Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936) - farbig
- Issue
- 6 (6.2.1936)
- Date
- 1936-02-06
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2277379-9449481-9449242--10020-9448679- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Der Delegiertentag der ZVFD (Fortsetzung des Berichts vom Häuptblatt, 2. Seite) Palästina. Die zionistische Organisation habe sich trotz zeitweise bedenklicher Schwächung durch die Palästina-Wanderung führender Mtarbeiter schließlich, gestrafft und konsolidiert. Die Forderung strengster Disziplin habe zum Ausschluß der Revisionisten und zum Verbot der Doppelmitgliedschaft mit dem Reichsbund jüdischer Frontsoldaten geführt. Diese letzte Maßnahme habe übrigens die Beziehungen zum RIF eher verbessert als verschlechtert. Eine offene Frage bilden lediglich noch die Zustände in der Berliner Gemeinde» in der unter dem Namen „Jüdischer Volksbund" eine Gruppe tätig sei, die in der ZBfD Organisierte und Nichtorganisierte umfasse, und sich der Disziplin der Zionistischen Vereinigung entziehe. Es sei eine Hoffnung des Delegiertentages, daß in seinem Verlaufe diese die Schlagkraft, der Organisation lähmende Tatsache liquidiert werde. Die jüdisch-politische Linie, die während der letzten Jahre innerhalb der eigenen Kreise nicht imMer auf volles Verständnis gestoßen sei, sei charakterisiert durch eine intensivere Zusammenarbeit zwischen Zionisten und Nichtzionisten auf dem Gebiete, des Palästina-Ausbaus und gleichzeitig durch eine unverändert starke Abgrenzung in ideologischer Beziehung. Die Zusammenarbeit, vor allem aus dem Gebiete des Keren Hajessod habe durch den Beitritt der Reichsvertretung zum Keren Hajessod ihre Krönung gefunden. Die Erklärung, die die Reichs- Vertretung im Zusammenhang mit diesem Schritt abgab, habe überhaupt ein weitgehendes Zugeständnis an das zionistische Programm bedeutet. Diese sachliche Anerkennung aber genüge nicht. Sie müsse auch organisatorisch vollzogen werden durch die Uebergabe der Führung in allen zentralen und. örtlichen Körperschaften an die Zionistische Organisation. Dieser Führungsanspruch bilde die natürliche und berechtigte Konsequenz aus dem zum Teil erfolgreichen Kampf um die Durchsetzung der sachlichen Forderungen. Gerade im jetzigen Zeitpunkt, nicht früher und nicht später, sei die Entwicklung für diesen Führungsanspruch reif geworden. Die Abneigung der innerjüdischen Gegner gegen diese Forderung sei zuweilen in die überraschende Form gekleidet worden, daß man den Zionisten angeboten habe, die gesamte Arbeit zu übernehmen, um die von ihnen geforderte führende Beteiligung zu vernteiden. Dieses Angebot sei wahrscheinlich nicht ganz ernst gemeint gewesen. Sollte das jedoch der Fall sein, so werde man auch vor einer Uebernahme der vollen Verantwortung nicht zurückschrecken. Aber in Wirklichkeit gehe es nicht um ein Entweder- Oder zwischen jüdischer Gemeinschaftsarbeit überhaupt und zionistischer Führung, sondern es gehe darum, die produktiven jüdischen Kräfte unter entscheidendem zionistischem Einfluß zu bestmöglicher Wirksamkeit zusammenzufqssen. Gegenwärtig stehe die Umbildung der Reichsvertretung im Sinne des Fifty-fifty-PrinziPs im Mittelpunkt der Bemühungen. Sie sei noch nicht zum Abschluß gekommen. Moses schloß mit der Frage nach der zionistischen Bewährung, die er in vollem Umfange bejahen zu dürfen meinte. Hu Beginn der * Generaldebatte meldete Rabbiner Dr. Hoffmann (Frankfurt - am Malin) die Forderungen der gesetzestreuen zionistischen Kreise, die im Misrachi organisiert sind, an." Die so häufig in der zionistischen Presse vorkommenden Wendungen wie „jüdischer Lebensstil" seien nicht anders deutbar denn im Zusammenhang mit religiöser Lebensführung/ Es käme weniger auf Zahlenverhältnisse wie „Fifty-fifty" an