dieser Abend zeigte wieder, daß die Chorkonzerte zum Besten gehören, was das musikalische Programin des Kulturbundes heute bietet. L. A. Z u m 5 0. Male hat ein Referat zu beginnen: „Bei Weil fand . . . statt", und angesichts dieses gewiß einzigartigen Jubiläums (denn welche Serie von Hauskonzerten kann diesen „Rekord" brechen?) haben wir der großzügigen Veranstalterin fürwert- und mühevolle Arbeit zu danken namens der Hörer, der Künstler und als Kritik, die sich beiden eng verbunden weiß. Dr. Hans Nathan gab am Konzertabend das rückschauende Referat über das bisher Geleistete. Sigbert S t e i n f e l d sang ausgeglichener als sonst, seine sehr schöne Stimme durchmaß ihren Bereich mit bemerkenswerter Mühelosigkeit, wobei das Programm seiner Begabung weit entgegenkam. Die Sopranistin Jenny Hanfs scheint nicht mit einer, sondern mit mehreren Stimmen zu fingen. Zwischen der glanzvollen Wucht der Höhe, die allein Wirkung und Beifall auslöst/ und der Tiefe besteht keinerlei verbindender Uebergang, was besonders dadurch fühlbar wird, daß die ganze Mittellage tonlos und brüchig ist. U. E. kann nur radikales technisches Ilmlernen die heute noch sehr vielversprechende Stimme der in der Gestaltung lebhaft empfindenden Sängerin retten. Tr. Werner Läebent h a l s Begleitung hat eigentlich zum ersten Male wirklich überzeugt. Opernnummern sind offenbar feine Domäne. Liebenthal spielte in jenem derben al-kresoo-Stil, der Verdis Schwarz-Weißkunst eigen ist und der mannigfache Schwankungen und Unsicherheiten immer noch ins Lot brachte. L. A. Im Kulturbund seiner Heimatstadt Breslau sprach am 5. Mai E m a n u e l bin G o r i o n über „Das fabulierende Israel (Fünf Jahrtausende im Spiegel jüdischer Sagen und Märchen)". Der Vortragende skizzierte an Beispielen die Wesensnen für die, denen die klassische und romantische Kammermusikliteratur vertraut und zu Hause unentbehrlich wird, die aber trotzdem auch ihrer zeitgenössischen Kunst zu folgen wissen. So kann sich ein Weg bahnen, kulturelles Gut zu wahren und durch Kunst Freude zum Leben zu geben. art des jüdischen Märchens im Vergleich zum arabischen, indischen und deutschen Märchen der Brüder Grimm und arbeitete seine religiöse Grundlage heraus, die es von allen anderen nationalen Märchen unterscheidet. Entsprechend ist der Inhalt der jüdischen Sage fast immer Bibelauslegung und -erklärnng. Emanuel bin Gorion vermittelte Sagen und Märchen in schlichter, ansprechender Form, die ihre Weisheit und farbige Vielfältigkeit zeigte. Der Abend wurde zu einer Feierstunde, die den ganzen Reichtum jüdischen Geistes und jüdischer Ethik zeigte. SclnV. Im Jüdischen Kulturbund Dresden wurde der 25. Todestag G u st a v Mahlers dadurch begangen, daß aus seinen erschütternden schmerzlich-süßen „Kindertotenliedern" und seinen „Gesängen aus der Jugendzeit" eine schöne Auswahl von Susanne Loewenstein (Berlin) mit ihrer herrlichen, dunkellerichtenden Stimme tief empfunden vorgetragen wurde. Zwei Gesänge von Gerhard Goldschlag überraschten die Dresdener Musikliebhaber durch rvarme Melodik und einen farbigen Klaviersatz, den Walter G o l d m a n n als Begleiter voll zur Geltung brachte. Bemerkenswert für die Dresdener Kunstgemeinde war das erstmalige Auftreten des Leipziger Collegium Musirum, das, mit der güten Geigerin Mirjam Z u n s e r an der Spitze, sich als ansehnliches