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Central-Verein-Zeitung · 1936-01-30 · 5 (30.1.1936) · p. [Seite]

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
15 (1936) - farbig
Issue
5 (30.1.1936)
Date
1936-01-30
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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tr H Deutsche Erforschung der Judenfrage Die grundsätzliche Rede, die Professor Walter F r a n k bei der Eröffnung des Rerchsinstituts für Geschichte des neuen Deutschlands gehalten hat, ist unter dem Titel „Zunft und Nation" nicht nur im letzten, unter der neuen Leitung des Münchener Historikers Karl Alexander v. Müller erschienenen Heft der „Historischen Zeitschrift", sondern gleichzeitig als erste Publikation der Schriften des Reichsinstituts (Hanseatische Verlagsanstalt, Hamburg) veröffentlicht worden. Außerdem hat Frank genaue Mitteilungen über die Arbeitspläne des Instituts der Tagespresse zugehen lassen. Es bestünde für uns Juden kein Anlaß, darauf hinzuweisen, wenn wir nicht durch einen besonderen Umstand eine nahe Beziehung zu der neuen Richtung der deutschen Geschichtswissenschaft erhalten hätten. Dem jungen deutschen Historiker Wilhelm Grau, Verfasser der Schriften „Antisemitismus im späten Mittelalter" und „Wilhelm v. Humboldt und das Problem des Juden", ist innerhalb des Arbeitsprogramms des Neichsinstituts für Geschichte des neuen Deutschlands der Auftrag zugefallen, die G e - schichte der deutschen Judenfrage, insbesondere von der deutschen Aufklärung bis zur nationalsozialistischen Revolution, zu erforschen. Zunächst sind zehn Jahre für diese Arbeit in Aussicht genoinmen. Bekanntlich hat sich Grau in einem vielbeachteten Aufsatz „Die Judenftage als Aufgabe der neuen Geschichtsforschung" über die Beweggründe und Absichten seines Forschungsplans geäußert („Deutsches Volkstum", 17. Jahrgang, Nr. 9, vgl. C.-V.-Zeitung, 14. Jahrgang, Nr. 41 vom 10, Oktober 1935). Die Wichtigkeit jener programmatischen Abhandlung hat nunmehr dadurch eine sinnfällige Unterstreichung erfahren, daß Professor Walter Frank sie als Zeiten Band in die Reihe der „Schriften des Reichsinstituts für Geschichte des neuen Deutschlands" ausgenommen und mit einem einführenden Vorwort versehen hat. Und gerade dieses Vorwort, das über die Einstellung der neuen deutschen Geschichtsforschung zur Judenfrage Aufschluß gibt, veranlaßt uns, noch einmal auf die Abhandlung Graus zurückzukommen. Frank, der Vorsitzende des historischen Neichsinstrtuts, äußert Zunächst — in voller Uebereinstimmung mit Grau — die Ansicht, daß die deutsche Gelehrtenwelt, von wenigen Ausnahmen abgesehen, sich bisher von der Erforschung der Judenfrage ferngehalten und sie den Juden selber überlassen habe. Es sei daher an der Zeit gewesen, „im Namen der wissenschaftlichen Wahrhaftigkeit diesen pseudowissenschaftlichen politischmoralischen Terror zu brechen". Frank erklärt dann, daß er bei feinen eigenen der Judenfrage gewidmeten Bemühungen — der Einecker-Biographie und dem Buch „Nationalismus und Demokratie im Frankreich der dritten Republik" — erfahren habe, „wie sehr heute noch der n i ch tjüdische Erforscher der jüdischen Frage ein Wegbahner durch dichtes Gestrüpp ist — durch das Gestrüpp der jüdisch-liberalistischen Legende und der jeder ernsten Erforschung widerstrebenden jüdischen Weltmacht." Mehr als manche andere Forfchungsfrage sei die Judenfrage eine Frage, die