als auf die geistige Führung, die sich den Forderungen der Thora, des Heiligen Landes und des Heiligen Volkes unlösbar verbunden fühle. Dr. Friedenthal erhob schwere Angriffe.gegen die nichtzionistischen Partner innerhalb der auf Zusammenarbeit aufgebauten Gremien, und warf ihnen Illoyalität vor. Die Eroberung der Gemeinden sei bis ins Letzte durchzuführen und das Fifty-fifty-PrinziP dürfe lediglich als eine Etappe betrachtet werden, die gleichfalls überwunden werden müsse. Es sei notwendig, daß mit starker Hand aus diese Ziele hingearbeitet werde. Wenn es richtig sei, das häufig die zweite Garnitur zionistischer Führer in den Vordergrund rücke, so fei diese zweite zionistische > Garnitur immer noch wertvoller als die. erste nichtzionistische. Dr. Josephsthal, Berlin, wies auf die Notwendigkeit der Erziehung innerhalb der Bewegung hin. Diese Forderung, deren Verwirklichung vor allem in der Chaluziüt versucht werde, feien wichtiger als organisatorische Veränderungen jeder Art. Dr. Hans Klee, Berlin, leugnete entschieden irgendein Sonderverdienst des deutschen Zionismus und kritisierte das Verhalten der Hitachdut Olej ■ Germania bei den Stadtratswählen in Tel- Aviv und die Stellungnahme der „Jüdischen Rundschau" zur Frage des Legislative Council. Die Gründung der Reichsvertretung habe der zionistischen Bewegung Plötzlich einen Gedanken aufoktroyiert, nämlich den der Kooperation mit Nichtzionisten, der bis dahin auf das schärfste bekämpft worden sei. Das habe zu einer Stärkung der nichtzionistischen Richtung und der nichtzionistischen Organisationen geführt. Selbst wenn die Reichsvertretung im Sinne der Fifty-fifty p» gewandelt sein werde, werde sie noch nicht legitimiert sein, sondern müsse einer totalen Umgestaltung entgegengeführt werden. Der Volksbund habe an Stelle der leichtsinnigen Reichsvertretungspolitik die Durchsetzung des Zionismus in den Gemeinden erstrebt. In der weiteren Generaldebatte sprachen außerdem noch Lubinski, Berlin, Kurt Löwenst e i n, Berlin, Rechtsanwalt Philipp K o z o - wer, Berlin, Dr. Michael T r a u b, Berlin, Ist Eisner, Berlin, Dr. Hans Pomeranz, Frankfurt a. M., Michaelis, Berlin, Dr. Ernst Markus, Berlin, und Hugo W o l f e r m a n n , Berlin. Hervorzuheben ist die Diskussionsrede von Dr. Joachim Prinz, die das Mißverhältnis der katastrophalen Lage der Juden in Osteuropa und der teilweise kleinlichen Fragen, die bisher in der Generaldebatte erörtert worden seien, scharf geißelte und die Größe und Kraft eines utopischen Zionismus, des Glaubens an die reine Idee in den Vordergrund stellte. Im Schlußwort verteidigte Dr. Franz Meyer die Bündnispolitik in der Reichsvertretung mit der 1933 von allen Seiten gemeinsam erkannten Notwendigkeit, den völligen Zusammenbruch der Juden in Deutschland zu verhindern. Er wehrte sich dagegen, das Niveau der Auseinandersetzung mit den Nichtzionisten herabzerren zu lassen, und mahnte dazu, die drängende Zeit zu wirklichen Leistungen zu nutzen. Kurt Blumenfeld setzte sich sodann in einem weiteren Schlußwort scharf mit dem Misrachi- Redner, Rabbiner Hoffmann, und mit dem Volksbund-Redner, Dr. Hans Klee, auseinander. Der 2. Verhandlnngstag Die Kulturreferate Der zweite Tag war der Erörterung von Kulturfragen gewidmet, die durch ein Referat von S. Tschertok über „Die zionistische Bewegung als Trägerin jüidschen Kulturarbeit" und Hans Gärtner über den „Aufbau der jüdischen Schule" eingeleitet wurde. S. Tschertok ging davon aus, daß die Säkularisierung des Judentums die Einheit des Lebensgefühls zerstört habe, und daß diese wiedergefunden werden müsse. Das jüdisch-kulturelle Leben in Deutschland könne nur Uebergangscharakter tragen. In diesem Uebergang müsse es gelingen, den jüdischen Bezirken ein neues Geschichtsbewußtsein und ein neues