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Central-Verein-Zeitung · 1936-05-14 · 20 (14.5.1936) · p. [Seite]

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
15 (1936) - farbig
Issue
20 (14.5.1936)
Date
1936-05-14
Page
[Seite] (sequence 17)
Language
German
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Nr. 20 A. Beiblatt Palästina-Umschau der C.-V.-Zeitung 14. Mal 1936 Die dritte Woche Die verschärfte Spannung zwischen dem energischen Vorgehen der Regierung und dem Radikalismus der arabischen Streikenden und der ihnen zugrunde liegenden politischen Forderungen kennzeichnet die palästinische Entwicklung der letzten Tage. Die einzelnen Zwischenfälle sind zurückgegangen, aber der Beschluss des Steuerstreikes wird aufrechterhalten und der Beginn der Propagandaaktion auf den 18. Mai festgesetzt. Auch der Generalstreik wird mit unverminderter Heiligkeit durchgeführt. Durch Oeffnung weiterer Waffenmagazine wurden jüdische Siedlungen, zum Selbstschutz ausgerüstet. Schliesslich sind, wie Europapress meldet, ein Bataillon Füsiliere, eine Kompagnie Tanktruppen und eine Abteilung Panzerwagen auf dem Luft- und Bahnweg aus Aegypten in Palästina eingetröffen, um, wie offiziell erklärt wird, die öffentliche Ruhe und Ordnung schützen zu helfen. Die Truppen sind auf den ausdrücklichen Wunsch des Oberkommissars entsandt worden und werden auf die verschiedenen Städte verteilt. Den arabischen Führern wurde ausdrücklich erklärt, dass die Entsendung der Truppen keineswegs als Druckmittel aufgefasst werden dürfe. In englischen Regierungskreisen hält man die kommende Woche, deren Ende den Beginn des passiven Widerstandes und der Steuerverweigerung durch die Araber bringen soll, für die kritischste in der ganzen Geschichte des Mandatsgebiets. Man ist der Ansicht, dass sich die arabischen Führer zu weit vorgewagt haben, um noch zurückweichen zu können. Dr. Chaim Weizmann ist am 10. Mai nach London abgereist. Vor dem Besteigen des Dampfers hatte Weizmann eine Unterredung mit dem High Commissioner Sir Arthur Wauchope. Im Monat April sind 3200 Juden nach Palästina eingewandert. Damit hat sich die Zahl der jüdischen Einwanderer seit Januar d. J. auf über 11 000 erhöht. Die bereits angekündigte grundsätzliche Anfrage über die Palästina-Unruhen wurde im,englischen Unterhaus von dem Abgeordneten Fleischer gestellt. Die Antwort des Kolonienministers lautete dahin, dass nach den letzten Informationen, die er vom High Commissioner für Palästina erhalten habe, die Lage im allgemeinen ruhig sei, obgleich einige vereinzelte Zwischenfälle vorgekommen seien. „Der arabische Streik“, so sagte Minister Thomas weiter, „hat nun zwei Wochen gedauert und trotz der schweren Verluste, die arabische Kaufleute und Transportarbeiter erlitten haben, wird er gegenwärtig allgemeiner durchgeführt als eine Woche vorher; es besteht die Möglichkeit, dass der Streik zu weiteren Unruhen führen werde. Das arabische Transportstreik-Komitee habe jetzt einen Aufruf erlassen, in dem gefordert wird, dass Regierungsbeamte die Arbeit niederlegen sollen. Der High Commissioner habe die entsprechenden gesetzlichen Vorkehrungen gegen den Präsidenten und Vizepräsidenten des Komitees getroffen. Ich glaube, dass die den Unruhen zugrundeliegende Ursache die arabische Unzufriedenheit ist, und ich weiss, dass die Araber damit gedroht haben, den Streik solange fortzusetzen, bis die jüdische Einwanderung gesperrt ist. Wie ich bereits am 23. April ausgeführt habe, wird sich S.M.