Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936) - farbig
- Issue
- 17 (23.4.1936)
- Date
- 1936-04-23
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Tagung des Grossen Rates des Preussenverbandes 9tnt 19. April trat der Große Rat des preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden nach etwa einjähriger Panse zusammen. Außer den ordentlichen Mitgliedern des Rates nahmen die Vertreter der dem Landesverband angeschlossenen außerpreußischen Landesverbände an der Tagung teil; ferner waren zum ersten Male die leitenden Persönlichkeiten der Provinzialverbände zur Tagung des Rates hinzugezogen worden. Der Präsident des Rates, Kammergerichtsrat i. R. Wolfs, gab einen Gesamtüberblick über die wesentlichen Ereignisse des vergangenen Jahres und über die zu behandelnde Tagesarbeit: insbesondere wies er auf den Tätigkeitsbericht des Landesverbandes hin, der in einem Umfange von 94 Druckseiten den Natsmitgliedern vor der Tagung zugestellt war. Dieser Bericht lag auch der Tagesordnung der Ratsversammlung zugrunde. Als erster wesentlick)er Punkt wurde der Anschluß der außerpreußischen Landesverbände an den Preußenvcrband behandelt. Nach Thüringen und den Gemeinden des Saargebietes, die schon vor der vorjährigen Ratstagung ihren Beitritt erklärt hatten, hasten sich im Lause des Berichtsjahres Oldenburg, Braunschweig, Lippe, Mecklenburg, Lübeck solvie Oldenburg-Birkenseld dem Preußenverüand angeschlossen. Die mit den einzelnen Verbänden getroffenen Vereinbarungen wurden seitens der Ratsversammlung einmütig gebilligt. — Sodann erstatteten die Dezernenten die Einzelbcrichte über die verschiedenen Arbeiten des Verbandes. Rechtsanwalt Dr. Alfred Klee behandelte das sich immer schwieriger gestaltende Problem des Lastenausgleichs. Durch die Beitragsleistungen der Gemeinden an den Landesverband sei btefc Frage noch nicht gelöst, solange der Zustaitd bestehe, daß von den verschiedenen Gemeinden ein und desselben Bezirkes Steuern in ganz verschiedener Höhe erhosten würden; es gebe Nachbargemeinden, von denen die eine 75 Prozent und die andere nur 25 Prozent erhebe. Wie auf allen Gebieten, so müsse auch auf dem der Steuererhebung eine Planung entsetzen. Ein weiteres zu lösendes Problem sei die gottesdienstliche und kulturelle Betreuung der ganz klein gewordenen Gemeinden, iit denen vielfach kein Minjan mehr bestehe. So sehr die Auswanderung pflichtgemäß von allen gefördert werden muß, so sehr ist es doch sowohl für die Auswandernden als auch für die Verbleibenden notwendig, die Gemeinden mit dem religiösen, ethischen und sozialen Geist des Judentums zu erfüllen. Rabbiner Dr. G a l l i n e r referierte über den außerordentlichen Ausbau, den die Einrichtung der Bezirksrabbinate erfahren hat; ihre Zahl ist in kurzer Zeit von drei auf dreißig (16 hauptamtliche und 14 nebenamtliche) gestiegen; durch sie werden insgesamt 326 Gemeinden Mit zusammen etwa 40 000 Seelen ersaßt. Auch die Zahl der LehrerbeziM wird immer weiter vermehrt; zur Zeit sind bereits 163 Bezirkslehrerstellen geschaffen worden,, durch die, insgesamt 524 Gemens den versorgt werden.' 'Das Bestresten des Verbandes geht'dahin/ nach einem bereits vorliegenden Gesamtplan das ganze Land mit einem Netz von Rabbiner- und Lehrerbezirken zu überziehen, so daß jcbc Gemeinde und jeder einzelne Jude seinen zuständigen Rabbiner erhält und kern Jugendlicher ohne Religionsunterricht bleibt. Ferner berichtete Dr. Galliner über die Lehrerbildung und die Lehrerfvrtbildnng. Er schilderte insbesondere die Wirksamkeit der vom Landesverband in Berlin eingerichteten Lehrerbildungsanstalt, für deren Absolventen gerade jetzt erstmalig vor einer staatlichen Prüfungskommission die Abschlußexamina stattfinden. An die Berichte der Dezernenten schloß sich die Generaldebatte. Rabbiner Dr. Baeck, der in seiner Eigenschaft als Ratsmitglied des preußischen Landesverbandes an der Tagung teilnahm, gab einen Bericht über die Arbeit der Reichsvcrtretung, insbesondere jüdischen Schulwerks und der Berufsumschichtung. Er stellte die bisherigen Lerstungen an Hand des vom Zentralausschuß für Hilfe und Aufbau kürzlich veröffentlichten