nationales Freiheitsideal zu geben. Dieses Freiheitsideal werde verwirklicht in der Rückkehr nach Palästina, und zwar-in einem Sinne, der mehr ist als die Verlegung der Existenz, der vielmehr die Sammlung aller verschütteten Kräfte der Judenheit umfasse. Die 350 000 Juden in Palästina seien nur ein kleiner Anfang. Die Rückkehr zum Hebräischen sei nicht aufzufassen als die Erlernung irgendeiner Landessprache, sondern als Teil der zionistischen Zielsetzung. Sie müsse getragen werden vom Willen zum Zionismus. Daß der organisatorische Träger der jüdischen Kulturarbeit in Deutschland, der Kulturbund, es bisher nicht fertiggebracht habe, wirkliche jüdische Kulturarbeit zu leisten, liegt in unserer völlig anormalen Situation begründet. Es sei auch keineswegs ■ erstrebenswert, dort irgendwelche Werke aufzuführen, nur weil uns ihre Tendenz genehm sei, sondern es komme darauf an, die Maßstäbe zu behalten und scharfe Kritik au üben, wenn man unter diesem Deckmantel minderwertige Dinge anbiete. Das kleinere Uebel sei es, wenn man in diesem Rahmen auch weiter auf jüdische Werte verzichte. Im ganzen sei es die Aufgabe der jüdischen Kulturarbeit, die Rückkehr nach Palästina geistig vorzubereiten. Hans Gärtner stellte die Forderung auf, daß das jüdische Bildungsstreben sich um ein jüdisches Zentrum gruppiere. Die zionistische Forderung an die Schule erschöpfe sich nicht darin, daß Hebräisch und Palästinakunde getrieben werde, sondern lause aus eine Umwandlung der gesamten Bildungsgrundlagen hinaus. Es müsse eine jüdische Einheitsschule geschaffen werden, die die Jugend nicht für Palästina und nicht für Deutschland und nicht für Uebersee erziehe, sondern die davon ausgehe, daß es überall nur e i n e Judenfrage gäbe und daß es darauf ankomme, sich den verschiedenen Erscheinungsformen dieser Judenfrage gewachsen zu zci- Berechenbare sei das Entscheidende in der Wirtschaft, sondern ebenso das Unberechenbare, die ständige Erneuerung des Pioniertums. Die Frage der Landflucht sei lediglich von dieser Seite her zu lösen. Die 40jährige Wüstenwanderung müsse ersetzt werden durch bie zionistische Erziehung. Noch gäbe es zu wenig Bürgersinn im Lande. Er müsse herangebildet werden, weil allein ihm die Aufgaben auferlegt seien, die anderswo durch Zwang und Unterordnung gelöst werden. Ein wichtiger Träger der Erziehung sei der Kreis, in dem der einzelne kontrolliert und zensiert werde, und der doch seinerseits sich in das Ganze einordne. Der Verlust der großen Erzieher Bialik und Schmarja Lewin sei noch nicht überwunden. Unerbittliche Kritik tue not, damit aus dem Rest Europas-Amerikas, der sich da zusammengefunden habe, wirklich ein Nest Israels werde. Die jüdische Welt sei noch weit entfernt von einer Aenderung ihrer Ansicht über die Judenfrage. Man frage, ob es nicht Verwirklichung des Judentums überall gäbe, ob es wirklich notwendig sei, die Weite der Welt mir der Enge des einen Landes zu vertauschen. Darauf sei zu antworten, daß man auch in der Mitte derer, denen man viel verdanke, niemals ein legitimer Mitarbeiter gewesen sei. Auch der, der die Welt und ihren Reichtum kennt, müsse wissen, daß er mit dem Schritt zum Zionismus in eine flutende Welt einträte, die man nicht errechnen könne, aber die vielleicht das Außerordentliche leisten werde, das in ihr aus dem Chaos einstmals wieder neue Schöpfung emporwächst. Zu dieser Schöpfung habe die deutsche Spielart des Zionismus wesentliches beigetragen, gerade weil es sich einen Postassimilatorischen Zionismus gehandelt habe. Es komme nicht auf bequeme Stimmungsersolge an, sondern man müsse immer wissen: es sei schmerzhaft und schwierig, ein wahrer Zionist zu fern, aber in der gemeinsam getragenen Last, ein Volk zu werden, liege auch ein tiefes Glück verborgen. gen. Die hebräische