Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936) - farbig
- Issue
- 7 (13.2.1936)
- Date
- 1936-02-13
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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- Franz Rosenzweig 2× ep/1004530
- Hans-Joachim Schoeps 2× ep/1026342
- Ludwig Holländer 2× ep/1023873
- Ernst Simon 1× ep/1009494
- Eugen Fuchs 1× ep/1032463
- Felix Goldmann 1× ep/1012096
- Gabriel Riesser 1× ep/1026280
- Hermann Cohen 1× ep/1004894
- Ignaz Goldziher 1× ep/1026165
- Jacob Lestschinsky 1× ep/1009233
- Jacob Picard 1× ep/1027693
- Samuel Krauss 1× ep/1023364
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22. Ds.: Das jüdische Volk im neuen Europa. Die wirtschaftliche Lage der Juden in Ost- und Zentraleuropa seit dem Weltkrieg. Prag, 1934. 4. Wanderungsproblem und Auswanderung 23. Michael Trauh: Jüdische Wanderbewegungen vor und nach dem Weltkrieg. Berlin, Jüdischer Verlag, 1930. 24. B. W einryb: Deutsch jüdische Wanderungen im 19. Jahrhundert. „Morgen**, Jahrgang 10. 25. Jacob Lestschinsky: Die Umsiedlung und Umschichtung des jüdischen Volkes im Laufe des letzten Jahrhunderts. Sonderdruck aus „Weltwirtschaftliches Archiv**, Jena, Fischer, 1930. 26. Ds.: Die berufliche Zusammensetzung der jüdischen Einwanderung in die USA 1900 bis 1925. „Weltwirtschaftliches Archiv**, Band 27, 1. Heft, Jena, Fischer. 27. Wlad. Kaplun-Kogan: Die jüdischen Wanderbewegungen in der neuesten Zeit 1880 bis 1914. Bonn, Marcus & Weber, 1918. 28. Korrespondenzblatt über Auswanderungs¬ und Siedlungswesen. Herausgegeben vom Hilfsverein der Juden in Deutschland. Ausgabe September 1935. 29. Alijah. Informationen für Palästina-Aus- A. Der Zeitraum der rechtlichen Emanzipation 1. Gabriel Riesser: Ueber die Stellung der Bekenner des mosaischen Glaubens in Deutschland, 1831. Als deutsch-jüdische „Quellenschrift“ von hohem Reiz. 2. Rafael Löwenfeld: Schutzjuden oder Staatsbürger? Berlin 1893. Die Schrift, die zur Gründung des Centralvereins führte. 3. Eugen Fuchs: Um Deutschtum und Judentum, Gesammelte Aufsätze. Frankfurt a. M.t Kauf f mann, 1919. 4. Derselbe: Glaube und Heimat. Berlin, Philo-V erlag, 1928. Eugen Fuchs, einer der Gründer und Führer des Centralvereins, hat in seinen gesammelten Aufstäzen die deutsch-jüdische Idee so dargestellt, wie sie über ein halbes Jahrhundert lang gelebt wurde. Ein kurzer, die beiden Pole — Glaube und Heimat — der deutsch-jüdischen Weltanschauung umreissender Aufsatz, ist unter Nr. 3 genannt. 5. Hermann Cohen: Deutschtum und Judentum. Giessen, Töpelmann, 1915. Cohen versucht, die Verwandtschaft von deutschem und jüdischem Geist zur Grundlage einer deutsch-jüdischen Anschauung zu machen. Weitere Werke von Cohen s. unter IX. 6. Franz Rosenzweig: Briefe. Berlin, Schocken, 1935. Rosenzweigs „Stern der Erlösung“ (s. unter IX) gilt heute als jüdische Philosophie im deutschen Raum schlechthin. In das Wachsen und Reifen des Menschen und Denkers Rosenzweig — und im weiteren Sinne einer ganzen Epoche jüdischen Lebens in“ Deutschland — führen seine Briefe so klar und leuchtend ein, dass ihre Kenntnis im Grunde eine Forderung des Tages ist. Die philosophischen Schriften Rosenzweigs siehe unter IX. 7. Paul Rieger: Vom Heimatrecht der deutschen Juden. 4. Auflage. Berlin, Philo- Verlag, 1930. 