Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936) - farbig
- Issue
- 8 (20.2.1936)
- Date
- 1936-02-20
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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W^W^-::.-T^u,- Neues vom Film ■ Charlie Chaplins Londoner Triumph Sonderbericht für die C.-V.-Zeitung. London, den 12. Februar 1936. Als gestern bei der Erstaufführung von „Modern Times" die Beifallsstürme und die Lachsalven während und am Schluß der Aufführung durch das Tivoli am Strand brausten, da war das Problem verschwunden, das vorher in den literarischen Kreisen eine Rolle gespielt hatte, ob der stumme Film noch eine Berechtigung hätte, ob er überhaupt heute noch Erfolg haben könne. Es wurde zum Triumph eines darstellerischen Phänomens schlechthin, das sich den Rahmen schasst und die Ausdruckssorm, die ihm gemäß sind. Alles ivas neben ihm sich dem Auge darbietet, ist unmittelbar auf ihn bezogen, Untermalung für die letzte Vollendung mimischer und körperlicher Ausdrucksfähigkeit, ebenso wie auch die — von Chaplin komponierte — Musik, die mit dem Geräusch der Maschinen, dem Lärm der Straßenszenen, im An- und Abschwellen, gleichsam in einer akustischen Vision Tempo und Rhythmus den Zuschauern ins Blut hämmert. Dazu kommt noch ein weiteres: dieser Film siegt nicht obwohl oder weil er „stummer" Film ist, sondern weil er in seiner Struktur wie in der Darstellung bis ins letzte Detail das Gesetz durchhält, nachdem er angetreten; das Wort, das nicht da ist, fehlt nicht, es ist überflüssig. Das zeigt sich gerade in jener Szene, auf die durch die Vorankündigungen das Interesse besonders gelenkt wurde, als Chaplin ein Couplet vorträgt — er trägt es eben nicht vor! Verzweifelt sucht er nach Worten, die Manschette, aus die die Freundin den Text geschrieben hatte, ist eben im hohen Bogen bei einer weit ausholenden Handbewegung davongeflogen — die Begleitmusik treibt zum Beginn, wiederholt schon zum drittenmal das Vorspiel — da sprudelt er zusammenhanglose Worte in allen möglichen Sprachen hervor — für einen Augenblick taucht die Erinnerung an Pallenbergs Wortgefechte aus — es ist, wie die „Times" sehr hübsch heute schreibt, als ob die Völker, die beim Turmbau von Babel zusammen waren, eine gemeinsame Nationalhymne geschaffen hätten. Sein Gesang wird zur akustischen, im Wortsinn inhaltslosen Begleitmusik seiner mimischeu Gestaltung, wie alle die andern Töne und Geräusche auch. Wenn so wie hier der wortlose Film künstlerische Vollendung findet, dann wird er bestehen, nicht „neben" dem Tonfilm, sondern auf einer andern, ihm gemäßen Ebene. Die Fabel des Films — es ist wieder der Kamps mit der Tücke des Objekts, die individuelle Hilflosigkeit mitten in den Wirrnissen der Umwelt. „Modern Times!" Diesmal beginnt es mit dem Kampf des Menschen mit der Maschine, Chaplin am laufenden Band mit einem großen Schraubenschlüssel bemüht, an dem vor ihm davongleitenden Werkstück zwei Schrauben sestzuziehen. Die Hast und die Monotonie, unter denen das zu geschehen hat, ergreifen förmlich Besitz von ihm, er flieht von der Werkbank, die Schraubenschlüssel schwingend, aber wo er etwas schraubenähnliches sieht, zwingt es ihn, die Schlüssel anzusetzen, ob es die Nieten an einer Wasserleitung oder die Blusenknöpse aus dem Kleid einer üppigen Passantin sind. Das Prinzip der Ruhelosigkeit wird durch einen genialen Ensall übersteigert. Warum müssen die Arbeiter feiern, wenn die unvermeidlichen Mahlzeiten eingenommen werden? Ein Techniker erfindet den Apparat, der die Arbeiter füttert, während die Hände die Arbeit am Fließband weiter verrichten. Der Apparat wird an dem Arbeiter Chaplin ausprobiert, und zu den vielen grotesken Mahlzeiten, die wir aus früheren Filmen kennen, kommt