Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936) - farbig
- Issue
- 9 (27.2.1936)
- Date
- 1936-02-27
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Einwanderungsmöglichkeiten in der Welt Einer Darstellung des Hilfsvereins der Juden in Deutschland entnehmen wir folgendes: Die wanderungspolitische Lage steht zurzeit im Zeichen mehrfacher Gegensätze. In wirtschaftlicher Hinsicht besteht vor allem der große Kontrast zwischen der fortschreitenden Erholung der wichtigsten überseeischen Einwanderungsländer, wie Südafrika, Brasilien, aber auch Argentinien, Australien, Kanada und nicht zuletzt den Vereinigten Staaten und der säst unverändert schweren Wirtschaftskrise in vielen europäischen Ländern, die noch 1933 das Ziel Tausender von Juden aus Deutschland waren. Der Bericht geht auf die Lage in den einzelnen europäischen Ländern ein, um sodann ausführlich über die Uebersee-Situation zu referieren. Im Gegensatz zu den Wirtschaftsnöten und geringen Einwanderungsmoglichkeiten fast aller europäischen Länder bieten wichtige überseeische Staaten das Bild schneller Erholung, ja teilweise völliger Ueberwindung der Wirtschaftskrise. Bor allem steht Südafrika augenblicklich in einer Periode der Hochkonjunktur, wie sie das Land kaum jemals erlebt hat. Diese Tatsache hängt mit der Aufgabe , des Goldstandards durch den Psundblock zusammen, wodurch die südafrikanische Goldproduktion (infolge des gestiegenen Goldpreises) zu außerordentlicher Aktivität angestachelt wurde. Insbesondere der Baumarkt ist zurzeit ungemein lebhaft, so daß gelernte Handwerker in diesen Branchen leicht und zu verhältnismäßig hohen Löhnen Arbeit finden; aber auch in der übrigen Industrie wirkt sich der Aufschwung des Landes stark aus. Diese Tatsache ist für die jüdische Einwanderung aus Deutschland von um so größerer Bedeutung, als ja Südafrika für die in den Grenzen des heutigen Reiches geborenen Juden verhältnismäßig leicht zugänglich ist. d. h. es wird im allgemeinen nur ein Borzeigegeld von mindestens 100 Pfund Sterling bei der Landung verlangt. Tatsächlich ist auch in den letzten Monaten die Einwanderung nach Südafrika (die schon bis Ende 1935 mindestens 2000 deutsche Juden ins Land gebracht hatte), sehr stark gewesen; doch bietet die Immigration der letzten Zeit sehr große Schwierigkeiten der Unterbringung, weil trotz aller Warnungen eine große Zahl von Kausleuten, für die im Lande Betätigungsmöglichkeiten kaum vorhanden sind, neu eingewandert ist. Infolgedessen sind die Löhne für kaufmännische Angestellte stark gefallen, und die'Aussichten, bald Arbeit zu finden, sind schlecht. Dagegen ist für Handwerker, qualifizierte Arbeiter und Ingenieure Südafrika nach wie vor ein ungemein aussichtsreiches Gebiet. In den großen Staaten Südamerikas, besonders in Brasilien und Chile, besteht zurzeit ein starker Kontrast zwischen dem schnellen Wirtschaftsaufschwung auf der einen Seite und den noch fast unverändert fortbestehenden rigorosen Einwanderungsbeschränkungen auf der anderen. Fast alle füdanrevikanischen Länder sind zurzeit vom Tiefpunkt der Krise schon weit entfernt; von Brasilien — dem aus natürlichen Gründen weitaus zukunftsreichsten Lande des füdamerikanischen Kontinents — wird man ohne Uebertreibung sagen können, daß die Krise vollkommen überwunden ist. Leider ist aber eine Ausnutzung der durch den Wirtfchaftsaufschwung dieser Länder gegebenen Arbeitsmöglichkeiten für deutsche Inden zurzeit nur in sehr beschränktem Umfange möglich, weil die strengen Einwanderungsvorschriften nur einer kleinen Zahl von jüdischen Einwanderern die Landung gestatten — praktisch