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Central-Verein-Zeitung · 1936-04-23 · 17 (23.4.1936) · p. [Seite]

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
15 (1936) - farbig
Issue
17 (23.4.1936)
Date
1936-04-23
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Gtgen Rheuma Rat Pension, Arzt, Bäder, Kurtaxe - In Wochenpauschale für RM SS,-, Reisescheck durch sofortige Anmeldung beim Pistyan-BQro, tBarlln W 15, Fasanenstraße Bi. j 2 — 49OB Und zwei Araber getötet. Ueber vierzig Juden sind verwundet worden. Die Polizei verbot jeglichen Verkehr zwischen Tel Aviv und Jaffa. Selbst Fußgänger erhielten nicht die Erlaubnis, die Straße zu passieren: In Jaffa wurden die jüdischen Geschäfte geschlossen. Die Omnibusverbindungen zwischen Jerusalem und Tel Aviv wurden ebenfalls eingestellt. Polizei sperrte in Tel Aviv die Balsour-Straße, in der das Hadassakrankenhaus gelegen ist.' Nur die Mitglieder des Roten Magen David, des jüdischen Roten Kreuzes, konnten Verwundete ins Krankenhaus bringen. Das offizielle Communique Das offizielle Kommunique, das die Palästina-Regrerung über diese Unruhen herausgab, enthält folgendes: „Der High Commissioner muß zu seinem Bedauern mitteilen, daß heute vormittag in Jaffa U n r u h e n vorkamen, die eine Reihe von Todesfällen zur Folge hatten. Infolge falscher, sofort offiziell dementierter Gerüchte, wonach Araber getötet worden seien, versammelten sich etwa um J1 Uhr vormittags im Stadtteil Manschie in Jaffa Menschenmassen, und es entstanden Unruhen, in deren Verlauf mehrere U e b e r f ä l l e auf Juden gemacht wurden. Die Polizei griff sofort ein und vermochte am frühen Nachmittag die Ordnung wiederherzustellen. Die Behörden sind völlig Herren der Situation. Soweit bekannt, sind folgende Todesfälle zu verzeichnen: Sieben Juden getötet (inzwischen hat sich die Ziffer erhöht), 11 schwer und 28 leicht verletzt. Zwei Araber getötet, einer schwer und 14 leicht verletzt. Es wurden drei Salven unter direkter Ver-? antwortung des obersten Polizeiofsiziers abgefeuert, nachdem zuvor die entsprechende Warnung gegeben worden war, und zwar die eine Salve, als die Menge sich weigerte, sich zu zerstreuen, und zwei Salven zu dem Zwecke, um einen bereits vor sich gehenden Mordüberfall zu verhindern. Der Tod der zwei Araber ist aus diese Schüsse zurückzusührcn. Als Vorbeugungsmaßnahme wurde der A u s n a h m e z u st a n d proklamiert, der den High Commissioner ermächtigt, Notstandsverordnungen in Kraft zu setzen. Für Jaffa und Tel Aviv wurde angeordnet, daß die Einwohner zwischen 7 Uhr abends und 5 Uhr früh in den Häusern sein müssen. In anderen Teilen des Landes sind keine Zivischensälle vorgekommen." Pause 9lad) den beiden Schreckenstagen in Tel Aviv und Jaffa trat in beiden Orten wieder Ruhe ein. Eine Meldgng vom 19. April, dem Tag der Straßenkämpse in Jaffa, aus Tel Aviv besagt, daß dieser Tag, der Schabbat, dort im allgemeinen ruhig verlausen sei. Die Polizei hatte einen umfangreichen Streifendienst eingerichtet und an den wichtigsten Zentren der Stadt größere Polizeikräfte eingesetzt. Drei bei den Zusammenstößen in Tel Aviv verwundete Juden werden im Hadassakrankenhaus von Polizei bewacht. Der eine von ihnen hat ein Strafverfahren wegen Aufruhrs zu gewärtigen. Verschiedene britische Polizisten werden im Hadassakrankenhaus behandelt. Sie haben bei den Zusammenstößen leichtere Verletzungen erlitten. Auch in Jaffa wie auch im übrigen Palästina verlies die erste Nacht nach den Unruhen ruhig. In einer Meldung aus Jerusalem vom 20. April heißt es, daß man allgemein der Auffassung sei, die Regierung sei vollkommen Herr der Lage. Schwerbewaffnete Patrouillen halten in Tel Aviv, Jaffa und Umgebung die Ordnung aufrecht. Die Polizei hat die Omnibusse der arabischen und jüdischen Autobusgesellschasten