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Central-Verein-Zeitung · 1936-04-30 · 18 (30.4.1936) · p. [Seite]

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
15 (1936) - farbig
Issue
18 (30.4.1936)
Date
1936-04-30
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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XV. Jafirg, / Nr. IS Berlin, 30. April 193®» Preis 10 Pfennig* entralerein- ALLGEMEINE ZEITUNG DES JUDENTUMS Geschäftsstelle (Verlag, Schriftleitang, Anzeigenannahme, Vertriebsabteilung): Berlin W 15, Emser Strasse 42. Fernsprecher: J 2 Oliva 8141—45. Telegrammadresse: Centralglauben, Berlin. Postscheckkonto: Berlin 70344. Die „C.-V.-Zeitung“ erscheint wöchentlich am Donnerstag. Redaktionsschluss: Dienstag. Bestellungen nimmt jedes Postamt und die Geschäftsstelle entgegen. Zustellung erfolgt durch die Post, die die Gebühren durch den Postboten erhebt. — Bezugsgebühren: Abonnement vierteljährlich 99 Rpf. (Ausland 2,30 RM, umgerechnet in die Landeswährung) einschliesslich Zustellgebühren. Einzelnummer 10 Rpf. (Ausland 20 Rpf.). Im Falle höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlieferung oder Rückvergütung der gezahlten Beträge. — Anzeigengebühren: Preisliste 5 gültig. Die 12gespaltene Millimeter-Zeile 20 Rpf., für Stellengesuche 10 Rpf., für Familienanzeigen 16 Rpf., weitere ermässigte Grundpreise siehe Preisliste. Einzelauzeigen nur gegen Vorauszahlung. — Anzeigenschluss: Dienstag. Platz- und Datenvorschriften ohne Verbindlichkeit. „Entschlossen, Gesetz und Ordnung aufrecht zu erhalten Erklärung Im englischen Unterhaus Im englischen Unterhaus wurde durch eine Anfrage des Abgeordneten Graham White die gegenwärtige Lage in Palästina zur Sprache gebracht. Der Abgeordnete fragte den Kolonienminister, ob er in der Lage sei, über die Unruhen in Palästina irgendwelche Erklärungen äbzugeben. In seiner Erwiderung verwies Kolonienminister I. H. Thomas darauf, daß dem Hause ein Bericht über die Unruhen, die bisher sechzehn jüdische und fünf andere Tote sowie sünsundsiebzig jüdische und zweiundsiebzig andere Verletzte gefordert hätten, vorgelegt werden würde. Er wolle diese Gelegenheit benutzen, um zum Ausdruck zu bringen, daß die Ausrechterhaltung von Gesetz und Ordnung ausschließlich eine Angelegenheit Seiner Majestät Regierung sei, und daß alle Machtmittel gegen denjenigen eingesetzt werden würden. der das Gesetz verletze. Die Regierung werde sich von dieser Politik nicht durch Aufruhr oder irgendwelche Drohungen ab - brrngen lassen. Auf eine Frage des Abgeordneten Silv e r m a n, ob die kürzlichen Ereignisse in Palästina die Verwaltung nicht davon überzeugen würden, daß die Zeit jetzt für eine Gesetzgebung nicht reis sei, erwiderte Kolonienminister Thomas, er hoffe nicht, daß der Abgeordnete zu sagen beabsichtige, die Entscheidung des Unterhauses oder eine in ihm gefallene Aeußerung sei für die Unruhen verantwortlich. „Ich bin weit mehr daran interessiert, jedermann in Palästina zu sagen", so bemerkte er, „daß S. M. Regierung entschlossen ist, Gesetz und Ordnung ausrechtzu erhalten und daß sie d i e s a u ch t u n wird/" Brei dunkle Tage Von unserem *-Palästinaberichterstatter Die politische Wertung der Vorgänge in Palästina, di$ wir an dieser Stelle unseres Blattes in der letzten Woche gegeben hatten, ist durch die neuerlichen Nachrichten bestätigt worden. Wir bringen heute aus der Feder unseres ständigen *-Palästina-Berichterstatters eine Schilderung der Ereignisse, die aus der unmittelbaren Nähe des Erlebens geschöpft ist. Die aktuellen Nachrichten, die dem gerade in diesen Tagen ausgezeichneten Dienst der JT A entnommen sind, bringen wir in der „Palästina-Umschau'. Tel-Aviv, 22. April 1936. Drei Tage des Schreckens und der Erschütterung sind über das Land