-Regierung von ihrer Politik nicht durch Unruhen oder Drohungen irgendwelcher Art abbringen lassen; es kann keine Rede davon sein, dass die Regierung die jüdische Einwanderung als Folge des arabischen Streiks unterbinde. Ich habe kürzlich die arabischen Führer und eine Abordnung eingeladen, ihre Angelegenheiten mir vorzutragen, und ich bin sicher, dass die Araber selbst merken werden, dass sie volles und unparteiisches Gehör finden werden, wenn sie das Verfahren gutheissen, ihre Beschwerden zur Kenntnis S.M.-Regierung zu bringen.“ Der Abgeordnete Graham-White fragte sodann den Kolonienminister, ob er angeben könne, dass die Unruhen in Palästina auf eine Propaganda von Italien oder anderen auswärtigen Quellen zurückzuführen sei. Kolonienminister Thomas erwiderte, dass er keine Informationen habe, die zeigen könnten, aass die Zwischenfälle in Palästina durch Propaganda, die aus auswärtigen Quellen stammt, verursacht sein könnten. Auf eine Anfrage des Abgeordneten Captain Peter MacDonald über die Errichtung einer Flottenbasis in Palästina oder Cypern antwortete der parlamentarische Sekretär der Admiralität, Lord Stanley, dass die Vorteile einer Flottenbasis im östlichen Mittelmeer in Erwägung gezogen werden, dass es aber im gegenwärtigen Augenblick nicht beabsichtigt sei, solch eine Flottenbasis zu errichten. Bei der Tel-Aviver Filiale der polnischen Postsparkasse kam es durch missverständliche Auslegung der neuen polnischen Devisengesetze zu einer Nervosität der Einleger, die erhebliche Kreise der älteren und neueren Alijah ans Polen umfasst. Die Bank erfüllt alle Anforderungen ohne Schwierigkeiten. In Wirklichkeit unterliegen die betreffenden Banken, die Bank polski kasa opieki in Tel-Aviv und Haifa ausschliesslich den palästinensischen Gesetzen und können ungehindert sowohl polnischen als auch anderen Staatsbürgern Gelder in palästinensischer Währung auszahlen. Allerdings zahlt die in Palästina befindliche polnische Postsparkasse im Rahmen der Devisenbestimmungen an Sparkasseneinlegern aus Polen nur 250 Zloty aus. Es werden Schritte unternommen, um zu erreichen, dass die den Touristen aus Polen innerhalb Palästinas auszuzahlenden Beträge erhöht werden. Die Abhebungen sollen etwa eine halbe Million Dollars betragen. Die Verluste, die durch den Kursrückgang des Zloty für die Juden in Palästina entstanden sind, werden auf 600 000 Dollars von der palästinensischen Tagespresse beziffert Kleinkrieg und Terror — schärferer Kurs der Regierung Von unserem *-Palästina-Berichterstatter Tel-Aviv, 8. Mai. Nach den blutigen Ausbrüchen in Jaffa war es den vereinten Bemühungen der jüdischen und amtlichen Stellen gelungen, die Unruhewelle einzudämmen. Aber die einmal in Bewegung gesetzten arabischen Aufrührer blieben aktiv, in der zweiten Woche gab es täglich irgendwelche Zwischenfälle. Aber wenn auch all dem eine einheitliche Bewegung' zugrunde lag, so handelte es sich doch mehr oder minder um Ausbrüche der Verhetzung, nicht um eine organisierte Aktion. In der dritten Woche dagegen kristallisierte sich immer deutlicher eine neue Methode heraus, der organisierte Kampf, dessen wichtigste Waffen Streik und Sabotage sind und in dessen Verlauf jetzt ein gewisser Höhepunkt erreicht wurde: die Führer der arabischen Aktion haben die Bevölkerung zum Steuerstreik, die arabischen Regierungsbeamteri und -angestellten zur Gehorsamsverweigerung aufgefordert. Damit aber hat sich zugleich die Kampffront etwas verschoben. Hatte sich die mobilisierte Strasse bisher mit Gewalt gegen friedliche jüdische Bürger gewandt, so ist jetzt der erklärte Hauptgegner die englische Verwaltung. Hatten einzelne englische Stellen bisher versucht, die ganze Bewegung so zu behandeln, als ob zwischen der jüdischen und der arabischen Landesbevölkerung Zusammenstösse erfolgt seien, in denen die Mandatarmacht gewissermassen nur als neutraler Friedensstifter zu wirken habe, so ist diese Fiktion nicht mehr aufrechtzuerhalten. Gewiss ist die Lage in Palästina noch immer anders als in den syrischen Unruhen; dort gibt es ja nicht das Problem der zwei Nationalitäten, und .der Aufstand richtete sich unmittelbar gegen die Fremdherrschaft der Mandatarmacht, in diesem Falle also gegen Frankreich. In Palästina dagegen wendet man sich, wenigstens nach dem Wortlaut der offiziellen Erklärungen des Streikkomitees, gegen den englischen Mandatar, weil man ihn für das Eindringen der Juden verantwortlich macht. Aber die Tatsache bleibt jedenfalls bestehen, dass sich England aus der Rolle des „Schlichters im jüdisch-arabischen Konflikt“ in die Rolle einer unmittelbar angegriffenen Partei versetzt sieht. Die unmittelbare Folge war ein Kurswechsel der englischen Politik, und zwar eine Verschärfung des Kurses gegenüber den Arabern und eine etwas eindeutigere Beantwortung der Schuldfrage. Die entscheidenden Vorgänge in dieser Richtung haben sieh folgendermassen abgespielt. Nachdem der Aufruf des Streikkomitees zum Steuerstreik und zur Gehorsamsverweigerung erschienen war, rief der High Commissioner die Führer der arabischen Nationalbewegung zu sich und erklärte ihnen mit grossem Ernst und Nachdruck, dass er sie in vollem Umfange für die gesetzwidrigen Akte, die sich in letzter Zeit ereignet hätten, verantwortlich mache, dass er von ihnen eine öffentliche Stellungnahme und den Einsatz ihrer ganzen Autorität gegen die Terrorbestrebungen des Streikkomitees erwarte, und dass vor allem unter solchen Verhältnissen an den Empfang einer arabischen Abordnung durch den englischen Kolonialminister schwerlich zu denken sei. Die Araber, uneinig wie schon seit langem, erbatep sich eine Bedenkzeit für die endgültige Antwort. (Die Antwort der Araber ist inzwischen erteilt worden und negativ ausgefallen. Sie haben nach längeren Besprechungen beschlossen, den Generalstreik fortzusetzen und ihre Abordnung nach London nicht eher zu entsenden, bis die jüdische Einwanderung vollkommen gesperrt worden ist. Entgegen dem Verlangen des High Commissioner haben sie ausserdem erklärt, öffentliche Versammlungen und Demonstrationen fortsetzen zu wollen. Die Schriftleitung.) .Inzwischen aber tat die Regierung einen entscheidenden Schritt: Sie verhaftete die beiden Führer des Transport-Streikkomitees und Unterzeichner des letzten Aufrufes, Hassan Sidky Dajani und Saleh Abdu, die im Schnellverfahren auf Grund des. Aufruhrgesetzes abgeurteilt werden sollen. Im übrigen gehören die beiden Verhafteten nicht zu dem Kreise der obersten Parteiführer. Diese sitzen vielmehr im obersten Streikkomitee, das in der Aussprache mit dem High Commissioner vollzählig versammelt war; zu den Erschienenen gehörten u. a. der Mufti als Vorsitzender und Führer der Husseini- Partei (Palästinensische Araberpartei), Ragheb Bey Naschaschibi (Partei der nationalen Verteidigung), Alfred Rock, ein in letzter Zeit viel hervorgetretener arabisch-christlicher Politiker; ferner der Leiter der Jugendorganisation Yacoub Ghussein, Abdul Lätif S,alah (Nationaler Block von Nablus) und Dr. Khaldi (Reform- Landwirtschaft — als Lebensform Von unserem L.B.