requiriert. Die Autobus-Linie in Tulkarem hat ihren Betrieb angesichts der Unsicherheit ihrer Fahrtroute eingestellt. Die Polizeikräste im Bezirk von Tulkarem sind bedeutend verstärkt worden. Es wurden dorthin 250 Mann gesandt, die die 150 britischen Polizisten verstärken sollen. Bei den Unruhen ist ein weiteres jüdisches Opfer zu beklagen. Ein Jude starb in der vergangenen Nacht an den Wunden, die er bei den Zwischenfällen in Jaffa erhalten hatte. Die meisten der Verwundeten haben Messerstiche erhalten. Neue Zusumwnenstösse — neue Opfer Leider erwies sich die Ruhe in den beiden Städten noch nicht als dauerhaft. Am Montag, dem 20., kam es auf der Straße zwischen Tel Aviv und Jaffa wiederum zu Zusammenstößen zwischen Juden und Arabern. Die Araber versuchten, nach Tel Aviv einzudringen, wurden aber daran von Inden gehindert. Bei den Zusammenstößen wurden fünf Juden und ein Araber getötet. Einunddreißig Juden sind verwundet . worden. Etwa 100 Häuser sind niedergebrannt. Inzwischen hat sich die Zahl der Toten, die bei den Unruhen ums Leben gekommen find, auf 15 Juden erhöht. Ueber 80 jüdische Verwundete konnten bis jetzt festgestellt werden. Am gleichen Tage griffen die Unruhen auch auf I e r u s a l e m über. Araber versuchten in das jüdische Viertel von Jerusalem einzudringen.. Sie wurden an ihrem Vorhaben jedoch durch Polizei gehindert. Die Nacht zum Dienstag verlies in Jerusalem vollkommen ruhig. Auch am Dienstag vormittag wird aus Jerusalem Ruhe gemeldet. Die Kolonien sind von den Unruhen überhaupt nicht betroffen worden. An Namen der Getöteten wurden bisher mitgeteilt: Przigoda, EliezerBischitzky, Fabrikbesitzer Chidkowitz, Pflasterer Chaim Kornfeld aus Jaffa, der Student Mordechai Friedmann aus Mikweh Israel, der Elektrizitätsarbeiter David Shamcadal, Selig Lewinsohn aus Scheschuyatikwa, Jetruda Simantvw, Chajim Hischler, Ehajim Scegoda, Schlomo Kremer, Schlomo Earbi und Schlomo Marson. Am Dienstag, dem 21., fand in Tel-Aviv die Bestattung der Opfer der Unruhen vom Montag statt. Sie gestaltete sich zu einer eindrucksvollen Kundgebung für die jüdischen Lebensrechte in Palästina. Am Grabe der Getöteten sprachen der Vizebürgermeister von Tel Aviv, Israel R o k e a ch, und das Mitglied der Exekutive der Jewish Agency, Jizchak Grünba u m. Der Oberrabbiner von Tel-Aviv, Rabbi Usiel, sprach die vorgeschriebenen Gebete. Auf dem Gebäude der Jewish Agency in Jerusalem wehte zu gleicher Zeit eine trauerumflorte Fahne aus Halbmast. Aus Jaffa wird vom 21. April gemeldet, daß die jüdischen Kausleute in Jaffa ihre Läden geschlossen halten, nachdem sie von Arabern ausgeplündert worden sind. Auch zahlreiche arabische Läden sind nicht geöffnet. Viele jüdische Einwohner Jaffas verließen die Stadt. Das jüdische Stadtviertel Hagiro soll nach einer Meldung von „Europapreß" eingeäschert sein. Polizei-Kraftwagen, die mit Lautsprechern ausgerüstet sind, durchfahren die Straßen und die Umgebung der Stadt, um die Araber aufzufordern, sich . zu. zerstreuen, und die jüdische Bevölkerung vor den ihr drohenden Gefahren zu warnen. Hunderte von Juden kamen nach Tel Aviv, wo sie in den Straßen und' aus dem Rothschild-Boule-' vard biwakieren. Die Wizo und amerikanisch-jüdische Wohlsahrtsorganisationen nahmen sich ihrer an. Hundertfünfzig jüdische Negierungsbeamte wurden aus Veranlassung der Regierung unter polizeilicher Bedeckung von Jaffa nach Tel Aviv gebracht. Auch das Personal der Apac wurde nach Tel Aviv geschickt. Hundert jüdische Aerzte, die zum jüdischen Aerztekongreß nach Tel Aviv kommen wollen und gegenwärtig das Land bereisen, sind von den Unruhen nicht betroffen worden. In H a i s a herrscht zur gleichen Zeit Ruhe. Zu Zusammenstößen ist es nicht gekommen. Schwerbewaffnete Patrouillen durchziehen die Straßen. Selbstverständlich herrscht