Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936) - farbig
- Issue
- 4 (23.1.1936)
- Date
- 1936-01-23
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Kunstnachrichten Der frühere Direktor des Staedelschen Kunstinsti- - tuts, Professor Dr.jur. Georg S.warz.enski in ' Frankfurt a. M., wurde in diesen Lagen 60 Jahre. : Der Gelehrte, der mit O. von Falke und Ro- " bert Schmidt das Buch über den Welfenschatz herausgab (1930) und eine Publikation „Aus dem Kunstkreis Heinrichs des Löwen" (1932),- wurde 1903 Privatdozent in Berlin . und drei Jahre später Direktor des Staedelschen Kunstinstituts und der Städtischen Galerie in . Frankfurt a. M. Im Zähre 19.15 erhielk er die Berufung als Honorarprofessor an.die Frankfurter .Universität, an der er bfs zuyr -Jahre . 1928 nebenamtlich tätig ,ge? J- - wesen ist. Die K u n st g e w e r b e s ch u l e N e i m a n n (Berlin) ist in den alleinigen Besitz des Architekten Hugo Häring übergegangen. ' In der ©alerte, des Beaux-Arts in Paris sind Neue Gemälde von Chagall zu sehen; im „Salon der Neuen Generation" stellt der österreichische Maler Viktor Tis ch I er: aus, von dem Presseberichte hervorheben, daß er den neuen Stil ' in der Malerei am klarsten vertritt. Die Auktion der Sammlung. Willy Blumenthal in Paris hat die Erwartungen weit übertroffen. Das Gesämtresultat ist zirka 25 Prozent höher als die Schätzungen der Experten. Den Höchstpreis legte ein ägyptischer Sammler für das ■ Porträt der Madame Bouret von Nattier mit ' 270 000 Francs an, während ein allegorischer Tiepolo nur 200 000 Francs erzielte. Das Por^ trät d er Sch au sp i e l e r rw-S.a rah B er n - hardt vott Basti e n-L ePeag erreichte den außerordentlichen Preis von 72 000 Francs. Auch die Preise für Möbel waren, hoch, Das Gesamtergebnis .dieser Versteigerung beträgt 1627 000 Francs. Der Maler Aurel B e r n ä t h. bekannt durch seine Ausstellung bei Hartberg in Berlin im Jahre 1931, veranstaltete jetzt in Budapest eine Ausstel- . lung von neueren Arbeiten, die seinen ungemein feinen malerischen Sinn in voller Entfaltung zeigen. Im Haag hat die Kunsthandlung G ebr. K a tz (bisher Dieren-Arnhem) eine Niederlassung eingerichtet, die. Mit einer, bemerkenswerten Ausstel- - lung altholländischer Bilder eröffnet würde., ' Fast alle bekannteren Meister sind mit.charakteristischen, und - teilweise bedeutenden Werken vertreten./ Außer einem Selbstbildnis Rembrandts von 1630 wiüi ein „Lachender Mann mit Bierkanne" von Frans Hals gezeigt, außerdem ein -„Garten in. ' Delft", von Pieter de Hooch, eine Landschaft von Salomon .Ruhsdäel und Werke, von Ostade und Dou. Die.. Abteilung jü d i s ch e r Kun st im Lühe ck e r. .Völkerkunde-Museum erhielt wertvolle - Stiftungen aus einer Berliner Judaica-Sammlung. In dem bekannten Hospetfale Santa Cruz in Toledo (Spanien) wurde eine Kunstsammlung mit Abteilungen maurischer und jüdischer Kunst eröffnet.