Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936) - farbig
- Issue
- 4 (23.1.1936)
- Date
- 1936-01-23
- Page
- [Seite] (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 4 * 5. Beiblatt lerein-. 23. Januar 1936 Palästina ■ Urase hau einzigen Betrunkenen, die man in Tel-Aviv zu gehen bekomme, Touristen seien und dass alles getan werden müsse, um die Existenz der,dreihundert Familien, die vom Vertrieb spirituöser Getränke leben, zu sichern. Die P.L.D. C. Palästina« grösster Bodienkäufer Von unserem Palästina-Korrespondenten Tel-Aviv, 15. Januar 1936. Dass die jüdische Siedlung in Palästina vor einem neuen Entwicklungsabschnitt steht, ist durch die Ereignisse der letzten Zeit deutlich geworden. Klarer als im Taumel der Prosperity, werden in diesem neuen Abschnitt wieder die wesentlichen Erfordernisse des Aufbaues in den Vordergrund treten, die erst kürzlich Professor Weizmann in seiner Antrittsansprache als Präsident der Zionistischen Organisation und der Jewish Agency genannt hatte: Menschen, Boden und Geld. In Palästina kann man wohl jetzt, wo die Frage der Aufnahmefähigkeit des Landes für die hineindrängenden Menschen und nicht mehr — wie früher — die Heranziehung von Menschen für die Besiedlung des Landes im Vordergrund steht, der Bodenfrage unbedenklich den ersten Platz einräumen. In den vergangenen Jahren, als die gemeinwirtschaftliche Bodenpolitik des Nationalen Bodenfonds (Keren Kaeniet) nahezu verdrängt schien durch die zügellose private Bodenspekulation, vergass man zeitweilig, dass es ja eine Synthese, einen Ansatz zu wirklich fruchtbarer Zusammenarbeit zwischen privatem Kapital und nationalem Interesse schon gibt. Der Keren Kajemet kauft in der Regel den Boden, den er als unveräusserliches Eigentum übernimmt, nicht selbst. Sein Einkäufer ist vielmehr die Pälestine Land Development Company Ltd. Diese ihrer Konstruktion nach ganz „privatwirtschaftlich“ aufgezogene Gesellschaft ist das erste Unternehmen, das nach dem neuen palästinensischen Recht als gemeinnützig anerkannt wurde. Auch sie beruht, ähnlich wie die kürzlich hier besprochene NIR und die meisten - anderen Unternehmungen des palästinenischen „Kurszettels“ auf dem Gedanken, privates Kapital zu angemessenen Bedingungen zur Erfüllung ' der lebenswichtigen gemeinwirtschaftlichen Aufgaben heranzuziehen. Die Kenntnis dieser “wesentlichen Organe des palästinensischen Aufbaues ist gerade jetzt wichtig, weil in Zukunft >vpohl mehr als bisher eine planvoll geleitete Erschliessungsarbeit dazu berufen sein wird, die jüdische Wirtschaft aus den ihr drohenden Krisengefahren herauszuführen. Anlässlich ihres Jubiläums im Jahre 1933 konnte die Gesellschaft mit Stolz feststellen, dass von den 800 000 Dunam, um die sich der jüdische Grundbesitz in Palästina in den 25 Jahren ihres Bestehens vermehrt hatte, 500 000 Dunam durch sie erworben und in jüdisches Eigentum überführt worden sind. In den folgenden zwei Jahren stieg die Gesamtfläche des von der Gesellschaft gekauften Bodens auf annähernd 600 000 Dunam, wovon der bedeutendste Erwerb die berühmte Hulel-Konzession war, die 1934 in jüdische Hände überging. Die Gesellschaft arbeitet als richtige Grundstücksgesellschaft sozusagen auf eigenes Risiko* Erst wenn sie durch ihre Einzelkäufe, die bei den juristischen, wirtschaftlichen und politischen Schwierigkeiten des palästinensischen Grundstücksgeschäftes oft Jahre dauern, grosse Flächen zusammengebracht hat, die sich in das Siedlungsprogramm des Keren Kajemet einzigen, gehen die Böden an den Fonds über. Aber der Keren Kajemet ist nicht der einzige Abnehmer der PLDC. Auch andere, ganz oder halb private Siedlungsverbände, Unternehmungen oder Einzelpersonen erwerben Boden von der Gesellschaft. So ist der Boden für