Arbeit müsse gleichzeitig der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft dienen und dem Streit um Alt- oder Neuhebräisch entzogen werden. Auch auf religiösem Gebiet müsse es möglich sein, zu einem einheitlichen Schulplan zu gelangen, der allen Richtungen gerecht werde. Das Lernen habe im Mittelpunkt des Erziehungsprogramms zu stehen. Durch das Lernen werde auch das „Jüdische", das heute zugegebenermaßen noch teilweise ein vager Begriff sei, einen fest umrisfenen Inhalt erhalten. Das Referat schloß mit der Erhebung Politischer Forderungen auf die Umbesetzung bestimmter, mit der Erziehungsarbeit befaßter Dezernate. Zwischen den beiden Kulturreferaten ereignete sich ein kurzer Zwischenfall, der seinen Ausgang von einer persönlichen Erklärung von Rabbiner Dr. Hoffmann zu den Ausführungen Blumenfelds vom vorigen Abend nahm. Als der Vorsitzende diese Erklärung als weit über den Rahmen einer persönlichen Bemerkung hinausgehend bezeichnete, verließ der Misrachi den Sitzungssaal. Nachdem Blumenfeld alles das, was an seinen Bemerkungen als Persönlich mißverstanden werden konnte, zurücknahm, wurde der Zwischenfall wieder beigelegk und der Misrachi nahm weiter an den Verhandlungen teil. Der Montagnachmittag war ausgefüllt mit der Diskussion der Kulturreferate, aus der die Ausführungen des Führers der Werkleute, Ernst Bauer, Berlin, durch seine von tiefem Ernst getragenen Aussührimgen über den Beitrag des deutschen Judentums zur jüdischen Kultur besonders erfreulich hervorstachen. Kurt Blumenfelds Analyse der jüdischen Situation Der Abend brachte das Hauptreferat Kurt BI u m e n f e l d s über „Zionismus — Palästina — Judenfrage". Blumenfeld begann mit der ihm menschlich und geistig adäquaten Forderung, daß es keinen niveaulosen Zionismus geben dürfe. Es sei unsere Aufgabe, immer zu wissen, wie die Welt um uns sich darstelle und wie die politische" und geistige Situation, inmitten derer wir stehen, beschaffen fei. Deshalb habe man auch mit Recht den Protest gegen die Einsetzung des Legislative Council mit einer Prüfung der Gegebenheiten, deren Teil er fei, begleitet, und man habe die Erklärung der Non-Cooperation in dieser Teilfrage verbunden mit Forderungen an die englische Regierung, deren Erfüllung eine zukünftige Kooperation ermöglichen würde. Die bestehenden und noch drohenden Schwierigkeiten in Palästina seien zu beantworten durch eine geistige Vertiefung und Konsolidierung der Bewegung. Nicht nur das Der 3. Verhandlungstag Am letzten Verhandlungstage standen zwei Referate im Mittelpunkt, die konkrete Fragen zum Gegenstand hatten. D r. Georg Landauer, der Leiter des Büros für die Ansiedlung deutscher Juden in Jerusalem, erstattete einen größeren Bericht „Ergebnisse und Perspektiven der Alija aus Deutschland in Erez Israel". Dr. Michael Traub, Vizepräsident des deutschen Keren Hajessod sprach über „Funktion und Bedeutung des nationalen Kapitals für den Palästina-Ausbau". Dr. Georg Landauer meinte, es gäbe zwei Möglichkeiten der Umstellung und der Einordnung in Palästina: Entweder könne man die in Deutschland aufgegebenen Positionen dort wieder zu schaffen suchen, oder aber man müsse sich bemühen, einen Umbruch auch in seiner eigenen Berufsvorstellung vorzunehmen, Denn die Ereignisse hätten ja gerade gelehrt, daß die falsche Berufsstruktur der Juden, das Fehlen der „fundamentalen Positionen" verhängnisvoll sei. Er vertrat die Auffassung, daß es falsch fei, von einer schwindenden Prosperity in Palästina zu sprechen. Die momentanen Stockungen, die nur in engen Bezirken aufgetreten feien, seien darauf zurückzuführen, daß die Kolonisation langsamer vor sich gehe als die Immigration. Dr. Landauer spendete dann der deutschen Alija, vor allem auch der aus Akademikerkreisen, Worte begründeten