von ihrem Erforscher nicht nur Intelligenz, sondern auch Charakter, das heißt Mut und Unbestechlichkeit, verlange. Frank begrüßt dann seinen Fachgenossen und stellt seinem Arbeitsvorhaben folgende programmatisch wichtige Prognose: „Wilhelm Graus bisherige Veröffentlichungen geben die Gewißheit, daß diese große, auf lange Sicht berechnete Arbeit im Geiste deutscher Wissenfchaftlicheit durchgeführt wird, mit all der Wahrhaftigkeit, all dem Fleiß und all der Gründlichkeit, die einen Ruhmestitel des deutschen Volkes in der ganzen Welt darstellen. Es steht damit nicht im Widerspruch, wenn wir Arbeiten wie diese zugleich als politische Wissenschaft empfinden und begrüßen. Denn eben dies erscheint uns als das Wesen der Geschichtschreibung, die wir für unser Zeitalter fordern und ersehnen: daß sie ihre Fragen mitten herausgreife aus dem gewaltigen politischen Ringen unseres Volkes und der umgebenden Welt — und daß sie diese Fragen beantworte im alten Geist und mit der strengen Methodik deutscher Wissenschaftlichkeit." Dem Forschungsunternehmen Wilhelm Graus widmen wir auch jüdischerseits Aufmerksamkeit, da es — dem Prinzip der „politischen Wissenschaft" entsprechend — sich unter anderem das Ziel gesteckt hat, das Verständnis der nationalsozialistischen Judenpolitik — „der natürlichen Lösung der Judenfrage nach dem Grundsatz der reinlichen Scheidung" — mit den Mitteln geschichtlicher Nachweise vorzubereiten (Seite 19/20). Unsere Einstellung zu seinen künftigen Auffassungen und Ergebnissen wird natürlich eine jüdische sein müssen. Inmitten der jüdischen Not ist uns selber die für die geschichtliche Forschungsarbeit nötige Muße zumeist versagt; aber wenn wir um Klarstellung ringen — um Begriffe, wie Assimilation, Diaspora, Minoritätenschicksal und andere —, so tun wir es wahrlich nicht, um „Schleier vor konkrete Begriffe zu legen" (wie man von nationaljüdischer Seite gegen uns eingewendet hat), wir tun es auch nicht, um für unser Dasein um „Entschuldigung" zu bitten, sondern wir mühen uns ab, um uns selbst zu erkennen. F. F. Welttag der religiös-liberalen Jugend Das Präsidium der Weltvereinigung für fortschrittliches Judentum hatte seine erste Sitzung in diesem Jahr am Dienstag, dem 14. Januar. Den Vorsitz hatte Rabbi Mettuck, London. Im übrigen nahmen von englischer Seite teil Claude G. Montesiore, tlle Htm. Lily H. Montagu, Rev. Edgar und Rev. Perlzweig und die Schatzmeister Mr. Turk und Mr. Joseph. Von deutscher Seite waren erschienen der Vizepräsident Rechtsanwalt Stern, Berlin, Frau Bianka Hamburger für die Resormgemeinde Berlin und Heinz Kellermann. Die Sitzung stand ganz im Zeichen der Vorbereitung für die Sommerkonferenz, die vom 11. bis zum 13. Juli in kleinerem Umfang stattfinden soll. Aeußerlich wurde das schon durch die Tatsache gekennzeichnet, daß die Sitzung von zwei Besprechungen des Oommittos ok autllority eingerahmt war, dem die genaue Themenstellung für die Konferenz überantwortet worden ist. Der Autoritätskommission lag ein Vorbericht ihres Vorsitzenden Dr. Dienemann, Offenbach, vor, der die Fragestellung der Konferenz theoretisch umriß und noch einmal in gedrängter Folge die Thematik der letzten Konferenzen aufzeigte, die das Problem der Autorität als zeitbedingte Diskussionsnotwendigkeit gefordert hatten. Demnach steht zu erwarten, daß die kommende Weltkonferenz einen starken Aktualitätscharakter tragen und voraussichtlich von bedeutender