die neuen jüdischen Wohnviertel und Geschäftszentren in . Jerusalem, Haifa und Jaffa-Tel-Aviv zu einem wesentlichen Teil durch die PLDC, gelegentlich in Verbindung mit anderen Gruppen, erworben worden. Aber auch der Kern der Ebene Jesreel und Scharon, heute Zentren der jüdischen Landwirtschaft, sind durch die PLDC erworben worden. Die ersten, im Jahre 1910 vorgenommenen landwirtschaftlichen Bodenkäufe kosteten durchschnittlich etwa 1,6 LP je Dunam, während sich für die Käufe des Jahres 1934 ein Durchschnittspreis von 4,1 LP ergab. Selbstverständlich hält die PLDC bei ihren Käufen ein gewisses Preislimit inne. Spekulative Preisbewegungen macht sie weder im Einkauf noch im Verkauf mit. Die Mehrheit des Aktienkapitals befindet sich im Besitz des Keren Kajemet, des Keren Hajessod und der Anglo-Palestine Bank, also der nationalen Finanzinstitute, und ein von der Exekutive eingesetzter Gouverneur überwacht die Geschäftsführung der Gesellschaft. Es wäre sehr wünschenswert, wenn dieses Instrument noch wirksamer als bisher in den Dienst einer planvollen Bodenpolitik gestellt werden könnte, um für alle Zeiten einen Rückfall in das Spekulationsfieber von 1933/34 zu verhindern. Im allgemeinen geht die Gesellschaft so vor, dass sie grössere Bodenkomplexe zusammenzubringen sucht, die eine baldige Besiedlung oder baldigen Absatz versprechen. Denn sie kann es sich natürlich nicht leisten, ihr Kapital unnötig lange festliegen zu lassen oder einen akuten Bodenbedarf der jüdischen Siedlung auf später zu vertrösten. Denn einmal braucht die Gesellschaft Betriebskapital, um bei gegebener Gelegenheit neuen Boden erwerben zu können, sodann aber ist sie, als richtige Grundstücks-Handelsgesellschaft, darauf angewiesen, laufende Umsätze in Einkauf und Verkauf zu erzielen. Denn nur aus den Gewinnen, die bei einem Grundstücksverkauf tatsächlich realisiert werden, kann sie die Dividendenansprüche dieser Aktionäre befriedigen. Aus diesem Grunde ist auch so schnell wie möglich ein Konsortium zur lieber nähme der Hufe-Konzession gebildet worden. Dem Konsortium werden in seiner endgültigen Zusammensetzung mutmasslich die beiden zentralen Fonds und die Rothschildsche Siedlungsgesellschaft Ica, mit der die PLDC schon öfter zusammengearbeitet hat, angehören. Die Mittel, die aus solchen Verkäufen oder Uebertragungen frei werden, können sofort zu neuen Erwerbungen ausgenutzt werden und in Zeiten der Hochkonjunktur (wie 1934), in denen einzelne Böden schwer zu vernünftigen Preisen zu haben sind, wird der Kauf einer grossen, noch unerschloesenen Fläche durchgeführt, wie jetzt der Erwerb der Hule-Konzession. Selbstverständlich hat das Eigenkapital der Gesellschaft nicht immer ausgereicht. Aber die schwebende Verschuldung ist im Laufe der letzten Jahre, nicht zuletzt durch den lebhafteren Grundstücksverkauf und die Erhöhung des Kapitals ständig gesunken; sie wird heute durch die aus Grundstücksverkäufen entstehenden Forderungen gedeckt Das Aktienkapital, dem als wesentliches Aktivum die vorsichtig bewerteten Böden gegenüberstehen, hat sich im Laufe des letzten Jahres auf rund 180 000 LP verdoppelt. Das autorisierte Kapital beträgt 325 000 LP, so dass die Gesellschaft noch eine bisher unausgenutzte Emissionsberechtigung von rund 145 000 LP hat. Aus dem Gewinn des Jahres 1935 soll eine Dividende von wieder 8 Prozent auf die Stammaktien und 6M Prozent auf die Vorzugsaktien verteilt und der Reservefonds auf 100 000 LP aufgefüllt werden. Ausserdem besteht noch eine besondere Dividendenreserve, um nach Möglichkeit die Aufrechterhaltung einer stabilen Dividende zu sichern und damit auch den privaten Aktionären die Aussicht auf angemessenen und stetigen. Ertrag zu gewähren. Im Vorjahr ist ausser der Dividende noch ein achtprozentiger Bonus in Gratisaktien ausgeschüttet worden. 