Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936) - farbig
- Issue
- 19 (7.5.1936)
- Date
- 1936-05-07
- Page
- [Seite] (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Bankwesen und Kreditverkehr in Palästina V ° n unserem L. B.- Sonderberichterstatter Äuf den ersten Blick lassen die zahlreichen Bankgeschäfte und Grossbankfilialen aller Art, denen man in den Zentren der palästinensischen .Wirtschaft begegnet, den Eindruck aufkommen, dass nichts so gesichert ist wie die Versorgung des Landes mit ausreichendem Kredit. Darin liegt jedoch ein Trugschluss: gerade die grosse Zahl. der Institute ist ein Beweis dafür, dass ein einheitlicher Kapitalmarkt erst in' Anfängen > vorhanden ist und dass die Wirtschaft kein einheitliches Kreditsystem, sondern eine Reihe von solchen nebeneinander hat, deren Verbindungsstellen sehr eng sind und oft abreissen. Dies ist nach der Herkunft der Einwanderer, nach dem Aufbau des Landes in verschiedenen Etappen und in ungleichen Sektoren kein Wunder. Dem Beobachter ist es natürlich oft unverständlich, dass einerseits auf Einlagen bei den Grossbanken des Landes kein Zins oder nur ein minimaler Satz von Bruchteilen eines Jahresprozents gegeben wird, während anderseits für Kredite 7 und 8 Prozent oder noch mehr gezahlt werden müssen und oft auch für Richtige Zwecke Kapital überhaupt nur schwer zu erhalten ist. Es besteht kein Zweifel, dass anlagesuchendes Kapital immer noch in grossen Ausmassen vorhanden ist; die Ende 1985 etwa LP 16 Millionen ausmachenden Bankeinlagen sind der beste Beweis dafür, die von den Hw&kßb DSM&tüSA Banken zu ganz hohen Prozentsätzen in englischen Staats- und Dominialanleihen angelegt wurden. Was dem Lande aber noch fehlt, ist die Organisation des Geldmarktes und eines grossen Teils auch des Kapitalmarktes, obwohl bei diesem in den letzten beiden Jahren insbesondere durch die Tätigkeit der Hypothekenbank und einiger aus Deutschland stammender Bankfirmen eine erhebliche Besserung eingetreten ist. Der Aufbau dieser Märkte bedarf freilich einer langen Zeit und einer ruhigen, risikoarmen Allgemeinentwicklung, die eine einheitlichere Auffassung des Kredits schaffen müssen, als sie heute noch besteht. Der Ruf nach einer Aenderung des Zentralbanksystems, der im Anschluss an die Bankenkrise des Vorjahrs — die aber nur einen Teil des Bankwesens umfasste — verstärkt erhoben wurde, ist zweifelsohne berechtigt. Wie so vieles in Palästina hat auch die Organisation der Notenbank mit der raschen, unerwarteten Entwicklung der Wirtschaft nicht standhalten können. Der Currency Board, der in gewissem Sinn die Stelle einer Notenbank einnimmt, besteht aus einem Vertreter der Barclays Bank, der offiziellen Bank der Regierung, und dem Treasurer. Er sorgt aber nur dafür, dass genügend Zahlungsmittel bereitgestellt werden und die Zahlungsmittel richtig gedeckt sind, vornehmlich durch englische Staatspapiere uml Kolonialanleihen. Anlagen aus dem Lande selbst, Wechsel oder Anleihen, bilden keine Währungsgrundlage. Dem Stand der Wirtschaft von 1927, in der die neue Währung eingeführt wurde, entsprach eine derartige Regelung, die alle Vorsicht der Vermeidung von Risiken in dem jungen Aufbauland einschloss, folgerichtig, sie zwang die Banken zu einer hohen Barliquidität, aber sie bot keine Möglichkeit, im Rahmen einer Zentralbank im Falle plötzlich auftretenden Kredit- oder Zahlungsbedarfes rasch zu intervenieren noch aktiv am Aufbau der Wirtschaft in irgendeiner Form mitzuarbeiten. Man hat infolgedessen verlangt, dass in Palästina eine eigene Notenbank errichtet werden solle, die eine selbständige, durch Gold und inländische Kreditmittel gedeckte Währung zu sichern habe. Solche Forderungen -schiessen heute und auf lange Zeit noch sicher über das Ziel , hinaus. Das Land ist zu klein, jum sich den Luxus