Fruchtbarkeit für die innerjüdische Diskussion der religiösen Meinungen in Deutschland sein wird. Ob die gleiche Aufmerksamkeit auch für das Jugend-Meeting, das auch in diesem Jahre der großen Konferenz eingegliedert werden soll, beansprucht werden kann, scheint fraglich. Als Thema ist hier vorgeschlagen und bereits in Vorbereitung genommen worden: Gebet und Gottesdienst. Man will in englischen Kreisen anscheinend nicht ohne zwingende Not von der Voraussetzung abgehen, daß religiös liberale Arbeit in erster Linie das Privileg eines vom Allgemeinstandpunkt aus betrachtet atypischen Kreises besonders fortgeschrittener oder besonders interessierter Menschen zu sein hat. Jedenfalls wurde die von deutscher Seite gegebene Anregung, vor das Spezralthema ein Referat über die religiös-pädagogische Situation der Jugend in allen Ländern zu sehen, als eine sekundäre Frage zurückgestellt. Es steht jedoch zu hoffen, daß im Korrespondenzwege noch eine Aenderung geschaffen werden kann. Von besonderer Bedeutung war die Palästina- Debatte. Die Vorschläge der letzten Konferenz, auf die religiöse Arbeit in Palästina Einfluß zu nehmen, sind dortselbst anscheinend ohne jedes Echo geblieben. Das Interesse einzelner Persönlichkeiten hat noch nicht irgendwelche organisatorischen Auswirkungen zu verzeichnen. Im Gegensatz zu sämtlichen anderen Ländern hat Palästina die Kraft zu einer eigenen religiösliberalen Gruppenbildung noch nicht gefunden. Man will jedoch versuchen, bereits in den nächsten Monaten verstärkten Einfluß auf die Entwicklung der liberalen Bewegung dort zu nehmen. Wie im Vorjahre, soll auch diesmal für die gesamte religiös-liberale Jugend, soweit sie der World Union angeschlossen ist, ein sogenannter Jugendtag stattfinden. Als Datum ist der 5. April festgesetzt. H.K. Planmässiger Ausbau der Lehrerbildung Konferenz der hebräischen Lehrer der Jüdischen Gemeinde Berlin Für den 19. und 20. Januar hatte die Schulverwaltung der Jüdischen Gemeinde ihre Lehrer des Hebräischen zu einer Fachkonferenz zusammengerufen. Diese Konferenz ist als die erste einer Reihe ähnlicher Konferenzen gedacht, bei denen die aktuellen pädagogischen und methodischen Fragen des hebräischen Unterrichts fortlaufend besprochen und die Absichten der Schulverwaltung mitgeteilt werden sollen. Nach einer Begrüßung durch Dr. Klee (für den Gemeindevorstand) und Dr. Alexander (für das Schulreferat) hielt Dr.FritzBamberger, ein allgemeines einleitendes Referat über das Hebräische im Plan der Volksschule. .Darin wurden die Ziele aufgezeigt, die die Schulverwaltung dem hebräischen Unterricht setzen will: er soll zur Fähigkeit führen, die gesprochene Sprache richtig aufzufassen, leichtere Schriftwerke selbständig zu lesen, Gewandtheit im mündlichen und schriftlichen Ausdruck innerhalb dieses Rahmens zu erreichen und Sicherheit in begrenzten grammatischen Kenntnissen zu geben. Es wurden die nötigen Methoden erörtert, die Stoffe, die in Frage kommen, aufgezeigt und dargetan, daß nur ein täglicher hebräischer Untericht zu diesem Ziel führen könne, einem Ziel, dessen Verwirklichung allerdings von einer entsprechenden Umgestaltung der Lehrpläne und deren Genehmigung durch die Schulaufsichtsbehörde abhänge. Anschließend sprach Herr Neier über die besonders brennende Frage des hebräischen Anfangsunterrichts in der Volksschule. Er verlangte gegenüber dem Uebersetzungsunterricht die lebendig wachsende