gesprochen fast nur denen, die entweder drüben nahe Verwandte (in Brasilien können auch Freunde die notwendigen Anforderungsschreiben ausstellen) oder erhebliche Geldmittel besitzen. Es steht aber zu hoffen, daß die fortschreitende Expansion der Wirtschaft zu einer Lockerung der. Einwanderungsbestimmungen führen wird; ist doch insbesondere in Brasilien bereits ein ausgesprochener Arbeitermangel in manchen Zweigen fühlbar. (Trotzdem ist in Brasilien. augenblicklich, wie das ausgezeichnete neue Informations-Bulletin der HICEM mitteilt, infolge der letzten politischen Ereignisse sogar die Ausstellung von Anforderungsschreiben für Einwanderer sehr erschwert worden; doch handelt es sich hierbei jedenfalls nur um eine kurzfristige Ausnahme.) Im ganzen wirkt sich in den s ü d a m e r i ka - nischen Ländern jetzt die Tatsache aus, daß diese früher fast ausschließlich Agrarprodukte exportierenden und Jndustriewaren einführenden Länder gerade durch die Wirtschaftskrise zur schnelleren Industrialisierung gezwungen wurden; denn bei dem niedrigen Preisstand solcher Standardprodukte, wie Kaffee, Weizen, Wolle usw. reichten die Erlöse nicht zur Bestreitung der üblichen Jndustrie-Einfuhrmengen aus. Durch diese Entwicklung, die durch die Zollpolitik der meisten Negierungen zielbewußt gefördert wird, werden zweifellos die wirtschaftlichen Aussichten für eine so überwiegend städtische Einwanderung wie die der Juden aus Deutschland außerordentlich vergrößert. Im einzelnen scheint es, als ob zu den bisher schon in größerem Maße von der jüdischen Einwanderung berührten südamerikanischen Ländern Argentinien, Brasilien und Chile neuerdings auch einige wenige fortgeschrittene, aber ebenfalls aussichtsreiche Staaten, wie vor allem Kolumbien und Peru treten würden; sind doch in Kolumbien die Einwanderungsbedingungen für die in Deutschland geborenen Juden verhältnismäßig leicht zu erfüllen (es wird nur ein Borzeigegeld von 100 kol. Dollars verlangt), und die bisher vorliegenden Berichte sind aus beiden Ländern überwiegend günstig. Was die Vereinigten Staaten betrisst, so ist in letzter Zeit die schon vorher nicht leichte Einwanderung eher noch mehr erschwert worden; jedenfalls zeigen sich die amerikanischen Konsulate bei der Erteilung der Visen zurzeit außerordentlich zurückhaltend. So aussichtsreiche und dünn bevölkerte Länder wie Kanada, Australien und Neuseeland bleiben nach wie vor jüdischen Emigranten aus Deutschland fast ausnahmslos verschlossen. Sind also im Augenblick die Einwanderungsmöglichkeiten noch sehr beschränkt, so darf man, insbesondere im Hinblick aus die rasche Erholung der großen südamerikanischen Länder, eine Besserung der Lage für eine nahe Zukunft erhoffen. Unverändert bleiben freilich die aus der Berufsgliederung der Juden jn Deutschland erwachsenden auswanderungspolitischen Schwierigkeiten; denn während für Handwerker, qualifizierte Arbeiter und Landwirte und vielfach auch für weibliches Personal in Südafrika wie in den meisten südamerikanischen Ländern sehr befriedigende Aussichten vorhanden sind, ist die Unterbringung von Kaufleuten, selbst wenn sie ausreichende Sprachkenntnisfe haben, schwierig, und die von Akademikern (mit Ausnahme der Ingenieure und Chemiker) ein noch viel heikleres, ja oft unlösbares Problem. Die sich hieraus ergebenden Forderungen für die Berufsausbildung der jüdischen Jugend liegen auf der Hand. Ein neuer HICEM-Bericht Die Leitung der Auswandererhilfsgesellschaft HICEM in Paris veröffentlicht in ihrem Februar- Bulletin Mitteilungen über Einreise- und Niederlassungsmöglichkeiten in einer großen Reihe