Liebhaberstreichorchester vEkstellte und seinem Leiter, Barnet Licht, alle Ehre machte. In einem Loneerto grosso von Händel und im P-moII-Konzert von Bach für Streichorchester und Klavier — Tanja Zunser-Ury spielte mit hohen Qualitäten den Solopart — zeigte sich ein grundmusikalischer Impuls der Spielergemeinschast. E B. Anläßlich des 80. Todestages des Komponisten gaben drei Frankfurter Tonkünstler einen S ch u m a n n - A b e n d. Der Baritonist Hans A f s e n h e i m fang mit gepflegtem Material und guter Erfassung der Stimmung die „Dichterliebe", Willy S a l o m o u, der auch trefflich begleitete, spielte mit Alice Rosenbaum vierhändig die „Bilder aus dem Osten". 6l. 8ch. An einem Kammerkunstabend der jüdischen Tonkünstler interessierte die Sopranistin Bettina Fe i t l er durch ansprechendes, gepflegtes Material und gut disponierten Vortrag. Die Geigerin Fränne S ch m u ck l e r musizierte beifallswürdig mit dem gewandten Klavierspieler Hans Joachim Böhm, und die begabte Schauspielerin Leni Steinberg rezitierte eindrucksvoll Persische, chinesische und griechische Lyrik. Das Klavierguartett op. 30 von Berthold Goldschmidt, das im Rahmen des Kulturb u n d e s präsentiert wurde, zählt nicht zu den besten Arbeiten des talentierten Komponisten. Goldschmidt macht hier seine Tonsprache problematischer als sie dem Kern seines Wesens entspricht. Er ist im Grunde ein frisches Musiziertalent, das sich diesmal etwas künstlich der Vokabulatur der Moderne bedient. Mit großer Disziplin und Beschwingtheit, an der die Pianistin Lilly Schwarz-Mayerhofer entscheidenden Anteil.hatte, lösten die Streicher Ernst Drucker und Arh Schuh er die beglückenden Kräfte des Trios 8-ckur von Mozart. Den Abschluß bildete Tschaikowskis mit vehementem Schwung gespieltes Trio op. 50. Richard Karp fügte sich dem Ensemble im ersten Werk als Bratscher angemessen ein. An einem Kammermusikabend des Kulturbundes Rhein - Main stellte sich der Bratscher des Streichquartetts, Richard K a r P, in der biedermeierisch gemächlichen Musik der Sonate für Viola und Klavier von Dittersdorf Ensemblekunst. A. H—e. Sprühendes Temperament, Anmut, farbiger Anschlag und blendende Technik sind die Vorzüge der Pianistin Heida. Holde, die im Nahmen der Kölner Jüdischen Kunstgemeinschaft ihr Können in Werken von Mendelssohn, Busoni und Liszt unter Beweis stellte. Der Geiger Ernst Drucker darf ernste künstlerische Arbeit an der weiteren Entfaltung feines Talentes für sich in Anspruch nehmen. Mit ausgeglichenem Ton und seiner Abgestimmtheit des Spiels brachte er, von Heida Holde begleitet, La Folia von Corelli-Löonard sowie kleine Stücke von Pugnani, Francoeur und de Falla. In gemeinsamem Musizieren erklang in erfrischender Lebendigkeit Mozarts Sonate k-dur Nr. 7 für Violine und Klavier. Beide Vortragenden ernteten starken Beifall. Unter der Devise „Bunt - und Heiter" setzte Claire Selbmann (Feldern) den Mitgliedern des Jüdischen Kulturbundes Rhein-Ruhr ein Menü vor, das für jeden verwöhnten Geschmack etwas Bekömmliches zu bieten hatte. Ob sie chanfonniert oder parodiert, ob sie „fongt" oder eoupletiert, ob sie steppt, einen unnachahmlichen „Tannhäuser"-Fox am Klavier jazzt, über den Weg der Pfeifenden Johanna ihre verlorengegangene Rhapssche Liszt-Sodie sucht und wiederfindet — immer wieder sprudelt sie eine wahre Kaskade von Musikalität, Rhythmus, tollen Einfüllen