Sprache, die allem Leseunterricht voranzugehen habe. Erst danach soll die Fibel einsetzen, die bereits eine gewisse Geläufigkeit einfachen Singens und Sprechens voraussetzt. Im Zusammenhang damit erörterte er die Grundsätze, nach denen eine Fibel entsprechend aufzubauen fei. Am Montag hielt Herr Berggrün ein hebräisches Referat über die Methoden des Erwachsenen-Unterrichts und über feine Verschiedenheit gegenüber dem Kinder-Unterricht. Als Probe gab er die Erarbeitung einer Erzählung von Perez, in deren Verlauf eine große Reihe von methodischen Forderungen und Feststellungen ausgesprochen werden konnte. Er betonte, daß ein solcher Unterricht kein reiner Sprachunterricht sein dürfe, sondern in lebenvollem Zusammenhang zu allen jüdischen Inhalten, insbesondere den religiösen, stehen müsse. Dr. Löwenthal erörterte abschließend in fesselnder Weife eine Reihe von Fragen, die ihm aus verschiedenartiger Unterrichtstätigkeit zugewachsen waren und gab Anregungen für eine Vereinheitlichung des Unterrichts in methodischer und inhaltlicher Beziehung. In der lebendigen Diskussion, die sich an alle Referate anschloß, wurde insbesondere betont, daß die Verwirklichung aller Pläne wesentlich davon abhänge, daß es gelänge, die^. Lehrer in entsprechender Weife. fort--. zubilden.. Die Schulverwaltung wies daraus hin, daß die Eröffnung solcher Kurse zur Fortbildung ihrer hebräischen Lehrer als Sonderklasse der Hebräischen Lehranstalt bevorstehe. * Es ist zu begrüßen, daß der interessierten Oeffentlichkeit in den Verlauf der internen Lehrerkonserenz Einblick gewährt wird. Die große Bedeutung, die man dem hebräischen Unterricht bei der Lehrerausbildung beimißt, kann nun, da sie der innerjüdischen Auseinandersetzung entzogen ist, mit Befriedigung konstatiert werden. Ganz ohne Zweifel bedeutet es für den jüdischen Lehrernachwuchs eine erhebliche Mehrbelastung, wenn er neben der Erreichung der amtlichen Lehrplanziele auch noch die weitgehende hebräische Forderung erfüllen soll. Aber es ist zu hoffen, daß die Intensität der Arbeit die Verwirklichung beider Lehrziele, der allgemeinen wie der speziellenermöglichen wird. Jahresfeier des Breslauer Jüdisch- Theologischen Seminars Das Jüdisch-Theologische Seminar, Hochschule für jüdische Theologie in Breslau, beging in althergebrachter Weise die Gedenkfeier für feinen Stifter, Kommerzienrat Jonas Fraenckel, dessen Todestag sich zum 90. Mal jährte. Die Feier war, wie üblich, mit dem Amtsantritt des neuen Vorsitzenden des Dozentenkollegiums und der Entlassung der von der Anstalt nach Erhalt des Rabbinerdiploms scheidenden Studierenden verbunden. Der Vorsitzende des Dozentenkollegiums, Dozent Dr. Albert L e w k o w i tz, erstattete den Bericht über das Jahr 1935 und gedachte dabei u. a. des Heimgegangenen Dozenten Dr. Speyer. Durch seine Uebersiedlung nach Palästina ist weiterhin Seminarrabbiner Dr. Radin von der Anstalt geschieden. Seine Vorlesungen und Hebungen übernahm Bezirksrabbiner Dr. Wahrmann (Oels) und der zum kommissarischen Seminarrabbiner berufene Rabbiner Dr. Ochs (Gleiwitz). Für Dr. Speyer ist Rabbiner Dr. Urbach tätig, der auch die Leitung der Seminarbibliothek übernommen hat. Dr. Lewkowitz gab sodann die Ernennung des Breslauer Gemeindevorsitzenden Stadtrat a. D. Leß zum Ehren-Kurator bekannt. Das Seminar hat mit Rücksicht auf die Hörer, die die Universität nicht mehr besuchen können, dem Lehrplan eine Reihe