einer solchen, eventuell vom englischen, Pfund sogar unabhängigen Währung zu leisten, die Formen und Gebiete der Wirt; schalt sind zu uneinheitlich, denn schon der iarabische; und der jüdische Sektor stellen keine zusammenhängende Form dar, und schliesslich ist eine Notenbank überhaupt nur möglich, wenn hinter ihr eine starke staatliche Gewalt steht, welche die Mandatsregierung niemals darstellen wird. Dazu konnrit, dass für Palästina'im Rahmen des englischen Imperiums, das der wichtigste Kunde und der wichtigste Lieferant ist, nur eine au das englische Pfund angeschlossene Währung, wie es die heutige ist, den Risiken der Valutaschwankungen gewachsen ist. Einen Bankenrurt könnte eine eigene palästinensische Notenbank ohne grosse ausländische Hilfe überhaupt nicht ertragen, und eine eigene Diskontpolitik wäre, da ja geeignetes Wechselmaterial nicht vorhanden ist, gar nicht möglich. (Man muss sich bei der Beurteilung der oft genannten hohen Diskontsätze für Wechsel und des immer wieder gerügten übermässig grossen Wechselumlaufs in Palästina aber vor Augen halten, dass der W e c h s e 1 zumeist nicht die Funktion des K red i t m i tt e ls , sondern des gesicherten Z a h 1u n gs Versprechens hat.) Als Ersatz einer eigenen Notenbank wäre dagegen die Errichtung einer Lombardierungsstelle wünschenswert, die die Garantie dafür bietet, dass die immer noch notwendigem Liquiditätsreserven in Form von Anleihen im Falle von Schwierigkeiten tatsächlich auch verwertbar sind. Weiter wird der Currency Board bald dazu übergehen müssen, auch palästinensische Wertpapiere selbst als Währungsgrundlage zuzulassen, und die Regierung könnte, wenn die Errichtung der staatlichen landwirtschaftlichen Hypothekenbank endlich weitergeführt wird, selbst für solche Unterlagen sorgen. In erster Linie wird aber immer der Kredit Englands das Palästina-Pfund sichern. Wichtiger als eine Notenbank ist aber die schon seit langem geforderte Verrechnungsstelle der Banken untereinander, die in der Art eines Clearinghauses die umständliche Einkassierung von Schecks und Wechseln vermeidet. Dass die Grossbanken des Landes hierzu noch nicht die Initiative ergriffen haben, ist nicht recht verständlich und kann vielleicht nur mit der scharfen Konkurrenz erklärt werden, die sich die Banken untereinander und den kleineren Instituten machen, eine Folge der zweifellos vorhandenen Uebersetzung des Bankgewerbes. Diese Uebersetzung ist, wie schon erwähnt, entstanden aus der Herkunft der Einwanderer, unter denen sich viele bankmässig ausgebildete Menschen befanden, aus der Gründerperiode des Aufbaues, die gerade den mittelnden Gewerben besondere Chancen bietet, und aus den divergierenden Interessen der Einwanderer und der Wirtschaftsgebiete. Dazu kommt die mangelhafte Kapitalversorgung vieler •Unternehmungen, besonders im Handel, die auch „Bankiers“ wenig erfreulicher Art Existenzmöglichkeiten schafft. So finden sich in Palästina alle Typen des Bankwesens von der internationalen Groesbank bis zum orientalischen Geldwechsler und Gelegenheitsbankier über das Privatbankgeschäft, die Spezialbank, die Genossenschaftsbank und Genoesenschaftszentrale. Zu der Gruppe der internationalen Banken gehören in erster Linie die Regierungsbank, Barclays Bank (Dominion, Colonial and Overseas), die ihre Zentrale in London hat und die ebenfalls nach englischem System aufgebaute Anglo-Palestine-Bank, die rein jüdisch ist und den jüdischen nationalen Organisationen nahesteht, sich infolgedessen direkt oder durch die von ihr gegründeten Tochtergesellschaften mit dem Transfer nach Palästina und mit der Leitung der dem Aufbau dienenden Kapitalien befasst. Beide Banken haben sich auf ihrem Gebiet eins gewisse Monopolstellung zu schaffen gewusst. Sie unterhalten zahlreiche Niederlassungen an allen wirtschaftlich