Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936) - farbig
- Issue
- 20 (14.5.1936)
- Date
- 1936-05-14
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 20 *3. Beiblatt CMIeihiiiq 14. Mai 1936 Versuch einer Sinndeufung der Weltgeschichte Zum Tode VOU Oswald Spengler Von Dr. Ernst Fraenkel „Vollenden lässt sich nie - das Leben selbst vollendet erst der Tod.“ Im Dezember 1922 schrieb Oswald Spengler diese Worte im Vorwort zu der Neubearbeitung seines Werkes: „Der Untergang des Abendlandes". Nun, da der Tod ein von ungeheurer Dynamik der Intuition und der Fähigkeit zur visionären Schau gespanntes Leben vollendet hat, werden wir das ganze der Lebensart dieses Denkers überblicken können, der in seiner Zeit ausstand, um mit dem Uebermenschen seines Lehrers und Meisters Nietzsche zu sagen: „So sollt Ihr lausen, Ihr großen und Ihr kleinen Ströme". 1. Spenglers intuitive Art der Weltbetrachtung und seine Wertschätzung einer rein gefühlsmäßigen Erfassung des inneren Gehalts der Dinge waren zeitgeboren und zeitbedingt. Er hat selbst die tiefe Bewegung, mit der sein Buch: „Der Untergang des Abendlandes" ergriffen wurde, begründet, wenn er schrieb, daß sein Werk „die gewissermaßen natürliche, von allen dunkel vorgesühlte Philosophie der Zeit brächte." „Es ist eines jener Produkte", so schrieb damals Ernst Troeltsch, der Berliner Geschichtsphilosoph, „die aus der Abneigung gegen den kühlen, kritischen Rationalismus und die philologische Akribie geboren sind, und das, wie es die junge Generation verlangt, sich der intuitiven Synthese zuwendet." „Es war ein Beweis für die Bedeutung der großen Konzeption Spenglers, daß die wissenschaftliche Welt — Philosophen, Theologen, Historiker, Philologen und Naturwissenschaftler — an ihr nicht achtlos glaubten vorübergehen zu dürfen, sondern sich verständnisvoll und tiefgründig mit ihr auseinandersetzten, das Originale und nicht mehr Wegzudiskutierende nicht nur Hinnahmen, sondern unbeschadet der Kritik an den oft anfechtbaren und als falsch erweisbaren Einzelfeststellungen und Ergebnissen anerkannten und werteten. Aus der Niederung der popularisierenden und damit verflachenden Schlagwörter wurde in ernster wissenschaftlicher Arbeit das Neue und Bleibende seiner Geschichtsphilosophie in die Höhe objektiver Wissenschaftsbetrachtungen gerade von denjenigen gebracht, von denen er glaubte sagen zu dürfen: „Was als philosophische Gelehrtenarbeit entsteht, ist überflüssig und vermehrt lediglich den Bestand einer Fachliteratur." Gewiß fehlte es nicht an scharfer Kritik und auch an völliger Ablehnung, aber in bezug aus die Beurteilung des Grundgehaltes der Spenglerschen Gedanken überwog doch die Stellungnahme, der Ed. M eher Ausdruck verlieh: „Man soll dabei nicht zuviel Gewicht ans die scharf zugespitzten Formulierungen legen, wobei man. Besuch in Amsterdam Von Max Osborn Wer heute als Jude nach Amsterdam kommt, fühlt stärker noch als früher den positiven Anteil, den das jüdische Element der Bevölkerung durch die Jahrhunderte hin am kulturellen Leben der wundervollen Stadt genommen hat. Seitdem im 16. Jahrhundert der Strom der jüdischen Flüchtlinge aus Spanien und Portugal nach den Niederlanden zu fluten begann und die Einwanderer hier gastlichste, liebevollste Ausnahme fanden, sind die neuen Bewohner der Stadt zu ihren treuesten Kindern geworden. Das ist bis in unsere Tage genau so geblieben, wie es früher war. Wenn man das Glück hat, mit einem so wissensreichen Kenner