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Central-Verein-Zeitung · 1936-02-20 · 8 (20.2.1936) · p. [Seite]

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
15 (1936) - farbig
Issue
8 (20.2.1936)
Date
1936-02-20
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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'h‘~ überall tat Dien st e d e s Guken zu handeln, immer und überall zu tun, was im Sinne des Guten als das Rechte einleuchtend ist/ Das Gute ist doch nun, wie Margolius sagt, ganz subjektiv — wer also kann hier ein „Gebot" erlassen? Dieser mißlungene Versuch ist nur wieder ein Beweis dafür, daß sich Systeme der Ethik nicht aus dem Nichts, nicht aus dem Begriff der Persönlichkeit und auch nicht aus sich selbst herausspinnen lassen: wer uns eine neue Ethik bringen will, muß schon den Mut haben, dem Ganzen der Welt ins Auge zu sehen und im Bösen mehr als bloß „Indifferenz" zu finden. Er muß den Mut haben, uns von göttlichem Auftrag zu künden, sonst ziehen wir bis auf weiteres die alte Ethik eines Prophetenkapitels auch für die Gegenwart vor. H. B. Die Welt von gestern und die Welt von morgen Unter dieser Ueberschrift berichteten wir vor nahezu zwei Jahren („C.-V.-Zeitung" XIII. Jahrgang Nr. 11, 15. März 1934) über einen Aufsatz von Reinhold S ch a i r e r, den dieser als Einleitung zu einer Reihe von Reiseberichten in der „Frankfurter Zeitung" erscheinen ließ. Das Ergebnis dieser Reife durch sieben europäische Länder, welche zur Aufgabe hatte, die Probleme der Jugend der Gegenwart zu studieren, liegt jetzt in Buchform vor („Not, Kampf, Ziel der Jugend in sieben Ländern", Societätsverlag Frankfurt a. M. 1935). Dieses Buch, von dem wir mit gutem Grund sagen zu können glauben, daß niemand an ihm Vorbeigehen kann, den die Not und der Kanrps der heutigen Jugend anrührt, ist eine Reportage in des Wortes allerbester Bedeutung. Man spürt vom ersten Satz an, daß hier ein Mann spricht, dem nicht nur die Sache der Jugend am Herzen liegt, sondern der auch versteht, bis auf den Grund der Dinge zu gehen, die Zusammenhänge auszudecken, Schlüsse zu ziehen und all das dem Leser in klarer, unmißverständlicher Sprache nahezubringen. Der Bogen ist weit gespannt. Die Reise geht von Skandinavien über England, Frankreich, Italien und die Schweiz nach Genf, dem „Internationalen Brückenkopf". Es ist hier nicht der Ort, wiederzugeben, was der Verfasser in jedem einzelnen dieser Länder sah. Nur soviel sei gesagt, daß er in jedem einzelnen den Versuch antraf, diese Not mr meistern. Jedes Land hat seine besonderen Menschen und seine eigene Mentalität, und daher hat auch jedes Land seine eigene Methode. Die Wurzel des Uebels scheint Schairer aber überall dieselbe zu sein: die Arbeitslosigkeit. Sei es, daß es sich um Menschen handelt, die aus der Arbeit geworfen worden sind, sei es, daß es sich um solche handelt, die seit der Schulbank überhaupt noch nicht gelernt haben, zu arbeiten, sei es schließlich, und das ist vielleicht das Wesentlichste, daß es sich um Kreise handelt, die heute noch ihr Brot verdienen, bei denen aber das Gespenst der Arbeitslosigkeit schon vor der Türe steht, — und es gibt keine Schicht, möge sie sozial und kulturell noch so hoch gestanden haben, bei der dies nicht der Fall wäre: alle fühlen, daß nichts schlimmer ist als die lähmende Untätigkeit. Und daher sehen wir auch überall die Grundhaltung der Bemühung um diese Menschen darin bestehen, ihnen Beschäftigung und Liebe zur Arbeit — um der Arbeit tvillen — zu vermitteln. Dieses Gespenst der Arbeitslosigkeit, das von heute auf morgen Vor-das-Richts-gestellt-sein ist es auch, was dieses Buch gerade für uns wesentlich erscheinen läßt, denn vor unseren Menschen steht