-Sonderberichterstatter Landwirtschaft ist in Palästina etwas anderes als in Europa. Gewiss gelten dieselben Gesetze für Saat und Ernte, für Rentabilität und Verschuldung wie in der ganzen Welt, aber daneben auch soviel besondere Umstände, dass doch ganz verschiedene Entwicklungsumstände zu berücksichtigen sind. Der Bericht des britischen Handelsagenten für Palästina zeigt mit einem Satz eine Tatsache auf, die in der Entwicklung der letzten Jahre in Palästina oft vergessen, ausserhalb des Landes allerdings gewöhnlich gewusst wurde. „Es muss daran erinnert werden, dass die Grundlage der jüdischen Siedlung in Palästina ursprünglich die Landwirtschaft war, und dass, nach der Ansicht der verantwortlichen Leiter der Bewegung, es auch die Landwirtschaft bleibt“ Palästina als das Kraftzentrum, das den Juden der ganzen Welt eine Erneuerung geben soll, braucht eine starke Landwirtschaft, selbst um den Preis, dass sie noch weniger rentabel sein wird als sonst irgendwo anders. Eine Prüfung der palästinensischen Landwirtschaft nach Gesichtspunkten der Wirtschaftlichkeit kann zwar gewisse Erkenntnisse vermitteln, was falsch gemacht wurde und was besser gemacht werden muss, schliesslich und endlich wird sie aber nicht ausschlaggebend sein. Die Landwirtschaft ist drüben, noch stärker als anderswo, keine Wirtschaftsform, sondern eine Lebensform. Diese Erkenntnis, die insbesondere der landwirtschaftliche Siedler, der aus Westeuropa kommt, sieb als Leitmotiv wählen muss, ist unter Umständen bitter. Sie besagt, dass jeder, der sich zu einem derartigen Leben entschüesst, starke Opfer bringen muss, ein hartes Leben, viele Entbehrungen, eine grosse Unsicherheit eintauschen muss gegen einen oft leichteren und angenehmeren Weg. Es ist kein Zweifel, dass auch derjenige, der auf der Basis der privaten Einzelwirtschaft siedelt, Reichtümer nicht ernten wird, auch nicht zu einer bescheidenen Wohlhabenheit gelangen kann. Wenn früher landwirtschaftliche Gebiete neu erschlossen wurden, so handelte es sich um jungfräulichen, fruchtbaren Boden, auf dem mit Mitteln einer höheren A " erwirtschaft Erträge gewonnen werden konnten, die im Verhältnis zu der aufgewandten Arbeit und den Kosten gross waren. In Palästina ist das anders. Auch der landwirtschaftlich nutzbare Boden ist teuer. Er ist entweder schlecht durch jahrhundertelangen Raubbau oder er muss mit ausserordentlichen Aufwendungen an Gut und Blut urbar gemacht werden. Trotzdem ist dies in vielen Gemeinschaftssiedlungen und auch Einzelwirtschaften gelungen. Aber, abgesehen von den alten Orangenpflanzungen, deren Bodenpreise noch minimal waren, bei denen aber auch jahrzehntelang noch keine befriedigende Rente erreicht wurde, sind Erträge, die einem vernünftigen Arbeitslohn entsprechen, selten. Der Lohn, den die Menschen in der Landwirtschaft haben, wird nur ausgeglichen durch das Bewusstsein, auf eigenem Boden in Palästina zu stehen und dort mit der Hände Arbeit ihr Brot zu verdienen. So muss wohl die Siedlung betrachtet werden als die Möglichkeit, die zu einem bescheidenen Leben erforderlichen Existenzmittel zu erhalten. Ein Siedler, der neu eingewandert