europäischer und außereuropäischer Länder. Den Berichten aus Nord- und Südamerika sind zum Teil Aufstellungen über die von den dortigen Hilfskomitees und Organisationen im vergangenen Jahr zugunsten der Einwanderer geleistete Arbeit angcfügt. Die Ksdrerv Llleltsring anä Immigrant Aid Society of America (HIAS) hat von den 8983 Juden, die vom 1. Januar bis 30. September 1935 in die Vereinigten Staaten eingewandert sind, 2723 Personen Hilfe geleistet, bevor sie mit ihren in Amerika bereits ansässigen Verwandten in Verbindung getreten waren. In den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres hat das Auskunftsbüro des Verbandes 73 055 Anfragen beantwortet und das Einwanderungsdepartement hat 2292 Affidavits oder Visa-Anforderungen zum großen Teil für Juden aus Deutschland vorbereitet. Die Einbürgerungsäbteilung hat 3701 Personen die Erlangung der amerikanischen Staatsangehörigkeit ermöglicht. Neben einer umfassenden Wohlfahrtsarbeit in den Vereinigten Staaten selbst hat HIAS für verschiedene Arbeiten im Ausland Beihilfen im Gesamtbeträge von .. 697 480 Dollars gewährt. In enger Verbindung mit MAS steht die Gesellschaft JIAS (Jewish Immigrant Aid Society öl Kanada). Diese Gesellschaft leitet Zentral die Auswandererhilfsarbeit in Kanada. Sie hat 1935 in 3243 Füllen zugunsten von Einwanderern in Nechtsangelegenheiten interveniert, 298 Personen materiell unterstützt, 140 Personen das Visum nach den Vereinigten Staaten beschafft, 684 Visa für Neueinwanderer besorgt, 12 000 Anfragen beantwortet und bei 498 Einbürgerungen mitgewirkt. Sehr aufschlußreich ist der Bericht der in Argentinien arbeitenden Gesellschaft SOPROTIMIS (Societe de Protection aux Immigrants Israelites). 1935 wurden von der Gesellschaft 954 Einwanderer,^ um 230 mehr als 1934, ausgenommen. Am stärksten ist die jüdische Einwanderung noch immer aus Polen. Sie machte 81 Prozent der von der Gesellschaft betreuten Personen aus. Aus Polen kamen 779 Einwanderer, aus Deutschland 60, aus Frankreich 33, aus Rumänien 18 usw. Die Gesamtzahl der Einwanderer aus Deutschland ist jedoch höher, da ein Teil von ihnen direkt vom Hilfsverein der Juden in Deutschland abgefertigt wurde. Nach der Statistik des Staatlichen Einwanderungsamtes sind 3159 Juden, davon 2522 polnischer und 272 deutscher Staatsangehörigkeit, 1935 in Argentinien angekommen. Hierzu müssen jedoch noch als Touristen eingetroffene Personen gerechnet werden, die nachträglich die Aufenthaltserlaubnis erhielten. Ein Beschluss de« norwegischen Parlaments In einem Communiqus des Londoner Büros des Oberkommiffariats für Auswandererfürsorge wird mitgeteilt, daß der norwegische Storting dem Oberkommissariat einen Beitrag von 5000 norwegischen Kronen (250 Pfund) bewilligt und den Wunsch geäußert hat, daß das Geld vorzugsweise zugunsten nichtjüdifcher Fonds für die Ansiedlung nichtjüdischer Auswanderer zugeführt, der durch eine von den Kirchen organisierte Sammlung aufgebracht wird, zum Teil den Organisationen der Quäcker und dem Internationalen Gewerkschaftsbund für Zwecke sofortiger Nothilfe für christliche und politische Flüchtlinge in Paris und Prag. Im Sommer vorigen Jahres hat die schwedische Negierung dem Oberkommissariat einen Beitrag von 500 Pfund bewilligt. Hiervon wurde der größere Teil für die Erforschung von Niederlassungsmöglichkeiten in Südamerika verwendet. Der Rest wird in ähnlicher Weise aufgeteilt werden wie die neue norwegische Subvention. Oer dritte Mann Am 21. Februar ist das dritte Mitglied der nach Amerika entsandten englisch-jüdischen Abordnung, Simon Marks, an Bord der „Berengaria" in Southampton