dieses Gespenst ja heute noch viel greifbarer. Aber auf der anderen Seite haben auch für unsere Gemeinschaft die Worte Schairers Gültigkeit, daß die Jugend „versucht, sich aus die Härte dieses Schicksals irgendwie, Denn vorerst auch nur durch heroische Kampfbereitschaft, einzurichten". Ueberall haben wir heute mit „zwei Welten" zu sprechen, der von gestern und der von morgen, wobei es ein Irrtum wäre zu glauben, daß dies nur ein Generationenproblem sei. Sie unterscheiden sich vielmehr durch die Richtung ihrer Kraft- und Willenslinien. Diese jungen Menschen wissen wohl zu unterscheiden zwischen Illusion und Idealismus: jene haben sie nicht, diese dafür um so mehr. Wir glauben es wohl, daß „noch nie zuvor in der Jugend soviel Entschlossenheit, Tatkraft und Bereitschaft zu finden gewesen sei, und daß diese Jugend in ihrem Sinne für Sachlichkeit und Echtheit eine scharfe Absage an bloße Schlagworte verlange, daß sie erwartet, daß jedes Wort, jedes Versprechen durch die Tat eingelöst werde. Eine Tat, die lange Zeit in Anspruch nehmen mag, aber unerbittlich und mit aller Klarheit versucht, gewollt und — gekonnt werden muß". Schairer verspricht uns zum Schluß eine ausführliche Untersuchung der Jugendkrise überhaupt. Wir dürfen mit gutem Grund darauf gespannt sein. Unsere Menschen haben heute weniger Zeit als irgend jemand, um in einer „Krise" zu verharren, aber auch wir haben den großen Glauben, „daß wir nicht für uns, sondern für eine höhere Welt kämpfen. Dieser Glaube kann Berge versetzen". Rudolf H. Steinharter Kunst - Nachrichten Das Schaffen zweier Musiker Bruno Walter: Von den moralischen Kräften in der Musik. — Stefan Zweig: Arturo Toscanini. Herbert ßeichner Verlag, Wien—Leipzig 1935. Zwei große Dirigenten unserer Zeit werden uns in den beiden Heften des Reichner-Verlages nahegebracht. Der eine, Bruno Walter, „der apollinische Bruder Toscaninis", wie ihn Stefan Zweig nennt, ergreift selbst in einem Vortrag, der im Kulturbund zu Wien gehalten wurde, das Wort. Man wird ihm nicht immer folgen können, so, wenn er die Auffassung vertritt, daß wirklich große Kunst immer Ausdruck des sittlich Schönen und Guten sei. Aber solche Bedenken treten zurück gegenüber der Reinheit der Kunstauffassung, die zu uns aus diesem Versuche spricht, eigenes Kunsterleben in Worte zu fassen. Man spürt aus den Worten Walters, wie recht Stefan Zweig hat, wenn er Bruno Walter im Gegensatz zu Toscanini, dem ewig Unbefriedigten und von der Klangvorstellung des Vollkommenen Gejagten, die „Gnade des Sichvergessenkönnens" zuspricht, „Sekunden des Erlöst- und Begnadetseins mitten im Werke". Das ist Toscanini verwehrt. Stefan Zweig gibt in seinem Essay, der als Geleitwort zu dem Buche Paul Stefans geschrieben war und jetzt als Sonderdruck erschienen ist, ein eindringliches Bild von dem fanatischen Ringen um Remheit und Klarheit der Darstellung, wie es die Aufführungen Toscaninis von der ersten Probe bis zur Darbietung des Werkes erfüllt. Man sollte das prachtvoll geschriebene Heftchen unseren jungen Menschen in die Hand geben, denen an einem Beispiel besser als an dem Toscaninis gezeigt werden kann, daß Kunst und Kunstübung in den Kreis der stärksten Lebenswerte gehört, die tiefsten Ernst und letzte Einsatzbereitschaft erfordern. Friedrich Brodnitz. Edith Auerbach stellte in Paris eine Reihe ihrer Bilder aus. Die Arbeiten zeigen eine sichere, große Linienführung und die Sujets sind mannigfaltig. Reisen nach Marokko, den Balearen und Griechenland geben der Malerin Gelegenheit, ihr Können in der Wiedergabe der Landschaft mit feinster Tönung und Farbenzusammenstellung zu erweisen. Ausgezeichnet ist ihre „Regresse". Besonders hervorzuheben ist das „Porträt de Mr. R. G.", eine