Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936) - farbig
- Issue
- 17 (23.4.1936)
- Date
- 1936-04-23
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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XV. Jahrg. 7 Nr. 17 Berlin, 23. April 1936 Preis 10 Pfennig entralerein- ALLGEMEINE ZEITUNG DES JUDENTUMS Geschäftsstelle (Verlag, Schriftleitang, Anzeigenannahme, Vertriebsabteilung): Berlin W 15, Emser Strasse 42. Fernsprecher: J2 Oliva 8141—45. Telegrammadresse: Centralglauben, Berlin. Postscheckkonto: Berlin 70344. Die „C.-V.-Zeitung“ erscheint wöchentlich am Donnerstag. Redaktionsschluss: Dienstag. Bestellungen nimmt jedes Postamt uad die Geschäftsstelle entgegen. Zustellung erfolgt durch die Post, die die beouhren durch den Postboten erhebt. — Bezugsgebühren: Abonnement vierteljährlich 99 Rpf. (Ausland 2,30 RM, umgerechnet in die Landeswährung) einschliesslich Zustellgebühren. Einzelnummer 10 Rpf. (Ausland 20 Kpf.). Im Falle höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlieferung oder Rückvergütung der gezahlten Beträge. — Anzeigengebühren: Preisliste 5 gültig. Die 12gespaltene Millimeter-Zeile 20 Rpf., für btellengesucüB 10 Rpf., für Familienanzeigen 16 Rpf., weitere ermässigte Grundpreise siehe Preisliste. Einzelanzeigen nur gegen Vorauszahlung. — Anzeigenschluss: Dienstag. Platz- und Datenvorscnrnten onne verDinaiicniieit. Schatten über Palästina Leiste Meldungen A. H. Beunruhigende Meldungen kommen aus Palästina. Wir haben sie nebenstehend aneinander gereiht, um die äußeren Zusammenhänge und den äußeren Ablauf erkennen zu lassen — die traurige, blutige, rauchende Ernte einer Woche. Niemand wird verkennen können, daß die neuesten Vorgänge nichts anderes sind, als der zufällige Ausbruch seit langem schwelender Leidenschaften. Es ist nicht möglich, von hier aus zu analysieren, welche Drahtzieher aus beiden Seiten Menschen den Tod gebracht haben, dessen Wert, wenigstens vom Augenblick gesehen, geringer sein muß, als die Bedeutung ihres Lebens für den friedlichen Aufbau des Landes. Aber seitdem gewisse jüdische Gruppen in Palästina mehr erblicken, als die zugesicherte nationale Heimstätte, seitdem der Wille zu einer machtpolitischen Eroberung des Mandatslandes offen von ihnen bekannt wird, mußte auch die Gegenwirkung gewisser arabischer Kreise heftiger und offensiver werden. Und nachdem außerdem fast gleichzeitig die wirtschaftlichen Schwierigkeiten aus der Krise des Herbstes, die weltpolitischen Spannungen durch den italienisch-abessinischen Konflikt und die innerpalästinensischen Erregungen durch die Bodenkaufgesetzgebung und das Legislativ-Problem aufgetreten waren und sich zusammengeballt hatten, mußte eine jähe Entladung, gleichgültig aus welchem Anlaß, gefürchtet werden, wenn die an gewaltsamer Auseinandersetzung interessierten kleinen Kreise aus beiden Seiten nicht zur Vernunft zu bringen waren. Die Toten und dieBrandstätten zeigen, daß es nicht gelang. Und man weiß aus der Geschichte, daß nichts ansteckender ist, als Volkserregung, hinter der unsichtbar ein kühler, berechnender Wille steht.. Mit unseren Herzen und unserem Gefühl sind wir aus der Seite der jüdischen Menschen dort, mit denen uns nicht nur der äußere Schicksalszusammenhang verknüpft, sondern die uns auch aus zahllosen Bindungen nah und vertraut sind. Aber davon unbeeinflußt muß die nüchterneUeberlegung sagen, daß, wer aus Palästina ein Land wie alle anderen Länder machen will, es begreiflich finden muß, wenn sich Vorgänge ckuch in Palästina vollziehen, wie sie den politischen Weg fast aller Länder säumen. Es kommt eben auf den Ausgangspunkt für die Betrachtungsweise gegenüber Palästina an. Sentimentalische oder empörte Vorstellungen mögen gegenüber der Zurücksetzung der Juden irgendwo anders berechtigt sein, sie müssen dort fortfallen, wo Juden selbst das Risiko des Volk- und Staat- Diese Nummer umfasst 24 Seiten Sie enthält u. a.: Hauptblatt: USA. Von Dr. E. R—z. 1. Beiblatt: Die Tai-Tai mit dem Davidstern. Eine Filmidee von Käthe Wiensliorvitz. — Lebendige Schule. Von Franz Kaelter. 2. Beiblatt: Isaak Lurja. Von Max Wiener. — Das Bühnenbild. 2. Beiblatt: Das Blatt der jüdischen Frau mit den Aufsätzen Wo? Wie? Wann? Womit? Von Meta Samson. — Die Frauen der Rothschilds. Von Erich Eyc\. 4. Beiblatt: Sportblatt. 