Lobs. Sie fei von hervorragender Anpassungsfähigkeit und sehr oft von dem Willen erfüllt, den Umbruch in ihrem Dasein zu vollziehen. Die Hälfte-der 30 000 aus Deutschland Ausgewanderten seien mit eigenen Mitteln gekommen. Von ihnen sei ein hoher Prozentsatz aufs Land gegangen. Auch bei Neugründungen von Kolonien, ebenso wie bei den der Industrie hätten sich die deutschen Juden am stärksten beteiligt. Die Chaluzim aus Deutschland seien ein wertvolles Element. Der Jischuw habe sich aber auch seinerseits der deutschen Alija gegenüber freundschaftlich gestellt. Auf die Arbeit der von ihm geleiteten Zentralstelle eingehend, stellte Dr. Landauer mit Bedauern fest, daß nur ein Viertel der gesammelten 1 Million Pfund Sterling nach Palästina gekommen sei. In diesem Zusammenhang beschäftigte er sich auch mit der JCA. Die Frage der Ausnahmemöglichkeiten Palästinas beantwortete Dr. Landauer mit „Wir kennen sie nicht". 10 000 Juden seien jetzt der Jahresdurchschnitt. Man wisse nicht, ob er kleiner oder größer werde. Die Grenzen Palästinas würden durch Land und Sprache gezogen. Die Juden in der Welt sollten beachten, daß die Pausen zwischen Höhepunkten und Tiefpunkten des Lebens in der Galut für die Schaffung von Reserven in Palästina zu verwenden seien. Dr. Michael Traub faßte die aus seinen Reden aus Anlaß der Jubiläumskundgebung des Keren Hajessod bekannten Daten übersichtlich zusammen. Es gebe keinen Gegensatz zwischen privatem und nationalem Kapital, denn das nationale Kapital ermögliche erst die Entwicklung des Privaten. Die Aufgaben der nationalen Fonds in Zukunft seien in erster Linie Erweiterung des landwirtschaftlichen Sektors. Von 80 000 bis 60 000 Einwanderern Pro Jahr seien mindestens 12 000 bis 15 000 der Landwirtschaft zugeführt worden. Weiterhin seien genügende Bodenreserven zu schaffen. In der anschließenden Diskussion erfolgte zunächst eine lebhafte Kontroverse über die Ausgaben und Möglichkeiten der JCA, an der sich Rechtsanwalt Dr. Alfred Klee, Vertreter des Vorstandes der Berliner Jüdischen Gemeinde im Conseil der JCA, Dr. Georg Landauer, Kurt Blumenfeld und Dr. Hans Klee beteiligten. Die Schluss-Sitzung Die Schlußsitzung begann mit dreistündiger Verzögerung, da die Arbeit der Kommissionen bis zur festgesetzten Stunde nicht beendet werden konnte. Als der Vorsitzende in einer längeren Gedenkansprache der Toten der ZVfD gedachte, und dabei auch die hohe Bedeutung der drei feit dem letzten Delegiertentag verstorbenen großen zionistischen Führer Bialik, Schmarja Lewin und Chajim Arlosoroff würdigte, erhob sich die Versammlung von ihren Plätzen. Es wurden darauf von den Vertretern der einzelnen Kommissionen die Resolutionen verlesen und begründet, die den Versuch enthalten, das gesamte jüdische Leben in allen seinen Beziehungen zu erfassen und die dadurch für die ZVfD ent-, stehenden organisatorischen Notwendigkeiten zu regeln. Nachdem Benno Cohn in einem „brüderlichen Appell" die Juden Deutschlands zur Mitarbeit innerhalb der zionistischen Reihen aufgefordert hatte, faßte Franz Meyer in später Nachtstunde die Ergebnisse der Tagung zusammen. Er suchte die im Lause der Verhandlungen öfters aufgetauchte Frage der Beziehttng von Zionismus und Judentum so zu deuten, daß er erklärte, Zionismus bedeute Arbeit für das gesamte Judentum, weil im Zionismus die Sache des jüdischen Volkes geführt werde. Selbst in der Negation und Abgrenzung, zu der die Nichtzionisten durch die zionistischen Parolen immer wieder gezwungen werden, zeige sich die alle Kreise befruchtende Wirkung der zionistischen Idee. In diesem Sinne bedeute zionistische Arbeit zugleich Arbeit für die jüdische Solidarität. In bewegten Abschiedsworten schlug dann noch einmal Kurt B l u m e n f e l d die Brücke zwischen den Vorkämpfern der ZVfD, die