eine neue Variante, deren Komik das im Grunde grauenvolle dieser Idee völlig überdeckt. Schließlich verliert er den Verstand und damit den „job". Aus einer Nervenheilanstalt entlassen, versucht er sich mit verschiedenen Berufen, die er wegen des Unheils, das er anrichtet, immer wieder verliert. Als ein vorbeisahrender Lastwagen, der lange Bretter geladen hat, den roten Tuchfetzen verliert, der als warnendes Schlußzeichen diente und Chaplin diesen schwingend hinterherlüuft, uzn ihn dem Kutscher zu bringen, wird er ahnungslos zum Fahnenschwinger einer Demonstration, die sich zufällig hinter ihm zusammenrottet. Er kommt ins Gefängnis, und weil er dort bei der Niederschlagung einer Revolte hilft, bekommt er eine komfortable Zelle mit allen Bequemlichkeiten des Daseins, bis er zu seinem Leidwesen in die Freiheit entlassen wird. Um wieder ins Gefängnis zu kommen, nimmt er den Diebstahl eines hungrigen Mädchens, das Lin Golem-Film Dieser Tage fand in Prag und Paris die Uraufführung des neuen Golem-Films von Julien Duvivier mit außerordentlichem Erfolg statt. Der große französische Filmregisseur Julien Duvivier, der Schöpfer des Films „David Golder" hat es unternommen, den Golem neu zu verfilmen, nachdem bereits im stummen Film zwei Golemversionen vor Jahren große Erfolge erzielt hatten. Duvivier hatte seine Aufgabe mit höchster künstlerischer Vollendung gelöst. In den Prager Judengassen, die zum Teil noch unverändert seit vielen Jahrhunderten wie zur Zeit des Kaisers Rudolf II., der während der Golem-Zeit regierte, dähinträumen, sind die Die Geliebte de* Kaisers: G. Ausseyf Rabbi Jakub: Charles Dorat Brot gestohlen hat, auf sich; vergebens, und erst, als er die Zeche prellt, gelingt es ihm, wieder hineinzukommen. Wieder neue Versuche, nach der Entlassung einen Beruf zu finden, in der Maschinenfabrik — wieder der Zusammenstoß zwischen Mensch und Maschine mit einer Mahlzeit ins Groteske abgebogen — als er den Meister, der im Räderwerk der Turbinen gefangen, abwarten muß, bis die Beendigung der Pause das Werk wieder in Bewegung setzt, füttert — unter Zuhilfenahme des Oeltrichters aus der Petroleumkanne. Wieder arbeitslos, findet er durch jenes Mädchen, dem er hatte Helsen wollen, als Kellner und. Chansonsänger Stellung in dem Cafs, in welchem sie als Tänzerin auftritt. Und nun, da er mit seinem hilflosen polyglotten Wortschwall großen Erfolg hat — wie sie als Tänzerin, müßte eigentlich alles gut ausgehen, als das Mädchen, das damals der Polizei entgangen war, sestgenommen wird. Das Engagement geht in die Brüche, die aus dem Gefängnis Entlassene nimmt Chaplin in Empfang, und das bekannte Schlußbild eines früheren Films, die endlose Straße, aus der Chaplin dem Horizont entgegen geht, schließt auch hier das Stück; diesmal sind es zwei, die Hand in Hand den Blicken entschwinden, und der sichere, frische Gang soll uns sagen, daß der Weg in die Zukunft hoffnungsvoll angetreten wird. Ein „soziales" Stück? Wieder hat Chaplin seine Grundidee neu komponiert, den Kampf des Individuums mit der Umwelt, aber ist es deshalb ein soziales Stück? Im Milieu gewiß, aber auch diesmal nicht — wie ihm oft unterstellt wurde — Massenszenen gedreht worden. Aus dem Barrandov, der Prager Filmstadt, wurden Häuser, Synagogen, Stadttore originalgetreu aufgebaut. Der Galgenberg erstand für ein paar Nachtaufnahmen. Harry Baur ivurde mit der Rolle des Kaisers beauftragt, und eine Reihe ausgezeichneter französischer Filmschauspieler übernahm die anderen Rollen: den Kanzler Lang, den Rabbi Jakub, die Geliebte des Kaisers. Rabbi Löw, der Schöpfer des Golems, tritt in diesem Film nicht aus — man hat aus künstlerischen und sehr ernsthaften Erwägungen daraus verzichtet. Aber der Golem selbst ist zu