Mannheim
Compact Memory

Central-Verein-Zeitung · 1936-03-26 · 13 (26.3.1936) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
15 (1936) - farbig
Issue
13 (26.3.1936)
Date
1936-03-26
Page
[Seite] (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2277379-9449481-9449341--10199-9448851
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

26. Marz 1936 Nr. 13 * 4. Beiblatt Das offenbare Geheimnis Jüdische Deutungen aus drei grossen Epochen „Wenn Hillel der Alte von seinen Schülern Abschied nahm, Pflegte er noch ein Stück Weges mit ihnen zu gehen. Seine Schüler fragten ihn: Meister, wohin gehst du? Er antwortete ihnen: Ein Gebot zu erfüllen. Sie fragten ihn: Welches ist dieses Gebot? Er antwortete ihnen: Im Badhaus ein Bad zu nehmen. Sie fragten ihn: Ist das ein Gebot? Da sprach er zu ihnen: Die Königsbilder, die man in den Theatern und Zirkussen ausstellt, werden von dem dazu Bestimmten gereinigt und gespült und man gibt ihm- Kost dafür, und mehr noch, er Prangt gleich den Großen des Reiches; ich aber, was muß ich erst tun, der erschaffen ist nach „Ebenbild und Gleichnis", wie es geschrieben steht: Denn im Bilde Gottes hat er den Menschen gemalt." . Dies ist eine ebenso schlichtschöne wie geistreiche Episode aus dem Talmud, aus der Zeit, da der buchstäbliche Boden des heiligen Landes dem Judentum schon unter den Füßen weggezogen wurde und es einem neuen nicht minder festen und, trächtigen Boden zu gewinnen anfängt, den Boden des Geistes, der durch die Niederschrift der mündlichen Ueberlieserung und ihrem Ausbau und ihre Umzäunung fixiert, gefestigt wird. Es ist ein ebenso vielfältiger, in die Tiefe und Breite des gesamten Lebensrechtes greifender Vorgang, und in dieser Episode aus dem großen Vorgang der Festigung stehen die talmudischen Menschen klar und schön vor uns, die Schüler, die den Meister geleiten, so wie fortan die Juden als Schüler ihre ewigen Meister und Alten durch zwei Jahrtausende geleiten werden, die geleiten und fragen, scheinbar nur eben und einfältig fragen, aber doch dadurch alle Antwort erst Hervorrusen; und auf der andern Seite der Anwortende, der Meister, der Alte, hochgemut und gleichmütig, der aus dem Bibel- Vers eine Anschauung der Welt gewinnt, immer die Gegenwartsbeziehung hat und wahrt, lächelnd weise und fromm das Irdische heiligt, aus einer Leibespslicht ein Seelenvorrecht macht und Gott in sich als Bild und Gleichnis noch im Baden fröhlich findet... „Der Urpunkt ist ein innerliches Licht, dessen Reinheit, Feinheit und Klarheit mit keinem endlichen Maß erkennbar ist, bis eine Entfaltung aus ihm hervorging. Die Entfaltung dieses Urpunktes aber wurde zu einem Palast, indem jener Punkt sich mit einem Licht umkleidete, das der Größe seiner Klarheit wegen (noch immer) unerkennbar ist. Der Palast, der ein Kleid für jenen verborgenen Punkt ist, ist also unendliches Licht, und dennoch ist es nicht ebenso klar und sein wie jener verborgene und entrückte Urpunkt. Aus jenem „Palast" entfaltete sich dann weiterhin das „Urlicht" (des ersten Tages), und diese weitere Entfaltung ist ein Kleid für jenen „Palast", der noch seiner, klarer und innerlicher ist. Von diefer Stufe an entfaltet sich immer weiter eine aus der anderen und bekleidet sich eine mit der anderen, bis schließlich jede Kleid für, eine andere, die eine Kern, die andere Schäle, wird. Und auch wenn eine Kleid und Schale ist, wird sie doch zum Kern für die nächste Stufe. Auch hier unten (in der irdischen Welt) ist alles auf diese Weise gemacht, bis auch der irdische Mensch nach diesem Bilde (eingerichtet) ist: Als Kern und Schale, Seele und Leib. Und all dies (zusammen erst) bildet die richtige Ordnung und Gestaltung der Welt." Dies ist ein Abschnitt aus dem Sohar, dem wichtigsten Kabbala-Buch, voll der großen Weltsicht jüdisch - mittelalterlicher . Mystik, deren Geheimnis tiefe uns Nachgeborenen bald überdunkel, bald von augenverbrennender Helligkeit erscheint. Aus der gelassen