Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936) - farbig
- Issue
- 4 (23.1.1936)
- Date
- 1936-01-23
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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HW -rrn* Nr. 4*3. Beiblatt 23. Januar 1936 ■e r~^ Grösse und Grenzen neuer Philosophie Das schlicht und klug und mit tiefer Vera nt« Wortung durchdachte Buch des Jesuitenpaters A l * frei) Delp „Tragische Existenz" (Zur' Philosophie Martin Heideggers, erschienen bei Herder, Freiburg i. B.) ist eine grundsätzliche Auseinandersetzung mit der neuen Existenzialphilosophie. Deren Sinn, Richtung und Methode werden am katholischen Standpunkt vorübergeführt und -überprüft, die Einwände dagegen sind also auf das religiöse Denken zurückzuführen und darum in manchem Wesentlichen auch mit unseren Auffassungen zu identifizieren. Uebrigens ist das Werk auch von besonderem, eigenem Wert. Die Not unserer Zeit hat in Heideggers Philosophie ihren eigentümlichsten Ausdruck gefunden, und dieses Denken, das die geistige Situation weithin beherrscht, ja „Mode" rst, ist „die Philosophie der bedrohten Existenz". Ihre Ursprungssituation ist „die geistige Heimatlosigkeit des europäischen und besonders des deutschen Menschen von heute", iher Geschichte die der Entwurzelung. Luther begann sie durch Losreißung des Menschen vom allgemeinen Grund, Kant nahm ihm endgültig das transzendente Ziel und spaltete ihn in den Träger der reinen und der praktischen- Vernunft, nach Hegel blieb er nur noch „ein irgendwo sreischwebendes Wesen, nur seinen eigenen Gesetzen folgend", die wirkliche Welt wurde „Täuschung oder Sündenfall des Geistes". Die Gegenbewegung gegen solche Bedrohung der Existenz setzte mit Nietzsche und Kierkegaard ein, beide verlangen den vollen, ganzen Menschen, und Henri Bergson führt „die Ansetzung einer arationalen, wenn nicht irrationalen Schicht als tragenden Grund für Leben und Denken" bis zum System durch, und von verschiedenen Punkten her legen dann Diltheh und Simmel, Scheler und besonders Husserl das Fundament der Existenzialphilosophie, mit der Heidegger erneut „die Frage nach dem Sinn von Sein" stellt und schließlich, beantwortet: „Ex nihilo onuie ens qua ens fit" und, über die Verstehbarkeit des Serns: „Die Angst ist diejenige Grundbefindlichkeit, die vor das Nichts stellt. Das Sein des Dasens ist überhaupt nur verstehbar — und darin liegt die tiefste Endlichkeit der Transzendenz —, wenn das Dasein im Grunde seines Wesens sich in das Nichts hineinhält." Bei diesen krassen Kardjnalsätzen hakt Delp ein, kennzeichnet die Grundhaltung dieser philosophischen Bewegung als leidenschaftlichen Aufstand gegen den Intellekt und ihre .faktische Erhebung des Menschen zum Mittelpunkt der Philosophie, untersucht, zunächst Heidegger folgend, dessen Begriff Dasein, Existenz, Welt, Verstehen, Befindlichkeit, Angst, Sorge, Besorgen, Geworfenheit, Sein und Zert in ihren Zusammenhängen und als ontologische Gegebenheiten des Bewußtseins, Dann aber die Kritik: ■ Heideggers Methode der vitalen Phänomenologie ■ versage dem Problem seiner Ontologie gegenüber, verabsolutiere das Endliche, fasse notwendigerweise das Sein einseitig aus, führe schließlich zu einem tragischen „Finitismus, der sich vor Gott in Trotz und Hochmut verschließt", gebe eine „Theologie" ohne „Theos", fast eine Gegentheologie: „Man brauchte das erschreckende, ohnmächtige „Nichts" nur durch das allmächtige „Gott" zu ersetzen und zu ergänzen, und wir hätten die Grundthese allen geschöpflichen und gläubigen und christlichen Denkens." Gewiß fet