sehen — Ferdinand Hart spielt ihn — und zwar in einer so unheimlichen Gestaltung, daß das ganze Grauen der mittelalterlichen Legende den Zuschauer packt. Jeden Ausnahmetag mußten die Schminkkünstler andert¬ Kanzler: Roger Karl/ Kaiser Rudolf: Harxy Baur; üü im kämpferischen Sinne. Eher im Gegenteil, denn in seiner Darstellung siegt die spielerische Leichtigkeit seiner Kunst, siegt die Groteske über das Gewissen, auch der geschlagene Lebensheld wird zum Sieger, die Komik überschattet die Tragik. Neben Chaplin sah man viele seiner alten Kol-- legen aus seinen früheren Filmen, die man im Tonfilm nicht wieder gesehen hatte. Neben ihm aber vor allem Paulette G o d d a r d, die Darstellerin des armen Mädchens, schön, ohne Hollywood-Süßigkeit, tänzerisch und doch natürlich in Bewegung und Ausdruck — eine vollendete Leistung! Das Programmheft verrät, daß die Götter vov den Erfolg nicht nur den Schweiß, sondern auch das Geld gesetzt haben. Zwei Jahre dauerte die Herstellung, und 400 000 Pfund hat sie gekostet. Die Maschinenfabrik, in der ein Teil spielt, kostete allein 14 000 Pfund. Die Londoner Blätter feiern die europäische Uraufführung als großes gesellschaftliches Ereignis, sie verzeichnen wie bei einem Hofball die Liste der erschienenen Berühmtheiten aus dem politischen, wissenschaftlichen und künstlerischem Leben. Die immer so schaubereiten Londoner, die nicht in die Premiere konnten, umstanden dichtgedrängt die Eingänge, um wenigstens diese „Prominenten" zu sehen. Als Elisabeth Bergner erschien, wurde der Polizeikordon durchbrochen, die Autographen-Alben wurden gezückt — Frau Bergner aber flüchtete ins Innere. halb Stunden an der Plastischen Maske des Go« lem-Darstellers modellieren, sie gaben ihm das unwirklich starre Antlitz des Maschinenmenschen, Prägten ihm das heilige Zeichen auf die Stirn. Josef Kumok, ein Prager Komponist, hat eine höchst eindrucksvolle Musik zu dem Film geschrieben, die alte synagogale Weisen verwendet. Ein jüdisches Märchen ist Wirklichkeit gewor« den — in einer Form, die uns alle heute angeht, tpeil sie nicht nur in die Atmosphäre vergangenen jüdischen Lebens, nicht nur in die Probleme der jüdischen Mythologie einen Weg zeigt, sondern zugleich das Spiel und Gegenspiel der Kräfte in den Beziehungen der Judenschaft zu ihrer Umwelt mit dem Licht dichterischer Gestaltungskraft: beleuchtet. Lvonharä Heinrich. Der Golem: Ferdinand Hart Fot. A.B.-Film (3) Bernhard Reichenbach. Konzerte und Vorträge in Berlin und im Reich Bei musikalischen Veranstaltungen in der Synagoge Prinzregentenstraße muß immer wieder auf die Mängel der Akustik hingewiesen werden, die beispielsweise den Klavierklang durch Echowirkung völlig verzerren und verwischen lassen. So ging hier am letzten Abend für die Winterhilfe für den Großteil der Hörer der klug abgemessene Ausbau verloren, den Hilde Schereschewsky Beethovens C-NvU-Variationen zuteil werden ließ, und gleiches Geschick mußte das Klaviertrio D-Moll op. 49 von Mendelssohn erleiden, da das Klangbild nur in unmittelbarer Nähe von Wolfgang Weintraub (Violine), Kurt Lomnitzer (Violoncello) und Hans Werner Katz (Klavier) einheitlich war. Die Solostimme wird der Schwierigkeiten leichter Herr. Max Mansfelds kraftvoller Tenor kam in Liedern von Roskin und Schalit schön zur Geltung, Dora Bernstern- Börner war bei Mendelssohn und Hiller um Intensität des Ausdrucks bemüht. Alfred Mai hatte als Einleitung für die Orgel ein rauschendes Präludium des ehemaligen Dresdener Hoforganisten Gustav Merkel gewählt, das vielleicht kontrastreicher registriert aber technisch nicht besser gemeistert werden kann. Vorträge von Rabbiner Dr. B. G ottschal k (Religion und Humor) und George G o e tz (Im Wartezimmer der Weltgeschichte) wollten, wie