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Central-Verein-Zeitung · 1936-02-06 · 6 (6.2.1936) · p. [Seite]

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
15 (1936) - farbig
Issue
6 (6.2.1936)
Date
1936-02-06
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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’^wmxwwrm XV. Jahrgang / Nr. 6 Berlin, 6. Februar 1936 Preis 10 Pfennig entralerein- ALLGEMEINE ZEITUNG DES JUDENTUMS Geschäftsstelle (Verlag, Schriftleitung, Anzeigenannahme, Vertriebsabteilung): Berlin W15, Emser Strasse 42. Fernsprecher: J2 Oliva 8141—45. Telegrammadresse: Centralglaüben, Berlin. Postscheckkonto: Berlin 70344. Die „C.-V.-Zeitung“ erscheint wöchentlich am Donnerstag. Redaktionsschluss: Dienstag. Bestellungen nimmt jedes Postamt und die Geschäftsstelle entgegen. Zustellung erfolgt durch die Post, die die Gebühren durch den Postboten erhebt. — Bezugsgebühren: Abonnement vierteljährlich 99 Rpf. (Ausland 2,30 RM, umgerechnet in die Landeswährung) einschliesslich Zustellgebühren. Einzelnummer 10 Kpr. (Ausland zu Kpi.). Im Falle höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlieferung oder Rückvergütung der gezahlten Beträge. — Anzeigengebühren: Preisliste 5 gültig. Die 12gespaltene Millimeter-Zeile 20 Kpf., für bteiiengesucne 10 Rpf., für Familienanzeigen 16 Rpf., weitere ermässigte Grundpreise siehe Preisliste. Einzelanzeigen nur gegen Vorauszahlung. — Anzeigenschluss: Dienstag. Platz- und Datenvorschriften ohne VerbindlichKeit. Das Council for German Jewry Die amerikanischen Juden für ein Fifty-Fifty der praktischen Hilfe Um die Anwesenheit der englischen Delegation in Amerika gruppieren sich bedeutsame Veranstaltungen der amerikanischen Judenheit, die die Probleme der Auswanderungshilfe für Juden aus Deutschland zum Gegenstand haben. Am 29. Januar wurde bei einem Empfang, den das American Jewish Joint Distribution Committee in der großen New-^orker Synagoge Emanua-El zu Ehren der englischen Herren — Sir Herbert Samuel, Viscount Bearsted und Simon Marks — veranstaltet hat, der feierliche Anschluß des Joint an die von Sir Herbert Samuel und seinen Mitarbeitern eingeleitete Aktion für eine geregelte Mitarbeit an der Auswanderung von Juden aus Deutschland verkündet. Unter Vorsitz des großen jüdischen Philantropen James Rosenwald wohnten dem Empfang 600 prominente Persönlichkeiten der amerikanischen Judenheit bei. Nachdem Sir Herbert Samuel die Notwendigkeit der von ihm vorgeschlagenen Maßnahmen begründet hatte, wurde aus Vorschlag von William Rosenwald eine Resolution angenommen, die einerseits grundsätzlich zu den Rechtsfragen Stellung nimmt, welche die Voraussetzung für die geplante Aktion bilden, und andererseits die Bereitwilligkeit zur Teilnahme an den geplanten praktischen Maßnahmen für die Durchführung der Auswanderungsaktion zum Ausdruck bringt. Den- Schritten des Völkerbundes auf Grund der ihm vorliegenden BerichtedesOberkommissariatsfürAuswandererfürsorge sehe man, so heißt es in der Entschließung, mit Spannung entgegen. In einem weiteren Punkt der Entschließung wird 'ausgeführt: Den Vorschlägen unserer Kollegen aus England, die die Auswanderung von 20 000 bis 25 000 Juden jährlich aus Deutschland während der nächsten Jahre ins Auge fassen, stehen wir mit Sympathie gegenüber. Wir sagen unsere Mitarbeit bei den Bemühungen zu, aus allen erfaßbaren Quellen in der Welt rechtzeitig 15 Millionen Dollars für diesen Zweck aufzubringen. James Rosenwald richtete in seiner Ansprache an den Völkerbund den Appell, den Juden aus Deutschland Hilfe zu gewähren, und hob die Bedeutung des Berichtes James MacDonalds hervor. Er sprach die Hoffnung aus, daß die weitesten