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Central-Verein-Zeitung · 1936-04-30 · 18 (30.4.1936) · p. [Seite]

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
15 (1936) - farbig
Issue
18 (30.4.1936)
Date
1936-04-30
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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A uslandsnach richten England Im englischen Unterhaus ist von dem konservativen Abgeordneten L o s t u s eine Bill eingebracht worden, die den Geschäftsschluß am Sonntag regeln soll. Bei der Lesung des Gesetzes rief eine Bestimmung, die vvrsieht, daß Juden, die ihre Geschäfte am Sonnabend geschlossen haben, sic bis Sonntag mittag 2 Uhr offnen können, eine lebhafte Debatte hervor. Diese Bestimmung wurde schließlich mit einer Mehrheit von 122 gegen 75 Stimmen angenommen. Litauen Der litauische Unterrichtsminister hat die Schließung aller jüdischen Lehrerausbildungsinstitute verfügt und angeordnet, daß in Zukunft nur litauische Lehrerseminare bestehen dürfen. Auf eine Anfrage jüdischerseits erteilte Vizeunterrichtsminister Mosiliunas die Antwort, daß jüdische Gegenstände in den litauischen Lehrerseminaren nicht gelehrt werden würden. Eine neue Handwerkerordnung wurde erlassen, nach der alle Handwerker ein Zeugnis über ihr Allgemeinwissen und über ihre Berufsausbildung erwerben müssen. Sie müssen im übrigen gute Kenntnisse in der litauischen Sprache haben. Ausgenommen von diesen Bestimmungen sind nur Geschäftsleute und Handwerker, die bereits achtzehn Jahre ihren Beruf ausüben. Unter der jüdischen Bevölkerung hat die neue Handwerkerordnung große Beunruhigung hervorgerufen. Man befürchtet, daß durch sie die Existenz von Zehntäusenden von jüdischen Familien gefährdet werden wird. Polen Im Gesetzblatt der polnischen Republik ist das Gesetz über die Beschränkung der Schechita, das am 1. Januar 1937 in Kraft tritt, veröffentlicht worden. Die Durchführungsbestimmungen zu diesem Gesetz sollen, wie bereits gemeldet worden ist, im August herauskommen. Nach Meldungen der Tagespresse ist die Anklageschrift gegen die Beschuldigten der Vorfälle von Przytik den Angeklagten bereits zugestellt worden. Angeklagt worden sind vierzehn Juden und dreiundvierzig Nichtjuden, von denen drei Juden und vierunddreißig Nichtjuden sich in Untersuchungshaft befinden. Der Prozeß wird wahrscheinlich erst im Herbst stattfinden. Die nichtjüdischen Angeklagten werden von dreißig Rechtsanwälten verteidigt werden, die jüdischen von zwanzig Anwälten. Fast 400 Zeugen sollen geladen werden. Der Prozeß wird vor dem Kreisgericht in Radom anhängig gemacht werden. Die vor zwei Monaten infolge der antijüdischen Ausschreitungen eingestellten Vorlesungen an der Warschauer Universität wurden wieder ausgenom- men. Zwischenfälle haben sich dabei nicht ereignet. Rumänien Ein Sonderberichterstatter der Jlidischen TelegraPhen-Agentur hat Rumänien besucht und die Verhältnisse im Lande und die Lage der jüdischen Bevölkerung eingehend studiert. In einem umfassenden Bericht, den er von der Situation der rumänischen Judenheit gibt, kommt zum Ausdruck, daß das Schicksal der jüdischen Bevölkerung Rumäniens in stärkstem Maße von dem Ergebnis des Kampfes um die Staatssorm abhängig sein wird. Sowohl von den traditionstreuen Elementen der Liberalen, die unter der Führung des Staatsministers Jamandi stehen, als von den Nationalzaranisten, die auf ihre Erfolge bei den letzten Nachwahlen Hinweisen, wird dem Ministerpräsidenten Tatarescu und dem Innenminister Jncnletz allzu große Duldung, wenn nicht offene Förderung der antisemitischen Gruppen zum Vorwurf gemacht. Obwohl unter dem Druck der öffentlichen Meinung die Grundsätze der, Gleichberechtigung aller Bürger auch seitens der Regierungskreise, die bisher mit den antisemitischen Organisationen stark sympathisierten, betont werden, geht der wirtschaftliche Kampf gegen jüdische Unternehmungen und Angestellte und die Hetze der radikalen Organe gegen alles Jüdische trotz Zensur und Belagerungszustand weiter. In verhüllter Form kommt der Antisemitismus in dem soeben veröffentlichten neuen Programm einer der demokratischen Ordnungsparteien zum Ausdruck, in dem Programm der von Georg Bratianu geführten liberalen Sezession. Hier wird lt. a. gefordert: „Eine Politik ethnischer Verteidigung, Nationalisierung der Grenzstädte und -bezirke durch Kolonisierung mit Numüniern, Revision der Einbürgerungen und der Einwanderungserlaubnisse von der Ratifizierung der Friedensverträge an. Es könnte vielleicht den extremistischen