wichtigen Zentren des Landes. Während diese beiden Banken erst in der Nachkriegszeit Fuss gefasst haben, bestanden schon früher zur Finanzierung des Levante-Handels Niederlassungen von zwei ausländischen Banken, deren Bedeutung im ganzen jetzt zurückgegangen ist, des Banco di Roma und der Banque Ottomane, der früheren türkischen Regierungsbank, die jetzt in Paris und London ihren Hauptsitz hat. Der Banco di Roma hat infolge der Sanktionen, wie überall im Orient, auch in Palästina einen grossen Teil seines Geschäfts eingebüsst. Neu hat sich vor einigen Jahren die Hollandsche Bank Unie, deren Zentrale in Amsterdam ist, in Palästina niedergelassen, nachdem sie schon früher in Istanbul eine Filiale unterhalten hatte. Sie hat jedoch bisher nur eine Niederlassung im Lande. Alle diese Banken betreiben das allgemeine Bankgeschäft mit gewissen Abweichungen, die sich aus der Eigenart des Herkunftslandes ergeben. Es ist überhaupt reizvoll, festzustellen, wie die Vielfalt der Menschen verschiedener Herkunft auch ganz andere Formen des Bankgeschäfts entwickelt. Der Aufschwung der von der Anglo- Palestine Bank gegründeten Palest ine Mortgage Bank, der jüdischen Hypothekenbank, wäre nicht denkbar gewesen ohne die Tätigkeit einiger aus Deutschland stammender Bankfirmen, die an ihre, vorwiegend ebenfalls aus Deutschland stammende Kundschaft die Pfandbriefe absetzen konnten. Die zweite Kategorie der Banken sind einige 50 im Lande selbst entstandene Institute, die zum Teil mit ausreichenden Kapitalien und vertrauenswürdiger Leitung versehen sind, zum Teil aber auch den Namen Bank nicht verdienen. Das neue Bankengesetz, das ein Mindestkapital und eine gewisse Publizität fordert, wird Missstände auf diesem Gebiet langsam beseitigen. Die Banken dieser Kategorie betreiben ebenfalls alle Arten von Bankgeschäften, sind oft aber besonders auf das Grundstücksgeschäft spezialisiert. Zu den grösseren gehören die Palestine Mercantile Bank, die Belgo-Palestine Bank, die Mizrahi Bank, die King Salomon Bank u. a. Neben diesen kleineren Aktien inslituten steht nun eine ebenfalls sehr bunte Zahl von Privatbankiers. Unter ihnen sind vor allem bedeutend die vor einigen Jahren aus Deutschland eingewanderten wie Jacob Japhet & Co. in Jerusalem, Ellerns Bank in Tel Aviv und mehrere andere. Die Firmen werden zum Teil ebenfalls als Limited Company geführt, haben aber den typischen Charakter einer deutschen Privatbankfirma und betreiben deren Geschäfte, also vor allem Kundenberatung, Finanzierung und Emission. Eine weitere Kategorie, die zahlenmässig am grössten ist, sind die verschiedenen Genossenschaften, die eine wichtige Rolle im Aufbau des Landes haben, da sie den Arbeitern, Kleinhandwerkern, selbständigen Landwirten und landwirtschaftlichen Kooperativen Kredite gewähren. Sie sind zum Teil in Spitzenorganisationen zusammengelasst, von denen die Central Bank of Cooperative Institutions in Palestine und die Sernbabel-Bank die grössten sind. Auch die verschiedenen Pardes-Pflanzergruppen verfügen über eigene Institute. Eine letzte Gruppe von Banken sind schliesslich die Spezialbanken, die nur ein besonderes Arbeitsgebiet betreuen. Zu ihnen gehört besonders die schon genannte Hypothekenbank mit fast LP 2 Millionen Pfandbriefumlauf und zwei weitere, speziellere Hypothekeninstitute, von denen eines, die South African Palestine Co., von südafrikanischen Zionisten gegründet wurde. Die Beleihungstätigkeit der Hypothekenbanken ist recht vorsichtig, es werden nur die Baukosten, nicht Grund und Boden, belieben. Trotzdem ist der Hypothekarkredit mit Sätzen von mindestens 8 Prozent recht teuer, und und bei der starken Bautätigkeit der letzten Jahre war es oft nur unter grossen Schwierigkeiten möglich, Kredite zit erhalten. Weiter sind Institute mit ausländischem, teils