Kreise mithelsen werden, um die Auswanderung von 20 000 bis 25 000 Juden jährlich aus Deutschland und ihre Ueberführung nach Palästina und andere Länder zu ermöglichen. Zu diesem Zweck ergehe ein Ruf zur Mitarbeit an alle human denkenden Männer und Frauen in der Welt ohne Unterschied der Nassen-, Glaubens- und Staatszngehörigkeit. Wenige Tage später, am 2. Februar, fand in Washington unter Vorsitz des Präsidenten des Jüdischen Nationalfonds in Amerika, Dr. Israel G o l d st e i n, und unter Beteiligung von 1200 Delegierten aus allen Teilen der Vereinigten Staaten die amerikanische Reichskonferenz für Palästina-Ausbau statt. Auch hier war die englisch-jüdische Abord¬ Diese Nummer umfasst 24 Seiten Sie enthält u. a.: 1. Beiblatt: Premiere im Kulturbund, von Dr. Hugo Lachmanski. 2. Beiblatt: Das „Buch der Frommen" und seine Verfasser, von Dr. Jakob Meitlis. 3. Beiblatt: Kinderblatt. 4. Beiblatt: Das neue Buch — Die innigste Hebräerin, zu Else Lasker- Schülers 60. Geburtstag, von Kurt Pinthus — Wirtschaft der Woche. 5. Beiblatt: Sportblatt — Palästina-Umschau — Marokko, Tanger und das Mittelmeerbecken, von Dr. E. R—z. nung Mittelpunkt. Eingangs wurde ein Begrüßungsschreiben verlesen, das der Präsident der Vereinigten Staaten, Roosevelt, mit herzlichen und zustimmenden Worten an die Konferenz gerichtet hatte. Palästina, so schrieb der Präsident Roosevelt, werde auch weiterhin die ganze Welt erleuchten. Im Verlauf der Veranstaltung legte Simon Marx einen Plan für die Auswanderung von 100 000 Jugendlichen vor, von denen mehr als die Hälfte innerhalb der nächsten vier Jahre nach Palästina gehen soll. Danach sollen zunächst die Jugendlichen aus- Nach Redaktionsschluß lesen wir in der deutschen Presse die Meldung von einem 'furchtbaren Verbrechen: Ein junger Jude jugoslawischer Staatsangehörigkeit hat den nationalsozialistischen Landesgruppenleiter für die Schweiz erschossen. Wir verabscheuen den. politischen Mord. Jede Motivierung für ihn ist belanglos. Menschen, die aus der Gegensätzlichkeit ihrer»Weltanschauung zu andern die Berechtigung zum Morde ableiten, schalten sich aus der menschlichen Gemeinschaftsordnung aus. wandern, während ihre Angehörigen ihnen ineinem späteren Zeitpunkt Nachfolgen. Nur durch eine geordnete Auswanderung könne es vermieden werden, daß es zu einem fluchtartigen Hinausströmen einzelner Auswanderer in verschiedene Länder, verbunden mit der Vernichtung von Existenzen und ungeheuren Kosten für Nothilfeaktionen komme. Deshalb müsse sofort planvolle Hilfe einsetzen. Lord Bearsted wies gegenüber denjenigen, die die Zweckmäßigkeit einer Auswanderungsaktion bezweifeln, daraus hin, daß der Drang nach Auswanderung voraussichtlich weit stärker sein werde als die Möglichkeit, ihn zu befriedigen. Es sei vorgesehen, daß 20 000 bis 25 000 Juden jährlich zur Auswanderung gelangen, von denen die Hälfte rnPalästina mit einem durchschnittlichen Kostenaufwand von 150 Dollars pro Person angesiedelt werden soll. Es werde ein Komitee eingesetzt werden, das voraussichtlich die Bezeichnung „Council for German Jewry“ führen wird. Es müsse alles vermieden werden, was als lleberslutung irgendeines Landes mit jüdischer Bevölkerung aus Deutschland aufgefaßt werden könnte; die Auswanderung müsse in voller Ordnung vor sich gehen. Die Kosten für die Ausbildung von Juden in Deutschland im Hinblick aus Auswanderung und Ansiedlung in anderen Ländern würden zum großen Teil von den Juden in Deutschland selbst getragen werden. Die 15 Millionen Dollars, die in Amerika und England auszubringen sind, seien als Ergänzung dieser Mittel gedacht. Das Council, fuhr Lord Bearsted fort, werde eine kleine, aber sachkundige und maßgebende