auch im arabischen Lager größte Erregung. In Jerusalem veranstalteten die Araber eine offene Demonstration gegen die Regierung und gegen die Juden. Die Polizei griff nicht ein. In Nablus und Tulkarem hielt der Führer des arabischen Nationalen Blocks, Akram-el- Zueiter, Ansprachen an Araber, in denen er sagte, daß Bandenbildung der einzige erfolgreiche Weg zur Abwehr der jüdischen Einwanderung sei. In Tulkarem fand ein ernster Zusammenstoß zwischen Arabern und Polizei statt. Dabei wurden sieben Araber und zwei Polizisten verwundet. In Nablus fand eine Zusammenkunft arabischer Führer statt» Nach der Beendigung der Besprechungen veranstalteten die Araber eine große Demonstration. Im Zuge wurden Schilder mitgeführt, aus denen die Sperrung der jüdischen Einwanderung gefordert wurde. Arabischer Generalstreih Nach einer weiteren Meldung aus Jerusalem haben die Araber einen Generalstreik für ganz Palästina proklamiert, der in Jaffa und Nablus allgemein durch geführt wird. In anderen Orten wird nur teilweise gestreikt. Auf der Straße Jerusalem—Jaffa wurde bereits ein Notverkehr eingerichtet. Die Verbindung zwischen Jerusalem und' Haifa ist noch unterbrochen. Der Streik soll dazu dienen, folgende arabische Forderungen durchzusetzen: 1. Verbot des Landerwerbs durch Juden; 2. Einstellung der jüdischen Einwanderung. Regierungsmassnahmen In der „Palestine Gazette“ ist ein Gesetz veröffentlicht' worden, durch das der High Commissioner ermächtigt wird, in Fällen dringender Not alle Maßnahmen zu treffen, die geeignet find, die öffentliche Ruhe und Ordnung wiederherzustellen und insbesondere diesbezügliche Anordnungen zu geben. Der High Commissioner Sir Arthur W a u ch o p e erließ einen Aufruf an die Bevölkerung Palästinas. In ihm betont er, daß er entschlossen sei, aus jeden Fall die Ordnung im Lande ausrecht zu erhalten. Er warnt davor, sich an Zusammenrottungen zu beteiligen. Noch am Sonntag hatte die Regierung für den Distrikt Jaffa—Tel - Aviv den Belagerungszustand erklärt. Zwischen 7 Uhr abends und 5 Uhr morgens ist, wie bereits oben gesagt, das Betreten . der Straßen gänzlich verboten. 'Ansammlungen von Gruppen sind auch während des Tages nicht erlaubt. Es wird streng daraus geachtet, daß diese Anordnungen der Regierung durchgesührt werden. Durch Truppen verstärkte Polizei ist dabei, die Ordnung aufrecht zu erhalten. In Haifa sorgen Polizei und Truppen, die schwer bewaffnet sind, für die Sicherheit der Stadt. Der Eisenbahnverkehr zwischen Jerusalem und Jaffa ist ausrecht erhalten worden. Polizeiwachen begleiten jeden Zug. Arabische und jüdische Fahrgäste werden in besonderen Abteilen befördert. Dagegen waren die Bemühungen, die Verbindung zwischen Jerusalem und Tel Aviv unter polizeilichem Schutz ausrecht zu erhalten, vergeblich. In einem offiziellen Kommunique wird sestgestellt, daß es zum ersten Male am Morgen des Montag in Jaffa zu Unruhen gekommen ist, als Araber aus dem Hauran Juden in den Straßen und in den Geschäften ängriffen, drei jüdische Omnibusse verbrannten, zwei Juden töteten und über vierzig Juden verletzten, von denen vier späterhin gestorben sind. Zwei Araber wur* den durch einen englischen Zivilisten in Not< wehr getötet, im übrigen zwanzig der« wundet. Drei englische Kriegsschiffe liefen in den Hafen von Jaffa ein. Ihr Eintreffen steht aber nicht im Zusammenhang mit den Unruhen. Vielmehr war ihre Ankunft bereits drei Wochen vorher sestgelegt worden. Das Echo Die Unruhen haben nicht nur in der jüdischen Oeffentlichkeit Deutschlands, Polens und Oesterreichs, die wohl die stärksten Bindungen zum Lande haben, außerordentlichen Eindruck gemacht. Auch die allgemeine Presse der Welt schenkt den bedauerlichen Ereignissen die größte Beachtung. Die „New York Times“ ift der Meinung, daß die arabischen Forderungen, eine