her Amsterdamer Judengeschichte wie dem verehrten Siegmund Seeligmann durch die schmälen Straßen der Altstadt, durch das Gewirr ihrer ehrwürdigen Baulichkeiten, über die kleinen Brücken zu spazieren, die mit bezaubernden malerischen Ausblicken über die Kanäle setzen, so bemerkt man mit Wonne, daß man in diesem ausgezeichneten Spezialgelehrten, dessen Bibliothek mit ihren erstaunlichen Iudaica - Beständen eine Sehenswürdigkeit ist, zugleich einen Beherrscher aller Geheimnisse der Stadt Amsterdam neben sich hat. Mit tiefer Liebe hängt er an den Winkeln und Gäßchen, durch die er den Fremden geleitet, ist vertraut mit jedem alten Gemäuer, mit den Geschichten und Legenden, die sich darum spinnen, nickt gleichsam jeder dunkelbraunen Ziegelwand, jedem der engbrüstigen Häuser, jeder von der Patina der Jahrhunderte überzogenen Kirche wie ein guter Freund zu. Die Historie der Judenschaft ordnet sich ihm, und das ist durchaus richtig gesehen, als ein organisch gewachsener Teilabschnitt in die Historie von AnHerdam ein. Als vor einiger Zeit die städtische Verwaltung daran ging, die Zahl ihrer ruhmwenn man sich ausschließlich an sie hält, den Sinn des Verfassers und den Kern seiner Ideen leicht verfehlt." 2. Goethe und Nietzsche nannte Spengler seine Meister. „Von Goethe habe ich die Methode, von Nietzsche die Fragestellungen und, wenn ich mein Verhältnis zu diesem in eine Formel bringen soll, so darf ich sagen: Ich habe aus seinem Ausblick einen Ueberblick gemacht." Aber wenn Spengler eine „Morphologie" der Weltgeschichte gab, d. h. eine Formen- und Gestaltenkunde, eine metaphysisch begründete Geschichts- und Kulturphilosophie, die im Gegensatz zum Entwicklungs- und Fortschrittsgedanken steht, so schasste er sich dazu eine Methode, die auch in enger Beziehung zu den Gedankengängen Simmels und B e r g s o n s steht. Seine wichtigste Erkenntnis war der Gegensatz zwischen naturwissenschaftlichem und historischem Erkennen, „d. h. der Gegensatz zwischen dem Gewordenen, in räumliche Form und Starrheit Uebergegangenen und dein immer tätigen Werden selbst, das sich nicht logisch, nur intuitiv erfassen läßt, der Gegensatz zwischen Gesetz und Gestalt, Kausalität und Originalität."' 3. An Hand dieser Methode führt uns Spengler in sein System weltgeschichtlicher Betrachtung und Deutung. Es ist ein mühevoller Weg, der bis an „jene Welten heranführt, über denen stehend man nichts mehr von allem sieht, was unter ihnen vorgeht, die Welten des mythischen Urnebels". (E. Brandenburg.) Die Kulturen, innerhalb deren die Weltgeschichte verläuft, sind geistige individuelle Organismen, die ihr unmittelbares Eigenleben haben, voneinander völlig unabhängig sind, nichts voneinander empfangen undstich nichts gegenseitig geben können, deren Leben einen gleichmäßigen typischen Verlaus haben. Vom mythischen Weltbewußtsein geht ihr Weg über die Epoche des Krästebewußtseins zum allmählichen Erlöschen des Feuers, zur Erstarrung und Müdigkeit, von der Vorbereitung zur Vollendung und zum Absterben, von der Killtur zur Zivilisation, zum Verlust der Schöpferkraft. Von diesem Blickpunkt aus überschaut Spengler die verschiedenen Kulturperioden: Die stgyptisch-bäbylonische, die indisch-chinesische, die arabisch-magische, die antik-apolinische und die abendländisch-fanstische. Im Ablauf von 1500 Jahren vollzieht sich jeweils das Werden und Vergehen der „Kulturseelen". Die abendländisch-faustische Kultur umfaßt die Zeit seit ungefähr dem 