allgemeiner Vorlesungen angegliedert. Dem Seminar sind ferner Kurse zur Vorbereitung für die palästinensischen Lehrerseminare angeschlossen, die offiziell anerkannt sind und auch die Aufnahmeprüfung für die dortigen Seminare vornehmen. Von den ausgeschriebenen Preisarbeiten sind zwei durch cand. theol. Erich Weiler und cand. theol. Franz Rosenthal bearbeitet worden, die den David-Rosin-Preis bzw. einen Teil des Hermann-Vogelstein-Preises erhielten. Nach Bekanntgabe der für 1986 ausgeschriebenen sechs Preisarbeiten hielt der neue Vorsitzende des Dozentenkollegiums, Professor Dr. I. Heinemann, feine Antrittsvorlesung über das Thema „Neue Wege in der Wissenschaft des Judentums". Der Redner schilderte den Entwicklungsgang der Wissenschaft des Judentums feit der Emanzipation. An Stelle der „Autarkie" des Ghettos trat feit etwa 100 Jahren eine wissenschaftliche Betrachtung, die die Wechselwirkung zwischen Judentum und Umwelt im Laufe der Geschichte erwies und das Judentum rationalistisch zu deuten suchte. Die heutige Betrachtungsweise unterscheidet sich durch stärkere Betonung der Eigenart des jüdischen Wesens und durch Erforschung der nicht in den Rationalismus eingehenden Kräfte: der Sprache als Trägerin der Kontinuität des Geistes, der Mystik und der soziologischen Entwicklungsbedingungen. — Rabbiner Dr. Ochs nahm die Entlassung der Rabbinatskandidaten in tief ergreifender Form vor. Zur Entlassung gelangten Bezirksrabbiner Dr. H e r b st (Oldenburg), Bezirksrabbiner L u b l i n e r (Kottbus), Rabbiner H e r b st (Breslau) und Rabbiner Dr. Hermann M. Sänger (Berlin), der an der Feier nicht teilnahm, da er in Amerika weilt. Rabbiner Lubliner sprach den Dank der zur Entlassung kommenden jungen Rabbiner aus. — Kantor Wartenberger trug das Gedenkgebet für den Stifter vor und umrahmte die Feier durch Gesangsvorträge, am Harmonium begleitete ihn Organist S ch ä f f e r. Der Jahresbericht des Seminars ist in üblicher Form im Drück erschienen und enthält als wissenschaftliche Beilage eine Arbeit des Dozenten Professor Dr. Heinemann „Altjüdische Allegoristik". Schw. Aus der Arbeit des Elternhilfswerkes Einem Bericht des Elternhilsswerkes über seine bisherige Tätigkeit entnehmen wir folgendes: Die fürsorgerische Tätigkeit des EHW, die streng überparteilich in enger Verbindung mit allen anderen an Erziehungsfragen interessierten jüdischen Organisationen durchgesührt wird, ist bisher etwa 1000 Schülern öffentlicher und jüdischer Schulen zugute gekommen. Das EHW gewährt Unterstützungen für Schulgelder, Fahrgelder und Lernmittel, sowie für Nachhilfeunterricht, der übrigens dankenswerterweise in einzelnen Fällen auch unentgeltlich von einigen Pädagogen erteilt wird. Zurzeit werden an etwa 50 Schüler lausende Unterstützungen gezahlt. Diese Zahl kann zunächst, mit Rücksicht auf die dem EHW zur Verfügung stehenden sehr beschränkten Mittel, leider nicht erhöht werden. Von ebenso großer Bedeutung wie die Schulgeldzufchüsse sind die Beratungen von Eltern und Kindern. Sie erstrecken sich nicht nur auf Fragen der Schule, sondern auch auf Fragen der weiteren geistigen Entwicklung der Schulentlassenen. Die enge Verbindung zwischen dem EHW und seinen Schützlingen über die Schulzeit hinaus zeigt sich auch darin, daß auch mit den im Ausland, meist in Palästina, Lebenden die Verbindung größtenteils aufrechterhalten bleibt. In diesem Zusammenhang sind auch die Heimabende zu erwähnen, die