Körperschaft fein. Selbstverständlich würden in ihm auch amerikanische Vertreter sitzen. Es müsse Vollmacht erhalten, in seinem fest umschriebenen Wirkungskreis aus eigener Initiative zu handeln. Der frühere Oberkommissar für Auswandererfürsorge, James G. MacDonald, richtete an die Konferenz eine Botschaft, in der er erklärt, die Aufgabe, Heimstätten für die Auswanderer zu finden, würde ohne Palästina unmöglich sein. Sir Herbert Samuel gab eine Darstellung der sozialen und wirtschaftlichen Voraussetzungen, die die Auswanderung geboten erscheinen lassen, und richtete an die Tagung den dringenden Appell, den Palästina Campaign mit allen Kräften zu fördern. Die Reichskonferenz beschloß, die Aktion der englisch-jüdischen Abordnung zu unterstützen und sich dem Programm der Ansiedlung von 100 000 Juden aus Deutschland und Polen in Palästina anzuschließen. Es wurde ferner beschlossen, einen Drive zur Aufbringung von dreieinhalb Millionen Dollars zu eröffnen und somit die ursprünglich als Ziel des United Palestine Appeal in Aussicht genommene Summe um eine weitere Million zu erhöhen. Dies geschah auf Grund einer telegraphischen Aufforderung der Jewish Agency, in der auf die dringende Notwendigkeit, weitere Mittel aufzubringen, hingewiesen wurde. Der größte Teil dieses Betrages wird nach einem mit der Jewish Ageny getroffenen Abkommen für die Aktion zugunsten der Auswanderung aus Deutschland verwendet werden. Die Reichskonferenz beschloß weiter, daß bei voller Würdigung der Bemühungen der englisch-jüdischen Delegation unbedingt daran sestzuhalten sei, daß die Palästina-Arbeit jeglicher neuen Körperschaft in planvoller Zusammenarbeit mit der Jewish Agency durchgesührt werde. Kanada und die Aktion Sir Herbert Samuels Der Londoner „Morning Post“ wird aus Ottawa (Kanada) gemeldet, daß es keine Einwanderung von Juden aus Deutschland nach Kanada in großem Umfang geben werdesolange nicht die neue Regierung die gegenwärtige Einwanderungspolitik radikal ändert. Der kanadische Einwanderungsminister T. A. Crerar habe erklärt, er habe bisher seitens der Organisation Sir Herbert Samuels, die sich bemüht, Mittel für eine großzügige Ansiedlung von Juden aus Deutschland aufzubringen, keine Vorschläge erhalten. Gegenwärtig können nur englische Untertanen, von denen nicht zu erwarten ist, daß sie der Oessentlichkeit zur Last fallen werden, nach Kanada kommen. Für Personen aus anderen Ländern ist in jedem Fall eine besondere Kabinettsorder erforderlich, außer für die Gattin und unter achtzehn Jahre alte Kinder einer Person, die sich bereits rechtmäßig in Kanada niedergelassen hat. Eine weitere Ausnahme besteht für Landwirte, die schon in ihrer Heimat den landwirtschaftlichen Beruf ausgeübt haben und tausend Dollars für Vorbereitungszwecke besitzen. Bis Rechtsstellung mittelloser Ausländer In Genf tagt jetzt zum zweitenmal eine Expertenkommission,die den Entwurf eines internationalenAbkommens zum Schutz mittelloser Ausländer . ausarbeitet. An den Beratungen beteiligen sich Regierungsexperten ans zehn europäischen und außereuropäischen Ländern. Der Konventionsentwurs, wie er vorläufig vorliegt, bestimmt, daß jeder der, Konvention beitretende Staat mittellosen Staatsangehörigen der übrigen unterzeichnenden Staaten, die sich auf seinem Gebiet befinden und materieller oder moralischer Hilfe bedürfen, die gleiche Behandlung zuteil werden läßt wie seinen eigenen Staatsangehörigen. Der Entwurf sieht die Ausdehnung des Beistandes auch auf Staatenlose und - Personen undefinierbarer Nationalität. vor. Die unterzeichnenden Staaten verpflichten sich, keinen Ausländer nur deshalb, weil er mittellos ist, aus ihrem Staatsgebiet zu entfernen, es sei