Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936) - farbig
- Issue
- 9 (27.2.1936)
- Date
- 1936-02-27
- Page
- [Seite] (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Mentioned entities
- Abraham Berliner 1× ep/1011577
- Friedrich Katz 1× ep/1004548
- Gerhart Hauptmann 1× ep/1025102
- Gertrud von Le Fort 1× ep/1025296
- Herbert Sonnenfeld 1× ep/1026970
- Hermann Cohen 1× ep/1004894
- Hermann Struck 1× ep/1004902
- Hugo von Hofmannsthal 1× ep/1025150
- Jakob Wassermann 1× ep/1005248
- Jozef Israëls 1× ep/1026415
- Lovis Corinth 1× ep/1024896
- Maimonides 1× ep/1002614
- Mark Twain 1× ep/1025705
- Maurycy Allerhand 1× ep/1036584
- Richard Beer-Hofmann 1× ep/1006750
- Wolfgang Heine 1× ep/1023605
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G, Steuben, der im Siebenjährigen Kriege U tter Friedrich dem Großen gejochten und dann Mitkämpfer Washingtons und Organisator dss amerikanischen Heeres im Unabhängigkertsl^mps dauernden Ruhm erworben hat, und dem alten Achtundvierziger Karl Schurz, der aus der deutschen Heimat nach dem' Niederbruch der Freiheitsbewegung flüchten mußte, um für seine Ideale, gereist und geläutert, aus dem Boden dev Neuen Welt weiter zu>arbeiten- und^ zu kämpfen. „Auf die Frage von Goethes Iphigenie: Aann uns zum Vaterland die Fremde werden?' würde Schurz", so faßt Oncken sein Lebensbild zusammen, „aus tiefster, Ueberzeugung die Antwort gesunden chaben: ,Ja, wenn wir in der Fremde durch eigene Tat am Ausbau eines freien Staates mitzuarbeiten vermögen', den Einwand des Thoas aber: .Und dir ist fremd das Vaterland geworden', hätte er darum doch nicht gelten gelassen, denn er setzte für sich und seine Landsleute alles daran, um ein solches Fremdwerden zu verhüten." Während die meisten Arbeiten bereits früher an verschiedenen Stellen veröffentlicht waren, bringt die Sammlung am Schluß eine ganz, neue Untersuchung, die einem höchst umstrittenen Thema gewidmet ist: „Greys Kamps um den Eintritt Englands in den Weltkrieg." Sie wird zweifellos noch lebhafte Erörterungen Hervorrufen, denn sie vertritt die These, „daß Greh einen führenden Anteil an der Vorbereitung der Weltlage von 1914 hatte, und nicht minder, daß er während der Krisis des Ausbruchs in weitgehendem Maße aus den Eintritt Englands in den Krieg operierte". Gleichviel, wie man sich zu dieser These stellen mag, muß man die methodische Schärfe und bas umfassende Wissen bewundern, mit der Oncken sie vertieft und den verwickelten Sachverhalt in allen Einzelheiten darlegt. Aber er verfällt nicht in den Fehler, den er den Gegnern Deutschlands mit Recht zum Vorwurf macht und lehnt es ab, die These der „englischen Schuld" auszustellen. E.E. Rudolph Wahl: Canossa. Verlag S.Fisclier 2935. Aus dem von Gießbachschluchten zerrissenen, Unwirtlichen Plateau des zur Po-Ebene abfallenden Apenin erhebt sich der steile Canossafelsen, ragendes Mahnmal der welthistorischen Auseinandersetzung zwischen den beiden, die mittelalterliche Welt beherrschenden politischen Gedanken: Anerkennung der kirchlichen Weltherrschaft, gestützt /auf die Autorität des römischen Papstes oder ' Weltherrschaft des universalen Imperiums des /deutschen Kaisers. Im Kampfe um den Sieg ''dieses oder jenes Gedankens ist der Gang nach Canossa nur eine Episode, die aber durch die Größe und Wucht der' beiden Gegenspieler zum ^welthistorischen Symbol geworden ist. Rudolph Wahl,, dessen neuartige literarische Gestaltung Karls des Großen schon außerordentliche Beachtung fand, ■ nimmt den erbitterten Kampf um die Verwirklichung der beiden