Heideggers Philosophie ein Fortschritt, da „wieder nach dem Ganzen gefragt wird", gewiß sei seine Auszeigung der „ursprünglichen Verbindung zwischen Erkenntnis und tätigem Leben" verdienstvoll, gewiß mußte eine so „destruktive" Philosophie geschrieben werden, zum Ausdruck der Zeit, zur Hineinhaltung ihrer Sicherheit in das „Nichts", zur — Besinnung. Aber die leitende Absicht, dieser Philosophie, „den transzendentalen Horizont der Frage nach dem Sein zu gewinnen", mußte scheitern, „einmal horizontal: es wird nur der ungeschiedene Bewußtseinskomplex der Weltbegegnung beachtet und der nur in den Momenten seiner Verweisung aus Welt; dann vertikal: es werden alle Verweise nach oben übersehen." Ihre Tragik: das Geheimnis der fehlenden Mitte. „Was hilft es, den Menschen der Welt zu geben und ihm sich selbst zu nehmen?" Hier wie im gesamten Zeitgeschehen herrsche „das Gesetz dieser tragischen Selbstauflösung". „Aufruf zu tragischer Existenz ist diese Philosophie, weil Aufruf zu einseitiger Existenz und deswegen Ausruf zu sterbender und untergehender und haltloser und so auch sinnloser Philosophie." * Karl Jaspers stellt sich in seinem Buch „Vernunft u n d E x t st e n z " (Fünf Aula- Vorlesungen der Universität Groningen, Verlag I. B. Wolters, Groningen-Batavia), übrigens dem vielleicht schönsten und vornehmsten philosophischen Werk dieser Zeit, dem gleichen Problem, auch er geht von der Revolutronierung des Denkens durch Nietzsche und Kierkegaard aus, die in der Situation des Philosophierens wie des wirklichen Lebens austreten „wie der Ausdruck des Verhängnisses, das als solches damals noch niemand bemerkt, das aber in ihnen schon sich versteht." Beide haben die Vernunft aus der Tiefe der Existenz heraus in Frage gestellt. Jaspers stellt in formvollendetem Vortrag ihr Wesen, ihre Problematik, ihre Gemeinsamkeit und Unterschiedlichkeit, ihre Zweideutigkeit, das Verwirrende ihrer Wirkung und die Ausgabe des Philosophierens im Verhalten zu ihnen dar, untersucht in der zweiten Vorlesung Sinn, Wesen und Werden der philosophischen Logik, in der dritten die „Wahrheit als Mitteilbarkert", in der vierten Vorrang und Grenzen des vernünftigen Denkens und in der fünften, die uns besonders wichtig ist, die Möglichkeiten gegenwärtigen Philosophierens. Ja, Hegel war das Ende der selbstgewissen, objektiven Vernünftigkeit, und mit Kierkegaard und Nietzsche muß man innerlich in eigener Erfahrung dahrn kommen, wo man wirklich weiß, hier geht es nicht weiter. Aber in Wirklichkeit, sind wir nicht vor dem Nichts, sondern wieder wie jederzeit, wo Menschen leben, vor dem Ursprung. Die tiefste und konsequenteste Ueberprüsung unseres existenziellen und denkerischen Bestandes hat die Fragwürdigkeit der Vernunft als eines Bestehenden ergeben, woraus aber Jaspers durchaus kernen Finitismus folgert, sondern: Vernunft ist Aufgabe, ist „das große philosophische Anliegen". „Ich bin ein Wesen, das der Vernunft fähig ist, aber nicht aus reiner Vernunft ist.. Ich kann nichts Wirkliches nur erdenken, kann daher z. B. auch die Transzendenz nicht beweisen." Wer das Wesen der Vernunft, für sich allein unschöpferisch zu sein, ermöglicht gerade ihre Universalität, durch die sie überall das Schassende in Gang zu bringen vermag. Mit ergreifender Bestimmtheit grenzt Jaspers die Philosophie gegen Religion, Kunst, Wissenschaft, historisch und sonst kritische Betrachtung ab und fundiert großartig unser Denkenkönnen und Denkenmüssen: „Angesichts von Religion und Gottlosigkeit lebt der Philosophierende aus eigenem Glauben. Solange der Mensch