Herausforderung der Mandatarmacht darstellen. „Le Journal“ in Paris sieht im Abessinischen Krieg den eigentlichen Hintergrund für die Vorkommnisse. „Petit Parisien“ vergleicht die Situation mit der des Jahres 1929. Der Varsitzende des „American Jewish Congress“, Rabbi Stephen S. Wise, hielt in der Nacht vom Montag auf Dienstag eine Rundfunkansprache, in der er der Hoffnung Ausdruck gab, daß Juden und Araber sich verständigen möchten. Er forderte, daß für jeden getöteten Juden, taufend neuen Einwanderern die Möglichkeit zur Niederlasiung geschaffen werden müsfe. Aktionen zu Gunsten . der polnischen Juden In der Shoreditch T o w n Hall in London fand eine Massenversammlung statt, die von der Vereinigung p o l n i s ch e r I u d e n in Großbritannien -einberufen worden war, und auf der eine Hilfsaktion zugunsten der polnischen Juden eröffnet wurde. Der Ehrenpräsident der Zionistischen Weltorganisation, Dr. Nahum Sokolow, der den Vorsitz der Versammlung führte, erörterte die Politische Lage der Juden in Polen. Er ging im weiteren Verlauf feiner Ansprache auf die vielfach geäußerten Befürchtungen ein, daß die Hilfsaktion zugunsten der polnischen Juden die Sammlung zugunsten der Juden aus Deutschland stören könnten. Dr. Sokoloiv erklärte, daß beide Sammlungen vonstatten gehen könnten, ohne ineinanderzugreifen. Ein Pfund in der Woche würde eine ganze jüdische Familie in Polen vor Hunger bewahren. Ich erkläre, so sagte Dr. Sokvlow, daß es keinen Gegensatz 'zwischen dieser und anderen Sammlungen gibt. Die Versammlung nahm drei Entschließungen au. _ Die erste protestiert gegen die fortgesetzten antijüdischen Vorfälle und bringt die Ueberzeuguug zum Ausdruck, daß die polnische Negierung die Macht haben würde, diese Angriffe zu unterdrücken. An die Regierung wird die Aufforderung gerichtet, ihre Alacht in diesem Sinne zu gebrauchen. Die zweite Entschließung fordert, daß die polnische Regierung mit der wirtschaftlichen Diskrinnnation der verarmten Juden aufhören solle, die dritte richtet sich an die Juden des britischen Empire und appelliert an sie, ihre Brüder nicht der Not und dem Elend zu überlassen. M ajor Attlee, der Führer der englischen Arbeiterpartei' im Unterhaus, sowie deren ehemaliger Führer George Lansbury sowie die Abgeordneten Colonel Wegdwood und Lord Strabolgi hatten Begrüßungsschreiben gesandt. Auch in T e l - A tt i v und in mehreren Städten Amerikas fanden Massenversammlungen statt, die sich mit der Not der Juden in Polen beschäftigten und Maßnahmen zu ihrer Behebung beschlossen. Der Joint gab 27 Millionen Dollars für die polnischen Juden aus Der bekannte jüdische Philanthrop und Ehrenpräsident des American Joint Distribution Committee, Felix M: Marburg, hielt eine Radioansprache, in der er einen Ueberblick über das Aufbau- und Hilfswerk des Joint im Verlaufe der 22 Jahre seines Bestehens gab. Er erörterte die Tätigkeit des Joint bei der Hilfe von Juden in fünfzig Ländern und ging auch auf die Sammelaktion zugunsten der Ansiedlung von Juden aus Deutschland ein.' Der Sekretär des Joint Distribution Committee, Joseph E. H y m a n, erklärte in einer Pressebefprechung, daß in den letzten zwölf Jahren 27 Millionen Dollars vom Joint für das AusbaU- und Hilfswerk der Juden in Polen verausgabt worden sind. Er erklärte weiterhin, für den Fall, daß der Joint mit seinem gegenwärtigen Drive Erfolg haben würde, könnten mehr als eine Million Dollars für das kommende Jahr dem Hilfswerke für die Juden in Osteuropa Zugeführt werden. Von diesem Betrag würden etwa 60 Prozent für die polnischen Juden verwendet werden. Um die Durchführungsbestimmungen zum neuen polnischen Schächtgesetz Nach Annahme des Schächtgesetzes im Sejm und Senat macht sich eine Propaganda zur Verschärfung der Ausführungsbestimmungen zu diesem Gesetze geltend. In