erfüllten, mit Gestalten, Legenden, Anekdoten, Geistreichtum, Verstandesstrenge und das Ungewöhnliche nach regelnder Gesetzlichkeit ausgesüllten nachbiblischen Welt scheint der jüdische Geist in diesem Mittelalter ins Kosmische geflüchtet, in eine Hinterwelt der Welt, deren Spannweite nicht geringer ist als in der neuen Wissenschaft die Spannweite zwischen Atom und Sternshstem, und die in beiden gleich tief und göttlich ist. In dieser Mystik erscheint die Grenze alles Menschlichen gesprengt, der jüdische Geist hak den Weg über alles Persönliche hingesunden. * „Der Zaddik scheut die „schöne", die absichtliche Menschenrede. Ein gelehrter Mann, der nicht Sabbatgast an Rabbi Baruchs Tisch war, sagte zu ihm: „Laßt nun Worte der Lehre hören: Ihr redet so schön!" „Ehe daß ich schön rede," antwortete der Enkel des Baalschem, „möge ich stumm werden!" Und sprach nicht weiter. — Beim heiligsten der Sabbatmahle, der „dritten Mahlzeit", spricht der Zaddik die Lehre meist nur stockend und spärlich, immer wieder von schweigsamer Versenkung unterbrochen, ein leises Lied, von Geheimnis schwingend, geht voraus, ein seliger Chorgesang folgt. Sooft in der dämmrigen Stube das Schweigen einkehrt, bringt es ein Sausen der Ewigkeit mit." Dies ist eine Aeußerung über Chassidismus, in dem die Schlichtheit und Klarheit des jüdischen Urtyps vom Meister und Alten zurückgewonnen und mit noch viel mehr Persönlichem und gefühlsmächtiger Persönlichkeit bereichert, aber auch das Geheimnis der Kabbala fortgesetzt und vollendet, nämlich ins Menschenhafte, Persönliche, Diesseitige zurückgeholt ist. So schließt sich der Ring, und vor uns steht, in diesen winzigen Zeugnissen schon gewaltig, ein Stück Wegs des jüdischen Geistes in drei kleinen Büchern, dienen diese Zitate entnommen sind, so deutlich und gewinnend, wie es nicht besser zu denken ist. Das erste Büchlein heißt „Gespräche der Weisen" und enthält in Nah um Norbert Glatzers vortrefflicher Verdeutschung (nach einer das historisch Bezeichnende der Talmudzeit skizzierenden knappen Einleitung) eine ganze Reihe der schönsten und charakteristischen talmudisch midraschischen Texte. Das zweite Bändchen, für die Fachleute gewiß eine kleine Senfation, heißt „Die Geheimnisse der Schöpfung. Ein Kapitel aus dem Sohar" von Gerhard Schalem, dem anerkannten Kabbala-Forscher, und enthält außer dem, wie man sah, nicht eben leicht zu übersetzenden und so präzis und verständlich wie wohl nur möglich übersetzten ersten Sohar-Kapitel zur Schöpfungsgeschichte einige wichtige Abhandlungen zum Thema: eine Darlegung der geschichtlichen Stellung dieses Werkes, seines Einflusses und Schicksals, seines literarischen Charakters, worüber viel gestritten wurde, und seiner Entstehung und Autorschaft, worüber wohl auch Scholems neuerliche Stellung noch kein endgültiges, abschließendes Urteil sein dürfte; dann eine Abhandlung zum sachlichen Verständnis des Buches mit einem Magister Kirsch dergute Likör, Magister München VII klaren Exkurs über die kabbalistische Gottes* anschauung, ihre Prinzipien und Symbolik, dann eine Darstellung und Klarstellung des übertragenen Kapitels, seines Ausbaus und Gedankengangs. Wie wichtig das alles ist und wie gut es gelungen ist, kann nur ermessen, wer sich im meist niedern Gestrüpp der sonstigen entsprechenden Literatur arg hat mitnehmen lassen müssen. — Das dritte Büchlein endlich, M a r t i n B u b e r s „Deutung des Chassidismus", enthält drei Essais, von denen zwei aus den Chassidischen Büchern bekannt und, man darf sagen, schon klassisch geworden sind; der eine stellt „Geist und Leib der chassidischen Bewegung" dar, der andere betrachtet den Stifter dieser Bewegung am Gegenbild zweier ungefährer Zeitgenossen, Sabbatai Zwis und Spinozas. Das dritte Essai gibt gewissermaßen ein von höchster jüdisch-theologischer Warte aus gezogenes Fazit der Bewegung, die zuvor vornehmlich historisch und psychologisch betrachtet wurde, mit Hinblick vor allem