philosophiert, weiß er sich im Zusammenhang nicht mit der heiligen Kette der „Wahrhcitszeugen" (in der sich der glaubende Christ fühlen dürste), auch nicht mit der von jeher weltgestaltend wirksamen und jederzeit auch ihre Sprache findenden Gottlosigkeit, aber im Zusammenhang mit der heimlich offenbaren Kette in Freiheit suchender Menschen. Deren leuchtende Glieder sind die wenigen großen Philosophen, die, keine Jünger verlangend, ja sie verschmähend, ihrer menschlichen Endlichkeit sich so bewußt wie der Unendlichkeit, in der sie leben, die Fackel reichen dem, der sie von sich aus ergreift und am Ende vielleicht uns als verglimmenden Funken lveiterträgt, bis der Nächste sie wieder zu Heller Flamme entzündet. Dieser Glaube ist in der Vernunft mehr als Vernunft. Es ist nicht das gleiche, ob ich mich schlechthin gründe in der Selbstgewißheit der Vernunft als erkennendem Tun, oder ob ich mir in diesem Medium als Möglichkeit eigener Existenz gewiß bin." Und gegen den Einwand, Philosophie kenne selbst die Symbole der Transzendenz nur als vom Subjekt geschaffene Gebilde, lasse also das Sein der Gottheit faktisch fallen wie alle Objektivität: „Keinesfalls geschieht das in echter Philosophie. Philosophie kennt im Grunde alle Phänomene als ihr relevant nur, sofern sie Chiffren der ihr vorhergehenden Wirklichkeit der Transzendenz sein können. Sie ergreift in ihrem Suchen die Chiffren als mögliche vestigia dei, nicht Gott selbst in seiner Verborgenheit. Aber die Chiffren bedeuten ihr etwas, sofern sie die Verborgenheit, die sie nicht enthüllen können, doch als das letzte eigentliche Sein anzeigen." „Philosophie —" (und mit diesem Schlußwort wird bei Jaspers ihre Größe und Grenze souverän formuliert) „kann immer nur positiv verfahren; sie spricht und gibt sich kund in der Entfaltung. Wahre Philosophie ist ursprünglich unpolemisch. Sie glaubt dem, woraus sie kommt, und woraus sie geht, wartet aus die Quelle in jedem Menschen. Sie kennt keinen Schutz und vertraut nur der Offenbarkeit und Stille der Wahrheit, die sich in ihr ausspricht." L. H. Hugo Dingler: Das Handeln im Sinne des höchsten Zieles (Absolute Ethik). Verlag Emst Reinhardt» München. Ethik, die Lehre vom „richtigen Handeln des Menschen", ist für Dingler, den bekannten Philosophen. und Methodiker, die Grundwissenschaft aller Philosophie, ja aller Wissenschaft. „Sie ist für den Menschen jedenfalls die wichtigste Wissenschaft, die es gibt. Denn sein ganzes Leben ist Handeln, ist Tat, und die schwierigste Frage für ihn ist die, welches die richtige Tat sei." Also sei absolute Klarheit nirgends so notwendig wie hier, und die große seelische Krisis, die heute die ganze westliche Menschheit erschüttert, habe wohl im Mangel einer absoluten Lösung des ethischen Problems ihren letzten und tiefsten Grund. Nun erklärt Dingler, daß eine absolute Begründung des Ethischen, die sein Buch unternimmt, nicht nur nötig, daß vielmehr eine einzige Lösung möglich und jedenfalls „für das allgemeine Fundament" erreichbar sei. Im Gegensatz zu allen Versuchen von außen her bietet er eine völlig in sich selbst ruhende Ethik, die aus ihren eigenen streng logisch formulierten Grundlagen ausgebaut wird. Auf dem Fundament einer strengen Willenslehre erwächst seine „Ziel-Ethik", die sich durch ihre exakte Begründbarkeit von jeder Gebotsethik unterscheide. Gegen die Gebotsethik, ein Kapitel, das uns besonders angeht, wird hier ebenso polemisiert wie gegen die Wertethik, die auf dem unsicheren Grunde vermeintlicher „Evidenz" errichtet sei. So erscheint schließlich, aus dem Leben fürs