politi- . scheu Prinzipien zum Vorwurf für sein durch wissenschaftliche Tiefe und glänzenden romanhaften Strl fesselndes Werk: Canossa. Vom Hintergründe der die Zeit bestimmenden Ideen und Geschehnisse Heben sich in farbenprächtiger Zeichnung die Vertreter der beiden miternander ringenden Richtungen ab, geführt von dem deutschen Kaiser Heinrich IV., aus dem Geschlechte der Salier, und dem römischen Papst Gregor VII., der Ueberckieferüng nach aus dem jüdischen Blute der Pierre ' Leone . stammend. (Die „Legende" dieses Geschlechtes hat vor einigen Jahren Gertrud von Le Fort in balladesker Form in dem Roman „Der Papst aus dem Ghetto" erzählt.) Wahl geht in .. Aus den Katalogen „Die besten Freunde der Menschen sind ihre - Bücher. Sie reden nur, wenn sie befragt, und dann sprechen sie nur mit ihnen allein. Sie zürnen auch nicht, wenn man sie immer wieder von neuem in Anspruch nimmt, za, sre danken . es,, daß man sie so liebt. Wer würde nrcht viele solcher Freunde sein eigen nennen?"; Mit diesem. Goethe-Wort versendet dre Berliner Buchhandlung Martin Salomon. ihren Katalog. Er konzentriert sich in der Hauptsache aus jüdische Bücher, neben Bibelübersetzungen, ' Lexika und Lesebüchern, aber auch Standardwerke zur Geisteswissenschaft, wie Ernst C a s s i r e r s „Goethe und die geschichtliche Welt", oder Werke des Maimonides und Veröffentlichungen über seinen Einfluß und seine Welt. Auch das Antiquariat Heinrich Rosenberg (Berlin W 50) bringt im Verzeichnis 61 jüdische Dinge.. Die Manessische Handschrift, die zu den . kostbarsten und schönsten Bilderhandschriften des Mittelalters gehört und uns Juden in bedingtem Maße zu , interessieren vermag, liegt in der Faksimile-Ausgabe des' in Heidelberg befindlichen Originals in vielfarbigem Lichtdruck vor, in Schweinslederband auf Holzdeckeln; man . bewundert ,. die geradezu vollendete Technik dieser .Wiedergabe. Außerdem nennt der Katalog ein Meisewerk über Palästina, aus-der Zeit um 1690. mit Titelkupfer, Kupsertaseln und Karten sowie mit der Angabe des. Verlagsortes Amsterdam. Werke zur Literaturgeschichte, zur Astronomie, zur Chemie, zur Gästrosophie und Philosophie füllen den Kätalög in umfassender Weise. Modernes Antiquariat bietet „Das Bücher- Kabi nett" (Berlin W62) an. Es geht dabei um Kunstgeschichte aller Zeiten und Völker. Van Goghs Briese finden sich neben den von Hans v. Marse, und Corinths Selbstbiographie steht neben dem Nachlaß der Paula Becker-Modersohn. Unter der im C a s s i r e r - V e r l a g erschienenen Reihe „Die Kunst des Ostens" ist manches vorhanden, was im Handel nicht mehr zu haben ist.. Das Bücherparadies Friedrich Katz bietet im Antiquariatskatalog Nr. 13 Bücher aus allen Ge- Hermann Struck zum 60. Geburtstag Hermann Struck, der Sechzigjährige, ist ein Meister des Bildnisses. Schon im Jahre 1903 . entstehen die berühmt gewordenen Köpfe jüdischer. Gelehrter, von Steinthal, Goldzieher, Hermann Cohen, von Lazarus, von Abraham Berliner, dem Dozenten am Rabbinerseminar der Neichshauptstadt. Karl Schwär z, / der den -Katalog der Struckschen Radierungen, seinerzeit - bearbeiten Phot. Herbert Sonnenfeld, .Berlin konnte, hat der Frage der Signaturen auf diesen Blättern besondere Beachtung geschenkt und festgestellt, daß alle diese Porträts, vor allem der Herzl-Kops, den Davidsschild tragen zusammen mit den Initialen des Künstlers H. S. und seinem hebräischen Namen Chaim Aron ben David. Wohl konnte mau allerhand Varianten dieses Signums beobachten, so begegnet der hebräische Name im Jahre 1904 aus der Srruckschen Radierung