-^ Die früher in Berlin tätige Silberfchmiedin EmrnhRoth hatte in Tel-Aviv mit einer Ausstellüng vyn Schmuck und. Geräten viel. Erfolg. Vorher hatte sie ihre Arbeiten in mehreren Pa- - riser Ausstellungen gezeigt. Anläßlich des 125., Togestages von Christoph. Friedrich Nicolai, der eng befreundet mit Lessing und- Moses Mendelssohn gewesen und mit ihnen zusammen die „Bibliothek der schönen.Wissenschaften und freien Künste" gegründet hat, in der alle drei ihrer kritischen Begabung freien-Lauflassen konnten, hat die Staatliche Porzellanmanusartur Berlin eine Büste Nicolais neu ausgeformt.: Es handelt sich um ein Modell des Berliner Bildhauers ' Gottfried Schadow,. der im Todesjahr Nicolais diefen lebensvollen Kopf geformt hat." (Bericht aus „Die Weltkunst", Jahrgang X, Nr. 1' vom 5/Januar 1936.) Schadow war mit der gleiche Recht für. alle, gesichert hätte. Der Jude Elias hatte einen großen Schatz gefunden, und roollte ihn dem König Johann geben. Aber der Jude Kadmiel versenkte den Schatz in der tiefen See, er wollte nicht den Streit um das Gold nach England perpflanzen, er wollte nicht den Tanz um das goldene Kalb wiederholt wissen. - Die beiden an ihrem Tische wären wieder ganz ernst geworden und leise hätten sie gesagt, daß so mit Hilfe, des Juden Kadmiel durch das Gold das; Recht geschaffen wurde. Dann wüßten sie sich „'llbo Rabbi's Song“ vvrzüträgen, eine mystische Darstellung der geistigen Vererbung, und traurig wären ihre Stimmen, wenn sie sich „der Juden aus Shushan" erinnerten, der acht Juden in der kleinen Stadt in Nordindien, die immer darauf warteten, eine vollzählige Minjan zu werden, um sich .eine Synagoge bauen zu können, und die so von Krankheit und Unglück verfolgt wurden, daß sie statt mehr immer weniger würden. Die beiden „rechten Männer von den zwei Enden der Erde" säßen sich jetzt still gegenüber. Eine kleine.Atempause wäre ihnen, notwendig. Aber auf einmal sing der eine wieder an. Und. Faxte und'sagte: So,, mein, lieber. Kipling, jetzt' bist du tot, und die schönste Geschichte der Welt hast du doch nicht geschrieben, du hast nur recht anschaulich dargestellt, warum sie niemals geschrieben werden wird. — — Cs war mir auch wirklich peinlich, versichert schuldbewußt der andere Kipling, daß dieser Charlie Mears sich gerade zu Unrechter Zeit verliebte, gerade da, als er völlig unbewußt von einem seiner früheren Leben als Galeerensträfling erzählte. Ich kann dich versichern. „Mann vom anderen Ende der Erde", daß Charlie die Einzelheiten des. Galeerenlebens zu schildern wußte. wie .sonst niemand, man hörte die Ruder knarren und die heisere Stimme des rothaarigen Kapitäns. Wenn ich an seine „Freien Rhythmen"' denke, läuft mir noch jetzt ein Schauer über den Rücken, „Wir ruderten für' dich, wenn der Wind wider uns-war und die Segel schlaff hingen. Läßt du uns niemals frei? Wir aßen Brot uni)1. Zwiebeln,' während du.' Tochter Ms Wiener jüdischen Juweliers Devidels, Marianne Devidels, verheiratet, die er bei Henriette Herz..kennengelernt hatte. ^usatdlunx Bilder von Arno Nadel im Kulturbund j Im Foyer des Berliner ' Kulturbundtheaters . ha.ngen dreißig Bilder von Äxno Nadel. Es sind ' Porträts ' von Theatermenschen, hauptsächlich Schruspielern. Aber dieso Schanspieler..sind..nicht wreWnst-E' PrÄätmenschM-niit'ähreNiMtägs-'' gesichtern dargestellt, nein. Arno Nadel unternimmt die schwere Aufgabe, diese Gesichter, die. sozusagen erst von, einem andern Künstler, dem ' Dichter geschaffen wurden,, die Gesichter, die schon von einer anderen Kunst durchseelt, erhöht und itt ihrer Ausdruckskraft. bis aufs, letzte gesteigert wurden, wiederzügebeu. Und. nun begrünt sich das Können von Arno Nadel zu beweisen;'er