eine Gruppe Schulentlassener in zwangloser Weise etwa alle drei bis vier Wochen in den Räumen der EHW vereinigt. Für die Eltern besteht schon im zweiten Jahr eine Arbeitsgemeinschaft beim Jüdischen Lehrhaus, in-der-pädagogische Fragen unter Leitung erfahrener Pädagogen erörtert und geklärt werden. Der Mitgliedsbeitrag für das EHW - ist so niedrig bemessen (zurzeit nur eine RM vierteljährlich), daß jeder, der an der Erziehung der Jugend interessiert ist, mit anderen Worten, jeder erwachsene Jude, dem EHW beitreten sollte! Anmeldungen von Mitgliedern, Patenschaften und Spenden, sowie Anfragen, sind zu richten an die Geschäftsstelle des EHW, Berlin-Charlottenburg, Kantstrahe 158, Gth. I (11 Bismarck 7761)* Erna Zwirn. Lehrhaus Breslau I. Jüdisch-wissenschaftliche Bortragsfolgen, und Arbeitsgemeinschaften. 1. „Jüdische Geschichte im Mittelalter" (Vom Ausgang der Hohenstaufen bis zum Dreißigjährigen Kriege). Studienrat a. D. Dr. Willy Cohn. Montag 20—21 Uhr. 2. „Arbeitsgemeinschaft über biblische Texte zur Stellung der Frau". Professor D. I. Heinemann. Montag 19—20 Uhr. 3. „Die soziale Gesetzgebung der Bibel." Gemeinderabbiner Dr. M. Hoffmann. Dienstag 19—20 Uhr. 4. „Der Erwählungsgedanke im prophetischen Schrifttum." Rabbiner Dr. I. Sänger. Mittwoch 20—21 Uhr. II. Allgemeine VortragS« folgen und Arbeitsgemeinschaften. 1. „Der religiöse Gedanke in der Kunst." Mit Lichtbildern. Dr. Lydia A s ch h e i m - Baruchsen. Dienstag 20—21 Uhr. 2. „Das naturwissenschaftliche Weltbild im Wandel der Zeiten." Stud.-Rätin i. R. Rose B l u h m. Montag 19—20 Uhr. 3. „Judenschicksal in modernen Darstellungen." Stud.-Asf. i. R. Betty Foerder. Dienstag 20—21 Uhr. 4. „Probleme der modernen Charakterforschung." Professor Dr. M. L ö w i. Donnerstag 20—21 Uhr. 5. „Sprechen, Hören, Sehen." Naturwissenschaftlich-technische Betrachtungen mit Experimenten. Dr. Herbert P e s e. Donnerstag 20—21 Uhr. Kartenverkauf und Vorlesungsverzeichnisse Agnesstraße 5, Hochparterre. Lehrhaus München Kurse und Arbeitsgemeinschaften der Kultusgemeinde München Januar bis März 1936. Arbeitsgemeinschaft unter Leitung von Rabbiner Dr. B a e r w a l d : Gedichte von JeHuda Halevi, nach dem Auswahlband der Schockenbücherei. (Hebräische Kenntnisse werden vorausgesetzt; die Teilnehmer erhalten Präparationen.) Montag, 27. I., 3., 10., 17. II. 19 Uhr, Bibliotheksaal. — Arbeitsgemeinschaft unter Leitung von Dr. Ludwig Feuchtwanger: Zur Geschichte des Judentums vor der Zerstörung des 2. Tempels. (Entstehung des Christentums.) 'Mit Lektüre zeitgenössischer Texte.) — Fortsetzung der Kurse über die Mischna. — Mittwoch, 19., 26. II., 4., 11. III. Sitzungssaal. — Arbeitsgemeinschaft unter Leitung von Dr. Werner Cahnmann: Die Rückkehr zum Judentum. (Nach Briefen und Dokumenten von Franz Rosenzweig.) Mittwoch, 29. I., 5., 12. II., 20 Uhr 15 Min., Sitzungssaal. — Der Seder- « bend , vier Einführungsvorträge, Sitzungssaal: a) Die Haggada, Rabbiner Dr. Baerwald, Dienstag, 10. III., 20 Uhr 15 Min. b) Die Gebräuche, Rabbiner Dr. Bruno Finkelscherer, Dienstag, 17. III., 20 Uhr 15 Min. c) Die Gesänge (mit Vorführungen), Kantor A. Müll e r, Dienstag, 24. III., 20 Uhr 15 Min. ä) Die Geräte (mit Vorführungen), A. Berlinger, Dienstag, 31. III., 20 Uhr 15 Min. — Schulungskurse für Jügendführer (Teilnehmerzahl beschränkt), Sitzungssaal: Die Bibel als Geschichtsquelle, unter Leitung von Rabbiner Dr. Grüne Wald (Mannheim), 