Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936) - farbig
- Issue
- 15 (9.4.1936)
- Date
- 1936-04-09
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Südafrikanische Union Die Zerstreuung der Juden über die Erde (XXXII.) Nachdruck verboten Dl« Union of South Africa ist ein britisches Dominion, das vier frühere Kolonien zu einer politischen Einheit zusammenfaßt: die Kapk o l o n i e, Natal, Transvaal und den Oranje-Fr ei st aat. Für die jüdische Soziographie ist die letzte Zählung aus dem Jahre 1931 leider deshalb nicht nutzbar zu machen, weil sie das Konfessionsmerk, mal nicht erfaßt hat. Die neuesten Angaben hierfür liegen jedoch für das Jahr 1926 vor und sind aktuell genug, um ein Gegcnwartsbild erstehen zu lassen. Die Gesamtbevölkerung der südafrikanischen Union beträgt nach dieser Zählung 7,54 Millionen Menschen, von denen 1,68 Millionen Europäer sind. Die Zahl der Juden unter den Europäern beträgt rund 72 000, d. h. 43 unter 1000 europäischen Einwohnern. Diese jüdische Durchschnittsquote der Union entspricht etwa dem Anteil der Juden in Berlin zu Beginn des Jahres 1933. Die bisherige Einwanderung nach Südafrika fand überwiegend aus den Staaten des Baltikums und hier ' wiederum zumeist aus Litauen statt. Seit 1933 ist eine größere Anzahl von Juden aus Deutschland nach der Union gekommen. Berücksichtigt man diese Einwanderliug und den Eigenzuwachs der jüdischen Bevölkerung seit 1926, so wird man gegenwärtig (1 9 3 6) mit e t w a 8 0 0 00 jüdischen Menschen in der gesamten südafrikanischen Union rechnen dürfen. Die erdrückende Mehrzahl von diesen Men. scheu sind überzeugte N a t i o na l j u d e n. Sie haben sich nicht nur bei der amtlichen Zählung als solche bezeichnet, sondern bekunden dies auch durch ihre besonders großen materiellen Opfer für den Aufbau Palästinas. Im Jahre 1926 Magister Kirsch dergute Likör, Magister München Vfil bczeichueten sich 71 000 der damals gezählten rund 72 000 Juden als Menschen jüdischer Nation, nur etwa 300 Juden schrieben sich in die Volks- Zahlungspapiere als Engländer ein, etwa ebenso viele als Südafrikaner, weniger qls 100 als Holländer. Das ausgeprägte nationaljüdische Bewußtsein der Juden Südafrikas schließt in keiner Weise aus, daß sie sich dem Lande, das ihnen eine Heimat gibt, in engster Weise verbunden fühlen. Das kommt dadurch zum Ausdruck, daß 60 Prozent der Juden Südafrikas gleichzeitig beide Landessprachen sprechen, und zwar englisch und holländisch, 37 Prozent der Juden sprechen nur englisch, 1 Prozent spricht nur asri. konisch, d. h. einen der Eingebvrenendialekte. 2 Prozent aller Juden der Union verstehen weder englisch noch holländisch noch eine Eingeborenenmundart; hier handelt es sich um Angehörige der ältesten lebenden Generation, um Menschen, die bei ihrer Einwanderung nicht mehr in der Lage waren, außer dem Jiddischen, das sie aus dem Osten Europas mitbrachten, noch eine der im Lande üblichen Sprachen zu erlernen. Eine demographische Besonderheit der jüdischen Volksschicht der südafrikanischen Staaten ist die jedes Einwanderungslandes: der Männer-' Überschuß, der allerdings eine besonders beachtliche Höhe erreicht. Stehen doch 38 800 Männern etwa 33 000 Frauen gegenüber. Daß trotzdem der Altersaufbau innerhalb der Judenheit des Landes befriedigend ist, deutet darauf hin, daß die Fruchtbarkeit der/ jüdischen Frauen groß sein muß. Sind doch 40 Prozent aller im Jahre 1926 gezählten Juden jünger als 20 Jahre! Das äst ein Bevölkern n g s m o m e n t, das etwa doppelt so breit - ist wie derzeit (1936) bei den Juden in Deutschland. Zwischen der Konzentration