voll Drolerie und Scharme hervor. Wie kaum eine Zweite versteht sie, ihr Publikum, das ihr mit tosendem Beifall dankt, in angeregtester Laune zu erhalten. —)« — Im Jüdischen Kulturbund Düsseldorf unterhielten an zwei Abenden den vollbesetzten Ibach-Saal Max Ehrlich, das Mädel mit der Harmonika Cläre Arnstein und der Pianist und Vortragskünstler Hermann Ludwig Schlesinger. Ehrlichs Kopien bekannter Künstler sind wahre Kabinettstückchen. Claire Arnstein, die selbstversaßte Chansons vornehm und scharmant auf dem Akkordeon vorträgt, möchte man noch ein kleines Mehr an Temperament wünschen. Schlesinger unterstützte musikalisch und schauspielerisch den Abend. Die Aufnahme aller Darbietungen war ungemein herzlich. j. c. Höhepunkte eines genußreichen Konzerts von Joseph und Boris S ch w a rz in Karlsruhe i. B. waren die Kreuzer-Sonate von Beethoven, deren Wiedergabe durch die beiden Künstler eine besondere Leistung darstellte, und die Suite op. 11 von Korngold. Loseph Schwarz, den man in Klavierstücken von Chopin als musiziersreudigen Klavierspieler von eindrucksvoller Darstellung kennenlernte, und der Violinist Boris Schwarz mußten für die lebhaften Beifallsbezeigungen des Publikums durch mehrere Zugaben danken. 8ig. In Bruchsal spielte der 14jährige Geiger Gerhard K a n d e r (Karlsruhe), der eine recht beachtliche Technik und Reife bewies. Kapellmeister Kurt Stern (Karlsruhe) begleitete verständnisvoll. H. R. Hermann Schey (Berlin), wartete in Kassel mit einem künstlerisch besonders wertvollen Programm auf, mit Liedern von Brahms, Schubert, Mahler und Wolf. Den Höhepunkt bildeten die vier ernsten Gesänge von Brahms, in deren Klavierpart, ebenso wie in der orchestralen Begleitung der Mahler-Lieder sich John Mandelb r o d (Hannover), bewährte. F. In Hamburg gab es einen.Trioabend mit Anni Steiger (Violine), Dr. I. S a k o m Die neue künstlerische Leitung Im neuesten Heft der „Monatsblätter _ des Jüdischen Kulturbundes Berlin E. V." veröffentlicht Intendant Dr. Kurt Singer die folgenden Abschiedsworte: R o s e n st o ck und I e ß n e r verlassen Berlin und damit den Kulturbund, Um ehrenvollen Berufungen ins Ausland Folge zu leisten. Tie Arbeit dieser beiden Männer ist so stark und wesenhaft mit Leistung und Erfolg unseres Theaters verbunden, daß ich im einzelnen ihr Wirken hier nicht kennzeichnen muß. Wir begnügen uns mit dem Generaldank und der Feststellung, daß die Aufbauarbeit von Rosenstock und Jeßner nicht vergessen wird. Unser Wunsch ist, daß auch ihnen der Berliner Kulturbund eine erhebende, freundliche und dauernde Erinnerung bleiben möge. So verabschieden wir uns mit herzlichem „Glückauf" vorläufig von Rosenstock und Jeßner. Unsere Arbeit aber geht lückenlos weiter. Fritz Misten übernimmt vom 1. Juni an die Oberspielleitung des Schauspiels; er bleibt gleichzeitig dem Ensemble als Schauspieler erhalten. Hans Wilhelm S t e i n b e r g, bis 1933 Generalmusikdirektor der Stadt Frankfurt a. Bi., den Berlinern kein Unbekannter als Gast am Pult der Staatsoper, übernimmt in der kommenden Spielzeit die Leitung der im Kulturbund aufzuführenden Opern sowie der Direktion der repräsentativen Orchesterkonzerte. Nach Absolvierung einer Konzertserie an der Spitze des Huberman - Orchesters in Palästina, tritt Steinberg dem engsten Stab der künstlerischen Vorstände des Kulturbundes bei. Im August wird er sich