von Gerhart Hauptmann, Richard Dehmel oder Arthur Nikisch. Es scheint eine treffende Bemerkung des Biographen Adolph Donath zu sein, der einen Unterschied künstlerischer Art in den Arbeiten der Zeit von 1904 bis 1920 heraussühlt:. „Während er sich 1904 müht, Hauptmanns Dichterernst und Dehmels Gedanklichkeit bis zum feinsten und kleinsten Zug auf die Platte zu projizieren, und er 1908 unter anderem Ernst Haeckel zeichnet und seinen geliebten Jozef Israels-, haben seine Porträts von 1920 ein: wesentlich anderes Antlitz. In den Bildnissen von Richard Beer- Hofmann, Arno Holz, Wolfgang Heine und' Lövis Corinth ist Nebensächliches vermieden, ausgeschaltet. Hier ist die Persönlichkeit des Modells mit ein paar Strichen ersaßt, blitzartig geformt und mit einer plastisch beseelten Einfachheit radiert, die unübertrefflich scheint." der geschichtlichen Auffassung Heinrichs IV. und seiner Fahrt nach Canossa, wo er Lösung von dem auf ihm lastenden Bann durch den Papst erstrebt und erreicht, seine eigenen, vielleicht manchmal eigenwilligen Wege — und so kommt er zu einer sicherlich nicht allseitig anerkannten Deutung des schicksalhaften Tages vom Januar 1077. Aber-die blendende Darstellung der Zeit, der sie erfüllenden Ideen und ganz besonders ihrer Träger ist. derbieten an, unter anderem eine Folge neuer Dichtungen unter dem Motto „Der Jüngste Tag". Kafka, Brod, Rubiner, Werfel, Sternheim und andere kommen ha zu Worte. Das Verzeichnis II,. das die Galerie Commeter (Hamburg) versendet, enthält moderne Originalgraphik. Corinth, Käte Kollwitz, Menzel, Pissarro und Liebermann interessieren in der Hauptsache. Eine farbige Originallithographie von Pissarro, „La Charrue",, auf gelblichem Papier, in der Literatur erwähnt,'erfreut neben Renoirs Bildnis von Paul Cszanne, einem breitrandigen, prachtvollen Probedruck por der lithographischen Inschrift. Von Liebermann nennt dieses Hamburger Haus allein zwanzig Blätter sein eigen, darunter das Porträt Bialiks und Dr. Wolfssons, das Bildnis Theodor Fontanes und das von Arno Holz. . Katalog 255 der Berliner Firma R. L, Prager umfaßt Enzyklopädien, Sammelwerke, Festschriften, ferner gesammelte Schriften aus dem Gebiet der Rechtswissenschaft, Staatswissenschaft und Geschichte. Während das Verzeichnis 256 Kulturgeschichte, Vorgeschichte und im Anhang Reisewerke nennt. Für den Sammler wertvoll das Stichwortregister aus der letzten Seite des Kataloges! Unter den Wiener Sendungen diesmal sehr instruktiv Katalog VII von Heinrich H i n t erbe r'g er. Autographen und historische Dokumente in reicher Fülle mit einem Anhang „American Autographs“, in dem Namen wie A. Stevenson, Abraham Lincoln, Alfred Tennyson, Mark Twain, David Austin begegnen. — Während das W i e - nerAntiquariatV. A.Heck im Verzeichnis Nr. 65 allein von Autographen berichtet. Da schreibt Hugo von Hofmannsthal an Direktor Hans Sonnenthal über den „Jedermann" aus London, da findet man auch ein Konvolut von 62 Briefen, eigenhändig geschrieben und „Hugo" signiert, die Korrespondenz Hosmannsthals mit einer Jugendfreundin, Baronin Elisabeth N..., späterer Gräfin H.., aus den Jahren 1894 bis 1908. Da auch bittet der Bankier Salomon' Rothschild, der Sohn von Meyer Amschel, Per das Wiener Bankhaus -von 1774 bis 1855 führte, den Adressaten, Herrnvon Wenn man einmal Gelegenheit hat, Arbeiten Hermann Strucks aus der letzteren Zeit des Schaffens zu sehen, so lernt man den Umgang mit der „Kalten Nadel" nicht nur eingehender kennen, sondern in den eindrucksvollen künstlerischen Ergebnissen besonders schätzen. In diesen Kalt-Nadel- Arbeiten hat der Meister seine Modelle direkt von der Natur mit der Radiernadel' in die Platte „geschnitten" und das Meßverfahren völlig außer acht gelassen. Aber trotzdem entbehren diese Blätter nicht der malerischen Wirkung, und dies schließt eine große Beherrschung alles Technischen ein. Struck hat selbst ein Buch herausgegeben: .