der Juden Südafrikas in den Städten und ihrer wirtschaftlichen Betätigung im Handel besteht, wie überall, ein kausaler Zusammenhang. Bei der nachfolgenden Darstellung der geographischen Besonderheiten in jedem der vier Staaten der Union wird gezeigt werden, wieviele Juden sich in den großen Städten und in den Häfen des Atlantischen und des Indischen Ozeans niedergelassen haben. Trotzdem leben immerhin doch etwa 5 00 0 Juden auf dem Lande, in vielen kleinen, weit verstreuten Dörfern; auch dort, wo oft nur ein oder zwei jüdische Familien leben, halten sie treu zu altüberkommenen Glaubenssätzen. Diejenigen Menschen, die die jüdische Gemeinschaft verlassen haben, leben fast ausschließlich in größeren Städten. Die amtliche südafrikanische Statistik erlaubt die Feststellung, daß etwa 550 Männer und 500 Frauen, die früher dem jüdischen Glauben angehört hatten, zu anderen religiösen Gemeinschaften übergetretcn sind. Das Auffällige bei den Religionsaustritten ist aber hier, daß diese Personen nicht Dissidenten geworden sind, wie dies zumeist oder wenigstens vielfach in europäischen Ländern der Fall ist, sondern daß sie den verschiedenen christlichen Sekten beigetreten sind, die es in der Union gibt. So haben über 300 frühere Juden den Weg zu der englischen Kirchengemeinschast gesunden, über 170 find der Niederländisch-Reformierten Kirche beigetreten, etwa 70 sind römisch-katholisch geworden, etwa ebensoviele Methodisten und Baptisten. Aber auch viele kleinere religiöse Sekten haben Mitglieder, die früher Juden waren. Hier sind es also wohl überwiegend . Ueberzeugungsakte, die die Zahlen der religiösen Austritte spiegeln, nicht Anzeichen religiöser Indifferenz oder materieller Erwägungen. Die Inden sind über das ganze Gebiet der Union zerstreut. Am größten ist ihre Zahl in Transvaal, am niedrigsten in N a t a l. Bei der Bedeutung der Union für die jüdische Gegen¬ Betschmnä- Land £ I 3<>Ha / Kmemjpf />J§i [— wart und Zukunft ist es erforderlich, die einzelnen südafrikanischen Gliedstaaten in ihrer quantitativen Bedeutung besonders zu beleuchten. Dabei werden die einzelnen Staaten nach der Größe der jüdischen Einwohnerzahl gruppiert. Transvaal. Das Land ist seit 1910 Provinz der Union ok South Atrien und wenig mehr als halb so groß wie Deutschland. Es ist der nördlichste Teil der Union mit einer Einwohnerzahl von 600 000 Weißen, unter denen 38 800 Juden leben. Von 1000 europäischen Einwohnern sind demimch 64 Juden, der höchste Prozentsatz, der in einer der vier Provinzen festzustellen ist. In sämtlichen 33 Verwaltungsbezirken Transvaals leben Juden, in 26 von diesen Bezirken ist die jüdische Einwohnerzahl größer als je 100 Personen, nur in sieben liegt sie unter 100. Die Hauptstadt P r a e t o r i a hat rund 42 500 Einwohner, darunter 2400 Juden, das sind 5,5 Prozent. Die größte Stadt des Landes ist Johannesburg mit rund 170 000 europäischen Bewohnern. Die jüdische Gemeinschaft umfaßt hier 25 800 Köpfe, das sind rund 15 Prozent der europäischen Einwohner. Die Zahl der Juden in Johannesburg ist, wie aus dieser Angabe zu ersehen, höher als in manchen europäischen Großstädten. Ein Vergleich mit dem Volkszählungsergebnis in Deutschland im Jahre 1933 zeigt, daß in Frankfurt a. M. die Zahl der Juden etwa ebenso groß ist wie in Johannesburg, in Bresl a u, in Ham b u r g usw. sind die jüdischen Einwohnerzahlen erheblich niedriger als in dieser südafrikanischen Großstadt. Aber auch in äußerdeutschen Großstädten Europas wie beispielsweise in Brüssel und Antwerpen oder in. Sofia usw. leben weniger Juden als in Johannesburg. Die große jüdische