wirtschaftlich, teils philanthropisch verwalteten Geld gegründet worden, die der Industriefinanzierung dienen, Hierzu gehört yor allem die Palestine Corp., eine vorwiegend amerikanische Gründung. Einige Institute dienen der Finanzierung der Orangenpflanzungen, andere dem Grundstücksgeschäft, wie die Akro-Bank. Die bekannte Nir, die den Gewerkschaften nahesteht, gibt Kredite vor allem an landwirtschaftliche Gemeinscliäftssiedlungen und an Arbeiterkooperativen. Schliesslich ist auch eine Finanzierungs- und Beteiligungsgesellschaft zu nennen, die Industrial and Financial Corp. öf Palestine (Ifico). Ausserhalb dieser Bankenkategorien stehen noch die Bank der Templergesellschaft, die allgemeines Bankgeschäft betreibt und als Korrespondent der Reichsbank die Gelder aus Deutschland transferiert, und das ganze arabische Banksystem, das sich aus einigen kleineren TEL-AVIV, 23. April 1936. Am heutigen Vormittag begann, um mehrere Tage verspätet, der Kongress im grossen, etwa 1200 Teilnehmer fassenden Ohel-Schem-Saale. Die äusseren Umstände waren der Veranstaltung nicht günstig. Die traurigen Ereignisse vom Beginn der Woche drückten auf die Stimmung der einheimischen und ausländischen Ärzte wie der ganzen Bevölkerung. Ein seit zwei Tagen aufgekommener Chams in mit Schattentemperatur von 36 Grad machte dem Ungeübten das mehrstündige Verweilen in der überfüllten Sitzung nicht gerade leicht. Der Belagerungszustand zwingt seit fünf Tagen alle Einwohner, ab 7 Uhr abends in ihren Wohnungen zu sein. So musste die Kongressleitung fast alle besonderen Veranstaltungen, Bankett, Besichtigungen, Ausflüge, Hablma-Vorstellung absagen und die Verhandlungen auf die wichtigstem- Gegenstände beschränken. Trotz allem war das Interesse gross, die allgemeine Spannung auf allen Gesichtern erkennbar. Um 10 Uhr 15 Min. begrüsste der Vorsitzende Dr. D. A. Friedmann, Tel-Aviv, die Kongressbesucher in hebräischer Sprache. Das Sprachenproblem hatte man in der Weise zu lösen versucht, dass als Kongresssprachen Hebräisch und Jiddisch bestimmt, dass aber für die Teilnehmer und offiziellen Mitteilungen Deutsch, Englisch und Französisch zugelassen wurden. So war es fast allen Besuchern möglich, den Reden zu folgen. Friedmann feierte den anwesenden Tschernichowski als Arzt und Dichter und sandte dem 80jährigen Freud einen Glückwunsch. Unter tiefer Bewegung der sich erhebenden Versammlung gedachte er der jüngsten Opfer im Lande. Nach ihm sprach der Vorsitzende der Palästinensischen Aerztegesellschaft, Dr. Hirschowitz, über den Sinn der Veranstaltung, die der Erhaltung des jüdischen Ärztetums in der ganzen Welt und der Gesundheit des jüdischen Volkes gelte. Bürgermeister Dizengoff, stürmisch begriisst, sagte dem Kongress im Namen der Stadt Tel-Aviv Worte der Wertschätzung. Als darauf Professor Weizmann das Wort nahm, erhob sich die Versammlung. Weizmann war tiefbewegt. „Dieser Kongress dient keiner Politik, er dient der Wissenschaft; unter Tränen hat er begonnen, möge er mit Gesang enden.“ Professor Bergmann überbrachte die Griisse der Universität Jerusalem und ihrer medizinischen Institute. Zahlreiche telegraphische Grüsse aus vielen Ländern der Alten und Neuen Welt sowie der palästinensischen Organisationen wurden verlesen. Sodann beginnt die eigentliche Tagung. Professor Max Neuburger untersucht d i.e S t e 1 - lung der jüdischen Aerzte in der Geschichte der medizinischen Wissenschaft, „Eine fast angestammte Vorliebe, eine oft erbliche Befähigung lür die Medizin hat kein Geringerer als Virctiow den Abkömmlingen des jüdischen Volkes zugesprochen.