die künstlerischen Darbietungen, über die Not des Tages hinaus zu höherer Einsicht erheben. Kai. Zu einer Feierstunde hatte der Vorstand der Neuen Synagoge geladen. Um eine Ansprache von Rabbiner Dr. Werner van der Zyl war ein musikalisches Programm aufgebaut: Oberkantor Leo G o l l a n i n trug das Haschkiwenu und Adonoj Melech mit großer Gestaltungskraft vor. Die Sopranistin Loni Brotzen zeigte gute Intentionen. Leider scheint der Sitz ihrer an sich schönen Stimme nicht ganz in Ordnung zu sein; denn sie detonierte öfters empfindlich. Zu Anfang und Ende der kurzen, aber erhebenden Feierstunde spielte Ludwig A l t m a n n mit sicherer Beherrschung des Technischen und Geistigen zwei Orgelwerke von Max Reger. K. W—r. Iosep h Schwarz (Klavier) und Boris Schwarz (Violine) eroberten sich auch in Drespe» alle musikalischen Gemüter mit. Beethovens Kreutzer-Sonate. Schumanns „Carneval* spielte Joseph Schwarz reich an Ausdrucksfärbungen. Unter den von Boris Schwarz faszinierend gezeigten Stücken seien ein stimmungsvolles „Altpalästinensisches Lied" von Kirmann und ein verwandtes „Hindu-Lied" von Rimsko-Korsakoff hervorgehoben. Der starke Beifall erzwang eine lange Reihe von Zugaben. E. B. Die Sängerin Ruth H e n n i g (Breslau) und der Pianist Professor Michael Wittels (Köln) gaben im Jüdischen Musikverein Breslau ein Sonderkvnzert. Wittels' Vortrag der Chaconne A- Moll von Bach-Busoni und der Wandererphantasie von Schubert war beachtenswert, jedoch technisch und künstlerisch nicht restlos befriedigend. Erst in der Polonaise C-Dur von Liszt und in der Begleitung der Gesänge vermochte er durch eine vollendete Leistung zu fesseln. Ruth Hennig, anfänglich in den beiden Arien Scarlattis und Pärsiellos durch eine leichte Nervosität behindert, wußte mit ihrer klangschönen Stimme den Schubert-Liedern und den Zigeunermelodien von Dvorak eine eindrucksvolle Gestaltung zu geben. G. P. Im Rahmen des Jüdischen Kulturbundes Nürnberg wurde eine Weihestunde veranstaltet, bei der Edith H e r r n st a d t - O e t t i n g e n (Berlin) in bekannt meisterhafter Weise aus jüdischen Dichtungen rezitierte. Ihre Vortrüge wurden umrahmt von Liedern und Arien des früheren Staatsopernsängers Walter Ries, München, der durch seine klangvolle Stimme und die Wärme seines Vortrages schnell und sicher Fühlung mit einer zahlreichen Zuhörerschaft gewann. Die vereinigten Synagogenchöre von Karlsruhe, Bruchsal und Offenburg sangen in Offenburg i. B. zusammen mit den vereinigten Kinderchören der zahlreichen kleineren Gemeinden des Osfenburger Bezirks. Die Tatsache, daß zu dieser Veranstaltung etwa 500 Menschen aus Offenburg und Umgebung erschienen waren, und die Anerkennung, die sie beredt zum Ansdruck brachten, zeigten, welcher Dienst an den jüdischen Menschen in den K l e i n g e m e i n d e n durch eine solche erhebende Veranstaltung geleistet wird. Die Gemeinschaftsarbeit aller Chöre, in welchen sich ihr Leiter Kapellmeister Stern, Karlsruhe, einen in Klangwirkung und Dynamik zusehends zur Festigkeit wachsenden Klangkörper schasst, brachte deutsche und hebräische liturgische Chöre. Oberkantvr Metzger (Tenor) und Konzertsängerin Else E i s (Sopran), beide Karlsruhe, wirkten als Solisten, die hier und in Einzelgesängen klare, weiche Stimmen einzusetzen wußten. Dr. Karl Mayer, Karlsruhe, sang Stücke von Hiller und Händel mit der Wärme seines vollen und reinen Basses. Hell und gläubig klangen die Stimmen der Kinder. Stg. Drei größere Veranstaltungen des Kulturbundes Mm- Reu -Ulm verdienen hervorgehoben zu werden: der Lieder- und Arienabend, in dem die Mannheimer Altistin Lisbeth D ü h r e n und die Pianistin Judith Rosent h a l, Herrlingen, die Zuhörer erfreuten, der Vortragsabend von Edith