Zahlenmaterials dar. Er totes auf die Notwendigkeit eines neunten, vielleicht auch zehnten Schuljahres |Lnl\ ber Vorlehre, insbesondere auf dem Gebiete der Technik zu dienen habe. Es sei eine öm' jüdischen Schule mit den jetzt in llalästrna. in Nord- und Südamerika entstehenden Handwerkerschulen nötig; denn während in früheren Jahrzehnten der Horizont der jüdischen Schule ilur __ der der Provinz, bestenfalls des Landes gewesen sei, sei ihr jetziger Horizont der aller fünf Weltteile. Einer der wichtigsten Punkte der Tagesordnung war dre Beratung des Haushaltsplans und die Festsetzung der Umlage für die Zeit vom 1 April bis zum 31 Dezember 1936. Tie Tatsache, daß diesmalige £>un§f)ctlt§jy[au einen tion nur neun Monaten umfaßt, ist auf einen Be- * ^tt^agung zurückzuführcn, demzufolge ntit Wirkung vom 1. Januar 1937 das Geschäftsjahr mit dem Kalenderjahr znsammeufallen soll. Der vorgelegte Haushaltsplan, der nach kurzer Debatte einstimmig bewilligt wurde, weist in Einnahmen und Ausgaben 707 000 RM ans. Davon entfallen auf der Ausgabcnseite: für die Betreuung der Gemeinden und ihrer Beamten einschließlich der Pensionskasse 228 500 RM, für Kulturarbeit (Lehrerbildung, Lehrerfortbildung, Knltursahrtcn. Wanderbücherei, Gesamtarchiv, Verbandsblatt nsw.) 52 250 RM: an die Reichsvertretnng sollen 325 000 RM abgeführt werden. Die Höhe der 11mlage für den Landesverband ist gegenüber dem Vorjahr unverändert geblieben; es werden erhoben 1,25 Prozent vom Reichseinkommensteuersoll bzw. 3 Prozent des Reichsvermögenssteuersolls. Für die Reichsvertretnng wird 1 Prozent des Reichseinkommeusteuersolls, solvie ein Kopfgeld in Höhe von 0,30 RM erhoben. 'Die gesamten sich daraus ergebenden Beträge werden jedoch mit Rücksicht darauf, daß der neue Haushaltsplan nur neun Monate umfaßt, auch nur in Höhe von drei Vierteln erhoben. Das Referat für den Etat erstattete der stellvertretende Schatzmeister R.-9Ü Dr. Sulzberger. Als weitere Punkte der Tagesordnung wurden einige Formalien behandelt: die Verlängerung der Legislaturperioden der Verbandskörperschaften um zwei Jahre und die Ermächtigung der Dezerncnten, darüber zu entscheiden, ob der Verbandstag während der Geschäftsjahre 1936 und 1937 einberufen werden soll. Schließlich beschäftigte sich der Rat mit einem Entwurf über die Regelung der Doppelbesteuerung. Referent zu diesem Punkt war Landgcrichtsrat i. R. Tr. Lilienthal. Es soll durch diese Regelung den Kleingemeinden beim Wegzug stenerzahlender Gemeindemitglieder für eine gewisse Ilebergangszeit Erleichterirng verschafft werden. Beim Fortzug eines Gemeindemitgliedes in eine andere Gemeinde soll der Fortzugsgcmeinde bis zum Ende des laufenden Rechnungsjahres die Steuerleistung des fortgezogenen Gemeindemitgliedes zufallen; der Entwurf sieht im einzelnen eine genaue, auf die verschiedenen Möglichkeiten zugeschnittene Regelung vor. Die Versammlung beschloß die Annahme des vvrgelcgten Entwurfes. Als der Präsident des Rates, Kammergerichtsrat i. R. Wolfs, die Sitzung am Nachmittag schloß, konnte er mit Befriedigung darauf Hinweisen, daß alle Beschlüsse einstimmig gefaßt worden seien. Geheimer Medizinalrat Professor Dr. Falken heim, Königsberg i. Pr., sprach als Alterspräsident der Versammlung in herzlichen Worten den Dank an den Präsidenten, die Dezernenten und die Beamtenschaft des Landesverbandes aus. Anläßlich der Tagung des Großen Rates veröffentlicht der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden einen 94 Seiten starken Bericht über seine Tätigkeit feit 1935. Einleitend wird die durch den Umschwung entstandene neue Situation, die durch die Steigerung der Aniorderungen einerseits, den Wegfall der staatlichen Subventionen andererseits, sowie durch die Schrumpfung der Kleingemeinden entstanden ist, gekennzeichnet. Für die K l e i n g e m e i n d e n wird durch Beihilfen, Schaffung von Lchrerbezirken und Bezirksrabbinatcn Sorge getragen. Besondere Kapitel sind der Versorgung der Beamten, der Rcchtsberatung und der Lehrerbildung gewidmet. Ein weiterer Abschnitt enthält Darstellungen der Kulturarbeit, vor allem der Külturfahrten und Wanderbüchereien. Ter — in Anbetracht