“ Kein Wunder, wenn vom Altertum an bis in die jüngste Zeit der jüdische Forscher und Arzt in Theorie, Experiment und Therapie Hervorragendes zustande gebracht hat. Neuburger vertieft sich mit Liebe und in sehr grosser Ausführlichkeit in das anziehende Kapitel und verfolgt die Materie von der Zeit der mosaischen Gesetzgebung an über Altertum, Mittelalter und Neuzeit bis in die jüngste Gegenwart hinein. Maimonides, Amatus Lusitanus, Elias Henschel, von neuen Gelehrten J. Heule, A. F. Marcus, Romberg, Remak, Traube, die Nobel-Preisträger Ehrlich, Baräny, Meyerhof, .Landsteiner, Warburg und viele andere wurden mit Ihrem Lebenswerk gewürdigt, als letzter Freud. Professor Fischt Schneurson (Warschau) spricht nach hebräischer Einleitung in jiddischer Sprache über Aufgabe und Tradition des Judentums in Kulturgeschichte und Medizin. Rabbi Juda Haievi, so führt er aus, ist Dichter und Doktor gleichzeitig. Bei Rambam war Medizin und Religion verbunden. Im Mittelalter hatte die jüdische Medizin Zugang zu den Fürstenhöfen. Von der alten jüdischen Medizin ist freilich weniger übriggeblieben als von der alten Poesie. Es fehlte das Konkrete, das nationale Substrat. Der Vortragende gibt zahlreiche Einzelheiten als Begründung zu seinem weitumfassenden Vortragsgebiet.' Aus der besonderen Wertschätzung des „Lehens“ im ganzen jüdischen Denken leitet er eine besondere Vorlieb e d e r J u d e n f ü r d i e M e d i z i n. als Erhalterin des Lebens ab. So ist die Sterblichkeit der Juden auch im grössten Ghetto-Elend ohne soziale Hygiene geringer als die der nichtjüdischen Umgebung. Er nimmt eine besondere jüdische Resistenz an. Am Nachmittag beschäftigte man sieh in ausgedehnter Sitzung mit der Lage der jüdischen Aerzte in den verschiedenen Ländern Europas. Man hörte genaue Statistiken, etwa über abnorm grosse Zahl jüdischer Aerzte in Oesterreich und Polen, aber auch über ihre ständige Zuriickdrängung aus beamteter Arzttätigkeit, aus den Diensten der Krankenkassen üsw. Aus Briefen jüdischer Aerzte entnahm man erschütternde Einzelheiten über ihre zunehmende Verelendung. In der Sitzung vom 24, April referiert Professor Julius Citron (früher Charite Berlin) über einen Antrag zur Schaffung einer Medi- Xktienfirmen und vielen Geldwechslern zusammensetzt. So ist an sich ein sehr grosser Apparat vorhanden, der im allgemeinen auch gut beschäftigt ist. Die Wirksamkeit ist jedoch zumeist nicht entsprechend, denn die Kreditverhältnisse sind unsicher und die Anlagemöglichkeiten trotz allem beschränkt. Die Verbindung zu den grossen Plätzen der Weltfinanz ist schwierig und infolge* dessen ist auch das internationale Geschäft, ab* gesehen vom Dokumentengeschäft, erschwert. Dazu wird viel über den mangelnden Service mancher Banken geklagt von Leuten, die europäische Voraussetzungen an das Bankwesen stellen. Das bunte Bild der Verschiedenheiten im Lande zeigt sich so auch in dem kleinen Ausschnitt des Kreditwesens. zwischen Fakultät an der Hebräischen Universität und über eine Resolution zur Aufstellung einer Statistik -über die Zahl der jüdischen Medizinstudenten an den verschiedenen Universitäten, ihren Prozentsatz zu den Nichtjuden, ihre Rechte bezüglich der Examina, ihren Möglichkeiten wissenschaftlicher Weiterbildung, ihrer Anstellung an Forschungsinstituten und Kliniken, die Zahl jüdischer. Dozenten usw. Die medizinische -Fakultät in Jerusalem soll eip Zentrum für den .gesamten Nachwuchs sein, der, wie pian ja eben gehört hat, in vielen wichtigen Ländern keine genügende Ausbildungsmöglichkeiten mehr hat. „Wir haben einen Ruhmestitel zu verteidigen.“ Eine Schwierigkeit muss freilich beseitigt werden, das palästinensische Rabbinat muss die Sektionen erlauben, da sonst erfolgreiche klinische oder gar Forschertätigkeit unmöglich ist. lieber die Lage der jüdischen Aerzte in Palästina berichtet Doktor Scheermänn, ein alteingesessener palästinensischer Arzt. Zurzeit ist die Lage ungünstig, im Laufe der Jahre -wird sie sich wesentlich günstiger gestalten. An der lebhaften Diskussion beteiligte sich auch Tschernichowski mit grossem Temparement. Er tritt für ein Fortbiidungsinstitut, das in Form einer postgraduated school bereits besteht, ein: „Sonst werden die Kinder der Landarbeiter Medizin studieren und die Aerzte umsatteln müssen.