ver-" bindet die ihm dargestell.te Spamtüng mit ferner eigenen, es verbindet sich die schauspielerische, dichterische ' Extase mit seiner malerischen. ’ So sind die Porträts aus der „Jeremias"- . Aufführung gezeichnete, gemalte Schreie, Seufzer, verhaltene Stille, wehes Schweigen, sie enthalten nicht, mehr und nicht weniger als die ganze Kraft, die der Dichter in die Rollen der einzelnen Schauspieler hineingelegt hat,- dazu noch die den Schauspielern eigene Gestaltungsfähigkeit, die der Rolle jeweils zu der persönlichen," menschlich eigenartigeren Färbung verhilft, sie' sind nichts anderes als der Wiederschein des Theaters in den Augen eines , vom Theater besessenen Menschen, Denn wen die „Jeremias"- Aufführung gepackt, aufgewühlt und erregt hat, könnte nicht anders seine Erregung walerrsch zu Papier bringen, wenn er malen könnte. .Daß Arno Nadel malen kann, muß hier nicht erst festgestellt werden; wir wollen aber erwähnen, daß er als Maler, Dichter und Musikschriftsteller noch zusätzlich so viel Theaterbluü in sich hat, daß man meinen könnte, er müßte selbst auf der Bühne das tragische Jeremias-Leid dargestellt. und gefühlt haben. Neben der Jeremias-Serie. hängen hier noch die beiden bekannten.Bilder von Max Pallenberg als Mikado gelb, in breiten Flächen sind die Wangen gelagert, weinrot ist das Gewand des Mikado, flache Striche die Augenschlitze; die ganze Tragik Pallenbergs, seiner Person und seines Schicksals ist hier in knapper Form dargestellt. Dann das Bild von Baleska Gert. Das eine Baleska Gertsche' Auge blickt starr geradeaus, gleichsam als wäre es an einem langen Strick auf einen i>cagel aufgehängt, der in die Wand ' eingeschlagen ist. Die Groteske schlechthin. Weniger gut sind die Bilder vom Intendanten Dr. Singer und Heinz Cvndell. . Sanft, etwas zu sanft und verträumt schaut Dr. -Singer ins Weite, und mit einem Hans Albers Blick ist Heinz Condell behaftet. .Die Heiden Herren gehören doch mehr zum Theater, als die Bilder hier verraten. ... Ifons Brock in Dresden Der Maler AlsemS Brock ist gebürtiger Dresdener und hat vor und nach dem Kriege, den er im Felde miterlebt hat, bei Professor Dorsch und Professor Richard Müller studiert. In seiner Einsührungsrede ließ uns der Künstler am Eröffnungsabend der Ausstellung - (in den Räumen Moritzstraße 1, I) seinen schweren LebenSlaus nacherleben, ein "ernsthaft ringender Mensch, der religiöse und. künstlerische Fragen inmitten von erschwerenden bürgerlichen Lebensumständm zu lösen versucht. Ein Aufenthalt in Palästina 1925 Henry Happ: tfMutterhändeu Aus der Ausstellung im Berliner jüdischen Museum bis 1927 brachte sein Talent eigentlich zur Entfaltung.; ’ - Wir sahen in der Ausstellung zahlreiche Oelgemälde aus jenen eindrucksreichen Jahren, so Gesamtanstchten von Jerusalem (Weg nach der Klagemauer, die Tempelmauer), einen Wasserfall in Obergaliläa am Jordanquellgebiet, Bilder aus Ksar Gilead bei Tel Chaj (wo Trumpeldor gelebt Hat), aus dem Ruinengebiet von Athlit am Meer, Straße aus Methulla mit dem Libanon. Eine eigenartige Technik, handhabt der Künstler bei seinen zahlreichen Porträtköpfen. Sie sind mit Stäbilostisten gemalt- und machen den Eindruckeines Pastells. Er will neben äußerlicher Ähnlichkeit auch' die Individualitäten seiner Modelle erfüssen. Das Bildnis