50 Arztlizenzen für 1936 Im Jahre 1936 werden an einwandernde Aerzte, wie jetzt bekanntgegeben wird, insgesamt 50 Lizenzen vergeben werden. Die Lizenzgesuche werden nach der Reihenfolge der Ankunft der Antragsteller erledigt. Die vor der Sperre, das heisst Ende 1935 bei der grossen Aerzte-Alija, erteilten 500 Zertifikate werden durch diese Einschränkung nicht berührt. Aber schon die Unterbringung der 500 neuen Aerzte wird eine schwere Aufgabe sein. Obwohl noch in erheblichem Umfang ein unbefriedigter Bedarf an medizinischer Versorgung besteht, obwohl mit einer weiteren Zunahme der Bevölkerung und des Wohlstandes zu rechnen ist und obwohl schliesslich ein grosser Teil der neuen Lizenzinhaber von der Lizenz keinen Gebrauch machen wird, bleibt es zu bedauern, dass von den staatlichen Und auch von den jüdischen Stellen so gut wie nichts zu einer. planvollen Einordnung der neuen Aerzte, insbesondere zu einer gesunden Verteilung auf Stadt und Land, geschehen ist. Wie die Jüdische Telegraphen- Agen’tur erfährt, hat die Jewish Agency for Pälestine an den High Commissioner Sir Arthur Wauchope ein Schreiben gerichtet, in dem um Aufklärung über die Basis der Pressemeldungen ersucht wird, denen zufolge neue drastische Einwanderungseinschränkungen zurzeit von der Palästina-Regierung erwogen werden. (Wir berichteten in der vorigen Woche, dass z. B. die Heraufsetzung der Grundsumme für Kapitalisteneinwanderer von 1000 auf 2000 Pfund geplant sei. Die Schriftleitung.) Für und wider den Alkohol Es gibt zurzeit, wenn auch nur in sehr bescheidenem Umfang, eine „Alkoholfrage“ in Palästina. An ein und demselben Tage sind zwei wichtige Ereignisse auf diesem Gebiet zu verzeichnen. Dr. Weizmann, Oberhaupt der Zionistischen Organisation und Präsident der Jewish Agency, nahm persönlich an der Eröffnung der ersten palästinensischen Bierbrauerei, die in freien Räumen der Weinkellereien von Rischon le Zion eingerichtet worden ist, teil. Die Kapazität der Brauerei, deren Gründung von der Pariser Bankiersfamilie Dreyfus angeregt worden ist, beträgt .ein Mehrfaches der palästinensischen Biereinfuhr, die im letzten Jahre die Grenze von 2 Millionen Liter überschritten hatte. Grosse Hoffnungen setzt man auch auf die Verwertung der Hopfen- und Gerste-Rückstände als Futtermittel für die palästinensische Vieh- und Geflügelzucht. Während so das Oberhaupt der Jewish Agency durch seine Anwesenheit den neuen Produktionszweig legalisierte, musste sich das Oberhaupt der Stadt Tel-Aviv in gleicher Richtung durch Abwehr alkoholfeindlicher Angriffe betätigen. Iin Stadtrat von Tel-Aviv wurde festgestellt, dass die zuständige staatliche Behörde bei der Erneuerung verschiedener Konzessionen für den Ausschank' alkoholischer Getränke Schwierigkeiten mache. Bürgermeister Di zengo ff führte diese Tendenz auf Einwirkungen von seiten der englischen Temperenzlergesellschaft zurück, die behauptet habe, es gebe zuviel Trunksucht in Tel-Aviv. In Wirklichkeit dürfte Tel-Aviv wohl von allen Städten der Welt den niedrigsten Alkoholkonsum aufweisen. Bürgermeister Dizengoff erklärte denn auch, dass die Kurze Nachrichten Amtlich wird bekanntgegeben, dass High Commissioner Sir Arthur Wauchope eine Ergänzung zum Pressegesetz erlassen wird, durch die er .die Befugnis erhält, ohne vorherige Verwarnung Zeitungen zu verbieten, wenn sie falsche Nachrichten verbreiten, die geeignet sind, Erregung und Unruhen hervorzurufen. » Die Genossenschaft „Misrad Kablani“, das Bauausführungs-Unternehmen der jüdischen Arbeiterorganisation, hat den Auftrag für die Errichtung von zwei Schulen im Werte von 26 000 LP erhalten. Es ist bekannt, dass in dem ararbischen Jaffa beinahe 20 000 B» IW «geW