-„Die Kunst des Radierens", in welchem er theoretische und praktische Studien mit literarischen ■ Fragen - verknüpft-. Wie. .er überhaupt -als I llustrator von sich .reden macht;-dies berichten seine „Skizzen aus Litauen, Weiß-Rußland und Kurland", zu denen Herbert Eulenberg einen Text Verfaßte, oder „Die . Kriegsgefangenen", die F. v. Lus ch a n einleitete. Lithographien im allerbesten Sinne haben wir in diesen beiden Werken vor uns, wieder sind es Köpfe, die warm dem Leben abgelauscht sind und jenes geistige Moment hervortreten lassen, das sich im Werke Hermann Strucks neben allem Künstlerischen wie ein - ewiger Faden heraushebt-. - Neben dem Porträtisten jedoch steht der Landschafter. Auf. der ersten. Palästinafahrt malt er Jerusalem, die Ruinen von Nazareth, die Palmen von Jasfa> die Patriarchengräber von Hebron. Zeichnungen und Radierungen bietet das oeuvre des heute Sechzigjührigen in reicher Fülle. Ein Malerpoet stellt sich uns vor, auch in der-Venezia- Reihe-aus dem Jahre 1910. Diese Landschaften haben vor anderen Ansichtender Lagunenstadt voraus, daß, sie Venedig einmal von einer anderen Seite zeigen. Vor allem geht es Struck um ein ganz verändertes Format bei diesen italienischen Radierungen. Er zwingt nämlich die Architektur und die ganze Atmosphäre dieser Stadt in ein winziges Format, gleichsam hält er damit ihren Renaissancecharakter fest, indem die Form der Vignette gewählt wird. Trotz dieses äußerlich engen Rahmens lassen aber die - Veduten vom Rialto wie'Lebendigkeit und das Stimmungsvolle nicht vermissen, und diese Verbindung von Form und Inhalt ist irr diesem Falle besonders beachtenswert. In. vielen Ländern radierte der Meister die Landschaft. In Holland zeichnet er die weiten Ebenen mit den fetten Kühen und die ganze Atmosphäre dieses Landes,, das Unzählige vor ihm auf die Leinwand gebracht haben. In Dänemark zwingen ihm die Dünen den Stift in die Hand, er radiert in der Schweiz und in Schweden, überall ersaßt er den Charakter der Landschaft. In den Jahren 1912—1913 arbeitet er in Amerika. Er skizziert dort, wie Donath berichtet, den jüdischen Zeitungsverkäuser genau so wie den Chinesen, den Neger genau so wie den Mann der New-Yorker Gesellschaft. Er porträtiert Noosevelt wie den Bankier Schiss und bereichert damit die große Zahl seiner Bildnisse, die uns besonders wertvoll sind. _ Dr. Olga BIocli. Die Liebermann-Gedächtnis-Ausstellung im Bcr- . liner Jüdischen Museum, Oranienburger Straße 31, ist nur noch kurze Zeit geöffnet. Besuchszeiten: Montags bis. Donnerstags 10 bis 18 Uhr, Freitags und Sonntags 10 bis 14 Uhr. Eintritt 0.50 RM. Jugend- ' liche erhalten Ermäßigung. Erwerbslose und Schüler: . 