seiner Mutter lächelt gleichsam unter Tränen; Oberkantor Raphael Hofstein sieht uns gütig an; und in vielen anderen Köpfen' erkennen wir charakteristische Typen unserer Zeit, Der Künstler will leider Dresden verlassen.' Hoffentlich findet er in. anderen Gemeinden Gelegenheit zu Menschlich, und künstlerisch befriedigerldem Schassen. B—*. Fot. Herbert Sonnenfeld' Gibt es emen jüdischen Stil? Ein Vortrag von Prof. Fran* Landsberger im Berliner Kulturbund* Die ällgemeine Meinung, daß es keine jüdische Eigenart iü der Kunst gäbe, bewies Professor Landsberger zunächst an dem künstlerischen Stil1 der. polnischen Holzsynagogen, die neuerdings von Breyer bearbeitet , wurden und die enge stilistische ’ Anlehnung an den Architekturstil Litauens aufweisen. Und fast in allen Ländern kann man die Beobächtung machen, daß die „jüdische" Kunst die Farbe des Landes trägt und den Wechsel der. Farbe.mitmacht. Wie das Sakralgerät kaum eigene Bahnen geht, lernt man aus sehr instruktiven Lichtbildern:.. Am Ende seines Vortrages, der der Malerei und Graphik der Moderne gewidmet war, spann Professor Landsberger sehr seine und auch sehr: feinsinnige Fäden zum-' Thema des - Abends, von - denen zu wünschen bleibt, daß sie sich einmal.— durch die Entwicklung bedingt — zu einem faßbaren Gewebe verdichten mögen. Dr. 0. 8. ,. Entdeckung einer mittelsilterlichen Synagoge in Breslau Im Kulturbund Breslau sprach der Breslauer Architekt Professor' Dr.-Jng. Alfred Gr btt e über die Entdeckung einer mittelalterlichen Synagoge in Breslau und. ihre Vorgängerinnen. --Der^ um die Erforschung alter Synagogen in Böhmen, . Polen, und . Süddeutschland verdiente Gelehrte.', konnte bereits früher in einigen schlesischen-Pro-*- vinzkirchen ehemalige' Synagogen Nachweisen, so' in der St.-Salvator-Kirche in Oels, der. St.-Barbara-Kapelle in Striegau und der St.-Adäl8ert<. Kirche in Jauer.-' Seine neue Breslauer EMI. deckung ist ein weiteres Glied in der Erforschung dieser „Synagoaenkirchen". - Bei der. Breslauer Synagoge handelt es sich, umden- Urkern Ber' ins der' Schuhvrücke. am Rande des alten GhlÄbs-- stehenden GHMnasialkirche. Seine Erbauung verlegt1 Grotte in diezweite Hälfte- - des "18.' MW-- hunderts, in die Epoche des Piastenherzvgs Heimrich IV., des sinnesverwandten Neffen Otto«' kars II. von Böhmen, unter dessen toleranter' Regierung Grotte -die'ErbaMüg der - Prager AM ' Neu-Shnägoge anseht. . Wie -in Oels und rn Krakau, erkennt Professor Grotte auch in Breslau die' slawische Kopie der Alt-Neu-Synagoge. . Dieses - Kopieren des Prager System^ hat. er ferner in der großen Pfarrkirche in Münsterberg (Schlesien)', nachzuweisen versucht, in deren Urkern er gleich, falls eine Synagoge des.13, Jahrhunderts per-- mutet. Professor Grotte.stützt seine Behauptungen aus einen rein kunsthistorischen. Indizienbeweis, den. er so sorgfältig führte, daß man. sich der Beweisführung voll . anschließen konnte. . Die. von,''' vielen.-.-Lichtbildern. - unterstützten^ Aussührungengaben auch - interessante ■ Einblicke .