Ankauf / Hypotheken ilAUwfeiK Verkauf ' besorgen ender "" Juden . leben, davon ein erheblicher Teil in besonderen, rein jüdischen Stadtvierteln, die geographisch und verkehrsmässig, baulich und wirtschaftlich eigentlich zu Tel-Aviv gehören. In Tel-Aviv fand die feierliche Amtseinführung des neugewählten Oberrabbiners Amiel statt. Zu dem Festakt waren über hundert Rabbiner aus Tel-Aviv und den Kolonien der Umgebung erschienen. Die Rabbiner der jüdischen Gemeinde Jaffa-Tel-Aviv übergaben dem neuen Oberrabbiner die Ernennungsurkunde und ein Manifest, das die Aufgaben seines neuen Wirkungskreises umreisst. Die arabischen Forderungen zum Legislative Council Am 7. Januar kamen die Führer aller arabischer Parteien Palästinas in Jaffa zusammen, um über eine einheitliche Stellungnahme zu dem Regierungsentwurf über den Gesetzgebenden Rat Beschluss zu fassen. Gerade in den letzten Tagen hatten entscheidende Sitzungen der verschiedenen Parteivorstände stattgefunden, in denen die Meinungen geklärt wurden. Eine solche Klärung war nötig, denn in der ersten Zeit nach dem Empfang der arabischen Führer durch den High Commissioner und nach der offiziellen Verkündung des Regierungsentwurfes zeigte sich zum mindesten in der arabischen Presse stellenweise eine gewisse Unklarheit und Vorsicht, die eine Prognose über die endgültige arabische Antwort erschwerte. Diese Zweifel sind nunmehr zum guten Teile beseitigt. Die „Palästinensische Araber-Partei“ versammelte ihr Exekutivkomitee in Haifa und beschloss einstimmig, den Gesetzgebenden Rat abzulehnen, da der Entwurf den Erwartungen des Landes und den immer wieder erhobenen dringlichen Forderungen nicht entspreche. Diese Partei ist die Partei des Mufti von Jerusalem bzw. seiner Familie, der Adelsfamilie Husseini. Der Mufti, der oberste mohammedanische Geistliche Palästinas, ist zugleich als Vorsitzender des Moslemischen Rates die wichtigste offizielle Persönlichkeit der arabischen Politik in Palästina. Der Moslemische Rat ist die von der Regierung mit gewissen autonomen Befugnissen ausgestattete Vertretung der mohammedanischen Araber Palästinas; seiner Fürsorge unterliegen neben gewissen kulturellen Institutionen wie Schulen usw. die religiösen Gerichte und namentlich die hier so wichtige Verwaltung des umfangreichen klerikalen Grundbesitzes, des „Wäkf“. Der Moslemische Rat als Organ einer Art religiösnationalen Selbstverwaltung ist also das arabische Gegenstück zu dem Jüdischen Nationalrat (Waad leumi), der die ebenfalls von der Regierung anerkannte Spitzenorganisation der pajüdischen Gemeinde Palästinas darstellt. Aber der Vorsitzende des Moslemischen Rates wird nicht* wie der jüdische, Nationalrat, gewählt, sondern von der Regierung ernannt. - Diese Partei hat in der Bevölkerung sowie auch-bei der Jugend grossen Anhang. Die Exekutive der Arabischen Jugendorganisation ging in ihrer Beschlussfassung noch weiter als die Partei, indem sie ihren Präsidenten beauftragte, Verhandlungen zur Schaffung eines vom Volke gewählten Parlaments und einer aus Wahl hervorgehenden Regierung in Palästina aufzunehmen. Zum vierzigsten Tage seit dem Tode des Scheichs Izz ed Din el Quazzam, des kürzlich im Kampfe. mit der englischen Polizei gefallenen Führers der arabischen Terroristengruppe, veranstalteten die Moslemjugend sowie der arabische Verein junger. Männer in Haifa. Massenversammlungen, in denen der verstorbene Scheich als Freiheitskämpfer gefeiert wurde und scharfe Worte gegen die englische Herrschaft im allgemeinen sowie gegen den Gesetzgebenden Rat im besonderen fielen. Führende Persönlichkeiten der arabischen Bewegung Palästinas, Transjordaniens, Syriens und Aegyptens wohnten diesen Jugendkundgeb.ungen bei oder hatten wenigstens Begrüssungsadressen