8. J. Segall: Die deutschen Juden als Soldaten im Kriege 1914—1918, mit einem DasFebruar-Heftdes „Morgen“ „Es erwächst für die kleine Gruppe derer, die ohne Verwischung notwendiger Grenzziehungen mit aller Leidenschaft ihres Willens jüdische Solidarität erstreben, die gesteigerte Pflicht zur Frage und 'Tat: zur Frage, ob überhaupt inmitten der hochauf brandenden Wogen der innerjüdischen Flut ein Fleckchen noch geblieben ist, auf dem Gemeinschaftsarbeit geplant werden kann, und zur Tat der entschlossenen Verwirklichung, sofern dies Vorfrage bejaht wird." Dieser Satz der Besinnung und der Verantwortung ist das Leitmotiv des Aufsatzes „Lösung der Judenfrage" von E. R.-J., der das Februarheft des „Morgen" einleitet. Er kommt zu dem Ergebnis, das weithin gebilligt werden wird, daß es eine totale „Lösung" der Judenfrage aus dem unabänderlichen Wesen des jüdischen Schicksals heraus nicht geben kann, und daß von dieser Einsicht her „manches aufgeregte Getriebe" bedeutungslos wird. Es ist sehr interessant, der Verzweigung dieses Grundgedankens in den folgenden Aufsätzen nachzuspüren. Fritz Heinemann setzt seine Ausführungen über „Grundgedanken jüdischer Philosophie", die er in früheren Heften begonnen hat, fort, indem er in außergewöhnlich klarer Sprache einer vorausgeschickten allgemeinen Philosophie des Menschen eine Philosophie des jüdischen Menschen anschließt, die in dem „heiligenden" Akt einer umfassenden Wertgebung sein eigentliches Wesen beschlossen sieht. MartinBubers Aufsatz über „Die Bibel als Erzähler" konkretisiert diesen allgemeinen Gedankengang in einer philologisch eingehenden Erläuterung des Leitwortftils der Pentateuch-Erzählung, die für den Leser seiner Bibelübersetzung den Wert eines Kommentars hat. Mächtig setzt sich im zweiten Teil des Heftes diese Konkretisierung des Ausgangsthemas fort in einem temperamentvollen Aufsatz von M.J.ben- G a w r i e l über „Die Araraberfrage". Die Schriftleitung stellt in einer Vorbermerkung die darin vertretene These von der notwendigen Angleichung des jüdischen Palästina an die orientalische Umgebung zur Diskussion. Nun also: Wanderer. Herausgegeben vom Palästina- Amt der Jewish Agency for Palestine, Berlin W 15. Ausgabe Februar 1936. 5. Berufsfragen 30. Jüdische Bevölkerungspolitik. Herausgegeben von der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden. Berlin, 1930. Zur Frage der Berufsumschichtung! 31. Lucie Zobel: Die jüdische Berufsberatung. Grundlagen und Praxis. Herausgegeben von der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden. Berlin, 1931. 32. Dr. Heinrich Kuhn: Berufswechsel oder Berufsumschichtung. „CV-Zeitung** Nr. 27, 29 und 3011934. 33. Otto Neuburger: Was soll aus uns werden? Zur Berufswahl und -Umschichtung von Juden in Deutschland. Schriften der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland, Nr. IX. 34. Louis Wolff: Handwerk im Judentum. Berlin, Biho-Verlag, 1935. Ein jüdischer Handwerker kämpft für den Aufstieg seines Standes. Im Gegensatz zum Zionismus verfügt die deutschjüdische Idee nur über ein geringes Schrifttum. Seit 1933 findet das Ringen um eine Substantiierung der weltanschaulichen Haltung der Juden in Deutschland vornehmlich in kleineren Broschüren und Zeitschriftenaufsätzen seinen Niederschlag. Vorwort von Professor Silbergleit. 3. Auflage. Berlin, Philo-Verlag. 6. Die jüdischen Gefallenen des deutschen Heeres, der deutschen Marine und der deutschen Schutztruppen 1914—1918. 2. Auflage. Heraus ge geben vom Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, 1932. 10. Kriegsbriefe gefallener deutscher Juden.- Herausgegeben vom Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, Berlin, Vortrupp-Verlag, 1934. 