diesem Sinne wird auch in Aussätzen der polnischen Presse zu den zu erwartenden Durchführungsbestimmungen Stellung genommen. In der wirtschaftlichen Beilage des Organs des Regierungslagers, „Gazetta Polfka" ist ein Artikel eines anonymen Verfassers erschienen, in dem auf die Möglichkeit, in den Aus-- führungsbestimmungen Welteke Begrenzungen der Schechita vorzunehmen, hingewiesen wird. Der Aufsatz ist hauptsächlich der Frage gewidmet, ob man aus die rituelle Schächtung neue Steuern legen könne. Es wird verlangt, daß die rituelle Schächtung streng kontingentiert werde und die wirklichen Berbrauchsbedürfnisfe der jtWischen Bevölkerung nicht übersteigen solle. Es wird ferner gefordert, daß die Fleischsendungen zwischen den einzelnen Städten kontrolliert werden. Den Orten, in denen nach dem Gesetz rituell geschlachtet werden darf, weil sich an ihnen mehr als drei Prozent Juden befinden, soll nicht die Zufuhr von koscherem Fleisch erlaubt werden. Die Kosten einer solchen Kontrolle sollen durch besondere Abgaben auf die jüdische Schechita gedeckt werden. Der natürliche Bevölkerungszuwachs bei den Juden in Polen Die jüdischeBevölkeruug Polens Hat sich im vergangenen Jahre um 33 000 Personen vergrößert, während die katholische Bevölkerung um 265 000 zunahm. Im Gegensatz zu den Jahren 1933 und 1934 ist eine Steigerung des natürlichen Bevölkerungszuwachses bei den Juden zu verzeichnen. In diesen Jahren betrug nämlich der Zuwachs nur 25 000 bezw. 32 000 Personen. Die erste Generalversammlung des Verbandes Polnischer Juden E. V. Auf der Generalversammlung des Verbandes Polnischer Juden e. V. am 31. März in der Schulaula, Berlin, Kaiserstraße 29, wurde nach Entlastung des Vorstandes eine Statutenänderung vorgenom.nen, wonach in Zukunft nur polnische Staatsbürger Mitglieder des Verbandes sein können. Der Vorstand hat beschlossen, die polnischen Juden Berlins in einem Appell zur Mitarbeit am Verband aufzufordern. Mit dem 1. Mai verlegt der Verband feine Büroräume nach der Kursürstenstraße 42, v. 1 Tr. Ewald Ammende Auf einer Weltreise verstarb am 15. April 1936 in Peiping Dr. Ewald Ammende, der Generalsekretär und Mitbegründer des europäischen Nationalitätenkongresfes. Aus dem Baltikum, dem klassischen Boden der Nationalikätenkämpfe stammend, wurde Ammende in der Nachkriegszeit, die mit dem System des Minderheitenschutzes eine große Zahl neuer Probleme und Ausgaben brachte, eine der stärksten und aktivsten Persönlichkeiten der europäischen Nationalitätenpolitik. Zusammen mit dem verstorbenen Leo Motzkin und anderen Persönlichkeiten der. jüdischen Minderheiten gründete er 1925 den Nationalitütenkongreß,' den er seitdem geführt hat und zu einem bedeutsamen Instrument für die Anerkennung, den Schutz und die Rechte der Minderheiten ausbauen konnte.' Wenn es auch niemals gelang, alle in Europa unter fremder Staatshoheit lebenden Minderheiten in dem Kongreß zusammenzuschließen — die polnischen Gruppen und die nationalen Minderheiten Deutschlands gehörten nie oder nur kurze Zeit dem Kongreß an —, so war doch eine beträchtliche Anzahl Minderheiten im Kongreß vertreten und machten ihn zu einer Tribüne, von der mit europäischer Resonanz für die Rechte der Minderheiten eingetreten werden konnte. In den letzten Jahren ist Ammende neben Kardinal Jnnizer vor allem in der Bekämpfung der Hungersnot in Sowjetrußland und in der bekannten Aktion für das Rußland-Deutschtunr hervorgetreten Der frühe Tod des persönlich außerordentlich liebenswürdigen Mannes wird über feinen engeren Freundeskreis hinaus aufrichtiges Bedauern aus lösen. Dr. W. Rg. Die Mitgliederversammlung des Hilfsvereins der Juden in Deutschland findet am Donnerstag, den 30. April, 20 Uhr 30 Min. im Logenhaus, Kleiststraße 10, statt.

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