eiugetrossen. Die beiden anderen Mitglieder der Abordnung, Viscount B e a r st e d und Sir Herbert Samuel, sind, wie wir berichtet haben, schon vor einer.Woche nach England zurückgekehrt. Bei feiner Ankunft äußerte sich Simon Marks kurz über die Ergebnisse der von den englisch-jüdischen Führern. unternommenen Amerikareise. Die jüdische Gemeinschaft Amerikas, erklärte er, folge geschlossen aus dem von England gezeigten Weg. Die Juden Amerikas und- Englands seien einig in der Bemühung für die Juden Deutschlands, um sie in Palästina und anderen Ländern anzusiedeln. Die Mitglieder der Abordnung seien befriedigt über die Aufnahme, die sie in Amerika gefunden haben. Ihr Besuch sei für die dortigen Juden sicherlich ein Ansporn gewesen. „Wir sind überzeugt", sagte Simon Marks, „daß sie ihre Ausgabe erfüllen, d. h. zwei 'Millionen Pfund in den nächsten zwei bis drei Jahren für den Plan aufbringen werden. Selbstverständlich ist zu hoffen, daß in England und Europa' eine weitere Million aufgebracht wird. Wir haben Beratungen mit den zionistischen Organisationen und dem Joint Distribution Committee abgehalten und in St. Louis sprachen wir zu den Vertretern der jüdischen Interessen aus den bedeutendsten Städten der Vereinigten Staaten." * Der Schatzmeister der Exekutive der Jewish Agency, Elieser Kaplan,, und der Generaldirektor der Anglo-Palestine-Bank, S. H o o f i e n, sind bereits nach London abgereist, um als Mitglieder einer Delegation der Jewish Agency an den Verhandlungen über die Schaffung des Council for German Jewry, der von Sir Herbert Samuel, Lord B e a r st e d und Simon Marks geplant wird, teilzunehmen. Am 29. Februar reifen der Präsident der Jewish Agency und der zionistischen Organisation Dr. Chaim W e i z m a n n und der Leiter des Kolonisationsdepartements Dr. Arthur R u p p i n gleichfalls zur Teilnahme an diesen Verhandlungen nach London ab. Lenden Lle mir bis auf Widerruf die C.-V.-Zeitung 33 Pfennig zuzüglich einer einmaligen Verspätungsgebühr von 20 Pfennigen zahle ich für den Monat März bei Vorlage der Postquittung an den Briefträger. Name: . Ort:.-. Strasse:.....-. Datum:..- Ausschneiden und mit 3 Pfg. frankiert senden an, C.-V.-Zeitung, Vertrieb, Berlin W 15, Emser Str. 42 J 2 Oliva 8141. Professor Arnold Netter Präsident der Alliance Israelite Universelle Zum Präsidenten der Alliance Israelite Universelle ist als Nachfolger des verstorbenen Professors Dr. Shlvain Levi der bisherige Vizepräsident der Alliance und Mitglied des Verwaltungsrates der Jewish Colonisation Association (ICA), Professor Dr. Arnold Netter^ gewählt worden. Professor Netter, der einer orthodoxen elsässischen Familie entstammt, wurde 1855 in Straßburg geboren.' 189.8 wurde. er Professor an der Pariser medizinischen Fakultät. Er hat eine Reihe bedeutsamer wissenschaftlicher Werke über .Kinderkrankheiten, die Schlafkrankheit und die präventive Diphtherie-Impfung verfaßt. In Anerkennung seiner wissenschaftlichen Verdienste wurde er zum Kommandeur der Ehrenlegion ernannt. lim die Schechita in Polen Dem polnischen Sejm liegt ein Antrag der parlamentarischen Landwirtschastsgruppe aus Erlaß eines Schächtverbotes vor. In der Begründung des Antrags wird behauptet, die Schechita fei kein Ritualgesetz, Es genüge, das Fleisch zu reinigen, um es koscher zu machen. Am Freitag, den 21. Februar, fand die erste Lesung des Gesetzentwurfs statt. Den Bestimmungen der Geschäftsordnung des Sejm zufolge fand keinerlei Debatte im Anschluß an die erste Lesung statt. Der Schwerpunkt der Verhandlungen über diesen für die Judenheit Polens so folgenschweren Entwurf wird