dahingegangen. Gegenwärtig hat es den Anschein, als ob das Leben ansinge, in die gewohnten Bahnen zurückzukehren, aber noch weiß niemand, wie sich die Verhetzung, die in der Kette von Morden, Mordversuchen und Brandstiftungen zutage getreten ist, weiter auswirken wird. Roch hat niemand eine Vorstellung davon, welche Folgen die arabische Generalstreik-Parole, die bisher nur tan einzelnen Stellen befolgt wird, haben hirrd. Der äußere Verlauf der Ereignisse wird in den amtlichen Erklärungen annähernd vollständig wiedergegeben. Aber von den Hintergründen und von der Vorgeschichte dieser Ereignisse haben die englischen Stellen, wenigstens in ihren offiziellen Verlautbarungen, noch kaum Kenntnis genommen. Daß sich die politische Erregung unter der Bevölkerung des Landes seit Monaten immer mehr verschärft hatte, war allen Eingeweihten bekannt. Vor einigen Monaten hatte sich die Polizei deshalb auch veranlaßt gesehen, gegen eine arabische Terrorbande, die entgegen dem strengen Wafsenverbot über reichlich Gewehre verfügte, von sich aus vorzugehen und die Bande zu zersprengen. Bald danach schien, im polizeitechnischen Sinne wenigstens, wieder Ruhe zu herrschen. Dann, vor einigen Wochen, erfolgten verschiedene Ueberfälle und Morde, die in der Oesfentlichkeit den Verdacht auskommen ließen, daß neue Terroraktionen im Gange oder doch in Vorbereitung seien. Eine jüdische Frau wurde in der Nähe von Athlit auf einem Spaziergang ermordet, bald danach tötete ein auf einen Autobus abgegebener Flintenschuß den Siedler Galuthmann. Schon diese Ereignisse lösten in jüdischen Kreisen außerordentliche Erregung aus und immer mehr verstärkte sich der Ruf: Was gedenkt die Regierung zu tun? Inzwischen berichteten auch jüdische Reisende, daß sich in verschiedenen rein arabischen Bezirken die Gereiztheit der Einwohner immer mehr steigere. Aus den Landstraßen kam es noch zu verschiedenen Zwischenfällen, so wurden aus der Chaussee nach dem arabischen Nationalistenzentrum Nablus zehn Diese Nummer umfasst 22 Seiten Sie enthält u. a.: Hauptblatt: Wann und ivo sind Juden Minderheit? Von Dr. Kurt Stillschweig. 1. Beiblatt: Reichsausstellung jüdischer Künstler. Von Dr. Ernst Michalski. 2. Beiblatt: Sigmund Freud zum 80. Geburtstag. Von Dr. Walter Schindler. — Die Schrift und ihre Verdeutschung. Von Dr. Ludwig Feuchlwenger. 3. Beiblatt: Palästina-Umschau. 4. Beiblatt: Palästinas „junge41 Industrie. Von L. B. — USA. Von Dr. E. R-z. — Wirtschaft der Woche. 5. Beiblatt: Sportblatt. Kraftwagen ausgeraubt. Diese Tatsache sowie die Ermordung einiger Araber verstärkte den Eindruck, daß es sich nicht nur um politische Bewegungen handle, sondern um eine Verquickung von Raub und Politik, die unter dem Eindruck der Wüsten-Mentalität hier durchaus nicht immer als ungewöhnlich oder gar unehrenhaft gilt. Schließlich kam es zu dem Mord vom 16. April, der in seltsamer Verschlingung der hier bereits geschilderten Ereignisse schließlich die Explosion auslöste. Trotzdem verbreiteten arabische Agitatoren anläßlich der Beisetzung des Opfers und der anschließenden Demonstration systematisch das Gerücht, daß bei dieser Gelegenheit auch Araber von Juden "mngebracht worden seien. In Jaffa empfingen die höchsten englischen und arabischen Beamten der Stadt Abordnungen der erregten Menge und erklärten ihnen seierlich, daß diese Gerüchte unwahr seien. Erklärungen dieses Inhalts wurden auch an die Presse gegeben. Schließlich gestattete man sogar den arabischen Sprechern und Journalisten, in der Polizeistation, im Regierungsspital und auf dem Friedhos, wo sich angeblich die Leichen befinden sollten, selber nachzusehen. Selbstverständlich blieb diese Suche völlig erfolglos. Aber die maßgebende arabische Zeitung von Jaffa weigerte sich, durch Extrablätter diese Tatsache