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Central-Verein-Zeitung · 1936-03-19 · 12 (19.3.1936) · p. [Seite]

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
15 (1936) - farbig
Issue
12 (19.3.1936)
Date
1936-03-19
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Die 7 Punkte des Councils Kurz vor dem Beginn des „A PPeal" hatten am 13. März Sir Herbert Samuel, Lord B e a r st e d und Simon Marks einen Aufruf an die Juden Englands erlassen. In ihm gehen sie von der Feststellung aus, daß man für die jüngere Generation der Juden Deutschlands eine Zukunft außerhalb Deutschlands vorbereiten müsse. Sie unterstrichen sodann die Notwendigkeit einer aus mehrere Jahre berechneten Aktion, durch die eine endgültige Lösung des Problems in seinem ganzen Umsang oder wenigstens für einen großen Teil der Betroffenen herbeigesührt werden soll. Diese ernste Angelegenheit — so heißt es in dem Aufruf — muß bei allen jüdischen Menschen Sympathie und Sorge erwecken, denen ein besseres Geschick beschieden ist. Sie werden erkennen, daß es sich hier nicht mehr bloß um Wohltätigkeit an einzelnen Auswanderern handelt, die sich in zeitweiliger Notlage befinden. Gewiß wurde schon bisher viel konstruktive Hilfe geleistet. Doch diejenigen, die an der Spitze der in jedem der drei letzten Jahre in England zugunsten der Auswanderer aus Deutschland unternommenen Aktionen standen, sind überzeugt, daß es an der Zeit ist, Maßnahmen grundlegenderen Charakters in dieser Sache zu treffen. Vollständige Uebereinstimmung mit den Führern aller' Teile der Judenheit Amerikas wurde angestrebt und erzielt. Unter ihrer Mitwirkung wurden die folgenden Vorschläge ausgearbeitet, die nunmehr der Oessentlichkeit unterbreitet werden. „1. Ziel der Aktion ist die Ermöglichung der Auswanderung von Juden aus Deutschland in so großer Zahl wie es durchführbar ist. Die gegenwärtig in Aussicht genommene Zahl betrügt 20 000 bis 25 000 jährlich während der nächsten vier oder fünf Jahre. Es wird sich bei diesen hauptsächlich um junge Leute und Kinder handeln, doch wird vorausgesetzt, daß viele ältere Männer und Frauen später Nachfolgen werden. 2. Es wird erkannt, daß die Auswanderer in der Hauptsache solche Berufe und Eignungen haben sollen, durch die sie sich für die Bestimmungsländer als nützlich erweisen können. 3. Ein großer Teil der künftigen Auswanderer und viele der bereits Ausgewanderten werden eine besondere Schulung oder Umschulung in Handwerk oder Landwirtschaft durchmachen müssen, wozu Gelegenheit geboten werden soll. 4. lieber 30 000 Ausgewanderte aus Deutschland haben sich bereits in Palästina niedergelassen, und man hofft, daß es einem großen Teil der Auswanderer der nächsten Jahre ebenfalls möglich sein wird, nach Palästina zu gehen. 5. Die zeitweilige Unterstützung, die gegenwärtig jener Minderheit der Ausgewanderten gewährt wird, denen es noch nicht möglich war, einen Erwreb zu finden, und . die in Not sind, kann nicht eingestellt werden. Viele Einzelpersonen und Familien sind in verschiedenen Ländern gestrandet und in verzweifelter Lage. Ihnen muß man Helsen, ein ständiges Heim zu finden und muß sie inzwischen vor Elend bewahren. 