11. Der Jude, Sammelschrift „Judentum, Christentum, Deutschtum**. Berlin, Jüdischer Verlag, 1927. Das Heft der bekannten Zeitschrift enthält über 40 Aufsätze zu diesem Themenkreis aus der Feder bekannter Denker und Schriftsteller. 12. Ludwig Holländer: Deutsch-jüdische Probleme der Gegenwart. Berlin, Philo-V erlag, 1929. 13. Felix Goldmann: Der Jude im deutschen Kulturkreis. Berlin, Philo-V erlag, 1930. B. Die Stellung im nationalsozialistischen Staat In der C. V.-Zeitung erscheinen fortlaufend wichtige Beiträge zu dieser Frage. 14. Alfred Hirschberg: Der Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, in „Wille und Weg des deutschen Judentums**. Berlin, Vortrupp-Verlag, 1935.' 15. Leo Löwenstein: Die Linie des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten, in „Wille und Weg des deutschen Judentums**. 16. Hans Joachim Schoeps: Der Deutsche Vortrupp, der Ort geschichtlicher Besinnung, in „Wille und Weg des deutschen Judentums**. 17. Heinz Kellermann: Der „Bund** (deutschjüdischer Jugend), in „Wille und Weg des deutschen Judentums**. Diese vier Aufsätze versuchen, den Standort wichtiger jüdischer Gruppen in Deutschland zu schildern. 18. Hans Joachim Schoeps: Wir deutschen Juden. 2. Auflage. Berlin, Vortrupp-Verlag, 1934. (Fortsetzung folgt.) auch der Rezensent bekennt sich zu der Auffassung, daß sich das Fehlen jeden konstruktiven Gedankens aus jüdischer Seite zur Einordnung in die werdende arabische Staatenwelt, ja selbst jeden Versuchs moralischer Beeinflussung eines Tages als schwere Unterlassungssünde erweisen wird. Den Kranz der Aufsätze schließt Jefim Schirmann mit „Betrachtungen über neuhebraische Dichtung", die in eine Würdigung der Bialikschen Bemühungen zur Wiederbelebung der Poesie des Mittelalters ausmünden. Belletristik ist, der Gepflogenheit des „Morgen" entsprechend, eingestreut: neben Gedichten von E m m h Wolf und der Selbstbesprechung Emanuel bin Gorions zu seinem im Schocken-Verlag erschienenen Lesebuch „Das siebenfache Licht" fesselt vor allem die Fortsetzung der überaus plastischen Erzählung von Jacob Picard „Der Gezeichnete", in der beste südwest- . deutsche Schreibtradition Johann Peter Hebelscher und Berthold Auerbachscher Herkunft-jüdisches Leben der Urgroßväterzeit, so wie es war, lebendig macht. Ich rechne diese Erzählung zu den dichterisch reifsten Bemühungen aus der deutschjüdischen Literatur der letzten Jahre. Ein reicher Besprechungsteil schließt das Heft ab. Ueber ihn verrate ich nichts. Der Leser der „C.-B.-Zeitung" soll die Februar-Nummer des „Morgen" selbst zur Hand nehmen. 6a. Jiddische Bibelübersetzung abgeschlossen Retv-York, 10. Februar. (ITA) Dieser »Tage sind die beiden letzten Bände der von Jehoash besorgten ersten modernen Bibelübersetzung ins Jiddische erschienen. An dieser Bibelübersetzung, die insgesamt acht Bände umfaßt, hat Jehoash zwanzig Jahre lang gearbeitet. Anläßlich des Abschlusses dieses Werkes hat das Jehoaih-Komitee, dem 78 jüdische Schriftsteller und Gelehrte angehören, eine Mitteilung veröffentlicht, in der die Bedeutung dieser 'Bibelübersetzung gewürdigt wird. Das Komitee beabsichtigt, Kommentare zu der Bibelübersetzttng von Jehoash in zwei Bänden herauszugeben. Aguda, noch dem Misrachi angehören, aber die Verpflichtungen empfinden, sich über die Stellung des religiösen Palästina-Aufbaues und die tragenden Faktoren der geschichtlich, traditionellen Auffassung des Judentums Klarheit zu verschaffen. Die Broschüre ist bei der Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel, Frankfurt am Main, Schwanenstraße 12, zu beziehen. Eduard Strauss — 60 Jahre Am 18. Februar vollendet Dr. Eduard Strauß, Frankfurt am Main, sein 60. Lebensjahr. Dieser Tag bedeutet für ihn selbst sicherlich nur eine Etappe seines reichen Lebens, gibt uns aber den erwünschten Anlaß, einen Blick auf seine Entwicklung und seine Leistungen zu werfen, um so mehr, als die breitere jüdische Oefsentlichkeit in der drängenden Fülle der Tagesereignisse nur selten von ihm hört. . Er ist in Kreuznach geboren, in jener schönen deutschen Landschaft, die, nahe des Rheins, eine seit langem dort ansäßige, in besten Traditionen wurzelnde jüdische Bevölkerung aufweist. Seine Universitäts-Studien führten ihn über Bonn, München und Berlin, wo er bei v. Baeyer, Emil Fischer und anderen Chemie, Physik und Botanik hörte, dann wurde er Assistent am Institut für angewandte Chemie unter Hrlger in München und studierte dort noch Medizin. Im Jahre 1905 war er in Berlin als Mitar^iter Emil Abderhaldens tätig und von 1907 ab Laboratoriums-Leiter in der Klinik des städtischen Krankenhauses in Frankfurt und anderen Instituten. Im'Jahre 1922 wurde er durch Geheimrat Wilhelm Kolle an das der Frankfurter Universität angegliederte Chemotherapeutische Forschungsinstitut Georg-Speyer-Haus berufen. Eduard Strauß hat bis zu seiner Beurlaubung vor wenigen Monaten dort eine Forschertätigkeit ausgeübt. Er gilt auf diesem Fachgebiet als Kenner von hohem Range, dessen zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten stets das Interesse seiner Fachgenossen beanspruchen. Für uns ist vor allem die jüdische Arbeit von Eduard Strauß wichtig. Als Franz Rosenzweig nach dem Kriege nach Frankfurt a. M. kam und das freie jüdische Lehrhaus schuf, war Eduard Strauß sein engster Mitarbeiter. Aus dieser Zusammenarbeit erwuchs eine tiefe Freundschaft zwischen diesen beiden Männern. Das Frankfurtex Lehrhaus wurde durch ihre und B u b e r s' Lehrtätigkeit zu einem der geistigen Mittelpunkte jüdischer Arbeit in Deutschland. Die Spannungen zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft und verschiedenster jüdischer weltanschaulicher Haltung wurden in gemeinschaftlicher Arbeit fruchtbar gestaltet und schufen eine geistige Atmosphäre besonderer Art, die vor allem die Menschen der jüdischen Jugendbewegung wahrhaft förderten. Schon bald gesellten sich zu diesen drei Männern Richard Koch, Ernst Simon, Rudolf Hallo, Nachum G l a tz e r und andere, die in einer neuen Art jüdischen Lernens für das Leben einer ganzen jüdischen Generation entscheidend wurden. Es wird sicher Eduard Strauß' eigenen Wünschen entsprechen, wenn aber neben und vor den Genannten noch gerade eines Mannes aus diesem Anlaß gedacht wird, der trotz oder vielleicht gerade wegen der Stille seines Wirkens den entscheidendsten Einfluß in jenen Jahren ausübte. Hinter der Persönlichkeit Franz Rosenzweigs, der im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit der jüdischen Welt stand und steht, tritt die Gestalt Nehemia Nobels in den Hintergrund. Gerade er aber war es auch, der auf Eduard Strauß in seinen reifen Mannesjahren entscheidenden Einfluß ausübte. Wie bei seinem Lehrer Nobel, geht Strauß' tiefste Wirkung vom gesprochenen Wort aus. Die Zahl der wissenschaftlichen Arbeiten des Chemikers Strauß sind groß, die schriftstellerischen Arbeiten des lehrenden Juden Strauß sind an Zahl gering und für ihn und seine Bedeutung ohne besondere Wichtigkeit. Der Vortrag, die Diskussion, die