-in. die . LoW-. geschichte und fanden den. lebhaften - Beifall 'der zahlreich erschienenen Zuhörer. Schm Städte nahmst oder eilig an Bord flohst, wenn - du geschlagen wurdest vom Feind. Die Hauptleute gingen auf Deck hin und herbei schönem Wetter und sangen Lieder; wir aber waren unten. Die Sinne vergingen uns. und das Kinn sank uns auf die Ruder, du aber merktest es nicht, denn wir schwangen immer^ noch hin und her. Läßt du uns niemals frei? Das Salz machte die Rudergriffe wie Haisischhaut; unsere Knie wurden zerfressen bis auf die Knochen vom Salzl unser Haar klebte an unfern Stirnen, und du peitschest uns, weil wir nicht rudern konnten! Läßt du uns niemals frei? Aber über ein kleines werden wir durch die Luken verschwinden, wie das Wasser, das hie Ruder entlangläust, und wenn du auch den andern besiehlst, hinter uns her zu rudern, du wirst uns nicht einholen, ehe du nicht das Flugwasser der Ruder sängst und den Wind sestbindest ich Bauch der Segel. Ah, läßt du uns niemals frei?" G.ü. Neue Kunstbücher Der Phaidon- Verlag. Wien, ergänzt die Reihe seiner Neuausgaben von Hermann Grimm, Carl Justi, Jakob Burckhardt und anderen durch eine Urproduktion, die ein- Programm ist. In der Einleitung zu dem Bande „Rembrandts Gemälde" (630?lbbildungen; 6 RM) heißt es: „Bibelgesellschaften sorgen dafür, daß jeder leicht sein Exemplar vom Buch der Bücher erlangen kann. Dev Stolz dieser Gesellschaften ist die. Auflagsnzifser; aber es ist kein kaufmännischer Stolz. Außer diesem großen Buch gibt es noch einige andere gewaltige Mensche»- schöpfungen doch wer sorgt für ihre endlose Verbreitung? Michelangelo, Shakespeare-, Dürer,: Rembrandt, Goethe —: sollte es nichtsbedeuten/^ für die Kultur, für die geistige Lebönshaltung, für das Glück des Daseins, wenn hunderttausend; Menschen mehr mit den Werken dieser MenMe.st ' vertraut werden? Sollte nicht vor allem die Ju- -' gend in dem geistigen^ Raum, der von diesen Werken überwölbt. ist. erzogen werden? - Hier' fanden wir unsere Ausgabe;" -l Cs ist -auch die Aufgabe der Juden in Deutschland.. Ein, jüdisches Oualitätsggsühl, wenn wir nicht, als Kultur..volk" um Jahrhunderte zurück* gewarsen werden wollen, kann nur durch die Konfrontierung mit den großen Leistungen anderer Kulturen, sei es selbst, um Distanz zu gewinnen, entstehen. Die Brücke vom Judentum zu Rembrandt zu schlagen ist leicht. Andachtsvoll versenkt man sich rn die Judenköpfe und alttestamentarischen Darstellungen dieses Großen,-der als erster abendländischer Künstler das Menschenantlitz des Juden, entdeckte. .... % Herausgeber dieses in vier Jahren besorgten Taselwerres ist der Altmeister der Rembrandt- Forschung, der achtzigjährige Abraham Bre* d i u s, der unser ist wie seine bedeutenden Vorgänger Carl Neumann und Max I. Friedländer. Georg Simmel Und Werner Weisbach. Dieser Autodidakt, der Stifter des Bred.ius-Museums im Haag und einstige Leiter des dortigen Mau* rit.shuis, . hat im wesentlichen nur diejenigen Bilder Rembrandts zusamMengestellt, von deren Echtheit er überzeugt ist; die Aufnahmen wurden sämtlich neu angefertigt und vermitteln einen guten Eindruck der letzthin gereinigten und häufig von entstellenden Uebermalungen befreiten Gemälde. Im Gegensatz zu Rembrandt hat Dürer so wenig mit Juden zu tun, daß m seiner religiösen Stoffwelt das Alte Testament fast'gänzlich fehlt; Adam und. Eva, Kain und Abel, Hiob und Simson sind die im Nahmen seines Gesamtwerkes, unbeträchtlichen Ausnahmen. . Das stellt Wilhelm W a e tz o l d, der einstige- Leiter der staatlichen Museen zu Berlin, in ' seinem