Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936) - farbig
- Issue
- 14 (2.4.1936)
- Date
- 1936-04-02
- Page
- [Seite] (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Konzerte und Vorträge in Berlin und im Reich Wieder einmal „Theater“! „Können Sie sich vorstellen, daß man drei Jahre den Zauber der Bühne entbehrte?" Nur — die „Provinz" kennt diesen Zustand seelischer Entbehrung. Die Berliner haben ja ihr hübsches Kulturbundtheater. Da sitzt man eines Tages in dem kleinen Theater in der Kommandantenstraße. Man sieht das festliche Weiß und Rot des Raumes. Man empfindet endlich einmal wieder den geheimnisvollen Schauer, wenn das Helle Licht erlischt und im schützenden Dunkel nur noch die kleinen, roten Notlampen brennen. Und jetzt löst sich aus dem Stimmen der Instrumente das kurze Vorspiel zu „Samson und Dalila". Musik schwillt aus — der Vorhang hebt sich! Ewiges, sich immer wieder schöpferisch erneuerndes Glücksgefühl, das den Beginn einer Oper, eines Schauspiels begleitet. Dämmergrau auf der Bühne. Langsam sich aus ihm lösend die Gestalten des Chors. Dann Samsons mächtig», gebieterische Erscheinung. Verhöhnung, Kamps, Tod des Satraps und — der wunderbare Gegensatz zu den dunklen Kleidern der Israeliten die Helle, schimmernde, von Blumen bekränzte Woge der Mädchen um Dalila. Die weiche, volle, süße Stimme Dalilas. Farben, Musik, Gesang — Theater! Man wacht auf wie aus einem tiefen, beglückenden Traum, als der letzte Beifall verrauscht ist. Man denkt und spricht das frohe, befreiende Gefühl nicht aus, weil es für unsere Tage zu sentimental erscheint. Man geht beschwingter und getröstet mit neuem Lebensmut in den Alltag . . . Lisc Lewinneck, Königsberg i. Pr. Boris Kroyt war in einem Haus- Konzert in Berlin zu hören, lieber sein oft anerkanntes _ geiqerisches Können und seine Musikalität ist kein Wort zu verlieren. Leider entsprach das diesmal gewählte Programm seiner besonderen Begabung wenig. Der klassischen Ruhe älterer Musik, die sich mich in den schnellen Sätzen kundtut, ist mit solch rubatoreichem, fast zigeunerhaft pointiertem Vortrag nicht beizukommen. Cilly Z u k m a n -B i zo n h bat wegen Indisposition um Nachsicht, von einer Bewertung des Stimmlichen haben wir also abzusehen. Sonst erfreute Musikalität und nicht zum wenigsten das aparte Programm. Es wurde gut von Dr. Werner L i e b e n t h a l im Klavierpart gebracht. Bei der Begleitung des instrumentalen Teiles zeigte Liebenthal dagegen einen merkwürdigen Mangel an Anpassungsvermögen. L. Ä. Sigbert Steinfeld hatte in einem H a u s - konzert bei Weil einen schönen Erfolg. Gute Stimmittel und der schon spürbare Wille zu gestalthaster Durchdringung — wobei Arien besser gelingen als Lieder — sind sestzustellen. Steinfeld sollte sich bemühen, Höhe und Ansatz biegsamer zu formen. Das Spiel des Geigers Basia P o l i s ch u k zeigt beachtliches Können, ein vornehmes Stilempfinden, das selbst die Virülvsenmusik eines Wieniawski nicht zum „Reißer" macht. Dieselbe künstlerische Haltung Die Wolke Von Alice Stein-Landesmann Wie gewöhnlich, wenn die Mutter nachmittags fortging, saß der Junge an seinem Pult, um die Schularbeiten zu erledigen. Aber schon lockte der kleine Tuschkasten, neben dem die ausgeschlagene Bibel lag; es war das I. Buch Mose. Das Kind las immer wieder die gleiche Zeile: „Da nun Mose aus den Berg kam, bedeckte eine Wolke den Berg. Und die Herrlichkeit des Herrn wohnte auf dem Berge Sinai und deckte ihn mit derWolke sechsTage-" „Wie soll ich die Wolke malen? Es darf keine gewöhnliche Wolke sein-- Soll man Gott darin sehen können — —?" Der Junge schloß die. Augen und dachte nach. Niemand begriff, wie^r sich mit solchen Fragen quälte. Sein kindliches Hirn vermochte keine Klarheit zu finden. Immer wieder bedeckte er die großen Bogen mit