ist und der in der Landwirtschaft ein Besitztum erwirbt, muss gewissermassen so kalkulieren, dass er für seine LP 1000, besser noch 1200 bis 1500, ein Landstück mit Haus kaufen kann, das ihm bei ständiger Arbeit das gibt, was er mit seiner Familie braucht. In den ersten Jahren bestimmt nicht mehr, ob später, ist eine Frage, die heute nicht entschieden werden kann, da alles in der Landwirtschaft mit längeren Zeitabständqj gemessen werden muss, als dies sonst üblich ist. Geduld ist für jeden Landwirt die wichtigste Eigenschaft, die er haben muss. Man hat sie in Palästina oft nicht. Manche Beispiele kann man sehen, wie vor allem die neuen Siedler immer wieder herumexperimentieren, ohne Erfahrungen zu haben, wie Ratschläge der Fachleute in den Wind geschlagen werden und wie dadurch Arbeitsaufwand und Kapital vertan werden. Pflanzungen werden herausgerissen, bevor sie tragen und neue dafür angelegt, von denen man sich günstigere Ergebnisse verspricht; was der Nachbar tut, wird blindlings übernommen, ohne dass berücksichtigt wird, dass die Anpflanzung eines bestimmten Gemüses vielleicht zehn Pflanzer ernähren kann, nicht aber hundert, weil der Absatz dafür nicht vorhanden ist. Die steigende Einwanderung der letzten Jahre und die erhöhten Bedürfnisse haben den Markt der landwirtschaftlichen Erzeugnisse wesentlich erweitert, die grosszügige Organisation des Absatzes auf genossenschaftlichem Wege hat zur Steigerung der Qualitätsleistung und zu einer Besserung der Erträgnisse beigetragen. Dazu kam noch die der Landwirtschaft in erster Linie dienende Tozereth-Haarez-Propaganda, die für die Erzeugnisse auch eine Preisstellung ermöglichte, die über den eingeführten Konkurrenzwaren lag. An eine landwirtschaftliche Autarkie ist natürlich für Palästina auch nur für gewisse Erzeugnisse hiebt zu denken.. Die LP 3,65 Mill. Nahrungsmittel, die 1935 eingeführt wurden, lassen sich im Lande nicht hersteilen, da ja ganz besondere Bodenverhältnisse und Kosten die Ausdehnung vieler Produktionen gar nicht zulassen. So wird Palästina ohne Transjordanien kaum je genügend Getreide zur Brotversorgung und als Futtermittel hervorbringen. Heber ein Drittel der Nahrungsmitteleinfuhr entfällt hierauf. Die jüdischen Siedlungen können, wie die Erfahrung der ganzen Kolonisation gezeigt hat, nur einen beschränkten Teil ihres Bodens jeweils für die extensive Getreidebewirtschaftung zur Verfügung stellen; die grossen Gebiete des Emek und vielleicht bald des Hule werden stets nur einen Teil des Weizenbedarfs des Landes liefern. Die arabischen Bebauungsmethoden, die Fellachenwirtschaft, ist meist so primitiv, dass sie in ihren Erträgen mit denen anderer Länder nicht vergleichbar ist. Dass überhaupt die jüdischen Siedlungen auch extensive Getreidewirtschaft treiben konnten, ist den gemeinschaftlichen Siedlungsformen zu verdanken, die viel stärker als eine Einzelwirtschaft den gemischten Typ (Getreide, Gartenbau, Viehzucht und manchmal auch Citrusplantagen) entwickeln konnten- Die Stärke der landwirtschaftlichen jüdischen Kolonisation liegt aber in der Intensivbewirtschaftung, wozu die hohen Bodenpreise, die Bodensperre, die dazu zwingt, den Raum so gut als möglich auszunutzen, und die Absatzmöglichkeiten gleichmässig weisen. Die enormen Leistungen, die dabei erzielt wurden, sind bekannt. An Stelle der primitiven Viehwirtschaft der Araber, die auf einer kleinen, verwilderten Gebirgsrasse