Leben geschrieben, eine Sicherheit der Richtung für das Verhältnis der Handlungen des einzelnen zur Gemeinschaft: die Richtung „im Sinne des höchsten Zieles." .Dingler betont, die Anklänge seiner Darstellung an Auffassungen des neuen Deutschlands seien nicht von ungefähr, er komme methodisch denkend auf die gleichen großen Linien. Gegen die Gebotsethik des Alten Testaments wird eingewendet, daß hier Staatsgesetze und ethische Gesetze dasselbe seien, „d. h. die Ethik wird als juristisch mißverstanden." Die Gesetze decken nicht die Fülle des Lebens, daher seien Interpretationen und immer weitere Interpretationen nötig geworden, daher die Entwicklung Thora—Mischna—Talmud. Das Christentum bedeute dann die Revolte gegen die Gebotsethik „los vom Gesetz und hin zur Sache und zum Sinn." Der Leitbegrifs der „Liebe" wurde konstituiertsomit gegen die jüdische Gebotsethik eine Zielethik aufgestellt, offenbar unter einem „von anderer, nicht diesem (jüdischen) Volke angehöriger Seite herkommenden Einfluß." Die Abwendung von der jüdischen Gebotsethik entwickelte sich konsequent bis zur Zielethik in der neuerlichen deutschen Bewegung. Uns steht es nur an, diese Auffassung unserer Ueberlieferung, wonach „die Ethik des Alten Testaments in ihrer allgemeinen Richtung eine durchaus eudaimonistische uni), unheroische ist" und auch darum abgelehnt wird, zur Kenntnis zu nehmen. Wissenschaftliche Verteidigungen, nämlich Darstellungen der jüdischen Ethik, sind von berufener Seite hinreichend versucht worden. L. H. Professor Dr. E. Horneffer: Nietzsche als Vorbote der Gegenwart. A. Bagei A.-G., Düsseldorf 1985. Die schon in zweiter Auflage vorliegendS Broschüre vereinigt drei in der „Deutschen Berg-« Werkszeitung" erschienene Artikel über Nietzschd und die Revolution, die Utopie, das Ideal. Denk Ort ihres ersten Erscheinens entsprechend und denk damit verbundenen Zweck breiter Massenwirkung ist sie klar und anschaulich geschrieben, ohnesehv tief zu graben. Für Hornefsers religiös bedingte Auffassung steht der junge Nietzsche im Vordere grund. Er hebt dessen Kamps für Einheit benS Volksempfindung, gegen Gleichmacherei und den „Götzendienst des Tatsächlichen", gegen eine „ato< mistische Revolution" hervor, schildert die neus Rangordnung der Werte in einer „aristokratischen Diesseitsreligion" und saßt Nietzsches ethische Lehrals Leistungsethik gegenüber der christlichen Lie« bes- und Kants Gerechtigkeitsethik aus. Die Bedem tung einer Religion freilich will er Nietzsches „Utopie" nicht zuerkennen, aber Nietzsche lebe „int Advent", im Vorgefühl einer kommenden Religion. So sind auch Nietzsches sittliche Anschauungen nicht Selbstzweck, sondern in die überlieferten „aufzu< nehmen, einzugliedern, einzubauen". — a — Die Pinkussche Schlesier- Biicherei vom Staat gekauft Die über die Grenzen Schlesiens hinaus berühmte Schlesierbücherei des im Juni 1934 Heimgegangenen Kommerzienrates Max Pinkus (Neustadt O.-S.) ist von staatlicher Seite käuflich für öffentliche schlesische Bibliotheken ' erworben worden. Die Tagespresse, u. a. die „Schlesische T a g e s z e i t u n g , die „Schlesische Zeitung" und die „Breslauer Zeitung", berichten in langen säst übereinstimmenden Artikeln über die am 13. Januar in der Pinkusschen Villa in Neustadt erfolgte feierliche Uebernahme der Bibliothek. (Die „Breslauer Neuesten Nachrichten" hatten schon am 28. Dezember 1935 über den Verkauf der Bibliothek und ihre Bedeutung berichtet, ohne allerdings vollkommen richtig informiert zu fein.) Zu der Uebernahme waren u: a. Archiv- Direktor Dr. Becker von