bunten Darstellungen biblischer Vorgänge, die sich feiner Phantasie gebieterisch ausdrängten. Aber mit zehn Jahren ist es ebenso unmöglich, in das geistige Wesen des alten Testamentes einzüdringen, wie die Technik der Malerei zu beherrschen. Martin seufzte! er horchte auf, das rhythmische Prasseln der Regentropfen gegen die Fensterscheibe — dieses Geräusch hatte etwas Beruhigendes. Aber gleich darauf fiel ihm ein, daß die Mutter unterwegs war — sie ging jeden Nachmittag tippen in ein Büro. Er lies in den Flur, um zu sehen, ob sie den Schirm mitgenommen hatte. Der Schirmständer war leer; das Kind verharrte in dem Düster des schmalen Flurs, weil er sich plötzlich an die drohende Finsternis jener Wolke erinnert fühlte, der sich Mose gegenüber gesehen hatte. Oder war es eine lichte Wolke gewesen? Wenn kennzeichnete auch die Wiedergabe des Horntrios von Brahms. Man konnte sich einiges vielleicht leidenschaftlicher, elementarer denken, aber jeden- . falls erfreute und fesselte die in allen Teilen ausgewogene, gefeilte und noble Auffassung. Das Horn gab dem Ganzen den echt romantischen Klang: Horst Salomon beherrscht sein schweres Instrument aufs beste. Hier und bei den Gesangbegleitungen wirkte Leo Taubmann. Es läßt sich nichts besseres sagen, als daß Taubmann die Musiker zu führen verstand, ohne den kammermusikalischen Rahmen zugunsten solistischer Wirkungen zu sprengen. Einzig bei Brahms wünschte man sich manches kraftvoller, L. A. Aus einer Reihe von Hauskonzerten ragte ein Sonatenabend des Geigers Werner Lyven mit Leo Taub mann hervor. Der Violinist befindet sich noch in der Entwicklung; indes schon jetzt sind charakteristische Merkmale und Vorzüge zu erkennen, die für die Zukunft manches erwarten lassen: eine äußerst geschmeidige Bogensührung und ein einschmeichelnder lyrischer Ton, die vereint mit graziöser Gestaltung Werken wie Beethovens 6-äur-Sonate aus op. 30 besonders zugute kommen müssen. Die elegant gespielte Sonate von Cäsar Franck und mehr noch die von Brahms mit dem Zitat des „Regenliedes" zeigten auch die Gefahren, die der Künstler Überwinden muß, die nämlich, daß der Ton mit Rücksicht auf den gepflegten Vortrag leicht an der Oberfläche bleibt und dadurch etwas Süßliches erhält. Bei der großen Begabung ist an der baldigen Ausmerzung solcher Hemmnisse nicht zu Professor Carl Flesch spielt am 4. April in Berlin Zeichnung von Kelly N. zweifeln. Leo Taubmann verfügt als Partner wie als Begleiter in bewundernswerter Weise über die Fähigkeit, sein Spiel dem Ausdruck des Mitgestalters anzugleichen. Else H o r w i tz sang an diesem Abend mit fülligem, wohlausgeglichenem Material und edler Größe Händel- Arien. Kai. , Die Altistin Manja B a r k a u, die unverkennbar über eine klang- und umfangreiche Stimme verfügte, hat durch übermäßiges Forcieren. besonders in der mezza voce an Timbre sie doch Gott verbarg, wie mußte sie wohl beschaffen gewesen sein? Martin stand noch immer wartend, als müsse sich ihm jetzt das ersehnte Bild zeigen — aber es wallte nur grau-rosa vor seinen Augen, und er begriff sofort, daß dies eine undeutliche Erinnerung war an einen Frühlingsmorgen draußen auf dem Lande, als er die Großeltern einmal besucht hatte. Ueber dem nahen Feld war die Morgendämmerung angebrochen — Martin entsann sich genau der seidigen Streifen, die wie von unsichtbarer Hand ausgespannt wurden — ein bißchen glichen sie dem unvergeßlichen Zauber jenes Mürchenstücks, das er einmal besuchen durfte. Da war Vater noch Theatermaler gegewesen, und Martin erkannte staunend Vaters Entwürfe in den wunderbaren Bühnenbildern — „Vater-?" Das Kind ballte plötzlich die Hände; es tat sehr weh, daran zu denken, daß Vater nun schon einen Monat fort war, um im Ausland Geld zu verdienen --- Die Flurklingel schlug schüchtern an. Martin