der eindringlich dargestellten Sparnotwendigkeiten fast zu gepflegt aufgemachte — Bericht wird abgeschlossen durch eine Schilderung der für die nächste Zeit geplanten Arbeitsgebiete. Aus den Gemeinden Aus der pfälzischen Mittelgemeinde Landau liegen neue statistische Zahlen vor. Demnach umfaßte die Gemeinde Landau 1925: 638, 1933: 544 und heute: 460 Mitglieder. Von den am 16. Juni 1933 festgestellten 544 Mitgliedern waren 207 männliche über 20 Jahre und nur 45 männliche unter 20 Jahre und 241 weibliche über 20 Jahre und nur 51 weibliche unter 20 Jahre. In den letzten drei Jahren 1933, 1934 und 1935 erfolgten in der Israelitischen Kultusgemeinde Landau 5 Geburten, im gleichen Zeitrannt 29 Sterbesälle. Die Jüdische Winterhilfe 1935/36 betreute 86 Mitglieder, was annähernd 18 bis 20 Prozent der Gemeindebevölkerung entspricht. Die Israelitische Kultusgemeinde in Lud» w i g s h a f e n a m R Hein zählte. int Jahre 1925 noch rund 1400 Mitglieder. Bei der Volkszählung am 16. Juni 1933 wies sie nur noch 1120 Mitglieder auf. Der stetige Rückgang der Gemeinde als einer jüdischen Großgemeinde in der Pfalz kommt weiterhin darin zum Ausdruck, daß die Gemeinde -am 31. März 1936 nur noch 839 Mitglieder zählte. Die Jüdische Winterhilfe betreute 233 Gcmeindemitglieder, oder 27 Prozent der gesamten in Ludwigshafen wohnenden Inden. In diesem Jahre blickt die Synagoge Oranienburg auf ihr lOOjähriges Bestehen zurück. Im Juni 1930 erfolgte auf Antrag die Eingemeindung der Shnagogengemeinde Oranienburg mit sämtlichen zugehörigen Ortschaften in die jüdische Gemeinde Berlin. Dieser Schritt zur Eingemeindung hat sich zum Segen aller Beteiligten ausgewirkt. Znm Nachfolger des nach Leipzig berufenen Königs b e r g e r Gemeinderabbincrs Dr. Ochs wurde Rabbiner Josef D ü n n e r ans Köln gewählt. Der neue Rabbiner hat 1932 an der Jawne die Reifeprüfung bestanden und zuletzt am Berliner Rabbinerseminar studiert, wo er das Rabbiner-Diplom erhalten hat. Er zählt erst 23 Jahre und dürfte somit der jüngste Rabbiner aller Gemeinden im Reiche sein. 9lus der Kölner Familie Dünner sind verschiedene Rabbiner hervorgegangen, von denen der -Amsterdamer Obcrrabbiner der bekannteste gewesen ist. Von der Selbsthilfegruppe jüdischer Körperbehinderter Der Bunte Abend, den die Selbsthilfegruppe jüdischer Körperbehinderter anläßlich ihres zweijährigen Bestehens am vergangenen Sonntag in Berlin veranstaltete, diente einer doppelten Aufgabe: den Mitgliedern der Gruppe einige ungetrübte Stunden der Freude zu bereiten und durch zahlreichen Kartenverkauf und Beteiligung an einer großen Tombola neue Mittel für den Ilnterstützungsfonds aufzubringen. Beide "Aufgaben wurden erfüllt. Vor einem zahlreichen Publikum produzierten sich bewährte jüdische Künstler, die sich in uneigennützigster Weise — die meisten von ihnen hatten auch im Winter bei den Veranstaltungen der „Seelischen Winterhilfe" mitgeivirkt — für den guten Zweck ziir Verfügung gestellt hatten: Hedi Haase, Hanni Rvsent h a l, Henny L o e w e n st e i n, Hanny G r ü n, Heddi Siednor, N e u m ann und Sohn, Gerhard G o t t s ch a l k, der unermüdliche Conferencier. Ein besonderes Lob verdient Jonny Schwersenz, selbst Mitglied der Selbsthilfegruppe, der die künstlerische Leitung des Abends in Händen hatte und in seinen beiden Szenen als Musikclown iind als Zauberkünstler zeigte, daß er selber ein Vortragskünstler von Format ist. Am Klavier assistierte abwechselnd Siegbert Lew i n - C o h n, Rudi Lehmann und Werner Fabian. B—n. HOTELS und SANATORIEN üJimiiiii Sanatorium Grunewald ft: IIIIIIIIILÜ Vorm. Frau Helene Meyer Hagenstrasse 3B-47 | Tel,: H 9 Schrtiärgendorf 7751 Streng klinisch ärztliche Versorgung der Kranken. Modernisierung der Elektro-Hydrotherapie. — Röntgen- Untersuchungen mit modernster Apparatur durch anerkannte Fachärzte.. CJrundumsatzbestimniungen, Elektrocardlograinm, Kurzwellen usw. - Errichtung eines Fenslonshauses für besonders Erholungsbedürftige zu vereinbarten billigen Sätzen — Möglichste Keduzierung der Preise. Unverändert bleibt der Grundsatz, da'ss jeder Kränke sich v. d. 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