neuen Werke „D-ü r e r u n d seine Zeit" fest (350 Bilder, 4,80 Mark), Diese „Schilderung der deutschen Renaissance" ist endlich „das" Dürer-Buch geworden, welches das Standard-Werk Mölfflins nach der eigenen Meinung des Verfassers nicht gewor-!.den ist; .auch Friedländers „Dürer" - geht nur in gelegentlichen Forschungsergebnissen über Wölfflin hinaus, schuf aher, wie dieser, hauptsächlich "ein - Buch - - für>Künfttzistoriker? Wäetzold; der bedeutende Geschichtschreiberder - deutschen- Kunst*-' . geschichtschreibüngv ünd - Kennerder ggiftig-feeli*. eschen Spannungen zwischen nvrdische.m> und süd*; lrchem Kunstempfinden, gibt ein. großzügiges Zeitgewälde, und zugleich die Smstme der bisherigen gelehrten Forschung, an' der er selbst mit-Spezralarbeiteu- (Dürer als Festungsbaumeister) 'vertreten' ist. Einfach /und eindringlich lehrt Wacholdi in- Dürer „jenseits der ästhetischen Wertungen den ' von Gott besessenen. Menschen zu sehen, der/'sich von Gewissensnot und Seelenangst zu befreien sucht, dadurch, daß er seine innersten Gesichte dar- und vor sich, vor uns hinstellt, daß er sich inder Sprache, die ihm Gott gegeben haste, in der Bildersprache, ausspricht". Das alles interessiert uns als Kulturmenschen und Europäer, doch fehlt in dem Buche auch nicht eine Einzelheit, die wir vor. jüdischen-Lesern nicht unerwähnt lassen möchten: in einem Abschnitt über italienische und deutsche Auffassungckeilt Waetzold eine Stelle aus dem Traktat des Lodovieo Dolce mit, in dem der Italiener den Deutschen tadelt, „daß er die-Mutter Gottes in deutscher Kl-eidung und die Juden mit deutschen Gesichtern und deutscher Haartracht gezeichnet habe, es sei auf die Nationalität der Dargestellten, die Sitte und die.Zeitepoche Rücksicht zu nehmen". Während wir in Waetzolds Dürer-Buch io immerhin zu jüdischen Dingen Brücken schlagen, können, scheint dies., bei Woldemar tz. S eid l i tz', von Kurt Zoeae v. Manteussel überarbeiteten „Leonardo d a B i n c i" (200 Abbildungen, 4,80 Mark) unmöglich-. Leonardo besaß wohl einen Avicenna, aber keinen Avicebron in seiner Bibliothek, und zum Modell des.Judas.'wählte er keinen Juden, sondern einen Verbrecher.. Wer.aber dm. für. ist, daß. wir. uns' das brauchbare. Fremde .assimilieren, .wird auch aus. diesem Leonardo-Buch für die Erkenntnis unserer Geistesgeschichte wichtige Schlüsse'ziehen-können: die Zeit formt den Menschen, Leonardo und -Dürer sind Kinder eines Zeitalters Unter verschiedenen Sonnen, ihre Persönlichkeit wird, in der 'Uuseinandersetzung mit ihrer Zeit, bis der eine in Italien, der andere m Deutschland diesen Zeitgeist in genialer Ukbersteigerung vertritt. Waren schondie Juden, des Ghettos dem Wehen des Zeitgeistes nicht entzogen, wenn er sie zumeist auch später erreichte, um wie -viel mehr versteht -es -sich - für das-moderne - Judentum von selbst, mit der Kulturentwickluna der -Eeuzeit Schritt zu halten! . - An kunstwissenschaftlicher - Solidität stehst W. von ' Seidlitz. den: -Grimm und Justt nicht nach, ' sein.-Stilist frerlich. etwas trockener. Wir Beim ' Dür^r und Rembrandt,ist-die Art her Bebilderung höchst instruktiv: sehr hübsch jst es Raffaels Skizze .. dpr Mona Lisa mit Leonardos 'Original, zu vergleichen oder -Leonardos David-Skizzd. .mit dem Standbild Michelangelos.' -Dr; Lutz Weltmäun.