“ Am Nachmittag des 24. beschäftigt sich der Kongress mit gesundheitlichen Fragen. So wurde die Frage, welche Lungenkranken man in das Land hineinlassen solle und welche abzuweisen seien, erörtert. Man hörte verschiedene Ansichten. Tuberkuloseheime fehlen noch, daher kommen minderresistente Kranke in ungünstige soziale Bedingungen; Asthmakranke eignen sich nicht für Palästina, dagegen geht es hier Heufieberkranken meist ausgezeichnet. Leber die klimatischen Bedingungen wurde von Dr. Keller (New-York und Palästina) referiert. Palästina hat sehr unterschiedliches Klima. Man denke an die grossen Höhenunterschiede etwa zwischen dem Meer bei Tel-Aviv, Jerusalem und dem Toten Meer, die über 1000 Meter betragen. Dies ist wichtig für Herzkranke (wie der tragische Fall des Chasan Rosenblatt beweist). Auch Blutdruckkranke sind entsprechend zu beraten. Zum Schluss dieses Tages wurde die Gründung eines Allgemeinen jüdischen Aerzteverbandes beschlossen. Am 25. fanden keine Kongresssitzungen statt' Dagegen tagten die Ausschüsse. Am Vormittag hörte man in Tel-Aviv einen Vortrag von Dozent Dr. Borak (Wien) über* „Die rassische Zusammensetzung der Juden in der Welt“. Am Nachmittag vereinigte ein Tee Delegierte und Kongressleitung mit ihren Damen im Yarkon-Hotel. Unter den Rednern wurde 8. Schallt, der alte . Mitkämpfer Herzls, besonders gefeiert. Am 26. wurden im Ohel-Schem-Saal die Kongressverhandlungen fortgesetzt. Die polnischen Aerzte 01 s c h w a n g e r und Wulmahn referierten über den Gesundheitsschutz der jüdischen Massen in Polen durch die Gesellschaft TOZ, deren grosse Leistungen auf den Gebieten der Vorbeugung und Fürsorge für körperlich und psychisch gefährdete oder erkrankte Kinder (vom Säugling bis zum Schulkind) hohe Anerkennung fanden. Professor B. C h a j e s sprach über den höchst bedauerlichen Räubbaü, der durch das Fehlen einer Sozialgesetzgebung mit der Gesundheit und Kraft der Arbeiterschaft getrieben werde. Er forderte 1. gesetzlichen Arbeiterschutz, 2. obligatorische Kranken-, Unfall- und Invalidenversicherung. Der Kongress klang mit einem Appell an die jüdischen Aerzte der Welt aus, sich auch weiterhin als die selbstlosen Helfer der Kranken und die Vertreter bester jüdischer Tradition zu bewähren. Am Morgen des 27. April fuhren etwa 350 Herren und Damen von Tel-Äviv in acht Autobussen (begleitet von einigen englischen Polizisten) nach Jerusalem. Die interessante Fahrt wurde in.Moza unterbrochen, wo das Erholungsheim der Kupat cholim besichtigt wurde. Um 3 Uhr versammelten sich viele hundert Menschen auf dem Skopusberg hinter dem Gebäude der hebräischen Universität. Dort, am steilen Abhang gegen Osten, von dessen amphitheatralischen Stufen aus der Blick nach Osten schweift zu den fernen, sonnenbeschienenen Bergen Transjordaniens und zum' Toten Meer in der Tiefe, fand der Schlussakt statt Es sprachen Dr. M a g n e s, der die Beschlüsse des Kongresses, insbesondere über die Gründung einer medizinischen Fakultät, verlas, Ussischkin und andere führende Männer des palästinensischen Landes. Ergriffen von der Feier, vom gen ins loci und den ernsten Ereignissen, die die Tagung überschatteten, besuchten die Teilnehmer das Grab Piriskers und die Lehrställen der neuen Hochschule. Abends waren mehrere hundert, Aerzte und Damen Gäste des Menora-Club. TSCliertok, Jaffe, Ben Zvi, Kurt Blumenfeld u. a. hieben Ansprachen. Von den vielen ehemals in Deutschland tätigen Aerzten sali man u. a. Professor Z ondek, Professor Z it r on und Dr.' Hi lde sh ei m e r. Der Aerzte-Kongress Von unserem ärztlichen Sonderberichterstatter