5. Beiblatt: Palästina-Umschau. — Wirtschaft der Woche. Zwischenfälle auch in Jerusalem Jerusalem, Mittwoch Mittag. Zum erstenmal kam es heute vormittag aud} in Jerusalem zu Zusammenstößen zwischen Arabern und Juden. Die Polizei schritt bei Demonstrationen in der Nähe des Jaffa-Tores ein und verhaftete vier Araber. In Jaffa ist die Ruhe noch nicht wiederhergestellt; Araber griffen eine Papierfabrik an. Bei Tel-Aviv errichtete die Polizei Drahtverhaue. Empfang heim High Commissioner Dienstag empfing der High Commissioner, Sir Arthur Wauchope, die arabischen Führer. Wie die „ITA" erfährt, verlangten die Araber, daß der High Commissioner die jüdische Einwanderung unterbinde. Sie erklärten, daß die vom Colonial Office zu Verhandlungen nach London eingeladene Delegation arabischer Führer sich, nicht eher nach London begeben werde, bis ihre Forderungen erfüllt worden seien. Mittwoch früh (22. April). Auf einer Versammlung von Vertretern aller Araberparteien in Jaffa am Dienstag abend wurde die Ausrufung des allgemeinen Gener a l st r e i k s für Donnerst^ beschlossen. In An zwei Unheilsherden haben sich nach den bisher vorliegenden Meldungen die Unruhen in Palästina entzündet. Der eine entstand mit einem lieber« fall auf eine Reihe von Autos und Autobussen, der am 15. April aus der Chaussee Tulkarem — Nablus., einer Abzweigung von der Haifa—Jerusalem-Chaussee, verübt wurde. Bei diesem Ueberfall, dem offenbar weniger Raubabsichten als antijüdische Motive zugrundelagen — denn die Räuber hielten arabische Wagen nicht an und ein nichtjüdischer Passagier in einem der jüdischen Wagen wurde nicht belästigt —, kam ein griechischer Jude namens IsraelEhasan ums Leben. Ein anderer Jude wurde schwer, ein weiterer leicht verwundet. Die Beerdigung Israel Chasans erfolgte am 17. A p r i l in T e l - A v i v im Beisein Tausender von Juden. Die Polizei hatte verboten, daß am Grabe Reden gewerdens freiwillig aus sich nehmen. Aber einheitliche Ablehnung aller jüdischen und, wie wir annehmen, arabischen Schichten ist gegenüber der überflüssigen Scharsmacherei am Platze, die eine organische Entwicklung operativ beschleunigen oder beenden, die einen friedlichen Wettbewerb verwandter Einwohnerschichten zum blutigen Straßenkampf wandeln, die aus einer Heimstätte ein Schlachtfeld schaffen will, und aus dem erstrebten gesicherten Zentrum besonders gefährdete Diaspora. Nichts wiederholt sich in der Geschichte. Die Eroberung Kanaans durch das Schwert jüdischer Einwanderer liegt Jahrtausende zurück. Nur durch friedliche Durchdringung kann Palästina seine bedeutsame Nolle im jüdischen Schicksal der Gegenwart und der Zukunft beibehalten. Schon bemühen sich die Araber um eine Beeinflussung der W e l t st i m m u n g gegen- Haifa soll der Streik bereits heute beginnen. — Auf einer Zusammenkunft extremer arabischer Führer in Nablus wurde beschlossen, in jeder Stadt des Landes Nationalräte zu schaffen, die die arabischen Forderungen mit Nachdruck vertreten sollen. In der arabischen Presse veröffentlichen die gleichen Führer einen Aufruf, der zum Boykott und zur strikten Durchführung des Generalstreiks sowie zur Sperrung der jüdischen Einwanderung auffordert. Bei neuen Zusammenstößen in Tel-Aviv am Dienstag abend wurden 14 Araber und 5 Iuden verwundet. — Araber versuchten die jüdische Siedlung Hatikwah bei Tel-Aviv anzugreifen. Die Polizei blieb jedoch Herr der Lage und verhinderte den Ueberfall. Der High Commissioner hat sofort im Einvernehmen mit dem Generalinspektor der Palästinapolizei zahlreiche Anordnungen zur Wiederherstellung der Ruhe und Ordnung erlaffen. Der Distriktskommissar von Jerusalem, I. G. Campbell, erklärte einer jüdischen Abordnung, daß die englischen Kräfte ausreichten, um allen Schwierigkeiten zu begegnen. Er veranlaßte eine Verstärkung der polizeilichen Patrouillen im Geschäftsviertel und forderte die Juden auf, ihren Geschäften im Vertrauen auf die Polizei unverändert nachzugehen. Eine größere Anzahl von Freiwilligen aus der britischen Kolonie wurde vorübergehend in die Polizei eingestellt. halten würden. Es wurde nur das Kaddischgebet gesprochen. Jüdische Demonstration Nach Schluß der Beisetzung formierte sich ein großer Demonstrationszug zum Nathans. Ein junger Jude aus Saloniki, der Heimatstadt des Ermordeten, forderte die Menge aus, nach Jaffa zu