jetzt in Palästina kraft ihrer zionistischen Erziehung"den Weg zu einem neuen Leben gefunden haben, und den Menschen, die hier an ihre Stelle getreten sind. Nach Dankesworten des unter lang andauerndem Beifall einstimmig wiedergewählten Vorsitzenden der ZVfD, Dr. Siegfried Moses, schloß die Tagung mit der Absingung der Hatikwa um Yi2 Uhr nachts. Die Resolutionen Schätzungsweise werden die Resolutionen, wenn sie einmal endgültig -festgestellt und gedruckt vorliegen werden, eine Broschüre mittleren Umfangs darstellen. Trotz lebhafter Bemühungen ist es uns nicht gelungen, den Wortlaut des innerjüdisch bedeutsamen Beschlusses über den Auftrag an die zionistische Leitung zu Verhandlungen über die Durchsetzung des zionistischen Führungsanspruchs zu erhalten. Er ist aber, wie aus dem Leitartikel hervorgeht, angenommen worden. Lediglich zur Palästina-Frage liegt uns das Ergebnis der Resolutionskommissions- Beratung vor. Eingangs heißt es darin: „Die Judenheit in Deutschland, insbesondere ihre Jugend, sieht sich in weitgehendem Maße aus, den Weg der Auswanderung verwiesen. Die hierfür vorhandenen Möglichkeiten sind allenthalben erkennbar begrenzt. Der XXV. Delegiertentag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland stellt mit großer Befriedigung fest, daß Palästina in den letzten Jahren in der Lage war, eine ständig wachsende jüdische Einwanderung, insbesondere auch aus Deutschland, aufzunehmen. Mit um so größerer Besorgnis betrachtet der Delegiertentag die empfindliche Einengung der Einwanderungsmöglichkeiten, wie sie in der hinter den wirklichen Bedürfnissen der Palästina- Wirtschaft weit zurückbleibenden Zuteilung von Arbeiterzertifikaten zum Ausdruck gekommen ist. Neuerlich bekanntgewordene Pläne der Mandatarmacht, darüber hinaus auch die Einwanderung anderer Kategorien, insbesondere durch Heraufsetzung der bisher gültigen Vermögensgrenze, einzuschränken, müssen stärkstes Befremden erwecken." Die Resolution geht dann auf die Lage der vielen Chaluzim, die auf die Zertifikate warten, auf die Situation der Mittelstandseinwqnderung ein und fordert die Jewish Agency zu entschiedenen Maßnahmen aus. In einem zweiten Absatz heißt es sodann: „Der Delegiertentag anerkennt die Notwendigkeit der Bemühungen, den auf Immigration angewiesenen Juden aus Deutschland auch außerhalb Palästinas Auswanderungsmöglichkeiten zu er-- schließen. Er weist auf die Notwendigkeit hin, die gesamte Auswanderung planmäßig zu gestalten, die Auswanderer beruflich vorzubereiten und ihr Vermögen durch geordnete Liquidation zur Errichtung einer neuen Existenz verfügbar zu machen. Der Delegiertentag betont jedoch, daß nur die Auswanderung nach Palästina und ihre Verwurzelung mit dem Boden in Palästina zu einer Lösung der Judenfrage führen kann." Senden Sie mir bis auf Widerruf die C.-V.-Zeitung 66 Pfennige für die Monate Februar und Marz zuzüglich einer einmaligen Verspätungsgebühr von 20 Pfennigen zahle ich bei Vorlage der Postquittung an den Briefträger. Die erste Februarnummer wird mir nachgeliefert. Name: ...-.- Ort:.. Strasse r . Datum:. Ausschneiden und mit 3 Pfg. frankiert senden ans C.-V.-Zeitung, Vertrieb, Berlin W15, Ems'er Str. 42 J2 Oliva 8141. Hauptschriftleiter: Dr. Alfred Hirschberg; Stellvertr. und verantwortlich für die Aufnahme von Bildern: Dr. Margarete Edelheim. Verantwortlich für Sport: Dr. Ernst G. Löwenthal, sämtlich in Berlin. Für Rücksendung unverlangter Einsendungen ist Freiumschlag beizufügen. Leiter der Anzeigen-Abteilung. und verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Friedrich Nathan, Berlin. DA. IV. Vj. 40 000, PI. 5. Verlag: Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens e. V., Berlin W 15, Ems'er Strasse 42. Drück der Buch- und Tiefdruck-Gesellschait mbH, Berlin SW 19.