Gemeinschaft der Stadt führt ein ausgeprägtes religiöses Leben. Nebeneinander bestehen eine größere Anzahl religiöser Gemeinden mit eigenen Synagogen. Die jüdische Wohltätigkeit wird durch eine namhafte Zahl von Institutionen der verschiedensten Art gepflegt. Mehrere hebräische Schulen bestehen, literarische Klubs und auch jüdische gesellschaftliche Einrichtungen, in deren Namen nicht nur die ausgeprägt jüdisch-nationale Einstellung der Johannisburger Juden sich ausdrückt, sondern auch die Treue,' mit denen sie an den Geburtsstütten ihrer Eltern im. Osten Europas hängen. Eine „Kurland"- und „Riga"-Loge, eine Kownoer, eine Schawler-, eine Minsker, eine Wilnaerusw. Gesellschaft erinnern mtdie Answanderungsländer der älteren Generation der heutigen Johannesburger Juden. In der Provinz Transvaal bestehen außer in Praetoria und in Johannesburg noch weitere 26 jüdische Gemeinden, insgesamt also 28, unter denen einige hervorhebenswert erscheinen; so wohnen in der Stadt Benoni unter 15000 europäischen Einwohnern 1150 Juden, die neben ausgesprochen jüdisch-religiösen und sozialen Organisationen auch einen eigenen Sportklub eingerichtet haben. In der Gemeinde Pict - N e t i e s befindet sich eine hebräische Schul e. In Springs leben rund 350, in Germiston 900 Juden unter rund 16 500 Europäern, die jüdische Gemeinde in Roodep o o r t hat etlva 300 Mitglieder. Kap-Kolonie. Die eigentliche Kap-Kolonie ist Südafrikanischen Union ist Kapstadt mit rund land. Unter den 650 000 Europäern sind 24 000 Juden beheimatet. Auf 1000 Einwohner kommen demnach in der Kap-Kolonie 34 Juden. ' Die jüdische Dichte ist also nur etwa halb so groß wie in Transvaal. Für die beispiellose Zerstreuung der Juden auch übex diese entferntesten Teile der Erde hin ist es charakteristisch, daß nur in einem einzigen der 94 Verwaltungsbezirke der Kap- Kolonie keine Juden wohnen, in den übrigen 93 hat die amtliche Statistik Juden festgestellt. Die Hauptstadt der Kap-Kolonie und auch der südafrikanischen Union ist Kapstadt mit rund 115 000 Weißen, unter denen 11 000 Juden leben. Das sind 9,6 Prozent der Bevölkerung dieser fast unmittelbar an der Südspitze des afrikanischen Erdteils gelegenen Großstadt, die etwa auf dem gleichen Breitengrade liegt wie Buenos Aires in Südamerika und wie Sidney in Australien. Die jüdische Gemeinde von Kapstadt ist noch nicht einmal halb so groß wie die in Johannesburg. Aber auch in Kapstadt sind mehrere Synagogen und irttt« groß« Anzahl wohltätiger jüdischer Organisas tioncn und pädagogischer Anstalten. Die Zahl der jüdischen Gemeinden in der Kapkolonie ist größer als in Transvaal, trotzdem die Gesamtzahl der Juden erheblich kleiner ist. Die jüdischen Gemeinschaften sind daher der Zahl ihrer Mitglieder nach in der Kapkolonie kleiner. In 30 der 93 Verwaltungsbezirke leben nur mehr als je 100 Juden, in 63 Verwaltungsbezirken sind die jüdischen Gemeinden jedoch kleiner als je 100 Köpfe. Nach Kapstadt ist die größte jüdische Gemeinde der Kapkolonie Port-Elizabeth, wo 1500 Juden unter rund 29 500 Weißen eine Existenz gefunden haben. Die jüdische Quote liegt also etwas höher als 5 'Prozent der europäischen Bevölkerung. Von den weiteren 37 nennenswerten jüdischen Gemeinden der Kapkolonie sind E a st London mit fast 700 Juden, d. h. 3,5 Prozent der Stadtbevölkerung, zu nennen, .K imbe r l ey mit mehr als 800 Juden unter 16 000 Europäern; das bedeutet einen 5prozentigen jüdischen Anteil. In W y n b e r g, unweit von Kapstadt, leben über 600 Juden, die neben einer eigenen Synagoge eine hebräische Schule unterhalten. Oranje-Freistaat. Dieser Teil