denn auf dem Wege einer im voraus geregelten Repratiiernng. Diese Verpflichtung verhindert jedoch nicht, Polizeimaßnahmen, wie z. B. die Answeisung auch einer staatlich unterstützten Person, wenn diese Maßnahmen die normale Folge von Vergehen gegen Gesetze oder Verordnungen waren. Wann die Beratungen, die 1933 begonnen haben, mit Ergebnissen abschließen werden, ist ungewiß. Zwischen Resolutionen und Lehen Nach dem Delegiertentag der ZVfD A. H. In den Morgenstunden des 5. Februar ging der 25. Delegiertentag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland zu Ende. Wir haben uns, bevor er begann, mit den Forderungen befaßt, die von der Leitung der ZVsD an die Delegierten gestellt wurden. Wir berichten heute ausführlich über Inhalt, Verlaus und Ergebnis der Tagung, nicht um einer publizistischen Pflicht zu genügen, sondern um, dem nichtzionistischen Teil der Juden in Deutschland die Möglichkeit zu geben, sich aus eigener Meinungsbildung über die Situation klar zu werden, die der Delegiertentag geschaffen hat. Sie werden dabei bemerken, daß sich im Grunde genommen nur wenig in den vier Tagen, die den zeitlichen Rahmen der Tagung bildeten, geändert hat. Aber dieses Wenige ist charakteristisch und wichtig. Und nur dieses soll in der ersten knappen Würdigung der Tagung hervorgehoben werden, denn es dürfte auch vielen der verantwortlich abstimmenden Zionisten zum Schlüsse nicht ganz klar geworden sein, was alles sie einstimmig gebilligt haben. Man machte ihnen auch die Abstimmung etwas leicht und fragte, mit einer Ausnahme, nur, wer dagegen sei und nicht wer d a s ü r. Und dagegen war niemals jemand und dafür waren alle: in dem Wichtigsten. Dieses Wichtigste war, daß der Delegiertentag die Erklärung zum Beschluß erhob, die der geschäftssührende Ausschuß an ihn gerichtet hatte und die unsere Leser kennen. Sie enthält den Führungsanspruch der Zionisten innerhalb der Juden Deutschlands. Es ist nicht überraschend, daß ein zionistisches Gremium sich selbst seine Qualifikation zur Führung bescheinigt. Aus Zeiten allgemeinpolitischer Koalitionspolitik erinnert man sich, daß stets auch bei bestehender Koalition die Bündnispartner ihre Parteitage abhielten, um sich zu vergewissern, inwieweit die Partnerschaft mit den anderen die eigene Linienklarheit gestört habe, und die Parteileitung in ihrem Bestreben zu stärken, innerhalb der Bündnispolitik ein Höchstmaß an Verwirklichung des eigenen Programms zu erreichen. Der Delegiertentag hat nun die zionistische Leitung ermächtigt, festzustellen, ob die zentralen jüdischen Instanzen den zionistischen Führungsansprüchen in personeller und inhaltlicher Beziehung hinreichend entsprochen haben und zu entscheiden, ob gegebenenfalls eine Kündigung der Koalition, eine Auslösung des Bündnisses durch Zurückziehung der zionistischen Mitglieder dieser Gremien vorzunehmen sei. Es kommt also in hervorragendem Maße darauf an, in wessen Händen die Entscheidung über Fortsetzung und Ende der Koalition liegt. Die Nicht zionisten, die keinen Machtkampf aus der Basis einer Parteimitgliedschaft wollen, sondern die als Zielsetzung der jüdischen zentralen Stellen die praktische Hilfeleistung für die Juden Deutschlands in materieller, geistiger und seelischer Beziehung durch einen edlen Wettkampf bester jüdischer Persönlichkeiten wünschen, sehen sich als maßgebenden Verhandlungssührer dem Manne gegenüber, mit dem sie seit 1933 vertrauensvoll Zusammenarbeiten, Dr. Siegfried Moses. Dr. Moses ist einmütig zum Vorsitzenden der ZVfD gewählt worden, nachdem er seit langem als Nachfolger Kurt Blumenfelds, der nach Palästina gegangen war, dieses Amt ■ ü

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