10. Jahrhundert, um sich nunmehr in der Gegenwart aus der absteigenden Linie von der Kultur zur Zivilisation dem reichen Museen durch eine neue öffentliche Sammlung zu vermehren, die der Geschichte des Gemeinwesens gelten sollte, war es selbstverständlich, daß darin auch von den Juden die Rede sein müßte, und Siegmuud Seeligmann richtete zwei Säle für dies Sonderthema ein. Für das stadtgeschichtliche Museum wählte man das wuchtige kleine Bauwerk der St. Anthonieswaag, kurz die „ W a a g " genannt, das ursprünglich, 1488, mit seinen mächtigen Rundtürmen als kastellartiges Stadttor an der damaligen Ostgrenze von Amsterdam erbaut wurde. Später war es der Sitz von mehreren Gilden; unverändert hat sich aus dieser Zeit namentlich die Kammer der Steinmetzen erhalten, wo allerlei Brüstungen, Tür-, Fenster- und Kamin- Umrahmungen, Barocksäulchen und Profile in Backstein als kunstreiche Meisterstücke der Steinmetzgesellen ausgeführt wurden. Zu Rembrandts Zeiten befand sich hier die Anatomie mit den ansteigenden Sitzreihen, das „Theatrum" für die Studierenden — an diesem Punkt haben wir uns den Schauplatz zu denken, wo Rembrandts Doktor Tulp vor seinen Hörern den zerschnittenen Leichnam demonstrierte. Noch heute erinnert an Ort und Stelle eine ganze Reihe bescheidenerer Anatomiebilder an diesen Beruf der Waag; sie läuft bis ins 18. Jahrhundert, wo noch Cornelis Trooft sehr geschmackvoll einen Professor und seine Studenten in gravitätischwolkigen Watteau-Perücken verewigte. In den Räumen, die sich um die hochgewölbte einstige Anatomiehalle ziehen, befindet sich auch die jüdische Enklave des Stadtmuseums. Die Zimmer sind bis zum Rande gefüllt mit den interessantesten Erinnerungsstücken. Eine Glasvitrine beherbergt prächtig erhaltene, lang herabwallende weiße spanische Seidenkostüme für winzige Neugeborene zum Festtag der Beschnei düng. Eine andere zeigt Gebetmäntel von üppigster Ausstattung, mit venezianischen Spitzen durchsetzt, oder mit den Wappen vornehmer portugiesischer Judenfamilien, wie der Zustande der Erstarrung zu nähern: Das Verlöschen der „faustischen Seele" — und damit der Untergang des Abendlandes! — naht! In den Ablauf des magisch-arabischen Kulturkreises (von 500 v. bis 1000 n. Ehr.) stellt Spengler das Judentum, von dem er meint, daß es im Talmudjudentum der ersten fünf christlichen Jahrhunderte, nicht in der Vorchristliken Prophetie die großen Leistungen seines Geistes vollbracht habe. 4. Man wird, so oft man durch Spenglers Werk geht, an die Worte eines großen Mediziners erinnert, der seinen Hörern ein neu entdecktes Heilmittel mit den Worten demonstrierte: „Es kann ein Segen in der Hand des Könners sein — eine Gefahr in der Hand des Stümpers werden." Die Fülle der Probleme und auftauchenden Fragen bei Spengler machen es umöglich, über eine referierende Darstellung hinaus im Nahmen dieser Darstellung kritisch Stellung zu nehmen. Nur aus eines sei hingewiesen: Diese Methode trägt gefährliche Züge, denn sie bedeutet eine Preisgabe des in einem Jahrhundert wissenschaftlicher Arbeit errungenen kritischen Rationalismus, empirischer Exaktheit und nüchterner Kausalitätsforschung zugunsten einer subjektivistischen unkontrollierbaren Intuition. Das Wort Spenglers von der „Vogelstraußpolitik des Idealismus" weist am besten aus diese Gefahr: „Wer definiert, der kennt das Schicksal nicht." Spenglers Stellung zum Judentum als weltgeschichtliche Erscheinung hat verschiedene jüdische und nichtjüdische Kritiker