der südafrikanischen Union ist etwa so groß wie Griechenland. Er hat eine Einwohnerzahl von etwa 203 000 Europäern, unter denen 5750 Juden wohnen, d. h. 28 unter 1000 Europäern. In sämtlichen 27 Verwaltungsbezirken des Landes sind durch die amtliche Statistik Juden festgestellt. In 18 dieser Bezirke leben mehr als 100 Juden, in neun Departements weniger als je 100. Insgesamt gibt es neun nennenswerte jüdische Gemeinden, die größte ist in der Hauptstadt der Provinz: in Bloemfontein. Dort leben 1400 Juden, das sind sieben Prozent der 20 000 Einwohner. Die Stadt hat eine jüdische Schule und eine Anzahl jüdischer sozialer Institutionen. Natal. Diese Provinz der südafrikanischen Union liegt an der Ostküste von Südafrika, eine Landschaft, die etwa so groß wie Ungarn ist und rund 140 000 europäische Einwohner ernährt.' Von ihnen sind 3300 Juden, das sind 21 unter 1000 Weißen. Hier ist die Zahl der Departements, in denen keine Juden leben, etwas größer als in den anderen Provinzen Südafrikas. Natal hat 31 Verwaltungsbezirke, in 27 von ihnen leben Juden, in vier Bezirken keine. Doch ist die Zahl der Bezirke mit größeren jüdischen Siedlungen sehr. niedrig. In mir drei Departements leben mehr als 100 Juden, in 24 dagegen weniger. Di« Tut 66 fyeuufy .Äs 1. pdi liefern wir die C.-V.-Zeitung, wenn uns der Bestellschein sofort eingeschickt wird, H elf en Sie uns werben. Geben Sie diesen Abschnitt Ihren Freunden, Senden Sie mir bis auf Widerruf die C.-V.-Zeitung 6 6 Pfennig für Mai, Juni zahle ich bei Vorlage der Postquitfung an den Briefträger. Die beiden letzten Aprilnummern gehen mir kostenlos zu. Name: ———---- Ort:----- Strasse: -;-——-- Datum:---—;-- Ausschneiden und mit 3 Pfg. frankiert bis spätestens 23. April senden an- C.-V,-Zeitung, Vertrieb, Berlin W 15, Emser Strasse 42. J 2, Oliva 8141. größte Zahl jüdischer Einwohner registriert die Landeshauptstadt Durban mit rund 2400 Juden unter 63 000 Europäern, das sind wenig über vier Prozent. Eine größere Gemeinde ist dann noch in P i e t e r m a r i tz b u r g, einer Stadt im Landesinnern, nicht wie Durban ein Hafen. Dort leben etwa 200 Juden. Außer der Gemeinde in V r y h e i d sind die übrigen jüdischen Gemeinschaften Natals ziffernmäßig nur unbedeutend. In Verwaltungsgemeinschaft mit der südafrikanischen Union befindet sich auch Betfchua na land, ganz im Innern Südafrikas gelegen. In der wichtigsten Stadt dieser Landschaft, in Francistown, befindet sich eine jüdische Gemeinde, eine jüdische Oase inmitten der Hunderte von Eingeborenenstämmen, die in den Steppen und Ebenen dieser fonnendurchglühten Landstriche ihr primitives Dasein führen. vr. E. R—z. Dr. Bernhard Kahn iSiill: Fol. Emile Marcovitch, Paris Die Reichsbertretung der Juden in Deutschland übermittelt der Jüdischen Telegraphen-Ageutur zum 60. Geburtstag Dr. Bernhard Kahns, dessen Nur bereits in der vorwöchigen Nummer gedacht haben, folgende Würdigung des Jubilars: „Am 9. April vollendet Dr. Bernhard Kahn sein 60. Lebensjahr. Der Name Bernhard. Kahn ist für jeden, der an konstruktiver Sozialarbeit Interesse nimmt, schon seit vielen Jahren ein Begriff geworden. Als Generalsekretär des Hilfsvereins der Juden in Deutschland hat er 1904 bis 1921 neben Paul Nathan und James Simon an allen großen Aktionen des Hilfsvereins führend teil» , genommen und die Verbundenheit der Juden in Deutschland mit ihren ostjüdischen Brüdern in eindringlicher Weise bekundet. Diese Arbeit führte ihn 1921 zum American Joint Distribution Committee, besten europäischer Direktor er seit 1924 ist. Die umfassende, mit stärkstem Einsatz geführte, mit