geschickt. Die zweite grosse Partei, die „Partei der Nationalen Verteidigung“, die sich um den früheren Bürgermeister von Jerusalem, Nashashibi, und seine Familie gruppiert, und — ebenso wie übrigens die Mufti-Partei — auch christliche Araber zu ihren Mitgliedern zählt, hat bisher ihre an sich ebenfalls scharfe Kritik an den Vorschlägen der Regierung in verhältnismässig massvollen Formen geäussert. Die „Reformpartei“ des jetzigen Bürgermeisters von Jerusalem, Dr. Chaldi, will erst nach der Gemeinschaftskonferenz aller Parteien ihren eigenen Standpunkt bekanntgeben. Diese noch junge Partei ist eine Partei der Bürgermeister; ausser dem Stadtoberhaupt von Jerusalem gehören ihr auch die Bürgermeister einiger kleinerer arabischer Städte an, so die Stadtoberhäupter von Bethlehem, Ramalla und Akko. Der „Nationale Block von Nablus“ unter Vorsitz von Abdul Latif Salah steht den Vorschlägen der Regierung ziemlich passiv gegenüber. Freilich hat auch diese Gruppe verschiedene einschneidende Abänderungsanträge angemeldet. Wenn auch bei allen Aeusserungen von arabischer Seite die negative Note entschieden vorherrscht und bisweilen im Ton viel hemmungsloser zum Ausdruck kam, als in der schlichten, aber einmütigen und kompromisslosen Ablehnung der jüdischen Vertreter, so hat man doch den Eindruck, dass die einheitliche Willensbildung, die im jüdischen Lager sofort und geräuschlos erfolgte, auf der arabischen Seite weniger einfach ist. So wurde denn auch in der „interfraktionellen Konferenz“ im wesentlichen nur beschlossen, in dem Antwortschreiben an die Regierung die alten Forderungen der arabischen Nationalisten zu wiederholen. Das bedeutet allem Anschein nach, dass man in dem Entwurf Aenderungen wünscht* aber bis zu einem gewissen Grade das Projekt als Verhandlungsgrundlage hinnimmt. Selbstverständlich können diese Aenderungswünsche so weit gehen, dass damit vom Standpunkt der Regierung aus Verhandlungen unmöglich werden. Bezeichnend ist schon, dass in der arabischen Konferenz der Antrag, der den Vorschlägen der Regierung am weitesten entgegenkommen wollte, mit allen Stimmen gegen die des Antragstellers abgelehnt wurde. Der Antrag stammte vom „Nationalen Block von Nablus“ und lief darauf hinaus, auf Basis des vorliegenden Entwurfs über gegenseitige Zugeständnisse zu verhandeln, wobei als Zugeständnisse der Regierung namentlich Beschränkungen des jüdischen Aufbauwerks gefordert wurden. So *kam man denn auch auf dieser Sitzung nicht dazu, die endgültige Antwort an die Regierung zu formulieren. Interessant wird es namentlich sein, ob auf der neuen Sitzung, die den Text der arabischen Antwort redigieren soll, zwei wichtige Vertreter christlicher Araber, die sich diesmal wegen der griechisch-orthodoxen Weihnachtsfeier entschuldigen Hessen, teilnehmen werden. * Die Partei des Mufti sieht sich inzwischen nach anderen Bundesgenossen um. Die ihr nahestehende Zeitung „Al Liwa“ richtet einen Appell an die Regierungen von Afghanistan, Persien, Fernen und Iraq, ihren Juden die Auswanderung nach Palästina zu verbieten, da die palästinensische Mandatsregierung die Einwanderung dieser orientalischen Juden, die infolge ihrer sehr gedrückten Lage ziemlich zahlreich ins Land strömen, nicht verhindere. Ueber das Hilfswerk der Regierung für dis arabischen Fellachen äusserte sich dieser Tage der High Commissioner persönlich. Die Nachfrage nach landwirtschaftlichen Meliorationskrediten für diese Kleinbauern war so stark, dass die von der Regierung durch Vermittlung der Barclays Bank bereitgestellte Summe von 50000 LP erschöpft ist. .Der High Commissioner sprach die Hoffnung aus, dass man bald das MODEHAUS SCHNEEMANN Kurfürstendamm 203/4 Oliva (J 2) 1958 INVENTUR-VERKAUF Unsere anerkannt guten Qualitäten. 9999