den Mitgliedern in einein Sonderkonzert erstmalig vorstellen. Berthold Sander, der Chordirektor des Kulturbundes, steht im Einverständnis mit der Intendanz und mit Hans W. Steinberg auch weiterhin als Opernkapellmeister zur Verfügung. (Violoncello) und H. W. Steinberg (Klavier). Es sind drei Künstler von Namen und Rang, die sich an diesem Abend zusammengetan hatten. Sakoms Spiel haftet keine Erdynschwere an, für ihn gibt es keine technischen Schwierigkeiten, und feine Musikalität ist bezwingend. Die gleiche Charakteristik trifft auf Steinberg zu, dessen ungemein belebendes Spiel besonders zu rühinen ist. Anni Steiger führt ihren Part technisch und musikalisch ausgezeichnet aus und ließ kaum einen Wunsch offen. In vollendetem Zusammenspicl kamen Werke von Beethoven, Schumann und Brahms zum Vortrag. Die Wiedergabe des Schumannschen Trios in cl-moll wurde die Glanzleistung des Abends und der Beifall war geradezu stürmisch. A. Die Kulturkommission Bremen veranstaltete mit zwei Essener Künstlern einen Kleinkunstabend. , Käte Frohsinn zeigte sich in einem teils ernsten, teils heiteren Programm, als vielseitige Künstlerin. Werner Sch ü l e r begeitete mit großer Anpassungsfähigkeit und bot außerdem einige Solostücke. Die zahlreichen Zuhörer dankten nnt : starkem Beifall. Den Mitgliedern des Jüdischen Kulturbundes Halle a. S. bereitete die anmutige Beatrice Frendenthal-Waghalter einen genußreichen Abend. Leo L> ch ö n b a ch war wieder ein auf alle Feinheiten eingehender Begleiter. Jüdischer Kulturbund Berlin. Als nächstes Werk kommt „W i e n e r Blut" von Johann Strauß in der Bearbeitung und Inszenierung von Dr. Kurt Singer unter der musikalischen Leitung von.Berthold Sander heraus. Dela Lipinskaja tritt nur Montag, 25. Mai, im Berliner Bachsaal auf. Für den 23. Mai gelöste Karten müssen gegen solche für den 25. Mai in den Vorverkaufsstellen umgetauscht werden. Kulturelle Veranstaltungen in Berlin und im Reick In Uetikon (Schweiz) wurde das früher sehr beliebte X o 1 n i d r e in der Bruchschen Bearbeitung gebracht. Dasselbe Konzert bot noch den 42. Psalm in der Vertonung von Mendelssohn und den viel zu wenig bekannten 13. Psalm, den Brahms für dreistimmigen Frauenchor und Orgel gesetzt hat. Erich Wolfgang Korngold hat für den ersten amerikanischen Jan Kicpura-Film „Schenk' uns die Nacht", der in W i e n zur U r a u f f ü h - r u n g kommen wird, .Teile einer lyrischen Oper „Romeo und Julia" komponiert, deren schönste Arien Kiepura in diesem Film singt. Eine englische Firma.wird mit Richard Tauber einen Opernfilm „Bajazzo" drehen, dessen Außenaufnahmen in den Pyrenäen hergestellt werden. Tauber ist dahin schon abgereist. Da Opernfilme bisher wenig geglückt sind, soll dieser Film nach ganz neuen Grundsätzen arrangiert werden. Die Handlung wird in der Weise verändert, daß der blutrünstige Verisnms des Originals zugunsten psychologischer Vertiefung znrücktreten wird und Tauber auch einiges singen wird, was ursprünglich nicht zu seiner Rolle gehört. Es ist interessant, daß der Künstler die ganze Einrichtung überwachen wird; denn Tauber ist nicht nur der große Sänger, sondern allgemein-musikalisch ungewöhnlich versiert, was schon dadurch zum Ausdruck kommt, daß er zu seinem übernächsten Tonsilm „Das Land ohne Musik" zwei Lieder eigener Komposition beigesteuert hat. Sonst wird diese Filmmusik von Oskar Strauß