Herrnstadt- Oettingen, deren Rezitationen künstlerisches und ergreifendes religiöses Erlebnis waren, und eine Veranstaltung des Kammerorchesters der Stuttgarter Jüdischen Kunstgemeinschaft unter Leitung von Karl Haas. Die ausgezeichnete Pianistin Else Glück, Ulm, brachte Werke von Mendelssohn zu Gehör. Im Jüdischen Kulturbund Düsseldorf wurde in der Synagoge ein Beethoven-Abend veranstaltet, ausgeführt vom Orchester des Jüdischen Kulturbundes Rhein-Main unter Hans Wilhelm Steinberg. Professor Hans B a s s ermann? nicht großer, aber edler Ton, sein ruhiger, abgeklärter, allem Virtuosen entsagender Vortrag, machten das Violinkonzert aufs neue zu einem köstlichen Erlebnis. Zum Schluß die „Eroica": man darf unter Berücksichtigung der immerhin begrenzten Jnstrumentalbesetzung behaupten, von größeren Orchestern kaum eine klarere und abgerundetere Aufführung gehört zu haben. Stummes Erheben von den Plätzen konnte nur Ausdruck der tiefen Ergriffenheit der zahlreichen Zuhörer sein. 1.0. Im Kulturbund für Ostwestfalen und angrenzende Gebiete sprach Dr. Max O s b o r n, und zwar in Herford, Hamm, Oldenburg und Rheda über Max Liebermann, in Osnabrück, Münster, Bielefeld und Detmold über „Michelangelo, der Bildner und Maler biblischer Gestalten", in Minden über „Jüdisches Kunstschaffen in Deutschland bis 1850". Der Redner verstand es meisterhaft, durch die ihm eigene plastische Darstellungsweise den Stofs auch dem bisher an künstlerischen Dingen Uninteressierten nahezubringen. In Herford i. W. fand ein Wohltütigkeitskonzert zum Besten der Winterhilfe statt. Else Obermeyer, seit vielen Jahren Leiterin des Shnagogenchors, dirigierte den 62. Psalm von Radecke und den 92. Psalm von Schubert. Otto Rosen Wald, Bünde, sang Schuberts „Hirt aus dem Felsen". Hans Rosenbaum, Bünde (Vio-- line), Heinz P h i l i p P s o h n, Herford (Klavier)^ und Paul Blumenseld, Leipzig (Violoncello), verbanden sich zu einer eindrucksvollen Wiedergabe zweier Werke von Schubert. Der Beifall entsprach dem ansehnlichen Niveau der künstlerischen Leistungen. L. Zum Besten der Jüdischen Winterhilfe veranstaltete die Shnagogengemeinde Bielefeld ein Konzert. Die Violinistin Rut Feldheim,, Dortmund, brachte Sonaten, Sonatinen und Menuette u. a. von Haendel, Schubert, Beethoven zur vollen Geltung. Elsbeth Stern, Soest, begleitete sie am Flügel völlig ebenbürtig. Werner Kauffmann, Hannover, sang Arien und Lieber präzise, dynamisch abgestuft. Kapellmeister B e r k o w i tz, Hannover, war sein vorbildlich begleitender Partner; sein Spiel verriet den feinen, kultivierten Künstler. Die zahlreiche Zuhörerschaft spendete reichen Beifall. Im Jüdischen Kulturbund Erfurt spielte der Geiger Boris Schwarz Werke von Vitali, Beethoven, Paganini, Vieuxtemps, Mussorgski und Wieniawsky mit unerhörter Bravour. Sein Vater Joseph Schwarz, am Flügel ein ausgezeichneter Begleiter, spielte außerdem die b-moll-Sonate von Chopin mit reifer Künstlerschaft. G. Beatrice Waghalter, Leipzig, die eine Serie von 21 eigenen Kulturbund-Abenden mit großem Erfolg abgeschlossen hat, wurde soeben zu Konzerten nach Prag, Wien und Luxemburg sowie zu einer Tournee durch Jugoslawien verpflichtet. Edvard Moritz hat eine Sonate für Bratsche und Klavier komponiert. Preis 5 RM. Näheres durch die Künstlerhilfe, Berlin-Charlottenburg 2, Kantstraße 158. „Grüne Felder." Im Anschluß an meinen Bericht über die Erstaufführung auf der B e r l i n e r Kulturbundbühne (vgl. Nr. 6 der C.-V.- Zeitung vom 6. Februar 1936) sei bemerkt, daß das Drama „Das Gelöbnis" von Perez Hirschbein, auf das ich besonders hingewiesen hatte, von der Marionettenbühne Münchener jüdischer Künstler mit Erfolg aufgeführt wurde (vgl. Nr. 2 der „C.-V.-Zeitung" vom 9. Januar 1936). L. L,