Arbeitsgemeinschaft, das Zwiegespräch, das sind die Formen, in denen Strauß wirksam wird. Er hat im Jahre 1928 auf einer Hauptversammlung des C. V. über die Frage „Abwehrveretn oder Gesinnungsverein" das Korreferat zu dem in diesen Tagen verstorbenen Ludwig Holländer gehalten und dort aus der für ihn charakteristischen weiten gesaiytjüdischen Schau die Forderungen erhoben und begründet, daß der C. V. für die Abwehrarbeit' parteipolitisch ungebunden sein müsse. ■ Von den großen religions-philosophischen und religions-historischen Vortragsreihen sind einige Vorträge im „Der Jude", „Der Morgen" und „Die Kreatur" erschienen. Edrmrd Strauß gehört zu jenen Gestaltern des gesprochenen Wortes, die durch die faszinierende Form der Darstellung auch für abgelegene Probleme Interesse erweckt und ihnen in ernem Geegnwartszusammenhang neues Leben gibt. Eine Arbeit sagt aber über den Juden und Menschen Eduard Strauß, so wie ich ihn sehe, das Letzte und Entscheidende aus. Er hat im Jahre 1919 mit ein paar Menschen angefangen, die Bibel in Deutsch zu lesen. Zuerst war es die Luthersche Uebersetzung und jetzt ist es die von Buber-Rosenzweig. In dem kleinen Schulzimmer sitzt auch heute noch, nach 16 Jahren, der kleine so bewegliche Mann, den Kopf nach vorn gebeugt, grauer geworden, aber mit der ganzen ungeheurey Lebendigkeit dienend am Wort unseres Buches. All die Menschen, die schon genannt wurden, saßen auf den niedrigen Schulbänken, alle haben mit Strauß um das Wort gerungen und hier hat sich in den langen Jahren den Menschen, die mit Strauß Bibel lesen, eine fast verschüttete Welt , eigenen Besitzes geöffnet. Hier wurde aus der Uebersetzung gelesen, nicht entfernend vom Sinn, sondern hingehend zu ihm. Hier wird auch heute noch, nach mehr als 15 Jahren, Wort für Wort neuer Besitz jüdischer Menschen geschaffen. Ich habe zu jenen wenigen gehört, die „Im Anfang" dabei waren. Ich mußte aus dieser Gemeinschaft von. Lehrer und Lernenden in der Mitte des Zweiten Buches nach sechs Jahren scheiden, und wenn ich jetzt manchmal am Donnerstag abend in Frankfurt Bibel lesen kann, dann ist jene einzigartige Einheit der Arbeit wieder da, solange die Pause auch gewesen sein mag. Alles ist dort lebendiges Wort: das Geschriebene unseres Buches und das Gesprochene des Lehrers. Es wirkt gestaltend fort, wiewohl nichts aus dieser Arbeit von 1Z4 Jahrzehnten niedergeschrieben wurde. Sie sind heute dort bei den Kapiteln des frühen Jesaia. VII. Juden und Deutschland Mitten drin ist Eduard Strauß, der 60jährigß in seiner über den engen Kreis seiner Schüler hinaus wirksamen Arbeit. Er liest Bibel, wenn er zu den Bünden der jüdischen Jugend kommt, um ihre Arbeit zu fördern. Eduard Strauß hat noch einen großen Teil seiner Arbeit vor sich. Was könnte 'man ihn an diesem Tage Besseres und Wichtigeres sagen? Fritz Schwarzschild Samuel Krauss zum 70. Geburtstag am 18. Februar Samuel Krauß, seit 30 Jahren Professor an der Israelitisch-Theologischen Lehranstalt in Wien, nachdem er vorher an deo Lehrerbildungsanstalt in Budapest gewirkt hatte, gehört zu den produktivsten und vielseitigsten jüdischen Gelehrten der Gegenwart. Sein berühmter Lehrer Ignaz Goldziher pflegte ihn in jungen Jahren den wandelnden Separatabdruck zu nennen, weil er ihm jedesmal, wenn sie einander begegneten, den Abdruck einer neuen Abhandlung überreichte. In Jahrzehnten bewundernswerter Hingebung und eifrigster Arbeit ist die Anzahl dieser Bücher und Aufsätze ins Märchenhafte gewachsen, eine