der Preußischen Staatsbibliothek Berlin, der Direktor der Oberschlesischen Landesbibliothek Dr. R o t h e r und Dr. G r a l k a vom Presse- . und Aufklärungsamt der Provinzialverwaltung erschienen. In den Presseberichten heißt es u. a.: „Mit dem Erwerb dieser Bücherei erhalten die schlesischen Bibliotheken einen unschätzbaren Zuwachs. Die Neustädter Bücherei ist eine Spezialsammlung ausschließlich schlesischen Kulturgutes, wie es in solcher Geschlossenheit und Kostbarkeit nirgends vorhanden ist." Archivdirektor Dr. Becker schilderte nach den gleichen Berichten die Bücherei als ein Juwel der schlesischen Büchersammlungen und erklärte, es wäre ein Unglück für Schlesien gewesen, wenn sie für Schlesien verloren gegangen wäre. Der unschätzbare Wert der Bücherei bestehe darin, daß sie zu einer Zeit aufgebaut wurde, als in Schlesien noch niemand daran dachte. Bücher in diesen Besonderheiten zu sammeln. Hier seien Kostbarkeiten zu vielen Hunderten mit ungeheurem Fleiß und großer Mühe zusammengetragen worden, die jetzt für Schlesien erhalten bleiben. Der schlesische Dichter Gerhart Hauptmann sei in dieser Bücherei in einer Weise vertreten, die beispiellos bleiben werde. Diese Gerhart-Hauptmann-Sammlung werde der Staats- und Universitätsbibliothek Breslau als Eigentum zugewiesen, weiter erhalte sie die Sammlung der Ausgaben des bekannten schlesischen Mystikers Jakob Böhme. Die restlichen Bestände, die noch zahllose Schätze schlesischen Kulturgutes enthalten, gingen in den Besitz der OberschlesischeP Landesbibliothek über (die 1937 von Ratibor nach Beuthen übersiedeln wird). Dr. Becker bezeichnete den Tag der Uebernahme als ein historisches Ereignis in der schlesischen Kulturgeschichte, sie sei für Oberfchlesien eine Kulturtat ersten Ranges. — Landesbibliotheks-Direktor Dr. Rother sprach u. a. über die Zusammensetzung der Bücherei, die aus rund 20 000 Bänden bestehe. Die Gerhart-Hauptmann-Abteilung, die allein 4500 Bände umfaßt, bilde eine kostbare Besonderheit. Sie umfasie Erst- und Luxusausgaben, Sonderdrucke, Manuskripte sowie zahlreiche Uebersetzungen in fremde Sprachen (darunter sogar ins Chinesische) und sei in ihrer.Vollständigkeit einzig dastehend. Sie gelte in den Kreisen der Bücherfachleute als beispiellos. Zu der Sammlung gehören auch Bilder Gerhart Hauptmanns in großer Zahl, die Theaterzettel der Erstaufführungen seiner Werke aus aller Welt und eine Unzahl von Zeitungsausschnitten, die sich mit dem Dichter. und seinen Arbeiten beschäftigen. Von den schlesischen Mystikern sei Jakob Böhme in nie erreichter Vollständigkeit seiner Ausgaben vertreten. Die Bibliothek enthalte ferner die schlesischen Dichter und Schriftsteller aller Zeiten. Von Eichendorffs „Der Taugenichts" seien allein 50 verschiedene Ausgaben vorhanden. Weiterhin sind zahlreiche Schriften über. Schlesiens Geschichte, Kunst und Volkskunde, Biographien usw. zu nennen. In der Sammlung alter Drucke befänden sich unschätzbare Kostbarkeiten, darunter von den Mitarbeitern Johann Gutenbergs Wiegendrucke aus den Jahren 1483 und 1499. Die handschriftliche Abteilung enthalte etwa 100 Urkunden aus allen Zeiten, beginnend mit dem 14. Jahrhundert. Stammbücher, Predigtwerke, Protokollbücher von Innungen, Briefe und handschriftliche Nachlässe berühmter Schlesier. Stiche (so die vollständigen Werke Adolf v. Menzels), Pläne und Landkarten schließen sich an." Wir haben in einem Aufsatz (C.-V.