ihrer jüngsten Arbeiten, sowie das sehr schöne Stilleben „La cruche grise". Von ihrer Fahrt nach Ibiza brachte sie das Bild der „Jeune kille ä la Cruche" mit, die anmutig mit dem Kruge daherschreitet. Die französische wie die englische Presse haben der Ausstellung eingehende, lobende Besprechungen gewidmet. Edith Auerbachs Bilder sind Erlebnisse, die im Gedächtnis des Beschauers hasten. Erna Feder. Auch München veranstaltet jetzt eine Abessinien- Ausstellung: in der Bayerischen Staatsbibliothek sind Landkarten, Material zum Buch und Schristwesen, Buchmalereien und literarische Denkmäler zu sehen. Die südsemitischen Schriften mit Musikzeichen und die biblischen Schriften werden in den Presseberichten besonders hervorgehoben. Wir erinnern in diesem Zusammenhang an den sogenannten „Kebra Nagast", einen äthiopischen Text im Britischen Museum, von dem es mehrere Handschriftliche Exemplare gibt, und in welchem der sagenhafte Flug der Königin von Saba über Abessinien seinen Niederschlag gefunden hat. (Departement os Manuscripts, British Museum, „Oriental Ms. 818".) Im Januar 1931 starb kurz vor der Vollendung ihres 49. Lebensjahres im Haag Anna Pawlowa. Ihrer Tanzkunst zum Gedächtnis gelangt jetzt in Paris und New-Aork der soeben vollendete Patvlowa-Film zur Uraufführung. Seine Einkünfte sollen der Errichtung eines Gedenkbrunnens gewidmet sein, der nach den Entwürfen des schwedischen Bildhauers Karl Milles im Londoner Regents-Park Ausstellung finden wird. Kurz vor der großen russischen Tänzerin starb auch Ernst Oppler, der die berühmtesten Schöpfungen des russischen Balletts in unzähligen Radierungen sestgehalten. „Die Pawlowa im ,Schmetterling'" und „Die Pawlowa im sterbenden Schwan'" sind uns in mehreren „Zuständen" erhalten und zeigen neben der diskreten Nadel-« führung dieser Bildnisse jenen Opplerschen Takt, der auch der gehaltenen und würdevollen Auffassung der Pawlowa galt. In der Neuen Galerie in Wien wurde soeben eine Ausstellung von Plastiken des österreichischen Künstlers Georg Ehrlich eröffnet. In der Galerie Fränkel in Budapest folgte auf die Aurel-Bernäth-Ausstellung eine Schau von neueren Arbeiten Robert B e r e n h s t der mehrmals in Berlin ausgestellt hatte. Im Ernst-Museum in Budapest wird eine Ausstellung des Malers Stephan Farkas veranstaltet, die von da aus nach Palästina gehen soll. Der Senior der gleichnamigen weltbekannten Antiquitätenfirma in München, Geheimer Kommerzienrat Siegfried Drey, ist am 8. Februar im 77. Lebensjahre gestorben. Das Antiquariat Jaques Rosenthal in München ist in arischen Besitz übergegangen, ebenso der dortige Kunstsalon I. Littauer. In Berlin gibt die Kunsthandlung Hermann Ball am 1. April d. I. ihre Räume auf. Rudolph Lepkes Kunstauktionshaus (Berlin) wird jetzt von Hans Carl Krüger allein geleitet. Die Liebermann-Ausstellung im Berliner Jüdischen Museum, Oranienburger Straße 31, die am vergangenen Sonntag einen besonders starken Besuch aufzuweisen hatte, ist nur noch kurze Zeit geöffnet. Besuchszeiten: Montags bis Donnerstags 10 bis 18 Uhr, Freitags und Sonntags 10 bis 14 Uhr. Langenscheidts English Monthly Magazine gibt seinen Lesern von jedem aktuellen Ereignis sofort Kenntnis. Es tut dies in der Form eines kleinen Leitaufsatzes, der den Leser aktuell informiert und zugleich in die Geheimnisse der Sprache einsührt. Das sind überhaupt die Vorteile dieser außerordentlich gut aufgemachten, mit Bildern reich illustrierten Magazinreihe, daß sie diese doppelte Funktion der Berichterstattung und des Unterrichts gleichzeitig erfüllt. Da findet man Politik und Wirtschaft, eine Kurzgeschichte, Sportberichte, eine Witzecke, Kreuzworträtsel und kurze grammatikalische Unterweisungen, daneben die