beruht, ist eine moderne, mit eingeführtem europäischen Vieh beruhende Stallwirtschaft getreten, die zu einer Verdoppelung der Milcherzeugung in drei Jahren geführt hat. Besonders in Schwung gekommen ist die E i erwirtschaft, die gern zusammen mit Gartenbau betrieben wird; der Einwanderer, der aus intellektuellen Berufen stammt, inkliniert gerade zu dieser Art der Bewirtschaftung sehr stark. Auch die Bienenzucht wird immer stärker versucht, und es scheint nicht ausgeschlossen, dass ihre Erzeugnisse teilweise zum Export verwandt werden können. Bei allen diesen Dingen ist natürlich zu berücksichtigen, dass durch den heissen und langdauernden Sommer. Schwierigkeiten auftreten, die denen des europäischen Winters nicht nachstehen. Die Vielseitigkeit der geographischen Bedingungen im Land ermöglicht allerdings in den einzelnen Teilen #auch voneinander verschiedene Produktionen* So soll das subtropische Klima der Jordansenke zu dem Anbau von Frühgemüsen verwandt werden, die weit früher als in europäischen Treibhäusern gezüchtet werden können und mit Flugzeugen nach London und Paris versandt werden sollen. Findigkeit und Kenntnis werden noch manche derartigen Pläne reifen lassen, aber auch hier muss man sich davor hüten, Möglichkeiten, die für einige wenige Siedler durchgeführt werden können, zu sehr zu verallgemeinern. Der wichtigste landwirtschaftliche Zweig ist und bleibt natürlich die Citruskultur. Wir sind auf ihre Probleme im Laufe unserer Untersuchungen schon wiederholt gestossen: sie wird der einzige Faktor der palästinensischen Landwirtschaft sein, der nicht für den Binnen-, sondern den Auslandsmarkt arbeitet. Die palästinensische Landwirtschaftspolitik, und nicht nur die jüdische, sondern auch die des arabischen Sektors, muss auf die Stützung der Citrusausfuhr gerichtet sein. Die Ueberproduktion droht, und darum ist die Bemühung aller Pflanzer, der „Feudalherren“ des Landes, auf die Senkung der Kosten der Erzeugung bedacht. Das Problem der jüdischen oder arabischen Arbeiter hat hier seine schärfste Zuspitzung, und. es ist nicht leicht, einen richtigen Ausgleich zu finden, der den Wünschen der Pflanzer nach niedrigen Kosten und der Gewerkschaft nach angemessenem Lohn gerecht wird. Ob die in der letzten Zeit angewandte Methode der Heranziehung bedürfnisloserer jüdischer Einwanderer zu dem Zweck der Beschäftigung in den Pflanzungen die richtige Methode ist, mag bezweifelt werden. Am wichtigsten ist für die Citruspflanzer die Stetigkeit des Absatzes, und die Genossenschaften, die heute den Vertrieb übernommen und vorbildlich ausgebaut haben, werden sich in den nächsten Jahren in. erster Linie den Fragen der Propaganda im Ausland und der früher schon besprochenen Verwertbarkeit der Früchte zur Verarbeitung widmen müssen Die Zukunft der Orangen- und Grapefruitkulturen ist für die ganze Entwicklung des jüdischen Aufbaus einer der entscheidenden Umstände. Für die ganze Landwirtschaft muss die Wasserfrage immer wieder neu geprüft werden. Können hier wesentliche Besserungen durchgeführt werden, so ist eine Ausdehnung der Produktion möglich, andernfalls erschwert. Auch auf diesem Gebiet hat die Mandatsregierung noch lange nicht alles getan, was sie kann. Fernsprecher: F 8 Umzüge Oberbaum 9191 von a ★ LAGERHÄUSER len Orten Deu . WAREN tschlands TRAN SRO * RTE nach allen Fernsprecher: 31 27 51 Orten der Welt.

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