ziehen und für den Mord Rache zu nehmen. Der Zug folgte jedoch dieser Aufforderung nicht, sondern nahm vor dem. Stadthaus die Ansprachen des Vizebürgermeisters von Tel Aviv, Israel R o k e a ch , und des Mitglieds des Stadtrates, Dov H o z, entgegen, die sie ermahnten, Ordnung zu bewahren und sich ruhig zu Verhalten. Sie versprachen, die Forderungen der Demonstranten, die über die bisher erfolglose Untersuchung des Ranbübersalles beunruhigt warech an die zuständigen Stellen weiterzuüber dem Palästina-Problem. Wir veröffentlichen an anderer Stelle das Interview, das der Sekretär der Arabischen Nationalverteidignngspartei Palästinas der United Preß gegeben hat. Eine Auseinandersetzung mit den Argumenten des Araberführers ist heute überflüssig. Nichtiges und Falsches in. ihnen wird in begreiflich tendenziöser Zwecksetzung durcheinandergemischt und sogar der in Amerika so zugkräftige Kommunistenschreck wird auf palästinensische Verhältnisse übertragen. Wir glauben uns zu erinnern, daß vor gar nicht langer Zeit der Vorwurf der kommunistischen Infektion umgekehrt gegenüber den Arabern erhoben wurde. Palästina ist ein b i - n a t i o n a l e s Land, und gewaltsam wird diese Tatsache gewiß nicht beendet werden. England ist zweifelsohne Herr der Lage. Es ist zugleich aber auch Treuhänder für die gesamte Bevölkerung. Das Maudatslaud Palästina ist völkerrechtlich als jüdisches Einleiten. Nichts wird die Juden hindern, so' erklärte Vizebürgermeister Rokeach, den friedlichen Ausbau Palästinas sortzusetzen. Schüsse und Strassenkämpfe Bei ihrer Rückkehr *vom Rathaus wurde die Menge von der Polizei ausgesordert, sich zu zerstreuen. Die Aufforderung der Polizei wurde jedoch mit einem Steinregen aus der Menge beantwortet. Daraufhin machte die Polizei von ihrer Schußwaffe Gebrauchs lieber 30 Personen wurden verwundet. Im Hadassa-Krankenhaus und durch den Roten Magen David wurden insgesamt 14 Verwundete ' festgestellt; der Zustand bei vier dort ihnen ist ernst. Im Verlaufe der Maßnahmen, die zur Herstellung der Ordnung ergriffen wurden, drang Polizei, die aus nichtjüdischen mit Stahlhelmen ausgerüsteten Polizisten bestand, in die jüdischen Häuser ein, und holte aus ihnen viele Personen heraus, die in dem Verdacht standen, Steine aus den Fenstern geworfen zu haben. Viele von ihnen wurden von der Polizei mißhandelt, die von ihren Gummiknüppeln Gebrauch machte. Fast eine Stunde lang dauerten die Straßenkämpse. Die allgemeine Erregung ivurde noch durch das Gerücht gesteigert, daß auch der andere bei dem Autobusübersall verwundete Jude gestorben sei. Ein jüdischer Polizist wurde durch Steinwürse ernstlich verletzt. Die Allend^ Street ist von der Polizei abgeriegelt worden. Zahlreiche Verhaftungen wurden vorgenommen. Die Araber demonstrieren Der zweite 11 n h e il s h e r d, von dem die Unruhen ihren Ausgang nahmen, geht aus die Tötung zweier Araber zurück, die durch Revolverschüsse aus einem Auto aus der Straße Petachtikwa—Ksar Saba durch angeblich europäisch gekleidete Täter erfolgte. Gegen diese Mordtat protestierte am Sonntag, dem 19. April, in I assa ein arabisches Demonstrationszug, in. dessen Verlaus jüdische Häuser mit Steinen beworfen und jüdische Arbeiter angegriffen wurden. Dev Demonstrationszug bewegte sich sodann in Richtung Tel-Aviv. Es kam zu einem Zusammenstoß mit der Polizei, die zur Wiederherstellung der Ordnung eingrifs. Insgesamt wurden bei den Unruhen sieben Juden wanderungsland garantiert. 400 000 Juden, die im Lande leben, und die Zehntansende, die aus Grund dieses Mandats jährlich Palästina neu zur Heimat erwählen, haben Anspruch aus ein friedliches, arbeitsames und freies Dasein. Der englische Grundsatz der dalaues ok powers wird auch in Palästina zur Geltung und Durchsetzung kommen müssen. Unsere Sorgen gelten in erster Linie den vielen verwandten und befreundeten Menschen, die ein Leben in arbeitsamer und friedlicher Ruhe erstreben; sie gelten darüber hinaus dem gesamten Werk, das auch uns zu wertdoll und zu kostbar ist, als daß es der Verantwortungslosigkeit 'einiger Weniger und dem Risiko leidenschaftlicher Augenblicke aus geliefert werden dürste. Unsere Hoffnung rechnet mit der Einsicht der wirklich tragenden Kräfte der jüdischen und arabischen Bevölkerung und der bewährten Erfahrung Englands. Der Gung der Ereignisse