Vokabularien. Und wenn es uns auch nicht glücken wird, schlafend zu lernen, wie es ein Wiener Philologe nach dem Bericht des Magazins seinen Schülern beibringt, so empfiehlt es sich doch, nach einem alten Aberglauben, „Langenfcheidts English Monthly Magazrne, Monatsschrift zur Pflege und Förderung englischer Sprachkenntnisse" (Langenscheidts Verlagsbuchhandlung, Verlin-Schöneb'erg,, BahnstrHe 28—30) abends unter das Kopfkissen zu legendann wird man sicher alles im Gedächtnis bchalten, was man vorher auf so anregende Weise aus ihm gelernt hat. _ Dr. M. E. „Die Stadt Posen in den 1830er Jahren" nennt Georg A s ch eine Plauderei, die einen Einblick auch in die Geschichte der einstmals bedeutsamen jüdischen Gemeinde gibt. Als wichtige Quelle auch für die Familiengeschichte der Posener Juden dient das Gemeindeadreßbuch der Stadt aus dem Jahre 1835. Die Arbeit ist kürzlich in Fortsetzungen als Anlage ztt den „Blättern des Verbandes Jüdischer Heimatvereine" erschienen und wird in iveiten jüdischen Kreisen, die in Stadt oder Provinz Posen beheimatet sind, Erinnerungen wecken und daher reges Interesse finden. Die Jüdische Buch-Vereinigung (JBV) bringt als nächste Veröffentlichung Ende Februar das Buch von Arthur Eloesser: „Vom Ghetto nach Europa, das Judentum im Geistesleben des 19. Jahrhunderts" heraus. Ein wertvoller Teil der Bibliothek der ver^ storbenen Bakteriologin und Forscherin Professor Dr. Lydia Rabi nowitsch- Kempner, vor allem Werke über Epidemien und Infektionskrankheiten, ist von dem Sohne der Verstorbenen der Universität Jerusalem geschenkt worden. Die Buchhandlung S. L. Landsberg. Oldenburg i. O., beging am 13. Februar die Feier ihres hundertjährigen Bestehens. Am gleichen Tage vollendete der Mitinhaber Moritz Landsberg sein 80. Lebensjahr. Der frühere Großherzog hatte ihm den Titel eines Hoflieferanten verliehen. Landsberg, der jahrzehntelang in vorbildlicher Weise das Amt des Vorstehers der Synagogengemeinde verwaltete, gehört dem Central«! Verein seit vielen Jahren an. Die Aschendorffsche Verlagsbuchhandlung, Münster in Westfalen, teilt mit, daß das in der C.-V.-Zeitung, Nr. 6, besprochene Werk „Spinoza" von P. Stanislaus von Dunin Borkorwski mit den drei erschienenen Bänden noch nicht abgeschlossen ist; es erscheint in diesem Jahre noch ein 4. Baud, der „Das Lebenswerk" betitelt ist und hauptsächlich den „Theologisch-politischen Traktat" und die „Ethik" behandelt. viel von meine Bruderkinder, als wären sie meine eigne Kind. Dahin gegen hielten sie von mir mehr als von ihren eigenen Vater. Er schrieb mir, es wäre ihm sehr lieb sein, wann er in mein Mischpocho kommen könnte, und werde zur bestimmten Zeit in Schwerin sein. Ich kam also nach Schwerin und sagte ihm mein Bruder von diesen Schidduch und erzählte ihm, daß ich in Kopenhagen war und in densclbigen Quartier war logiert Jakob Gumpertz von Gütig. So viel wußte ich, daß dieser Michel Bendix vor zwei Jahren noch bei sie auf den Kontor .war für Buchhalter. Da ich nun etwas bekannt wurd mit diesen R. Jakob, fo frug ich auf diesen Bendix. Er rühmte ihm gewaltig von sein Geschicklichkeit und Ehrlichkeit und sagte mir, er ist in Preußens Lager gegangen und ist Kriegskommissarius geworden durch seine Geschicklichkeit und hat sich lechol pochauth (zum wenigsten) zehntausend Reichstaler verdient. Dieses erzählte ich an mein Bruder. Mein Bruder war sehr zufrieden. Er sagte, du mußt mit Vögelche fprechen, es sind ihr schon viel Schidduchim vorgetragen, sie hat alle ausgeschlagen. Du kannst vielleicht bei ihr mehr ausrichten. Ich ging'also bei ihr aus ihren Zimmer und stellte ihr vor den Schidduch. Allein ich fing kaum an ihr zu sagen von diesen Mensch, so sagt sie: Lieber Onkel, ich