Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936) - farbig
- Issue
- 8 (20.2.1936)
- Date
- 1936-02-20
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 8*1. Beiblatt 20. Februar 1936 A Charlotte v. Embden geh. Heine Gustav v. Heine - Geldern Helene Hirsch geb. v. Embden fitJCStClfitCVI Ulfl 1. Iemricfi 1IgITIC I Eine Unterfiaftung mit der Urgrossnichte des Didters Seitenstraße, vom Kursürstendamm, Gartenhaus. Ich drücke aus den Klingelknops, und während ich ein Paar Sekunden warte, versuche ich, mir den Menschen vorzustellen, den ich aussuchen will: die Urgroßnichte Heinrich Heines, dessen Todestag sich am 17. Februar zum 80. Male jährt. So stelle ich mir die Urgroßnichte vor: eine weißhaarige Dame, in der Vergangenheit lebend, von Reminiszenzen zehrend, altmodisch und gar nicht in unsere laute Zeit passend. Da wird die Tür geössnet, eine Frau im besten Alter, modern gekleidet, steht mir im Flur gegenüber, und ich frage nach Frau Erna Kochmann. „Das bin ich selber, kommen Sie nur herein/ Und wie wenn sie erraten hätte, was für Gedanken mir noch eben durch den Kops gingen, fügt sie hinzu: „Sie haben sich gewiß einen ganz anderen Menschen unter mir vorgestellt. Das geht den meisten Leuten so. Aber treten sie nur näher; ich werde Ihnen nachher unsere Familienpapiere zeigen, aus denen können Sie dann genau ersehen, daß ich tatsächlich Heines Nichte bin." Wir gehen in das Wohnzimmer, und als erstes fallen mir die großen, buntfarbigen Porträts auf, die an den Wänden hängen. „Sicher wollen Sie wissen, wen diese Bilder darstellen", sagt Erna Kochmann, und als ich das eifrig bejahe, erklärt sie mir jedes der Porträts, wie sie es sicher schon Hunderten von Besuchern erklärt hat, und doch mit soviel Innigkeit und Wärme, wie man es nur bei Bildern von Menschen tut, zu denen man über den Tod hinaus eine rnnere Beziehung besitzt. In der linken Ecke hängt das Bild von Heines Bruder Gustav, dem Gründer des „Wiener Fremdenblattes", der später als ßfaru. M. . /u4^!'(d* ßjädkl kr iftti Ipl Freiherr v. Heine-Geldern in den Adelsstand erhoben wurde: in prächtiger blütenweißer Uniform ist er als österreichischer Dragoneroffizier abgebildet. Ihn hat Erna Kochmann nicht mehr gekannt, wohl aber die beiden Frauen, die die andern zwei Porträts darstellen. Das eine ist ihre Urgroßmutter, des Dichters aus vielen Briefen bekannte Schwester Charlotte, Baronin von Embden, das andere deren Tochter, Helene Hirsch geb. von Embden, „das blonde Lenchen", wie sie Heine in seinen Briefen nannte. Bei ihrer Großmutter Hirsch ist Erna Kochmann, die ihre Eltern - sehr früh als Kind verloren hatte, aufgewachsen, und in dem Hause dieser ungewöhnlich kultivierten und Äugen „Edelfrau mit Aristokratenfältchen", die von den Zeitgenossen als die a u ch im G e i st e verwandte Nichte Heines gefeiert und verehrt wurde, hat Erna Kochmann immer wieder von. der Großmutter und den Besuchern von ihrem berühmten Urgroßonkel gehört, Briefe und Manuskripte von ihm, die die Großmutter gesammelt hatte, gelesen und wieder gelesen, und gewiß wird dem Kind damals zuweilen die Gestalt Heinrich Heines wie in einer Vision aus seiner leidenschaftlichen Handschrift erstanden sein. Sie hatte ja den Urgroßonkel selber nicht gekannt. Aber wieviel wußte ihr die Großmutter von ihm und über ihn zu erzählen und zu zeigen! Sie erinnerte sich noch ganz genau, wie sie als zehnjähriges Kind aus seinen Knien gesessen und wie er ihr und ihrer Schwester Gruselgeschichten erzählt hatte, bis beide Mädchen weinend davonliefen. Eimal, im Herbst des Jahres 1888, weilte Helene Hirsch bei ihrer hochbetagten Mutter in Hamburg zu Besuch. Die Geschichte, die __ sich dort abspielte, erzählte sie der Enkelin, der ich jetzt gegenüber sitze, besonders gern. Es war zehn Uhr in der Früh, als es klingelte und zwei Damen gemeldet wurden. Visite bei den förmlichen Hamburgern um zehn Uhr morgens? Charlotte von Embden schickte ihre Tochter in den Salon, in dem die Damen warteten; sie ließe bedauern, aber sie könne so früh unmöglich jemand empfangen. Da richtete sich die eine der beiden Besucherinnen hoch auf und erwiderte: „Bestellen Sie Ihrer Frau Mutter, daß ich eigens nach Hamburg gekommenem, um Heinrich Heines Schwester kennenzulernen/ „Und wen darf ich meiner Mutter melden?" „Elisabeth, Kaiserin von Oesterreich." Zehn Jahre später, im November 1898, erhielt die greise Charlotte von Embden einen Brief, den mir Frau Kochmann in einer von der Großmutter geerbten Sammlung herrlicher, eine ganze Epoche der Literaturgeschichte berührender Autographen zeigt. Der Briefbogen ist trauerumründert, die Buchstaben sind zierlich aufs Papier gesetzt. Der Text lautet: Verehrte gnädige Frau? Verzeihen Sie, wenn ich als Ihnen Unbekante diese Zeilen an Sie richte, doch : glaube ich im Sinne meiner unvergeßlichen und leider so früh und aus so schreckliche Weise entrissenen Mutter zu handeln, wenn ich Ihnen beiliegende Schriftstücke zurücksende, welche von Ihrem berühmten Bruder stammen und die Mama stets als Reliquien des großen Dichters hochschätzte. Sie sprach oft von Ihnen und war glücklich darüber, daß es Ihr möglich wurde mit Ihnen zu verkehren. Da ich leider nicht hoffen kann je selbst diese Freude zu genießen, wollte ich wenigstens die Gelegenheit ergreifen Sie schriftlich meines lebhaftesten Interesses zu versichern, mit welchem ich bleibe Ihre aufrichtige Gisela Prinzessin von Baiern Leider hat die Großmutter, wie mir Ernc Kochmann erzählt, viele schöne Stücke, vo: Charlotte v. Embden Anna Italiener Helene Wilhelm Hirsch f Mathilde Julius f Marie Fürstin della Rocca, Moritz Heinrich Heine Baron Ludwig v. Embden Heine Baron Gustav von Heine Geldern Samson Heine