Kreisen gelingen, den König zu bewegen, daß ex gegen den durch die großen Parteien repräsentierten Volkswillen den Totalitütspolitikern der Rechten den Staatsapparat zur Verfügung stelle. Angesichts dieser Momente der Unsicherheit und Unberechenbarkeit ist die in weiten Kreisen der jüdischen Bevölkerung herrschende Besorgnis um ihr künftiges Schicksal nur zu gut zu verstehen. Tschechoslowakei Der Präsident der Tschechoslowakischen Republik, Dr. Eduard B e n e s ch, empfing eine Delegation der Jüdischen Partei in der Tschechoslowakei und des Zionistischen Zentralverbandes. Die Abordnung unterbreitete Präsident Benesch ein Memorandum, in dem sie um Unterstützung der Bemühungen um die Verstaatlichung und den Ausbau des hebräischen Schulwerks in Karpatho- Rnßland, um Ausbau der Sozialfürsorge für die jlidische Jugend, um Demokratisierung der Wahlstatuten der Kultnsgemeinden und ihrer höheren Organisationseinheiten, besonders im Osten der Republik, und um eine wohlwollende Behandlung in der Staatsangehörigkeitsfrage bittet. Der Präsident möge im Nahmen der durch die Verfassung ihm verliehenen Rechte seinen Einfluß dahin ausüben, daß diejenigen Bestimmungen der Wahlordnung zur Nationalversammlung geändert werden, die es der jüdischen Minderheit unmöglich machen, eine selbständige parlamentarische Vertretung zu erreichen. Der Präsident verfolgte mit großem Interesse die Ausführungen der Mitglieder der Abordnung und sagte seine. Hilfe im Nahmen seiner verfassungsrechtlichen Befugnisse zu. Palästina und Uebersee Der Hilssverein der Juden in Deutschland teilt der Jüdischen Telegraphen-Agentur mit: Die vom Euiteck Palestine Appeal angegebenen Zahlen über das Verhältnis der jüdischen Auswanderung aus Deutschland nach Palästina zu der nach anderen überseeischen Ländern bedürfen nach unseren Ermittlungen einer geivissen Klarstellung. Da sich die überseeische Auswanderung der Juden aus Deutschland auf mehr als vierzig Länder verteilt und sich in den mannigfachsten Formen vollzi.cht, ist es unseres Erachtens nicht möglich, schon jetzt genaue Zahlen über ihren Umsang vorzulegen, wodurch auch den Interessen der Allgemeinheit kaum genützt würde; doch hat der Hilfsverein jeden Grund zur Annahme, daß die Auswanderung nach Uebersee bis Ende 1935 höchstens um ein geringes schwächer gewesen sein kann, als die Auswanderung nach Palästina, d. h. daß nicht 30 Prozent der jüdischen Auswanderer aus Deutschland, die überhaupt nach Uebersee gingen, nach anderen Ländern als Palästina gelangten, sondern wahrscheinlich 50 Prozent, aber mindestens etwa 45 Prozent. Daß aber in den letzten 31/2 Monaten eine ganz außerordentlich starke Auswanderung nach dem nichtpalästinensischen überseeischen Ausland stattgefunden hat, dürfte nicht zu bestreiten sein, so daß nach Ansicht des Hilfsvereins insgesamt die Auswanderung nach den übrigen überseeischen Ländern seit 1933 nicht schwächer, sondern eher stärker gewesen sein dürste, als die nach Palästina. Sitzung der Weltvereinigung für religiös-liberales Judentum in London Vom 10. bis 13. Juli wird in London eine Sitzung der Weltvereinigung für religiös-liberales Judentum stattfinden. Das Programm der Tagung, dem führende Persönlichkeiten des liberalen Judentums aus aller Welt beiwohnen werden, sieht u. a. eine Versammlung zur Erörterung praktischer Probleme des religiös-liberalen Judentums in den verschiedenen Ländern, einen Gottesdienst in der West-End-Synagoge, bei dem Rabbiner Dr. Felix L e v y (Chicago) die Predigt halten wird, vor. Außerdem wird unter dem Thema „Freiheit und Bindung im religiös-liberalen Judentum" eine Uounck Nable Conference in der Liberalen Synagoge abgehalten. Sie steht unter Leitung von Rabbiner Dr. M a t t u ck (London), das. Referat der Konferenz hat ■ Rabbiner Dr. Dienemann (Offenbach) übernommen. Die Tagung wird mit einer Sitzung des Vorstandes der Weltunion geschlossen werden. HOTELS VXD SANATORIEN Pension Jlse . Kurfursteiidaniin 70, I. u. II. Jedes Zimmer m. fliessend. Wasser. Beste ■Verpflegung, auch Diät, E h e p aarz, auch Leer-Zimmer. Telef. J 6 Bleibtreu 0992. Pension Steinthal Berl.-Charlottenbg., Bismarckstrasse 102 (U-Bahnhof). Tel.: C 1 Steinpl. 1273. Komfortz., m. Bad 2.50 Mk. Doppelz. 6.- Mk, an. Dauerpens. 125-185.- Mk. Ehepaare 245.- Mk. an. Pension Kantstr.149 Inh. A. Misch x Tel. CI Steinplatz 4440 Zimmer mit fließ. Wasser, Tischte!., mit u. ohneVerpfleg.ln unmittelb.Nähed.Bahnh Zoo, d. Su. U-Bahn. Beste Fahr-Verbindg. 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