weiß, daß Sie mich lieben und ich liebe Sie so viel als mein Vater, wollen Sie mir weiter getreu sein, so sagen Sie mir von kein Schidduch. — Ich erstaunte über ihre Rede. Ich sagte zu ihr: Was sind deine Gedanken, du gehst nun in dein zwanzigsten Jahr, dein Vater ist ein Mann bei Jahren und kränklich, wann nun ein Veränderung Vorgehen sollte, wie werde es mit dir aussehn? Keine Mutter hast du, die sich um dir bekümmert, du bist vernünftig, denk selbsten nach. — Sie aber blieb bei ihre Worte, sie will nicht freien. Ich sagte zu ihr: Mein Tochter, entdeck Dich vor mir, hast du Dich mit jemand versprochen, so sage es mir. Wann er auch der allerarmster Kerl ist, so sollst Du ihm haben, und es soll in Richtigkeit gebracht werden, ehe ich von hier Wegreise. — Sie schwur bei Gott, daß sie kein Mensch hätte, was sie draus dachte. Ich konnte also nichts ausrichten bei ihr. Ich sagte es meinen Bruder. Dieser war so ärgerlich und sagte: Bor mix kann sie ewig sitzen bleiben, ehe ich ihr nunmehr ein Wort mehr sage. Um einige Tage, so kam dieser Bendix auf den Abend nach Schwerin und nahm sich ein Loschi. Zu Morgens kam einer nach mein Bruders Haus und frug nach meinen Namen, ich möchte hinkommen. Ich ging also hin, so war mein guter Bendix da. Ich bewillkommnete ihn, aber ich er-- schrak, ich glaubte, er werde die Unkosten umsonst gemacht haben. Ich nahm ihm also mit nach Bruders Haus. Mein Bruder hatte noch zwei kleine Töchter mit seine andre Frau, die älteste ungefähr dreizehn Jahre alt war. Sie lief also herauf zu ihrer Schwester Vögelche und sagte: Dein Bräutigam ist gekommen. Mein Vögelche kam aber nicht herunter. Sie kam auch nicht zu Mittag an Tisch. Dieser Bendix frug mich, wo sie wär. Ich sagte, sie befindet sich nicht Wohl. Es dauerte drei Tage, sie ließ sich nicht sehn. Den dritten Tag auf den Abend saß ich mit Bendix vor die Tür bei den schönen, gelinden Wetter. Vögelche machte ihr Fenster auf, das hörten wir. Da stund Bendix auf, und sieh, wie sie heraussehen wollte, machte ihr Bendix ein Kompliment. Da wurd sie gezwungen, ihm ein Gegenkompliment zu machen. Sie machte ihr Fenster wieder zu, er ging wieder nach sein Loschi. Nun wurd ich böse und ging heraus zu ihr und sagte: Du sollst morgen früh heruntergehen. Bis hieher habe ich gesagt, Du bist krank. Aber nun da er Dich gesehn hat an Fenster, daß Du nicht krank bist, so sollst Du morgen früh runterkommen, nun besehl ichs Dir. Es wird Dir keiner ihm anzwingen. Und sagte ihr tüchtig Bescheid. — Ja, lieber Onkel, sein Sie doch nor nicht böse, ich will kommen. Zu Morgens kam Bendix zu Kaffee und ich holte Vögelche auch herunter. Vögelche war ein hübsch Mädchen und sehr vernünftig. Bendix war ein ansehndlicher Kerl. Er machte sein seins Kompliment. Ihre Schwester Lea, die hatte sich immer mit ihm unterhalten. Ein Mädchen von dreizehn Jahr, so klug und geschickt. Sie mußt ihre Rolle zu spielen, daß sie fo viel immer zu ihre Schwester Vögelche sagte: Immer du bist so glücklich, daß du ein Chossen bekömmst, seinesgleichen findst nicht hier, und schmeichelte immer diesen Bendix. Sie hat ihm immer umgefaßt und ging mit ihm spazieren. Endlich aus den Abend, nach das Abendbrot, gingen wir vor die Tür aus der Bank sitzen. Da setzte sich Lea neben Bendix und ergriff ihm bei der Hand: Lieber Bendix, bei den angenehmen Wetter so still zu sitzen geht nicht an, kommen Sie, wir wollen ein wenig spazier». Nun stunde er auf und nahm Lea aus der eine Seit und Vögelche aus der andre Seit. Sie mußte also mit. Und gingen hin nach ihre Schwester Sarche, welches sehr hoch empfangen wurde. Ihr Schwager Herz machte viel Spaß mit sie, so daß sie endlich zusammen bekannter wurden, und aßen Abendbrot. Den andren