hervorgerufen (besonders M. Grunwald, Ludwig Stein, W. Cahnmann, I. Maybaum), so daß auch hier die referierende an Stelle der kritischen Darstellung treten darf. In wenigen Sätzen ergibt sich dabei folgendes Bild: Die, westeuropäische Judenheit ist nach Spengler als Bürgerin des arabisch-magischen Kulturkreises durch Schicksalsfügung in die relativ jüngere abendländisch-faustische verschlagen worden, wodurch sich schärfere „Randspanuungen" ergeben mußten; denn die einzelnen Kulturperioden, da sie Eigenleben führen und individuelle Seelen sind, können sich gegenseitig nicht begreifen oder gar sich gegenseitig aufnehmen. Diese „R a n d Spannungen" setzen sich in der Empfindungswelt um in einen tief ins Blut gedrungenen Haß, der nicht aus Rassengegensatz herrührt, wenn er gleich an sinnbildliche Merkmale der Rasse anzuknüpfen Pflegt, sondern einfach aus „mangelnder Gleichzeitigkeit", einfach weil der jüdische und abendländische Mensch im Abstand von 30 Generationen innerlich beziehungslos nebeneinander leben. Im seelenlos gewordenen Steingehäuse der gegenwärtigen Kultur auf ihrer absteigenden Kurve zur Zivilisation wird sie mit dem Judentum Zusammentreffen, die Randspannungen werden ausgeglichen, die in Amerika kaum noch wahrnehmbar sind. Damit aber wird auch das Schicksal des Judentums erfüllt sein, das nun restlos von der europäischen Zivilisation aufgesogen wird. Suasso oder der Mendes, in kunstreicher Stickerei geschmückt. Kultgegenstände aller Art, Toramäntel aus kostbarem Brokat, geschliffene Gläser, deren Herstellung zu den Spezialitäten von Amsterdam gehörte, mit eingeätzteu hebräischen Inschriften künden von dem Reichtum, der sich im alten Judenviertel entwickelte. Ein Angehöriger der Familie Suasso, der ein Freund der Karten war, ließ sich für den Schabbat gar ein Kartenspiel aus bemalten Silbertäfelchen machen, bei denen nichts reißen konnte! Miniaturbildnisse und Stiche berichten von einzelnen Mitgliedern dieser wohlhabenden Schicht, so von Tobias Boas, der im 18. Jahrhundert lebte, und von dem Casanova in seinen Memoiren erzählt, oder von dem begüterten Israel Pinto, der sich schon für die Bücher seiner Bibliothek ein Exlibris machen ließ — er ist der reiche „Pinte aus Amsterdam", dessen Name auch bei uns sprichwörtlich wurde. In der Porträtsammlung der jüdischen Säle taucht daneben die lange Folge der bedeutenden Amsterdamer Juden aus, die sich in Wissenschaften und Künsten tummelten. Selbstverständlich haben dabei die beiden Freunde Rembrandts, der große Gelehrte und Rabbi Manasse ben Jisroel und der Arzt Dr. Ephraim Bonus, ihren Ehrenplatz. Dem 17. Jahrhundert gehört auch einer der ältesten jüdischen Graphiker an: der Stecher Salom Jtalia, der aus seiner Heimat Mantua nach Holland gekommen war. Die Linie reicht bis zu dem bedeutenden Juristen und Nobelpreisträger T. M. C. Aster, dem Stolz der Amsterdamer Judenheit von heute. Dazwischen geben Reproduktionen von einigen Werken Jozes Israels" und vom Schassen seines Sohnes Isaak Kunde. Auf der andern Seite stehen die zahlreichen holländischen Künstler, die sich wie Rembrandt mit jüdischen Darstellungen beschäftigen. Auch Karel Fabritius und AertdeGelder (vondem im Reichsmuseum eine imposante Probe dieser Art hängt) malten ihre „Rabbinerporträts". Die Kupferstecher Ein Schriftgelehrter Die Welt ist ihm ein Kommentar Zur Schrift. Lebendig ist ihm nur was war: Er trifft In dir und mir und jedermann Nur Menschen seines Buches an. Das Leben