zu verbreiten und dadurch zur Beruhigung der Stimmung beizutragen. Die Erregung und die Ansammlungen wuchsen und schließlich begannen Zwischen neun und zehn Uhr morgens die Ueberfälle aus die vereinzelten jüdischen Passanten, die in den arabischen Vierteln der Stadt zu tun hatten. Man muß berücksichtigen,- daß nicht Nur in Jaffa selber viele Juden wohnen und arbeiten, sondern daß auch die Tel-Aviver oft in Jaffa zu tun haben, sei es im Hasen, sei es bei den großen Export- und Speditionsfirmen, die selbstverständlich in der Nähe des Hafens Büros besitzen, sei es in den vielen Regierungsämtern — Grundbuchamt, Einwanderungsdepartement usw. — die sich ebenfalls großenteils in Jaffa befinden. Stets waren es größere Hausen, die sich auf vereinzelte Juden stürzten und erst später, als die Ueberfälle eine mehr organisierte Form annahmen, ging man dazu über, auch jüdische Fabriken, Geschäfte und Büros zu bestürmen. Diese Ueberfälle konnten aber zumeist rechtzeitig von der Polizei zurückgeschlagen werden. Die ersten arabischen Todesopfer fielen, als ein Polizeiossizier, der soeben einen verwundeten Juden in Sicherheit gebracht hatte, zum Araber niederschoß, die ihm den Verletzten entreißen wollten, um ihn weiter zu mißhandeln. Aber neben diesen vielen Ueberfällen müssen auch Beispiele arabischer Hilfsbereitschaft rühmend hervorgehoben werden. Mancher arabische Kaufmann brachte seinen jüdischen Nachbar, Sozius oder Mieter in Sicherheit, und arabische Hafenarbeiter waren es, die etwa hundert jüdische im Hasen beschäftigte Angestellte und Arbeiter, denen der Rückweg über Land durch das tobende Jaffa abgeschnitten war, auf Booten über das offene Meer an den Strand Tel-Aviv in Sicherheit brachten und dann jede Bezahlung für diese schwere und nicht ungefährliche Arbeit ablehnten. Umgekehrt haben auch manche Juden arabische Mitarbeiter oder Bekannte, die in - eine jüdische Umgebung geraten waren, vor der Erbitterung des jüdischen Publikums geschützt. Im Allgemeinen aber war es eine erschreckende Häufung von Gewalttaten und es dauerte trotz aller Anstrengungen der Polizei, die erst allmählich ausreichend verstärkt wurde, eine ganze Weile, bis sich die Lage auch nur einigermaßen übersehen ließ. Am zweiten Tage dauerten die Ueberfälle auf einzelne Juden im Jasfaer Bezirk fort, und darüber hinaus kam es zu organisierten Angriffen größerer Scharen von Arabern auf die entlegenen jüdischen Siedlungen am Rande von Jaffa. Bei der von den jüdischen Stellen eingeleiteten Räumung entlegener jüdischer Siedlungen und Gehöfte des Distriktes kam es zu neuen Ueberfällen, aus Orangengärten und arabischen Dörfern wurde geschossen und mehrere Opfer fielen. Auf den von Tel-Aviv, oder Jaffa ausgehenden Landstraßen wurden jüdische Autos und Omnibusse mit Steinen beworfen oder in Brand gesteckt, so daß Zeitweilig der gesamte Verkehr auf diesen Strecken eingestellt werden mußte. Am Montag abend erleuchtete riesiger Feuerschein den Horizont; zwei Wohnsiedlungen in der Nähe von Jaffa — teils jüdische, teils arabische Häuser — gingen in Flammen aus. Aus das Gelände der Levantemesse versuchten die Einwohner eines nahegelegenen arabischen Dorfes einen nächtlichen Angriff zu unternehmen, der aber . rechtzeitig verhindert werden konnte. 