6. Der Council for German. Jewry ist jetzt zur Erfüllung dieser Aufgaben geschaffen worden. Die amerikanische Judenheit wird in ihm voll vertreten sein. Er wird gewisse Funktionen bei der Auswandererhilse zu übernehmen haben, die früher dem vom Völkerbund eingesetzten Oberkommissar zugewiesen waren, denn die Tätigkeit des neu ernannten Oberkommissars ist in stärkerem Maße aus die politischen und rechtlichen Seiten des Problems beschränkt. Der Council wird die bisher von dem Central British Fund for German Jewry geleistete Arbeit weiterführen und sich dabei seines Apparates bedienen. Es ist nicht beabsichtigt, eine neue große Organisation zu schassen. Die Körperschaften, die seit langer Zeit auf verschiedenen Teilen dieses Arbeitsgebietes tätig sind, behalten ihre Autonomie und setzen ihre Arbeit fort. 7. Es ist klar, daß weit größere Summen als bisher benötigt werden. Eine gewisse Zahl von Auswanderern wird vielleicht in der Lage sein, eigene Mittel mitzubringen oder bei Angehörigen und Freunden, die bereits in anderen Ländern ansässig geworden sind, vorübergehend Gastfreundschaft und Hilfe zu finden. Unter Berücksichtigung dieses Umstandes wird die für die Durchführung einer Bewegung in dem beabsichtigten Umfang erforderliche Summe ' auf mindestens drei Millionen Pfund geschätzt. Die Führer der amerikanischen Judenheit schließen sich dieser Schätzung an und sind bereit, die Verantwortung für die Aufbringung von zwei Dritteln des Betrages zu übernehmen, wobei ein Teil davon bereits in vorhandenen Fonds zur Verfügung steht. Von dem Betrag von einer Million Pfund, der in Großbritannien und im britischen Reich sowie in anderen europäischen Ländern ausgebracht werden soll, ist ungefähr die Hälfte schon in Sicht. Darin inbegriffen sind die erheblichen Summen, die bereits von gewissen Stiftungen zur Unterstützung von Juden aus Deutschland bereitgestellt wurden. Die noch übrig bleibende Aufgabe aber ist außerordentlich groß. Die noch aufzubringende halbe Million entspricht der Gesamtsumme des Ertrages sämtlicher drei Aktionen, die voir dem Gentral British Fund kor German Jewry durchgeführt Wurden, einschließlich der Zeichnungen der größten Spender. Daraus ist zu ersehen, daß eine außerordentliche Anstrengung notwendig ist, wenn das angestrebte Ziel erreicht werden soll.' Der Keren Hajessod (Palestine Foundation Fund of Great Britain) wird, wie in den letzten drei Jahren, von seinen üblichen Sammlung Abstand nehmen und schließt sich dem jetzt erlassenen gemeinsamen Aufruf nrl. Seine normalen Einkünfte aus England, von denen ein großer Teil für Zwecke in Palästina verwendet wird, die direkt oder indirekt den sich dort niederlassenden Juden aus Deutschland zugute kommen, wird ihm aus den Erträgnissen dieser Aktion garantiert." Am 15. Januar hatte die „Majestic" die Anker gelichtet, um Sir Herbert S a m lt e l, Viscount B e a r st e d und Simon M a r k s nach Amerika zu führen. Genau zwei Monate später, am 15. Mürz, hat nun der Drive begonnen. Nachrichten aus London besagen, daß nicht nur Geldsammlungen anfangen, sondern daß man eine konstruktive leitende Tätigkeit in Ergänzung und Abrundung der mehr die rechtlichen und politischen Probleme behandelnden Arbeit des Völkerbundskommissars Sir Malcolm entwickeln wird. Ein Arbeitsgremium ist bereits eingesetzt worden, dessen Mitglieder die hier in Frage kommende Arbeit aufs genaueste kennen und die, wie wir hoffen, nicht von Ouotengesichtspunkten beherrscht sein werden, sondern die, wie wir es kürzlich gewünscht haben, mit den Mitteln und dort Hilfe leisten werden, wo sie am aussichtsvollsten und auch am ökonomischsten geleistet werden kann. Die Tatsache, daß ein weitreichender konstruktiver Plan vorhanden ist, wird auch aus die Stimmung der Juden in Deutschland positiv wirken. Entschlüsse, die man für die eigene und die Zukunft der Kinder bisher mit einem übertriebenen Unsicherheitssaktor gefaßt hat, werden jetzt mit größerer Sachlichkeit und Ruhe vorbereitet und durchgeführt werden können. An leitender Stelle unseres Blattes kommt zum Ausdruck, welch ungeheuren Umfang die jüdische Selbsthilfe innerhalb der deutschen Grenzen angenommen