ist ihm Wiederkehr Des Worts. Und Jahre wiegen ihm nicht schwer. Des Horts Aus dem das Leben Leben trinkt Weiss er sich sicher unbedingt. Ihm fällt kein Stein, ihm wächst kein Baum Ohn Vorbedacht. Die Erde ist nur Zwischenraum: Die Macht, Die zirket Brot und Lied und Leid Ist ihm die Schrift in Ewigkeit. Gott selber ist ihr untertan, Sie weist Der Sterne und der Völker Bahn. Es kreist Um sie das Ewigall und beugt Der Schrift sich, die die Schöpfung zeugt; S. Ben-Chorin Eine kritische Analyse dieser Stellung Spenglers zum Judentum müßte zu einer Auseinandersetzung über die letzten Fragen von Volk, Nation, Rasse, Begriff und Inhalt der Kultur führen und damit den Rahmen dieser Ausführungen sprengen. Spengler hat das schöne Wort geprägt: „Die Welt verstehen heißt der Welt gewachsen sein." Das Judentum hat in einer mehr als dreitausendjährigen Geschichte gezeigt, daß es stets versucht hat, die Welt zu verstehen. Grass an Emanuel bin Gorion Von Dr. Fritz Friedlaender Du entrinnst dir selber Nicht, wenn du fortziehst. Horaz. Sie haben mir, lieber Freund, von Ihrem Entschlüsse Mitteilung gemacht, noch innerhalb dieses Jahres Ihren Wohnsitz von Deutschland hinweg nach Palästina, voraussichtlich Tel-Aviv, zu verlegen. Ich möchte Ihnen zunächst ausdrücken, wie schmerzlich mich diese Mitteilung berührt. Nicht möge es Sie verwundern, daß es an dieser Stelle geschieht, denn ich bin der Meinung, daß die Vollziehung Ihres Entschlusses nicht nur Angelegenheit Ihrer privaten Person, sondern ein Ereignis darstellt, das die volle Aufmerksamkeit der jüdischen Oeffentlichkeit erheischt. schilderten ausführlich, auf Grund eingehenden Studiums, die Feste, Sitten und Gebräuche der Juden. Romeyn de Hooghe schuf einen lebensvollen Kupferstich von der Einweihung der weltberühmten Portugiesischen Synagoge. Die Aschkenasische Gemeinde bleibt nicht zurück— die große Ausstellung zu ihrem kürzlich begangenen Jubiläum des 300jährigen Bestehens war übrigens gleichfalls hier in den Räumen des neuen Stadtmuseums einquartiert. Von jeder Rubrik ziehen sich Fäden zur allgemeinen Geschichte der Juden in Europa. Vor allem der Glaskasten mit der Münzsammlung spricht Bände. Als unter Maria Theresia die Juden aus Prag vertrieben werden sollten (in seinem „Weg ohne Ende" hat ja Gerson Stern vor wenigen Jahren wieder ein erschütterndes Gemälde dieser Vorgänge entrollt), mahnte der niederländische Gesandte am Wiener Hof zur Milde — zum Andenken an diese Tat der Menschlichkeit ließ die Amsterdamer Judenschaft damals eine Medaille prägen. Verbindungslinien ziehen sich auch zu dem merkwürdigen portugiesischen Inden Justus - Nassy, den Sultan Selim II. 1566 zum „Herzog von Naros" ernannte, und den die Oranier als Bundesgenossen gegen Spanien zu werben suchten. Allerlei Amsterdamer Besonderheiten, von denen man in anderen jüdischen Museen nicht viel antrefsen wird, stechen hervor: die Schüsseln und Teller zu kultischen Zwecken in Alt-Delfter Fayence, die Geräte, 'namentlich die edel gearbeiteten Jad, aus zierlichem Filigranwerk, die kleinen Modelle der originellen Oefen für Judenhäuser, die am Freitag so geheizt werden konnten, daß am Sabbat das Feuer nicht ausging. Nach allen Seiten hin empfängt der Besucher unendliche Belehrung und Bereicherung. Blickt man dann aus den Fenstern, die in die dickenMauernder„Waag" eingelassen sind, so hat man unter sich den „Nieuwe Markt", wo der Amsterdamer Trödelhandel seinen Sitz hat. Wimmelndes Getriebe zwischen