geschrieben. Die „Neue Freie Presse" schreibt aus Alllaß der Wiener Premiere von Gitta Al par s „Dubarrh"-Film über die Sängerin u. a.: „Sie spielt und singt in englischer Sprache, die sie bereits erstaunlich geläufig und geschickt beherrscht. Vor allem wirkt sie als Sängerin. Ihre vollendete Technik, ihre herrliche Koloratur, ihre berühmt feinen hohen Töne erfreuen und sascinieren in der mechanischen Wiedergabe heraus so. wie von der Bühne herab. Neben ihr kein irgendwie beachtenswerter, interessanter Darsteller." * Am 22. Mai findet die Wiener Premiere des Richard Oswald- Films „Heut ist der schönste Tag in meinem Leben" statt. In den Hauptrollen: Joseph Schmidt in der Doppelrolle eines Opernsängers , und Zirkusclowns, Felix B r e s s a r t und Otto Wallburg. * Harry Baur ist sür eine der Hauptrollen des neuen französischen Großfilms „Hommes nouveaux" nach dem bekannten Roman von Claude Farrtzre verpflichtet worden. * Die Filmgesellschaft Paramount wird einen „Carme n"-Fi l m drehen. Sie hat sich dabei der Mitwirkung des gesamten Philadelphia Sinfonie Orchesters unter Stokowski versichert. Franz Molnars Legende „Das Wunder in den Bergen“ Uraufführungin Budapest Merkwürdige Wandlung: Ans Budapest, dem fruchtbaren Exportzentrum der eleganten Dialogstücke, der Gesellschaftskomödien, der Operetten, kommt neuerdings, in üppiger Vielfalt und von resonanzkräftigem Erfolg bereits in die Länder, auch über den Ozean getragen, das monumentale Drama. Da ist Herczegs großartiges historisches Schauspiel „Petösis Julia"; die dunkelblaue Romantik des „Stummen Ritter" von Heltäi, jetzt Molnars Mirakelspicl. Es ist recht beachtlich, daß Molnars Legende, bereits 1932 fertiggestellt, damals wegen ihrer „Zeitfremdheit" vom. Autor zurückgehalten wurde, jetzt jedoch eine geradezu elementare Durchschlagskraft erweisen konnte. Ist dies, in Europas recht labil gewordener Kulturzone, die Flucht in die Besinnung, die sich in dieser Wandlung demonstriert? „Das Wunder in den Bergen" ist die Antwort eines Dichters aus die alte Frage „Was geschieht, wenn alle recht haben und es doch keinen Ausweg gibt?" Der die Frage stellt, ist der —, man möchte im Theateridiom sagen: der routinierte — Dramatiker Mcllnür. Hat die Dieustmagd Cilli ihr uneheliches Kind getötet, den fünfjährigen Simon? Der Knabe ist verschwunden. Indes fand man im nahen Gebirge Bluts Purenz ein blutiges Kleidungsstück, das zweifellos dem Kind gehörte. Ueberzeugende Verdachtsgründe sprechen gegen , Cilli. Bian erzählt sich im Dorf — sie selbst sprach es gelegentlich aus —, daß das Kind ihr im Wege sei; denn mit dem unehelichen Simon heiratet sie der Dorflehrer nicht. Sie aber möchte nicht länger Magd sein; sie möchte die geachtete Lehrerssrau werden. Am Tatort war sie häufig mit dem Kind gesehen worden. Auch andere Indizien werden zusammengetragen. Dann wird sic verhaftet. Aber sie leugnet. Zeigt unverhüllt den Mutterschmerz um das verlorene Kind. Jst's Heuchelei? Da ist auch der Vater des Knaben: der Bürgermeister. Ein Mann von hohem Ansehen. Zu ihm nahm Cilli Zuflucht, als der furchtbare Verdacht gegen sie laut wurde. Er konnte die Verhaftung nicht verhindern. Nun aber regt sich sein Gewissen. Er offenbart sich seiner Frau, und wir vernehmen die Wahrheit: Nicht Cilli hak das Kind getötet, sondern er selbst, der Vater.. Würde man ihm jedoch glauben, daß es