18 tote, sechzig verwundete Juden, zahlreiche Verletzte und mehrere getötete Araber, 100 verbrannte Häuser sind die traurige Bilanz dieser Tage — von den zerstörten Sachwerten ganz zu schweigen. Einige der Verwundeten befinden sich noch in Lebensgefahr. Obwohl in der rem jüdischen Stadt Tel- Aviv natürlich keine Ueberfälle aus Juden vorkamen, empfand doch die ganze Bevölkerung die Vorgänge in Jaffa als ihre eigenste Sache, und es wären ja auch zu einem guten Teil Einwohner Tel-Avivs oder der nur zufällig zum Gemeindebezirk Jaffa gehörigen jüdischen Stadtteile, die als erste Opfer sielen. Man hatte Unruhen erwartet, denn nach den Zwischenfällen vom Freitag war ja der Sonntag der früheste Termin, an dem wieder vereinzelte Juden zur Arbeit nach Jaffa kommen würden, und die arabische Hetze konnte den Behörden kaum verborgen geblieben sein. Aber man ging zur Arbeit wie gewöhnlich und obwohl in Jaffa die Polizei alarmbereit war, konnte sie doch das Schlimmste nicht verhindern. Einmal reichten wohl die Kräfte nicht aus, um alle Straßen der Altstadt zu schützen, sodann erfordert gerade der Straßendienst in den winkligen und undurchsichtigen Gassen einer orientalischen Stadt besondere -Eignung, Uebung und Erfahrung von den Befehlshabern der Polizei. Man hat durchaus den Eindruck, daß die „Palestine Police" überall dort, wo sie in genügender Stärke und an der richtigen Stelle eingesetzt worden war. Ausgezeichnetes geleistet hat, aber sie war eben nicht immer richtig eingesetzt und es wirkte etwas befremdend, daß auf°der Landstraße Tel-Aviv—Jerusalem zeitweise nur jüdische und nicht arabische Autos nach Waffen durchsucht wurden. Im Laufe der Zeit vermochte der Polizeidienst den Anforderungen der Stunde zu entsprechen. Es war in den frühen Morgenstunden, als die ersten Autos des Magen David Adom (Roter Davidschild — Rotes Kreuz), des englichen Roten Kreuzes sowie einige Privatwagen die ersten Verwundeten aus Jaffa in das im Herzen Tel-Avivs gelegene städtische Krankenhaus „Hadassa" brachten. Die Begleiter der Verletzten gaben auch den ersten Bericht über den Verlaus der Dinge. Im Nu hatte sich die Nachricht in der Stadt verbreitet, gewaltige Ansammlungen bildeten sich und — diskutierten lebhaft und laut über die Frage, welche der jüdischen Parteien nun mit ihrer Araber-Politik Recht behalten habe. Ueberall sah man Gruppen stehen, in denen freilich nicht nur politische Unterhaltungen imiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiNiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimniii 470000 englische Pfund Die. Sammlungen des Council for German Jewry haben bisher einen Betrag von insgesamt 470 000'Pfund in England ergeben. iiimiii n im i mimmminiim innnn i mm in mumm mmmi! i iiiuim um mi im miiiihi: mmuiH geführt wurden, sondern in denen man auch den Ernst der Lage besprach. Nach einigen Minuten aber änderte sich das Bild. Es sickerte durch, daß arabische Hausen an der Grenze zwischen Tel-Aviv und Jaffa ihr Wesen trieben und daß anscheinend keine genügenden Vorkehrungen dagegen getroffen seien. Was nun folgte, mochte dem unkundigen Beobachter wie eine Panik Vorkommen. Die zusammenhanglosen, unorganisierten, unbewaffneten und scheinbar so undisziplinierten Menschenmassen — großenteils jüngere Arbeiter — setzten sich mit einer Geschwindigkeit in Bewegung, daß es wie eine Flucht aussah. Aber man floh nicht vor der Gefahr, sondern eilte zum Orte der Gefahr, um nötigenfalls eine lebendige Mauer zu bilden und zu Helsen, wo es erforderlich sein sollte. In der Tat genügte die Anwesenheit einer so großen und ersichtlich entschlossenen und erbitterten Menge von Menschen, um unerwünschte Eindringlinge vom Weichbild Tel- Avivs sernzuhalten. Nur in vereinzelten Fällen mußte einzelnen Arabern — die mindestens zum Teil wohl wirklich nicht mit den Terroristen von Jaffa in Verbindung standen — ausdrücklich klargemacht werden, daß es in diesem Augenblick ratsamer sei, Tel- Aviv nicht zu betreten bzw. sofort zu verlassen. Endlich erschien ein kleiner Trupp englischer Polizisten in Begleitung eines jüdischen Offiziers, um die Abriegelung zu übernehmen und weitere Ansammlungen an der Grenze zu verhindern. Uebrigens waren die Engländer seltjamr aber zweckmäßig ausge-

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