15., 16. II. Das Wesen des Midrasch, unter Leitung von Rabbiner Dr. Carlebäch (Altona),, voraussichtlich im April. Sing- und Musikkurs, unter Leitung von Direktor K. Adler (Stuttgart), voraussichtlich im März. Lehrhaus Berlin Donnerstag-Vortragsreihe „Jüdische Kultur von heute". Leo Hirsch: „Kunst als Kulturschöpfung", 6. Februar, 20.15 Uhr, verlegt nach Logenh a u s, Kleiststraße 10. Offene Arbeitsgemeinschaft. Donnerstag, 30. Januar, fällt aus. Montag-Einführungsvorlesungen in die Jüdische Geschichte, 3. Februar, 20.30 Uhr. Fritz Bamberger: „Der abendländische Kulturkreis" (Logenhans, Kleiststraße 10). Arbeitsgemeinschaften. Es beginnen: 4. Februar, Metzger: „Franz Rosenzweig, Stern der Erlösung", Prinzregentenstraße 69—70. 5. Februar, Kuhn: „Experimental - Psychologie", ' Marburger Straße 5, 20.15 Uhr. Praktische Kurse. 6. Februar, G l ü ck s o h n : „Photographieren für Fortgeschrittene", Marburger Straße 5, III., 20 Uhr. Voranzeige. Am Sonntag, 16. Februar, veranstaltet das Lehrhaus eine Besichtigung des Lehrgutes Winkel (bei Spreenhagen). Auskünfte, Anmeldungen nur im Sekretariat (10 bis 13, 16 bis 18 Uhr). Hörerkarten, Anmeldungen zu den beginnenden und laufenden Arbeitsgemeinschaften, Auskünfte, auch über die Sprachkurse, in den Sprechstunden des Sekretariats (10 bis 13, 16 bis 18 Uhr). Lehrhaus Frankfurt Im Februar folgende Lehrgänge: 3. Februar, Hermesweg 7: Merzbach und Meyer: Heilpädagvgischer Lehrgang für Erzieher, Lehrer, Schwestern, Aerzte usf. 20 Uhr. 10. Februar, Hauptsynagoge: Hirsch: Bestimmung oder Schicksal. 20 Uhr. II. Februar, Westendsynagoge: Auerbach: Einblicke in die Probleme der Bortragskunst. . 20.30 Uhr. 19. Februar, Unterlindau: Horovitz: Maimonides. 20.30 Uhr. 25. Februar, Westendshnagoge: Salzberger: Aus der Welt jüdischer Sagen und Märchen. 20 Uhr. Selbsthilsegruppe jüdischer Körperbehinderter in Deutschland, Ortsgruppe Berlin: Jahreshauptversammlung: 4. Februar, 19 Uhr 30 Min. im Hause der Jüdischen Resormgemeinde, Johannisktr. 16. Paßphotos für die neuen Mitglieds-Ausweise können am selben Abend, noch angefertigt werden. — Organisation?'- und Fürsorgesprechstunde jeden Montag von 11 bis 13 Uhr oder nach telephonischer Vereinbarung bei Heymann, NW 87, Tile-Wardenberg- Straße 10 Part. (C 9 1305). Schlesische Bezirksgruppe des „ReichsverbandeS Israelitischer Schwerhöriger (Risch) E. V." Die Monatsversammlung am 7. Januar wurde durch einen besonders interessanten Vortrag für alle Anwesenden zu einem unvergeßlichen Abend. Eine Schwerhörige und zugleich Blinde, Paula Hecht, sprach über eine Reihe von Erfahrungen, die sie gesammelt hatte. , Die nächste Monatsversammlung findet am Dienstag, dem 4. Februar, abends 8 Uhr, im Gemeindehaus Schweidnitzer Stadtgraben 28, statt. Hertha Sachs-Lubinski wird Ernstes und Heiteres vortragen.. Auskunft erteilt Lotte Schwarz-Rosenbaum, Moritzstr. 33. Die Frankfurter Ortsgruppe der Achduth liefert auch in diesem Jahre für den bevorstehenden Pesach an Minderbemittelte Mazzen und Mazzenm e h l, zu. dem außerordentlich reduzierten Preis von 0,43 RM bzw. 0,48 RM das Pfund. Mazzen und Mazzenmehl sind unter Aufsicht der Ritual- Kommission der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt a. M. hergestellt. Die Bestellungen müssen spätestens bis zum 25. März 1936 bei dem Borsitzenden, Dr. Schönberg, Gärtnerweg 44, erfolgen.

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