in der Verwaltungskommissivn liegen, der das Gesetzprojekt nach seiner ersten Lesung im Plenum des ^ejm zugewiesen wurde. Einem Aufsatz der halboffiziellen „Gazetta Polska" ist zu entnehmen, daß die p o l n i s ch e Regierung keineswegs über die Einbringung des Schächteverbotsantrages im Sejm erfreut ist, daß aber die Regierung geneigt zu sein scheint, das Schächten allmählich zu beschränken. Vor einigen Tagen stattete Kultusminister Swietoslawski in Begleitung des Warschauer Stadtprüsident-en und Vizestadtpräsidenten sowie einer Reihe von Sachverständigen dem Warschauer Schlachthaus einen ü b e r r a sch e n de n Besuch ab, um sich persönlich von dem Unterschied zwischen rituellem und „mechanischem" Schlachten zu überzeugen. Jüdische Augenzeugen des Schlachtversuchs erklären, die ganze Kommission habe den Eindruck gehabt, daß unter Humanitären Gesichtspunkten gegen die rituelle Schächtmethode kein Einwand erhoben werden könne. Die anläßlich der Einbringung des Gesetzentwurfs am 13; Februar nach Warschau einberufene allpolnische Rabbinerkonferenz, an der 70 führende Rabbiner aus.dem ganzen Lande teilnahmen, legte feierlich Verwahrung gegen dieses Gesetzprojekt ein, das als ein direkter Angriff a u s d i e j ü d i s ch e Religion bezeichnet wurde, der Entrüstung und Bestürzung unter der Polnischen Judenheit Hervorrufe. In der Resolution wurde auch zum Ausdruck gebracht, daß dieses Gesetz ein Unglück für die Polnische Landwirtschaft sei. Sollte das Gesetz im Sejm beschlossen werden, so wird dieser Tag als Fasttag proklamiert werden. Die Mehrheit der Versammlung trat auch für die Einhaltung eines Trauermonats bei Enthaltung von Fleischgenuß ein. Auf Beschluß der Konferenz wurde der vergangene Donnerstag als Bet- und Bußtag begangen. Auf einer von der Warschauer Gemeinde einberusenen Protestkundgebung, an der 250 führende Persönlichkeiten des polnischen Judentums teilnahmen, wurde eine Resolution gefaßt, in der schärfster Protest gegen das geplante Verbot der Schechita erhoben und an die Regierung und die öffentliche Meinung Polen» der Appell gerichtet wird, diese Verletzung der jüdischen Rechte und Beschimpfung der Mischen Religion nicht zuzulassen. Die Tagung setzte ein aus 50 Mitgliedern bestehendes Aktionskomitee mit einer 15gl,edrrgen Exekutive zur Führung des Abwehrkampfes gegen die Gefährdung der Schechita ein. In Posen hat der Stadtpräsident für sein Verwaltungsgebiet ein Schächtverbot erlassen. Eine Abordnung der Posener Jüdischen Ge-- meinde traf in Warschau ein, um bei der Regierung hiergegen zu intervenieren. Die Abordnung erzählt, daß die gesamte Gemeinde von Posen, die über 1000 Seelen zählt. Orthodoxe und Freisinnige, zum Protest gegen das Schächtverbot sich jeden Fleischgenusses enthält. * .Verurteilung nationaldemokratischer Terroristen in Polen Das Kreisgericht von Radom hat den Vorsitzenden der nationaldemokratischen Partei im Distrikt Przytyk, wo es in der letzten Zeit wiederholt zu schweren judenseindlichen Ausschreitungen gekommen ist, Vinzenz Korczak, zu fünf Monaten Gefängnis verurteilt, weil er terroristische Ueberfälle auf Bauern organisiert hatte, die sich geweigert hatten, den von den Nationaldemökraten geforderten Boykott der Juden mitzumachen. Zwei andere nationaldemokratische Rädelsführer wurden zu je drei Monaten Gefängnis verurteilt. Das Zeugenverhör ergab, daß die Terroristen für ihre Tätigkeit Bezahlung erhalten hatten. , Vereinigung thoratreuer Juden Diejenigen gesetzestreuen Persönlichkeiten und Gruppen in Deutschland, die innerhalb der Einheitsgemeinden wirken, treten in diesen Tagen mit einem