Morgen drauf konnte ich also mit Vögelche vernünftiger drüber sprechen. Mein Bruder wollte reisen nach Pyrmont, den Brunnen zu brauchen wegen seiner Gesundheit. So bat er mich, ich möchte mit ihm reisen nach Pyrmont, so wollen wir dort in Pyrmont Tenoim (Verlobungskontrakt) schreiben. Bendix war sehr zufrieden, und wir reisten zusammen und schrieben dort Tenoim. Und reisten nachher wieder zu Haus nach Schwerin. Die Chassene ward bestimmt auf ein Jahr. Auch wurd in die Tenoim versprochen, daß ich Michel Bendix mußte mit in die Chawrusso (Teilhaberschaft) nehmen. Ich reiste nun von Schwerin nach Haus, und nahm Bendix mit nach Stockholm. Er verstünde von unser Juwelen nichts. Er war ein Kenner von allerhand seidne Sfechauraus (Waren) und weiße Sfechauraus. Aber von Juwelen konnte er nicht unterscheiden zwischen Brillanten oder Rofenstein, viel weniger ein Preis drauf zu setzen. Er blieb also ein ganzes Jahr hier bei uns, bis sein Chassene war. Er lernte unter die Zeit sehr viel, es war zu bewundern. Er handelte hier viel mit Herzog Karl und mit Prinzessen, verdiente seine Chassene hauzoaus (Hochzeitskosten). Nun reiste er nach Schwerin. Mein Schwiegersohn Jsak mit seiner Frau reisten mit ihm zu feiner Chassene und kamen bescholaum (glücklich) mit seiner junge Frau wieder zu Haus lekaan (hierher). Er war bei Hof sehr angesehen und war bei den Melech (König) engagiert für Hosjuwelier und wurde in eine kurze Zeit sehr bekannt bei alle Sseroraus (hohe Herrschaften), so daß wir unsren Handel verdubliert hatten. Ich habe ein jungen Mensch von Prenzlau ha-- bochur (den Jüngling) Scholaum bei mir angenommen, zu lernen Steinschneiden. Er hat schon vorher gelernt Chaussomstechen (Petschierstechen) und war nicht ungeschickt in seiner Arbeit. Ich nahm ihn also an auf vier Wochen zur Probe, eh ich mit ihm Kontrakt machte, um etwas kennen zu lernen. Da ich ihm befand aufrichtig, still und honett und von gute Familie und nicht unwissend, auch sehr fleißig und begreifte allens sehr geschwind, so machte ich mit ihm ein Kontrakt, daß er drei Jahr bei mir lernen sollte; die zwei letztere Jahren aber ein klein Chelek (Gewinnanteil) von der Melocho (Arbeit) haben sollte. Aber nach die drei Jahr follte er die Hälfte von der Melocho haben, da er beständig mußte arbeiten. Denn meine Geschäfte wollten es nicht zulassen, daß ich beständig arbeiten konnte. Unter seine Lehrjahren sammlete er sich einige hundert Reichstaler, dabei sehr ordentlich in Kleidung geführt. Ich hatte mein Vcrgüngen an ihm, hielt von ihm als von mein eigen Kind. Niemals habe ich ihm ein unhöslichs Wort gesagt, denn ich hatte keine Ursach dazu. Ich hatte bei mir mein Bruder Mausche sein Tochter Lea, von Kindheit an, wie sie fünf Jahr alt war. Sie war sehr artig von ihr Jugend an. Nun war sie fünfzehn Jahr alt, ein artigs Mädchen, und war wirtlich. Ich glaubte, daß mein Scholaum ihr leiden möchte. Ich wollte nach Leipzig reisen. Einige Tage vorher sagte ich zu Scholaum, er sollte mir Erlaubnis mitgeben, wann ein guter Schidduch auswärts Vorfällen sollte; ich werde gewiß auf sein Best zusehn. Er aber sagte nein, er wollte noch nicht freien. Ich sagte: Wie wärs, wann ich Euch meine Lea gebe. — O ja, sagte er, wann es Ihr Ernst ist, damit bin ich zufrieden. — Ich ließ mein Bruder Mausche rufen und sagte: Scholaum will Dein Lea haben, willst Du ihm sie geben? — Er sagte: Was Du tust, bin ich zufrieden. Ich machte also Anstallung und auf den andren Abend schrieben wir Tenoim; auf ein Aufschub soll die Chassene sein in ein Jahr, denn Lea war kaum fünfzehn Jahr alt. Also ging der Schidduch auch vor sich, und sie machten Chassene und waren vergnügt."

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