hat. Gewiße' Wendungen in den Verlautbarungen des Council kor German Jewry machen die Aufrechterhaltung dieser Selbsthilfe aus den eigenen geistigen und wirtschaftlichen Kräften der i n Deutschland lebenden Inden zur Pflicht, weil sie eine Art Voraussetzung für die Lebensvorbereitung außerhalb der deutschen Grenzen bedeuten. von Kleingemeinden beigetragen. Auch diese Binnenwanderung ist im Herbst stark angewachsen. Die Rückwanderung schließlich hat eine gerade umgekehrte Entwicklung genommen. Die Wanderfürsorgestellen, die im Laufe der ersten neun Monate des Jahres in ziemlich gleichbleibender Zahl von Rück- und Durchwanderern in Anspruch genommen wurden, haben im letzten Vierteljahr 1935 eine gewisse Entlastung gespürt. Denn hier haben sich nicht so sehr die Nürnberger Gesetze ausgewirkt, wie die schon früher ergangenen Verordnungen über ausländische Arbeitnehmer, die Verweigerung der Arbeitserlaubnis an ausländische Staatsangehörige und die Zurücknahme der Einbürgerungen naturalisierter Juden. Immerhin wurden im Jahre 1935 6621 ausländische Juden zum größten Teil in ihre Heimatländer und 4377 inländische Juden innerhalb Deutschlands auf Kosten der Gesamtheit befördert. Die Gesamtzahl der Juden, denen in den Jahren 1933 bis 1935 aus Mitteln des Zentral-Ausschusses die Wanderung (Auswanderung, Palästinawanderung, Binnenwanderung und Rückwanderung) ermöglicht worden ist, ist 65 144, wobei nochmals wiederholt sei, daß in dieser Zahl die finanziell potenten Auswanderer, Palästinawanderer und Binnenwanderer nicht enthalten sind. Eine starke zusätzliche Arbeit trat im letzten Jahr durch die Notwendigkeit der Errichtung der Winterhilfe ein. Sie ist von jedem einzelnen Juden in Deutschland als Spender oder als Empfänger so stark miterlebt worden, daß es an dieser Stelle nicht notwendig ist, eingehender über sie zu sprechen, zumal nach ihrem bevorstehenden Abschluß dazu Gelegenheit sein wird. Aber wer macht sich wohl ein Bild von den regelmäßigen Wohlsahrtslasten. die die einzelnen Gemeinden, die Zentrale für Wohlfahrtspflege und die Landesverbände dauernd zu tragen haben! Gerade die Binnenwanderung wirkte sich in wohlfahrtspflegerischer Hinsicht gelegentlich katastrophal aus, weil sie die völlige Verschiebung der sozialen Struktur der betroffenen Gemeinden zur Folge hat. Denn die Fortziehenden sind in der Regel nicht die Bedürftigen, für die ja die Zuzugssperre in den Großstädten besteht, sondern gerade die Zahlungskräftigen der Gemeinde! Der Besitzer einer Fabrik oder eines Kaufhauses, der in vielen Fällen die Kosten der Gemeinde fast allein trug, und der nun sein Geschäft in andere Hände gibt und aus der Klein- oder Mittelgemeinde sortzieht, hinterläßt die Bedürftigen, die allein weder die Gemeinde noch sich selbst erhalten könneü. Beschäftigte dieser große Steuerzahler auch noch jüdische Angestellte in seinem Betrieb, die mit dem Unternehmen ihre Stellung verlieren, so fallen diese, arbeitslos, entweder der Wohlfahrt zur Last oder sie müssen die Gemeinde verlassen, um wo anders eine Stellung zu suchen, oder umschichten oder.auswandern. Der Bericht gibt eine interessante Statistik über den prozentualen Anteil der Soziallasten am Gesamtetat der Gemeinden. Aus ihm geht hervor, daß die Gemeinden selbst bis zu 38 Prozent ihre gesamten Ausgaben für Wohlfahrtszwecke verbrauchen. In absoluter Zahl ausgedrückt heißt, das, daß auf den Kopf der jüdischen Bevölkerung allein von den Gemeinden bis zu fast 40 RM ausgewendet werden. Dazu kommen aber noch die Beiträge der Landesverbände und anderer Organisationen, so 'daß tatsächlich für die Bedürftigen viel höhere Summen ausgegeben werden. Diese Fürsorge