-Zeitung Nr. 10, 8. März 1934) und in einem Nachruf (Nr. 26, 28. Juni 1934) die Persönlichkeit und das Lebenswerk von Max Pinkus sowie die einzigartige Bedeutung seiner Schlesierbücherei, die er unter ungeheuren Opfern mit großer Hingabe und liebevollem Verständnis aufgebaut hat, geschildert. Kurt Schwerin (Breslau). Arabesken um Ost und West Dem toten Rudyard Kipling Rudyard Kipling schrieb eine Ballade vom Osten und Westen. „Ja, Ost ist Ost, und West ist West. — Nimmer treffen sich die zlvei. — Bis Himmel und Erde vor Gott zum jüngsten Gericht erscheinen. — Aber es gibt kein Ost und kein West, wenn zwei rechte Männer, und kämen sie von den beiden Enden der Erde, Angesicht zu Angesicht gegenüberstehen." Zwei rechte Männer von den beiden Enden der Erde. Wir wollen uns vorstellen, was das für ein prachtvolles Treffen wäre. Vielleicht müßte der eine Kipling selbst sein. Er wurde in Indien, geboren, er wurde im Orient groß, er wurde der beste Kenner der Psyche des Orients, geschult an der gesamten biblischen Fabel- -und Märchenwelt. Und von dem anderen Ende der Erde müßte zu diesem Treffen auch wieder Kipling kommen. Der andere Kipling aus dem Westen aus London, der der britischen Kolonialpolitik singend die feierliche Weihe gibt mit „Nimm auf Dich des Weißen Alarmes Last". Und bei diesem Zusammensein, das ich mir einmal in einer verräucherten Hafenkneipe denke und einmal in einem ebenso verräucherten Redaktionszimmer, schlügen zuerst die beiden mit den Fäusten auf den Tisch, daß die Gläser oder die Tintenfässer klirrten. Das wären die Präludien zu dem männlichsten Gespräch, männlich, weil von Zucht, von Gerechtigkeit durch Gehorsam vor dem Naturgesetz die Rede wäre, weil davon gesprochen werden würde, wie Harry Chohne, das verwöhnte junge Bürschchen in der Seegeschichte „Captains Courageous" unter den Seebären zum tüchtigen Mann herangezogen wurde, weil der Dschungel mit seinen gefahrvollen Hintergründen die Hintergründe des Gespräches abgäbe und weil „Kim" auftauchte, das irische Soldatenkind, das sich früh verwaist unter dem Hinduvolk herumtrieb, die schlimmsten Abenteuer im Dienste von Polizeispitzeln erlebte und zuletzt als Diener Lei einem alten Lamapriester landete. . Hier erweiterte sich das Gespräch, es umfaßts eine Fülle von orientalischer Pracht, in den lebendigsten und buntesten Farben gemalt. Jetzt waren die beiden Partner warm geworden Schauerliche Grimassen schneidend, hätten sie sich gegenseitig den Tod der Seeschlange geschildert, Wie sie ihn erlebten, als sie mit dem kleinen Dämpfer „Rathmines" von Kapstadt nach Southampton führen. Grausam ging es da zu", sechs oder sieben Fuß über Backbord, in Nebel gei rahmt und völlig ohne Halt oder Stütze, wie der Vollmond, hing ein Gesicht. Es war kein mensch^ liches Gesicht, auch nicht das eines Tieres, es ge--> hörte nicht dieser bekannten Erde an . . ." noch einmal wäre ihnen das weiße Gruseln gekommen. Aber dann wären sie auch schon wieder in Southampton gelandet und mit einem wilden Bocksprung mitten in das Dorf Huckly gefahren, sich im tollsten Gelächter überprustend und verschluckend." Das Dorf Huckly wäre von ihnen ausersehen worden, „zu dem Dorfe, das beschloß, die Erde sei flach", zu werden. Und sie säßen halb ohnmächtig vor Lachen da, bei der Vorstellung, wie das gesamte Parlament das Lied von der flach gewordenen Erde anstimmte, „erstlich weil es ihnen Spaß machte, und zweitens — das ist das Furchtbare an diesem Liede — weil sie nicht aufhören konnten. Um keinen Preis in der Welt konnten sie aufhören." Dann käme aber die Erinnerung an den „Puck vom Bucksberg". Und sie erzählten sich die Geschichte der englischen Verfassung, wie der Jude Kadmiel den 40. Punkt der Magna Charta, das