Ausruf an die jüdische Oessentlichkeit, in dem sie zur Gründung einer Vereinigung thoratreuer Juden in Deutschland aussorderm Als Hauptaufgabe der Vereinigung wird u, a. bezeichnet: „Festigung und Vertiefung des thoratreüen Lebens und würdige und wirksame Vertretung des thoratreuen Judentums in den jüdischen Körperschaften." Zur Erreichung dieses Zieles sollen Einzelne, Vereine und schon bestehende Landesorganisationen, . die aus dem Boden des gesetzestreuen Judentums stehen, zusammengeschlossen werden. Der Aufruf schließt mit den Worten: „Mögen viele unserem Rufe Folge leisten! Mögen viele mit uns ihre Kraft einsetzen für die Stärkung des thoratreuen Judentums nach innen und nach außen! Losung sei uns das Psalmwort: Genosse bin ich allen, die Dich fürchten und Deine Ausgabe hüten/" Der Gründungsaufrus für die „Vereinigung thoratreuer Juden in Deutschland" trägt die Unterschriften folgender Rabbiner: Dr. Aber, Bremen; Dr. Altmann, Trier; Dr. Alexander A l t m a ir n , Berlin; Dr. Selig Auerbach, Recklinghausen; Dr. Bloch, Aschaffenburg; Dr. Blum, Emden; Dr. Bohrer, Gailingen; Dr. Carlebach, Altona; Dr. Freimann, Berlin; Dr. Freund, Hannover; Dr. H a n o v e r , Würzburg; Dr. H o f f m a n n , Breslau; Dr. H o f s - mann, Frankfurt am Main; Dr. Horovitz, Frankfurt am Main; Dr. Jakobovits, Berlin; Dr. Keller, Beuthen; Dr. Köhler, Schweinsurt; Dr. Lauer, Mannheim; Dr. Neu Haus, früher Mülheim-Ruhr; Dr. Ochs, Gleiwitz; Rogosnitzki, Leipzig; Dr. R o s e n t h a l, Köln; Dr. Simon so hn, Breslau; Dr. Stein, Frankfurt am Main; Dr. Unna, früher Mannheim; Dr. Weinberg, Berlin; Dr. Winter, Lübeck. Außerdem haben den Ausruf unterschrieben: Aus Berlin: Fritz Cohn» Dr. Erwin Gal ewski, Walter K o p s st e in , Alfred Marcus, Isaak N u ß b a u m , Regierungsrat i. R. Dr. Rosenberg, Adolf Schoyer, Felix Struck, Dr. Wechselmann. Aus Beuthen O.-S.: Gottfried A l t m a n n. Aus Bremen: Rechtsanwalt Dr. R o s e - n a k. Aus Dinslaken: Direktor Dr: L. R o t h s ch i l d. Aus Frankfurt am Main: Professor Dr. Aron I r eint a n n , Dr. Ernst Freimann, Rechtsanwalt Dr. G r ü n e b a u m , Rechtsanwalt Abraham H o - r v v i tz , Willh Mainz, Felix M e h e r , Rechtsanwalt Dr. S ch ö n b e r g. Aus Gleiwitz: Paul C o h n. Aus Hamburg: Jakob H e ck s ch e r „Alexander L e v p. Aus Köln: Nathan Kahn, Universitätsprofessor i. R. Dr. Kisch, Direktor Dr. K l i b a n. f k r, Dr. b. c. M. L i s s a u e r, Direktor Dr. Plato. Atls Ltegnttz: Alfred S e i d e n b e r g. Aus Mannheim: Professor Karl D a r m st ä d t er. Aus Osterode Ostpr.: Lehrer Mannheim. Aus Würzburg: Dr. N a t h a n s e n , Direktor S t o l l. Verein zur Erhaltung des überlieferten Judentums, Berlin. Jüdisch-Konservativer Gemeindeverein, Breslau. Konservativ Jüdischer Gemeindeverein, Frankfurt am Main. Konservativ Jüdischer Verein, Köln. Verern jüdischer Religionslehrer und Kultusbeamten Ostpreußens. Nähere Auskünfte über Gründung oder Zusammenschluß von Ortsgruppen sowie über Einzel- , Erwin Galewski, Berlin-Charlottenburg 4, Mommsenitraße 55. ’ Hauptscliriftleiter: Dr. Alfred Hirschberg; Rifi^rtr'nU1Ui vyerantwortlich für die Aufnahme von Bildein. Dr. Margarete Edelheioi Verantwortlich für Sport: Dr. Ernst G L ö w’e n thll samthch In Berlin. Für Rücksendung unverlangter Ein; Sendungen ist Freiumschlag beizufügen. Leiter der Anzeigen-Abteilung und verantwortlich fiir den Inhalt der Ägepi Friedrich Nathan, Berlin. DA. IV Vj 40 0°0 PI. 5 Verlag: Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens e. V., Berlin W 15, Emser Strasse 42. 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