für die Bedürftigen . beschränkt sich aber nicht nur auf die Sorge für Obdach und Brot. Der Zentral-Ausschuß kann von Kulturfahrten berichten, die von ihm zusammen mit dem Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden in die Kleingemeinden veranstaltet werden. Wie hungrig die Kleinstadtjuden aus solche Stunden der geistigen und künstlerischen Erhebung sind, beweist, daß der Besuch dieser Abende nie unter 60 Prozent, häufig aber fast 100 Prozent der Gemeindemitglieder betrug. Umfassend ist das Hilsswerk des Zentral- Ausschusses für die durch die Ereignisse betroffenen Berusszweige. Da sind die Wirtschaftshilfe und die Kredithilse, das Darlehenskassenwesen und der Vermittlungsdienst, die im wesentlichen dann einzugreisen haben, wenn Käufleute, Einzelhändler, Großhändler, Handwerker oder Vertreter in Schwierigkeiten geraten oder bei der Weiterführung oder dem Verkauf ihrer Geschäfte beraten sein wollen. Ihre Bedeutung steigt, je stärker der Lebensraum für die jüdische Gemeinschaft schrumpft, und es wird immer wichtiger, gerade diese kleinen und kleinsten Existenzformen zu erhalten und produktiv zu gestalten. Da sind die Arbeitsnachweise, deren Popularität bei Arbeitnehmern und Arbeitgebern in erfreulicher Weise zugenommen hat, die aber trotz allem, besonders was die männlichen kaufmännischen Angestellten betrisst, bei weitem nicht so viel Stellen vermitteln können, wie es Arbeitsuchende gibt. Da sind Hilfsmaßnahmen für besondere Berufsgruppen: die Selbsthilseaktionen, die Aerzte, Tierärzte, Zahnärzte, Apotheker und Hochschullehrer durchführen konnten, und die ein schönes Zeugnis von dem Gemeinsinn derer ablegen, die noch im Beruf stehen und aus ihren Verdiensten denen abgeben, die ihre Zulassung verloren haben. Nachdenklich stimmt hier die Altersstatistik, die zeigt, wie der akademische Nachwuchs bei den Juden Deutschlands im Zuge der Zeit aushören wird. Von 2145 Aerzten sind nur 191 unter 35, 272 bis 45 Jahre, 411 bis 55, 422 bis 65 und 349 über 65 Jahre alt. In den 0,9 Prozent, die unter 35 Jahre alt sind, sind noch einige Aerzte enthalten, die noch nicht approbiert sind, und ähnlich steht es bei den anderen akademischen Berufen aus. Die Arbeit der Jüdischen Künstlerhilse und des Reichsverbandes der Kulturbünde ist der Oessentlichkeit bekannt, soweit sie sich auf die Beschäftigung der Künstler durch Konzerte und anderes bezieht. Aber ihr wahrer Umfang wird erst deutlich, wenn man erführt, daß sich bis Ende Juli 1935 1881 Künstler bei der Künstlerhilfe gemeldet hatten. In 38 Fällen wurden Ausbildungszuschüsse zur Berufsumschichtung innerhalb künstlerischer Berufe gewährt, und häufig wurden Darlehen für Instrumente und Unterricht bewilligt. Je weniger man diesen zurückgehenden Berufen Helsen kann, um so wichtiger ist es, für die Heranwachsende Jugend zu sorgen. Die Reichsvertretung hat deshalb die Schulabteilung immer als eins ihrer wichtigsten Gebiete ausgefaßt. Sie konnte sich allerdings im Berichtsjahr 1935 im wesentlichen aus den Ausbau der schon vorhandenen Schicken, auf die Schulung der Lehrer, die Ausgestaltung und Planung des neunten Schuljahres beschränken, da. die Durchführungsbestimmungen über die von der Reichsregierung geplante Neuregelung der Schulversorgung der jüdischen Kinder noch ausstehen. Daß die Schulversorgung in den Kleingemeinden, die häufig recht versprengt liegen, besondere pädagogische und sürsorgerische Ausgaben stellt, die dem Schuletat zur Last fallen, mögen wenige Zahlen zeigen. Es wurden in dem Berichtsjahr 50 Schulen mit lausenden Subventionen und einmaligen Sonderbewilligungen bedacht. Fahrgeldbeihilfeu für die Kinder wurden gewährt, und