ein verhängnisvoller Zufall war? Daß auf einem Spazierritt Plötzlich das Kind auftauchte, Steine nach ihm warf, er mit einem; Steinwurf den Knaben wegschrecken wollte, ihm jedoch eine tödliche Kopfwunde verursachte? Er sieht seine Stellung, seine Existenz bedroht — und bleibt stumm. In der Verhandlung beteuert die Angeklagte ihre Schuldlosigkeit; die Mutchr betet, hofft, jammert, schreit aus. Niemand glaubt ihr. Der Gerichtspräsident redet ihr zu, ein Geständnis . abzulegen; sie werde daun wahrscheinlich mildere Richter finden. Sie aber weint — und hofft noch immer, obwohl keiner in dieser schicksalhaften Verstrickung einen Ausweg sieht. „Was aber geschieht, wenn alle recht haben und es doch keinen Ausweg gibt?" Der Dichter Molnür — hier an den Dichter des Liliom erinnernd — Prägt die Antwort. Das Wunder geschieht. Der Fremde, ein Pater mysticus, zeigt die Stelle, bei einem Rosenstrauch, wo der Bürgermeister das Kind begraben hat. . Indes vergrub er einen Scheintoten. Das Mirakel vollendet sich. Der kleine Simon lebt. Erschüttert sehen wir seine Auferstehung, indem im Dichterwort die ewige Wahrheit leuchtet von der Macht des Glaubens, von der Verheißung des Wunders. r. Reue Schallplatten: Columbia bringt eine neue Huberman- Platte: einen Walzer von Chopin und ein ,Moment musical“ von Schubert. Der PianistGieseking spielt, begleitet vomWienerPhilharmonischen Orchester unter Bruno Walter, das Ls-cknr-Konzert von Beethoven, das Lener- Quartett, das a-moI1-Ouartett desselben Meisters. Bei „His Masters Voice“ ist Schönbergs Streichsextett „Verklärte Nacht" durch das Minneanapolis Sinfonie Orchester unter Ormandy zu hören. Grammophon läßt Artur Schnabel mit dem zweiten Klavierkonzert von Brahms hören, unter Assistenz des Britischen Rundfunkorchesters, das Adrian Boult leitet. Bei derselben Firma spielt Pehudi Men uh in mit seiner Schwester Hesziba die bekannte Violinsonate von Cesar Franck. Bruno Walter dirigiert Wagners Siegfried-Idyll (Wiener Philharmoniker). Die Marke Victor bietet u. a. eine K i p n i 8 - Platte mit Arien aus Mozarts „Entführung" und „Zauberslöte", eine neuerliche Wiedergabe von Mendelssohns Hebriden- Ouvertüre unter Boult, das 4. Vienxtemps-Konzert, das Jascha Hei setz geigt, vom Londoner Sinfonieorchester unter Barbirolli begleitet. Bruno Walter dirigiert hier Wagners ersten Walkürenakt mit Lotte Lehmann, Melchior und Emanuel L i st (als Hunding). Der Jüdische Musikalienkatalog, znsannneugestellt. von Julius Sachs (Verlag Jacob Brandeis, Breslau), bietet die erste umfassende Gesamtznsammenstellung von Originalwerken und Bearbeitungen von Juden. Damit ist nicht nur ein Nachschlagewerk entstanden, das jeder im jüdischen Musikleben Tätige braucht und bisher vermißte, sondern darüber hinaus sind aus dem schmalen Bändchen zahlreiche Anregungen und Vorschläge für eine Programmgestaltung zu entnehmen, die das Jüdische in möglichster Vielfalt zeigen will. Da es sich um eine „Gesamtanswahl" handelt, hätte vielleicht ohne Not manches aus dem sehr umfangreichen Teil gär zu billiger Salonmusik, die wir nicht hören wollen, wegbleiben können, während Hugo Adler mehr Erwähnung verdient hätte, vor altem die Orgeltoccata, der Balak. Selbstverständlich bleibt eine ausgezeichnete -Arbeit anzuerkennen, die einem wirklichen Bedürfnis galt. L. A.

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