auf eine andere irrtümliche Manifestation des jüdischen Geistes, auf die Prophetie, und heißt „ S i n n b.i l d l i ch e und sakramentale Existenz int. Iudentu m". (Alle drei Bändchen sindim Schocken-Verlag, Berlin, erschienen.) L- H. Beiträge zum orthodoxen Judentum Nach ’lat ZSvi, Monatsschrift für Judentum in Lehre und Tat, herausgegeben vom Vorstand der Rabbiner - Hirsch - Gesellschaft. Die vor uns liegende Zeitschrift — sie umfaßt die Hefte 1 bis 3 — gibt in den Aussätzen „Zur Lage" von Dr. Jsaae Breuer, „Wege zum Judentum in der Gegenwart" von Rabbiner Dr., Elie Munk und „Neue Wege" von Rabbiner PH. F i s ch e r ein Bild der Probleme innerhalb der Arabit .FRANKFURTA.M. GEGR.1892 1°*ERALL ERHÄLTLICH j .ALBERSHEIM dos stUöne iestyestkekk für alle jüdischen Kreise HAWA NASCHIRA (Auf! Lasst uns singen!) Liederbuch fiir Unterricht, Bund und Haus 256 Seiten stark! / Kart. KM 3,— / Gebunden KM3,50 In jeder jüdischen Buchhandlung zu haben. Der Morgen beginnt sein 12. Jahr er ist richtungweisend für die wesentlichen Fragen und Strömungen innerhalb des Judentums er muss von jedem gelesen werden, der Anteil an der Neugestaltung des jüdischen Lebens nimmt Ein Jahresabonnement (12 Hefte) kostet 12 Mark, bei Voreinsendung nur 10 Mark 80 Bestellungen nimmt jede Buchhandlung an und der PHILO VERLAG, Berlin W 15. Emser Str. 42 J2 Oliva 1375 Postscheck: Berlin 83 512 Hagadas von 25 Ffg. an, Mazzotbtaschen Sedergestell., Sederf eller aus Glas mit Handmalerei, Gebetbücher, Ritualien, jüd. sowie nichtj üdische Literatur. Preislisten a.Wunsch. M. Poppelauer _ BERLIN €. 2. Neue Friedricbstr. 59, Tel. D 1, Nord. 2555. mlt deutsch von ncsgauall SS Pf. an, HandaestickteMazzetaschen.Sedergestelle, Gebetbücher u. Talessim. JUd. Buchh. C. BOAS Nacht., Berlin C S, Neue Friedrichstrasse 69. 0 2 9508. J.hce Qessach cKayadafi: Die Pessach-Hagadah, herausgegeben u. erklärt von Dr.Goldschmidt (Schocken-Bändchen, nicht ill.) 1,25 M. Bamberger, Hagadah mit Bildern v. Bender, geb. 0,65 M. Ganzleinen. 2,00 M. Japhet, Hagadah mit musikalischen Beilagen.... 2,25 M. Ganzleinen mit Goldschnitt. 3,25 M. Seligmann, Hagadah mit Bildern aus einer handschriftlichen Amsterdamer Hagadah. 1,80 M. Die Hagadah des Kindes, herausgegeben von Silbermann. 4,80 M; Hagodoh nach dem Forschungssystem Rabbi Samson Raphael Hirsch, erläutert von Michalski, br. 2,— M. gebd....s.. 3,— M. Hagadah. illustr. v. Budko, ohne Uebersetzung 1,— M. Offenbacher Hagadah, Bibliophiler Druck in Quartformat (mit 10 ganzseitigen u.handgemalten Holzschnitten von Fritz Kredel, broschiert ,*a«*.40,— M. Lehmanns Hagadah, Ganzleinen.K...,s..;gss 5,—M. Machsorim und Festgeschenke Versand von 3 Mark an portofrei durch Philo Verlas u. Buchhandlung GmbH. Berlin W 15, Pariser Straße 44 / Fernspr. Oliva 13 75 * $ * % % * $ * * * * * * * * * Sk * * * * * * % * * * * * * * $$4* Die geeignete Zeitung für Ge/egenheitsatizefgen jeder Art /st die C. -V. - Zeitung. Mässige Zeilenpreise bei günstigsten Rabattstaffeln. Unsere Anzeigen-Abtei/ung steht ihnen jederzeit gern mit Auskunft und Rat zur Verfügung STUTTGART, Marktplatz 17/18 *• *■ * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * •* * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * -X * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * NEUE BÜCHER ZU PESSACH ries nun ttd DIE PESSACH-HAGGADA Herausgegeben und erklärt von E. D. Goldschmidt Mit Übersetzungen der Gebete von Martin Bubez Bücherei Band 54 In Pappe M 1.25 Moritz Zobel DAS JAHR DES JUDEN in Brauch und Liturgie Bücherei Band 55/56 Leinen M 2.50 Martin Buber und Franz Rosenzweig DIE SCHRIFT UND IHRE VERDEUTSCHUNG Oktav - 352 Seiten Leinen M 6.- Karl Wolfskehl DIE STIMME SPRICHT Erweitertes Werk / Gedichte Großoktav LXXX Seiten - Leinen M 6.- SCHOCKEN VERLAG . BERLIN SW 19 * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * *■ * * *• *' * * * * * * * * * *• * * * * * *

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.