schüttelte zornig den Kopf — Mutter hatte verboten, zu öffnen, wenn er allein war. Manchmal empsand er es als beschämend, daß er noch nicht mehr leisten konnte. Mutter hätte wahrhaftig jetzt einen größeren Sohn gebraucht, da Vater ihr nicht mehr zur Seite stand. Wieder die Klingel. Martin reckte sich auf die Zehenspitzen und blinzelte durch die runde Glasscheibe der Flurtür. Draußen stand ein alter Mann und hielt ein kleines Köfferchen an sich gepreßt. Von seinem Hut flössen winzige Regenbäche herab. Das Kind öffnete rasch, ohne nachzudenken. Der Alte trat ein. „Danke schön —" stammelte er und sah sich ratlos um. Er machte einen so ermüdeten Eindruck, daß Martin ihn bei der Hand nahm und in die Küche führte. In halber Betäubung siel der eingebüßt, so daß die erheblichen technischen Ansprüche von Wolf-Liedern nicht mehr ^restlos gelöst werden können. In Gesängen von Schalit und in einigen Volksliedbearbeitungen aber wurden durch zwingende Intensität des Ausdrucks die Mängel mustergültig ausgeglichen. Mit liebenswürdiger Anmut spielte Werner Lyven auch hier die erwähnte Beethoven-Sonate. Kai. Im Mittelpunkt des letzten Lichten Nachmittags der Berliner Reformgemeinde stand ein Vortrag „Der jüdische Prophetismus" vpn Rabbiner Dr. Karl R o s e n t h a l. Er ging dabei von Amos aus, einem' der Tatpropheten, die es verstanden, dem Volk zu sagen, daß ein Gott lebt, zu strafen und zu rächen,. weil sie erfüllt waren von seiner Berufung. Nicht an den ein zelnen Menschen wenden sich die Propheten, sondern an das ganze Volk und darüber hinaus an alle Völker der Erde. Den Rahmen der Veranstaltung bildete ein wohlgelungenes und von einer sehr zahlreichen Zuhörerschaft dankbar aufgenommenes Konzert, in dem der Chor der Jüdischen R e s o r m g e m e i n d e und das O r - ch e st e r der K ü n st l e r h i l f e unter Leitung von Dr. Hermann Schildberger mitwirkten; es brachte das Concerto grosso g-moll von Vivaldi, „Höre Israel" (gesungen von Hildegard Lindt) und „So ihr mich von ganzem Herzen suchet" (gesungen von Max Mansfeld) aus dem „Elias", „Einst in fernen Tagen" von Zelter- Lewandowski, das Fritz Lechner zusammen mit dem Chor sang, und das „Hallelujah" aus dem „Messias". Der Vorsitzende der Reformgemeinde dankte allen Helfern der Lichten Nachmittage. 8. M. In der dichtgesüllten Synagoge Lützvwstraße fand eine Veranstaltung „Freude im Winter" statt. Alice Gersenberg stellte ihre erprobten schönen Mittel in einer Arie aus „Belsazar" von Händel und Liedern von H. Wolf erneut unter Beweis. Sie und den Geiger K r o y t, der das Air vor Goldmark und das Präludium von Pugnani-Kreisler virtuos spielte, begleitete Dr. Willi A r o n mit Aufmerksamkeit und Einfühlung. Die Rezitation der begabten Ilse G o l d n e r litt unter den bekannten akustischen Störungen. Die Cellovorträge D. Manczyks blieben unpersönlich und blaß. Der unverwüstliche Feuerkopf im weißen Haar, der 72jährige Professor Josef Weiß, der noch aus der Liszt-Zert herüberragt, spielte die Mendelssohn-Fuge E-moll und die Fantasie F-nioll von Chopin in höchst persönlicher, genialischer Auffassung. Ludwig A l t m a n n ließ an der Orgel die Veranstaltung in einer freien Phantasie über das Hauptthema der Fantasie ausklingen. K.W-r. Nach dem Beginn mit der „Geisha" versuchte sich das Berliner Opernstudio, ein Kollektiv jüdischer Bühnensänger, jetzt an „Rigole t t o". Das Ziel, das diese Gemeinschaft von 35 erprobten Künstlern und solchen, die sich erproben lassen wollen, zusammengeführt hat, verdient volle Anerkennung. Es gilt zunächst ein Weiterarbeiten zu ermöglichen, den Kontakt mit den Brettern einigermaßen aufrechtzuerhalten. Daß man trotz der unumgänglichen technischen Mängel dazu die Standardwerke der Opern- und Operettenliteratur heranzieht, ist durchaus einzusehen, wenn