auch Sprachkurse machten Extrabewilligungcn notwendig. Die Mittelstelle für jüdische Erwachsenenbildung, die mit der Schulabteilung der Reichsvertretung in engster Verbindung steht, hat ihre pädagogischen Ausgaben erweitert und vertieft. Sie veranstaltete in allen Teilen Deutschlands Lernzeiten für Erwachsene und hat, um einem Mangel abzuhelfen, einen fünfmonatigen Kursus zur Ausbildung hebräischer Lehrer für Erwachsene und Kinder eingerichtet. Für die Schulentlassenen gilt es, Lehrstellen zu finden. Obschon es nicht möglich ist, alle Jugendlichen, die zur Erstausbildung nach Schulabschluß gelangen, statistisch zu erfassen, da viele Eltern ihre Kinder im I eigenen Geschäft oder bei Freunden oder Verwandten ohne Vermittlung der Berussberatungsstellen unterbringen konnten, kann der Bericht für 1935 doch über 2587 Jugendliche Auskunft geben, 1302 Mädchen und 1285 Knaben. Diese Zähl ist deshalb interessant, weil die Sexualproportion hier normal ist, wie sie dem allgemeinen Zählenverhältnis von Knaben und Mädchen entspricht, während in der Berussumschichtung, die in den letzten Jahren die jüdische Oessentlichkeit immer wieder beschäftigt die Zahl der männlichen Betreuten im Inland 69 Prozent, nämlich 2508 der gesamten Umschichtler (3637) und in den ausländischen' Umschichtungsstellen für Juden aus Deutschland sogar 74,6 Prozent, nämlich 843 von 1131 Umschichtlern, ausmacht. Auch die Verteilung der Berufe ist bei den Jugendlichen, die zur Erstausöildung kommen, eine andere als bei den Umschichtlern. Während bei den Aelteren fast drei Viertel sich der Landwirtschaft und Gärtnerei zuwenden, erwählten 18,1 Prozent der Mädchen und 16,6 Prozent der Knaben in Erstausbildung kaufmännische Berufe. Allerdings wohl weniger aus Neigung als aus dem Mangel an Stellen für die handwerkliche und landwirtschaftliche Ausbildung. Die Schwierigkeit, solche Lehrstellen zu finden, hat in dem Berichtsjahr zur Schaffung von kollektiven Erstausbildungsstätten in Landwirtschaft und Gärtnerei an elf Orten für insgesamt 330 junge Menschen geführt. Mitunter traten Schwierigkeiten in der Ausrechterhaltung der Umschichtungsstellen ein. Aber im wesentlichen gelang es, wenn auch gelegentlich unter Wechsel der Ausildungsorte, die Ausbildungsmöglichkeiten zu erhalten. Ein Teil der Betreuten hat die Ausbildung abgeschlossen, nämlich 1628 in inländischen und 505 in ausländischen Ausbildungsstätten. Sie wurden durch neue ersetzt, so daß jetzt wieder 4768 Personen in Ausbildung sind, davon 3637 im Inland und 1131 im Ausland, während am 1. Dezember 1935 nur 4005 Berufsumschichtler in Ausbildung waren. Die altersmäßige Zusammensetzung dieser Umschichtler hat sich interessanterweise insofern geändert, als früher hauptsächlich ältere Menschen den Beruf wechselten, im Jahre 1935 aber im wesentlichen Personen zwischen 18 und 25 Jahren in diesen Ausbildungsstätten untergebracht wurden, was eine gewisse Erleichterung der. Arbeit zur Folge hat. So steht das jüdische Leben in seiner Mannigfaltigkeit und in seinem Lebensdrang aus den Seiten dieses Berichtes auf. Eine kritische Untersuchung der einzelnen Teile, die wir uns noch für Einzelabhandlungen Vorbehalten, wird vielleicht sestzustellen haben, ob der. Erfolg dem Aufwand an Geld und Arbeit in allen Teilen gleichmäßig entspricht, oder ob es gelegentlich notwendig ist, die Kräfte an anderer Stelle einzusetzen. Aber es bleibt der Gesamteindruck eines starken Willens, jüdisches Leben aus eigener Kraft zu formen. l/f AI l&cn tlf'A'CrUC IN ALLEN FÖHRENDEN WÄSCHE-GESCHÄFTEN KA.AUDtK-WAjV.nC WÄSCHEFABRIK ROSA KLAUBER / MÜNCHEN KLAUBER-WÄSCHE

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