0,10 RM. gestalt, daß Mahls Buch für den Leser — den historisch gebildeten sowohl als auch den nicht genügend informierten — nicht nur neues Wissen um eine der bedeutsamsten Epochen in der politischen und geistesgeschichtlichen Entwicklung der europäischen Kulturwelt vermittelt, sondern ihn - auch in jene dauernde Spannung versetzt, die. . gerade bei einem wissenschaftlichen Werke Beweis künstlerischer Gestaltung ist. Dr. E. Fr—1. Vivenoh den Ueberbringer der Zeilen, Herrn Beer, beim Grasen Czernin einführen zu wollen. Da auch bekennt Jakob Wassermann am 28. November 1906: „Ich liebe im allgemeinen nicht, Romane zu lesen, nur wenige der Neueren vermögen mich in dieser Kunstgattung zu fesseln, ich greife gern nach dem Alten und suche -langvertraute Bilder der Meister der verblaßten Erinnerung wieder nahe zu. führen ... Ich bin ein Mensch ohne ' sogenannte gymnasiale Bildung: vielleicht rührt es daher, daß mir die Klassiker der Griechen im Alter eingetretener Reife immer Erlebnisse von unvergleichlicher Bedeutung wurden . . ." Gilhofer und Nanschberg in Wien bietet im Katalog Nr. 255 eine österreichische Schloßbibliothek zum Verkauf. Ein sehr schön 'bebildertes Verzeichnis mit 896 Nummern und 8 Tafeln! . Während C. E. Nappaport in Rom im Katalog Nr. 81 Bibliographie, im ganzen 280 Nummern, anbietet, und Taußig und Taußig in Prag bibliophile Wünsche jeder Art zu erfüllen verheißt. Alte und neue Bücher in 410 Nummern legt die Firma No th. u n d Cie. in Lausanne vor, während das Pariser Haus Victor L e m a s l e 252 Autographen am Lager hat. Dr. 0. B. „Kommen Sie, Cohn...“ Der Wann, an den sich die wohl bekannteste Fontane-Anekdote knüpfte, weilte bis vor wenigen Tagen unter uns. Noch immer konnte man den 72jährigen, den „alten" und doch so jungen Fritz Theodor Cohn tagtäglich von seiner Zehlendorfer Villa nach Berlin fahren sehen,' in das etwas antiquierte Büro, in dem so viele großzügige Pläne gewälzt wurden. Der schlichte Mann war einst auch der Verleger Theodor Fontanes^ , Als - Fontane den 75. Geburtstag beging, durfte er erwarten, an der Bankettasel die Ver- Louis Oppenheim Jemand erzählte, er wäre zum erstenmal als Kind in Berlin gewesen, aber die Berliner Eindrücke hätten sich ganz verwischt; als er nach vielen Jahren wiederkam, war ihm alles neu und unbekannt. Da kam er irgendwo an einem unscheinbaren grauen Haus vorbei, und an einer Wand klebte verblaßt und zerrissen ein . altes . Plakat. Aus einmal erwachte in ihm die Erinnerung an seinen ersten Berliner Aufenthalt, er erkannte das Plakat wieder. Drei Muselmänner mit leuchtenden Turbans und charakteristischen Profilen, jeder hatte eine Zigarette im Mund 'und zusammen warben sie für die Marke „Problem Moslem". Und wie man an einer flüchtigen Geste zuweilen einen längst vergessenen Menschen wiedererkennt, so erkannte er jetzt vor den „drei Muselmännern" Berlin wieder. Diese kleine Begebenheit sollte unseren Nachruf aus Louis Oppenheim einleiten, weil sie uns wie ein charakteristisches, gesprochenes Plakat für sein Schassen erscheint. . Louis Oppenheim war schon vor dem Kriege ein vielversprechender Plakatzeichner, unter seinem Signum „So" erschienen während des Krieges die Kriegsanleiheplakate, und weiter blieben in der Nachkriegszeit. seine Arbeiten ■ von gleich starker Wirkung. Das spricht für sein ausgezeichnetes Können, denn viele seiner Kollegen mit ähnlichen Vvrkriegsansängen gingen in der neuen Epoche unter. . In seinen Plakaten überwiegt das-rein Zweckmäßige, es gibt fast jedem die für Oppenheim entscheidende Note. Der echte Werbe-Jnstinkt des Reklamezeichners, der direkt auf das Objekt losgeht, ' ohne Umwege, prägnant und klar, zielsicher und durchdacht, mit viel Humor und glänzender zeich- ‘ nerischer Fähigkeit. Die manchmal beinahe pedantisch sorgfältige Ausführung läßt ihn in seinen Mitteln doch immer puritanisch sparsam sein. Hunderte von Markenzeichen, Markenzeichen für Brauereien, Likörfirmen, Holzsirmen, Margarine, Textilindustrie und so weiter und so weiter, beweisen immer wieder seinen Sinn für Ausgeglichenheit der