Bibliographie von Krauß sämtlichen Veröffentlichungen wird wahrscheinlich an die Ziffer 2000 heranreichen; es gibt kaum eine jüdisch-wissenschaftliche oder allgemeine in sein Fach einschlagende Zeit- oder Sammelschrift, in der er nicht publiziert hat; seine Aufsätze sind in deutscher, ungarischer, hebräischer, französischer, englischer und italienischer Sprache erschienen. Seine Arbeiten lassen sich in einige Hauptgebiete zusammenfassen. Zunächst ist da die Bibel zu erwähnen: Krauß ist einer der Hauptmitarbeiter der ungarischen Bibelübersetzung, die 1906 gerade bei seinem Abschied von Budapest fertig wurde, gewesen, er hat einen hebräischen Kommentar zum Buche Jesaia verfaßt — von kleineren Arbeiten ganz zu schweigen. Er hat Beiträge zur jüdischen Geschichts forschung geliefert, die zumeist aus seinen Vorlesungen hervorgegangen und neben dem 2. Jahrhundert den Juden im byzantinischen Reiche sowie der Leidensgeschichte der Juden in Oesterreich oder der Familiengeschichte gewidmet sind. Sein wichtigstes Arbeitsgebiet aber wurde die Philologie und Archäologie. Schon als Student hat er eine Preisarbeit verfaßt, die unter dem Titel „Griechische und lateinische Lehnwörter im Talmud, Midrasch und Targum" in zwei Bänden erschienen ist. Diese Studien führten ihn zu tief eindringenden Forschungen kulturhistorischen Inhalts über die Zusammenhänge zwischen der jüdischen und der römischen bzw. byzantinischen Ihnen verdanken wir sein Riesenwerk „Talmu* dische Archäologie" (drei Bände von 1900 Seiten), in denen aus Grund der Quellen das gesamte Leben des einzelnen zur Darstellung kommt, Wohnung und Hausgerät, Nahrung und ihre Zubereitung, Kleidung und Schmuck, Körperpflege, Familienleben, Landwirtschaft, Handwerk, Verkehr und Handel, Geselligkeit und Unterhaltung, Schrift und Buchwesen, Schule. Zur Ergänzung erschienen die „Synagogalen Altertümer", und ein weiterer Band über die Staatsaltertümer liegt druckfertig da und konnte nur wegen der Ungunst der Zeiten bisher nicht erscheinen. Hier ist also die gesamte Welt des Juden in dem Jahrtauselld von Alexander dem Großen bis zur Errichtung des mohammedanischen Reiches auf Grund der Originalquellen und von Vergleichen mit der Antike geschildert. Es gibt Nörgler, die, weil sie in diesem monumentalen Bau einzelne Jrrtümer finden — und wer so viel und so rasch schreibt, übersieht leicht Kleinigkeiten oder neigt zu gewagten Hypothesen — mit Geringschätzung auf das gesamte Werk blicken, aber jeder, der selbst einmal versucht hat, einen großen Stoff Zusammenzufassen und zu meistern, wird die Kunst bewundern, mit der hier aus einem weithin zerstreuten Schrifttum, aus den Trümmern der antiken Welt und der im Stil so knappen talmudischen Literatur das Material gesammelt und in höchster Anschaulichkeit und Eindringlichkeit dargestellt ist. Wir sind dem Verfasser für eine Leistung verpflichtet, die in der jüdisch-wissenschaftlichen Literatur ihresgleichen sucht, ganz wie dieses Gelehrtenleben in seiner Hingabe an die Forschung einzig dasteht. Der Mann — einen Greis dürfen wir ihn nicht nennen —, der auf dieses gewaltige Lebenswerk zürückblicken kann, steht, ungeachtet aller Schwierigkeiten, welche das Wien der Nachkriegszeit in sich birgt, noch immer unverdrossen mit voller Kraft in der Lehre und der Arbeit. Möge es ihm vergönnt sein, noch lange, lange Jahre mit gleicher Freudigkeit und gleicher Liebe der Wissenschaft zu dienen zu seiner Freude und zu Nutzen und Ehren des Judentums! Ismar Elbogen.