auch ein gelegentlicher tapferer Vorstoß in unbekanntes Land manch neuen Hörer anlocken könnte. Die Verdi-Oper war mit Umsicht und Liebe einstudiert, die Regie führte Edgar L i ß n e r, der mit Geschick auf der winzigen Bühne lebendige Handlung aufzubauen verstand, in schönem. Einklang mit dem musikalischen Leiter Herbert Lilientyal, dessen Orchester — um ein Klavier verstärkt — naturgemäß der wundeste Punkt sein mußte, der aber besonders die Sänger sicher und straff zu führen verstand. Und da die Gilda von Erna Stapf trefflich gesungen (vorzüglich das Abdecken der schwierigen hohen Lagen) Fremde auf den Stuhl. Sein zerfurchtes Gesicht zeigte den Ausdruck restloser Erschöpfung. Martin betrachtete ihn erschrocken; dann brachte er ihm die Tasse Milch, die unberührt auf feinem Pult stand. „Sie ist noch warm —" sagte er in zuredendem Tone. Der alte Mann trank, ohne abzusetzen; erst danach nahm er den nassen Hut herunter und sah aus die herabrinnenden Tropfen. „Schlechtes Wetter —" murmelte er, „häßliches, schmutziges Wetter — —" Und nun schien sein Blick allmählich die Umgebung zu erfassen. Hastig versuchte er, aufzustehen. Der Junge hielt ihn mit bittender Gebärde zurück: „Bleiben. Sie doch noch ein Weilchen bei mir! Sie wollten doch zu uns, nicht wahr?" Der Alte nickte: „Eine Tür ist wie die andere — an wievielen Türen habe ich heute schon vorgesprochen-Aber nein — was sage ich da? Manchmal öffnet sie sich, und ein Mensch empfängt einen — selten freilich -" Das Kind starrte ihn an: „Müssen Siebei solchem Wetter ausgehen?" Ein sprechender Blick antwortete ihm — Martin fühlte sich schmerzlich angerührt von dem schrecklichen Geheimnis der Erwachsenen: Not —Armut-- Er sah auf den kleinen Koffer hin: „Vielleicht haben Sie etwas zu verkaufen?" fragte er behutsam. Der alte Mann seufzte: „Papiere, Seifen — damit schleppe ich mich herum. Sonst tut es meine Tochter — aber sie ist krank. — —" Aber nun bekam seine Stimme eine überraschende Energie, als wollte er einem Einwand des Kindes zuvorkommen: „Du denkst doch wohl nicht, daß ich mich beklage? Ich würde mich schämen, verstehst du? Das sind nur Prüfungen, kleiner Mann, du kannst das nicht begreifen — jetzt muß man sich erweisen — — und glaubhaft dargestellt wurde und weil Hermann S a l o m o n s k i in der Titelrolle ungewöhnlich große Stimmittel einzusetzen hatte, ergaben sich nachhaltiger Eindruck und sehr herzlicher Beifall. Unter den übrigen Mitwirkenden ( waren der ungemein räuberische Sparafucile von Wilhelm Meyersohn, Sabine Heymanns Maddalena und der Monterone von Werner Simon stimmlich und schauspielerisch bemerkenswertgut, Bruno U cko sah als Herzog Prächtig aus, aber sein hübscher Tenor ist großen Aufgaben nicht gewachsen. Kai. Die Fähigkeiten Gerhard Kanders, des vierzehnjährigen Violinvirtuosen, sind schon oft — auch an dieser Stelle — gerühmt worden; glänzende Technik, prachtvoller, expansionsfähiger Ton, fabelhafte Finger- und Bogengeläufigkeit, tiefe Musikalität. Und doch sollte der jugendliche , Geiger sich noch nicht an die Interpretation einer Bvahms-Sonate v-inoll op. 108 heranwagen. Er ist trotz all seiner Vorzüge noch nicht reif genug, um in den philosophisch-pessimistisch-resignierten Geist Brahmsscher Kunst, mit der das naive Musizieren und das naive Genießen im klassischen Sinne endgültig dahin ist, eindringen zu können. Das begeisterte Publikum zollte dem begabten Künstler, der in allen Anschlüßstädten des Jüdischen Kulturbundes Rhein-Ruhr Werke von Beethoven, Bruch, Wieniawski u. a. m. herrlich spielte, begeisterten Beifall. Suse L o e b begleitete sicher und diskret. — vo — Lilly Kann (Berlin) gab im Jüdischen Kulturbund Düsseldorf einen Vortragsabend. Ihr abendfüllendes Programm brachte ernste und heitere Chansons, einen spannenden Sketch am