modernsten Methoden arbeitende Hilfsarbeit des Joint im Dienste des durch Krieg und Nachkriegswirren schiver bedrohten Ostjudcntnms ist mit dem Namen Bernhard Kahn aufs engste verbunden. Als dann die Juden in Deutschland aus bisher Helfenden zu Hilfsbedürftigen wurden, hat der Joint unverzüglich sein Arbeitsgebiet auf diesen neuen Kreis von Menschen ausgedehnt. Von dem europäischen Zentralbüro des Joint in Paris aus hat Dr. Bernhard Kahn in den letzten drei Jahren immer wieder seine Verbundenheit mit dem Hilsswerk des Zentralausschusses für Hilfe und Aufbau bei der Reichsvertretung der Juden in. Deutschland bekundet. Er hat uns nicht nur seit der Gründung des Zentralausschusses als Sammelpunkt aller helfenden, aufbauenden Kräfte mit dem materiellen Einsatz der ihm zur Verfügung stehenden Mittel bis an die äußersten Grenzen des Möglichen geholfen, sondern hat uns auch in diesen schweren Jahren als ein Frennd zur Seite gestanden, über dessen ungewöhnliche Erfahrung und auf dessen warmherziges Verständnis wir immer rechnen konnten. Wir fühlen uns mit den jüdischen Gemeinden und Organisationen, aber auch mit denjenigen jüdischen Brüdern, denen das Werk des Joint konstruktive Hilfe brachte, eins, wenn wir dem Mann, der diese Arbeit in Europa repräsentiert und führt, wenn wir Dr. Bernhard Kahn viele Jahre befriedigender und wirksamer Arbeit wünschen." Aus einem Leitartikel des „Deutschen Volkswirt“ Der „Deutsche Volkswirt" enthält in seiner letzten Ausgabe einen Leitartikel, de-r in der Tagespresse sehr eingehend zitiert wird, weil in ihm auf Grund besonderer Informationen alle Gerüchte und Kombinationen um die Währung entschieden zurückgewiesen werden. Der Aussatz interessiert an dieser Stelle besonders, weil in ihm im Zusammenhang mit dem System des sogenannten „Neuen Plans" (bekanntlich die Regelung des deutschen Exports und Imports) folgender Gesichtspunkt erwähnt wird: „In jedem Fall müßte die Abliefcrnngskontrolle für Expvrtvaluteu beibehalten werden, schon im Hinblick auf die 12 bis 20 Milliarden jüdischer Kapitalien, die sonst stark nach außen drängen würden." Gerichtsverhandlung über die Vorfälle in Przytik Anfang Mai Die Vorfälle in Przytik, über die wir in Nr. 12 der C.-V.-Zeitung vom 19. Mai ausführlich berichtet haben, iverden Anfang Mai vor dem Kreisgericht in Radom zur Verhandlung kommen. In dem Monstreprozeß werden 55 Polen und eine Anzahl Juden auf der Anklagebank sitzen. Von dem Vertreter der Staatsanwaltschaft sind 100 Zeugen benannt worden. Ein Dutzend nationaldemokratischer Rechtsanwälte werden als Verteidiger anftreten. Außerdem wird eine größere Anzahl jüdischer Rechtsanwälte sich um die Vertert'ung der Interessen der jüdischen Angeklagten bemühen. Von jüdischer Seite ist die Ladung einer größeren Anzahl jüdischer Zeugen vorgesehen. Die Tatsache, daß zugleich mit den Angreifern auch Juden angeklagt find, wird von jüdischer Seite dahin ausgelegt, daß die Staatsanwaltschaft die Inden in Przytik mitverantwortlich für die bekannten Vorfälle macht. Hauptschriftleiter: Dr. Alfred Hirschberg; Stellvertr. und verantwortlich für die Aufnahme von Bildern: Dr. Margarete Edelheim. Verantwortlich für Sport: Dr. Ernst G. Löwenthal, sämtlich in Berlin, Für Rücksendung unverlangter Einsendungen ist Freiumschlag beizufügen. Leiter der Anzeigen-Abteilung und verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Friedrich Nathan, Berlin. DA. I. Vj. 40 000. PI. 5. Verlag: Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens e. V., Berlin W15, Emser Strasse 42. Druck der Buch- und Tiefdruck G eliscliaft. mbH, Berlin SW 19.