Formen in originellster und doch naheliegender Weise. Wer erinnert sich nicht an die zwei 88 in dem Firmennamen Massen, die einmal zwei skilaufende Mädchen, einmal zwei frühlingsbehütete Mädchen, einmal zwei Osterhasen vorstellten; wie viel sichere Lustigkeit verrät der Einfall! Oder die Plakate, . die den Mahnruf „Mehr Milch!" ertönen ließen! Drei Gläser Milch, jedes Glas von einer Hand gehalten, das heißt, eine Frauen-, eine Männerhand und zwei Kinderhände strecken die Milch so verlockend und appetitlich, so sauber und gesund einem entgegen, daß der verbittertste Milchabstinenzler sich dieser Werbung nicht verschließen könnte. Und wie frischgewaschen war die Familie „Schneeweiß" in ihrem Tennisdreß, hell und freundlich kon- - trastierte sie zu ihrem eigenen Schatten, wie überzeugte sie einen von der Qualität des Waschmittels, das sie benutzte. Der Blickfang ist jedesmal überraschend getroffen. Louis Oppenheim hat voll erfüllt, was man mit großen Ansprüchen von einem Gebrauchs- ' graphiker erwarten kann. Was und wie viel das ist? Man muß sich dazu den Begriff „Gebrauchsgraphik" klarmachen, man muß wissen, welches Können die Voraussetzung zu ihr ist, und man muß den Mut haben, die Grenzpsähle, die so manche zwischen diesem Können und Kunst einschlagen, sortzuräumen. Die C.-V.-Zeitung verliert in Louis Oppenheimer den Schöpfer seiner Zeitungsköpse. Auch den Umschlag des „Morgen"' früher und jetzt hatte er entworfen. G. H. treter jener märkischen Adelsgeschlechter zu finden, die der Dichter so oft gefeiert hat. Fontane trat in den Saal und schaute sich Um. Doch da war keiner dev Erwarteten. Fontane zuckte die Achseln und mit den Worten: „Kommen Sie, Cohn" schob er den Arm unter die Schulter des - Nächsten, um sich zum Ehrenplatz geleiten zu lassen. Seither sind 42 Jahre vergangen. Den also Angeredeten nahm nun ein Herzschlag leise hinweg. Vielleicht klang in jenem letzten Augenblick von irgend wo eine Stimme: „Kommen Sie, Cohn. . ." Englische Stipendien für Gelehrte aus Deutschland In der Royal Society fand unter dem Vorsitz von Lord Rutherford eine Versammlung des akademischen Hilfsrates statt, bei der über die wegen ihrer Rassenzugehörigkeit in Deutschland entlassenen jüdischen Gelehrten berichtet wuHe. Es wurde beschlossen, eine Gesellschaft für den Schutz der Wissenschaft und des Studiums zu schaffen, die auf breiterer Basis die weiterhin notwendige Arbeit des akademischen Hilfsrates sortsühren soll. Mit dem Ausdruck der' Dankbarkeit nahm der-Rat zur Kenntnis, daß Herr und Frau Simon Marks, Herr und Frau Israel M. Siefs, Herr und Frau Harry Sacher, Herr und Frau L a s k i und Fräulein Mathilda Marks für eine Zeit von fünf Jahren zwei Forschungsstipendien in der Höhe von je 450 Pfund jährlich für aus Deutschland ausgewanderte Gelehrte gestiftet haben. Eines dieser beiden Stipendien wurde nach Beratung mit der Royal Society für drei Jahre dem früher an der Universität Güttingen tätig gewesenen Dr. Walter Heitler gewährt, um es ihm zu ermöglichen, an der Universität Bristol seine Forschungen auf dem Gebiet der theoretischen Physik fortzusetzen. Die Zuteilung des zweiten Stipendiums soll , in nächster Zeit erfolgen. Ein drittes Stipendium stiftete der Rat aus seinen allgemeinen Mitteln für die nächsten drei Jahre und erteilte es deni früheren Ehefarchivar und Direktor der Forschungsabteilung für Kulturgeschichte im Geheimen Staatsarchiv in Potsdam, Dr. Veit Valentin, um ihm die Fortsetzung seiner Arbeiten über deutsche Geschichte am Londoner Ilniversity College zu ermöglichen.