Telephon, dem man im Interesse noch strafferer Wirkung etwas Kürzung empfohlen möchte, sowie mehrere Rezitationen aus Heineschen Prvsaschriften. Das klangvolle, schmiegsame und nuancenreiche Organ der Künstlerin formt jedes Wort zu plastischer Schönheit; ihre sprechende Mimik, die sie durch einige offen vor dem Publikum wechselnde Requisiten effektvoll unterstreicht, gibt allem Vorgetragenen Wahrheit und Lebensnahe. So gewann sie spontan starken Kontakt mit den Zuhörern. Die Chansons begleitete am Flügel illustrierend in sicheruer Anpassungsfähigkeit Erwin Palm (Düsseldorf), der einige kleine Solvstücke mit künstlerischer Feinheit beisteuerte, begleitet mit sicherer Anpassungsfähigkeit. Das ausverkaufte Haus dankte beiden Künstlern aufs herzlichste. J. C. Der Mannheimer „Liederkranz" (Jüdischer Kulturbund) brachte aus Anlaß seines 80jährigen Bestehens Händels Oratorium ,,^aul" zur Aufführung. Kapellmeister Max S i n z h e i m e r hat dabei an der Bearbeitung Friedrich Chrysanders neben das Werk noch stärker konzentrierenden Strichen verschiedene Umstellungen in der Reihenfolge vorgenommen, die sich aber als ebenso wirksam erwiesen, wie die Einfügung eines Concerto grosso in d-dnr an Stelle der Sinfonie mit Drgelsolo. Und daß er das Hallelujah des ersten Aktes nochmals am Schluffe singen ließ, gab der schönheitsreichen Schöpfung einen geradezu triumphalen Ausklang. Neben S i n z h e i m e r hatten den Hauptanteil am nachhaltigen Gesamteindruck der in machtvoller Größe gesungene Saul Hermann S ch e y 8, der im David von Paula Salomon (Lindberg) eine würdige Partnerin hatte. Kulturvoll und in lichter Reinheit gesungen die Michal von Emmy Lußheimer- Joseph, ausdrucksvoll und in gewohnt zuverlässiger Musikalität gestaltet der Jonathan Max L i p m a n n s. Charakteristisch die Hexe von Endor von Selma W e i l - E l k, der man nur noch mehr Resonanz der Tiefe gewünscht hätte. Mit den Solisten, der Pianistin Hotte Honig (Worms), und Werner F rank als Vertreter des Orgelparts trugen das Orchester der Jnstrumentalgemeirischaft und der gemischte Chor des „Liederkranzes" das ihre zum mitreißenden Eindruck dieser Ausführung bei. 80. Ich habe mich nur von dem Unwetter etwas erdrücken lasten — ich werde gleich wieder in Ordnung fern. Die heiße Milch war großartig, ich habe mich noch gar nicht bedankt -" Seine gramvollen Augen ruhten voll Wärme aus dem ernsten Kindergesicht. -Das Schweigen schien sie einander näher zu bringen. Unwillkürlich trat Martin dicht zu dem Alten hin: „Wenn Mutter bald käme, sie würde bestimmt einen Zeichenblock für mich kaufen-" „Du zeichnest? Erzähle doch-" Der Junge leuchtet aus: „Ich werde Maler —ich muß nur erst noch sehr lange lernen. Aber dann — später werde ich 'alle Propheten malen, und wie Josef seine Brüder findet und-" „Male den Sieg Davids über Goliat — deü Sieg des Geistes —", sagte der Alte und richtete sich auf. „Wenn du groß sein wirst, denke an alle Beladenen, alle Bedrückten — wir brauchen Erhebung, wir brauchen Trost, mein Kind — jeder dient dem Schöpfer aus seine besondere Weise-" „Ich möchte Gott in der Wolke malen —" stammelte das Kind und sah den Alten groß und beinahe furchtsam an. Plötzlich schien ihm dieser bärtige Kopf mit der pergamentenen Haut wie ein Bild aus einem heiligen Buch. Jeder Zug, jede Falte prägte sich ihm ein — „Versuche das nicht, mein Junge —" mahnte der alte Mann. „Es ist uns nicht bestimmt, Gott in den Wolken zu erkennen —■ es. genügt, ihn zu ahnen! Eines Tages wirst du das einsehen. Male nur die Wolke! Auch der Abglanz Gottes ist schon ein Wunder-" Noch immer betrachtete Martin den Alten — er fühlte eine erregende Ehrfurcht. . „Was siehst du an mir?" fragte der Fremde leise, „es lohnt nicht, einen Menschen zu betrachten, der nicht mehr kämpfen kann — —* ' .